
Rezension
Gegen den Strom
Ultrazine der Schickeria München 18/25-26
252 S.
Nachdem vier Jahre zwischen Nummer 16 und Nummer 17 gelegen waren, erschien die Nummer 18 des Fanzines der Schickeria München im November 2025 und so schon ein halbes Jahr nach der vorherigen Ausgabe. Die neue Redaktion hielt damit das Versprechen eines erhöhten Tempos ein.
Einen großen Brocken im Heft nehmen mit 147 Seiten die Spielberichte aus der Saison 2023/24 ein. Eine für Bayern München ungewöhnliche Saison, da sie weder Triple noch Double sondern am Ende gar keinen Titel gewannen. Die Spielberichte werden von zahlreichen Fotos illustriert und dazu werden jeweils die in jener Zeit veröffentliche Stellungnahmen zu verschiedenen Themen abgedruckt. Hie und da gibt es auch unter dem Titel „Andere über uns“ Auszüge aus Fanzines der Gegner über den eigenen Auftritt. Zum Europacupspiel des FC Bayern gegen den FC København druckt man hier des weiteren übersetzte Ausschnitte aus einem Bericht eines geschätzten Kollegen von der Seite sportpeople.net ab. In die Saison fällt auch das erstmalige Aufhängen des großen Südkurve München 1972 am Mittelrang samt vorheriger Einweihung in der Südkurve im Olympiastadion, worüber auch zu lesen ist. Öfters ist bei Heimspielen der Marsch vom Südkurvenplatz zum Stadion abgebildet, was den Stellenwert anzeigt, den der Treffpunkt entwickelt hat. Als historisch Interessierter und Groundhopper sind mir die Red Munichs 89 ein Begriff. Mit einem 59 Seiten (!) langen ausführlichen Interview werden sie hier gewürdigt, erzählen von sich, aus der Entwicklung der Fanszene des FC Bayern, über Reisen in den 1990er und 2000er Jahren sowie ihren Haltungen zu kontroversen Themen wie Unterstützung der Nationalmannschaft, Reise zur WM in Katar etc. Die Frage der Politik wird auch angeschnitten, aber nicht erschöpfend behandelt. Während anderswo Europacupreisen Sehnsüchte wecken, sprechen sie davon, dass diese keine Freude mehr machten. „Die Abwertung des Europacup-Auswärtsfahrens hat zwei Gründe. Erstens, dass jeder Trottel hinfährt. Jeder Bayernfan fährt heutzutage nach Barcelona. Wenn wir da in zehn Jahren nacheinander zehn Mal spielen, sind jedes Jahr 4.500 Bayernfans und jedes Jahr 3.000 andere, die noch nie vorher da waren. Die andere Abwertung ist die Champions League an sich, weil diese ja mittlerweile fast noch mehr eine Zweiklassengesellschaft ist als die Bundesliga.“ Weiters gibt es u.a. über rechtsextremen Terrorismus in München oder A guardia di una fede im Heft zu lesen. Den Abschluss bildet wieder eine viele Seiten lange Graffiti-Bilderstrecke.
A4 / 10 € / erhältlich bei der Schickeria München



























