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Freitag, 5. Dezember 2025

Hütteldorfer Wödmasta



Hütteldorfer Wödmasta
100 Jahre Ernst Happel
29.11.2025 – 30.4.2026
Sonderausstellung des Rapideum



Ernst Happel ist eine Sonderausstellung des Rapideum gewidmet. Als Spieler war er mit Rapid sechsmal Meister und einmal Cupsieger. Als Sektionsleiter konnte er den Meistertitel 1959/60 feiern und mit Rapid ins Europacupsemifinale 1960/61 vorstoßen, bis er in die Welt hinauszog und zu einem der besten Trainer der Fußballgeschichte avancierte. Der am 29. November 1925 in Wien geborene Happel wäre dieser Tage hundert Jahre alt geworden, wenn er nicht schon am 14. November 1992 verstorben wäre.


Drei Sonderausstellungs-Vitrinen in den Räumen des Rapideums sind Happel gewidmet. Gleich zu Beginn ist das Kartenspiel als seine persönliche Leidenschaft dargestellt.


In der bewährten Rapideum-Ausstellungsgestaltung lassen sich Schubladen öffnen, in denen man Exponate sieht und über Happel erfährt. Bücher in deutscher und niederländischer Sprache über ihn.


Zeitungsseite über das wohl größte Match des Spielers Ernst Happel. Er erzielte heute wie damals sensationell aus zwei Freistößen und einem Elfmeter als Verteidiger drei alle Rapid-Tore bei einem Europacupsieg über Real Madrid. In der zweiten Saison des 1955/56 eingeführten Europacups der Meister traf Rapid in der ersten Runde auf Real Madrid, die in jener Zeit den Europacup 1955/56 bis 1959/69 fünfmal in Serie gewannen. Das Hinspiel verlor Rapid vor 125.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Estadio Santiago Bernabéu 4:2, gewann aber das Rückspiel vor 53.000 im Wiener Prater 3:1. Weiter ging es leider nicht. Das nach Reglement danach anstehende Entscheidungsspiel wäre auf neutralem Boden auszutragen gewesen. Rapid entschied sich damals aber, es gegen viel Geld an Real Madrid zu verkaufen, so fand es wieder im Bernabéu statt. Rapid verlor 2:0.


Wie damals üblich, spielte Rapid Tourneen in Übersee, um Geld zu verdienen. In der Südamerika-Tournee in Juni und Juli 1949, lernte man dort ein neues Spielsystem kennen, das man als „brasilianisches System“ nach Wien mitbrachte. Happel kam es entgegen: „Sein Amt als Ausputzer entspricht seinem ungestümen Temperament.“


Happels Weggefährten bei Rapid (1938 bis 1954 und 1956 bis 1959) und seine Zeit als Sektionsleiter nach Spielerkarriere-Ende (1959 bis 1962)


Sammlung von Film- und Videobeiträgen


Wo Ernst Happel in den Vitrinen und Laden der Dauerausstellung des Rapideum vorkommt, ist jeweils gekennzeichnet, und ergänzt die Sonderausstellung. Als Mitglied des zum hundertjährigen Vereinsjubiläum 1999 gewählten Jahrhundertteams ist Happel auch in einer Säule präsent. Sie zeigt eines seiner Rapid-Trikots (das älteste bekannte Rapid-Trikot) und sein Trikot von der FIFA-Weltauswahl 1953.


Vitrine mit Straßenschild der nach Ernst Happel benannten Straße vor dem Stadion De Kuip in Rotterdam, wo Happel als erfolgreicher Feyenoord-Trainer der Jahre 1969 bis 1973 mit dem Europacupsieg 1969/70 hoch verehrt wird. Bis heute sichtbare mediale Präsenz Ernst Happels wird durch die ihm gewidmete jüngste Ausgabe des ballesterer gezeigt, die u.a. Interviews mit Weggefährten enthält.


Aufgrund Happels erfolgreicher Trainerzeit beim HSV 1981 bis 1987, wo er mit Meistertitel, Pokalsieg und Europacupsieg alles gewann, was zu gewinnen war, ist Ernst Happel auch im HSV-Museum in Hamburg und im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund als wichtige Person der deutschen Fußballgeschichte präsent.


Mit Rapid hatte Ernst Happel nach Ende seiner Funktionärstätigkeit 1962 ein „schwieriges Verhältnis“, wie der Ausstellungstext unumwunden schreibt. Dazu trug persönliche Enttäuschung bei. In den 1980er Jahren hatte der SK Rapid leider keinen guten Umgang mit Geschichte und verdienten Legenden der Vergangenheit.


1992 trainierte Ernst Happel am Ende seines Lebens die österreichische Nationalmannschaft. Nach seinem Tod wurde das Wiener Praterstadion von der Stadt Wien Ernst-Happel-Stadion benannt. Zwei Gedenktafeln erinnern dort an ihn, eine aus dem Jahr 1993 und eine aus dem EM-Jahr 2008.


Erinnerung an Ernst Happel im Block West anlässlich seines 25. Todestags bei einem Heimspiel 2017.


Blick in die Ausstellung


Flutlichttrikot von 1956 (Replika des damals zur besseren Sichtbarkeit bei noch geringerer Lichtstärke angefertigten Trikots) und das Spielplakat des legendären Spiels gegen Real Madrid 1956. Es war nämlich nicht nur ein Happel-Torfestival sondern auch das erste Flutlichtspiel im Wiener Praterstadion.


Gegenstände Ernst Happels in der Rapideum-Dauerausstellung


Zur Ausstellung brachte das Rapideum wieder eine Broschüre heraus.






Rezension


SK Rapid (Hg.)
Hütteldorfer Wödmasta
100 Jahre Ernst Happel
Projektleitung und Text: Matthias Schmid, Julian Schneps
Wien 2025
44 S.





Die Broschüre erweitert und vertieft die Rapideum-Ausstellung über Ernst Happel. Die in den kurzen Ausstellungstexten angerissenen Themen haben hier mehr Platz. Zusammen mit den auch in der Sonderausstellung zu sehenden Bildern, wird die Geschichte Happels bei Rapid näher beschrieben. Dazu gibt es Interviews zu lesen. Mit Branko Milanović, den von Rapid-Sektionsleiter Happel aus Belgrad im Auto abgeholt hatte, ohne Zustimmung von Roter Stern zu haben. Mit Franz Hasil, der unter Trainer Happel die beste Zeit seiner Karriere hatte. Mit Andi Herzog, der von Happel stets als „Zauberer“ angesprochen wurde. Mit seiner Enkelin Christina Happel. Sie erzählen Eindrücke und Anekdoten und vermitteln so ein Bild über den Menschen hinter dem „Grantler“. Die Broschüre beschreibt u.a. auch das Zustandekommen der beiden Spitznamen „Aschyl“ und „Wödmasta“.

A5 / 6,95 € / erhältlich im Rapid-Shop

Dienstag, 22. August 2023

Aller Anfang ist schwer



Rezension

SK Rapid (Hg.)
Aller Anfang ist schwer
Die Geschichte des I. Wiener Arbeiter Fußball-Clubs von 1897 bis 1899
Projektleitung und Text: Julian Schneps
Wien 2023
28 S.






Mit der Geschichte des Vorläufervereins des SK Rapid beschäftigt sich diese Broschüre des Rapideum. Zum 120-jährigen Jubiläum des SK Rapid gestaltete das Rapideum 2019 die Sonderausstellung Mythos Rapid – Die Ursprünge des SK Rapid. Auf die Zeit des am 22. Juli 1897 gegründeten I. Wiener Arbeiter Fußball-Club, aus dem am 8. Jänner 1899 der SK Rapid wurde, geht man hier auf 28 Druckseiten noch einmal vertieft ein. Sportlich waren die eineinhalb Jahre von Debakeln gezeichnet. Doch Autor Julian Schneps hält fest: „Wenngleich die Arbeiterfußballer nicht gerade positiv in die Statistiken eingehen: Sie werden zu dieser Zeit oftmals für ihren nie enden wollenden Einsatz gelobt – und leben damit bereits früh die späteren und heute noch verlangten Rapid-Tugenden.“

Auf Basis der vorhandenen Quellenlage wie u.a. Zeitungsberichten beschreibt die Broschüre das Umfeld, den Ort und die Zeit, in der wir uns 1897 bis 1899 befinden, ebenso wie sie die Spieler und die Spiele auflistet sowie Pioniere wie Karl Schediwy vorstellt. Wer noch nicht weiß, warum am Titelblatt das Firmenlogo einer Hutfabrik abgebildet ist, kann das hier erfahren.

Eine umfangreichere Geschichtsbetrachtung kehrte mit der Gründung des Rapideum 2011 ein. Tradition war im SK Rapid immer schon wichtig. Die Geschichte des Vorläufervereins war bekannt, Details blieben aber unerforscht. So galt jahrzehntelang 1898 als sein Gründungsjahr, da aus diesem Jahr das erste Spiel dokumentiert ist. Genauere Forschungen von Domenico Jacono für das Rapideum ergaben dann die genauen Gründungsdaten 1897. Diese Forschungen, das Rapideum, die Tornados-Choreographie 2019 und die vorliegende Broschüre sind Meilensteine eines neuen Fokus auf den I. Wiener Arbeiter Fußball-Club. Gründungsdatum des SK Rapid ist der 8.1.1899, seine Geschichte begann aber schon vorher.


A5 / 5,95 € / erhältlich in den Rapid-Fanshops und auf rapidshop.at

Freitag, 13. Mai 2022

Tornados Rapid Festschrift 1996 – 2021



Rezension


Tornados Rapid
Festschrift
1996 – 2021
Wien 2022
352 S.








„Für all das, was wir gemacht haben, und was passiert ist, ist eigentlich verdammt wenig Zeit vergangen.“ Hansi sagt diesen Satz im Buch im Kapitel über die 2007 bis 2011 bestehenden Tifosi, die dann in den Tornados aufgingen. Der Satz kann aber auch für das ganze Buch stehen. Man staunt beim Lesen oft, was in diesen 25 Jahren alles passiert ist und gemacht wurde. Ihr Jubiläum feierte die im November 1996 gegründete Gruppe bereits mit einem beachtlichen Fest im Sommer 2021, einem abendfüllenden Film und einer aus mehreren Teilen bestehenden großen Choreographie. Zum Abschluss der Jubiläumssaison brachten sie nun auch noch ein hunderte Seiten starkes, 1,4kg schweres und auch inhaltlich gewichtiges Buch über ihre Geschichte heraus.

Wer die Hefte Tornados spezial liest, ihre Aktivitäten verfolgt und ihre Choreographien betrachtet, dem wird bald klar, dass sich die TR seit vielen Jahren eingehend mit der Rapid-Geschichte beschäftigen. Festschriften erscheinen zu Jubiläen von Institutionen, Personen oder auch Vereinen. Für ein Ultras-Buch ist das eine ungewöhnliche Bezeichnung. Dies liegt in der Rapid-Geschichte als Inspirationsquelle begründet, wie im Vorwort erklärt wird: „Die alten Festschriften des SK Rapid haben uns in den Bann gezogen. Sie waren und sind eine gute Quelle, um sich intensiv mit dem SCR zu beschäftigen. In ihnen fanden wir Inspiration für unseren Tifo. Sie zu lesen, half uns, Rapid besser zu verstehen.“ Gleich auf den ersten Seiten erfährt man so eine Hintergrundinfo zur Gruppe. Auch wenn mir durchaus einiges geläufig war: Es gibt kaum eine Textseite im Buch, aus der ich nicht neues lernte.

25 Kapitel hat das 25-Jahres-Buch. In fünf Kapiteln wird in Fünfjahres-Blöcken die Geschichte der Tornados und damit auch des Block West und des SK Rapid in jener Zeit erzählt. Die anderen Kapitel beschäftigen sich mit Themen, welche die TR seit 1996 begleitet haben. Manche Kapitel sind abgeschlossene historische Betrachtungen wie über den Amateure-Support 2001 bis 2003 und den Nationalteam-Support 2004 bis 2007, andere erklären viel über die Funktionsweise der Gruppe (TR-Jugend, Tifosi) und wieder andere sind Fragen gewidmet, welche aus der Geschichte auch die Gegenwart besser verstehen lassen, wie z.B. über Medien, Kampagnen, Schlagabtausch oder die Freunde von Ferencváros und Parma. Die Geschichte der Freundschaften aus eigener TR-Sicht ist so umfangreich bisher noch nicht nachzulesen gewesen. Es geht aber auch um Themen wie Rausch oder Graffiti. Es gibt genauso ein Kapitel über Spaß wie ein Totengedenken.

Die Texte sind gut und flüssig zu lesen. Es gibt auch Interviews, aber die überwiegenden Kapitel bestehen aus auf Gesprächen basierenden Texten mit eingebauten Zitaten. Man wird beim Lesen in eine historische Zeitreise zurück mitgenommen und macht die schrittweise Entwicklung von einem kleinen Fanclub zu einer großen Ultraguppe mit. Vieles wird detailliert und offen berichtet. Spannend ist dabei, dass Brüche und Konflikte genauso wie Misserfolge angesprochen werden und nicht alles als eine glatte Erfolgsgeschichte in direkter Linie von 1996 bis 2021 dargestellt wird. Illustriert mit zahlreichen Fotos aus der Gruppengeschichte. Die ruhige Optik der Buchseiten lässt dabei Text und Bild gut zur Geltung kommen.

Abgebildet sind alle 47 Schals, welche die Tornados 1996 bis 2021 Jahren produziert haben. 68 Choreographien haben sie in diesen 25 Jahren gestaltet. Das Choreo-Kapitel ist dementsprechend mit 48 Seiten auch das umfangreichste im Buch. Neben vielen Fotos prächtiger Bilder aus den Stadien geben die TR auch Produktionsdetails preis wie die Verwendung eines eigens programmierten Computerprogramms, um Entwürfe 3D-animiert betrachten zu können. „Ich wünsche mir, dass wir den Weg mit historischen Choreos weitergehen,“ wird Fischer zitiert. Er meint damit aber nicht das bloße Abfeiern vergangener Erfolge. „Es gibt noch viele Aspekte unserer Vereinsgeschichte, die noch nicht ausreichend beleuchtet wurden.“ Da kam mir sogleich die herrliche „Hut ab vor den Gründern“-Choreographie in den Sinn. Nicht breit bekannte historische Details, wie hier die Herkunft der Gründer des 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club aus der Hufabrik Böhm, in Form einer als Bildungsprogramm funktionierenden, aber auch für sich selbst stehenden Choreographie umzusetzen, ist große Kunst.

„Unser Verein ist der geilste Klub der Welt. Ohne den SK Rapid würde es uns nicht geben. Er ist unser Antrieb und Stolz. Egal ob Unentschieden, Niederlage oder Sieg.“ heißt es einleitend zu einem Kapitel, in dem wahre Gänsehautmomente beschrieben werden. Es gilt, was auf der Rückseite des Buchs geschrieben steht: „Lang lebe Rapid!“


25 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel nofb-shop.de und blickfang-ultra.de.

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Rapideum




Rezension


SK Rapid (Hg.)
Rapideum
Gemeinsam. Kämpfen. Siegen.
Wien 2021
208 S.







Zehn Jahre besteht das Rapideum bereits. Zum Jubiläum brachte das Museum des SK Rapid einen umfangreichen Katalog heraus. Er spiegelt die Vielfalt des Rapideums wieder: So wie das Rapideum nicht nur ein klassisches Museum sondern eher ein Lern-Ort ist, so präsentiert das Buch Objekte der Ausstellung und eröffnet zusätzlich einen vertiefenden Blick in die Geschichte Rapids.

Zu dieser Geschichte gehört mittlerweile auch das Rapideum selbst und so erfährt man hier auch manches zu dessen Entstehung und Entwicklung. „Es geht nicht nur darum, Fotos von Objekten zu zeigen, sondern die Geschichten dahinter zu erzählen. Die Geschichten, die hinter so manchem Stück stecken, aber auch, wie das Rapideum zu dem wurde, was es ist.“ Eine herausragende Objektgeschichte hat etwa die ehemalige Trainerweste von Lothar Matthäus, die von einer langjährigen Vereinsmitarbeiterin eineinhalb Jahrzehnte bei Haushaltsarbeiten getragen wurde, bis sie im Rapideum landete. Einen kritischen Moment der Rapideumsgeschichte sprechen in Interviews sowohl Andy Marek (selbstkritisch) als auch der Gründungs-Kurator des Rapideums, Domenico Jacono, an: Zwischen der Schließung des alten Rapideums mit dem Abriss des Hanappi-Stadions und der Eröffnung des neuen Rapideums im neugebauten Weststadion gab es den Moment, in dem das Rapideum in der Stadionplanungsphase kurzfristig an der Kippe stand. Dies wurde durch eine Kraftanstrengung wieder zurechtgerückt.
Doppelinterviews mit Andy Marek und Michael Krammer über die Vereinssicht auf das Rapideum, mit Domenico Jacono und Thorsten Leitgeb über seine Konzeption und Entwicklung sowie mit Steffen Hofmann und Oliver Pohle („Er hat ein zweites Rapideum.“ beschreibt Hofmann dessen Sammlung) über die Bedeutung des Rapideums für die Vereinsidentität verdeutlichen in ihren unterschiedlichen Herangehensweisen und gleichen Schlüssen, welch bedeutender Ort, welch wichtiger Lern-Ort über Rapid, hier entstanden ist.

Die „Buchvariante“ des Rapideums, wie der Band in der Einleitung beschrieben wird, ist ein papiergewordenes Rapideum. Das sieht man auf den ersten Blick schon bei der gelungenen grafischen Gestaltung, welche das charakteristische und einzigartige Aussehen der Ausstellung in Buchform brachte. Ausstellungsobjekte werden in schönen Fotos effektvoll beleuchtet präsentiert, so wie man sie ebenso aus der Ausstellung kennt. Inhaltlich ist das Buch auch in die drei Leitbegriffe „Gemeinsam“„Kämpfen“„Siegen“ gegliedert und erzählt die Geschichte Rapids anhand lehrreicher Objekte und Bilder. Welcher Fußballverein kann sonst von sich sagen „Am Anfang war der Hut.“ wenn er von seiner Frühgeschichte spricht? Manche Texte kennt man, manche liest man erstmals.

Das Rapideum-Buch ermöglicht es, viele seiner schönen Objekte zumindest im Abdruck zu bewundern und sich beim Schmökern und Blättern stundenlang zu verlieren.

Darüber hinaus bietet das Buch auch Platz für die – neben all den Highlights – beiden spannendsten Teile der Ausstellung, nämlich den Teil über die „schwarzen Stunden“ und dem bedeutenden Kapitel über den SK Rapid in der Nazi-Herrschaft. Im Buch werden auch die aktuellen Mitarbeiter und die Mitarbeiterin des Rapideums samt ihrer jeweiligen Faible dargestellt. Mein Faible als Besucher und Freund des Rapideum wären diese beiden Teile. Sie stehen pars pro toto dafür, dass das Rapideum nicht eine unkritische Heldensaga ohne Tiefgang bietet sondern Rapid in seiner Gesamtheit erfassen lässt.

Gewidmet ist das Buch dem jüngst verstorbenen Rudi Edlinger: „Ohne ihn hätte es das Rapideum nicht gegeben, ohne ihn wäre der SK Rapid heute nicht der Verein, der er ist. Er lebte vor, was auch unser Handeln antreibt: Alles für Rapid!“


Großformat, 22 €, erhältlich im Rapidshop

Donnerstag, 8. Juli 2021

„Deutscher Meister war nur der SCR!“



Rezension

SK Rapid (Hg.)
„Deutscher Meister war nur der SCR!“ Die Bedeutung der „2. Großdeutschen Kriegsmeisterschaft“ und die Rolle des SK Rapid im Nationalsozialismus
Projektleitung und Text: Laurin Rosenberg
Wien 2021
32 S.





„Darf man auf Rapids deutschen Meistertitel stolz sein?“ Eine einfache und doch komplizierte Frage sucht die Broschüre des Rapideum anlässlich des 80. Jahrestags des Titelgewinns Rapids am 22. Juni 1941 zu beantworten – ein Tag, der in die Weltgeschichte wegen des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion einging, der eine neue Dimension des Vernichtungskriegs der Nazis und des millionenfachen Mordens brachte.

Die Publikation berichtet die Vorgeschichte des Titelgewinns mit der Nazi-Machtübernahme und der Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich 1938, was auch den Fußballbetrieb vielfältig veränderte. Der in Wien seit 1924/25 betriebene Profibetrieb wurde abschafft und durch Pseudo-Anstellungen der für Trainings und Spiele freigestellten Spieler und öffentlichen Bereich ersetzt. Eine Auswahl an Vereinen wurde in den nach einem Nazi-Sportfunktionär benannten, bereits laufenden deutschen Cupbewerb aufgenommen. Rapid gewinnt den Pokal, am 8. Jänner 1939, dem 40. Vereinsgründungstag, vor 40.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Berliner Olympiastadion gegen den FSV Frankfurt. Zweieinhalb Jahre später stand Rapid am selben Ort im Meisterschaftsfinale. Nach dem Meistertitel der „Gauliga Ostmark“ 1940/41 (wird nach der Befreiung 1945 vom ÖFB als österreichischer Meistertitel geführt) traf Rapid in den Gruppenspielen der Endrunde um die deutsche Meisterschaft auf 1860 München, die Stuttgarter Kickers und den VfL Neckarau aus Mannheim, im Semifinale im schlesischen Beuthen (Bytom) auf den Dresdner SC und dann im Finale auf Schalke 04. Ein starker Gegner: „Von 1933 bis 1944 sind die Knappen durchgehend Meister der Gauliga Westfalen. Von 1934 bis 1942 steht die Mannschaft neun Mal im Finale um die Deutsche Meisterschaft, das sie sechs Mal gewinnt. Von den acht Endspielen um den Tschammer-Pokal in diesem Zeitraum erreicht sie fünf, siegt jedoch nur ein einziges Mal. Diese Stärke kann später nie wieder erreicht werden. Nach 1945 kommt nur noch der Meistertitel 1958 hinzu. Dennoch sind nach wie vor nur der FC Bayern München (31), der 1. FC Nürnberg (9) und Borussia Dortmund (8) öfter auf der deutschen Meisterschale vertreten als Schalke.“

Der sportliche Verlauf des Wegs ins Finale wird in der Broschüre mit Daten und zeitgenössischen Zeitungszitaten nachgezeichnet, Das Finalstadion und der in der Ausstellung des Rapideum in originalgetreuer Nachbildung zu sehende Meisterpokal (die Victoria) werden beschrieben. Dass dies alles nicht in einem normalen Umfeld sondern vor dem Hintergrund der Nazi-Verbrechen geschah, wird deutlich gemacht. Die Geschichte Rapids in der Nazizeit wurde bereits vor einem Jahrzehnt in der Studie Grünweiß unterm Hakenkreuz aufgearbeitet. Funktionäre Rapids beteiligten sich aktiv am Naziregime und unterstützten es, zum Hitler-Geburtstag 1940 spendete Rapid vierzig unwiederbringliche Trophäen, um sie für die Kriegsproduktion einzuschmelzen, und mit dem Rapid-Spieler Fritz Durlach gab es auch einen Kriegsverbrecher und Folterer. Die Vertreibung und Ermordung der Jüdinnen und Juden traf ebenfalls auch Rapid, mit den prominentesten Fällen des ehemaligen Rapidpräsidenten Fischer und des langjährigen Funktionärs Schidrowitz, die vor der Verfolgung durch die Nazis als Juden nach Brasilien flüchten konnten, oder den in der Shoah ermordeten Rapidlern Goldschmidt und Dünmann. Dazu kamen Fälle von Renitenz.

Man kann sich an den sportlichen Erfolg selbstbewusst erinnern. Die Umstände der zeitgleichen Verbrechen und Opfer kann man aber nicht ausblenden. Ob sich das in dem im Titel genannten, heute mit Ausnahmen nicht mehr zu hörenden Fangesang, ausdrückt, kann man bezweifeln – wenngleich emotionale Zuspitzung und nicht Komplexität Sinn und Zweck eines Fangesang sind. Autor Laurin Rosenberg findet jedenfalls eine treffende Schlussfolgerung mit Rapid-Bezug: „Die Gründung des 1. Wiener Arbeiter Fußball-Clubs erfolgte 1897 durch Arbeiter der Hutfabrik der Gebrüder Böhm. Diese Fabrik hatte eine Zweigstelle in der kleinen tschechischen Stadt Nový Jičín. In genau dieser kleinen Stadt wurde Max Mannheimer 1920 geboren. Als Jude wurde er inhaftiert und überlebte mehrere Konzentrationslager. Als Zeitzeuge sprach er mit tausenden von Menschen und sagte immer wieder einen Satz, den auch wir hier ans Ende dieser Broschüre setzen wollen: Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“

Dienstag, 29. Juni 2021

Mein Leben mit Rapid – 27,5



Rezension


Andy Marek
Mein Leben mit Rapid
27,5
Wien 2021
(SK Rapid)
416 S.








Sein Leben mit Rapid 1992 bis 2020 beschreibt Andy Marek in diesem Buch. Wer Verein und Fanszene kannte, konnte es nicht übersehen – darüber hinaus wurde in der Öffentlichkeit die Bedeutung von Mareks Arbeit nur selten in ihrem Umfang wahrgenommen, was Marek als Motivation für dieses Buch nennt: „Meine Arbeit als Stadionsprecher war bekannt, jene dahinter ist manchen Menschen nicht aufgefallen. Doch diese machte eigentlich den Löwenanteil aus, forderte mich und kostete mir sehr viel Energie.“

In seiner in Zusammenarbeit mit den Co-Autoren Günther Bitschnau und Lukas Marek entstandenen Autobiographie erzählt Andy Marek von seinem Lebensweg als Altenburger Sängerknabe, Musiker im Genre „Schlager, Pop, Austropop, egal“ und der Übernahme der elterlichen Textilhandelsgeschäfte im niederösterreichischen Waldviertel nach frühem Tod des Vaters 1983 sowie schließlich über die prägenden 27,5 Jahre bei Rapid. Die thematischen Kapitel können hier auch für sich stehen, einige Begebnisse finden in ihnen an verschiedenen Stellen mehrmals Erwähnung. Viele Anekdoten kannte man als langjähriger Besucher von Rapid-Veranstaltungen aus Andy Mareks Moderationen. Hier sind sie nun alle für die Ewigkeit aufgeschrieben worden. Alle Greatest Hits, von der Vorstellung beim Tag der offenen Tür 1992 bis zu den Rückreise-Kalamitäten nach dem Wunder von Kasan. Ans Schienbein tritt Marek in seinem Buch niemand und er enthüllt auch keine Sensationen. Kleine Ahnungen erhält man manchmal, wenn Marek etwa über die Zusammenarbeit mit Peter Pacult als Trainer schreibt „Hinter den Kulissen steigerte ich mich mit Peter auch hie und da in hitzige Diskussionen rein, die aber stets geprägt waren von gegenseitigem Respekt.“ Ein sichtbares Anliegen ist Marek, die Erklärung seiner Sicht des Block West und Begründung seiner langjährigen hilfreichen Unterstützung der Fanszene.

Als „Versuch, es allen recht zu machen“ bringt Marek seine Maxime auf den Punkt und bietet einen Einblick in sein Arbeitspensum: Täglich spulte er so etwa insgesamt 296 Kilometer im Auto zwischen seinem Wohnort und Hütteldorf ab. Ein typischer Arbeitstag begann mit Abfahrt 7:00 Uhr und endete mit Rückkehr zuhause um 21:00 Uhr.
Wie abertausende andere Rapidfans habe auch ich schon oft von den gut organisierten Europacupreiseangeboten Rapids profitiert. Marek schildert hier ihre Organisation und man erkennt dabei ein hohes Maß an Perfektionismus. Aus seinem Einsatz mit hohem Engagement in vielfältigen Aufgabengebieten sieht Marek auch einen Vorwurf herrühren, der dies als Beleg sieht, dass er sich an Rapid bereichert hätte. Dies trifft ihn schwer und er hält nochmal ausdrücklich fest, dass Geschichterln über Beteiligungen, Provisionen oder dem Besitz von Markenrechten falsch und erfunden waren. Haltlose Gerüchte und Lügen in Online-Foren hätten ihn viel Energie gekostet. „Ich wollte es nicht hinnehmen, wenn über uns, unseren Verein oder mich hergezogen wurde, als gäbe es kein Morgen und bestimmte Komiker sich in der Anonymität des Internets suhlen. Denn irgendwas blieb immer hängen, und wenn dann andere Fans etwas lasen, was nicht stimmte, waren auch sie irritiert.“

Andy Marek berichtet stolz von erfolgreichen Projekten, schreibt von schönen und schweren Stunden, hebt enge Weggefährten hervor und bietet mit diesem Buch auch eine Bilanz seiner Aufbauarbeit und Tätigkeit für den SK Rapid.


Buchpräsentation im Weststadion 27.5.2021

Mittwoch, 5. Mai 2021

Mit Leidenschaft zum Lebenstraum



Rezension


Michi Hatz
Mit Leidenschaft zum Lebenstraum
Erinnerungen an das magische Jahr 1996
Wien 2021 (Echomedia)
304 S.









Michi Hatz, eine Stütze der legendären 1996er-Mannschaft Rapids, schrieb zum 25-jährigen Jubiläum ein Buch über jene Zeit. Es ist eine Autobiographie mit Fokus auf die Saison 1995/96 samt Vor- und Nachgeschichte. Hatz beschreibt sein Buch eingangs als „ein romantischer Liebesroman über den Fußball, ein geniales Team, eine besondere Zeit und Rapid Wien, den geilsten Verein der Welt!“

Bereits als Rapid-Fan war Hatz als Fußballer zu Rapid gekommen. „Schon als kleine Zwerge nahm uns unser Vater mit auf die berüchtigte Pfarrwiese,“ erzählt der 1970 geborene Hatz aus seiner Jugend, die er ein kleines Stück weiter westlich verbrachte. Am Rote-Erde-Trainingsplatz neben der Pfarrwiese hatte er auch bei einem Nachwuchs-Probetraining seine erste Erfahrung als Fußballer in Hütteldorf. Sie verlief zwar unglücklich, doch „weckte erst recht meinen Kampfgeist,“ schreibt Hatz. Kampfgeist war jedenfalls eine Eigenschaft, die ihn auch später als Fußballer auszeichnete.
In den 1980er Jahren erlebte er das Hanappi-Stadion als Ball-Bub im Innenraum und als Fan auf der Tribüne „Halblinks des früher noch nicht ganz so großen harzen Kerns auf der sagenumwobenen Westtribüne, dem stimmungsvollsten Sektor.“ erzählt er. „Als Fan habe ich so viele großartige Spieler und Matches gesehen, mitgelitten und mitgefeiert.“ Hier hätte ich gern mehr von Eindrücken das Fans Hatz gelesen. So wie man an späterer Stelle von seinem Erleben des 5:0-Heimsiegs nach 3:0-Auswärtsniederlage gegen Dynamo Dresden 1984 liest: „Ich stand als junger Teenager mit meinen Freunden auf der West und wir fieberten dem Spiel entgegen. Nasskaltes, grausliches Wetter. Das Spielfeld desolat. Das Match hingegen heiß, ein wahnsinniger Fight um jeden Zentimeter. Neunzig Minuten Hoffen und Bangen. Zittern und Leiden. Anspannung und Dramatik. Singen und Brüllen. Jubel und Euphorie. Gänsehaut und Ekstase. [...] Alle Leute im Stadion haben getobt, als gäbe es kein Morgen. Auf allen vier Seiten. St. Hanappi hat gebebt wie selten zuvor. Ich weiß noch, wie ich in meinem Bus, dem 50A, die Heimreise ins nahe Hadersdorf antrat und alle Insassen in gemeinsamer Glückseligkeit vereint in Dauerschleife Rapid besungen haben. [...] Dieses Spiel hat mich mit meinen knapp vierzehn Jahren sicher nachhaltig geprägt. Mir läuft es heute noch kalt über die Schultern, wenn ich daran denke.“
Im Fokus des Anfangskapitels steht aber sein Weg als Fußballer von der Jugend über eine Stadion in Gablitz zur U21 und Kampfmannschaft Rapids 1990 unter Trainer Hans Krankl, zu der er ab Jänner 1991 fix gehörte. Es sind schwierige Jahre Rapids, die Hatz aus eigenem Erleben von seiner Warte als Spieler aus skizziert.

„Ernst Dokupil.“ Mit diesen beiden Worten, die einen Namen bilden, beginnt Hatz das mit einem mythologischen Sprachbild „Wie Phönix aus der Asche“ betitelte Kapitel über die Rückkehr Rapids zum Erfolg. Interessant, wie Hatz den Antritt von Dokupil 1994 als „frischen Wind“ beschreibt, nicht nur in neuer personeller Zusammensetzung von Betreuerteam und Mannschaft sondern auch mit der Einführung von Pulsuhren und damit inviduellen Trainingsprogrammen. Er bilanziert: „So lästig und anstrengend die Einheiten mit den verdammten kleinen elektronischen Dingern auch sind, machen sie uns definitiv stärker und sicherer in unserem Auftreten.“ Als Modernisierungsgeschichte der Trainingsmethoden wurde der Weg Rapids 1996 noch nicht gelesen. Viel stärker dominiert in der Erzählung üblicherweise der mentale Faktor, den aber auch Hatz naturgemäß anspricht: „Es macht wieder Spaß, Fußball zu spielen. Dokupil gibt uns die Freude an diesem Sport, Spiel und letztlich Beruf zurück. [...] Die neuen Freiheiten motivieren ungemein.“

Es folgen Seite um Seite an Hatz' Erinnerungen an die Saisonen 1994/95 und 1995/96 und ihre großen Spiele. Hatz erzählt in nicht verschnörkeltem Plauderton und lässt einen beim Lesen daneben Erinnerungen an das eigene Erleben jener Zeit wach werden. Man liest von der Aufnahme der Rapid-Hymne und Hatz druckt dazu die Sprecher der einzelnen Strophen ab. Der Meisterschaftsverlauf wird nicht außer acht gelassen, aber der Fokus des Hauptteils des Buchs liegt auf den legendendären Europacupspielen 1995/96. Der eigene Schreibstil gibt in kurzen Sätzen Emotionen wieder. Angesichts der zweieinhalb Jahrzehnte, die seither vergangen sind, hat Hatz beeindruckend viele Einzelheiten parat. Er erzählt Details aus dem Ablauf des Spieltags aus seinen Erinnerungen und blickt auf die Spiele auf Basis von Aufzeichnungen der Fernseh-Übertragungen als Gedächtnisstütze zurück.

1996 war für Rapid wahrlich ein magisches Jahr, wie es im Buchtitel zutreffend bezeichnet wird. Aus fußballerischer Sicht begann 1996 ja schon 1995. Vom Kalenderjahr 1996 machte Hatz bei Rapid nur die erste Hälfte mit. Nach dem Europacupfinale stand mit der Endphase der Meisterschaft und dem schlussendlichen Entscheidungsspiel in der letzten Runde das „zweite Finale“ an, das mit dem Meistertitel erfolgreich abgeschlossen werden konnte. „Ein Moment fürs ganze Leben.“ hält Hatz fest. Am nächsten Tag war er aber schon wieder früh auf den Beinen, um nach Italien zu fliegen. Hatz schildert, wie die Vertragsverhandlungen mit Rapid nicht so abgelaufen waren, wie er sich das gewünscht hätte, und er von einem – interessanterweise im Buch nicht namentlich genannten – Manager zu einem Transfer angesprochen wurde. So kam er in die damals wohl beste Liga der Welt zum Auf- und postwendenden Absteiger Reggiana und daran anschließend zu einer durch Betreuerwechsel unglücklich verlaufenden zweiten Station in der Serie A in Lecce bevor es 1998 wieder nach Hütteldorf zurück ging. Der sang- und klanglose Abschied durch überraschendes Auslaufenlassen seines Vertrags 2001 enttäuschte Hatz. Am Schluss des Buchs berichtet er von seinem weiteren Lebensweg, beschreibt seine Mitspieler 1996 und lässt Ernst Dokupil resumieren.

Die Formulierung, „verfeindete Hooligans beider Teams krachten vor Spielbeginn aneinander und verursachten dabei eine Massenpanik“ zur Katastrophe von 1985 im alten Heysel-Stadion von Brüssel, dem Vorgängerbau von Rapids Finalstadion 1996, ist verkürzt bis falsch. Unklar ist mir der Umstand, warum das Cover Hatz im Businessoutfit als Businessman im Businessklub zeigt. Abgesehen vom Rapid-Wappen wirkt das Buch vom Titel her wie ein Werk aus dem wenig empfehlenswerten Genre an Lebensratgebern und nicht wie ein Fußballbuch. Irreführend. Das Titelblatt mit einem Bild von Hatz als Fußballer im Jahr 1996 als Anreiz für Fußballinteressierte zu versehen, wäre naheliegend gewesen. Emotionale Bilder, die einen sofort packen, sind im Buch selbst abgedruckt.

Das Buch ist weder Ratgeberliteratur noch Anekdotensammlung oder Indiskretionen-Aufdeckerbuch sondern eine schöne Erinnerung für Rapid-Fans an eine besondere Zeit. Gut, dass 1996 zum 25-Jahr-Jubiläum von einem Protagonisten mit einem Buch gewürdigt wurde.

Sonntag, 22. November 2020

90 Jahre Mitropacup-Sieg



Rezension


SK Rapid (Hg.)
90 Jahre Mitropacup-Sieg
Projektleitung/Text Laurin Rosenberg
Rapideum
Wien 2020
28 S.







Am 12. November 1930 gewann Rapid mit dem Mitropacup den wichtigsten internationalen Titel seiner Vereinsgeschichte. Zum 90-jährigen Jubiläum war pandemiebedingt keine Sonderausstellung möglich, dafür erfreut das Rapideum mit einer Festschrift.

1930 war die letzte Pandemie der Menschheitsgeschichte erst etwas mehr als ein Jahrzehnt her. 90 Jahre später hatte man vergessen, dass so etwas möglich ist. Der 12. November war 1930 ein Feiertag, an dem die Gründung der demokratischen Republik 1918 gefeiert wurde. Aber manche wünschten sich die Abschaffung demokratischer Mitbestimmung und dies sollte wenige Jahre darauf mit dem Regierungsputsch gegen das Parlament 1933 und der endgültigen Durchsetzung der austrofaschistischen Diktatur nach dem kurzen Bürgerkrieg des Februar 1934 geschehen. 90 Jahre später halten viele die Demokratie für ebenso selbstverständlich und unverletzlich wie ihre Gesundheit. Der Mensch nimmt gern die Gegenwart als Normalzustand an. Über den Sinn und Zweck, 2020 an 1930 zu denken, schreibt Laurin Rosenberg in der Einleitung der Festschrift: „Keine der handelnden Personen ist noch am Leben, der Bewerb selbst existiert schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Selbst das Schicksal des Originalpokals ist nicht geklärt. Dennoch ist dieser Titel für den Verein wichtig, zeigt er doch, dass Rapid tatsächlich einmal der stärkste Verein des Kontinents war. Damit ist er ein wesentliches Fundament des klassischen Rapid-Anspruchs, immer gewinnen zu wollen. Wir haben es einmal geschafft, warum sollten wir es nicht wieder schaffen?“

Die Festschrift beschreibt Vorgeschichte und Geschichte des Mitropacups als erstem großen länderübergreifendem Bewerb im europäischen Vereinsfußball. Rapid ist von Anfang an vorne mit dabei. „Bei den ersten drei Austragungen erreicht der SK Rapid zweimal das Finale (1927 gewinnt Sparta Prag, 1928 Ferencváros) und einmal das Halbfinale. [...] Aber auch abseits der sportlichen Bilanz kann Rapid zufrieden sein. Bei den zehn Heimspielen in diesen drei Jahren kommen im Schnitt 24.500 Fans zu den Spielen. Zum Vergleich: In der Liga kommt Rapid in diesen Jahren auf einen Zuschauerschnitt von etwa 9.000.“

Beim hier beschriebenen Weg ins Finale 1930 fallen sowohl die beachtliche Ähnlichkeiten als auch nicht minder bemerkenswerte Unterschiede zum uns geläufigen Europacupalltag auf. So traf Rapid in der ersten Mitropacuprunde (als österreichischer Meister 1929/30 qualifiziert) im Hinspiel auswärts bereits am 14. Juli 1930 auf den Genoa CFC (als italienischer Meisterschaftszweiter qualifiziert), das Rückspiel fand aber erst am 3. September statt. Die nächste Runde war dann bereits das Semifinale und in diesem traf Rapid im Hinspiel am 8. Oktober wieder auf den Ferencvárosi TC. „Kurios mutet heute der Spieltermin Mittwoch, 15:30 an. Es musste allerdings so früh gespielt werden, weil damals Flutlichtanlagen noch nicht üblich waren.“ Trotz des Termins kamen 17.000 auf die Pfarrwiese und sahen einen 5:1-Sieg Rapid, der trotz der 1:0-Niederlage in Budapest in der Woche darauf zum dritten Finaleinzug Rapids in der vierten Auflage des Mitropacups reichte.

Bevor es zur Schilderung des Finales geht, nimmt der Text dramaturgisch etwas Tempo heraus und informiert über den Finalgegner Sparta Prag und die Geschichte Rapids seit der Gründung des 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club 1897. Im Zentrum des Band stehen dann die beiden Finalspiele des Mitropcup-Finales 1930. Das Hinspiel im Prager Stadion Letná, das bis heute Heimstätte Spartas ist, fand am Sonntag, dem 2. November 1930 statt. 25.000 bis 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen eine Premiere: „Zum ersten Mal in der Geschichte des Mitropacups gewinnt das Auswärtsteam eines der Finalspiele. ,So wenig man einen Erfolg der Hütteldorfer erwartet hat, so sicher wurde er von ihnen errungen‘, schreibt am Tag nach dem Spiel die Arbeiter-Zeitung.“ Heute wie damals freuten sich Medien wohl über prägnante Aussagen der Akteure nach dem Spiel. Rosenberg zitiert einen knochentrockenen Kommentar von Dionys Schönecker: „Was die Mannschaft geleistet hat, bedarf erst keiner langen Erläuterung, Sparta auf eigenem Boden besiegt zu haben, sagt genug.“

Das Rückspiel fand erst zehn Tage später und wieder an einem Mittwoch in Wien statt. Diesmal war dieser 12. November aber eben als Republikgründungstag ein Staatsfeiertag. Austragungsort war nunmehr auch nicht mehr Rapids Pfarrwiese sondern die Hohe Warte als größtes Stadion Wiens. Eine damals mehrfach bei großen Spielen genutzte Ausweichspielstätte, wie im weiteren Verlauf der Festschrift auch berichtet wird. So konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer zahlreich zum Nachmittagstermin kommen, auch wenn die Rahmenbedingungen unwirtlich waren, wie Rosenberg das Sporttagblatt zitiert: „das Wetter war unfreundlich, was zwar dem Besuch nicht geschadet hatte, da die Riesenziffer von 40.000 Zuschauern erreicht wurde, aber doch das Spiel stark beeinträchtigte, weil der heftige Sturmwind den Spielern die Ballbehandlung wesentlich erschwerte.“ Bei dem Spielverlauf wären mir wohl aus nervlicher Überstrapazierung alle verbliebenen Haare erst ergraut und dann ausgefallen. Schließlich verlor Rapid zwar das Spiel 2:3, aber gewann in Zusammenrechnung von Hin- und Rückspiel den Pokal. Große Jubelbilder, wie man sie heute von Finali kennt, konnte es damals nicht geben: „Auf Anweisung der Polizei, die Angst vor Tumulten hat, erfolgt die Siegerehrung inklusive der Übergabe der Pokale nicht auf dem Spielfeld, sondern im Inneren des Stadions.“

Die Finalberichterstattung der Festschrift schließen Mannschaftsfoto, Statistiken, Kurzbiographien von Sektionsleiter Schönecker und Trainer Bauer sowie ein lebendiger Matchbericht aus der Arbeiter-Zeitung über das Rückspiel ab.
Der Schluss kommt nocheinmal auf die Bedeutung des Mitropacups zurück, der Jahrzehnte vor Gründung der UEFA und des Europacups eine fußballerische Konkurrenz der Vereine der stärksten Verbände Mitteleuropas darstellte. Sportliche und auch wirtschaftliche Interessen waren wohl ausschlaggebend für seine Gründung, seine Wirkung reichte aber darüber hinaus: „Bis zu einem gewissen Grad wird hier anhand des Fußballs die Idee eines Europas ohne Grenzen vorgelebt. Jahrzehnte bevor diese Idee Realität werden sollte.“

Donnerstag, 9. Januar 2020

Die Chronik. Band III. 2009 – 2019



Rezension


Günther Bitschnau (Projektleitung) / Peter Klinglmüller / Gerald Pichler / Elisabeth Binder (Red.)
Die Chronik. Band III
2009 – 2019
Wien 2020 (SK Rapid)
360 S.







Nachdem zum hundertjährigen Jubiläum Rapids 1999 die „Holzinger-Bibel“, das monumentale Lebenswerk von Roland Holzinger Die Chronik. Rapid 1899 – 1999 erschienen war, gab es 2009 einen Fortsetzungsband Band II. 1999 – 2009. Nunmehr berichtet der dritte Band über das nächste Jahrzehnt. Eine mittlerweile schöne Tradition. Der Band wurde als Abschluss des 120-jährigen Jubiläumsjahrs präsentiert.

Ein augenscheinlicher Unterschied zu den vorherigen Chronikbänden ist, dass es keine Titel zu feiern gibt. Dennoch gibt es in der Chronik der Saisonen 2009/10 bis 2018/19 einige Höhepunkte im Europacup. An die 2009 beginnenden Qualifikationen und Teilnahmen an Gruppenphasen der Europa League wird man gern erinnert. Die Titelseite des Buchs ziert ein ikonographisch gewordenes Bild Steffen Hofmanns vom 3:0-Sieg im Gruppenphasen-Auftaktspiel gegen den HSV 2009. Die den chronikalen Teil abschließende Saison 2018/19 war mit Europacup-Höhepunkten und dem Abstieg in das untere Play-off in der Meisterschaft in ihrem rasanten Auf und Ab der Gefühle vielleicht sogar symptomatisch für das Jahrzehnt. In insgesamt vier Seiten mit zwei Seiten Text werden jeweils die wesentlichen Ereignisse einer Saison beschrieben, wobei die Europacupsternstunden (da gab es doch einige) hier mangels der angesprochenen Titel oft den Hauptteil ausmachen. Dazu kommt pro Saison ein Statistikteil, mit Mannschaftsfoto, Spielereinsatzstatistiken sowie Auflistung mit Spieldaten aller Bewerbs- und Freundschaftsspiele.

Ein eigenes Kapitel ist dem Neubau des Weststadions gewidmet. Doch ein wahres Gustostückerl folgt danach, denn Gerald Pichler vom Rapidarchiv listet auf 160 Seiten Jahr für Jahr seit 1897 (1. Wiener Arbeiter Fußball-Club) wesentliche Ereignisse auf. Somit wird aus der Chronik der Jahre 2009 bis 2019 auch ein Rapid-Geschichtsbuch der gesamten Vereinsgeschichte.

Die Saisonrückblicke sind aus Vereinssicht geschrieben, was bei einem vom SK Rapid herausgegebenen Buch klar ist. Die eine oder andere Choreographie hat es auf einem Foto in das Buch geschafft. Die erste Chronik aus dem Jahr 1999 bleibt exzeptionell aufgrund ihrer Fanperspektive auf die Vereinsgeschichte (Forza Rapid verlieh Roland Holzinger den Titel „Jahrhundert-Fan“) mitsamt der Abbildung unschätzbarer Sammlerstücke wie Eintrittskarten etc.

„Irgendwos is imma“ hatte Thomas Lanz in seiner Rapid-Fibel als ein Grundmerkmal Rapids herausgestrichen. Aufgrund der Fülle an Ereignissen und Momenten vergisst man auch viel wieder. Diese Chronik ist perfekt dafür, allein durch das Hineinschnuppern eine Vielzahl an Erinnerungen zu wecken, wenn man ein Foto oder einen Namen sieht und sich im Text lesend und die Statistiken durchschauend verliert.


Buchpräsentation 8.1.2020
Weststadion


Die Präsentation der Chronik fand zum 121. Geburtstag Rapid am 8. Jänner 2020 in der Aula des Weststadions statt. Zu Gast waren handelnde Personen des abgelaufenen Jahrzehnts, die zu ihren Erinnerungen sprachen.


Peter Schöttel blickte auf seine schwierige Zeit zu Beginn seiner Rapid-Trainerzeit 2011 zurück und bilanzierte das erste Jahr als durch viel Unsicherheit geprägt, wobei er auch den Supportboykott nach den Stadionverboten aufgrund des Platzsturms anführte. Dennoch gab es mit dem zweiten Meisterschaftsplatz 2012, den unvergesslichen Europacupspielen gegen PAOK und dem Erreichen der Gruppenphase der Europa League Erfolge. Seine Entlassung kommentierte Schöttel gewohnt trocken.


Zoki Barišić bilanzierte seine Trainerzeit damit, dass es gelungen ist, die sportliche Schere zu den Dosen immer weiter zu schließen, aber es sich am Schluss eben nicht zu einem Titel ausgegangen ist.


Michael Krammer, Präsident der Jahre 2013 bis 2019, erzählte von in Erinnerung gebliebenen Momenten.


Kapitän Stefan Schwab meinte, von Andy Marek auf den Verlust der Heimstärke angesprochen, dass man an diesem Thema in der Vorbereitung arbeiten werde.


Geschäftsführer Christoph Peschek sagte, dass Rapid gut aufgestellt ist und er überzeugt ist, so auch gut in die Zukunft gehen zu können. Er bedankte sich mit einem Ehrengeschenk bei Andy Marek für dessen verdienstvolle jahrzehntelange Arbeit.


Steffan Hofmann durfte als prägender Spieler des Jahrzehnts nicht fehlen.


Der Projektleiter des dritten Chronikbands, Günther Bitschau, sprach in einer Videobotschaft aus Osaka von seiner Ostasienreise aus über das Buch.


Das Grafik- und Redaktionsteam gemeinsam mit Geschäftsführer Peschek und Präsident Bruckner.


Das Buch.