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Dienstag, 12. Mai 2026

Athleticker 11



Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Ausgabe 11 – Frühjahr 2026
172 S.









„Während des Heimboykotts sahen viele nur das Schlechte, jetzt wird plötzlich alles perfekt geredet.“ Der LASK wandelte sich im Lauf der Saison 2025/26 vom Abstiegskandidat zum Titelgewinner. Kurvenboykott und Konflikt mit der Vereinsführung, die der Fanszene ein breit getragenes Grundsatzpapier (dokumentiert im letzten Heft) zurückwarf und ihr „mafiöse Strukturen“ unterstellte, stehen als Themen am Anfang des Halbjahresrückblicks auf den LASK im Herbst 2025. Ohne besuchte Heimspiele gibt hier zunächst nur die Auswärtsspiele, beginnend mit dem Cupspiel gegen den Wiener Sport-Club auf der Hohen Warte. Mit der Klärung der Vereinsfarben-Frage, womit der LASK nun wieder in eigenen schwarz-weißen Farben oder roter Farbe der Stadt Linz antritt und nicht mehr in Sponsorfarben, wurde der Heimsupport nach einer Länderspielpause wieder aufgenommen.

Cupsieger sind sie heuer bereits. Meister werden sie vielleicht auch noch. Da das nicht der Normalfall ist, und es über die Jahre und Jahrzehnte Hinauf und Hinunter ging, widmet sich eine neue Rubrik dem Thema „Warum gehst du eigentlich noch zum LASK?“. In der ersten Folge beschreibt jemand (wie alle Texte anonym) hier dazu seine Motivlage. Weitere Themen im Heft sind karitative Spendensammlung, Feste und Feiern, eine Fanklubvorstellung von Semper Fidelis oder ein Interview mit Erika, die den LASK als Fan seit den 1960er Jahren begleitet. Zu Kosten und Arbeitsaufwand ausgewählter Choreographien gibt es wieder Zahlen und Daten im Heft. Neben klassischen Fotos ist hier auch erneut eine Analogkamera-Bilderstrecke dabei, die aktuellem Geschehen die Optik der 1990er Jahre verleiht. Etwas aus dem Rahmen des Hefts fällt eine Abhandlung in wissenschaftlicher Sprache, die mit empirischer Datenanalyse ergibt, dass im Gegensatz zum LASK Blau-Weiß Linz kein Traditionsverein wäre und näher an einem „temporären Projektverein“ wie Pasching, das in der Studie als „Referenzpunkt für strukturelle Marginalität“ dient. Ah ja.

Protest und Unzufriedenheit waren in den letzten Jahren große Themen im LASK. Ein Text im Heft beschäftigt sich mit Fanprotesten in Deutschland, Ägypten und Frankreich. Über das Thema „Sudern“ philosophiert ein Kommentar. Reiselust machende Groundhoppingberichte liest man von einer Tour auf Zypern und Fanzine-Rezensionen bietet das Heft auch wiederum.

Einen Einblick in seine Arbeit an einem Vereinsgeschichtsbuch bietet LASK-Chronist Günther Waldhör mit einem Auszug über die Europacupbegegnung mit Dundee United 1984/85. In jüngere Geschichte der Regionalligazeit blickt ein anderer Text „mit einer Mischung aus Nostalgie, Freude und Scham“ auf das „vermutlich asozialste Auswärtsspiel, das die LASK-Fanszene im 21. Jahrhundert – oder jemals – erleben durfte“, dem Meisterschaftsspiel in Vöcklamarkt im Jahr 2012. Diese historische Ausnahmestellung war mir bei meinem Besuch dieses Spiels vor bald eineinhalb Jahrzehnten nicht bewusst. Höflich zurückhaltend schrieb ich in meinem obengenannten Bericht davon nur, dass die LASK-Fanszene „am schlechten Ruf gearbeitet“ habe.


A5 / gegen Spende / erhältlich bei den Landstrasslern

Montag, 4. Mai 2026

LASK – Rapid 3:1 (0:1)

Bundesliga, Oberes Play-off, 8. Runde, 4.5.2026
Stadion auf der Gugl, 16.289

Gute erste Hälfte, aber nach der Pause klar verloren. Nachdem eines jener Millimeter-Abseits, über deren Wert man diskutieren kann, noch nicht zum Torerfolg geführt hatte, brachte Minute 12 die Führung für Rapid. Der LASK schien aber jetzt eine zweite Luft zu bekommen. Nach einer zunächst offen begonnenen zweiten Hälfte mit Chancen hüben wie drüben machten sie ihre Tore und waren deutlich stärker als Rapid. Am Ende ging Seidl nach Frust-Aktion mit Rot vom Platz.
Der LASK kennt sich mit dem Umdrehen von Rückständen aus, schließlich hat er das auch im Cupfinale zweimal gemacht.
„Rapid regiert!“ schrieben die Ultras Rapid in ihrer Choreographie, umrahmt von den bekannten eng grün-weiß gestreiften Fahnen und begleitet von Pyro und Wurfrollen. Das gilt immer, unabhängig von aktuellen sportlichen Resultaten. Die SAF hatte eine Botschaft an das Gegenüber zum Thema Polizei und die UR noch eine Gratulation zum Gründungstag des am 4.5.1900 gegründeten 1. FC Nürnberg.
„Cupsieger, Cupsieger, Linzer ASK“ sangen sie in der LASK-Kurve zu Beginn. „Cupsieger 26!“ stand auf einem Banner der Landstrassler zu Spielbeginn, im Stadionpublikum waren Cupsieger-Leiberl zu sehen, auf der Anzeigetafel gab es ein Cupsieger-Sujet und der Stadionsprecher redete davon. Sonst war der größte Vereinserfolg seit sechs Jahrzehnten im nicht vollen Stadion nicht viel Thema oder wurde eigens etwas dazu inszeniert und gefeiert. Offensichtlich strebt man nach mehr. Die Ansage „Wir werden Meister!“ aus der Kurve am Ende war eindeutig. Statistisch wird der LASK in einem Jahr, in dem er Cupsieger ist, auch Meister. Zwar ist n = 1 (1964/65) eine recht geringes Sample für diese Aussage, sie scheint sich aber dieses Jahr zu bestätigen.
Es war das erste Montags-Pflichtspiel Rapids. Da sich die Bundesliga im Zuge der Einführung ihres der Unterhaltung durch rechnerisch komplexe Modelle und nicht dem sportlich fairen Wettbewerb dienenden Ligamodus das ÖFB-Cup-Finale vom Saisonhöhepunkt am Ende nach mittendrin herabstufen ließ, um für das Play-off nach dem Play-off zur Ermittlung eines Europacup-Startplatzes Raum zu gewinnen, wurde das Spiel hierher an einen Montagabend verschoben.
Rapid konnte auch im siebten Spiel im im Februar 2023 eröffneten neuen Gugl-Stadion nicht gewinnen. Es gilt weiter, im nächsten Spiel den vierten Platz zu halten. Am besten und schönsten mit einem Derbysieg.

Freitag, 1. Mai 2026

LASK – Altach 4:2 n.V. (2:2, 1:2)

ÖFB-Cup, Finale, 1.5.2026
Wörthersee-Stadion, 22.000

Ganz in schwarz-weiß war das Wörthersee-Stadion zum Cupfinale. Da ja beide Vereine diese Farben haben. Der LASK-Anhang hatte zum Dresscode Schwarz aufgerufen und der SCR Altach zur Farbe Weiß. Im Gegensatz dazu spielte die LASK-Mannschaft ganz in weiß und die Altacher Spieler waren ganz in schwarz. Somit ergab sich bei beiden zusammengenommen Schwarz-Weiß. Mit 5.000 hatten sich ebenso viele Leute auf den weiten Weg nach Klagenfurt gemacht, wie im Schnitt zu einem Altacher Heimspiel kommen. Im Stadion dominierte dennoch die größere Masse der dreimal so vielen LASK-Fans.
Für die Altacher begann das Spiel bestmöglich mit früher Führung in Minute 5. Es entwickelte sich ein offenes, spannendes Match. Tor Altach, Tor LASK, vom VAR aberkanntes LASK-Tor, erneutes Führungstor Altach, Tor LASK, erstickter Torjubel nach wegen Abseits nicht gegebenem Tor beim LASK, Tor LASK in der Nachspielzeit und viertes Tor zur Entscheidung für den LASK. Ein Finalspiel ist manchmal vorsichtig geprägt, um es nicht zu verlieren. Hier spielten zwei Mannschaften Fußball, die es gewinnen wollten.
„Die Karten stehen gut“ war in der Choreographie der Landstrassler auf der Südseite des Stadions zu Spielbeginn zu lesen. Eine freundliche Hexe deckte nacheinander Karten auf, die den Cupsieg vorhersagten: Jubelnde Spieler, Pokal, jubelnder Fan. Umrahmt wurde das ganze von über den Oberrang verteilten Kerzen, die zur Verkündung der Vorhersagung mit Fackeln zum Leuchten gebracht wurden. Danach hing einzig der große Landstrassler-Fetzen im oberen Rang und unten ein großes Linzer Athletik Sportklub. Am Stadionvorplatz hatte man sich hier bereits lange vor Spielbeginn ausgebreitet und den Süden vor dem Stadion vorfeierend in Beschlag genommen. Die größte Jubelexplosion gab es wohl auf Seiten des LASK beim vermeintlichen Tor zum 3:2 in der Nachspielzeit der regulären Spielzeit, bei dem aber der Schiedsrichter gleich abwinkte und auf Abseits entschied. „Wir gedenken aller LASKla, die von uns gegangen sind. Dieser Tag ist euer Tag!“ verlautete ein Spruchband und widmete den Finaltag schon vor dem Cupsieg den Verstorbenen. Auch ohne die beabsichtigt gewesene Aktion zur zweiten Hälfte war die LASK-Masse oft laut. „ASK! Cupsieg für uns!“ erschallte es von der Tribüne und am Ende „Cupsieger, Cupsieger, Linzer ASK“. Die zahlreichen LASK-Fans auf der Längsseite nahm man auch einmal im Support mit.
Der LASK regiert – ganz Bern gratuliert“ gab es am Ende noch ein Berner Spruchband im LASK-Sektor. Mit Young Boys beim LASK und Grasshoppers bei Altach waren auf beiden Seiten Schweizer Freunde vertreten.
„Wia Löwa kämpft für des historische Ziel – krönand üsre Geschichte im entscheidenden Spiel“ stand im großen Altacher Spruchband zu ihrer Choreographie auf der Nordseite des Stadions. Eine Überrollfahne überdeckte den ganzen unteren Rang und bildete entsprechend einen stolzen Löwen ab, ebenso wie den Pokal für den ÖFB-Cup. Als der Überzieher runterging zeigte sich der Sektor in schwarz und weiß gekleidet. Nach einer Viertelstunde wurde das große Spruchband dann entfernt. Eingerahmt von Rheindorf Altach links und Altacher Jungs rechts hingen in der Mitte die Gruppen und Freunde vom GCZ. Auffällig waren die hochformatigen schwarz-weißen Schwenkfahnen. Nach einer Stunde Spielzeit stieg erst weißer Rauch aus dem Sektor auf und schoss darauf ein cupfinalwürdiges und mittlerweile cupfinaltypisches Feuerwerk gen Himmel. Vom Klagenfurter Hauptbahnhof, wo ein Sonderzug aus Vorarlberg angekommen war, war der Altacher Anhang voller Vorfreude mehrere Kilometer hinaus zum Stadion marschiert. „Hörst du die Kurve? SCR Altach!“ erschallte es u.a. aus der Kurve. Auch ohne Cupsieg zur Krönung ihrer Geschichte war es der historisch größte Tag des SCR Altach. Höhepunkt der Vereinsgeschichte waren bislang die Saisonen in der Bundesliga 2006/07 bis 2008/09 und seit 2014/15 sowie die Europacup-Teilnahmen 2015/16 und 2017/18. So nah wie an diesem Tag war man noch nie an einem nationalen Titelgewinn dran.
Der nunmehr zweimalige ÖFB-Cup-Sieger LASK hatte den Cup bisher einmal in seiner Double-Saison 1964/65 gewonnen und stand 1962/63, 1966/67, 1969/70, 1998/99 und 2020/21 auch noch fünf weitere Male im Cup-Finale. Da das letzte Finale des LASK 2021 ein Coronapandemie-Geisterspiel war, war es für den LASK-Anhang das erste Cupfinale seit 1999, bei dem sie dabei sein konnten. Vor 27 Jahren gab es für sie damals eine Niederlage im Elfmeterschießen gegen Sturm Graz vor 8.500 Zuschauerinnen und Zuschauern im Wiener Ernst-Happel-Stadion.
LASK-Trainer Didi Kühbauer hat vorige Saison mit dem WAC den Cup gewonnen und wäre mit nur einem weiteren Tor in der letzten Runde mit ihnen auch Meister geworden. Heuer steht er mit dem LASK ebenso da, ist Cupsieger und führt die Bundesligatabelle an. Mit einem Verein, den er im Herbst in der laufenden Saison als Abstiegskandidat übernommen hat, während der WAC nach ihm ganz nach unten abgestürzt ist. Das muss man anerkennend hervorheben.
Es war das bereits 14. ÖFB-Cup-Finale im Klagenfurter Wörthersee-Stadion, das sich als Standort dafür etabliert hat.