Dienstag, 13. Januar 2015

Napoli - Juventus 1:3 (0:1)

Italien, Serie A, 18a giornata, 11.1.2015
Stadio San Paolo, 53.006

Nur kurze Freudenstürme ließ der Napoli-Ausgleich im Stadion ausbrechen. Fünf Minuten nach dem 1:1 stellte Juventus die Führung wieder her. In der ersten Hälfte hatte Juve mit einem Volley-Schuss getroffen. Versuche Napolis, in der Schlussphase noch einen Elfmeter zu bekommen, waren nicht von Erfolg gekrönt. Nachdem Napoli Chancen vergeben hatte, setzten die Gäste mit einem Kontertor den Endpunkt des Spiels. Giorgio Chiellini erhielt in der zweiten Hälfte zur Verschönerung seines Haupts einen Turban.
Bereits eine gute dreiviertel Stunde vor Spielbeginn war das Stadion gefüllt und die Atmosphäre freudig gespannt. Während vor dem Match und in dessen ersten Minuten der Support von den Rängen eine gute Stimmung zauberte, ließ dies mit Fortdauer des Spiels stark nach. Erst der kurzzeitige Ausgleich befeuerte wieder das Stadion für kurze Zeit etwas. Der Gesang „e chi non salta / è juventino / oh oh oh oh oh oh oh oh ohohoh“ zur ja sehr schönen Melodie von Bella ciao war recht nett. Aus der Curva A flogen mehrmals Bengalen in den leeren Sektor unter ihnen hinab, aus der Curva B dann nach Schlusspfiff zum Abgang der Gäste auch eine Fackel auf die Laufbahn. Auswärtsfans war der Besuch verboten worden.
Die Curva A ehrte den verstorbenen neapolitanischen Sänger Pino Daniele vor Spielbeginn mit einem Spruchband „Voce di un popolo e anima di una città, racconta Napoli per l'eternità“ („Die Stimme des Volkes und Seele einer Stadt, er erzählt über Napoli für immer und ewig“). Auch der Verein verabschiedete sich von Daniele mit einer Ansprache von Stadionsprecher und Präsident. Das ganze Stadion klatschte und sang „Pino, Pino ...“. Die Curva B zeigte dann noch zu Spielbeginn ein mehrzeiliges Spruchband, dass mit der Ehrenbezeugung endete „... tu essenza vera di una napoletanità ribelle e sincera“, er habe das rebellische und aufrichtige neapolitanische Wesen wahrhaft verkörpert.
Die Choreo der Curva A zu Matchbeginn thematisierte mit Spruchband zum bengalenumrankten Dressenabzeichen des italienischen Cupsiegers den Supercup, den Cupsieger Napoli Ende Dezember am verrückten Austragungsort in Katar gegen Meister Juventus gewonnen hatte: „Doha non appartiene a noi, gente con valori ... un applauso solo agli 11 leoni“ („Doha gehört nicht zu uns, die wir Leute mit Werten sind ... Applaus nur für die 11 Löwen“). Vor der Curva B hing das ganze Match über ein Spruchband, das mit den Worten „Re Cecconi c’è“ auf den Tod des Lazio-Spieler Luciano Re Cecconi anspielte. Re Cecconi war am 18. Jänner 1977 von einem Juwelier erschossen worden, als er mit zwei Freunden dessen Geschäft betrat und dabei als dummen Scherz „Das ist ein Überfall!“ gerufen hatte. Am 18. Jänner 2015 wird Napoli bei Lazio in Rom spielen.
Die Società Sportiva Calcio Napoli wurde 1926 als AC Napoli gegründet. Sie entstand als Nachfolgeverein des 1922 aus Naples Foot-Ball Club (1904) und Internazionale Napoli (1911) fusionierten Vereins Internaples. Die größten sportlichen Erfolge waren zwei Cupsiege 1962 und 1976 bis 1984 für die größte bis dahin bezahlte Transfersumme der Fußballgeschichte Diego Maradona verpflichtet wurde. Sein Einfluss ist nicht zu unterschätzen. Mit ihm gewann Napoli 1987 und 1990 die italienische Meisterschaft, 1987 wieder die Coppa Italia und 1989 den UEFA-Cup. Nachdem Maradona 1991 den Verein aufgrund des Nachweises seines Kokainkonsums und einer 15-monatigen Dopingsperre verlassen musste, ging es mit Napoli bergab. Finanzkrisen folgten aufeinander. 1998 kam es zum Abstieg in die Serie B. Auf den Wiederaufstieg 2000 folgte 2004 der Lizenzentzug und der Konkurs aufgrund Überschuldung. Der Verein wurde als Napoli Soccer in der Serie C1 neugegründet. 2006 konnte man den Namen SSC Napoli und die damit verbundenen Titel zurückkaufen. 2006 schaffte man es in die Serie B und 2007 gleich in die Serie A zurück. Die letzten Jahre etablierte man sich im oberen Feld der Serie A und spielt regelmäßig in Champions League oder Europa League. Mit den Cupsiegen 2012 und 2014 wurden erstmals seit der Ära Maradona auch wieder Titel gewonnen.
Erster Trainer der Vereinsgeschichte war 1926/27 der Wiener Anton „Fritz“ Kreuzer. Er übte das Amt als Spielertrainer 1926/27 aus. Zuvor hatte der ehemalige WAF-Spieler Kreuzer bei Torino gespielt. Im Frühjahr 1927 wurde er durch den Steirer Bino Skasa abgelöst, ehemaliger Spieler von Sturm Graz. 1927/28 betreute mit Rolf Steiger, der bereits seit 1915 in Neapel gespielt hatte, ein weiterer Österreicher als Teil eines Trainerteams den Verein. Der letzte österreichische Napoli-Trainer war 1928/29 der Wiener Otto Fischer. Die letzte Trainerstation des siebenfachen österreichischen Teamspielers Fischer war von 1936 bis 1941 Olimpija Liepāja in Lettland. Nachdem die deutsche Wehrmacht 1941 das mittlerweile sowjetische Land erobert hatte, wurde er als Jude von den Nazis umgebracht.
Die einzige Begegnung Napolis mit Rapid fand 1959 im Zuge von USA-Tourneen in New York statt (1:0 für Rapid). 2006 bis 2008 spielte hier der Ex-Rapidler György Garics und 2009/10 saß hier Jimmy Hoffer mehr oder weniger ein Jahr ab, bevor er weiterverliehen wurde.
Das Stadio San Paolo wurde 1959 eröffnet und ist nach dem christlichen Apostel Paulus benannt. Das große Stadion hatte zu Beginn eine Kapazität von 87.000 Plätzen die mit Renovierungen und Umbauten für die EM 1980 und die WM 1990 auf 85.000 Plätze sank. Für die WM 1990 wurde im zuvor offenen Oval der obere Rang überdacht. Heute gibt es hier offiziell 60.240 Plätze.
Zuvor wurde an diesem Tag bereits ein Spiel in Benevento gesehen. In Neapel wurde zum Maradona-Altar gepilgert, die Stadt Neapel besichtigt und das Museo Archeologico Nazionale besucht.


















































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