Tschechien, 2. liga, 12. kolo, 23.10.2026
Stadion v Městských sadech, 3.231
Schlesisches Derby in der zweiten tschechischen Liga. Gegen die zweite Mannschaft des Rivalen FC Baník Ostrava konnte der Slezský fotbalový club Opava nach der Pause in Führung gehen und hätte sich aus dem Spiel heraus einen Sieg verdient gehabt. Allerdings brachte der Ausgleich der Gäste zehn Minuten vor Schluss das Remis.
„Za to, kým jsme, zaplatíme životem“ („Wir werden mit unserem Leben dafür bezahlen, wer wir sind.“) hieß es am Spruchband zur ersten Choreographie im Sektor der Opaváci, die Mitte der ersten Halbzeit. Dazu wurde das Bild eines Totenkopfs als Vorhang hochgezogen, der im Auge das Logo der Gruppe Nota Azienda (2017) hatte, und rot feurig umrahmt. Daneben hatte man fein säuberlich diverse geraubte Stücke an Leiberln, Schals etc. des Gegners aufgehängt und die in weißen Maleranzügen und gelb-blauen Opava-Sturmhauben oder grün-weiß-roten Exemplaren der Freunde von Śląsk Wrocław ausstaffierten Leute zündeten sie effektvoll an und verbrannten sie. Anlässlich des in wenigen Tagen am 28. Oktober anstehenden Feiertags zur tschechoslowakischen Staatsgründung 1918 zeigte man Mitte der zweiten Halbzeit eine zweite Choreographie. Zum Spruch „Z boje za svobodu až k samostatnému státu“ („Vom Kampf für die Freiheit bis hin zu einem unabhängigen Staat“) zeigte man einen Vorhang mit drei tschechischen Nationalhelden. Mit Staatsgründer Tomáš Garrigue Masaryk in der Mitte und u.a. links von ihm den aus der Region Opava stammenden Heliodor Píka, der als Soldat für einen freien tschechischen bzw. tschechoslowakischen Staat gegen Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg und gegen Nazideutschland im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatte und von den Kommunisten 1949 als politischer Gegner hingerichtet wurde. Dazu schwenkte man Fahnen in den tschechischen Farben und es gab auch hier Pyro dazu.
Beide Seiten hatten schwarz-gelbe schlesische Fahnen und Symbole, um ihre Identität zu hochzuhalten.
„Připravte se na porážku!“ („Bereite dich auf die Niederlage vor“) stand in der ersten Halbzeit am Gästesektor der Chachaři, wozu dann in den Schlussminuten der ersten Halbzeit eine große Überziehfahne ausgerollt wurde, die ein nach KI-Grafik aussehendes Bild eines Fleischhauers beim Schlachten eines mit SFC markierten Schweins zeigte. Mit bluttriefendem Messer. Das ganze wurde von hinten im zweiten Schritt rot beleuchtet. Zur zweiten Hälfte behängte man den Zaun mit Baník-GKS Katowice-Freundschaftsfetzen, Baník Ostrava, Ostravaci sowie Red-Black Warriors der Freunde von Spartak Trnava. Am Ende der zweiten Halbzeit gab es eine weitere Choreographie, die der Freundschaft zu Gieksa gewidmet war und den Sektor in den Farben blau-weiß und grün-gelb teilte. Die Freunde GKS Katowice, Spartak Trnava und ROW Rybnik wurden in dieser bekannten Reihenfolge besungen.
An der Hinterwand des Sektors sprayten engagierte Maler im Lauf der zweiten Hälfte FCB. Genauso leidenschaftlich wie die Gäste „Gieksa-Baník!“ sangen und damit die erst unlängst groß zelebrierte dreißigjährige Freundschaft feierten, kam von heimischer Seite zur selben Melodie die Verwünschung „Jebat Baník!“
Fast genau elf Jahre nach meinem ersten Spielbesuch hier im Jahr 2015 bot das Derby die Gelegenheit, hier wieder vorbeizukommen. Damals wie heute ein Zweitligaspiel. Dazwischen hatte der Verein mit Erstligasaisonen 2018/19 bis 2020/21 einen Höhenflug. Da habe ich sie nicht gesehen, obwohl es einige Highlightspiele gegeben hätte. Es waren die ersten Erstligajahre nach insgesamt sieben Saisonen zwischen 1995 und 2005. Damals Ende der 1990er / Anfang der 2000er Jahre hat sich hier eine starke Fanszene etabliert, die sich gegen den übermächtigen Nachbarn behauptet.
Die Stadt Opava hatte ich schon 2015 besichtigt. Vor dem Spiel gab es hier nun daher nur einen einfachen Spaziergang.




































































