Donnerstag, 5. Februar 2026

Ballesterer 203



Rezension


ballesterer
Nr. 203
Februar 2026
84 S.








Tschernobyl 1986 als Schwerpunktthema eines Fußballmagazins überrascht. Tatsächlich informiert das Heft lehrreich, welche Auswirkungen die Nuklearkatastrophe auf den Fußball hatte und wie es um ihn in jener Zeit bestellt war. Schlimme Fakten – „spätere Schätzungen gehen von 4.000 bis 16.000 Todesfällen aus“ – und Absurditäten, wie der Ausnahme vom aus Strahlenschutzgründen verhängten Salzburger Rasenmähverbot im Lehener Stadion für die Abhaltung eines Länderspiels samt fragwürdiger Empfehlung, nicht den Beton abzuschlecken um vor der Strahlung sicher zu bleiben, haben Jan Mohnhaupt und Nicole Selmer zusammengestellt. Über den Lost Ground des Stadions von Prypjat, das aufgrund der Katastrophe nie eröffnet wurde, gibt es einen Reisebericht von Hubert Herzog.

Fredy Bickel gibt ein Interview über seine Zeit in der Schweiz und bei Rapid, bleibt aber im wesentlichen auch nach der Lektüre frei nach Oscar Wilde eine sphinx without a secret. Weitere Artikel handeln u.a. von der österreichischen Bundesliga, Ost-Timor, Kap Verde oder Marokko. Vom eher in der negativen als in der positiven Wortbedeutung verrückten Ilčo Naumoski gibt es einen Auszug eines wohl stärker die zweitere Variante betonenden Buchs über ihn.

In der alljährlichen Umfrage unter den Leserinnen und Lesern des Hefts belegt meine Serie einen guten vierten Platz im Ranking der Rubriken und in der offenen Frage, was ihr oder ihm im Heft fehle, antwortete jemand „ab und zu ein Blick ins Unterhaus (Regionalligen und darunter) – die Dorfplatz-Serie ist aber super“. Das freut mich! In der diesmaligen Folge geht es zum FC Egg in den Vorarlberger Bregenzerwald.


A4 / 9,00 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Sonntag, 1. Februar 2026

Kras Repen – Pordenone 0:5 (0:3)

Italien, Eccellenza Friuli-Venezia Giulia, 22a giornata, 1.2.2026
Športno igrišće Dario Škabar, ca. 300

Beim slowenischen Fußballverein in Italien gewann Pordenone erstaunlich sicher. Erst vor vier Wochen auswärts in Cividale del Friuli hatte ich sie nicht so souverän gesehen. Der Verein Kras Repen ist Teil der rund 50.000 Menschen umfassenden slowenischen Minderheit in Italien, die hauptsächlich im Osten der Region Friuli-Venezia Giulia lebt. Bis 1918 war die Gegend hier als Österreichisches Küstenland (italienisch Litorale Austriaco, slowenisch Avstrijsko primorje) Teil der Habsburgermonarchie und kam erst nach dem Ersten Weltkrieg an Italien.
„Dejmo Kras zmagaj za nas!“ („Lasst Kras für uns gewinnen“) stand groß am schon zuvor bei großen Spielen gezeigten Banner an der Tribüne gegenüber, wo die 2014 gegründeten Red Boys standen und slowenisch ihren Verein supporteten. Für so eine kleine Gemeinde war das schon beachtlich. 837 Menschen leben in der aus den Ortschaften Fernetiči (Fernetti), Repen und Col bestehenden Gemeinde Monrupino (italienisch) bzw. Repentabor (slowenisch). Ein eigenes Banner „Ljubo, vedno z nami!“ („Ljubo, immer bei uns!“) erinnerte an den 2024 verstorbenen Ljubo (Erik Suber). Für ihn veranstaltete man im Sommer 2025 hier ein Gedenkturnier. Das damals aufgehängte Transparent „Erik, vedno naših srcih!“ („Erik, für immer in unseren Herzen!“) hängt nun vorne an der Haupttribüne.
„Vicini alla popolazioni del Sud Italia“ („Wir stehen den Menschen Süd-Italiens bei“) richtete sich ein Spruchband im Pordenone-Gästesektor zu Spielbeginn aus dem äußersten Nordosten des Landes an die naturkatastrophengeplagten Menschen Süditaliens. Mit Tifo zu den wohlbekannten schönen Melodien italienischer Ultras sang der Block um Supporters Pordenone (2008) und Bandoleros Pordenone (2016) sowie Gomiti Alti für ihren Verein. Bei der sciarpata war auch ein Schal der befreundeten Fdp Al Seguito von Sanvitese zu sehen.
Der Nogometni klub Kras Repen wurde 1986 in der Ortschaft Repen gegründet, die zur mehrheitlich slowenischsprachigen Gemeinde Monrupino (italienisch) bzw. slowenisch Repentabor gehört. Zuvor war die Fußballsektion des Vereins Olimpija aus Gabrovizza (italienisch) bzw. Gabrovec (slowenisch) im Jahr 1974 zum Circolo Sportivo Kras aus Sgonico (italienisch) bzw. Zgonik (slowenisch) übergetreten. Die Heimspiele fanden bereits hier am Sportplatz von Repen statt und 1986 trat die Fußballsektion aus, um den jetzigen eigenen Verein zu bilden. Der Vereinsname Kras ist das slowenische Wort für die hiesige Landschaft des Karst.
Vier Jahrzehnte spielte der NK Kras Repen in den beiden untersten Spielklasse, der Terza categoria und der Seconda Categoria. Mit dem Meistertitel in letzterer Liga 2004/05 stieg man erstmals in die Prima Categoria auf und schaffte mit dem zweiten Platz dort 2005/06 gleich den Durchmarsch weiter in die Promozione. Nach dem Meistertitel der Promozione girone B 2008/09 stieg man erstmals in die Eccellenza Friuli-Venezia Giulia auf und schaffte mit dem zweiten Platz darin und die Play-offs, wo man im Finale die Jesina schlug, 2009/10 erneut den Durchmarsch in die damals fünftklassige Serie D. Dort spielte man 2010/11 in einer Liga mit VeneziaMestre. Im Stadio Penzo verlor Kras Repen damals in der Hinrunde im September 2010 in Venedig 5:2 (einer Zeit der gespaltenen Fanszene mit Gate 22 – A sostegno di un ideale auf der Distinti) und erreichte in der Rückrunde im nicht hier zuhause sondern im nahen Triest ausgetragenen Match ein 1:1. Es gab Auf- und Abstiege für Kras Repen: 2009/10 Eccellenza, 2010/11 Serie D, 2011/12 Eccellenza, 2012/13 Serie D, 2013/14 Eccellenza, 2014/15 Serie D, ab 2015/16 wieder Eccellenza. Im letzten Jahrzehnt stieg man eine Klasse darunter zwischen Eccellenza und Promozione ab und auf: 2015/16 bis 2018/19 Eccellenza, 2019/20 und 2020/21 Promozione, 2021/22 und 2022/23 Eccellenza, 2023/24 Promozione und seit 2024/25 wieder Eccellenza. 2013/14 erreichte man das Finale der Coppa Eccellenza der Region Friuli-Venezia Giulia, wo man aber Chions unterlag.
Die Sportanlage Športno igrišće Dario Škabar, italienisch Campo Sportivo Dario Škabar, wurde 2017 nach dem 2015 verstorbenen Dario Škabar benannt. Der legendäre Spieler des Vereins hatte 1975/76 mit erst 16 Jahren für den Verein debutiert und insgesamt in zwanzig Saisonen 420 Spiele für den NK Kras Repen absolviert. Nach Karriereende 2006 arbeitete er als Nachwuchstrainer im Verein.
Vor dem Spiel habe ich Monrupino / Repentabor besichtigt.