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Dienstag, 21. Oktober 2025

Unterwegs 26



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 26, Oktober 2025
96 S.









Schon das Titelblatt des Hefts lässt gleich Vorfreude auf Italien-Berichte aufkommen und man wird dabei hier nicht enttäuscht. Ascoli, Bari, Lecce, Manfredonia, Florenz, Latina, Rom und Giulianova sind die Stationen von Spielbesuchen 2024/25. Wie immer erzählt Josef Gruber hier nicht nur vom Gesehenen sondern bietet eine Reihe zusätzlicher Informationen, die den Wert des Fanzines ausmachen. Mit den Ultras 1924 von Giualianova führte er ein absolut rares Interview. Bei den Spielen Manfredonia gegen Martina und Giulianova gegen Barletta war ich auch anwesend und habe die Ehre, in einem der Spielberichte im Heft hier direkt zitiert zu werden und im anderen indirekt vorzukommen.

Diese beiden genannten Matches in Italien waren richtige Highlights, Höhepunkt im Heft ist aber das Römer Derby. Hier gibt es nicht nur den Bericht in Text und Bild sondern auch eine Hintergrunderklärung zur damaligen Lazio-Choreographie und als Besonderheit Auflistung, Übersetzung und Erklärung zu den bei diesem Derby üblichen dutzenden Spruchbändern. „Der Zeitaufwand, den alle Beteiligten damit hatten, war wirklich enorm. Da gingen etliche Stunden und Tage drauf. Teilweise mussten erst Zusammenhänge erfragt und erklärt werden, was halt auch nicht immer möglich ist.“ Josef Gruber zählte und dokumentierte 35 Stück bei der Roma und 19 bei Lazio. Er schätzt aber selbst, dass dies nur 90% der Gesamtmenge ist, weil eine 100%-Quote beim Fotografieren aufgrund der Vielzahl nicht zu schaffen ist. 54 Spruchbänder in 90 Minuten! „Absolut beeindruckende Zahlen, was die Wichtigkeit dieser Tradition ganz dick unterstreicht.“

Neben den bekannten Rurbiken gibt es diesmal auch einiges in der Reihe Anno dazumal aus den 1990er Jahren. Fotos und Erzählungen zeigen deutlich, wie sehr sich die Welt seither verändert hat.


A5 Format / 5 € / Kontakt facebook.com/UnterwegsFanzineSeit1996 gruberjosef.jg @ gmail.com

Donnerstag, 20. Juni 2024

Unterwegs 25



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 25, Mai 2024
92 S.









Jubiläumsausgabe 25 des „etwas anderen Fanzines aus Österreich“. Autor Josef Gruber bilanziert mit den 25 Ausgaben sowie einem halben Dutzend Büchern und Sonderheften nach 28 Jahren „durchaus zufrieden“. Das kann er auch sein.

Zum historischen Cupspiel der Austria Salzburg gegen Red Bull holt Gruber aus und beginnt seinen Bericht beim letzten Spiel mit Anwesenheit der violetten Kurve und ihrem Auszug aus dem gekaperten und umgewandelten Klub am 18. September 2005, von dem er ein Video angefertigt hatte. „Was vor Spielbeginn begann und sich bis weit in die erste Halbzeit hineinzog, war brachial und manifestierte ohne Bedenken den Platz in den Top 3 Kurven Österreichs,“ schreibt Gruber zum Geschehen auf der Tribüne im Jahr 2023. Unter den zahlreichen Aktivitäten, um die Pyrostrafe von 34.000 € zu berappen, gehörte auch ein Film namens David vs. Goliath, den Gruber rezensiert. Im Heft gibt es auch eine Rezension des On the terraces-Fanzines der Udinese.

Weitere Themen sind das Atalanta-Europacupgastspiel bei Sturm Graz, das sich auch am Titelblatt findet. Zu einem Spielbesuch von Genoa gegen Empoli hat Gruber Interessantes zur Kurvengeschichte der Gäste zu berichten. Ebenso gibt es hier viel zur Geschichte der Kurve von Treviso, dem Konnex zum Basketball und dem dortigen Rechtsextremismus zu lesen.

„Nachhilfeunterricht“ erteilt Gruber zur Beziehung von Újpest und der Fiorentina, indem er einen Veteranen ausführlich über die Anfänge zu Beginn der 1990er Jahre erzählen lässt. Wenn man eine Ahnung von ungarischem Chaos hat, schmunzelt man, wenn er zur Begegnung beim Fiorentina-Spiel bei Ferencváros 2023 erzählt, sie wären in Budapest beim Treffen „mit dem hohen Organisationsgrad und der Präzision der Südländer konfrontiert worden“.

Stichwort 1990er Jahre: Dorthin lässt einen Gruber gedanklich in der Wiederaufnahme der anno dazumal-Serie schweifen und erzählt von Spielbesuchen der 1990er Jahre. Wie anders die Umstände waren, erklärt er gleich zu Beginn zum Spiel Milan-Lazio vom 18.5.1997: „Da Filme damals wirklich teuer waren, ging man sehr sparsam mit seiner ,Munition‘ um. So kam es, dass ich von der abgebildeten Milan-Kurve nur sage und schreibe zwei Fotos machte.“ Rapid kommt in der Reihe mit einem Bericht mit Bildern vom Match gegen Boby Brno 1997 vor.


A5 Format / 5 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at

Donnerstag, 21. März 2024

Unterwegs Reloaded, 3



Rezension


Unterwegs Reloaded
Das fehlende Jahrzehnt
Nr. 3
2023
92 S.









Das Jahr 2002 hat dieses Heft im Fokus. Josef Gruber berichtet in der zum Jahresende 2023 erschienen Ausgabe nach Nummer 1 über das Jahr 2000 und Nummer 2 über das Jahr 2001 hier nun über 20 internationale Spiele, die er im Jahr 2002 besuchte und in Bildern festhielt. Ein Augenmerk liegt hier diesmal auch besonders auf letzteren: „Da in diesem Jahr meiner Einschätzung nach viele großartige Fotos entstanden sind, lasse ich an manchen Stellen diese großformatig für sich sprechen.“ schreibt er dazu. Angesichts der zahlreichen Fotos von allerlei Aktivitäten abseits des Spielfelds kann er etwa beim Bericht zu Ruch Chorzów gegen GKS Katowice schreiben „Nicht in die Auswahl schafften es die Bilder der ganzen Bengalen, Überrollfahnen und sonstigem Schnickschnack.“ Gruber verweist dazu auch auf den Zeitenwandel in zwei Jahrzehnten. Während man damalige Tifo-Aktionen heute mit „ok, haben sie gut gemacht“ bewerten würde, sah man sie 2002 als „ein Derby der Superlative“. Sich die Unterschiede der Zeiten zu vergegenwärtigen, ist bei der Lektüre wichtig. Gruber verweist auch an anderen Stellen im Heft darauf.

2002 ging es für Gruber nach Italien, Polen und Ungarn, aber auch auf den Balkan mit Derbys in Belgrad, Zagreb und Maribor. Am spannendsten ist dann doch immer wieder Italien. Wenn er von einem Wochenende berichtet, an dem er Juventus gegen Fiorentina, Milan gegen Atalanta und Pisa gegen Livorno gesehen hat, muss man beim Lesen und der gedanklichen Reise in eine andere Zeit einmal kurz innehalten und sich vergegenwärtigen, wie leiwand diese Tour aus drei Spitzenspielen der alten Zeit gewesen sein muss. Da Josef Gruber feststellt, dass damals niemand in den Reiseberichten die Spruchbänder übersetzte, bietet er hier besser spät als nie nicht nur eine Übersetzung sondern auch die dazugehörige Erklärung der Exemplare beim seinerzeitigen Derby Pisa-Livorno.


A5 / 5 € / Kontakt www.unterwegsfanzineverlag.at

Freitag, 15. Dezember 2023

Unterwegs 24



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 24, November 2023
92 S.









In einem dicken und inhaltsreichen Packerl gemeinsam mit einem neuen Heft von Unterwegs Reloaded und einem Fortsetzungs-Band von Das Fußballstadion (davon später mehr) erschien auch wieder ein neues Heft des Unterwegs-Fanzines von Josef Gruber. Aus dem Sommer 2022 betrachtet und analysiert er die Begegnungen von Ferencváros und Slovan Bratislava mitsamt Rückblicken zur Vorgeschichte, Fotos sowie Meinung und Einschätzung zum Gebotenen. Meine eigenen Texrtpassagen in meinen Blog-Beiträgen zur historischen Einordnung in den Kontext der nationalen Konfliktgeschichte zitiert Josef Gruber ausführlich – „immerhin muss er sich sein Gratisheft auch verdienen“. Ich hoffe, ich habe das damit redlich getan.

Rapid ist gleich mit fünf Spielberichten vertreten. Josef Gruber berichtet von Rapid gegen Lechia Gdańsk 2022 sowie aus dem Jahr 2023 von den beiden Begegnungen gegen Debrecen daheim und auswärts und auch gegen die Fiorentina daheim und auswärts, wobei hier ein interessanter Gastbericht den Hauptteil ausmacht. Aus Debrecen gibt es im Text eine amüsante Anekdote zu einem nicht unbekannten Pfandbecher-Sammler. Sehr amüsant ist auch eine Zeitungsausschnitte-Sammlung über Randale von Rapid-Fans im Burgenland in den 1980ern.

Auch in diesem Unterwegs fehlt ein schöner Italien-Teil nicht. Herausstechend dabei unter mehreren Spielbesuchen sind zwei in sehr guter Übersetzung abgedruckte Texte: Ein Interview mit Porto Pesaro 1982 von Vis Pesaro und ein spannender Artikel zur Kurvengeschichte von Matera von den 1970er Jahren bis 2023/24. Zwei mit allerhand Informationen vollgepackte Texte, aus denen man viel lernen kann.

Weitere Spielberichten im Heft kommen von Sturm Graz gegen Austria Salzburg und aus Deutschland, wohin Josef Gruber auch zu Buchvorstellungen von Le isole reiste. Einen Gastbericht gibt es zum Spiel Zalaegerszeg-Osjiek. Eine Rezension von Die Stimme der Kurve schließt das Heft ab.


A5 Format / 5 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at

Donnerstag, 23. März 2023

Unterwegs 23



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 23, Februar 2023
92 S.









„3 Jahre habe ich es also ausgehalten.“ schreibt Josef Gruber einleitend. 2019 hatte er mit Ausgabe 22 sein Heft eingestellt und sich verabschiedet. Das sieht er heute kritisch und würde er nicht nocheinmal so machen, schreibt er. Stattdessen nimmt er jetzt das Unterwegs wieder auf und schließt an die Vorgängerhefte an. Das seit Heft 15 geführte Italien-Lexikon wird darin nicht fortgesetzt, ist mittlerweile aber in größerem Umfang in Bücher ausgelagert.

Die Spielberichte im Heft reichen vom Frühjahr 2020, kurz vor der Pandemie, bis zum Saisonende 2021/22. Der geographische Fokus ist beibehalten und so gibt es wieder viel von Spielen in Italien und in Südost- und Osteuropa zu lesen. Österreich ist mit dem Kaffeederby einem Begriff, den wohl nur ein kleinerer Teil der Leserinnen und Leser des Hefts kannte, sowie dem 25-Jahre-Jubiläum der Tornados Rapid vertreten.

Zu den Eindrücken von den Spielen gibt es als Extra, wie man es im Unterwegs schätzt, Texte zu Hintergründen. So erfährt man zu einem Spielbericht aus Ferrara die Geschichte von Vecchio Irish 1992. Es gibt zum Spielbericht aus Obermais ein Spezial zu 15 Jahren Curva Sud Obermais. Man liest von der Entstehung der Verbindung von Ruch Chorzów und Borussia Dortmund, ein Interview mit der Jugendgruppe der Via Armenia 5r von Genoa, Giovanni 5r und ein übersetztes Interview mit den The Warriors von Ancona aus dem Fanzine der Curva Nord Ancona und einen lehrreichen Text über die Geschichte der Curva Sud Chioggia.

Neben dem Fußball gibt es auch Ausflüge zum Basketball (!), wo Gruber 2020 das Choreographiefestival zum 50-jährigen Jubiläums der Fossa dei Leoni von Fortitudo Bologna besuchte und die Gruppe auch gleich interviewte. Ein Eishockey-Ausflug begeisterte nicht so sehr.

Bei manchen Fahrten war ich selbst mit an Bord und Auszüge meiner Berichte hier in diesem Blog davon werden im Heft zitiert. Neu sind im Unterwegs abgedruckte QR-Codes, mit denen zusätzliches Material zu den Texten verlinkt wird. Es ist ein Werkzeug, dass man meiner Meinung nach gut einsetzen kann. Das Wichtigste sollte weitherhin im Heft enthalten sein, in Text- und Bild-Form. Aber Weiterführendes, Ergänzendes, etc. kann man so durchaus sinnvoll unterbringen. Zum Derby Hertha BSC gegen Union Berlin vom 9.4.2022 ist mein Blog-Bericht verlinkt.

„Niemals aufgeben, egal wie alt man ist.“ beschreibt Josef Gruber in der Einleitung als Motto und Botschaft des Titelblatt-Bilds.


A5 Format / 4 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at gruberjosef.jg@gmail.com

Dienstag, 4. Oktober 2022

Unterwegs Reloaded 2



Rezension


Unterwegs Reloaded
Das fehlende Jahrzehnt
Nr. 2
2022
92 S.









„Werte Nostalgiker,“ beginnt das Vorwort des Hefts in der Anrede und das trifft es genau. Neunzig Seiten Nostalgie bietet die zweite Ausgabe des Unterwegs Reloaded und führt den mit der Erstausgabe eingeschlagenen Weg fort. Zwei Jahrzehnte danach erinnert sich Josef Gruber an seine Spielbesuche im Jahr 2001 und lässt das Publikum in Text und Bild an seinen Eindrücken und Erlebnissen bei 32 Fußballspielen und zwei Eishockeyspielen teilhaben. Schwerpunkt wie gehabt Italien (Pisa-Livorno!) und Polen.

Oft bleibt man beim Aufblättern länger beim Betrachten der Fotos hängen, bevor man erst mit dem Lesen des Texts beginnt. Gerade, was etwa Italien betrifft, sind das sehr oft sehr interessante Bilder, wenn man das gegenwärtige Kurvenbild im Kopf hat. Dazu gibt es auch wahre Kuriositäten, wie gleich vom 3. März 2001 eine Ansicht eines 50-köpfigen Bologna-Auswärtsblocks in Reggio di Calabria auf allen Seiten umringt von ebensovielen Polizisten im Gästesektor.

Die eigenen Erzählungen ergänzt Gruber durch Übersetzungen der damaligen Spruchbänder, was ein großes Maß an Zeitreise im Kopf bringt, sowie teils durch weitere Informationen wie Interviews und Zitate aus zeitgenössischen Fanzines zu den jeweiligen Spielen. Aber nicht nur von Kurvenhintergründen kann man lesen, sondern auch vom Reisealltag vor zwanzig Jahren. 2001 ist ja eigentlich noch gar nicht so lange her, aber dennoch lief manches anders ab. Zum Beispiel die Quartiersuche: „Booking.com war 2001 noch nicht erfunden. Das bedeutete unzählige Meter Stadtrundgang und zigmal dieselbe Fragerei nach einem freien Zimmer. Was da früher Zeit und Nerven draufgingen, das könnt ihr euch heute gar nicht mehr vorstellen.“

Rapid findet Berücksichtigung in Berichten von den Europacup-Heimspielen gegen Partizan und PSG. „Das Sahnehäubchen an Provokation war eine riesige Commando Ultras Marseille Schwenkfahne und am Zaun eine kleine CU84-Fahne.“ berichtet Gruber vom Block West bei letzterem Spiel und hat ein Gruppenfoto der Lutece Falco am Michaelerplatz in der Wiener Innenstadt im Heft (!), denen er am Nachmittag des Spieltags begegnet war.
Das Partizan-Gastspiel war gemeinsam mit dem im ersten Heft geschilderten Ausweichspiel von Roter Stern im Hanappi auslösender Moment für Gruber, im November 2001 zum Belgrader Derby zu fahren. Die Umstände waren in jener Zeit noch andere. So brauchte es einen freien Tag, um vor Ort in der jugoslawischen Botschaft in Wien das Visum zu beantragen, wofür er von einem Tauschkollegen ein Einladungsschreiben aus Belgrad vorlegen konnte, und – „ein kleines Vermögen damals“ – 420 Schilling zu bezahlen hatte.
„Damals war es bei weitem noch nicht so, dass ganz Europa an einem Derby-Tag in Belgrad auflief. Soweit mir bekannt, waren aus dem deutschsprachigen Raum bis zu jenem 3. November nur die zwei alten Hopper-Legenden Mardo und Teamchef bei dem Derby.“ Allein das verdeutlicht, von welch anderer Zeit hier im Heft zu lesen ist.


A5 / 4,50 € / limitierte Auflage über Vorbestellung / Kontakt gruberjosef.jg @ gmail.com

Dienstag, 22. Juni 2021

Unterwegs Reloaded 1



Rezension


Unterwegs Reloaded
Das fehlende Jahrzehnt
Nr. 1
2021
92 S.








„Es ist an der Zeit für ein Heft, das sich dem Nostalgischen widmet.“ Nach dem Ende des Unterwegs Fanzine mit Ausgabe 22 bringt Josef Gruber nun im neuen Heft Unterwegs Reloaded unveröffentlichte Berichte aus der Erscheinungspause des Hefts zwischen Nr. 6 (Jänner 2000) und Nr. 7 (November 2012). Aus Erinnerungen entsteht mitsamt alten Fotos und neuen Informationen eine interessante Zeitreise. Zwei Jahrzehnte nach den Spielen, über die Gruber hier berichtet, ist die Betrachtungsweise teilweise anders geworden. Sei es, dass in allen Fanzines damals nur „an der Oberfläche gekratzt“ und keine Fakten geschrieben wurden, wie Gruber im Blick zurück feststellt, oder dass „sich 20 Jahre später der eigene Blick auf die alten Fotos verändert, was man so an neuen Details entdeckt und welche Infos man dank einem dichten Netzwerk an Kontakten erhält. Spruchbänder wurden im Jahr 2000 sowieso nur bestaunt, aber übersetzt hat sie kaum jemand.“ Somit bietet das Heft einen Mehrwert mit heutigem Wissensstand.

Es ist eine Zeitreise, wenn man sich beim Lesen die damaligen Umstände vergegenwärtigt. „Man hat die Supertifo bei den stundenlangen Zugfahrten studiert und die Bilder auswendig gelernt. [...] In der Vor-Internet-Zeit hatte ein Foto sowieso eine ganz andere Bedeutung. Du bist oft minutenlang vor einem Bild gesessen und hast die Informationen förmlich aufgesaugt.“ erzählt Gruber etwa, wie man sich über das Auftreten der italienischen Kurven informierte. So steuerte Gruber etwa im Februar 2000 mit Vis Pesaro gegen Rimini ein Spiel der viertklassigen Serie C2 als Hauptspiel des Wochenendes an, was damals eher unüblich gewesen sei. „Auch wenn es kein Derby innerhalb einer Region ist, wusste ich aus dem Supertifo, dass es sich hier um eine ausgeprägte Rivalität handelt.“

Im Mai 2000 ging es für Gruber erstmals nach Polen. „So um 1996 herum habe ich langsam angefangen, mit Polen Bilder zu tauschen. Das waren richtig arge Fotos, wie wir sie hierzulande nicht kannten.“ Wie manches sich doch verbessert hat, sieht man daran, dass er auf der Nachtzugfahrt von Wien nach Warschau durch die Grenzkontrollen insgesamt viermal geweckt wurde. Ich selbst fahre gerne mit Nachtzügen und schlafe gerne durch – daher also eine unangenehme Vorstellung.

Ein „Schmankerl in Hütteldorf“ kommt auch vor. Allerdings nicht von Rapid sondern das von der UEFA aus Sicherheitsgründen von Belgrad nach Wien verlegte Europacupspiel von Roter Stern gegen Leicester City. Daneben sind hier Spielberichte aus dem Jahrvon Februar bis November 2000 aus Italien, Polen, Frankreich (!) und Ungarn versammelt.

Nummer 2 wird Spiele des Jahres 2001 beinhalten. Man kann sich freuen.

Freitag, 20. Dezember 2019

Unterwegs 22



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 22, Dezember 2019
60 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine








Mit Nummer 22 beendet Josef Gruber das Unterwegs Fanzine. Die letzte Ausgabe spielt dafür noch einmal alle Stückerln. Spielberichte gibt es, wie man es hier stets gewohnt war, aus dem nahen Osten Europas (zwar hier nicht aus Polen, aber doch aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien und Slowenien) und vor allem aus Italien. Das zusammengetragene Wissen und der Detailreichtum ist hier die Stärke. So erfährt man über die Anzahlen der anwesenden Freundschaften beim großartigen Play-off-Spiel Triestina-Pisa und die anwesenden Interessierten verschiedener österreichischer Vereine.
Interessant ist die Einschätzung des Derbys Livorno-Pisa vom Oktober 2019, da Gruber es in Relation mit seiner Erfahrungen aus alter Zeit bringt.

Aus Ungarn wird ein besonderes Schmankerl an Informationen aus erster Hand geboten, denn Gruber gibt dem Gründer der Ultra Viola Bulldogs 1992 und langjährigen Kurvenfotografen von Újpest Réti Zsolt Raum, über den Verein, Ultrà in Ungarn und insbesondere die Entwicklung der Újpest-Kurve zu schreiben.

Rapid ist wieder mit einem Gastbericht vertreten. Dieses Mal berichtet der Stuttgarter Timo (timo0711.blogspot.com) seine Eindrücke vom Sommertestspiel Rapid-Nürnberg.

Wie bei der Rückkehr aus der zwölfjährigen Pause in Nummer 7 ist das Heft „Oldschool“ gestaltet: „So richtig mit Schere, Uhu und dem ganzen Bastelkram.“ Seit Heft Nummer 9 durfte ich den einen oder anderen Beitrag leisten. Josef Gruber bedankt sich im Vorwort, aber auch ich muss Danke sagen. Denn ich habe aus der Fülle an Informationen, die hier zu finden waren, sehr viel gelernt.

Freitag, 10. Mai 2019

Unterwegs 21



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 21, Mai 2019
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine








Italien und Rapid machen im großen und ganzen den Inhalt der 21. Ausgabe des Unterwegs aus. Wie könnte es anders sein natürlich mit Schwerpunkt auf Italien. Seine Reisen führten Josef Gruber jenseits der Halbinsel auf die Insel Sizilien, wo er die Spiele Palermo-Benevento, Noto-Mazzarone, Modica-Ragusa und Siracusa gegen Sicula Leonizo besuchte und die geneigten Leserinnen und Leser dazu mit allerhand Eindrücken und Hintergrundinformationen zu den Kurven versorgt. Aus dem Norden gibt es diesmal einen Bericht vom Turiner Derby und dem 50-Jahres-Fest der Curva Sud des AC Milan. Dazu gibt es eine Text von mir über die Geschichte des Austragungsorts von Feier und Jubiläumsspiel, der Mailänder Arena Civica. Die Autorenzeile ist durch ein Versehen zum nächsten historischen Text, über Berlusconis große Inszenierung 1986, verrutscht. Interessant ist ein weiterer Text über die Freundschaft von Milan und Brescia. Zur 50-Jahr-Feier der Curva Sud selbst zieht Josef eine kritische Bilanz.

Zu Rapid gibt es diesmal einen besonderen Gastbericht, von einem Wien-Urlauber aus der Kurve von Genoa über das Spiel Rapid gegen Sturm Graz im Dezember 2018. Er notiert dabei interessante Eindrücke. Einschätzungen des eigenen Geschehens von außen sind immer spannend. Apropos Sturm: Zur Entstehung von deren Freundschaften zu Pisa und Carrara ist ein Text aus dem schwarzen Graz abgedruckt. Besondere Berücksichtigung finden im Heft natürlich die beiden Europacupspiele Rapid-Inter und Inter-Rapid vom Februar diesen Jahres, auf die auf acht Seiten zurückgeblickt wird. Dazu hat Josef einen lehrreichen, ausführlichen Überblick über bisherige Auftritte italienischer Fankurven in Österreich erstellt.

Turin wurde schon erwähnt und die neunte Folge des Italien-Lexikons beschäftigt sich hier auch mit der Region Piemont. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Torino und der Curva Maratona, samt Besuch des nur wärmstens zu empfehlenden Museo del Grande Torino e della Leggenda Granata. Die Meinung über Juventus ist auch am Titelblatt abzulesen, das ein diesbezügliches Transparent am Rest der alten Tribüne des Stadio Filadelfia zeigt (im Hintergrund ist die moderne Tribüne des Stadionneubaus schemenhaft zu erkennen). Den Abschnitt über die Geschichte von Region Piemont und Hauptstadt Turin durfte erneut meine Wenigkeit verfassen. In den Kurvenportraits über die einzelnen Vereine wurden die Angaben zur Halbzeit des Lexikons etwas verändert: „Der Punkt Politik wurde gestrichen, denn der Wandel der italienischen Gesellschaft macht 2019 auch vor den Kurven nicht halt, so ist es kaum mehr möglich hier eine genaue und zu 100% auf die entsprechende Kurve passende politische Aussage zu machen. Neu dazu gekommen ist dafür der Punkt ‚persönlicher Eindruck‘, eine heikle aber spannende Sache.“

Samstag, 15. Dezember 2018

Unterwegs 20



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 20, Dezember 2018
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine







Die zwanzigste Ausgabe des Unterwegs: Im Sommer rückten wieder diverse Europacupspiele in den Fokus, wo Josef Gruber mit FK Sarajevo gegen Atalanta eine sichtlich gute Partie erwischte. „Es stand zur Wahl: TrenčínGórnik Zabrze am Sportplatz in Myjava und nur 350 Karten für Górnik oder Sarajevo mit annähernd gleich vielen Gästen. Ich habe dann doch die unbequeme Variante gewählt. :) Hier gleich mal ein interessanter Vergleich: Atalanta durfte aufgrund der UEFA-Auflagen wieder nicht in Bergamo spielen, der Dorfplatz in Myjava mit knapp 2.700 Kapazität war schon geeignet. Ok, wir wissen eh alle, dass die Herren im UEFA-Hauptquartier einen großen Vogel haben. Man muss es aber doch regelmäßig erwähnen.“ Sehr richtig!
Rapid ist diesmal wieder stärker im Heft vertreten, mit gleich vier Berichten: Einem Gastbericht vom Südstadt-Auswärtsspiel im Juli, natürlich mit den beiden Duellen mit Slovan Bratislava und noch selbstverständlicher mit dem Heimspiel gegen Wacker Innsbruck mit Ultras-Rapid-Jubiläumschoreographie. Zur beeindruckenden „Endstation Hütteldorf“-Choreographie der Tornados beim Heimspiel gegen Slovan Bratislava gibt es auch noch ein Interview zur Entstehungsgeschichte.

Der Schwerpunkt der letzten Hefte lag auf Italien. Langjährigen Unterwegs-Leserinnen und -Lesern fiel da wohl auch die Abwesenheit eines zuvor ebenfalls stark im Fokus liegenden Landes auf. Diesmal ging es wieder dorthin. „2,5 Jahre war ich nicht in Polen, eine kleine Ewigkeit wenn man bedenkt, dass ich seit 1999 so ziemlich jede Saison einige Spiele gemacht habe. Eines der letzten Spiele war das Riotgame Ruch-Wisła, wo es gut zur Sache ging. Kurz darauf erklärten sich beide Seiten zu Freunden. Das war mir dann etwas zuviel, ich habe die Szene in Polen nicht mehr so aufmerksam verfolgt wie früher, einfach weil mir das zu blöd wurde.“ Hier im Heft gibt es Besuchsberichte von vier polnischen Matches, ein Interview zur Freundschaft von GKS Bełchatów und Hutnik Kraków sowie der Hinweis auf das nicht gerade weithin bekannte, aber schöne Stadion Korona Kraków. Dazu gibt es auch einen Bericht vom Budapester Derby mit ungewöhnlicher polnischer Beteiligung.

Das Großprojekt Italien-Lexikon präsentiert in seiner achten Folge hier die Fanszenen Siziliens. Der größte und spannendste Teil ist hier ein ausführliches Interview mit Genna Vito von den Fossa dei Giganti von Akragas (siehe dazu auch Blickfang Ultrà 35).

Freitag, 14. September 2018

Unterwegs 19



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 19, September 2018
96 S.
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Nach dem großen Bari-Schwerpunkt zum Derby Bari-Foggia vom Herbst 2017 in Unterwegs 17 bietet Josef Gruber diesmal hier zum Rückspiel im April in Foggia auf 16 Seiten Seiten ein Portrait der Fanszene von Foggia (bzw. der Curva Nord) mit spannenden Einblicken: Spielbericht, Fotos, Kommentar, Besuche der Gruppenräumlichkeiten und Interview. Dazu gibt es einige weitere Berichte und Informationen aus Italien wie Spielbericht und Hintergrundinformationen zu Portici gegen Arcireale (Video am Youtub-Kanal), Casertana gegen Juve Stabia, Südtirol gegen Viterbese und Südtirol gegen Cosenza. Ein besonderes Erlebnis muss der Empfang der vom Auswärtssieg bei Juventus siegreich zurückkehrenden Napoli-Mannschaft durch stundenlang am Flughafen von Neapel feiernde Tifosi gewesen sein, die den Scudetto in Griffweite sahen (es wurde dann wie üblich nichts). „Die Zeit bis zur Ankunft vertrieb sich der auf mehrere tausend Wahnsinnige angewachsene Mob mit Fackeln, Pogos und Gesängen. Bis auf die Fedayn waren alle Gruppen mit ihren großen Schwenkfahnen (also quasi offiziell) präsent!“

Das Italien-Lexikon präsentiert in seiner siebten Folge die nicht übermäßig bekannte Region Molise, in der v.a. Campobasso erwähnenswert ist. Auf 24 Seiten wird die Region vorgestellt und sich der Kurvengeschichte Campobassos gewidmet. Über das alte Stadion gibt es einen Text von mir.

Das Heft steht also wieder fast ganz im Zeichen Italiens. Daneben gibt es noch einen Spielbericht von Videoton gegen Ferencváros in Felcsút, ein aktueller Zustandsbericht des historischen WAC-Platz in Wien, ein Gastbericht vom Spiel Rapid-Altach und Eindrücke von der 30-Jahr-Feier der Ultras Rapid. Ich selbst beschäftige mich angesichts aktueller Ereignisse in einem Kommentar mit der Frage von Rapid und Religion bzw. dem neuen Naheverhältnis zur katholischen Kirche.

Ein Hammer ist das Kunstwerk von Josef Grubers Frau Sabine, welche diesmal die Unterwegs-Redaktionsmannschaft karikiert hat. Darunter auch die erste Karikatur meiner Person. Wie sie aussieht? Ihr findet sie im Heft.

Dienstag, 8. Mai 2018

Unterwegs 18



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 18, Mai 2018
96 S.
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Die Folgen 4 und 6 des Lexikons der zwanzig italienischen Regionen beleuchten hier das Aosta-Tal sowie Trentino/Südtirol. Im Valle d'Aosta gibt es seit zehn Jahren keine aktive Ultràgruppe mehr und in Südtirol hat sich die Ultràkultur eher im Eishockey als im Fußball breitgemacht. So wird das Aosta-Tal auf vier Seiten verhältnismäßig kurz, aber wohl doch umfassend, dargestellt und im Südtiroler Fall ausführlich auf die Eishockeyszene geblickt. Nur mehr im historischen Teil kommen die ehemalige Kleinfeldfußballszene von Bubi Merano und die ebenfalls ehemaligen Ultras Trento vor. Dazwischen gibt es aber mit Folge 5 ein weiteres Highlight des Lexikons: Ligurien. Es ist ein Interview mit einem Choreographieverantwortlichen der Fossa dei Grifoni von Genoa zu lesen, der seit dem Gruppengründungsjahr 1973 dabei ist, dementsprechend bereits ein gutes Alter hat und aus der Schule plaudern kann. La Spezia ist mir aber abgegangen.

Weiters gibt es die gewohnten Spielbesuchsberichte, diesmal aus Italien, Deutschland und Ungarn sowie vom Europacupspiel von Atalanta BC bei Borussia Dortmund. Verdienstvollerweise klärt Heftautor Gruber bei einem Besuch bei SPAL vor Ort in Ferrara, was es mit dem dort am Zaun hängenden „Wien weissblau − immer wieder S.P.A.L.“ auf sich hat. Wer es wissen möchte: Die Antwort ist im Heft auf Seite 21 zu finden. Als Special neben dem Bericht vom jüngsten Budapester Derby bei Újpest gibt es einen Rückblick auf das Derby vom November 1998. Die Mischung aus aktuellen Berichten und historischen Rückblicken ist ein Markenzeichen des Hefts.

Dienstag, 13. Februar 2018

Unterwegs 17



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 17, Februar 2018
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine






Neben einigen anderen Spielberichten (u.a. vom Wiener Derby im Cup im Herbst) ist der Tour-Teil diesmal von einer Italienreise des Heftautors im November 2017 geprägt. Über Portogruaro, wo derzeit Mestre spielt, führt sie über Empoli, Avellino und Caserta zum großen Höhepunkt, dem Derby zwischen Bari und Foggia. Hier gibt es neben schönen Bildern auch detailreichen Lesestoff über Ablauf und Eindrücke mitsamt Interview mit dem Capo der Seguaci della Nord von Bari. Den Film dazu gab es schon vorab im Youtube-Kanal. Zum Drüberstreuen ging es für die Herrschaften dann noch nach Fasano sowie Teramo am Rückweg. Das alles in vier (!) Tagen, was viele Kilometer und hohe Zeitdisziplin bedeutet. Wer wissen möchte, warum sich in Fasano am Stiefelabsatz der italienischen Halbinsel ein Doppelhalter mit der deutschsprachigen Aufschrift „Ich liebe Kartoffel“ findet, muss im Heft nachlesen.

Sowohl bei den Tourberichten als auch im nachfolgenden Lexikonteil stammen einige interessante historische Beiträge von Sandro Solinas, der soeben eine Neuauflage seines Buchs Stadi d'Italia im Eigenverlag herausgebracht hat.

Die dritte Folge des Italien-Lexikons beschäftigt sich diesmal auf fünfzig Seiten mit der Region Lazio. Ihre Geschichte (diesen Part durfte ich beisteuern), historische Stadien, historische Ultragruppen, Berichte von Römer Derbies 1992 und 1993, Kurzvorstellung von 24 Kurven, Interviews mit zwei Gruppen sowie Buchempfehlungen. Die Fülle an Information ist beeindruckend und ruft Vorfreude nicht nur auf die nächsten Folgen sondern auch auf das geplante zusammenfassende Buch hervor.

Freitag, 17. November 2017

Unterwegs 16



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 16, November 2017
96 S.







Teil 2 des in der vorigen Ausgabe begonnenen Projekts eines Lexikons der Ultràkurven der zwanzig italienischen Regionen führt diesmal nach Apulien (italienisch Puglia) an den Stiefelabsatz. Die Region ist für Josef Gruber die „Königsklasse“. 34 Vereine und Kurven werden von ihm mit Daten, Gruppennamen, Freund- und Feindschaften, einem Foto etc. aufgelistet. Dazu gibt es vertiefende Interviews mit den Ultras Tricase, den Bad Boys von Monopoli und zur Salzburger Freundschaft mit Barletta mit deren Vorsänger Salva. Interessant ist dabei auch wieder einmal der Rückblick auf historische aufgelöste Ultràgruppen. Einen Einblick in die Werkstatt gibt es dazu in der Einleitung des Lexikon-Teils des Hefts: „Besonders schwer war es, Infos aus Taranto ranzuholen. Über 2 Ecken (das übliche Spiel also) klappte aber auch das. Mitten im Hochsommer wurden einem Original aus der Kurve tatsächlich ein paar Sätze über die Auflösung der ersten Ultra-Gruppe in Taranto entlockt. Diese 4 kurzen Rückblicke auf Lecce, Bari, Foggia und Taranto haben gesamt über 1 Woche Recherche in Anspruch genommen. Nur damit ihr ein Gefühl bekommt, wie lang sowas dauert.“ Film- und Büchertipps schließen den 66-seitigen Schwerpunkt ab.

Weitere Berichte behandeln im Heft den Film Großer Bruder sowie einige besuchte Spiele im Sommer 2017. Anläßlich eines Testspiels des Vereins in Altach führt er dort auch ein Interview mit dem Schweizer Atalanta-Fan Remo Z., u.a. Autor des Blogs viaggiare partire (und Teil des Unterwegs-Übersetzungsteams).

Donnerstag, 6. Juli 2017

Unterwegs 15



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 15, Juli 2017
96 S.





Ein großes Projekt beginnt Josef Gruber mit dieser Ausgabe in seinem Fanzine: Ein Italien-Lexikon der Ultràkurven der zwanzig italienischen Regionen. Ursprünglich war das vor Jahren alles anders geplant, wie er ausführt, und zwar als groß angelegtes Buch wie das nunmehr erschienene Polen-Lexikon. Jetzt wird es eine etwas anders gestaltete Serie im Heft, die über die nächsten fünf Jahre laufen soll. Den Anfang machen die mittelitalienischen Marken (italienisch Marche) an der Adriaküste. „Wenn ich kurz nachdenke, so schätze ich mal grob, dass ich an die 20 Leute ziemlich genervt, gequält und an den Rand der Verzweiflung gebracht habe, um das Lexikon über diese Region zu ermöglichen.“ schreibt Gruber. Ich selbst durfte einiges an Texten und Fotos über Sambenedettese beitragen. Von kundigen Autoren gibt es einen Bericht über ehemalige, aufgelöste Ultràgruppen in den Marken und dann werden 17 Szenen kurz mit Daten zu Verein und Stadt (samt Sehenswürdigkeit), Freund- und Feindschaften sowie einem prägnanten Kurvenfoto vorgestellt. Dazu gibt es noch Interviews, übersetzte Pressemitteilungen und eine übersetzte Leseprobe aus einem Buch zur Entstehung der Rivalität zwischen Ancona und Cagliari.

Neben der ersten Folge des Italien-Lexikons gibt es auch wieder einige interessante Matchberichte von Reisen durch das Land, so etwa von Mestre gegen Triestina sowie von einer augenscheinlich sehr guten Süditalienreise nach Benevento, Bari, Lecce, Tricase und Salerno mit wie immer vielen aufmerksamen Beobachtungen vor Ort.

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Donnerstag, 16. März 2017

Unterwegs 14



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 14, März 2017
96 S.





Hütteldorf, Italien, Slowenien, Ungarn, Serbien, Kroatien, Kaiserslautern und Palermo, Salzburg, Brüssel und Ostdeutschland. Das sind die geographischen Koordinaten dieses Hefts von Josef Gruber. Tourberichte, Texte zu Besuchen, Interviews und Rückblicke füllen die fast hundert Seiten, allesamt voll mit Informationen und Fotos. Eine spannende Note sind dabei die Kontrastierungen von Gegenwart und Vergangenheit. So lernt man in einem Spielbesuchsbericht in Vicenza nicht nur über das aktuelle Kurvengeschehen sondern erhält auch historische Informationen. In Venedig werden zu einem aktuellen Bericht Bilder der alten Curva von VeneziaMestre beigestellt. Fotos des Verfallszustands des Laibacher Stadion Bežigrad werden alten Fotos der vollgefüllten Tribüne an der gleichen Stelle gegenübergestellt. Aus Spielbesuchsberichten und Interviews erfährt man über Vergangenheit und Gegenwart der Fanszenen in Zemun und Voždovac.

Von Rapid gibt es einen Bericht vom ersten Europacupspiel im Weststadion, dem großen Spiel des Herbsts Rapid-Sturm mit 20-Jahres-Choreographie der Tornados sowie von deren Jubiläumsfeier.

Der Höhepunkt des Hefts ist ein vielfältiger Berichtsteil zum Derby dell'Enza zwischen Reggiana und Parma, das 2016 zum ersten Mal nach zwei Jahrzehnten wieder stattfand. In mittlerweile gewohnter Manier des Unterwegs werden Städte und Stadien vorgestellt (was ich beitragen durfte), es gibt ein Interview mit einem Besucher des letzten Aufeinandertreffens im Jahr 1997, übersetzte Berichte der Fanszenen von Reggiana und Parma selbst sowie die Eindrücke des Heftautors samt seiner Fotos. Sein Urteil ist eindeutig: „ein Derby der Extraklasse!“

Das Austria-Salzburg-Buch „Meine Mutter hat Stadionverbot ...“ liegt bei mir noch am Büchertisch und will noch gelesen werden. Ein Interview mit dem Autor bietet hier aber schon einmal einen Vorgeschmack.
Von vielen der im Heft beschriebenen Spielbesuche hat man zeitnah schon die Filme am Unterwegs Fanzine Youtubekanal gesehen. Mit den Hintergründen, die man hier im Heft erfährt, hat man dann ein rundes Bild dazu.

Donnerstag, 6. Oktober 2016

Unterwegs 13



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 13, September 2016
95 S.





Eine bewährte Mischung aus Berichten und Interviews zu Kurvengeschehen vor allem in Polen bietet das Unterwegs. Aber auch ein Blick ins Ultras-Ursprungsland Italien fehlt hier nie. Hier besucht Josef Gruber die Kurve von Legnano, die in Südtirol ihren Aufstieg in die Serie D feierte und spricht mit ihnen über Fangeschichte und Vereinsneugründung. In der Serie Berühmte Stoffe lässt er die Masseria von Napoli erzählen.

Aus den Polen-Berichten sticht besonders ein umfassender Tarnów-Schwerpunkt hervor, an dem meine Wenigkeit auch am Rande mitwirken durfte. Neben dem Derbybericht von der Begegnung von Tarnovia und Unia Tarnów in diesem Frühjahr werden nicht nur die Stadt, die Vereine und die Stadien vorgestellt sondern es gibt auch Interviews mit beiden Fanszenen und Derbyberichte aus ihren jeweiligen Perspektiven. Ein besonderes Schmankerl ist der „Nostalgiebericht“ des Heftautors von seinem Besuch beim Derby elf Jahre zuvor. „Nostalgie“ in Anführungszeichen: Es kommen u.a. ein Messer und eine Flucht in eine Hochzeitsgesellschaft vor − um nicht zu viel zu verraten.

Von Rapid gibt es Eindrücke von Auswärtsderby und Spiel bei Sturm Graz im Frühjahr und dem Weststadion-Eröffnungsspiel. Auch der Ferencváros-Auftritt in Csepel darf natürlich nicht fehlen und wird ebenso wie alle anderen Partien im „Kurvencheck“ unter die Lupe genommen.

„Wir lesen uns wieder, wenn es gilt, den ersten Schneemann zu bauen!“ verspricht Gruber im Vorwort.

Ein besonderes Gustostückerl gab es im Zuge des Erscheinens des Hefts in limitierter Auflage zu erwerben (natürlich schon alles weg): Ein Originalreprint der ersten Ausgaben des Fanzines.

Freitag, 13. Mai 2016

Unterwegs 12



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 12, Mai 2016
99 S.





Eine größere Anzahl an Fotos kann das Unterwegs von Josef Gruber nunmehr bieten, da es jetzt komplett in Farbe gedruckt ist. Dieser Umstand wird hier gleich ordentlich genutzt.

An Matchbesuchen stechen neben anderen Reisen wieder einmal die Spielberichte von Besuchen in Polen und Italien hervor, bei denen man wie gewohnt sehr viel über die Kurven erfährt. Der eine oder andere Hinweis im Heft stammt auch von mir, aufgrund gemeinsamer Reisen zu Spielen in Celje und Zagreb. In Polen findet Gruber besondere Orte, wie ein altes Stadion „Erst 1987 (!) mit Hilfe des in den 1990er stillgelegten Bergwerks erbaut, ist der Ground an der Ulica Górnicza mittlerweile total verfallen und zugewachsen. Auf den Rängen kämpfen Bäume um die besten Stehplätze, die Anzeigetafel rostet, dass es eine Freude ist. Interessanterweise wurde das Oval als reines Sitzplatzstadion errichtet. Dank der großen Haupttribüne hatten hier sicher 10.000 Leute Platz.“ Andernorts beobachtet er am Stadioneingang eine durchaus besonders kreative Art, Dinge ins Stadion zu bringen: „Die Kontrollen wurden einfach umgangen, indem man die Fackeln und Rauchtöpfe über den Köpfen der Ordner in den Block warf. Die Cops und der Ordnerdienst taten einfach so als ob nichts wäre, herrliches Bild!“

Im Italienteil gibt es in Form von Berichten und Interviews im Heft allerlei Informationen zu Kurven in Neapel, Andria, Casertana, Herculaneum, Cavese, Fano etc. Zu solchen Infos und Hintergründen muss man erst einmal kommen.

Im immer wieder schönen Rapid-Geschichtsrückblick sind diesmal Erinnerungen von Roland K. an die Europacupspiele auswärts und daheim gegen Feyenoord Rotterdam im Semifinale 1996 zu lesen. Ein eigener Bericht ist auch dem Cupspiel Rapid gegen Austria Salzburg gewidmet.

Dienstag, 8. September 2015

Unterwegs 11



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 11, August 2015
80 S.





Eine großartige Aufarbeitung der Geschichte der Rapid-Fanzinekultur gibt es hier zu lesen! Josef Gruber beschreibt die Fanzine-Pioniere in Österreich und die 1990er Jahre, „die goldenen Zeiten der Fanzine-Kultur in Österreich“, wie er sie nennt: „Im Sommer 1998 habe ich einmal den Versuch gewagt und eine genaue Bestandsaufnahme in Österreich gemacht. Diese wurde in der Nummer 3 von meinem ,Unterwegs‘ dokumentiert. Es gab exakt 37 Hefte!“ Nach der Einführung zur Lage gibt es eine Darstellung der Entwicklung in Hütteldorf, samt Spieltagsflyern und weiteren Fanpublikationen.
Mit ausführlichen Interviews schöpft Gruber aus dem Vollen. Rapideum-Kurator und Fanhistoriker Domenico Jacono spricht u.a. über die Integration von Fanzines in Archiv und Bibliothek im neuen Rapideum im neuen Weststadion. Harald S. von den Klempnern erzählt von den Ausgaben des Fanzines Abflussgeflüster in den Jahren 1993 bis 1995 ihrer seit 1991 bestehenden sympathischen Gruppe und warum sie ihren markanten Fetzen seit Jahrzehnten nur mehr bei Europacup-Auswärtsspielen aufhängen. Lorenz K. berichtet von seinen Anfängen mit der SCR Fanzeitschrift 1993/94, die dann als Block West Echo zum Heft der Ultras Rapid wurde, das er bis 2001 herausgab: „Wir waren mit dem ,Block West Echo‘ ein gewichtiger Teil der Fanzine-Bewegung in Österreich und ein kleiner Teil einer dynamischen Fanbewegung.“ Dominik H. erzählt von Hochs und Tiefs in 18 Jahren Tornados spezial und die „sehr mühsamen und zachen Zeiten um die Jahre 2005/6 − 2010/11. Da kam das Internet so richtig auf und das meist gehörte Argument, warum das Heft nicht benötigt wird: Weil es ja eh im Netz zu lesen ist ...“. Chris von den Lords wird von Gruber u.a. zu der wohl ungewöhnlichsten und mit einer Schlusspointe amüsantesten Story in ihrem Ostboten befragt, einem Interview mit dem Pfarrer des Wiener Stephansdoms. Zu den Gesprächen gibt es auch schöne Faksimiles, die einen guten Eindruck damaliger Berichte liefern.

Weiters gibt es wie gehabt viele Groundhoppingberichte. Bei Vereinen aus Ostdeutschland werden konsequent die DDR-Traditionsnamen verwendet. Auch von der Reaktivierung des alten Brünner Stadions, einem wahrlich bemerkenswerten Nachmittag, erzählt Gruber: „Viele normale Besucher hatten heute ihre alten Fahnen oder Transparente ausgegraben, das unterstrich den nostalgischen Aspekt nochmals deutlich. Mehr Old School, so wie es heute geboten wurde, geht definitiv nicht.“ Mit dem Frühjahrs-Heimderby hat es auch wieder ein Bericht von einem Rapidspiel ins Heft geschafft. Im Rückblick auf vergangene große Rapid-Europacup-Abenteuer gibt es diesmal Erinnerungen von Hin- und Rückspiel der Begegnung mit Petrolul Ploiești 1995. Die Stärke des Hefts sind seit jeher die Interviews. Da gibt es diesmal Gespräche mit einem Fanzineschreiber von Szombierki Bytom und zu Geschichte und Bedeutung der Żyleta-Fahne bei Legia Warschau.

Von mir selbst stammt ein Text über die Geschichte der Stadt Triest von 1946 bis 1949, als es hier zeitgleich einen italienischen und einen jugoslawischen Erstligsten gab, die im selben Stadion spielten.

Beim Meister ist das Heft bereits ausverkauft. Erwerbbar nur mehr im BFU-Shop.

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Unterwegs 10



Rezension

Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 10a und 10b, Dezember 2014
79 + 23 S.


Zum Jubiläum der zehnten Ausgabe seines Fanzines bietet Josef Gruber ein Doppelheft mit insgesamt über hundert Seiten. Vielen Platz nehmen dabei diesmal wieder detailreiche Berichte von seinen Spielbesuchen in mehreren Ländern ein. Dabei erzählt er in Bild und Text auch von gleich vier Museumsbesuchen: Vom großen Fanzinearchiv der Ultras Nürnberg, dem Rapideum mit Führung durch das Hanappi-Stadion, dem gemeinsam mit mir besuchten Bohemians-Museum in Prag und dem neu und größer aufgezogenen Genoa-Vereinsmuseum, das ich noch am alten Standort besucht hatte. Als Freund von Ausstellungsbesuchen interessant zu lesen.

Ein deutscher Belgrad-Experte (31 Derbybesuche!) erzählt im Interview einiges über die Grobari von Partizan. „Ohne tiefere Logik, ohne Sinn und Verstand, it's because we can, so sieht's aus. Dicke Hose, breite Brust. Konsequenzen − we don't care.“ beschreibt Herr Oberleitner an einer Stelle ihre Raison d’être. Weiters gibt es etwas über Magdeburg (Spielbericht und Interview), einen Gastbericht über das Derby Pisa gegen Livorno im Jahr 1997 und vieles andere mehr zu lesen. Meine Wenigkeit durfte diesmal ein wenig über die Stadt Sopron und ihren Fußball beitragen.

In der Rapid-Fangeschichte wird hier dankenswerterweise auch wieder gekramt. So gibt es hier über die ersten Doppelhalter auf der West 1996/97 zu lesen. Eine amüsante Episode rund um den ersten Schal der Ultras Tito Cucchiaroni von Sampdoria wird in einem ziemlich großartigen Comic bildlich dargestellt. Das kann gerne in weiteren Ausgaben beibehalten werden.