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Freitag, 17. April 2026

Ballesterer 205



Rezension


ballesterer
Nr. 205
April 2026
84 S.








In die Rapid-Europacupsaison 1995/96 taucht das Heft ein. „Für alle, die in den 1990er Jahren Fußball verfolgt und nur ein bisschen zu Rapid gehalten haben, ist diese Ausgabe ein perfektes Rezept für statt gegen Nostalgie.“ heißt es schon im Editorial. Emotionen und Erinnerungen kommen sonder Zahl allein beim Gedanken an jene Zeit hoch, beim Lesen sprudeln sie in jeder Zeile über. Die 1990er waren wild, auch wenn ich persönlich damals nicht so dabei war wie jetzt.
Zur großen Titelgeschichte gibt es wie gewohnt Randglossen zur Ergänzung. Herausragend ist dabei Stefan Krafts Erinnerung an seine Busfahrt nach zum Finale nach Brüssel. „Es war einer der offiziellen Busse. Wer verstehen will, was das heißt, soll Jean-Paul Sartre lesen. Die Hölle, das sind die offiziellen Rapid-Busse.“ Wenn man schon einmal (nicht 17 Stunden nach Brüssel) mit der dort recht eigenwilligen Mischung an Leuten gefahren ist, weiß man, was er meint. Um es ein wenig zurechtzurücken: Da ich unlängst mit einem Vertreter eines anderen größeren Vereins zufällig über die dortigen Reisegesellschaften geplaudert habe, kann ich sagen: Anderswo ist es nicht besser. Vielreisende sind auch die Herren Harald und Robert vom grundsympathischen Fanklub Die Klempner Rapid Wien. Über ihre Reiseabenteuer 1995/96 und darüber hinaus erzählen sie hier in einem wundervollen Interview. Es war eine begeisternde Saison und es ist ein begeisterndes Heft.

Hoppenheim und FAK sind unabhängig von den konkreten Texten uninteressante Themenstellungen. Vielmehr interessant sind hier weiters hingegen die Artikel aus Tunis oder über Fußballfanjustiz in Österreich. Optisch ansprechend ist eine Fotostrecke über Spielerkabinen Ersatzbänke auf Fußballplätzen. Von Thomas Pöltl gibt es leider die letzte Folge seiner Kolumne Fundstücke aus der Fußballbibliothek. Dem Titel „Lest Klassiker!“ schließe ich mich an. Lesen bildet.

Nicht um Rapid, sondern um Rote Teufel in Kärnten geht es in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ im Heft über den ATSV Wolfsberg.


A4 / 9,00 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 18. März 2026

Ballesterer 204



Rezension


ballesterer
Nr. 204
März 2026
84 S.








„Wir sind ja nicht so wie andere.“ hörten die ballesterer-Redakteure in ihren Gesprächen mit Spielerberatern von diesen oft. In ihren Selbstdarstellungen erfährt man in der Titelgeschichte über sie, wie arbeitsreich und aufopferungsvoll ihr Job nicht wäre. Das kontrastiert deutlich zur Erfahrungsschilderung des Ex-Profifußballers und Kolumnisten Michael Novak über nur bei den (Provisionen abwerfenden) Transfers aktive Berater: „Danach wird es oft still. Die Karriere läuft weiter, die klassische Beratung pausiert bis wieder eine Verlängerung und ein Transfer anstehen.“ Eine differenzierte Betrachtung steuert das Interview mit dem guten Zoki Barišić bei, der aus seinen verschiedenen Erfahrungen als Spieler, Trainer und Sportdirektor berichtet. Der Schwerpunkt vertieft das Wissen über die Branche und lässt einen auch neues erfahren und manches etwas zurechtrücken, weil auch Sinnvolles angesprochen wird. Aber die Einschätzung blieb, dass die Branche eher vom Fußball lebt als für ihn etwas bringt.

Recht viele spannende Artikel rund um den Globus gibt es diesmal. So liest man im Heft u.a. aus Paraguay, der Türkei, afghanischem Frauenfußball im Exil oder Palästina. Christoph Biermann sagt im Interview „Es ist doch nicht so, dass ich Spiele als Data Stream schaue.“ Wenn er das Gegenteil gesagt hätte, hätte ich ihm das auch sofort geglaubt.

Nicht um Spielerberater und Business geht es in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ im Heft sondern es geht zum SV Buch/St. Magdalena in die Oststeiermark.


A4 / 9,00 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Donnerstag, 5. Februar 2026

Ballesterer 203



Rezension


ballesterer
Nr. 203
Februar 2026
84 S.








Tschernobyl 1986 als Schwerpunktthema eines Fußballmagazins überrascht. Tatsächlich informiert das Heft lehrreich, welche Auswirkungen die Nuklearkatastrophe auf den Fußball hatte und wie es um ihn in jener Zeit bestellt war. Schlimme Fakten – „spätere Schätzungen gehen von 4.000 bis 16.000 Todesfällen aus“ – und Absurditäten, wie der Ausnahme vom aus Strahlenschutzgründen verhängten Salzburger Rasenmähverbot im Lehener Stadion für die Abhaltung eines Länderspiels samt fragwürdiger Empfehlung, nicht den Beton abzuschlecken um vor der Strahlung sicher zu bleiben, haben Jan Mohnhaupt und Nicole Selmer zusammengestellt. Über den Lost Ground des Stadions von Prypjat, das aufgrund der Katastrophe nie eröffnet wurde, gibt es einen Reisebericht von Hubert Herzog.

Fredy Bickel gibt ein Interview über seine Zeit in der Schweiz und bei Rapid, bleibt aber im wesentlichen auch nach der Lektüre frei nach Oscar Wilde eine sphinx without a secret. Weitere Artikel handeln u.a. von der österreichischen Bundesliga, Ost-Timor, Kap Verde oder Marokko. Vom eher in der negativen als in der positiven Wortbedeutung verrückten Ilčo Naumoski gibt es einen Auszug eines wohl stärker die zweitere Variante betonenden Buchs über ihn.

In der alljährlichen Umfrage unter den Leserinnen und Lesern des Hefts belegt meine Serie einen guten vierten Platz im Ranking der Rubriken und in der offenen Frage, was ihr oder ihm im Heft fehle, antwortete jemand „ab und zu ein Blick ins Unterhaus (Regionalligen und darunter) – die Dorfplatz-Serie ist aber super“. Das freut mich! In der diesmaligen Folge geht es zum FC Egg in den Vorarlberger Bregenzerwald.


A4 / 9,00 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Donnerstag, 20. November 2025

Ballesterer 202



Rezension


ballesterer
Nr. 202
November 2025
84 S.








Ernst Happel wäre im November 2025 hundert Jahre alt geworden und ist damit berechtigterweise wieder am Titelblatt. Dem bereits 1992 schwerkrank Verstorbenen widmet das Heft vier Nachrufe verschiedener Autoren aus verschiedenen Blickwinkeln und zu unterschiedlichen Lebensstationen, was interessant und lehrreich ist. Lehrreich ist auch der Schwerpunkt zu Fußball und Kolonialismus, der einem in mehreren Texten doch einige Aspekte eröffnet.

Erstaunlich ist die Biographie des 38-jährigen 19-fachen bulgarischen Nationalteamspielers Vladislav Stoyanov, der für Ludogorez Rasgrad in der Champions League und für Sheriff Tiraspol in der Europa League gespielt hatte, dann als Paketzusteller in Wien arbeitete und in den letzten Jahren beim SC Lilienfeld war sowie nun beim SCU Ybbsitz im Tor steht. Er erzählt im Interview offen über seine Spielsucht und die Verschuldung daraus.

Weitere spannende Themen im Heft sind die öffentliche Finanzierung des Linzer Profifußballs, Lokomotíva Košice zurück im heimatlichen Štadión v Čermeliy (seit 2022) bzw. wie es im Titel des Artikels von Juraj Červenka heißt „zurück im Heimatbahnhof“ oder u.a. Newcastle United.

Nicht um Wödmasta und Kolonialismus sondern um Stift und Sterne in Kremsmünster geht es in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ im Heft.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 17. Oktober 2025

Ballesterer 201



Rezension


ballesterer
Nr. 201
Oktober 2025
84 S.








Um das Leiden der Wiener Austria an sich selbst geht es in der Titelgeschichte, die Episoden der letzten Jahre erzählt ohne dass sich eine Story entwickelt. Ich wäre ja zur Mängelbehebung für eine schlichte Vereinsauflösung. Am besten ersatzlos. Allenfalls per meriti sportivi ein Neuanfang in der 2. Klasse der Wiener DSG. Es wäre kein Verlust für niemanden und ein Beitrag zu einer besseren Welt.

Weiteres gibt es im Heft u.a. über Tofiq Bəhramov zu lesen, über Ukrainerinnen im Europacup, den neuen Verein im burgenländischen Mattersburg nach dem Fall des größten Betrugs am österreichischen Fußball (gemeinsam mit den mit ebenfalls mit vorgetäuschter finanzieller Basis erreichten Meistertiteln des FC Tirol Anfang der 2000er und der gegenwärtig andauernden Insolvenzverschleppung des obengenannten FAK) durch den mittels jahrzehntelanger Bank-Bilanzfälschung wettbewerbsverzerrend in der Bundesliga spielenden SV Mattersburg, eine neue Kolumne von einem ehemaligen Bundesligaspieler und ein Interview mit Stefan Schwab. Besonders lehrreich ist wieder einmal die Kolumne von Herrn Dr. Pennwieser, der sich mit dem von ihm so bezeichneten „Blödsinn“ des nicht zuletzt im Fußball verbreiteten sogenannten „positiven Denkens“ beschäftigt, das Negatives ausblendet, damit aber nicht zum Verschwinden bringt und daher kein Problem löst. Als Gegensatz zu dieser „toxischen Positivität“ setzt er nicht etwa Trübsal sondern „gesunden Optimismus“ mit Blick auf die Realität.

Zum Eisenbahnersportverein Sigmundsherberg führe ich „auf Gleisschwellen“ in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 5. September 2025

Ballesterer 200



Rezension


ballesterer
Nr. 200
September 2025
84 S.








Die 200. Ausgabe der großartigen Zeitschrift ballesterer widmet sich in seiner Titelgeschichte dem Glauben. Vom runden Sonnengott Echnatons über religiöse Verwerfungen im modernen Fußball bis hin zum Kicken brennender Kokosnüsse in Indonesien reicht der Artikel Nicole Selmers. In einem Interview befragt sie den Theologen Hans-Ulrich Probst, der religiöse Praktiken unter Fans der Stuttgarter Kickers erforschte. Ich denke beim Themenkomplex Fußball und Religion immer gerne an die diesbezügliche Grazer Ausstellung 2016 zurück, während eine Ausstellung in Wien 2008 eher nicht gut war.

Nicht 200, aber 70 Jahre alt wurde Herbert Prohaska und wird mit einem netten Geburtstags-Interview geehrt. „Im Fußball war er Gott.“ sagt er in einer seiner Anekdoten über FAK-Zampano Joschi Walter. Ein Artikel handelt vom Transferkarusell Rapids, wo zur neuen Saison im Spieler-Durchhaus des modernen Fußballs wieder fast ein dutzend neuer Spieler geholt worden sind, und dem auffälligen Fokus auf Israel. Die Transfers sind so zahlreich, dass die Angabe von Martin Ndzie als teuerstem Einkauf der Vereinsgeschichte bei der Lektüre schon wieder überholt war.

Fast 200 cm groß ist der ukrainische Ex-Profifußballer Serhij Litovchenko, den es ins steirische Unterhaus verschlagen hat und der im Heft von seinem Weg erzählt. Weitere Themen handeln u.a. vom Kärntner Slovenski atletski klub (SAK), dessen Tormanntrainer kürzlich Gelb sah, weil er slowenisch sprach. Vom Trainer der SV Ried wusste ich lang nicht mehr als dass er dies ist, lerne hier von Fabian Beer aber viel über seinem Werdegang. Kartenspieler sind ja im Fußball nichts neues – aber dass man dies auf professionellem Niveau betreiben kann, war mir zumindest neu.
Nicht neu ist der Umstand, dass hinter dem damaligen Admira-Platz und heutigen FAC-Platz ein KZ der Nazis stand, in dem sie Menschen quälten. Die Gedenktafel in der Hopfengasse ist leider nicht an einem frequentierten Platz. Matthias Marschik analysiert im Heft gekonnt ein Spielfoto der Nachkriegszeit, auf dem man noch die einstigen KZ-Baracken im Hintergrund sieht. In der Foto-Serie Canchas gibt es ein schönes herbstliches Bild von Stephan Koessler vom idyllischen Platz des 2023 eingestellten SC Arnsdorf zu sehen. Der in der Serie ballesterer supporter portraitierte Leser ist diesmal „der Erfinder“, der geschätzte Reinhard Krennhuber.

100 bis 200 Leute verfolgen im Normalfall die Spiele des ASV Deutsch Jahrndorf, den ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft vorstelle.



A200 A4 / 200 € 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Dienstag, 5. August 2025

Ballesterer 199



Rezension


ballesterer
Nr. 199
August 2025
84 S.








Das Olympiastadion illustriert am Titelblatt passend den Schwerpunkt über München als Fußballstadt. Über verschiedene Orte des Fußballs in der Stadt wie Grünwalder Stadion, Dantestadion oder Bayern-Campus geht es ebenso wie um die Inszenierung der Tracht als Identifikationsmerkmal oder die Verbundenheit mit dem Ort in einem Interview mit Manfred Schwabl. Er stellte zu seinem Kurzgastspiel in Treviso, wo er sich 1994 noch vor dem ersten Spiel wieder verabschiedete, fest: „Mein ganzer Freundeskreis ist hier, meine Frau ist nur acht Kilometer von Holzkirchen entfernt auf einem Bauernhof aufgewachsen. Ich brauche das, das habe ich in Italien gemerkt. Dort ist es anders, das meine ich ganz ohne Wertung.“ Das erinnerte an ein in dieselbe Richtung gehendes Bonmot von Liverpool-Legende Ian Rush, der über seine Zeit bei Juventus gesagt haben soll „I couldn't settle in Italy. It was like living in a foreign country.“ Er hat das aber später bestritten, womit es wohl wie fast alle solche Fußballerzitate eine Erfindung ist.

Ein unfassbares Spektakel war die Abstiegsfrage im Saisonfinale von Italiens Serie B, was wieder einmal italienisches Talent für Drama auf hohem Niveau zeigte. Thomas Lanz blickt darauf zurück. Auch wenn es hier als „Spektakel“ beschrieben wird, habe ich das Sommertheater um Arnautović dagegen eher als unwürdig erlebt und es hätte allen Beteiligten gut getan, wenn sie sich auf die Saisonvorbereitung konzentriert hätten anstatt ihre Zeit Hirngespinsten zu widmen. Weitere Themen im Heft sind Machtkampf in der Vereinsführung bei Boca Juniors und Erinnerung an die in der Militärdiktatur Ermordeten in Fußballvereinen in Argentinien und eine Geschichte über Investorenträume in Neulengbach, wo im Frauenfußball keine 50+1-Regel gilt und man sich bei jeder Zeile denkt, dass das einfach (wie fast alle Investorenprojekte) nicht gut gehen wird. Wenn das erste, was man machen möchte, schon mal neue Farben für den Verein sind ...

Um Esslinger Freaks geht es in meinem Beitrag über den SV Essling in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft. Es ist dies im übrigen die Folge 81, womit als Hinweis für Zahlenfreaks nunmehr alle neun Landesverbände jeweils neunmal in der Serie vertreten waren.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 18. Juni 2025

Ballesterer 198



Rezension


ballesterer
Nr. 198
Juni/Juli 2025
84 S.








Ein schönes Foto weinender Austrianer findet sich im Heft, das seine Titelgeschichte dem durchaus nervenstrapazierenden Saisonfinale widmet. Es hätte schließlich nicht viel auf die ultimative Katastrophe einer verkorksten Saison gefehlt, dem Erfolg der Wiener Austria. Die letzten Runden im engen Abstiegs- und Titelkampf erzählt man hier in einer Art Konferenzschaltung wieder. Ich habe das Saisonfinale zwar halbwegs verfolgt, aufgrund des eigenen Fokus auf Rapid und wenig Muße für Beschäftigung mit Spielen, auf denen ich nicht bin, erfahre ich aber hier doch einige Details, die ich nicht mitbekommen hatte. Verdienstvollerweise geht der Artikel darüber hinaus auf eine Frage ein, die sich mir jedes Jahr aufs Neue stellt: Wann und warum hat man angefangen, sich zur Feier des Erfolgs Bier über den Kopf zu leeren? Das ist ja recht neu und hat man früher nicht gemacht. „Der Brauch hat in Österreich keine lange Tradition. Jahrzehntelang feierten die Mannschaften Titelgewinne mit Sekt, den sie aus Flaschen auf Mitspieler und Trainer spritzten. Die erste Bierdusche, die in der Geschichte der Bundesliga kolportiert ist, trug sich 2000 zu. Damals überschütteten sich Oliver Prudlo und Stefan Marasek vom FC Tirol gegenseitig mit dem Innsbrucker Bier Adambräu.“ Die Frage des Warum bleibt weiter offen, zumindest konnte der ballesterer mir aber die Frage des Wann beantworten. Ein Vierteljahrhundert gibt es diese mir jung erscheinende Sitte also auch schon wieder. Ballesterer-Lesen bildet.

Unter anderem gibt es hier darüber hinaus den zweiten Teil eines Japan-Reiseberichts zu lesen, man liest ein Portrait der interessanten Persönlichkeit Josef Bican oder ein Interview zum 125-Jahre-1. FC Nürnberg-Film Aura einer Legende.

Ins Obere Gericht Tirols nach Nauders führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 23. Mai 2025

Ballesterer 197



Rezension


ballesterer
Nr. 197
Mai 2025
84 S.








„Siege und Niederlagen, Jubel und Trauer, Wunder und Skandale – es ist alles drin in diesen neun Monaten. Von September 1984 bis Mai 1985 erlebt der SK Rapid eine Europacupsaison, wie es sie nie wieder geben wird.“ Die ins Finale führende Rapid-Europacupsaison 1984/85 ist zu ihrem vierzigjährigen Jubiläum Titelthema des Hefts. Die Saison schrieb nicht nur Geschichte sondern bot auch reichlich an Geschichten. In einem großartigen Schwerpunkt über 18 Seiten gibt es verschiedene Perspektiven zu lesen – von den Fakten, der medialen Vermittlung im Fernsehen der 1980er Jahre („Als Torschütze wird jetzt angegeben Antonín Panenka. Ich habe es nicht genau gesehen, weil wir mitder Verbindung mit Wie zu kämpfen haben.“), den Erlebnissen von Rapidfans, der bis heute aufrechterhaltenen verblendeten Behauptung des Betrugs auf Seiten Celtic (Rapid wäre immerhin einer von „drei Klubs, die sich in der Geschichte von Celtic einen Namen als verhasste Vereine gemacht haben“) bis zu einem anekdotenreichen Interview mit dem damaligen Rapidspieler Kurt Garger („die eher hüftsteifen Briten“).

Weitere Themen im Heft sind u.a. Frankreich, ein Rückblick auf zwanzig Jahre des Versuchs von Red Bull, den Fußball zu zerstören, sowie der Abschied des Goodison Park oder ein Besuch beim 1. FC Lokomotive Leipzig. Im Groundhoppingteil findet sich ein mit dem Satz „Das Estadio Nuevo Arcángel ist keine Schönheit im klassischen Sinne.“ eingeleiteter Bericht aus dem spanischen Córdoba. Ich musste schmunzeln und kann das aus meiner ein Jahrzehnt alten Erinnerung bejahen. Es „versprüht wenig Charme“ hatte ich damals über das Stadion formuliert.

Nicht zu einem Europacupfinale nach Rotterdam sondern zum Saghäusl in Dienten am Hochkönig führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Dienstag, 29. April 2025

Ballesterer 196




Rezension


ballesterer
Nr. 196
April 2025
84 S.







Nach Rio de Janeiro führt die Titelgeschichte. Nino Duit erzählt von der brasilianischen Fußballhauptstadt und unternimmt einen „Spaziergang zwischen Stränden und Stadien.“ Dazu gibt es ein Interview von Martin Curi mit dem Wissenschaftler Jorge Vasconcellos über die Protestbewegung im Vorfeld der WM 2014 und Olympischen Spiele 2016. Ein Interview findet sich im Heft auch erneut mit Damir Čanadi, diesmal aus seiner Station in Paralimni. Selbstbewusstsein hat er seit seiner kurzen Zeit bei Rapid nicht verloren, wie man in seinen Aussagen erkennt. Laut Text wäre das letzte Interview im Heft mit ihm vor drei Jahren gewesen, es war aber bereits vor sechs Jahren.

Weiters gibt es im Heft u.a. eine Reportage aus Krefeld über die fünfte Insolvenz des KFC Uerdingen (der GAK hat das nur viermal geschafft), ein den internationalen Fußball nicht Verfolgender wie ich erfährt hier von aktuellem Erfolg von Nottingham Forest (da hatte ich nur die alten Geschichten im Kopf) und man liest vom eigenwilligen Anglo-Irish Cup bzw. der Coppa Anglo-Italiana und seinerzeitigen Skandalspielen. Im Artikel über kleingeistige Linzer Diskussionen um Fanmärsche meint Martin Wassermair „Das nächste Linzer Derby steigt erst in der kommenden Saison.“ Da weiß er möglicherweise über den Ausgang des Oberen Play-offs der Bundesliga und die Platzierungen für das anschließende Europacup-Play-off mehr als ich.
Spannend ist das Gespräch anlässlich des 40. Jahrestags der Stadionkatastrophe von Heysel mit dem Amstettner Zeitzeugen Christopf Laumer, der als Liverpool-Fan dabei war. Eine Augenweide sind die künstlerischen Stadionsitz-Fotos von Thomas Lanz, dessen Fotoserie nunmehr auch hier im Heft gebührenden Platz bekam.

Nicht an die Copacabana, aber an die Gestade des Millstätter Sees in Kärnten zum SV Seeboden führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Dienstag, 8. April 2025

Ballesterer 195




Rezension


ballesterer
Nr. 195
März 2025
84 S.







Hajduk Split ist das Titelthema. Niko Belivakic portraitiert lesenwert Verein und Stadt, die auf den ersten Meistertitel seit zwanzig Jahren warten. Dazu erzählt Lukas Grgić anschaulich und mit Anekdoten, was es heißt, in Split als Hajduk-Spieler zu leben.

Meisterhaft sind jedenfalls die investigativen Reportagen von Fabian Beer zum Scheitern mit Anlauf des DSV Leoben und von Moritz Gross über nordmazedonische Produktion und über den Kosovo laufenden Versand von Fake-Schals einer großen Anzahl europäischer Ultrasgruppen (u.a. Ultras Rapid) samt Recherche vor Ort und Ausfindigmachen des versteckten Geschäftemachers der Fälschungen.

Weitere Themen sind u.a. die willkürlichen Polizeirepressionen auf der Hohen Warte, ein Artikel mit „Hauch von Wehmut“ von Armin Grasberger über das Ende des Fanartikelverkaufs des Fanshops Strobl und ein Nachruf von Georg Spitaler auf Roman Horak. Ich habe doch einige Bücher von ihm mit Interesse gelesen und viel daraus gelernt.

In den Kolumnen gibt es einen auf Fehlannahme basierenden Medienkommentar, der in Form von Shoot the messenger Kritik an für den FAK parteiischen Bundesliga-Senatsentscheidungen zu delegitimieren sucht. Au contraire. Gerade die Bundesliga selbst untergräbt hier „das Vertrauen in das System.“ Hier wächst eine Institutionenkrise.
Emanuel Van den Nest hat in seiner Taktikanalyse rational Hoffnung: „Die enorme Qualität und gute Zusammensetzung des Kaders sollten es Rapid ermöglichen, zukünftig das Offensivspiel je nach Gegner variantenreicher zu gestalten und die Abstimmung im Angriffsdrittel zu verbesser, um wieder zur Form aus dem Herbst zurückzufinden.“ Ich bin leider eher nicht so zuversichtlich.
Wo die alte Linde steht, nämlich nach Alberschwende führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.

Mit dieser Ausgabe startete der ballesterer in sein 25-jähriges Jubiläum. Ein Vierteljahrhundert ist eine lange Zeit. Ich bin erst 2003 auf das Heft gestoßen, seit Ausgabe 9 aus dem August 2003 begeisterter Abonnent, rezensiere seit Ausgabe 27 im Jahr 2007 hier die Hefte in diesem kleinen Blog, schrieb in Ausgabe 51 im Jahr 2010 meinen ersten Artikel darin, durfte später immer öfter Beiträge leisten, habe nunmehr auch schon bereits seit Ausgabe 113 im Jahr 2016 meine schöne Serie Nebenschauplätze und bin seit der ballesterer brannte im Jahr 2020 Supporter. In Abwandlung von Ernst Happel: Ein Monat ohne ballesterer ist ein verlorener Monat.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 14. Februar 2025

Ballesterer 194




Rezension


ballesterer
Nr. 194
Februar 2025
84 S.







Als „Liga der Gegensätze“ portraitiert die Titelgeschichte die 2. Liga anschaulich, was Zuschauerinnen und Zuschauer, sportliche, infrastrukturelle und finanzielle Belange angeht. Als den bestmöglichen Zustand beschreibt dies Bundesliga-Vorstand Ebenbauer in seinem jährlichen Interview im Heft. Gesprächspartner im Artikel haben eine erkennbar andere Meinung.

Interessant ist im Heft weiters ein Interview mit einem österreichischen Legionär, von dem ich zugegeben noch nicht gehört hatte, über sein internationales Globetrotting in der Profifußballwelt. Lesenswert ist der Artikel über die Jugoliga, die es in Wien und den Bundesländern in den 1970er und 1980er Jahren gab und die neben dem ÖFB bestand, da in den Verbandsvereinen die strikte Legionärsbeschränkung galt. Großartige Fotos mit auch informativem Text gibt es über das von mir im Herbst besuchte Ruine des Stadionul Republican in Chișinău mit Neuigkeiten zur Diskussion um die Bebauung des Geländes.

Anlässlich des Todes von Didi Constantini gibt es einen Nachruf auf ihn und Dr. Pennwieser nahm ihn wohl zum Anlass, sich diesmal mit dem Thema Demenz zu beschäftigen. Die Querverbindungen zwischen medizinischen Themen und dem Fußball in dieser Kolumne sind seit Jahr und Tag die Lektüre wert.

Aus dem Hausrucker Kohlenrevier und Kohlgrube berichte ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft. In der jährlichen Umfrage unter den Leserinnen und Lesern des Hefts rangiert meine Rubrik wie in den letzten Jahren weiter auf einem Stockerlplatz. Danke für das erfreuliche Feedback!


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 17. Januar 2025

Ballesterer 193




Rezension


ballesterer
Nr. 193
Jänner 2025
84 S.







Fußballerfamilien gilt die Titelgeschichte des Hefts von Jan Mohnhaupt. Von dem hier ein wenig im Zentrum stehenden Marcel S. habe ich vor allem den von Red-Bull-typischen Lug und Trug begleiteten Abgang nach ordentlicher Rapid-Zeit zum Dosenkonzern in Erinnerung. Sein weiterer Weg, nachdem er aus der Bundesliga verschwunden ist, war mir dann völlig egal. Sein Vater hat als jahrelanger Gegenspieler Rapids in den 1990er jedenfalls viel stärkeren Eindruck hinterlassen. Den im Text hinterfragten Bezug zum Vater in einem Sturm-Spruchband gegen den Sohn („Schnauze, kleiner Herfried!“) vor dem Hintergrund der GAK-Vergangenheit kann ich eigentlich nachvollziehen.

Zum doch erstaunlichen sportlichen Erfolg Rapids im letzten Halbjahr spricht Sport-Geschäftsführer Markus Katzer im Interview. Eine offensichtlich beachtliche Leistung, die er da offensichtlich gebracht hat. Rapid ist auch nur ein kleines Teilchen im System, was Sätze zeigen wie „Ich habe ein Profil gekauft, weil ich gewusst habe, dass der Markt es sucht. Und ich habe recht gehabt. Er hat 39 Prozent der Spielminuten gemacht, er war nicht einmal Stammspieler, aber wir haben ihn um ein Vielfaches dessen, was uns der Österreicher-Topf gebracht hätte, verkauft.“ (am Beispiel Mayulu). Der moderne Fußball ist vom Sport zum Monopoly-Spiel verkommen.

Mit den Morden und Polizeiermittlungen in der Ultraswelt Mailands, und was die Parkplatzpreise am Stadion damit zu tun haben, beschäftigt sich Thomas Lanz im Heft. Finnland ist für mich weit weg, daher erfahre ich hier aus einem Artikel von Armin Grasberger, dass in Tampere gar nicht mehr in der großen Stadionschüssel gespielt wird, sondern der dortige Verein Ilves einen Neubau hat. Dr. Pennwieser beschäftigt sich in seiner Notfallambulanz-Kolumne hier mit Opium des Volkes.

Über die „Droge Grabern“ berichte ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze diesmal aus dem niederösterreichischen Grabern.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Ballesterer 192




Rezension


ballesterer
Nr. 192
Oktober 2024
84 S.







Das „Multi Club Ownership“ im modernen Fußball ist Thema eines Schwerpunkts, in dem Experte Menary das Phänomen in einem Artikel analysiert und auch zeigt, wie die UEFA anfangs (Ende der 1990er / Anfang der 2000er) dagegen einzuschreiten begann und das mittlerweile, wie am Anlassfall Red Bull 2017 ersichtlich, faktisch aufgegeben hat. In den meisten der 366 solcher Fälle, die Menary untersucht hat, handelt es sich aber nicht um solche Konzerne, sondern um Eigentümer mit Besitz von oder an zwei Klubs. Christoph Breuer beleuchtet die Angelegenheit in einem Interview aus ökonomischer Sichtweise und erklärt, dass der Sport noch verhältnismäßig wenig Schaden genommen habe, da das Gleichschaltungspotential als wirtschaftliches Erfolgsversprechen noch großteils nicht umgesetzt werde. „Diese Verbundvorteile werden nur von den wenigsten MCO-Gruppen tatsächlich genutzt. Bei Red Bull und der City Football Group gibt es ja einen klar definierten Hauptklub, dem sich die anderen unterordnen. Bei den meisten anderen Modellen kann ich das nicht erkennen. Für die Integrität des Fußballs ist das vielleicht ein Glücksfall, aber wir können sehen, wie ökonomisch laienhaft das Ganze angegangen wird.“ Das kann sich ja aber noch ändern und dann ist der Fußball dort angekommen, wohin der Trend geht: Weg vom sportlichen Wettbewerb, hin zur Geld generierenden Show. Als Beispiel eines US-amerikanischen Investoreneinstiegs gibt es eine Reportage von Moritz Ettlinger über Wacker Innsbruck.

Von Außenstehenden wahrscheinlich kaum wahrgenommen ist in dieser Ausgabe am Titelblatt erstmals nicht der Schwerpunkt abgebildet, sondern eine andere Geschichte aus dem Heftinneren. Es ist allerdings auch ein besonderer Text, der die Fußball-Lebensgeschichte der Christa Tauschek erzählt, die 1972/73 mit dem FavAC die erste österreichische Frauen-Meisterschaft in der Zweiten Republik gewann (wovon der Verein offenbar im Zuge des Interviews erfuhr) und 1978 an einer inoffiziellen WM in Taiwan mit dem quasi als Österreich antretenden USC Landhaus teilnahm.

Das Hin und Her des Fußballgeschehens verfolge ich eher wenig. Ein Artikel von Nicole Selmer im Heft weist mich darauf hin, dass Holstein Kiel in der deutschen Bundesliga spielt. Dass Como, von wo Timur Yıldız berichtet, wieder in der Serie A ist, war mir hingegen geläufig. Italien kann man dann eben doch nicht nicht beachten. Auch hier geht es, um auf das Anfangsthema zurückzukommen, um Investoren. Weitere Themen im breit gefächerten Heft sind u.a. die Vienna-Frauen im Europacup, ein gewisse Wellen schlagendes Interview mit der Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr mit streitbaren Standpunkten („Es gibt Dinge, die die Allgemeinheit unbedingt braucht. Dazu gehört ein Dach über dem Kopf, Bildung und genug zu essen. Dass Sturm und GAK ausgezeichnete Bedingungen vorfinden, ist nicht lebensnotwendig.“) oder eine Reportage über einen sogenannten „Stadionvlogger“, der offenbar auf einem Rapid-Spiel war. Ich habe vor wenigen Monaten oder einem Jahr vielleicht bei einem Gespräch von Bekannten, die sich über sowas unterhielten, von diesem mir fremden Phänomen gehört. Es dürfte wohl eine Klientel dafür geben. Wenn ich mir den Bericht durchlese, scheint dies ein Hirnschrumpfungsprogramm zu sein.

Über Derbys und Ultras am Neusiedler See berichte ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze diesmal aus Oggau.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 4. September 2024

Ballesterer 191




Rezension


ballesterer
Nr. 191
August 2024
84 S.







Mit etwas Abstand zu den zahlreichen Nachrufen nach seinem Tod zu Jahresbeginn beschäftigt sich der ballesterer in seiner Titelgeschichte mit Franz Beckenbauer. Nicole Selmer erzählt von „vielen Facetten“ der Person und Christoph Bausenwein berichtet in einem Buchauszug von Beckenbauers Effektivität als Spieler und seinen Pirouetten. Beide benennen auch einen „signature move“ Beckenbauers. Bausenwein erwähnt als solchen den „langen Pass mit dem Außenrist – einst Schlenzer, heute Chipball genannt“. Selmer ergänzt um die abwinkende Handbewegung. Dazu schreibt Jan Mohnhaupt über den Organisator der WM 2006 samt deren Nachgang und erzählt Olaf Thon im Interview von Beckenbauer als Trainer.

Weitere Themen im Heft sind u.a. saudi-arabische Vereine auf Trainingslager in Österreich, Stehplätze im Europacup oder Pyro-Legalisierung in Norwegen. Aus dem Nachbarland Tschechien gibt es ein Portrait von Viktoria Žižkov und einen Artikel über den bemerkenswerten Boom und Erfolg der ersten Liga (der ja auch im Europacup messbar ersichtlich ist).
Nach Ausgabe 76 gibt es zwölf Jahre später im Heft erneut eine Reportage aus dem kleinsten Derbyort Österreichs, dem burgenländischen Ort Pama. Damals wurde vom Derby beim SK Pama im Herbst 2012 berichtet, diesmal von einem Derby beim UFC Pama im Frühjahr 2024.

Nicht von einem Kaiser wie in der Titelgeschichte dieses Hefts, aber über den SV Donau aus Kaisermühlen schreibe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 14. August 2024

Ballesterer 190




Rezension


ballesterer
Nr. 190
August 2024
84 S.







„Eine Saison aus dem Geschichtsbuch“ rekapituliert Alexander Juraske in der Titelgeschichte. 1924/25, vor hundert Jahren, spielte in Österreich erstmals auf dem europäischen Kontinent abseits der Insel eine Profiliga Fußball. Die Umstände, wie es zu dieser bahnbrechenden Neuerung kam, werden hier exzellent recherchiert beleuchtet. Dazu gibt es Portraits der Stars jener Saison und der beteiligten Vereine sowie ein Interview zum Thema mit Wissenschaftler Matthias Marschik.

Themen sind u.a. die Stadionproblematik in Graz oder der Erfolg der SR Donaufeld. Einiges Neues gelernt habe ich in einer Reportage aus Peru über den Club Alianza Lima sowie in einem Text über Sapmi und die Leidenschaft der Sami für Fußball.

Es ist das erste Heft nach dem Abschied von Langzeit-Chefredakteur Jakob Rosenberg und das erste unter der Verantwortung von Nicole Selmer und Moritz Ablinger. Kolumnist Martin Schreiner widmet Jakob einen „Berg Rosen“. Die Redaktion verabschiedet ihn mit einer liebenvollen Infografik über seine zwölf Jahre.

Einen Burgblick im Ennstal gibt es in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze, in der es nach St. Gallen geht.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 22. Mai 2024

Ballesterer 188




Rezension


ballesterer
Nr. 188
Mai 2024
84 S.







Eine ballestererin ist diesmal der ballesterer. Die österreichische Bundesliga der Frauen und ihren Stellenwert im Vergleich beschreibt Experte Philipp Eitzinger. Mit der seit zwanzig Jahren in Österreich als Spielerin und nun Trainerin tätigen Brasilianerin Liése Brancão (Neulengbach und St. Pölten) spricht im Interview Robert Florencio. Auch über weitere Teams wie Sturm Graz, SCR Altach / FFC Vorderland und über unterschiedliche Herangehensweisen von Vienna und FAK ist zu lesen. Interessant ist eine Karte mit allen Vereinen der ersten Frauenliga in Österreich seit 1972.

Auf eine Reise zu Abgründen des modernen Fußballs nehmen einen Verena Scherer und Thomas Unger nach Miami mit. Eine großartige Hommage an Grande Torino, die einer Titelgeschichte würdig gewesen wäre, bietet Thomas Lanz.

Auf eine Reise zu Wasserfall und Ziegen nehme ich die p.t. Leserinnen und Leser in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze nach Umhausen in das Tiroler Ötztal mit.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Donnerstag, 11. April 2024

Ballesterer 187




Rezension


ballesterer
Nr. 187
April 2024
84 S.







Die Europacupfinal-Saison 1993/94 der Austria Salzburg ist das Titelthema. Es war eine harte Zeit als Rapidfan, als der eigene Verein am Exitus stand und sehr weit weg von sportlichem Erfolg war und eine violette Lawine Fußballösterreich überrollte. Fernsehen und Zeitungen waren voll von ihnen und überall waren Leute, die frisch gefangte Fans der Austria Salzburg wurden. „Die Austria war überall“ und „Ausnahmezustand“ heißt es dazu in der Titelgeschichte und das ist nicht übertrieben sondern wahr. UU-Vorsänger Salva erzählt im Interview von dieser Zeit, den Jahren danach und auch was davon blieb: „Vor allem bei den Auswärtsspielen merken wir es. Von Salzburg ostwärts gibt es überall Austrianer. Das hat sicher mit den Partien im Happel-Stadion zu tun.“ Der Artikel von Moritz Ablinger, Alexander Gehmaier und Armin Grasberger blickt auf die damalige Europacupsaison mit den Salzburger Spielen im Wiener Prater zurück, erzählt kleine und große Geschichten von damals und spart auch Hässliches nicht aus, wie die damals in Österreich nicht sonderlich wichtig genommenen und in Deutschland bereits für Entsetzen sorgenden rassistischen Chöre gegen den Frankfurter Anthony Yeboah.

Dem Medienphänomen Podcast stehe ich unverständig gegenüber und kann damit nichts anfangen bzw. habe auch nach redlichem Herumprobieren nicht herausgefunden, wann, wo und wie ich mir solche Aufnahmen stundenlang anhören könnte. Daher habe ich das wieder gelassen bzw. zwinge mich nur zur Mühsal, wenn man aufgrund des hochrelevanten Inhalts nicht darum herumkommt (1899fm). Im Heft portraitieren Thomas Unger (Text) und Verena Scherer (Bild) die Macher eines Podcasts namens DWIDSwoch, der mir auch ohne sowas zu hören schon untergekommen ist.

Weitere Themen im Heft sind u.a. Andreas Brehme, Katar, FIFA-Mitgliedshürden oder der ballesterer-Supporter und Präsident von Vorwärts Steyr.

„Die Glasbläser von Bürmoos“ heißt die Folge über den SV Bürmoos in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze im Heft.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 13. März 2024

Ballesterer 186




Rezension


ballesterer
Nr. 186
März 2024
84 S.







„Fußballstadt Istanbul – Futbol şehri İstanbul“ ist das Thema und steht groß am zweisprachig gehaltenen Titelblatt des ballesterer Fußballmagazin / Futbol dergisi vom März 2024 / Mart 2024. Ein Preis in türkischer Lira ist nicht aufgedruckt, was angesichts der mit zuletzt 65% seit Jahren hohen Inflationsrate in der Türkei vielleicht auch sinnvoll ist. Dafür hat man hier die seltene Gelegenheit, Worte anderer Sprachen in entsprechend korrekter Schreibweise mit diakritischen Zeichen zu sehen.
Abgebildet ist am Titelblatt das historisch besondere Vefa Stadı, was schon darauf hindeutet, dass sich die aus fünf Leuten bestehende Expeditionsgruppe eingehend mit İstanbul beschäftigt. Sie erkunden die Fußballstadt, sind beim Einstimmen der Çarşı von Beşiktaş in einem Park vor dem Spiel dabei, besuchen Galatasaray und sprechen mit dem Vereinshistoriker von Fenerbahçe ebenso wie mit dem Präsidenten des an die Geschichte der Stadt erinnernden Beyoğlu Spor Kulübü, der nämlich auch den griechischen Namen Αθλητικός Σύλλογος Πέρα trägt. Ein spannendes, anderes Stadtportrait. Ein Artikel im Rahmen des Schwerpunkts beschäftigt sich auch mit dem Frauenfußball in der Türkei.

Spannend und aufschlussreich ist ein Interview mit Rapid-Trainer Robert Klauß. Man erfährt hier über seine Person und seine Ansichten in einem Ausmaß, das ich zumindest bisher anderswo noch nicht gelesen hatte. Etwa, von welchem Verein er Fan ist, und dass sein erstes Dress damals mit dem Namen eines ehemaligen Rapid-Spielers war. Oder seine politische Haltung.

Die Welt der Nationalmannschaften und ihres Brimboriums blende ich wie alles, was uninteressant ist, völlig aus. Wenn ich dann doch Informationshappen bekomme und etwa hier im Editorial von Jakob Rosenberg über die von der FIFA verkündete „größte Ankündigung in der Geschichte der Ankündigungen“ lese, bestätigt mich das in meiner rigiden Sichtweise.

Weitere Themen im Heft sind u.a. ein bewegender Nachruf auf Kay Bernstein, Richard Strebinger in Kapfenberg (nach der Geschichte des Ronivaldo in Kapfenberg in Heft 185 erleben wir hier womöglich still und heimlich den Beginn einer Kapfenberg-Serie?), eine großartige Spielbesuchs-Geschichte von Nino Duit in Kathmandu sowie Berichte von Thomas Unger über einen malerischen Unterhausplatz in Panama und einen Spielbesuch mit (wenig verwunderlicher) Anweisenheit von deutschen Hoppern bei Cavese.

„Zug zum Tor“ nenne ich meine Folge über den ESV Admira Villach in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze im Heft.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Donnerstag, 7. März 2024

Tornados spezial, 50




Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 50
112 S.









Das Jubiläumsheft der 50. Ausgabe des Fanzines der Tornados Rapid. Ein Grund zum Feiern dieses wahrlich lesenswerten Hefts. Ein Artikel blickt auf Begebenheiten, amüsante Anekdoten seit der ersten Ausgabe im Jahr 1997 zurück und beschreibt die Entwicklung des Hefts, die auch Hand in Hand mit der Entwicklung der Gruppe ging. „Wir haben viel Freude mit unserem Heft und hoffen, dass ihr euch auch daran erfreut und etwas lernen könnt.“ schreiben die Tornados. Ich kann das nur bejahen und tue das auch in meinem Grußwort im Heft: „Ich lerne in jeder Ausgabe etwas Neues dazu.“ schreibe ich darin. Es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit den Kalibern Josef Gruber, dem langjährigen und einzigen Abonnenten Stefan und Ya Basta! zu einem Grußwort von den Tornados eingeladen worden zu sein.

Eine der verdienstvollsten Organisationen des Block West ist die Rechtshilfe Rapid. Pia und Matej sprechen im Interview über ihre Arbeit. Zur juristischen Bildung drucken die Tornados dazu gleich auch die dabei erwähnten Paragraphen und Gesetzesstellen ab. Thematisch passend haben sie sich auch eine besondere Gesprächsführung überlegt.

Zum Nachdenken soll ein Meinungskommentar anregen, der mehrere Entwicklungen gegenwärtiger Ultraskultur kritisiert und „Gespür und Mentalität“ vermisst. Ein Nachruf erinnert an den am 8.1.2024 verstorbenen Platinum. Weitere Berichte behandeln diverse Festivitäten des Block West oder die Geschehnisse der ordentlichen Hauptversammlung des SK Rapid vom November 2023. Laurin Rosenberg widmet sich in seiner Geschichts-Serie dem Thema Feiern bei Rapid. Es gibt wieder von den Freunden Ferencváros und Parma zu lesen sowie auch erneut von Besuchen in Nürnberg. Ein besonderer Teil dieser Ausgabe ist das Doppelhalter-Ranking. Dazu hatten die Tornados zu Einsendungen aufgerufen und präsentieren und beschreiben hier die Top-10. Auch das Gästesektor-Ranking wird fortgeführt.

Standbein des Hefts sind auch in Nummer 50 wie in den 49 Ausgaben davor Spielberichte der vergangenen Rapid-Spiele, hier der Herbstsaison 2023, mit pointierten Einschätzungen und Meinungen zu verschiedenen Aspekten. Auch Humor und Lebenslust kommt dabei nicht zu kurz, etwa im Bericht von der bereits Höhe St. Pölten zu Ende gegangenen Auswärtsfahrt zum schneebedingt abgesagten Spiel gegen Wattens und dessen Nachgang. Das erste Spiel im Berichtsteil Europapokal war eigentlich gar kein Europacupspiel, nämlich das Rapid-Gastspiel bei Union Berlin. Der schöne Tag fühlte sich aber auch für mich fast so an.

Standbein des Hefts in früheren Zeiten war einmal ein umfangreicher Groundhopping-Teil. Das hat sich verflüchtigt, wie auch im eingangs genannten Artikel zur Heftgeschichte beschrieben wird. Mit Berichten aus einer Reise nach Argentinien und Brasilien feiert diese Rubrik hier aber ein begrüßenswertes Comeback. Rezensionen interessanter anderer Publikationen, Graffitifotos und die beliebte Rubrik sinnlos machen den Abschluss.

Ich schließe mich der Devise am Titelblatt an: „Noch lange nicht genug“


A4-Format / 6 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.