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Freitag, 17. April 2026

Ballesterer 205



Rezension


ballesterer
Nr. 205
April 2026
84 S.








In die Rapid-Europacupsaison 1995/96 taucht das Heft ein. „Für alle, die in den 1990er Jahren Fußball verfolgt und nur ein bisschen zu Rapid gehalten haben, ist diese Ausgabe ein perfektes Rezept für statt gegen Nostalgie.“ heißt es schon im Editorial. Emotionen und Erinnerungen kommen sonder Zahl allein beim Gedanken an jene Zeit hoch, beim Lesen sprudeln sie in jeder Zeile über. Die 1990er waren wild, auch wenn ich persönlich damals nicht so dabei war wie jetzt.
Zur großen Titelgeschichte gibt es wie gewohnt Randglossen zur Ergänzung. Herausragend ist dabei Stefan Krafts Erinnerung an seine Busfahrt nach zum Finale nach Brüssel. „Es war einer der offiziellen Busse. Wer verstehen will, was das heißt, soll Jean-Paul Sartre lesen. Die Hölle, das sind die offiziellen Rapid-Busse.“ Wenn man schon einmal (nicht 17 Stunden nach Brüssel) mit der dort recht eigenwilligen Mischung an Leuten gefahren ist, weiß man, was er meint. Um es ein wenig zurechtzurücken: Da ich unlängst mit einem Vertreter eines anderen größeren Vereins zufällig über die dortigen Reisegesellschaften geplaudert habe, kann ich sagen: Anderswo ist es nicht besser. Vielreisende sind auch die Herren Harald und Robert vom grundsympathischen Fanklub Die Klempner Rapid Wien. Über ihre Reiseabenteuer 1995/96 und darüber hinaus erzählen sie hier in einem wundervollen Interview. Es war eine begeisternde Saison und es ist ein begeisterndes Heft.

Hoppenheim und FAK sind unabhängig von den konkreten Texten uninteressante Themenstellungen. Vielmehr interessant sind hier weiters hingegen die Artikel aus Tunis oder über Fußballfanjustiz in Österreich. Optisch ansprechend ist eine Fotostrecke über Spielerkabinen Ersatzbänke auf Fußballplätzen. Von Thomas Pöltl gibt es leider die letzte Folge seiner Kolumne Fundstücke aus der Fußballbibliothek. Dem Titel „Lest Klassiker!“ schließe ich mich an. Lesen bildet.

Nicht um Rapid, sondern um Rote Teufel in Kärnten geht es in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ im Heft über den ATSV Wolfsberg.


A4 / 9,00 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 18. März 2026

Ballesterer 204



Rezension


ballesterer
Nr. 204
März 2026
84 S.








„Wir sind ja nicht so wie andere.“ hörten die ballesterer-Redakteure in ihren Gesprächen mit Spielerberatern von diesen oft. In ihren Selbstdarstellungen erfährt man in der Titelgeschichte über sie, wie arbeitsreich und aufopferungsvoll ihr Job nicht wäre. Das kontrastiert deutlich zur Erfahrungsschilderung des Ex-Profifußballers und Kolumnisten Michael Novak über nur bei den (Provisionen abwerfenden) Transfers aktive Berater: „Danach wird es oft still. Die Karriere läuft weiter, die klassische Beratung pausiert bis wieder eine Verlängerung und ein Transfer anstehen.“ Eine differenzierte Betrachtung steuert das Interview mit dem guten Zoki Barišić bei, der aus seinen verschiedenen Erfahrungen als Spieler, Trainer und Sportdirektor berichtet. Der Schwerpunkt vertieft das Wissen über die Branche und lässt einen auch neues erfahren und manches etwas zurechtrücken, weil auch Sinnvolles angesprochen wird. Aber die Einschätzung blieb, dass die Branche eher vom Fußball lebt als für ihn etwas bringt.

Recht viele spannende Artikel rund um den Globus gibt es diesmal. So liest man im Heft u.a. aus Paraguay, der Türkei, afghanischem Frauenfußball im Exil oder Palästina. Christoph Biermann sagt im Interview „Es ist doch nicht so, dass ich Spiele als Data Stream schaue.“ Wenn er das Gegenteil gesagt hätte, hätte ich ihm das auch sofort geglaubt.

Nicht um Spielerberater und Business geht es in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ im Heft sondern es geht zum SV Buch/St. Magdalena in die Oststeiermark.


A4 / 9,00 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Samstag, 7. Februar 2026

45° Kurvenheft, 51/52/53





Rezension

45°
Kurvenheft
Tripleausgabe 51/52/53
Mai 2025
3x 96 S.







Erneut eine Dreifachausgabe des 45°, über deutsche Kurven von Juli bis Dezember 2024, erschien im Frühjahr letzten Jahres. Die Masse an Bildern und Aktionen ist schon beeindruckend, wenn man Deutschland im großen und ganzen nicht verfolgt. Aus der Fülle an Berichten nach der Lektüre einzelne herauszugreifen, ist schwierig. In Summe wird ein breites Panorama vor allem aus 2. Bundesliga und 3. Liga vermittelt.
Zeitlich erscheint ein Fanzine natürlich im Nachhinein und bis ich zum Lesen komme vergeht auch etwas Zeit, sodass ich dem Geschehen vorsichtig formuliert etwas hinterherhinke. Aber hier kompakt und vor allem nicht allein mit Bildern sondern mit den so wichtigen Hintergrundinformationen dazu einen Informationsstand auf sehr gutem Niveau (wenn auch zeitlich versetzt) zu bekommen, erfreut mich dann doch jedesmal. Von manch einem Spiel hatte ich Bilder gesehen, aber nur damit weiß man dann ja eigentlich auch nichts und erwirbt Wissen erst durch das Lesen von Texten mit Hintergrundinformationen dazu. Damit kommt man weiter und dafür lese ich Fanzines wie dieses.



A5-Format / 10 € / erhältlich über 45grad-heft.de

Donnerstag, 5. Februar 2026

Ballesterer 203



Rezension


ballesterer
Nr. 203
Februar 2026
84 S.








Tschernobyl 1986 als Schwerpunktthema eines Fußballmagazins überrascht. Tatsächlich informiert das Heft lehrreich, welche Auswirkungen die Nuklearkatastrophe auf den Fußball hatte und wie es um ihn in jener Zeit bestellt war. Schlimme Fakten – „spätere Schätzungen gehen von 4.000 bis 16.000 Todesfällen aus“ – und Absurditäten, wie der Ausnahme vom aus Strahlenschutzgründen verhängten Salzburger Rasenmähverbot im Lehener Stadion für die Abhaltung eines Länderspiels samt fragwürdiger Empfehlung, nicht den Beton abzuschlecken um vor der Strahlung sicher zu bleiben, haben Jan Mohnhaupt und Nicole Selmer zusammengestellt. Über den Lost Ground des Stadions von Prypjat, das aufgrund der Katastrophe nie eröffnet wurde, gibt es einen Reisebericht von Hubert Herzog.

Fredy Bickel gibt ein Interview über seine Zeit in der Schweiz und bei Rapid, bleibt aber im wesentlichen auch nach der Lektüre frei nach Oscar Wilde eine sphinx without a secret. Weitere Artikel handeln u.a. von der österreichischen Bundesliga, Ost-Timor, Kap Verde oder Marokko. Vom eher in der negativen als in der positiven Wortbedeutung verrückten Ilčo Naumoski gibt es einen Auszug eines wohl stärker die zweitere Variante betonenden Buchs über ihn.

In der alljährlichen Umfrage unter den Leserinnen und Lesern des Hefts belegt meine Serie einen guten vierten Platz im Ranking der Rubriken und in der offenen Frage, was ihr oder ihm im Heft fehle, antwortete jemand „ab und zu ein Blick ins Unterhaus (Regionalligen und darunter) – die Dorfplatz-Serie ist aber super“. Das freut mich! In der diesmaligen Folge geht es zum FC Egg in den Vorarlberger Bregenzerwald.


A4 / 9,00 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Donnerstag, 29. Januar 2026

Ballesterer Bibliothek 5: 25 Jahre




Rezension


ballesterer bibliothek 5
25 Jahre ballesterer Fußballmagazin
Wien, November 2025
148 S.








„Der nicht ganz unparteiische Blick auf den Fußball ist weiter vorhanden.“ sagt Gründer Reinhard Krennhuber. Die fünfte Ausgabe der Bände der ballesterer bibliothek gilt dem Heft selbst. Es ist kein Best-of, wie das Vorwort erklärt, sondern eine Sammlung von Texten und Themen aus 25 Jahren, „die für diese Geschichte stehen, die Kontinuität und Veränderung zeigen, die zeitlos und zeitgebunden, lustig und spannend, informativ und unterhaltsam sind.“ So gibt es in diesem Buch wiederabgedruckte historische Interviews, Berichte, Kolumnen und Reportagen sowie Beiträge über die Gestaltung des Hefts gepaart mit aktuellen Einordnungen. Am Anfang steht das Interview mit Krennhuber, der auf die Anfänge und die Entwicklung zurückblickt und aus dem das Amfangszitat stammt.

Man liest aus dem Archiv nachdenkliche Gespräche wie mit Ivica Osim (Nr. 8, April 2003), eine Reportage über Peter Wurz („Ich werde doch nicht mein ganzes Leben dem Fußball opfern.“, Nr. 88, Jänner/Februar 2014), den große Wellen auslösenden Artikel aus der sehr verdienstvollen Reihe Fußball unterm Hakenkreuz (Nr. 11, Dezember 2003) oder das ganz und gar herrliche Interview mit einem Fischhändler, nachdem Rapid-Tormann Strebinger aus dem LASK-Block mit Fischen beworfen worden war. Man diskutiert hier die besten Fische für das Werfen. (Nr. 148, Jänner/Februar 2020). Es gibt das Interview mit Vertretern dreier Generationen der Ultras Rapid aus ihrem 25-jährigen Jubiläumsjahr (Nr. 84, September 2013) oder die Reportage über eine Auswärtsfahrt mit den Rieder Glory Boys (Nr. 41, April 2009) nachzulesen. Letzterem Artikel folgte ja ein „Scheiß Ballesterer“-Spruchband beim LASK – ein Spruch, mit dem später Schals als ballesterer-Merchandising bedruckt waren.

Mit einer Folge meiner Serie über die vermeintlichen „Nebenschauplätze“ des Fußballs im österreichischen Unterhaus, „You can't stop Leonding“ über den ASKÖ Leonding (Nr. 173, September 2022), darf auch ich hier vertreten sein. In der Statistik der Groundhopping-Rubrik finde ich mich unter den Top Ten ihrer Autorinnen und Autoren, obwohl ich dort auch schon länger nicht mehr veröffentlicht habe. Auch wenn ich mittlerweile Autor im Heft bin, bin ich weiterhin vor allem ein begeisterter Leser.

Der Band zeigt die inhaltliche Vielfalt und Tiefenschärfe des ballesterer in seinem erfolgreichen ersten Vierteljahrhundert.


größer als A5 / 14 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel / 25.ballesterer.at

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Erlebnis Fußball, 94




Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 94
02/2025
196 S.









Die aufsehenerregendste Artikel in dieser im Mai 2025 erschienenen Ausgabe ist sicher die in Kooperation von EF und ballesterer entstandene investigative Reportage von Moritz Gross auf den Spuren der Schalmafia im Kosovo und in Nordmazedonien, die mit nachgemachten Ultras-Schals diverser Gruppen und Szenen zu deren Schaden Geschäft macht. Indonesien-Experte Andrin Brändle erzählt im Heft wiederum über jenes ferne Land und die Kölner Coloniacs über das Freundschaftsjubiläum mit den Ultimi Rimasti Lebowski. Dazu gibt es einen Einblick in die Situation in Serbien zum Umgang der Fankurven mit der landesweiten Protestbewegung auf den Straßen gegen die Regierung. Nach einem Reisebericht aus Marokko in der vorherigen Ausgabe gibt es hier solche aus Algerien. Spannend, da mir da alles neu ist. Aber offenkundig gibt es dort zahlreiche Schwierigkeiten bei einer Fußballreise. Aus Marokko kann man aber auch in diesem Heft wieder lesen, genauer aus Tanger.

Weiters gibt es Texte der Kurven der deutschen Europacupteilnehmer über ihre Spiele im Herbst 2024, wobei die unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Ausgangslagen deutlich hervortreten. Der Bericht von Borussia Dortmund über ihr Spiel gegen Sturm Graz und jenes gegen Bologna ist ergänzt durch jeweils einen Text von der Nordkurve Graz und den bei den Forever Ultras Bologna als Freunde teilnehmenden Ultras Bochum sowie jener des VfB Stuttgart über ihr Spiel gegen die Young Boys mit einem Text der Ostkurve Bern. So etwas ist immer eine gute Sache, da es unterschiedliche Perspektiven bringt.

Der offene Brief von Claudio „Bocia“ Galimberti gegen das Unrecht an ihm ist übersetzt abgedruckt. In der beliebten Italien-Reiseberichtsrubrik gibt auch wieder einiges zu schmökern und bei der Betrachtung des Fotos des Spielberichtsautors beim Mithelfen der Beseitigung der Wassermassen am Spielfeld in Catanzaro auch zu schmunzeln.


A5 Format / 5,95 € / Kontakt erlebnis-fussball.de

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Erlebnis Fußball, 92/93



Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 92/93
01/2025
127 S. + 193 S.



Die Zeit für das Lesen der vor einem Jahr erschienenen, 320 Seiten starken Doppelausgabe des Erlebnis Fußball musste man sich nehmen. Vorteil an Fanzines: Es geht nicht um hektische Tagesaktualität, sondern um Wissen und Verstehen.

Nach dem 96 Seiten umfassenden ersten Teil des Interviews mit den Erfordia Ultras des FC Rot-Weiß Erfurt in Ausgabe 90 folgt hier in Ausgabe 92 auf 85 Seiten der zweite Teil. Spannend für mich insbesondere, da ich kürzlich erstmals Rot-Weiß Erfurt gesehen habe und damit selbsterlebte Eindrücke mit dem Gelesenen verbinden konnte. Da war im Interview wieder sehr viel drin, was ich nicht wusste oder mir in der Art und Weise nicht bewusst war. Solches in Ruhe in einem Fanzine nachlesen zu können, ist eine starke Qualität dieses Mediums. Interessant waren diesbezüglich die spannenden Passagen über einen interne Konflikt und vor allem auch der Umgang und der Stellenwert der verschiedenen Freundschaften. Wie diese hier jeweils unterschiedlich bewertet werden, ist einer jener Punkte, die mir hier neu waren. Daneben lernt man auch noch neue Wörter, die ich mein (langes) Lebtag lang noch nicht gelesen oder gehört habe: „Die Erfurter sind bekannt für's Meckern und Nölen.“ Da mir hier das gute Österreichische Wörterbuch wohlweislich für „nölen“ auch nicht weitergeholfen hätte, habe ich den Duden zu Raten gezogen und dieser erklärt: „1. etwas (ärgerlicherweise) nur sehr langsam tun; (herum)trödeln 2. nörgeln, mit weinerlicher Stimme klagen“ und fügt hinzu „besonders norddeutsch umgangssprachlich abwertend“.
Weiters gibt es in Ausgabe 92 u.a. über Reutlingen und Südamerika zu lesen. Ebenfalls jeweils terra incognita für mich.

Auf bekanntes Terrain führt dagegen Ausgabe 93 zu Beginn, in der es um Cavese geht und am Ende des Hefts die bekannte Serie an Italien-Spielberichten steht. Dazwischen gibt es drei große Pflöcke: Ein Reisebericht aus einem mehrwöchigen Aufenthalt in Marokko. Vieles spannend, praktisch alles darin Beschriebene kenne ich nicht. Ich entnehme daraus erneut: Einfach scheint das nicht zu sein, wenn man dort auch wirklich etwas sehen will. Das ist eher abschreckend. Aus einer mir fernen Region berichtet ein Interview mit Alianza Lima aus Peru in Südamerika. Ein stattlicher Teil behandelt verschiedene interessante Cupfinalspiele 2024 in Europa. Solch große Cupfinal-Spiele anderswo habe ich tatsächlich eigentlich nur zweimal (einmal Polen und einmal Schweiz, beides vor fast einem Jahrzehnt) besucht und in meiner Reisetätigkeit gar nicht am Schirm. Wenn man die Bilder hier sieht und die Berichte liest, könnte ich das vielleicht überdenken. Anregende Lektüre im Wortsinn.


A5 Format / 9,95 € / Kontakt erlebnis-fussball.de

Donnerstag, 20. November 2025

Ballesterer 202



Rezension


ballesterer
Nr. 202
November 2025
84 S.








Ernst Happel wäre im November 2025 hundert Jahre alt geworden und ist damit berechtigterweise wieder am Titelblatt. Dem bereits 1992 schwerkrank Verstorbenen widmet das Heft vier Nachrufe verschiedener Autoren aus verschiedenen Blickwinkeln und zu unterschiedlichen Lebensstationen, was interessant und lehrreich ist. Lehrreich ist auch der Schwerpunkt zu Fußball und Kolonialismus, der einem in mehreren Texten doch einige Aspekte eröffnet.

Erstaunlich ist die Biographie des 38-jährigen 19-fachen bulgarischen Nationalteamspielers Vladislav Stoyanov, der für Ludogorez Rasgrad in der Champions League und für Sheriff Tiraspol in der Europa League gespielt hatte, dann als Paketzusteller in Wien arbeitete und in den letzten Jahren beim SC Lilienfeld war sowie nun beim SCU Ybbsitz im Tor steht. Er erzählt im Interview offen über seine Spielsucht und die Verschuldung daraus.

Weitere spannende Themen im Heft sind die öffentliche Finanzierung des Linzer Profifußballs, Lokomotíva Košice zurück im heimatlichen Štadión v Čermeliy (seit 2022) bzw. wie es im Titel des Artikels von Juraj Červenka heißt „zurück im Heimatbahnhof“ oder u.a. Newcastle United.

Nicht um Wödmasta und Kolonialismus sondern um Stift und Sterne in Kremsmünster geht es in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ im Heft.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 17. Oktober 2025

Ballesterer 201



Rezension


ballesterer
Nr. 201
Oktober 2025
84 S.








Um das Leiden der Wiener Austria an sich selbst geht es in der Titelgeschichte, die Episoden der letzten Jahre erzählt ohne dass sich eine Story entwickelt. Ich wäre ja zur Mängelbehebung für eine schlichte Vereinsauflösung. Am besten ersatzlos. Allenfalls per meriti sportivi ein Neuanfang in der 2. Klasse der Wiener DSG. Es wäre kein Verlust für niemanden und ein Beitrag zu einer besseren Welt.

Weiteres gibt es im Heft u.a. über Tofiq Bəhramov zu lesen, über Ukrainerinnen im Europacup, den neuen Verein im burgenländischen Mattersburg nach dem Fall des größten Betrugs am österreichischen Fußball (gemeinsam mit den mit ebenfalls mit vorgetäuschter finanzieller Basis erreichten Meistertiteln des FC Tirol Anfang der 2000er und der gegenwärtig andauernden Insolvenzverschleppung des obengenannten FAK) durch den mittels jahrzehntelanger Bank-Bilanzfälschung wettbewerbsverzerrend in der Bundesliga spielenden SV Mattersburg, eine neue Kolumne von einem ehemaligen Bundesligaspieler und ein Interview mit Stefan Schwab. Besonders lehrreich ist wieder einmal die Kolumne von Herrn Dr. Pennwieser, der sich mit dem von ihm so bezeichneten „Blödsinn“ des nicht zuletzt im Fußball verbreiteten sogenannten „positiven Denkens“ beschäftigt, das Negatives ausblendet, damit aber nicht zum Verschwinden bringt und daher kein Problem löst. Als Gegensatz zu dieser „toxischen Positivität“ setzt er nicht etwa Trübsal sondern „gesunden Optimismus“ mit Blick auf die Realität.

Zum Eisenbahnersportverein Sigmundsherberg führe ich „auf Gleisschwellen“ in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 5. September 2025

Ballesterer 200



Rezension


ballesterer
Nr. 200
September 2025
84 S.








Die 200. Ausgabe der großartigen Zeitschrift ballesterer widmet sich in seiner Titelgeschichte dem Glauben. Vom runden Sonnengott Echnatons über religiöse Verwerfungen im modernen Fußball bis hin zum Kicken brennender Kokosnüsse in Indonesien reicht der Artikel Nicole Selmers. In einem Interview befragt sie den Theologen Hans-Ulrich Probst, der religiöse Praktiken unter Fans der Stuttgarter Kickers erforschte. Ich denke beim Themenkomplex Fußball und Religion immer gerne an die diesbezügliche Grazer Ausstellung 2016 zurück, während eine Ausstellung in Wien 2008 eher nicht gut war.

Nicht 200, aber 70 Jahre alt wurde Herbert Prohaska und wird mit einem netten Geburtstags-Interview geehrt. „Im Fußball war er Gott.“ sagt er in einer seiner Anekdoten über FAK-Zampano Joschi Walter. Ein Artikel handelt vom Transferkarusell Rapids, wo zur neuen Saison im Spieler-Durchhaus des modernen Fußballs wieder fast ein dutzend neuer Spieler geholt worden sind, und dem auffälligen Fokus auf Israel. Die Transfers sind so zahlreich, dass die Angabe von Martin Ndzie als teuerstem Einkauf der Vereinsgeschichte bei der Lektüre schon wieder überholt war.

Fast 200 cm groß ist der ukrainische Ex-Profifußballer Serhij Litovchenko, den es ins steirische Unterhaus verschlagen hat und der im Heft von seinem Weg erzählt. Weitere Themen handeln u.a. vom Kärntner Slovenski atletski klub (SAK), dessen Tormanntrainer kürzlich Gelb sah, weil er slowenisch sprach. Vom Trainer der SV Ried wusste ich lang nicht mehr als dass er dies ist, lerne hier von Fabian Beer aber viel über seinem Werdegang. Kartenspieler sind ja im Fußball nichts neues – aber dass man dies auf professionellem Niveau betreiben kann, war mir zumindest neu.
Nicht neu ist der Umstand, dass hinter dem damaligen Admira-Platz und heutigen FAC-Platz ein KZ der Nazis stand, in dem sie Menschen quälten. Die Gedenktafel in der Hopfengasse ist leider nicht an einem frequentierten Platz. Matthias Marschik analysiert im Heft gekonnt ein Spielfoto der Nachkriegszeit, auf dem man noch die einstigen KZ-Baracken im Hintergrund sieht. In der Foto-Serie Canchas gibt es ein schönes herbstliches Bild von Stephan Koessler vom idyllischen Platz des 2023 eingestellten SC Arnsdorf zu sehen. Der in der Serie ballesterer supporter portraitierte Leser ist diesmal „der Erfinder“, der geschätzte Reinhard Krennhuber.

100 bis 200 Leute verfolgen im Normalfall die Spiele des ASV Deutsch Jahrndorf, den ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft vorstelle.



A200 A4 / 200 € 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Dienstag, 5. August 2025

Ballesterer 199



Rezension


ballesterer
Nr. 199
August 2025
84 S.








Das Olympiastadion illustriert am Titelblatt passend den Schwerpunkt über München als Fußballstadt. Über verschiedene Orte des Fußballs in der Stadt wie Grünwalder Stadion, Dantestadion oder Bayern-Campus geht es ebenso wie um die Inszenierung der Tracht als Identifikationsmerkmal oder die Verbundenheit mit dem Ort in einem Interview mit Manfred Schwabl. Er stellte zu seinem Kurzgastspiel in Treviso, wo er sich 1994 noch vor dem ersten Spiel wieder verabschiedete, fest: „Mein ganzer Freundeskreis ist hier, meine Frau ist nur acht Kilometer von Holzkirchen entfernt auf einem Bauernhof aufgewachsen. Ich brauche das, das habe ich in Italien gemerkt. Dort ist es anders, das meine ich ganz ohne Wertung.“ Das erinnerte an ein in dieselbe Richtung gehendes Bonmot von Liverpool-Legende Ian Rush, der über seine Zeit bei Juventus gesagt haben soll „I couldn't settle in Italy. It was like living in a foreign country.“ Er hat das aber später bestritten, womit es wohl wie fast alle solche Fußballerzitate eine Erfindung ist.

Ein unfassbares Spektakel war die Abstiegsfrage im Saisonfinale von Italiens Serie B, was wieder einmal italienisches Talent für Drama auf hohem Niveau zeigte. Thomas Lanz blickt darauf zurück. Auch wenn es hier als „Spektakel“ beschrieben wird, habe ich das Sommertheater um Arnautović dagegen eher als unwürdig erlebt und es hätte allen Beteiligten gut getan, wenn sie sich auf die Saisonvorbereitung konzentriert hätten anstatt ihre Zeit Hirngespinsten zu widmen. Weitere Themen im Heft sind Machtkampf in der Vereinsführung bei Boca Juniors und Erinnerung an die in der Militärdiktatur Ermordeten in Fußballvereinen in Argentinien und eine Geschichte über Investorenträume in Neulengbach, wo im Frauenfußball keine 50+1-Regel gilt und man sich bei jeder Zeile denkt, dass das einfach (wie fast alle Investorenprojekte) nicht gut gehen wird. Wenn das erste, was man machen möchte, schon mal neue Farben für den Verein sind ...

Um Esslinger Freaks geht es in meinem Beitrag über den SV Essling in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft. Es ist dies im übrigen die Folge 81, womit als Hinweis für Zahlenfreaks nunmehr alle neun Landesverbände jeweils neunmal in der Serie vertreten waren.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Mittwoch, 23. Juli 2025

Blickfang Ultrà, 49



Rezension


Blickfang Ultrà
Nr. 49
2024
132 S.










Eine interessante Rubrik ist Kleine Kurven – große Wirkung. Hier stellen sich in dem im August 2024 erschienenen Heft die Kulturstadtmafia vom SC 1903 Weimar und die Paranoia Gialloblu vom FSV Großpösna 1990 vor und erzählen über Gelungenes und Probleme, denen sie als kleinen Gruppen in unteren Ligen gegenüberstehen. Beide sind zwar in Ostdeutschland, aber Voraussetzungen und Herausforderungen recht unterschiedlich. Spannende Einblicke. Solche gibt es auch aus zwei ganz unterschiedlichlichen Reisen, einerseits zu einem Interview und Spielbesuch mit den Holmesdale Fanatics von Crystal Palace und andererseits in das doch zumindest für mich sehr unbekannte Tunesien, über das man hier einiges erfährt.

Weitere Themen sind Kay Bernstein, die Zelebrierung von 125 Jahren Werder Bremen, der deutsche Fanhilfen-Dachverband, Balkan-Tratsch oder eine Geschichte über das Zustandekommen der Wiederbelebung des Stadions der Stahlwerker „Ernst Grube“ für ein Hopperspiel. Dort war ich zwar nicht, aber später besuchte ich selbst kürzlich in Rudisleben auch erstmals eine solche Veranstaltung. Wie viel Liebe für Fußballtradition, aber auch Arbeit dahintersteckt, war abseits des Eventcharakters gut ersichtlich und wird hier auch angerissen.



B6 Format / 5 € / Kontakt blickfang-ultra.de

Donnerstag, 3. Juli 2025

Blickfang Ultrà, 48



Rezension


Blickfang Ultrà
Nr. 48
2023
132 S.










Die auch schon wieder vor mehr als zwei Jahren, im April 2023, erschienene Ausgabe des Blickfang Ultrà schreibt über das mir rätselhafte Phänomen Podcast und bringt dazu ein Interview mit zwei deutschen Protagonisten, die mir auch schon untergekommen sind, ohne so etwas zu hören. Ich kann mir weiterhin nicht vorstellen, wie und wann ich stundenlanges Abhören von solchen Aufnahmen in zeitlich gut genutzte Tagesabläufe einbauen sollte. Das ist ja weit weniger effizient und nachhaltig als Sachen zu lesen. Leute machen das, während sie autofahren? Dafür werde ich mir jetzt kein Auto anschaffen. Ausnahme ist das für Rapid relevante, ja unumgängliche 1899fm, für das ich mich hinsetze und lausche. Aber es ist anstrengend. Auch nach Lektüre des BFU-Interviews mit Dwidswoch bleibt mir das Medium als solches fremd und unverständig, warum sie es nicht aufschreiben, wenn sie etwas zu sagen haben.

An inhaltlichen Beiträgen gibt es aktuelle Kommentare, eine Freiburger Erzählung zum Erleben des DFB-Pokal-Finales, ein Artikel über Dano Antošík bei Ferencváros gegen Slovan Bratislava, ein Interview über Fanbewegung und Politik in Brasilien und eine Fragebogen-Erhebung mit verschiedenen deutschen Gruppen sowie der Fraternité Violette zur Frage der Generationen in Ultrasgruppen und wie sie damit umgehen. In der Gegenüberstellung sieht man, dass manches gleich oder ähnlich und manches anders ist und gehandhabt wird. Weitere Texte behandeln die Geschichte der Freundschaft von Darmstadt und YB mit dem Freundschaftsspiel beider Vereine zur Eröffnung des umgebauten Stadion am Böllenfalltor sowie Fanzinekultur in Frankreich.

Mittlerweile liegt die nächste Ausgabe auch schon wieder sehr lange am Stapel ungelesener Hefte bereit. Ich hoffe, dass es nicht ebenfalls zwei Jahre dauert.


B6 Format / 5 € / Kontakt blickfang-ultra.de

Freitag, 27. Juni 2025

Erlebnis Fußball, 90/91


Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 90/91
02/2024
159 S. + 161 S.



Im Mai 2024 erschien diese Doppelausgabe des Erlebnis Fußball. Mit 320 Seiten wieder ein großer Umfang an Lesestoff.

Hatte es erst unlängst in Ausgabe 85 190 Seiten Interview mit der Blue Generation des 1. FC Magdeburg gegeben, sind es hier 96 Seiten Interview mit den Erfordia Ultras des FC Rot-Weiß Erfurt in Ausgabe 90 – und das ist nur Teil 1. Ein zweiter Teil ist mit „Fortsetzung folgt“ angekündigt. Wie damals auch hier ein großer Brocken an Lektüre für mich, da ich Erfurt genauso wie Magdeburg noch nie gesehen habe und sie daher vom Namen her zwar kenne, aber kaum etwas über sie wusste. Das macht das Lesen zwar spannend, weil man mit jedem Satz und jedem Absatz Neues erfährt, aber auch aufwändig, weil Anknüpfungspunkte zur Verarbeitung der Informationen fehlen. Interessant ist auch hier, wie anders in den 1990er/2000er Jahren alles war und gehandhabt wurde.
Saarbrücken habe ich hingegen schon mal gesehen, darüber hinaus liest man ja viel über sie bei der Fraternité Violette. Somit war die Einordnung der Details beim Lesen des Artikels über ihre DFB-Pokal-Saison 2023/24 einfacher. Gut war hier die jeweilige andere Perspektive auf die Spiele von den Gästeszenen. So etwas ist immer lehrreich. Auch über Nantes habe ich hier gern lesen. Nicht nur, weil ich durch meinen Besuch dort etwas mit dem Text verbinden konnte, sondern auch weil wahr ist, dass „der FC Nantes und seine Fanszene hierzulande ziemlich unter dem Radar laufen“.

Hohes Aufmerksamkeitslevel gibt es stets bei allem über Italien so wie in Ausgabe 90 ein Bericht eines Autors, der im März 2024 drei Wochen in die Gradinata Nord von Genoa eintauchte. in Ausgabe 91 gibt es wiederum eine kurze weitere Folge der Serie an Italien-Reiseberichten und darin kann man sich jedesmal verlieren.

Titelthema von Ausgabe 91 sind Reiseberichte aus der Schweiz aus den Saisonen 2021/22 bis 2023/24. Unter anderem gibt es im Heft von der Rückkehr von Ruch Chorzów nach Chorzów 2024 und den großen Spielen gegen Legia Warszawa und dem Derby gegen Górnik Zabrze zu lesen, bei dem ich wie eine hohe Anzahl deutscher Fußballreisender auch war. Ein weiterer Reisebericht der diesbezüglich starken Ausgabe berichtet von Rapid Bukarest. Das macht alles Lust auf Reisen. Das Lesen macht auch Lust auf noch mehr Lesen. Wann ich den Rückstand im EF-Lesen aufhole, weiß ich aber noch nicht.


A5 Format / 9,95 € / Kontakt erlebnis-fussball.de

Mittwoch, 18. Juni 2025

Ballesterer 198



Rezension


ballesterer
Nr. 198
Juni/Juli 2025
84 S.








Ein schönes Foto weinender Austrianer findet sich im Heft, das seine Titelgeschichte dem durchaus nervenstrapazierenden Saisonfinale widmet. Es hätte schließlich nicht viel auf die ultimative Katastrophe einer verkorksten Saison gefehlt, dem Erfolg der Wiener Austria. Die letzten Runden im engen Abstiegs- und Titelkampf erzählt man hier in einer Art Konferenzschaltung wieder. Ich habe das Saisonfinale zwar halbwegs verfolgt, aufgrund des eigenen Fokus auf Rapid und wenig Muße für Beschäftigung mit Spielen, auf denen ich nicht bin, erfahre ich aber hier doch einige Details, die ich nicht mitbekommen hatte. Verdienstvollerweise geht der Artikel darüber hinaus auf eine Frage ein, die sich mir jedes Jahr aufs Neue stellt: Wann und warum hat man angefangen, sich zur Feier des Erfolgs Bier über den Kopf zu leeren? Das ist ja recht neu und hat man früher nicht gemacht. „Der Brauch hat in Österreich keine lange Tradition. Jahrzehntelang feierten die Mannschaften Titelgewinne mit Sekt, den sie aus Flaschen auf Mitspieler und Trainer spritzten. Die erste Bierdusche, die in der Geschichte der Bundesliga kolportiert ist, trug sich 2000 zu. Damals überschütteten sich Oliver Prudlo und Stefan Marasek vom FC Tirol gegenseitig mit dem Innsbrucker Bier Adambräu.“ Die Frage des Warum bleibt weiter offen, zumindest konnte der ballesterer mir aber die Frage des Wann beantworten. Ein Vierteljahrhundert gibt es diese mir jung erscheinende Sitte also auch schon wieder. Ballesterer-Lesen bildet.

Unter anderem gibt es hier darüber hinaus den zweiten Teil eines Japan-Reiseberichts zu lesen, man liest ein Portrait der interessanten Persönlichkeit Josef Bican oder ein Interview zum 125-Jahre-1. FC Nürnberg-Film Aura einer Legende.

Ins Obere Gericht Tirols nach Nauders führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 23. Mai 2025

Ballesterer 197



Rezension


ballesterer
Nr. 197
Mai 2025
84 S.








„Siege und Niederlagen, Jubel und Trauer, Wunder und Skandale – es ist alles drin in diesen neun Monaten. Von September 1984 bis Mai 1985 erlebt der SK Rapid eine Europacupsaison, wie es sie nie wieder geben wird.“ Die ins Finale führende Rapid-Europacupsaison 1984/85 ist zu ihrem vierzigjährigen Jubiläum Titelthema des Hefts. Die Saison schrieb nicht nur Geschichte sondern bot auch reichlich an Geschichten. In einem großartigen Schwerpunkt über 18 Seiten gibt es verschiedene Perspektiven zu lesen – von den Fakten, der medialen Vermittlung im Fernsehen der 1980er Jahre („Als Torschütze wird jetzt angegeben Antonín Panenka. Ich habe es nicht genau gesehen, weil wir mitder Verbindung mit Wie zu kämpfen haben.“), den Erlebnissen von Rapidfans, der bis heute aufrechterhaltenen verblendeten Behauptung des Betrugs auf Seiten Celtic (Rapid wäre immerhin einer von „drei Klubs, die sich in der Geschichte von Celtic einen Namen als verhasste Vereine gemacht haben“) bis zu einem anekdotenreichen Interview mit dem damaligen Rapidspieler Kurt Garger („die eher hüftsteifen Briten“).

Weitere Themen im Heft sind u.a. Frankreich, ein Rückblick auf zwanzig Jahre des Versuchs von Red Bull, den Fußball zu zerstören, sowie der Abschied des Goodison Park oder ein Besuch beim 1. FC Lokomotive Leipzig. Im Groundhoppingteil findet sich ein mit dem Satz „Das Estadio Nuevo Arcángel ist keine Schönheit im klassischen Sinne.“ eingeleiteter Bericht aus dem spanischen Córdoba. Ich musste schmunzeln und kann das aus meiner ein Jahrzehnt alten Erinnerung bejahen. Es „versprüht wenig Charme“ hatte ich damals über das Stadion formuliert.

Nicht zu einem Europacupfinale nach Rotterdam sondern zum Saghäusl in Dienten am Hochkönig führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Dienstag, 29. April 2025

Ballesterer 196




Rezension


ballesterer
Nr. 196
April 2025
84 S.







Nach Rio de Janeiro führt die Titelgeschichte. Nino Duit erzählt von der brasilianischen Fußballhauptstadt und unternimmt einen „Spaziergang zwischen Stränden und Stadien.“ Dazu gibt es ein Interview von Martin Curi mit dem Wissenschaftler Jorge Vasconcellos über die Protestbewegung im Vorfeld der WM 2014 und Olympischen Spiele 2016. Ein Interview findet sich im Heft auch erneut mit Damir Čanadi, diesmal aus seiner Station in Paralimni. Selbstbewusstsein hat er seit seiner kurzen Zeit bei Rapid nicht verloren, wie man in seinen Aussagen erkennt. Laut Text wäre das letzte Interview im Heft mit ihm vor drei Jahren gewesen, es war aber bereits vor sechs Jahren.

Weiters gibt es im Heft u.a. eine Reportage aus Krefeld über die fünfte Insolvenz des KFC Uerdingen (der GAK hat das nur viermal geschafft), ein den internationalen Fußball nicht Verfolgender wie ich erfährt hier von aktuellem Erfolg von Nottingham Forest (da hatte ich nur die alten Geschichten im Kopf) und man liest vom eigenwilligen Anglo-Irish Cup bzw. der Coppa Anglo-Italiana und seinerzeitigen Skandalspielen. Im Artikel über kleingeistige Linzer Diskussionen um Fanmärsche meint Martin Wassermair „Das nächste Linzer Derby steigt erst in der kommenden Saison.“ Da weiß er möglicherweise über den Ausgang des Oberen Play-offs der Bundesliga und die Platzierungen für das anschließende Europacup-Play-off mehr als ich.
Spannend ist das Gespräch anlässlich des 40. Jahrestags der Stadionkatastrophe von Heysel mit dem Amstettner Zeitzeugen Christopf Laumer, der als Liverpool-Fan dabei war. Eine Augenweide sind die künstlerischen Stadionsitz-Fotos von Thomas Lanz, dessen Fotoserie nunmehr auch hier im Heft gebührenden Platz bekam.

Nicht an die Copacabana, aber an die Gestade des Millstätter Sees in Kärnten zum SV Seeboden führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.



A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Dienstag, 8. April 2025

Ballesterer 195




Rezension


ballesterer
Nr. 195
März 2025
84 S.







Hajduk Split ist das Titelthema. Niko Belivakic portraitiert lesenwert Verein und Stadt, die auf den ersten Meistertitel seit zwanzig Jahren warten. Dazu erzählt Lukas Grgić anschaulich und mit Anekdoten, was es heißt, in Split als Hajduk-Spieler zu leben.

Meisterhaft sind jedenfalls die investigativen Reportagen von Fabian Beer zum Scheitern mit Anlauf des DSV Leoben und von Moritz Gross über nordmazedonische Produktion und über den Kosovo laufenden Versand von Fake-Schals einer großen Anzahl europäischer Ultrasgruppen (u.a. Ultras Rapid) samt Recherche vor Ort und Ausfindigmachen des versteckten Geschäftemachers der Fälschungen.

Weitere Themen sind u.a. die willkürlichen Polizeirepressionen auf der Hohen Warte, ein Artikel mit „Hauch von Wehmut“ von Armin Grasberger über das Ende des Fanartikelverkaufs des Fanshops Strobl und ein Nachruf von Georg Spitaler auf Roman Horak. Ich habe doch einige Bücher von ihm mit Interesse gelesen und viel daraus gelernt.

In den Kolumnen gibt es einen auf Fehlannahme basierenden Medienkommentar, der in Form von Shoot the messenger Kritik an für den FAK parteiischen Bundesliga-Senatsentscheidungen zu delegitimieren sucht. Au contraire. Gerade die Bundesliga selbst untergräbt hier „das Vertrauen in das System.“ Hier wächst eine Institutionenkrise.
Emanuel Van den Nest hat in seiner Taktikanalyse rational Hoffnung: „Die enorme Qualität und gute Zusammensetzung des Kaders sollten es Rapid ermöglichen, zukünftig das Offensivspiel je nach Gegner variantenreicher zu gestalten und die Abstimmung im Angriffsdrittel zu verbesser, um wieder zur Form aus dem Herbst zurückzufinden.“ Ich bin leider eher nicht so zuversichtlich.
Wo die alte Linde steht, nämlich nach Alberschwende führe ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft.

Mit dieser Ausgabe startete der ballesterer in sein 25-jähriges Jubiläum. Ein Vierteljahrhundert ist eine lange Zeit. Ich bin erst 2003 auf das Heft gestoßen, seit Ausgabe 9 aus dem August 2003 begeisterter Abonnent, rezensiere seit Ausgabe 27 im Jahr 2007 hier die Hefte in diesem kleinen Blog, schrieb in Ausgabe 51 im Jahr 2010 meinen ersten Artikel darin, durfte später immer öfter Beiträge leisten, habe nunmehr auch schon bereits seit Ausgabe 113 im Jahr 2016 meine schöne Serie Nebenschauplätze und bin seit der ballesterer brannte im Jahr 2020 Supporter. In Abwandlung von Ernst Happel: Ein Monat ohne ballesterer ist ein verlorener Monat.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 14. Februar 2025

Ballesterer 194




Rezension


ballesterer
Nr. 194
Februar 2025
84 S.







Als „Liga der Gegensätze“ portraitiert die Titelgeschichte die 2. Liga anschaulich, was Zuschauerinnen und Zuschauer, sportliche, infrastrukturelle und finanzielle Belange angeht. Als den bestmöglichen Zustand beschreibt dies Bundesliga-Vorstand Ebenbauer in seinem jährlichen Interview im Heft. Gesprächspartner im Artikel haben eine erkennbar andere Meinung.

Interessant ist im Heft weiters ein Interview mit einem österreichischen Legionär, von dem ich zugegeben noch nicht gehört hatte, über sein internationales Globetrotting in der Profifußballwelt. Lesenswert ist der Artikel über die Jugoliga, die es in Wien und den Bundesländern in den 1970er und 1980er Jahren gab und die neben dem ÖFB bestand, da in den Verbandsvereinen die strikte Legionärsbeschränkung galt. Großartige Fotos mit auch informativem Text gibt es über das von mir im Herbst besuchte Ruine des Stadionul Republican in Chișinău mit Neuigkeiten zur Diskussion um die Bebauung des Geländes.

Anlässlich des Todes von Didi Constantini gibt es einen Nachruf auf ihn und Dr. Pennwieser nahm ihn wohl zum Anlass, sich diesmal mit dem Thema Demenz zu beschäftigen. Die Querverbindungen zwischen medizinischen Themen und dem Fußball in dieser Kolumne sind seit Jahr und Tag die Lektüre wert.

Aus dem Hausrucker Kohlenrevier und Kohlgrube berichte ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze in diesem Heft. In der jährlichen Umfrage unter den Leserinnen und Lesern des Hefts rangiert meine Rubrik wie in den letzten Jahren weiter auf einem Stockerlplatz. Danke für das erfreuliche Feedback!


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

Freitag, 17. Januar 2025

Ballesterer 193




Rezension


ballesterer
Nr. 193
Jänner 2025
84 S.







Fußballerfamilien gilt die Titelgeschichte des Hefts von Jan Mohnhaupt. Von dem hier ein wenig im Zentrum stehenden Marcel S. habe ich vor allem den von Red-Bull-typischen Lug und Trug begleiteten Abgang nach ordentlicher Rapid-Zeit zum Dosenkonzern in Erinnerung. Sein weiterer Weg, nachdem er aus der Bundesliga verschwunden ist, war mir dann völlig egal. Sein Vater hat als jahrelanger Gegenspieler Rapids in den 1990er jedenfalls viel stärkeren Eindruck hinterlassen. Den im Text hinterfragten Bezug zum Vater in einem Sturm-Spruchband gegen den Sohn („Schnauze, kleiner Herfried!“) vor dem Hintergrund der GAK-Vergangenheit kann ich eigentlich nachvollziehen.

Zum doch erstaunlichen sportlichen Erfolg Rapids im letzten Halbjahr spricht Sport-Geschäftsführer Markus Katzer im Interview. Eine offensichtlich beachtliche Leistung, die er da offensichtlich gebracht hat. Rapid ist auch nur ein kleines Teilchen im System, was Sätze zeigen wie „Ich habe ein Profil gekauft, weil ich gewusst habe, dass der Markt es sucht. Und ich habe recht gehabt. Er hat 39 Prozent der Spielminuten gemacht, er war nicht einmal Stammspieler, aber wir haben ihn um ein Vielfaches dessen, was uns der Österreicher-Topf gebracht hätte, verkauft.“ (am Beispiel Mayulu). Der moderne Fußball ist vom Sport zum Monopoly-Spiel verkommen.

Mit den Morden und Polizeiermittlungen in der Ultraswelt Mailands, und was die Parkplatzpreise am Stadion damit zu tun haben, beschäftigt sich Thomas Lanz im Heft. Finnland ist für mich weit weg, daher erfahre ich hier aus einem Artikel von Armin Grasberger, dass in Tampere gar nicht mehr in der großen Stadionschüssel gespielt wird, sondern der dortige Verein Ilves einen Neubau hat. Dr. Pennwieser beschäftigt sich in seiner Notfallambulanz-Kolumne hier mit Opium des Volkes.

Über die „Droge Grabern“ berichte ich in meiner Amateurfußballserie Nebenschauplätze diesmal aus dem niederösterreichischen Grabern.


A4 / 7,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel