Mittwoch, 24. Februar 2021

Schalke Unser, 103



Rezension


Schalke Unser
Fan-Zeitung gegen Rassismus
Nummer 103
Dezember 2020
56 S.









Seit April 1994 erscheint das Fanzine Schalke Unser, mit Kritik an Entwicklungen in Gesellschaft (Rassismus) und Verein (Kommerzialisierung) als über die Jahrzehnte prägenden Themen – gewürzt mit einer Prise Humor, wie an den Titelblättern aus über einem Vierteljahrhundert Heftgeschichte zu erkennen ist.

„Ich habe versucht die Kontaktdaten zu den Nachfahren der Vereinsgründer zu ermitteln. Da wusste man zwar die Nachnamen, aber wenig über ihre Geschichte und ihre Familie. Ich bin wirklich die Telefonbücher von Gelsenkirchen durchgegangen und habe jeden einzelnen angerufen und gefragt: ,Seid ihr das?‘ Da gab es einige Treffer.“ erzählt die Schalker Vereinsarchivarin Christine Walther in einem interessanten Interview über ihre Tätigkeit. Spannend ist auch ihre Schilderung der Findung eines Fotos des von den Nazis in Auschwitz ermordeten jüdischen Schalker Spielers Ernst Alexander. „Wenn man dazu beiträgt, dass dieser Mensch, der ausgelöscht werden sollte, nun doch nicht vergessen wird, in der Vereinsgeschichte des FC Schalke 04 einen Platz bekommt und dass dieser Mensch am Ende ein Gesicht kriegt, ist das ein tolles Gefühl.“

Zum oftmals von manchen mit aus Verblendung leuchtenden Augen als Heilsbringer präsentierten Investorenmodell anstelle eines Fußballvereins im Wortsinn, betrachtet ein Artikel die Bilanz der mit viel Unmut und Frustration begleiteten Ausgliederung beim VfL Bochum 2017 und stellt sie verfehltem Managementhandeln gegenüber: Hätte man für alle Spieler, die den Verein seit der Ausgliederung ablösefrei verlassen hatten, marktwertgerechte Ablösen bekommen, hätte man damit ähnlich viel Geld eingenommen als durch Ausgliederung und Anteilsverkauf an Einnahmen versprochen worden war – ohne dass der Verein sein Schicksal aus der Hand gegeben hätte.

Weitere Themen sind u.a. ein Skandal um ein deplatziertes Schalker Social-Media-Posting, Kaderplanung, ein Rückblick der UGE u.a. auf die karitativen Projekte #helpGelsen und Kumpelkiste, Nachrufe, Buchrezensionen in der Rubrik „Fölljetong“ (wie im Ruhrpott offenbar Feuilleton ausgesprochen wird), ein Beitrag mit Nachrichten aus Nürnberg in der Rubrik FCN-Ecke sowie eine kritische Betrachtung zum Ablauf der Online-Mitgliederversammlung des FCN.

Ein Spielbericht findet sich trotz Coronazeiten auch im Heft, nämlich von der Partie FC Schalke 04 gegen SC Verl am 15. August 2020: „Nach 19 Jahren bestritt die erste Mannschaft des FC Schalke 04 am 15. August wieder ein Spiel im Parkstadion. Ein Ort voller Tradition, auch wenn das neue Parkstadion nur wenig mit dem alten gemein hat und traurigerweise nur ein Flutlichtmast übrig geblieben ist.“ Wenige Wochen zuvor hatte hier bereits die Schalker A-Jugend ein erstes Spiel gespielt, aber Mitte August stand eben das erste Spiel der ersten Mannschaft dort an. 300 Ausgewählte waren zugelassen und Gesundheitsschutzbestimmungen allgegenwärtig. Den Autor des Spielberichts verdrießte die Lage: „Natürlich muss jeder für sich entscheiden, ob ihm in der aktuellen Situation Fußball live, wenn auch deutlich anders als gewohnt, lieber ist als gar kein Fußball. Ich kann nach der Erfahrung die Frage für mich sehr deutlich mit Nein beantworten. Nichts von all dem hat mir Freude bereitet, geschweige denn mich emotional positiv beeinflusst.“

Die Hefte sind handnummeriert. Ich besitze Nr. 405 (von 1.500) dieser Ausgabe.

Sonntag, 21. Februar 2021

Austria Klagenfurt – Rapid II 2:3 (2:1)

2. Liga, 15. Runde, 21.2.2021
Wörthersee-Stadion, unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Das erfreuliche Rapidspiel am Sonntag war die Zweitliga-Matinée am Vormittag. Es war auch das erste Betreuer-Duell von Peter Pacult und Steffen Hofmann, einst Protagonisten einer erfolgreichen Rapid-Zeit in der zweiten Hälfte der 2000er Jahre bevor sich Pacult unschön zum Dosen-Konzern verabschiedete.
Im Abstiegskampf darf man sich nicht verstecken und so traten die Amas von Beginn an mutig auf und machten gegen die um den Aufstieg spielende Austria Klagenfurt ein sehr gutes Match. Kapitän Strunz, der schon vorige Woche Siegtorschütze gewesen war, traf nach sechs Minuten zur Führung. Auch Ausgleich und Rückstand verunsicherten die Amas in Folge aber offenbar nicht. Ein herrlicher Hajdari-Freistoßtreffer und ein Tor des eingewechselten Savić drehten den Spielstand. Am Ende drückten und drängten die Klagenfurter, Rapid blieb aber in der Abwehrschlacht der Schlussphase erfolgreich.
Drei Monate bleiben beiden Teams noch zur Erreichung ihrer Ziele. Eher in Tagen und Wochen als in Monaten war in den letzten Jahren die Dauer von Peter Pacults Trainer-Engagements am Balkan anzugeben. Nach Zavrč, Vinkovci, Niš, Kukësi und Titograd nun also Celovec. 2004 und 2005 hatte Pacult hier bereits eineinhalb Jahre den aus einer Spielgemeinschaft von Austria Klagenfurt und Villacher SV gebildeten damaligen FC Kärnten in Bundesliga und 2. Liga trainiert. Der Stadionsprecher machte darüber hinaus darauf aufmerksam, dass auch Rapid-II-Cotrainer Patrick Jovanovic (vormals Prvoslav Jovanović) nicht nur eine Spielervergangenheit bei Rapid sondern ebenso beim damaligen FC Kärnten hat.
Im Wörthersee-Stadion war der Untergrund an diesem Sonntagvormittag in bestem Zustand: Ein neuer Rasen war vor dem geplanten Europacupspiel des WAC gegen Tottenham Hotspur verlegt worden. Nach dessen Verschiebung nach Budapest im Rahmen des aktuellen Auf-die-Spitze-Treibens der Absurditäten des modernen Fußballs war dieses Zweitligaspiel nun die Premiere des neuen Rasens. Pandemiebedingt mussten im drittgrößten Stadion Österreichs 30.000 Sitze frei bleiben. Eine fünfstellige Zahl an Plätzen wäre allerdings im Normalbetrieb ebenso leer gewesen. Neben den Tribünen war diesmal darüber hinaus auch das Spielfeld frei – bei meinem letzten Besuch standen hier noch Bäume. Das damals am Nebenplatz als Ausweiche errichtete Karawankenblickstadion ist wieder abgebaut worden.
Nach dem Spiel wurde an einem frühlingshaften Februar-Tag die Stadt Klagenfurt besichtigt.