Freitag, 27. Februar 2026

Gegen den Strom, 18




Rezension


Gegen den Strom
Ultrazine der Schickeria München
18/25-26
252 S.








Nachdem vier Jahre zwischen Nummer 16 und Nummer 17 gelegen waren, erschien die Nummer 18 des Fanzines der Schickeria München im November 2025 und so schon ein halbes Jahr nach der vorherigen Ausgabe. Die neue Redaktion hielt damit das Versprechen eines erhöhten Tempos ein.

Einen großen Brocken im Heft nehmen mit 147 Seiten die Spielberichte aus der Saison 2023/24 ein. Eine für Bayern München ungewöhnliche Saison, da sie weder Triple noch Double sondern am Ende gar keinen Titel gewannen. Die Spielberichte werden von zahlreichen Fotos illustriert und dazu werden jeweils die in jener Zeit veröffentliche Stellungnahmen zu verschiedenen Themen abgedruckt. Hie und da gibt es auch unter dem Titel „Andere über uns“ Auszüge aus Fanzines der Gegner über den eigenen Auftritt. Zum Europacupspiel des FC Bayern gegen den FC København druckt man hier des weiteren übersetzte Ausschnitte aus einem Bericht eines geschätzten Kollegen von der Seite sportpeople.net ab. In die Saison fällt auch das erstmalige Aufhängen des großen Südkurve München 1972 am Mittelrang samt vorheriger Einweihung in der Südkurve im Olympiastadion, worüber auch zu lesen ist. Öfters ist bei Heimspielen der Marsch vom Südkurvenplatz zum Stadion abgebildet, was den Stellenwert anzeigt, den der Treffpunkt entwickelt hat.

Als historisch Interessierter und Groundhopper sind mir die Red Munichs 89 ein Begriff. Mit einem 59 Seiten (!) langen ausführlichen Interview werden sie hier gewürdigt, erzählen von sich, aus der Entwicklung der Fanszene des FC Bayern, über Reisen in den 1990er und 2000er Jahren sowie ihren Haltungen zu kontroversen Themen wie Unterstützung der Nationalmannschaft, Reise zur WM in Katar etc. Die Frage der Politik wird auch angeschnitten, aber nicht erschöpfend behandelt. Während anderswo Europacupreisen Sehnsüchte wecken, sprechen sie davon, dass diese keine Freude mehr machten. „Die Abwertung des Europacup-Auswärtsfahrens hat zwei Gründe. Erstens, dass jeder Trottel hinfährt. Jeder Bayernfan fährt heutzutage nach Barcelona. Wenn wir da in zehn Jahren nacheinander zehn Mal spielen, sind jedes Jahr 4.500 Bayernfans und jedes Jahr 3.000 andere, die noch nie vorher da waren. Die andere Abwertung ist die Champions League an sich, weil diese ja mittlerweile fast noch mehr eine Zweiklassengesellschaft ist als die Bundesliga.“

Weiters gibt es u.a. über rechtsextremen Terrorismus in München oder A guardia di una fede im Heft zu lesen. Den Abschluss bildet wieder eine viele Seiten lange Graffiti-Bilderstrecke.


A4 / 10 € / erhältlich bei der Schickeria München

Mittwoch, 25. Februar 2026

Ein Stadion geht – die Legende bleibt



Rezension

Michael Höller
Ein Stadion geht – die Legende bleibt
Meine Reisen zu den Lost Grounds Europas
Meyer & Meyer Verlag 2025
256 S.







Ein Buch über Reisen zu verlorenen Fußballstadien und -plätzen, zu Lost Grounds. Michael Höller veröffentlichte ein sehr persönliches Werk, in dem er seine eigene Geschichte und seinen Zugang zum Fußball und zum Groundhopping ebenso beschreibt wie seine erwachte Leidenschaft für die Lost Grounds. Nach jahrzehntelangem Groundhopping sucht er seit 2012 auf den Reisen auch immer nach Lost Grounds. Mit Erscheinen des Buchs hat er mit Stand 31. Mai 2025 725 Lost Grounds gespottet, wie er hier schreibt. Klar tritt dabei für ihn zu Tage: „Belgien ist DAS Paradies für LOST GROUNDS. Man kann auf nahezu jedem dritten Quadratkilometer einen aufgegebenen Fußballplatz finden.“ 125 von ihm besuchte, fotografierte und erkundete Lost Grounds stellt Höller in seinem Buch vor. Die Orte sind nicht nach Ländern oder sonstigen Kategorien geordnet sondern folgen der Reihe nach denen Höller sie besuchte. So folgt etwa auf Kaliningrad mit Sportplätzen aus dem ehemaligen deutschen Königsberg ein Stadion im indischen Kolkata und danach kommt ein Lost Ground in Belgien. Auf vielen der 766 Fotos bleibt das Auge länger hängen.

Michael Höller beschreibt auch Erlebnisse aus seiner eigenen Fußballfan- und Groundhopperkarriere, wobei Anekdoten die Umstände vergangener Zeiten deutlich machen, wie jene aus dem Jahr 1991 über „das ungläubige Gesicht des Mitarbeiters der Fahrplanauskunft am Kölner Hauptbahnhof, als ich ihn im Vorfeld der Tour nach der Zugverbindung Porto-Campanhã – Liverpool Lime Street fragte und er einen Stapel Kursbücher aus dem Schrank räumen musste, um mir diese Frage zu beantworten.“ Ich kenne die seinerzeitigen blauen Kursbücher der ÖBB noch aus den 1990er Jahren. Ich nehme aber an, der Großteil des Publikums des Blogs hier weiß nicht mehr, was so etwas ist.

Neben den schönen Fotos und den persönlichen Erzählungen kann man hier auch einiges über die Stadien lernen. So berichtet Höller etwa ausführlich über die Geschichte des Stadion Serp i Molot in Charkiw, von dem ich bei meinem Besuch damals 2012 zwar einige Fotos machte, aber weniger dazu in Erfahrung brachte. Umfangreich recherchiert hat Höller auch zum Weidenpescher Park in Köln. Denn: „Anders als häufig behauptet, fanden an dieser Stelle 1905 und 1910 nicht die Endspiele um die Deutsche Fußballmeisterschaft statt.“ Mit umfangreicher und sehr guter Recherche ermittelte Höller die verschiedenen Standorte der Sportplätze dort und damit die tatsächlichen Endspielorte, die nicht am heute zu besichtigenden Lost Ground Stadion Weidenpescher Park waren.


A4 / 30,00 € / erhältlich im Buchhandel / ein-stadion-geht.de

Sonntag, 22. Februar 2026

Schrems Frauen – St. Oswald b.Fr. Frauen 1:0 (0:0)

Testspiel, 22.2.2026
Ernest-Gabmann-Platz, 20

Wintervorbereitungsspiel bei Tauwetter im niederösterreichischen Waldviertel. Die in der drittklassigen niederösterreichischen Frauen-Landesliga spielenden Frauen des ASV Schrems trafen auf die Frauen des USV St. Oswald bei Freistadt aus der viertklassigen oberösterreichischen Frauen-Landesliga. Das einzige und spielentscheidende Tor des Tages fiel in den Schlussminuten.
Die Frauen des ASV Schrems begannen 2009/10 in der Frauen-Gebietsliga Waldviertel, als deren Meisterinnen 2011/12 sie in die Frauen-Landesliga aufstiegen. Darin spielen sie nun seit 2012/13.
Der Schremser Kunstrasenplatz wurde 2005 hinter dem Schulsportplatz in Nachbarschaft zum Birkenstadion errichtet. Die Baukosten von 1,2 Mio. Euro trug das Land Niederösterreich, wo der Schremser ÖVP-Politiker Ernest Gabmann Landeshauptmann-Stellvertreter war. Zu seinem 75. Geburtstag erhielt er 2024 vom ASV Schrems die Benennung des Platzes als Ernest-Gabmann-Platz als Geschenk.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Schrems besichtigt.