Mittwoch, 2. September 2026

Supertifo 1 (2026)



Rezension


Supertifo
Anno 1, Numero 1
9 luglio 2026
52 S.








„Siamo tornati!“ („Wir sind zurück!“) hieß es Anfang Juli in Italien. Zehn Jahre nach dem letzten und erfolglosen Versuch, das Heft wieder erscheinen zu lassen, und dem anschließenden Rückzug auf Social Media entschied man sich nun, in unregelmäßigen Abständen wieder gedruckte Hefte zu machen. Die Bedeutung des ab 1985 erschienenen Supertifo für die Entwicklung der Ultràbewegung in Italien und dann darüber hinaus ist in seiner Hochphase der 1980er und 1990er Jahre gar nicht hoch genug einzuschätzen. Nicht umsonst galt es in seiner besten Zeit als das meistgefladerte Heft in italienischen Trafiken.

„Siamo regrediti.“ („Wir haben einen Rückschritt gemacht!“) bilanziert ein Artikel mit Blick auf innere Machtkämpfe der Kurven und die immer stärker werdenden Repressionen des letzten Jahrzehnts in Italien, schließt aber mit verbleibender Hoffnung mit Verweis auf die erfolgreiche Unterschriftensammlung für die jüngste Petition für Freiheiten. Bilder waren schon in früheren Zeiten ein Schwerpunkt des Hefts, als es ja abseits von solchen Druckwerken keine größere weitere Verbreitung von Fotos von Tifo-Aktionen gab. Auch hier gibt es traditionell Bilderstrecken zu Choreographien und Tifo-Aktionen der Saison 2025/26 in Italien. Ivan Cutrupi schreibt in einem Text gegen die zur Normalität gewordenen Verbote von Auswärtsfans an. Auch ein weiterer Text von Fananwalt Giovanni Adami beschäftigt sich im Rahmen mehrerer Problemstellungen aus rechtlicher Perspektive mit der Thematik und verweist etwa darauf, dass die Anzahl dieser Spiele in Vergleich zu anderen Ländern (selbst Griechenland und Frankreich) in Italien vergleichweise viel höher ist und nicht der Spielplan für den Fan der entscheidende Moment ist sondern die drei oder vielleicht vier Tage vor dem Spiel bekanntgegebene Entscheidung über das Gästeverbot. „Il divieto è ormai la regola e partire per la traferta l'eccezione.“ („Das Verbot ist nun die Regel und eine Auswärtsfahrt ist die Ausnahme.“)

Man darf gespannt sein, ob sich das 2026 neu nummerierte Heft wieder etablieren kann. Die 25.000 Stück Startauflage waren offensichtlich jedenfalls schnell weg.



A5 / 3,90€ / erhältlich im italienischen Zeitschriftenhandel

Dienstag, 1. September 2026

Ballesterer 208



Rezension


ballesterer
Nr. 208
September 2026
84 S.








Aktive Teilhabe am Vereinsgeschehen durch Fans, die Funktionen im Verein übernehmen, ist am Beispiel Deutschland Schwerpunktthema des Hefts. FCN-Aufsichtsrätin Sandra Hummel erzählt in der Titelgeschichte „Ich sehe es als meine Aufgabe, in die Kurve zu tragen, was bestimmte Dinge für den Verein bedeuten, aber vor allem in den Verein hinein zu erklären, warum etwas in der Kurve passiert.“ und nennt dabei etwa die Proteste gegen die DFL-Investorenpläne 2024 als Beispiel. Artikelautorin Nicole Selmer bezeichnet diese Tätigkeit als „Übersetzerin“.

Qualitätsjournalismus prangt deutlich sichtbar unter dem ballesterer-Schriftzug am Titelblatt, wo zuvor das Wort Fußballmagazin als Inhaltsbeschreibung stand. Im Heft geht man darauf ein, dass dem Magazin die aufwändig beantragte Qualitätsjournalismusförderung nicht genehmigt worden war, was Wut auslöste. In den Redaktionsinterna versteckt sich der Hinweis „Übrigens: Seit einigen Ausgaben verwenden wir mehr diakritische Zeichen.“ und ich finde das auch ganz hervorragend, weil einfach richtig und wichtig, korrekt zu schreiben. Das angemerkte Problem mit den nicht in allen Schriftarten darstellbaren Zeichen kann in Kauf genommen werden.

Im Nachruf auf Antonio Rattín zeigt ihn das Bild dazu im Argentinien-Dress vor leeren Rängen im Wiener Praterstadion. Es handelt sich offensichtlich um ein Foto des Testspiels der argentinischen Nationalmannschaft, die sich auf Trainingslager in der niederösterreichischen Wachau auf die WM vorbereitete, gegen die Wiener Austria dort 1966, die damals wie heute wenig Interesse hervorrief. Nur 4.000 Leute verloren sich damals zu dieser Veranstaltung im großen Oval des heutigen Ernst-Happel-Stadions.

Themen im Heft sind u.a. Debatten um fankulturelle Veränderungen beim Wiener Sport-Club, der Fall des in Algerien seit über zwei Jahren eingesperrten Christophe Gleizes, eine Onlineplattform für Spielervermittlung und eine herzerfrischende Reportage vom nördlichsten im Meisterschaftsbetrieb bespielten Rasenfußballfeld Schwedens, dem Palovallen in Parkalompolo.

Vom schönen Rapideum-Buch Dein Name in Europa ist famos ist eine Rezension von mir im Heft zu lesen. in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ geht es im Heft auf den Kalvari zum FC Fliess im Tiroler Oberland.


A4 / 9€ / erhältlich im Zeitschriftenhandel