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Freitag, 24. April 2026

Da Brunnenmiller, 118, 120, 127, 130, 131



Rezension

Da Brunnenmiller
Stadionheft der aktiven Fanszene
Ausgabe 118 (7. Spieltag: TSV 1860 München – TSG Hoffenheim II)
Ausgabe 120 (11. Spieltag: TSV 1860 München – MSV Duisburg)
Ausgabe 127 (25. Spieltag: TSV 1860 München – Hansa Rostock)
Ausgabe 130 (31. Spieltag: TSV 1860 München – Waldhof Mannheim)
Ausgabe 131 (33. Spieltag: TSV 1860 München – Jahn Regensburg)
Saison 2025/26 / 3. Liga
20 S. (118) / 36 S. (120) / 56 S. (127). / 28 S. (130) / 32 S. (131)



„Nächster Halt ... 3. Liga“ hieß es am Titelblatt der jüngsten Ausgabe des Stadionhefts der aktiven Fanszene des TSV 1860 München zum letzten Heimspiel gegen Jahn Regensburg. „Realistisch betrachtet ist der Aufstiegskampf für die Saison jetzt endgültig beendet.“ bilanzierte die Redaktion im Vorwort dieses Hefts die Tabellensituation nach der vorherigen Auswärtsniederlage bei Energie Cottbus. Mit zwei Unentschieden seither hat sich daran nichts geändert. Verbliebenes Saisonziel ist der Titelgewinn im in einem Monat anstehenden Finale im bayerischen Toto-Pokal bei den Würzburger Kickers, welcher die Qualifikation für den DFB-Pokal brächte. Wie es im Spielbericht zum gewonnenen Semifinale in Regensburg zum Abschluss heißt: „Nur noch 7 Spiele bis Europa!“

Hervorzuheben lehrreich sind hier die Gegnervorstellungen, in denen fundiert und faktenreich über Vereinsgeschichte und Stadiongeschichte der jeweiligen Gegenüber sowie über deren Fanszene und ihre Einschätzung informiert wird. Da liest man etwa starke 25 Seiten über Hansa Rostock (127) oder eine redliche Bewertung der Regensburger Freundschaften zu Stuttgarter Kickers und Blau-Weiß Linz („das ist schon nicht schlecht, wie gut die gelebt werden – von allen Seiten.“ ohne diesen Vereinen positiv gegenüberzustehen.
Die Hefte bieten sonst wie stets Spielberichte der vergangenen 1860-Spiele, Erklärungen zu gezeigten Spruchbändern (für Außenstehende immer aufschlussreich) und auch einen Blick zurück in die Geschichte. Historische Spielberichte liest man anlässlich der Begegnung mit der Zweitmannschaft der TSG Hoffenheim etwa vom Auswärtsspiel in der 2. Bundesliga 2007/08. Dieses fand damals auch noch im Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim selbst statt und am Weg vom Bahnhof dorthin wurden Leute im erstbesten Dönerlokal mit den Worten „Seid ihr die Verrückten, die mit den Löwen-Amateuren schon mal da waren und mir den ganzen Laden leergesoffen haben?“ begrüßt. Andere Rückblicke auf historische Begegnungen mit dem jeweiligen Gegner führen einen ins Jahr 1997 (1860-Duisburg in der Bundesliga), 1996 in Rostock („Für uns naiv-dümmlichen Wessis zu dieser Zeit ein echter Kulturschock. Die Löwenfans, die mit Klischees über unsere neuen Mitbürger aus Dunkeldeutschland nach Rostock reisten, kamen dafür aber voll auf ihre Kosten.“), nach 1991 (2. Bundesliga gegen Waldhof Mannheim) oder gar ins Jahr 1990 (Bayernliga bei Jahn Regensburg gegen 1860 im alten Jahnstadion).

Die dickste Ausgabe der hier behandelten fünf Hefte ist Nummer 127 mit 56 Seiten, was für ein Spieltagsheft beachtlich ist. Diverses an aktuellen Themen gibt es jeweils auch, seien es Blicke in andere Sportabteilungen von 1860, ein Pro und Contra zur erneuten Abhaltung Olympischer Spiele in München (120), ein Interview mit dem Portal sechzger.de oder Graffiti im Stadtviertel Giesing (130). Fanpolitische Kommentare und Texte gibt es zur „Machtgier der Bonzen“ (118), kollektiven Protest (127) oder Ultras in Deutschland (131). Bildungsarbeit gibt es mit Texten über Stefano Furlan oder mit einem Nachruf auf den verstorbenen Karsten Wettberg. Anlässlich der Wahlen in der Stadt München fragt man kandidierende Parteien mit einem Fragebogen zu ihren Positionen zum Stadionausbau ab. Schmunzeln kann man u.a. bei Stadionbezeichnungen wie Wellblecharena Wiesbaden oder den gut gezeichneten Comics im Heft. Praktischen Informationswert für die unmittelbare Zielgruppe hat die „Bierpreisrecherche für`s nächste Auswärtsspiel“ samt Angabe zu Marke, ausgeschenkte Menge und eben Preis.


A5 Format / erhältlich bei den Heimspielen des TSV 1860 München / ab einer Spende von 60 Cent

Freitag, 11. Juli 2025

1860 München – Slovan Liberec 0:1 (0:0)

Testspiel, 11.7.2025
Sportzentrum Ulrichsberg, 700

Massenauflauf, Böllerschießen und Maßkrug-Tragen im oberösterreichischen Ulrichsberg. Zum Abschluss ihres Trainingslagers hier am Südrand des Böhmerwalds spielte der TSV 1860 München wie auch schon am Dienstag zwei Testspiele an einem Tag. Nachdem am Vormittag des Freitags hier eine anders besetzte Mannschaft gegen den SKU Amstetten gespielt hatte, stand am Nachmittag das Match gegen den FC Slovan Liberec an. Wohl über 90% des Publikums waren Sechzger-Anhang und sorgten für eine ausgezeichnete Kulisse. Zahlreiche 1860-Fans hatten das Trainingslager begleitet und für gute Umsätze der umliegenden Beherbergungsbetriebe und Gastronomie gesorgt. Es gab in dieser Woche für die Münchner Fans einen eigenen Fan-Stützpunkt sowie ein Tourismus- und Unterhaltungsprogramm. Am Ulrichsberger Sportplatz war zur Bewirtung ein fahrbarer Almhüttenwirt aufgefahren und ein Bierzelt aufgestellt worden.
Krachend wurde die Veranstaltung eingeleitet. Doch es war nicht Donnergrollen – der spätere Platzregen blieb ohne Gewitter – sondern das Böllerschießen des Schützenvereins Mahd aus dem bayrischen Vilshofen an der Donau. In der Pause des Fußballspiels gab es eine Vorführung des Weltrekordhalters im Maßkrug-Tragen. Ein jahrzehntelanger 1860-Fan. Viel bayrischer Kultur-Export.
Nicht in blau-weiß, aber in dunkelblau lief 1860 München auf. Da auch Slovan Liberec in blau spielte, sorgte dies in den ersten Minuten des Spiels für Verwunderung. Nach einigen Minuten mussten sich die 1860-Spieler aber umziehen und bestritten das Match in ihren weißen Aufwärmleiberln. Ohne Rückennummern und für diesen Zweck sichtlich nicht gedacht.
Fußballerisch unterlag der deutsche Drittligist aus München dem tschechischen Erstligisten, der zehn Minuten vor Schluss das einzige Tor des Spiels erzielte. Für 1860 war es die erste Testspielniederlage und das erste Gegentor dieses Sommers.
Frohgemut sind sie wohl dennoch. Zuletzt konnten die Sechzger ja den langersehnten Abschied des außer Schaden und Schaumschlägerei nichts bewirkenden Investors Hasan Ismaik feiern. Bilder von ausgelassener Party samt Feuerwerk in der Nacht waren aus München in Medien zu sehen gewesen.
Der Sportplatz in Ulrichsberg ist der Hauptspielort der 2023 gebildeten Spielgemeinschaft Ulrichsberg-Klaffer (mit schwarz-grün als Farben), zusammengesetzt aus der Sportunion Klaffer (grün-blau) und der 1959 gegründeten Union Ulrichsberg mit traditionell rot-gelben Farben. Zunächst wurde in der Union Ulrichsberg geturnt, 1960 kam der Faustball dazu und 1972 schließlich der Fußball. Man begann 1972/73 in der damaligen 3. Klasse Nord im Meisterschaftsbetrieb des Oberösterreichischen Fußballbunds. Die größten Erfolge waren die Meistertitel der 1. Klasse Nord 1986/87 und 1991/92 mit den darauffolgenden Saisonen in der Bezirksliga Nord 1987/88 bis 1989/90 sowie 1992/93. Die letzte eigenständige Saison 2022/23 beendete die Union Ulrichsberg am letzten Tabellenplatz der 1. Klasse Nord. Aufgrund der besseren Platzierung der Sportunion Klaffer blieb die neue Spielgemeinschaft aber 2023/24 in der Liga und belegte darin 2024/25 zuletzt den zweiten Platz.
Das Sportzentrum Ulrichsberg wurde 1978 eröffnet. Es befindet sich im Ortsteil Stangl, einer der 19 Ortschaften aus denen die Marktgemeinde Ulrichsberg besteht.