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Mittwoch, 24. Januar 2024

Başakşehir – Fenerbahçe 0:1 (0:0)

Türkei, Süper Lig, 22. Hafta, 24.1.2024
Başakşehir Fatih Terim Stadyumu, 7.100

Mit einem Elfmeter in Minute 95 entschied Fenerbahçe das Spiel der türkischen Süper Lig für sich. Minutenlang diskutierten die Spieler über den Elfer mit dem Schiedsrichter, der dabei auch eine gelbe Karte für einen Başakşehir-Kicker und binnen von gut zwei Minuten eine gelbe und gelb-rote Karte an einen anderen Spieler verteilte. Nachdem Başakşehir nach Rot am Ende der ersten Hälfte die zweiten 45 Minuten zu zehnt gespielt hatte, beendeten sie das Match zu neunt. In der langen Nachspielzeit hatte Fenerbahçe auch noch einen Stangentreffer. Das um 20:00 Uhr begonnene Match wurde um 22:01 Uhr abgepfiffen. Fenerbahçe ist für einen Tag punktegleich mit Galatasaray Tabellenerster. Başakşehir bleibt im Mittelfeld.
Das Tor von Fenerbahçe bejubelte etwa die Hälfte des Stadionpublikums.
Farketmez, was soviel wie „es ist egal“ heißen kann, und 1453 Başakşehirliler mit Bezug auf das Jahr 1453, als Konstantinopel vom osmanischen Heer erobert und das Byzantinische Reich beendet wurde, hing vor dem Başakşehir-Fansektor im zweiten Rang der Hintertortribüne. Baykuş Yuvasi, was „Eulennest“ heißt, hing beim Familiensektor auf der gegenüberliegenden Längsseite. Dort wurde zu Spielbeginn eine Choreographie mit einer Überrollfahne mit klassischem Familien-Stadionbesuch-Motiv und der Beschriftung Başakşehirli aile tribünü („Başakşehir-Familientribüne“) und aile her şeydir („Familie ist alles“) gezeigt und von einem vielleicht nach jungen Familienvätern aussehendem Mob auch supportet. Im unteren Rang darunter bot der Kindersektor hinter einer Cornerfahne eine Rutsche in ein Bällebad, wo möglicherweise der Nachwuchs währenddessen versorgt wurde. Aber das ist alles blanke Spekulation.
Genç Fenerbahçeliler (wörtlich etwa Jugend von Fenerbahçe) stand groß der Name der 1998 gegründeten Taraftar grubu, wie das hier heißt, zwischen den beiden Rängen des Auswärtssektors. Auch ein Ultras-Schal war dazu zu sehen. Die Gäste machten ordentlich lautstarken Druck, mit der Aufteilung auf zwei Ränge auch mit entsprechend effektvollen Wechselgesängen.
Der İstanbul Başakşehir Futbol Kulübü wurde 1990 als Fußballsektion des Sportvereins der Stadtverwaltung von İstanbul İstanbul Büyükşehir Belediyespor gegründet. 2014 hat man den Fußball unter dem heutigen Namen ausgegliedert und im Stadtbezirk Başakşehir angesiedelt, weshalb dieses Jahr jetzt auch als formelles Gründungsjahr gilt. Der finanziellen und sonstigen Unterstützung der lange Zeit vom heutigen Staatspräsidenten Erdoğan geführten Stadtverwaltung sind die sportlichen Erfolge mit den Saisonen in der Süper Lig 2007/08 bis 2012/13 und seit 2014/15, Europacupspielen seit 2015/17 sowie als größtem Erfolg dem türkischen Meistertitel 2019/20 zu verdanken.
Das Başakşehir Fatih Terim Stadyumu wurde 2014 als Neubau im Stadtteil Başakşehir eröffnet. Nachdem der Verein zuvor als İstanbul BB seit 2007 im großen Atatürk-Olympiastadion gespielt hatte, spielt er unter dem Namen Başakşehir seither hier. Das Stadion ist nach Galatasaray-Legende Fatih Terim benannt, der nichts mit Başakşehir zu tun hat. Es bietet 17.319 Plätze, die im Ligaalltag mangels Interesse am Verein von 1.000 bis 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauern belegt werden. Das Stadion in Başakşehir ist schon weit weg, aber dennoch nicht das vom Stadtzentrum abgelegenste derzeitige Erstligastadion. Das Stadion von İstanbulspor ist im europäischen Teil noch weiter draußen im Westen und das Stadion von Pendikspor im asiatischen Teil der Stadt ist über sechzig Kilometer weit weg von hier. Alles innerhalb einer einzigen Stadt
Am Vortag und auch an diesem Tag habe ich in ebendieser Stadt in İstanbul Zeit verbracht.

Montag, 23. Januar 2023

Ümraniyespor – Fenerbahçe 1:2 (0:0)

Türkei, Süper Lig, 20. Hafta, 23.1.2023
Ümraniye Şehir Stadyumu, 2.606

Ümraniyespor lieferte in seiner Süper-Lig-Premierensaison Fenerbahçe ein dramatisches Match. In der ersten Hälfte war nur zunächst ein Abseitstreffer der um den Titel mitspielenden Gäste bemerkenswert. In der siebenminütigen Nachspielzeit der ersten Hälfte hätte der Tabellenletzte Ümraniyespor erfolglos gern einmal einen Elfmeter gehabt. Aus einer Einzelaktion entstand dann eine Viertelstunde vor Schluss doch noch ein Tor für Fenerbahçe. Fünf Minuten später erzielte aber Ümraniyespor den Ausgleich. Der Torjubel der Tribünen war fast nicht zu hören, da er mit einer Fred-Feuerstein-Yabadabadoo-Technokrach-Version aus den Stadionlautsprechern ohrenbetäubend überlagert wurde. Das 1:2 in Minute 89 aus einem Eigentor wurde vom Schiedsrichter zunächst nach Linienrichter-Anzeige nicht gegeben. Nach VAR-Einschreiten galt es aber doch. Die ursprüngliche Entscheidung hatte auch umstritten ausgesehen. Die lange Nachspielzeit wäre fast mit dem erneuten Ausgleichstreffer per Weitschuss geendet. Vermeintlich. Denn nach VAR-Kontrolle nahm der Schiedsrichter seine Entscheidung auf Tor zurück. Der VAR hatte keinen ruhigen Fernsehabend. Es gab viel Diskussion auf dem Spielfeld – mitsamt gelb-roter Karte – und auch an der Seitenlinie. Da war einiges an Emotion dabei.
Die Nachspielzeitregelung wurde wie hier üblich wieder einmal sehr extensiv ausgelegt. Anpiff 20:00 Uhr, Abpfiff 22:11 Uhr.
Nur Pufferblöcke zwischen den Sektoren blieben im ausverkauften Stadion leer. Einen Tag vor dem Spiel wurde bekanntgegeben, dass Auswärtsfans nur im Gästesektor erlaubt sind und außerhalb gekaufte Karten storniert werden. Da alle Eintrittsberechtigungen auf die Passolig-Fancard geladen werden, ist das einfach umzusetzen.
Auf der Längsseite gegenüber waren Ümraniyeliler („Leute von Ümraniye“), die ich schon bei meinem bislang einzigen Spiel mit Ümraniyespor vor drei Jahren gesehen hatte. In der zweigeteilten Tribüne gab es auf beiden Seiten Vorsängerpodeste. Auf der großen Hintertortribüne war Devils 1938 mit Ultras-Symbolik (Droogs-Logo) zu sehen. Devils of Ümraniye stand darauf. Stimmung gemacht wurde in diesem Sektor auch, wenn auch nicht dahinter sondern weiter oben und auch nicht im Ultras-Stil sondern typisch türkisch. Mal war es auf der einen Tribüne lauter und mal auf der anderen.
Im Eck der Hintertortribüne war der Gästesektor mit einem schlichten Fenerbahçe-Fetzen vorne dran versehen und bot bei kleinem Sektor einen ordentlichen Auftritt. Es war für Fenerbahçe das näheste Meisterschafts-Auswärtsspiel.
Der Ümraniye Spor Kulübü wurde 1938 gegründet. Ümraniye auf der asiatischen Seite des Bosporus war damals noch selbständig und wurde nach 1980 in İstanbul eingegliedert. Größter Erfolg ist der nach sechs Zweitligasaisonen 2016/17 bis 2021/22 gelungene erstmalige Aufstieg in die höchste türkische Spielklasse 2022. Der Klassenerhalt ist aber fraglich.
Das Stadion wurde zum Aufstieg von 1.601 auf 3.513 Plätze ausgebaut, ist damit aber immer noch verhältnismäßig klein. Neben zwei niedrigen Längsseitentribünen ist die sie überragende Hintertortribüne auffällig. Die andere Hintertorseite ist leer bzw. mit einem Werbetransparent bedeckt.