Fußball, Soccer, Calcio & Co.
Samstag, 25. April 2026
Stinatz – Ollersdorf 1:3 (1:1)
Burgenland, 2. Klasse Süd B, 22. Runde, 25.4.2026
Sportplatz Stinatz / športsko igrališće Stinjaki, 456
„Mi smo Stinjaki“ („Wir sind Stinatzer“) heißt es hier und so motivierte sich die Mannschaft auch vor Beginn des Derbys. Dieser Leitspruch des FC Stinatz steht schon am Eingangstor zum Sportplatz geschrieben und ist auch auf den Dressen zu lesen. Stinjaki ist der kroatische Name von Stinatz. Wie große Teile der damals westungarischen Region wurde der Ort hier im 16.Jh. kroatisch besiedelt und ist seit einem halben Jahrtausend burgenlandkroatisch (gradišćanski Hrvati) geprägt.
Einen sportlichen Favoriten gibt es in so einem Nachbarschaftsderby wie bei diesem Spiel oft nicht. Das zeigte sich hier wieder. Die Stinatzer gingen nach 24 Minuten in Führung, der SV Ollersdorf konnte aber noch in der ersten Hälfte ausgleichen, in der zweiten Hälfte den Spielstand drehen und per Elfmeter in der Nachspielzeit zum 1:3 den Schlusspunkt setzen.
Feurig pyrotechnisch eingeleitet hatte der Stinatzer Fanblock um die Stinatzer Knochenbrecher Ultras, mit schwarzem Supporters-Fetzen an der Bande, und die Sektion Schirm (deren Namen sich angeblich darauf bezieht, dass früher die Stinatzer Frauen Leuten mit dem Regenschirm nachgelaufen wären) und ihrem Banner „Eine Gang und wir hoitn zaum“ am Dach.
Der FC Stinatz begann neu, nachdem der 1959 gegründete ASKÖ Stinatz im Frühjahr 2016 den Spielbetrieb eingestellt hatte und überschuldet in Konkurs gegangen war. Der ASKÖ Stinatz hatte 1960/61 in der 2. Klasse Süd begonnen und seinen Höhepunkt erst kurz vor dem Ende mit dem Meistertitel der II. Liga Süd zum 50-jährigen Vereinsjubiläum 2008/09, den Saisonen in der Burgenlandliga 2009/10 bis 2013/14 und dem dritten Tabellenplatz in dieser höchsten burgenländischen Spielklasse 2012/13 erlebt. Danach war es mit zwei Abstiegen rasant hinunter gegangen. In Anlehnung an das einstige ÖFB-Cup-Gastspiel von Blau-Weiß Linz hier in der ersten Cup-Runde 2011/12 (1:3 des Landesligisten gegen den Zweitligisten vor 900 Zuschauerinnen und Zuschauern) gab es 2019 Bestrebungen für einen Verein namens Blau-Weiß Stinatz, dieser nahm aber keinen Spielbetrieb auf. Der 2020 gegründete gelb-schwarze FC Stinatz begann dafür zunächst mit Nachwuchsmannschaften und etablierte im zweiten Schritt 2023/24 eine Kampfmannschaft. In der 2. Klasse Süd B belegte man seither 2023/24 den achten und letzten Tabellenplatz in der Premierensaison, den siebten und vorletzten Platz vorige Saison 2024/25 und spielt aktuell mit dem derzeit vierten Tabellenplatz 2025/26 die beste Saison seit dem Neubeginn.
Der vormalige Verein hatte 2011/12 auch den seinerzeitigen, 1988/89 bis 2013/14 ausgetragenen Kroaten-Cup (Hrvatski nogometni kup) gewonnen. Weltberühmt in Österreich ist Stinatz aber vor allem durch das Lied Fürstenfeld von STS („I spü höchstens nu in Graz, Sinabelkirchen und Stinatz“). 1995 war es einer der Orte der Bombenanschläge des rechtsextremen Mörders Franz Fuchs, der kurz nach seinen Morden in Oberwart hier im burgenlandkroatischen Dorf an einem Kinderspielplatz eine als Spraydose getarnte Sprengfalle auslegte, die eine Müllabfuhrarbeiter die Hand zerfetzte. Regional bekannt ist die Oster-Tradition durch Eierkratzen kunstvoll verzierter Ostereier, nicht zuletzt durch einen in den Weiten und Untiefen des Internetz oft geteilten ungewollt humorvollen Fernsehbeitrag. Der Sportplatz ist auch von „Ozelots“ für „Flag Football“ genutzt und war auch in der fußballerischen Pause zeitweise von den Stinatzer Altherren bespielt worden. Mit viel gelber und schwarzer Farbe ist er hier nun schön gestaltet und war an diesem Derbynachmittag sehr gut besucht.
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