Mittwoch, 4. November 2026

Am Wörthersee geboren ... 4



Rezension

Am Wörthersee geboren ...
Das Kurvenheft des Fandachverbands Wir.Austrianer
Ausgabe 4 / Oktober 2026
40 S.









„Klagenfurt und Südstadt“ ist Thema im Heft des Fandachverbands der Austria Klagenfurt Wir.Austrianer aus Barrakudas 1995, Schwarze Seele Kärnten und Südfront Klagenfurt. Am Titelblatt ist auch gleich die gemeinsame Choreographie in der Südstadt zur Offiziell-Machung der Verbindung von Austria Klagenfurt und Admira Wacker vom August abgebildet. „Wie alles begann“ erläutert ein Text die Entstehung und Entwicklung der Freundschaft. Gate 2 Admira kommt im Heft ebenfalls zu Wort und beschreibt die Freundschaft aus ihrer Sicht. Von Besuchen und gemeinsamen Feiern ist auch zu lesen.

Spielberichte gibt es zunächst von Spielen der Amateurmannschaft in der Kärntner Liga, welche die Fanszene im Protest gegen die Machenschaften der Vereinsführung im Frühjahr 2026 anstelle der Profis unterstützte. Nach Abschluss des Konkursverfahrens ist man in der neuen Saison in der neugebildeten Regionalliga Süd wieder bei der ersten Mannschaft, die im wesentlichen aus dem Amateurmannschaftsspielern der vorherigen Saison besteht. Man liest hier von diesen Spielen, vom Ausscheiden in der ersten Runde im Kärntner KFV-Cup im Stadtderby bei Donau Klagenfurt und dem Weiterkommen im ÖFB-Cup bei ATUS Velden. Zu diesem Spiel am anderen Ende des Wörthersees reiste die Szene von Klagenfurt aus mit einem Linienschiff quer über den See an und marschierte quer durch die Veldener High-Society-Party-People zum Sportplatz.
Die Regionalliga bringt nach den vergangenen Jahren in Bundesliga und zweiter Liga mit sich, dass es keinen verpflichtenden Auswärtssektor mehr im Wörthersee-Stadion gibt. Die Szene experimentierte daher im Stadion mit Standorten auf der an das Austria-Stüberl und ihren Freddy-Hohenberger-Platz anschließenden Nord-Seite. Argumente zur Standortfrage sind in einem Artikel „Warum unsere Zukunft auf der Nord liegt!“ zu lesen, der sich für entsprechende Stadionadaptiereungen ausspricht.

Nach den acht Seiten der Premierenausgabe, 28 Seiten im zweiten Heft und 24 Seiten im Nummer 3 ist es diesmal mit 40 Seiten ein deutlich umfangreicheres Heft geworden. Mit griffigerem statt glattem Papier gibt es hier auch eine Veränderung. Weiterhin spannend sind im Heft die historischen Rückblicke. So ist hier vom direkten Duell im Abstiegskampf des damaligen FC Kärnten mit Sturm Graz 2003/04 in der vorletzten Runde im mit 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauern gefüllten alten Wörthersee-Stadion zu lesen und der Tifo der Barrakudas zu sehen, die damals einen Doppelhalter „Salve CUCS“ (AS Roma) als Referenz auf ihr italienisches Vorbild hatten. Auch einen Blick in die Vereinsgeschichte gibt es, der Brüche in der Identität thematisiert.

Zur Situation der Vereinsführung bleibt man skeptisch „Wir müssen fortwährend kritisch bleiben, nicht müde werden und vor allem keinen Konflikt scheuen.“



A5-Format / erhältlich vor Spielen am Freddy-Hohenberger-Platz

Sonntag, 1. November 2026

Austria – Rapid 0:2 (0:0)

Bundesliga, 11. Runde, 1.11.2026
Horr-Platz, 13.461

Rapid siegte am Horrplatz und Hütteldorf brannte. In einem Derby zählt, dass man es gewinnt. So ging die Rapid zwar mit zwanzig Punkten Vorsprung auf den Abstiegsfavoriten aus Wien-Favoriten in das Match, erwischte aber keinen guten Tag. Der FAK kam im Lauf der ersten Hälfte immer besser ins Spiel und Rapid ging eher glücklich mit 0:0 in die Pause. Ein Elfmetertor von Demir brachte die Umschwung. Mbuyi hätte fast das 2:0 für Rapid erzielt, das machte sich die Wiener Austria aber dann schließlich selbst. Rapid triumphiert im 351. großen Wiener Derby.
Wie gehabt finden Derbys am Horrplatz für die nächsten Jahre (ohne Enddatum, aber mindestens für drei Jahre) ohne Rapidfans statt, da der SK Rapid nach den letzten Ausschreitungen und ihren finanziellen Folgen einen Schlussstrich zog, keine Gästesektorkarten mehr anfordert und der FAK keine Rapidfans außerhalb von diesem duldet. Gut hundert Leute inkognito werden es dann aber gewesen sein, die das 1:0 für Rapid per Elfmeter von Demir auf der West kurz bejubelten und nach dem zweiten Tor „Hier regiert der SCR!“ riefen. Nach Schlusspfiff jubelte die Mannschaft mit ihnen. Zur Rapidviertelstunde krachte außen ein Feuerwerk. Ein sehr kleiner Vorgeschmack, was im späteren Verlauf des Abends noch folgen sollte.
Am Horrplatz hatte mit Saisonbeginn die lila Fanszene ihren Versuch, ihre Mannschaft aus dem unteren Rang zu supporten, wieder beendet und ist aus dem Blickfeld weg in den oberen Rang zurückgegangen. Dort hatten sie sich ja zuvor schon nach Bau der neuen Osttribüne ihren Standort unter dem Dach ausgesucht gehabt, um aufgrund eigener Unzulänglichkeit dort ihre Gesänge besser erscheinen zu lassen als sie sind. Das müssen sie jetzt offenbar wieder so handhaben. Die Gruppen, die sich nach oben zurückgezogen haben, hängen seither bei Heimspielen auch keine eigenen Fetzen mehr auf. Die Selbsterkenntnis, dass man sie besser nicht sieht, ist richtig. Vor Spielbeginn gab es eine Gedenkminute für einen verstorbenen Fan und für ihn während des Spiels auch ein Spruchband und Unterbrechung der Gesänge. Neben Spruchbändern aufgrund ihrer Stadionverbote und einem tschechischsprachigen Spruchband „Attila a Matyas stojime pri vas bratri / Svobodu ZJ!“ („Attila und Matyas, wir stehen an der Seite eurer Brüder / Freiheit für Zbrojovka Jugend“) der Konfusen aus der Hauptstadt (CC) Richtung der Hooligans von Zbrojovka Brno tat man den Protest gegen Eigentümer Jürgen Werner mit „Werner raus“-Rufen und je einem Spruchband in jeder Hälfte kund. „Du Lemmyng managst nur Werners Interessen“ galt Funktionär Christoph „Lemmy“ Lehenbauer und „Unser Zorn trifft alle, die unseren Verein spalten“ dem Sportvorstand Thomas Zorn.
In Hütteldorf versammelten sich abends hunderte Rapidlerinnen und Rapidler und die Gruppen des Block West. Als der Mannschaftsbus in die Keißlergasse Richtung Weststadion einbog, brach ein Inferno los. Die Ultras Rapid gingen dem Bus mit einem lila-weißen Sarg voran und feierten am 1. November, dem in der christlichen Religion zelebrierten Toten-Feiertag Allerheiligen, so symbolisch das Ende des FAK. Feuerwerk schoss in die Höhe, Fackeln erleuchteten unzählig ein Spalier die Straße entlang. Mannschaft, Trainer und Fans feierten miteinander den Derbysieg. Oh, wie ist das schön.