Dienstag, 26. März 2013

Livorno - Virtus Lanciano 2:0 (1:0)

Italien, Serie B, 33a giornata, 24.3.2013
Stadio Armando Picchi, 4.723

Ein klarer und verdienter Heimsieg von Livorno der Marke schnörkellos. Die Mannschaft bleibt weiter auf Aufstiegskurs.
Ein Begriff ist AS Livorno vor allem aufgrund der Fanszene der 90er und frühen 2000er Jahre. Sie waren für ihre Militanz sowohl in linksextrem-politischer als auch gewalttätiger Hinsicht berühmt-berüchtigt. Vor allem letzteres konnte nicht gut gehen, hunderte Stadionverbote leerten die Kurve und brachten sie zum Verstummen. Ihr betont kommunistisches Auftreten sicherte ihnen aber auch bereits vor 2007 genügend staatliche Aufmerksamkeit. Seit einem Jahr wächst der Support wieder. Die Anzahl der Mitmachenden ist wohl in Summe gering, aber es gibt Schlechteres und es gefiel. Das Spruchband, in dem der mit einem Hitlergruß aufgefallene Grieche Giorgos Katidis als „Sohn von Troja“ verunglimpft wurde, zeugte von guter Bildung und Gewandtheit in der Kunst des Untergriffs. ;-)
Der Auswärtsmob aus Lanciano war verhältnismäßig zahlreich und supportete aktiv. Ins Auge stochen zwei Los Gauchos (?), einer davon mit Sombrero und überdimensionaler Plastikbanane.
Die Associazione Sportiva Livorno Calcio wurde 1915 gegründet, und zwar aus einer Fusion der Vereine SPES und Virtus als US Livorno. Die größten Erfolge waren bislang zwei italienische Vizemeisterschaften 1920 (Finalniederlage gegen Inter) und 1943 (zweiter Tabellenplatz hinter Torino). US Livorno war 1929 Gründungsmitglied der Serie A, wo man bis 1949 spielte. Nach dem Erstligaabstieg ging es bald weiter in die Serie C hinunter, nur 1955/56 und 1964 bis 1972 durch Zweitligasaisonen unterbrochen. Nach Lizenzentzug 1991 begann man in der sechsten Liga neu. 2001 kehrte man in die Serie B zurück und 2003 folgte eine umjubelte Rückkehr in die Serie A nach mehr als einem halben Jahrhundert. Fünf Jahre dauerte es, dann folgte ein Auf und Ab: 2008 ging es hinunter, 2009 hinauf, 2010 wieder runter. Heuer ist der Aufstieg wieder drin.
2006/07 gelangte Livorno durch die Zwangsabstiege und Punkteabzüge infolge des Calciopoli-Skandals in den UEFA-Cup und spielte dabei u.a. gegen und in Pasching.
Mit Jürgen Prutsch stand hier bis zum Winter ein Österreicher im Kader (seit 2010), jetzt ist er zu Barletta verliehen. 1934 und 1935 arbeiteten hier Franz Hansl (italianisiert als Francesco Hansel) und Karl Stürmer als Trainer. Stürmer wurde 1943 von deutschen Soldaten erschossen.
Das Stadio Armando Picchi wurde 1935 eröffnet. Damals hieß es Stadio Edda Ciano Mussolini, benannt nach der Tochter des Diktators. Als erstes Spiel wurde hier ein Länderspiel des B-Teams Italiens gegen das B-Team Österreichs ausgetragen (0:0). Nach 1945 hieß das Stadion dann Yankee Stadium, weil die US-Soldaten hier American Football spielten, sowie Stadio di Ardenza. 1990 wurde es nach dem in Livorno geborenen Armando Picchi benannt, der in den 1960er Jahren mit Inter dreimal italienischer Meister geworden war und zweimal den Europacup der Meister gewonnen hatte. Die Kapazität des Stadions beträgt 19.238 Plätze. Abseits des Innenraums ist die Baufälligkeit an vielen Stellen bemerkenswert, vor allem die aus dem Beton heraustretenden, freiliegend vor sich hin rostenden Stahlstäbe. Möglicherweise ist das der Grund, weswegen die Ordner Bauhelme tragen.
Die Hafenstadt Livorno wurde im Zuge des Aufenthalts erkundet. Nach dem Match ging es gleich weiter zum Abendspiel ins nahe Empoli.
















































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