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Freitag, 19. November 2021

1899fm – Folgen 60 und 61




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Podcast über den SK Rapid
1899fm.net







Das Thema Gesundheit ist seit über eineinhalb Jahren die causa prima der Menschheit. In Folge 60 des Rapid-Podcasts 1899fm sprach Heinz Deutsch mit Rapid-Teamarzt Thomas Balzer über Medizin und Rapid. Als kleiner Bub war Balzer 1963 oder 1964 zum ersten Mal auf der Pfarrwiese, erzählt er, und wurde durch dieses „Schlüsselerlebnis“ Rapidfan. 2005 wurde er als Nachfolger von Dr. Lugscheider als praktischer Arzt Teamarzt gemeinsam mit Dr. Zifko. Die handelnden Personen kannte er damals schon aus dem VIP-Club. Früher habe ein Mediziner den Verein medizinisch versorgt, dazu gab es einen Unfallchirurgen. 2010 oder 2011 übernahm er von Zifko auch die Funktion des Vereinsarztes, was auch die Verantwortung für organisatorische Abläufe beinhaltete.
Ein interessantes Thema des Gesprächs ist die personelle Aufstellung Rapids und Ideen zur Verbreiterung der Möglichkeiten. „Ich habe unlängst gelesen, dass der LASK fünf Physiotherpeuten hat. Das ist jetzt überhaupt keine Kritik, aber wir haben zwei. Vielleicht sind die fünf auch für alle [Mannschaften, Anm.]. Für alle haben wir mehr als fünf. Aber für die Kampfmannschaft ...“ Balzer berichtet, dass er sich immer mehr mit der konzeptuellen Frage beschäftige, wie externe Fachleute über Umwegrentabilität, die ihnen auch etwas bringe, dazu gebracht werden können, sich bei Rapid einzubringen. Damit Rapid mit finanziell besser aufgestellten Klubs mithalten kann.
Die Belastung der Spieler durch den dichten Spielplan „ist da und auch nicht kleinzureden“. Der Fußball habe sich, was die Belastung anbelangt, sehr viel verändert und verschärft. Bei weiteren Europacup-Reisen sei man mittlerweile davon abgekommen, in der Nacht sofort nachhause zu fliegen, wie das lange Zeit üblich war. „Vor allem für den Biorhythmus, für Dinge wie die Psyche wie alles, was vegetativ gesteuert wird – das ist alles, was du nicht wirklich im Griff hast – sind solche Einflüsse, wahrscheinlich von Person zu Person verschieden oder sicher von Person zu Person verschieden, aber evident, dass das einen Einfluss hat auf die Leistung.“
Einen Blick hinter die Kulissen bietet Balzer in der Beantwortung der Frage, was beim Reinlaufen des Arztes in einer Spielunterbrechung ablaufe. Als „Hauptfunktion“ des Mannschaftsarzts bei Verletzungen eines Spielers am Rasen definiert er: „Einen Spieler, der schwerer verletzt ist, auch wenn er das im Moment nicht einsieht, zu schützen davor, dass er weiterspielt, weil er sonst eventuell ärgeren Schaden nehmen könnte.“ Aber der Arzt gebe den Spielern damit auch eine gewisse Sicherheit.

In Folge 61 spricht zum dritten Mal Zoki Barišić als Geschäftsführer Sport über Kaderplanung und die Neuverpflichtungen Rapids in der Transferzeit. Yusuf Demir ist auch ein Thema. Heinz Deutsch spricht hier ebenfalls, wie in der Folge zuvor, das Thema der Belastung durch viele Spiele an. Das als Begründung für schlechte Leistungen anzuführen, ist für Barišić mit Schmunzeln „zulässig, wenn man es nicht zu oft sagt“. Zu Diskussionen mit dem mittlerweile entlassenen Trainer Kühbauer gefragt, sagt er: „Eines ist mir wichtig und ist dem Didi wichtig, unabhängig davon ob wir einer Meinung sind oder nicht: Es geht nur um das Wohl vom Klub, um das Wohl des SK Rapid Wien.“
Zur Meisterschaftsbilanz betont er, dass es keine Liga in Europa geben, wo der budgetäre Unterschied zwischen dem Ersten und dem Zweiten so groß sei. Red Bull wäre eine eigene Liga.
Im Unterschied zu den bisherigen Gesprächen blieb in dieser Folge am Schluss auch kurz Zeit für einen kursorischen Rückblick auf die Spielerkarriere. Seinen tatsächlich unschönen Abgang beschreibt er als Missverständnis von Trainer Dokupil. In der Zwischenzeit wäre aber alles ausgeräumt.

Mittwoch, 3. November 2021

1899fm – Folgen 58 und 59




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Gaby Fröschl war in der Ende August erschienenen 58. Folge des Podcasts 1899fm zu Gast. 1985 bis 2015 war sie dreißig Jahre lang „die gute Seele Rapids“, wie sie Heinz Deutsch nennt. Bereits in den 1960er Jahren war sie mit ihrem Vater bei Rapidspielen, erzählt Fröschl, und war so bereits lange Rapidlerin, als sie mit 1. September 1985 bei Rapid zu arbeiten begann. Zuvor hatte sie in der von Rapids damals geschäftsführenden Vizepräsident Heinz Holzbach geleiteten Druckerei als Sekretärin gearbeitet. Mit der Zeit wuchs sie bei Rapid in die Funktion einer Büroleiterin mit vielfältigen Aufgaben. Die Arbeitsbedingungen im kleinen Klubsekretariat waren seinerzeit ganz andere. „Auch wie wir dann Meister geworden sind, wir sind nicht drüber gewachsen. Wir sind weiter in unserem Büro gesessen. Die Spieler sind weiter bei uns vorbei gekommen und haben einen Kaffee getrunken.“ Eine markante Zahl, welche die Verhältnisse jener Jahre illustriert, hat sie noch parat: „Wir haben 313 Abonnenten gehabt. Das weiß ich heute noch.“
Die Dramatik der Situation Rapids am finanziellen Abgrund Anfang der 1990er Jahre erlebte Fröschl recht deutlich. „Der Herr Binder ist gegangen 1993 im Dezember und dann war ich ganz allein. Dann haben mir Gott sei Dank ein paar Fans mit dem Telefonieren geholfen. Fans! Ein paar Aushilfen haben wir so gehabt. Bei den Spielen war es so, dass oft der Exekutor gekommen ist, und da haben wir halt geschaut, dass an den Kassen nicht viel Geld drinnen ist. Das war unser einzige Möglichkeit, dass wir die Rechnungen bezahlen konnten.“ Als Erfolg verbucht sie, dass alle Matches im Frühjahr 1994 stattfinden konnten. „Wird man da manchmal wütend?“ fragt Heinz Deutsch. „Auf gewisse Leute, die nur kommen, sich profilieren und mir dann sagen, ich arbeite zuwenig, oder zu anderen auch.“ sagt Fröschl ohne Namensnennung.
Ihre Kernaufgabe war Vereinskorrespondenz, Betreuung von Präsident und Präsidum sowie die Spielerbetreuung. Bis in die 1990er Jahre wäre das Verhältnis mit den Spielern eng gewesen, in den 2000ern habe sich das mit Veränderung der Lebenswelten (Handy) verändert. Fröschl bot einen interessanten Einblick in die Umstände, unter denen Rapid früher arbeitete.

Daniel Mandl teilt in Folge 59 aus dem September 2021 im Gespräch mit Heinz Deutsch seine Einschätzungen über Kader, Spielstil sowie die Chancen Rapids in der Europa League-Gruppe Rapids. „Es gibt zu viele Rückfälle in alte Muster. Das hat auch damit zu tun, dass sich die Mannschaft in den vor zwei Jahren schon angesprochenen Automatismen nicht bahnbrechend verändert hat.“ sagt er mit Rückblick auf die Situation beim letzten Interview vor zwei Jahren in Folge 8. Als „absolut größte Baustellen“ sieht Mandl die Positionen 6 und 2. Er findet, dass Rapid mit den Spielern, die wir haben, dominanter auftreten müsste.
Den Österreicher-Topf hält Mandl konzeptuell für veraltet. Wenn man ihn beibehält, sollte ihn man besser dotieren, findet er. Etwa verdoppeln, um Wirksamkeit zu haben.
Im Laufe der Unterhaltung geht viel um die Perspektiven Rapids in der Europa League, Mandl wünscht sich aber auch stärkeres Auftreten in der Meisterschaft, um sich oben einen größeren Abstand Rapid zu Konkurrenten nach unten zu schaffen. Er ging dabei von einem relativen Spitzenplatz wie vorige Saison aus. Dieser Wunsch ging bislang nicht in Erfüllung.

Donnerstag, 26. August 2021

1899fm – Folgen 54, 55, 56 und 57




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







In der Anfang Juni erschienen Folge 54 ist Tamás Szántó im Podcast 1899fm zu Gast. Er erzählt vom Aufwachsen in Sopron, bis U14 beim FC Sopron und dem Wechsel zu Rapid. Wichtigster Grund war für ihn die Südstadt, wo das Training des Rapid-Nachwuchs damals stattfand. Denn daher wares zwei Jahre lang mit Pendeln weiter möglich, die Schule in Sopron zu besuchen. Dabei ging es aber auch um die 50km-UEFA-Beschränkung für internationale Transfers von Jugendlichen. Das ging sich mit der Südstadt aus, mit Hütteldorf wäre das nicht so gewesen. Ab der U18 war er dann im Internat, da das Training dieser Altersklasse schon in Hütteldorf war. Das Gymnasium in Sopron machte er dann im Fernstudium fertig. Sein erstes Spiel war die Stadioneröffnung. Drei Stunden davor sagte ihm Trainer Büskens, dass er von Beginn an spielen werde. Wie und warum es mit der Karriere nichts wurde, ist Thema des weiteren Gesprächs. Bis Winter 2020 habe er alles versucht, so Szántó, und alle Therapien ausprobiert, aber habe dann die Entscheidung des Karriereendes mit 25 Jahren treffen müssen. „Es ist noch immer schwer.“ und er werde das nie hundertprozentig akzeptieren können, sagt er dazu. Er sei froh, dass er bei Rapid bleiben könne.

Andy Marek ist mit seiner autobiographischen Buchveröffentlichung Thema in Folge 55. Zu Gast ist Marek ist zum zweiten Mal nach Folge 20. Er habe früher Leute belächelt, die von einem Pensionsschock erzählt hätten, oder dass sie in ein Loch gefallen wären, sagt er. „Bei mir war das kein Loch sondern ein Krater.“ Online habe er am Corona-Krisenstab von Rapid teilgenommen in der Cotona-Zeit, was ihm in der schwierigen Phase geholfen habe. Über sein Buch sagt Marek: „Es ist in keinster Weise ein Abrechnungsbuch. Es ist in keinster Weise ein Buch, wo ich jemandem wehtue. Möchte ich nicht, wollte ich nicht. Aber ich sage schon meine Meinung darin.“ Zu einer Zukunft bei Rapid befragt, meint er, dass er „definitiv nicht“ als Stadionsprecher oder Klubservice-Leiter zurückkehren werde. Aber wenn ihm jemand bitte, mit seiner Erfahrung zu helfen, „werde ich nicht nein sagen, in welcher Form auch immer.“

Folge 56 dreht sich in einem Gespräch mit Laurin Rosenberg vom Rapideum um Rapids deutschen Meistertitel 1941. Die Folge ging am 22. Juni 2021 und 16:00 Uhr online, genau 80 Jahre nach dem Ankick des Finalspiels. Rosenberg erzählt vom Weg ins Finale, dem Spiel selbst und den Umständen. „Viele Mythen umkreisen das.“ Rosenberg verweist darauf, dass der Fußball unter der Naziherrschaft ein komplexes Themenfeld ist und man nicht immer einfache Antworten geben könne. Als „den größten Blödsinn überhaupt“ bezeichnet Rosenberg die manchmal verbreitete Behauptung, das Finalspiel wäre der Ursprung der Rapidsviertelstunde gewesen, da ein 0:3 in ein 4:3 verwandelt wurde. Keines der vier Tore ist in der Rapidviertelstunde gefallen. Heinz Deutsch sagt wahre Worte, wenn er sagt „Es gibt kein Spiel, das so viele Legenden und Mythen beinhaltet. Es gibt aber auch kein Spiel, wo es so notwendig ist, den ganzen Kontext zu erklären: In welchem Zeitraum, was hat sich da alles abgespielt.“ Die Umstellung des Wiener Sports auf das Nazi-System ging verblüffend schell, wie Rosenberg feststellt. Auch bei Rapid. Kontrovers ist die Frage, ob man auf den Erfolg Rapid 1941 stolz sein könne. Dazu ist nach dem Gespräch auch die Broschüre „Deutscher Meister war nur der SCR!“ erschienen.

Mit Oliver Pohle von den Ultras Rapid ist die wohl prägendste Persönlichkeit des Block West der letzten beiden Jahrzehnte in der Anfang Juli erschienenen Folge 57 zu Gast. In Folge 10 war er bereits einmal gemeinsam mit Jakub anlässlich Wiener helfen Wienern zu Gast gewesen. Diese Folge dreht sich nun um seine Person, seine Fankarriere und aktuelle Themen. Pohle erzählt von seinem Lebensweg, wie er früh bereits in die West und die UR hineingekommen ist und mit 16 Jahren bereits am Vorsängerpodest stand. „Es war immer mein Ziel: Ich will die Kurve in neue Sphären führen, was Akustik betrifft.“ sagt er. Das kann man als überaus gelungen bilanzieren. An aktuellen Themen werden etwa die Wiederaufnahme des Supports zu Saisonbeginn und die Umstände dazu besprochen: „Dass es für ultraorientierte Gruppen nicht möglich ist, einen Abstand zu halten, mit einer Maske zu singen oder andere Dinge, ist eh selbsterklärend. Unsere Bewegung lebt von dem Gemeinsamen, unsere Bewegung lebt von der Nähe, sowohl emotional als auch physisch.“ Die 3G-Regel ist akzeptiert, da sie keine Repression gegen Fußballfans ist. Bei einer Impfpflicht für das Stadion heiße es aber „definitiv nicht mit uns.“ In der Corona-Pandemie habe nach den ersten Wochen der Ungewissheit das Gruppenleben weiter stattgefunden, „aber das wichtigste, der Kurvenbesuch war nicht gegeben.“ Heinz Deutsch fragt, wie man Freundschaften in Lockdown pflegen konnte und Oliver Pohle berichtet dazu von den Vorbereitungen zu Jubiläumsfeiern. Weitere Themen sind u.a. das Verhältnis zum Verein oder die Ansprüche Rapids angesichts fehlenden Titelerfolgs.

Freitag, 21. Mai 2021

1899fm – Folgen 52 und 53




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Der Kooperationsanwalt der Rechtshilfe Rapid Christian Podoschek (Rapid M@ilers) ist fünfzig Folgen nach Folge 2 in Folge 52 zum zweiten Mal im 1899fm-Podcast zu Gast. Thema sind wie damals juristische Folgen für die verantwortlichen Behördenvertreter für die stundenlange Einkesselung von Rapidfans bei winterlichen Bedingungen durch die Wiener Polizei 2018. Podoschek berichtet vom Großverfahren von Anfang 2019 bis Juli 2019, dessen Urteil – „eine Watschn für die Landespolizeidirektion Wien“ – im Herbst 2019 rechtkräftig wurde. Ende 2020 wurde dann eine Anzeige zu wissentlichem Amtsmissbrauch eingebracht. Der Beamte wurde einvernommen, aber das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Dazu werde ein Fortsetzungsantrag eingebracht, da sich die Staatsanwaltschaft mit den Argumenten wenig auseinandergesetzt habe.
Podoscheks „Lieblingsthema“ 50+1 ist der zweite Gegenstand des Gesprächs. Er erklärt, dass es diese Regelung nur in Deutschland und in Österreich verankert gebe und wie sie hier ausgestaltet ist. Red Bull habe einen „Wettbewerbsvorteil“ darin, ihr sportliches Konzept umsetzen zu können „ohne auf irgendwelche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen zu müssen“. Bei Rapid gibt es unterschiedliche Gruppen mit verschiedenen Interessen, die unter einen Hut zu bringen seien. Es sei aber „wertvoll und schön“, dass bei Rapid diese Interessen berücksichtigt werden „und man eben nicht drüberfahrt über bestimmte Gruppen“. Es gebe allerdings in Österreich Umgehungskonstruktionen und abgeschwächtere Fälle, wo dem Sinn von 50+1 in Österreich widersprochen werde. In einigen Fälle von formalen Mitgliedervereinen seien diese geschlossene Gesellschaften und Fans erhalten als Mitglied so etwas wie einen Bonus-Club, aber keine Stimmrechte im Verein. In der Bundesliga seien nur Rapid und Sturm Graz offene Mitgliedervereine, wo jede und jeder Mitglied mit Stimmrecht werden könne. Das Problem beim Verkauf an Investoren: „Wenn ich es einmal verkauft habe, dann ist es weg. Es ist schwer bis unmöglich, durch rechtliche Konstrukte das so abzusichern, dass die Fans sich wirklich darauf verlassen können, dass der, der investiert, in Zukunft immer so macht, wie wir es uns vorstellen.“ Wenn die Bundesliga 50+1 wolle, so Podoschek, wäre es sinnvoll, die Regel zu exekutieren und Umgehung zu verhindern. Mitbestimmungsrecht im eigenen Verein sei nicht nur „Fußballromantik“ sondern „etwas Handfestes.“

Fast zwei Stunden lang erzählen in Folge 53 Harry und Robert vom Rapid-Fanklub Die Klempner. Als „grundsympathisch“ habe ich die Klempner anlässlich des Portraits über sie in Forza Rapid bezeichnet. Dies kann ich auch hier wieder unterstreichen. Als „legendären Haufen von Allesfahrer und Rapidanhängern“ stellt sie Heinz Deutsch in seinem Podcast vor.
Harry erzählt von seiner Fankarriere ab dem ersten Rapidspielbesuch am 18. März 1972 und Robert von seinem Weg ab seinem ersten Rapidmatch im Februar 1975. Eine schöne Anekdote ist, wie „aus Jux und Tollerei“ die Fanklubgründung geschah. Das Lied „Ich bin Klempner von Beruf“ von Reinhard Mey wäre seinerzeit ein Running Gag unter ihnen gewesen. Als Spaß bekamen Renata und Harry zur Hochzeit 1991 Leiberl mit „Rapid-Fanklub Die Klempner“ als Aufdruck geschenkt. „Es war von Anfang an nicht organisiert, sondern ein lustiger Haufen an Menschen, denen Rapid am Herzen liegt.“ beschreibt Harry das Wesen der Gruppe. Mit großem Respekt stehe ich dem Allesfahren gegenüber, das die Klempner kultiviert haben. Robert hatte ab 1993 (!) jahrzehntelang (!) kein Pflichtspiel versäumt. Das Allesfahren sei im Fanklub immer intensiver geworden und man habe sich gegenseitig hochgeschaukelt, beschreibt er die Entwicklung. Die Reiseorganisation sei im Fanklub immer leichter und besser geworden. „Im Mittelpunkt steht für mich eindeutig immer Rapid. Ich würde nie irgendwo groundhoppen hinfahren, wenn zeitgleich Rapid spielt.“ sagt Harry. 1.100 Rapid-Meisterschaftsspiele hat er gesehen, lässt er in seine Fan-Statistik blicken.
Weitere Themen des Gesprächs sind u.a. der Fanklub-Fetzen, die fehlenden Erfolge Rapids, der Ärger über das Konstrukt Red Bull, die kurze Verweildauer von Spielern bei Rapid, Unterschiede in der Atmosphäre von neuem Weststadion und Hanappi-Stadion oder die ebenfalls beachtliche Leidenschaft und Geschichte des Groundhopping der Klempner, die diesbezüglich wohl die höchste Dichte an weitgereisten Mitgliedern eines Fanklubs in Österreich haben.

Freitag, 23. April 2021

1899fm – Folgen 50 und 51




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Didi Kühbauer ist zu seinem 50. Geburtstag zu Gast in der 50. Folge des Podcasts 1899fm von Heinz Deutsch. 50 Minuten dauert sie nicht, sondern stolze 105 Minuten. „Mein Traum war immer bei Rapid zu spielen.“ erzählt Kühbauer zu seinen Anfängen als Spieler. „92 habe ich es geschafft, zu dem Klub zu kommen, wo ich eigentlich von Kind an Anhänger bin.“ Aufgrund der damaligen Schwierigkeiten im Verein wären die ersten Jahre „brutal“, die Umstände „dramatisch“ gewesen. Dies habe ihn aber nicht beeindruckt, da er bei seinem „Herzensklub“ war. Zur erfolgreichen Zeit unter Dokupil sagt er, dass dieser die Mannschaft nicht geformt habe sondern sie „lassen“ habe und es geschafft hat, dass es eine Einheit und Kameradschaft gegeben hat. Mitgenommen für seine Trainertätigkeit habe er, Spieler so zu lassen wie sie sind und wo sie im Platz helfen können.
Zu Unterschieden zwischen den 1990er Jahren und der Gegenwart sagt Kühbauer: „Der Umgang früher war sehr rauh, sehr direkt.“ Als Trainer könne er heute nicht so agieren. Heutige Spieler seien sehr darauf bedacht, nichts falsches zu sagen. Themen des Gesprächs sind natürlich auch das Europacupfinale und die Champions League 1996.

Zum weiteren Verlauf seiner Spielerkarriere berichtet Kühbauer, dass er bei Real Sociedad die Stadt genossen und guten Fisch gegessen habe. In der Mannschaft seien die ausländischen Spieler immer beinander gewesen und man habe nie einen Draht zu den einheimischen Spielern gehabt. Fußballerisch und körperlich habe er im technischen Fußball in Spanien keine Probleme gehabt. Zu den Fans bemerkt er: „Es ist ein anderes Publikum als bei Rapid. Bei einer schönen Aktion klatschen sie. Bei einer Verlagerung klatschen sie. Sie haben das eher so gesehen als Nachmittagsgestaltung.“
In Wolfsburg erlebte er wiederum eine andere Kultur, und zwar auf dem Platz „Die deutsche Bundesliga ist komplett anders als Spanien. Da ist Arbeit angesagt.“ Wolfsburg wäre ein Dorf gewesen, obwohl es 100.000 Leute waren. Fußballerisch war es aber eine gute Adresse. Zu seinem Gang von Wolfsburg in die Zweite Division zurück nach Mattersburg sagt Kühbauer, dass es „fußballerisch natürlich ein Rückschritt“ gewesen sei. Bei Rapid wäre es zwar „noch schöner gewesen, muss ich sagen,“ aber er habe eben diesen Schritt gemacht und er dürfe ihn nicht bereuen.

Zu seiner Trainertätigkeit hält Kühbauer fest, dass er lernfähig sei und aus seinen Stationen gelernt habe. Bei Rapid zu arbeiten sei „das größte in Österreich.“ Bemerkenswert ist, dass er betont, für einen Trainer sei es wichtig Ruhe zu bewahren und die Mannschaft auch nach Misserfolgen nicht weiter hinunterzuziehen. Er sei ein Trainer, der versuche, Spieler besser zu machen. Das gehe nicht nur mit Emotion. Das größte Problem bei der Übernahme als Rapid-Trainer 2018 sei gewesen, dass die Mannschaft keine Mannschaft war. Es wären Egoisten dabei gewesen. Ärgerlich sei, dass Rapid in den Spielen gegen Red Bull nicht das zeige, was sie können. Da hat er recht. Eine klare Meinung hat Kühbauer zur Ligareform: „Ich halte den Halbierungsmodus für überhaupt nicht gut.“ stellt Kühbauer klar. Denn: „Es ist ein riesiger Unterschied, wenn eine Mannschaft im Europacupeinsatz tätig ist und du hast nur 22 Runden und bist eigentlich immer in englischen Wochen. [...] In 22 Runden kann es passieren, dass du einmal ein Loch drinnen hast, und dann bist du hinten nach. [...] Dass die Leute mehr Spannung haben: Wunderbar. Aber es geht, glaube ich, schon noch um die Menschen, die diesen Sport ausüben.“

Um Bonmots ist Kühbauer nicht verlegen. Sein erstes Nationalmannschaftstraining unter Ernst Happel in Anif wäre wie eine „Söldnerausbildung“ gewesen. Zu seiner Schiedsrichterkritik an falschen Entscheidungen steht er. Es ärgert ihn vor allem Theatralik bei gefoulten Spielern. Weitere Themen sind u.a. Musik und die Bücher, die er derzeit liest. E-Books habe er probiert, aber er steige wieder um. „Ein Buch in der Hand zu halten ist etwas anderes als ein Kindle.“ Auch hier hat Kühbauer völlig recht.

Mit Gerry Willfurth erzählt in den 70 Minuten der Folge 51 ein Spieler der erfolgreichen Mannschaft der 1980er Jahre und gegenwärtiges Präsidiumsmitglied aus seiner Karriere und von seiner jetzigen Tätigkeit. Interessant ist seine schnelle Karriere in der Jugend. Willfurth erzählt, dass er erst mit zwölf Jahren bei einem Verein (ASK Bad Fischau-Brunn) zu spielen begann, mit fast 18 Jahren von dort aus der Unterliga Süd-Südost zu Rapid wechselte und nach einem Jahr U21 seinen ersten Profivertrag bekam. Willfurth führt aus, dass die Rapid der 1980er Jahre unter Otto Barić modern gespielt habe. Am Beispiel von Mittelfeldspieler Petar Bručić: „Heute sagt man Abkippen dazu, wenn man sich die Bälle holt von hinten von den zwei Innenverteidigern. Er hat das damals schon gespielt. Er hat gewusst, wenn man den Ball weiterverteilen will, muss man ihn dort holen und man muss ihn dort anspielen können.“

Themen des Gesprächs sind u.a. die Meistertitel oder die Europacupfinalsaison 1984/85. Ende der Achtziger Jahre habe er das Zerfallen der Mannschaft erlebt und wollte als schon relativ älterer Spieler eine neue Herausforderung. Er sei dann Heribert Weber zu Austria Salzburg gefolgt und habe die Anfänge des Aufstiegs dieser Mannschaft mitgemacht. Mit 31 Jahren habe er seine Profikarriere beendet und sei „komplett ins Nachtleben eingestiegen“, da er bereits mit seinem Bruder ein Lokal in Wiener Neustadt besessen hatte und sich die Möglichkeit zur Eröffnung eines weiteren Lokals aufgetan habe. In der Regionalliga habe er weiter gespielt, u.a. in Kottingbrunn, auch beim ÖFB-Cup-Ausscheiden Rapids dort 1996 (drei Tage nach dem Champions-League-Spiel bei Manchester United). „Da habe ich sogar ein Tor geschossen.“ erinnert Willfurth. „Als Verbindungsglied zwischen der sportlichen Seite und dem Präsidium“ beschreibt er seine Tätigkeit im Rapid-Präsidium. „Dass man dem Präsidium oft erklärt, warum macht wer was.“

Samstag, 27. März 2021

1899fm – Folgen 48 und 49




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Gast in Folge 48 ist Dressen-Experte Julian Schneps, der ein Buch über die Trikots Rapids geschrieben hat und zu dem mir bis zu seinem Buch nicht in seiner Bedeutung für andere Leute geläufigen Thema auch die Website trikotgeschichten.at betreibt. „Ein Dress beschreibt für mich einen gewissen Zeitraum bei Rapid.“ erklärt Schneps, warum dieses Thema für ihn wichtig ist. Er erzählt vom Farbenwechsel 1906 von Blau-Rot zu Grün-Weiß und den dazu kursierenden Legenden sowie von der Geschichte von Werbeaufdrucken und des Wappens auf den Trikots: „Es hat über hundert Jahre gedauert, bis bei jedem Spiel jeder Spieler ein Wappen auf dem Trikot hatte.“ Thema ist auch die Veränderung des Materials. Ab circa 2003 erst könne man vom Tragekomfort her von einem „angenehmen Trikot“ sprechen, meint er.
Als Dressenexperte weiß Schneps um Details, die mir nicht einmal auffallen würden. Wie etwa die Frage, wo Ligalogos auf Trikots platziert werden. Viele Kommerzialisierungsentwicklungen wären in Österreich spät gekommen, mit Ausnahme des Sponsoring, erzählt Schneps. Bei Werbung auf den Dressen war Österreich bereits seit den 1960er Jahren sehr früh dran. Das hatte langlebige Auswirkungen. „Jede Liga hat das Ligalogo am Ärmel, nur wir nicht. Weil wir schon Sponsoren am Ärmel gehabt haben bevor das Bundesliga-Logo 1997 am Trikot war.“
Gesprächsthemen sind weiters auch ein Wechsel von Rapid bei der Herstellerfirma der Dressen und die Kommerzialisierungsentwicklung im Dressenverkauf an Fans. Früher habe man Trikots in Geschäften kaufen können, wo es Dressen mehrere österreichischer Vereine zur Auswahl gegeben habe, aber nun gebe es sie nur in den eigenen Fanshops und im Internet, stellt Scheps fest. Zum Schluss gibt er noch Tipps für jene, die sich alte Dressen im Internet kaufen, wie man Fälschungen erkennen kann.

„Wir wollen Rapid sehen!“ ist das Thema von Folge 49, zu der Heinz Deutsch Rapidfans aufgerufen hatte, ihre Stimmungslage zu schildern. „Der Tenor ist einheitlich: Es fehlt natürlich enorm. Es fehlt nicht nur der Stadionbesuch sondern es fehlt auch das ganze Drumherum.“ resumiert er die Antworten. In unterschiedlichen, kürzeren und längeren sowie aus verschiedenen Hintergründen kommenden Stellungnahmen ist Vieles zu hören. Als erster kommt Christopher Dibon zu Wort: „Gerade bei einem Klub wie Rapid vermisst man die Stadionatmosphäre, die normal im Stadion herrscht.“
Fans schildern, wie sehr Rapid im Fernsehen nicht mit dem Stadion vergleichbar ist. So sehe man in der Übertragung nicht das ganze Spielfeld und es fehle das Erlebnis. „Niederlagen sind vor dem TV viel schlimmer. Du bist komplett machtlos. Da kannst die Mannschaft nicht aufmuntern. Du kannst den Gegner und den Schiedsrichter nicht beschimpfen. Du kannst gar nichts machen.“ ist etwa von Philipp zu hören. Renata zählt auf, was gegenwärtig am meisten fehlt: „Dieses nervöse Bauchgefühl und Kribbeln Stunden vor einem Spiel. Das emotionale Auf und Ab während dem Spiel. Die Fahrten. Die Gespräche mit der Vielzahl an verschiedenen Menschen, die ich nur beim Spiel sehe und treffe.“
Das Interesse an Rapid habe nicht nachgelassen, stellen die meisten Rapidfans fest. Für den Fußball generell gilt das aber nicht, wie z.B. Fred das ausführt: „Das Interesse am Fußball lässt generell nach. Es interessiert mich eigentlich nur mehr Rapid.“ Es gibt aber auch das gegenteilige Erleben, dass die emotionale Nähe zu Rapid abnehme. Richard Strebinger erklärt, dass ihm am meisten „das emotionale Miteinander fehle“.

Freitag, 26. Februar 2021

1899fm – Folgen 46 und 47




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
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Maxi Hofmann erwähnt in Folge 46 des Podcasts anfangs seine fußballerischen Anfänge am Wienerberg und seine Rapid-Zeit seit 2003, wo er alle Nachwuchsakademiemannschaften durchlaufen hat. Auch als Fan war Rapid immer sein Verein. Zu seinem Lockdown-Leben erzählt er, dass er vor eineinhalb Jahren ein Haus gebaut habe und im Lockdown zum Heimwerker geworden sei, der mit Gartenarbeit oder Fliesenlegen genug Ausgleich habe. Für den Zusammenhalt in der Mannschaft sei es gar nicht schlecht gewesen, dass man jetzt länger zusammen blieb und mehr Kontakt miteinander hatte, weil alles außerhalb schwierig war. Als positiv streicht er heraus, das mittlerweile im Rapid-Trainingszentrum am Elektra-Platz alles in einem Haus sei. Zuvor hätten sie beispielsweise bei den Räumlichkeiten im Happelstadion am Weg zur Kraftkammer „um das halbe Stadion herumgehen“ müssen.
Im gesundheitlichen Bereich sei man zweimal die Woche auf das Corona-Virus getestet worden und habe nunmehr nach Briefing auch Testkits für Schnelltests bekommen, um sich täglich zuhause testen zu können und bei positivem Wert erst gar nicht ins Trainingszentrum zu kommen und andere möglicherweise anzustecken.
Für die künftige Karriere will sich Hofmann hinsichtlich Auslandswechsel nicht festlegen. Er sagt aber jedenfalls, angesprochen zur theoretischen Möglichkeit des Wechselns innerhalb der österreichischen Bundesliga, dass er nie gegen Rapid spielen wolle. Weil er das nur schwer übers Herz bringen würde.
Am Schluss nimmt Heinz Deutsch seinen Wordrap wieder auf. Auf die Frage „Können wir heuer Meister werden?“ antwortet Maxi Hofmann: „Können natürlich. Da müssen aber einige Faktoren mitspielen.“

Die Green Lions sind in Folge 47 zu Gast. In eineinhalb Stunden stehen zwei Protagonisten Rede und Antwort. Sie erzählen über ihren persönlichen Werdegang und die Entwicklung der Gruppe. Dass aus einem Fanklub aus Oberösterreich eine Rapid-Ultràgruppe entstand, sei gewachsen. Einen Aufschwung habe der Gruppe die Champions League 2005 gegeben, als zu allen sechs Gruppenspielen ein Bus organisiert wurde.
Zur regionalen Verankerung sagt man: „Manche Leute wie u.a. der sehr geschätzte Herr Pumuckl schreien uns immer ,Linzer‘. Wobei man dazu sagen muss, dass es nie so war, dass wir eine rein Linzer Gruppe waren. Wenn man von früher ausgeht, waren die Leute fast aus ganz Oberösterreich.“ Eine Herausforderung des Gruppenlebens ist der größere geographischen Raum der Herkunft („Vom östlichsten bis zum westlichsten Mitglied sind es 307 Kilometer.“), wodurch das Stadion das Zentrum des Geschehens bildet. Da dieses in der Corona-Zeit weggefallen ist, könnte man wenig tun. Als Stärke der Gruppe wird genannt, dass es für sie aufgrund der Gewohnheit eines längeren Anfahrtswegs keinen Unterschied zwischen Heimspiel und Auswärtsspiel gebe.
Weitere Themen sind die guten Kontakte zu Blau-Weiß Linz und Konfliktpotential mit anderen oberösterreichischen Vereinen („Man muss schon sagen, dass wir als einzelne Gruppe eine ganze Szene, jene des LASK, immer wieder in Schach gehalten haben.“), das Alleinstellungsmerkmal der Landweg-Europacupreisen, die Freundschaft zu Kloten (Anm.: zuletzt war darüber auch in Forza Rapid nachzulesen), der gemeinsame Weg mit den Lords („richtig guade Hawara“), Gruppenaufbau, Highlights („Rekordpubquizsieger“) und Rückschläge, die Übergangszeit im Happelstadion und das neue Leben im Weststadion. Wenn es wieder ins Stadion gehe, werde man sehen, wie viele in der Coronazeit weggebrochen sind. Die Schwere der Folgen für die Gruppe und die Fanszene sei schwer zu prophezeien.
Die beste Nachricht: Das Fanzine Leone Verde sei nicht tot. Spätestens zum zwanzigjährigen Jubiläum 2023 werde eine neue Ausgabe erscheinen, wird versprochen. Ich freue mich schon jetzt darauf!

Freitag, 8. Januar 2021

1899fm – Folgen 44 und 45




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Peter Schöttel war in der letzten Podcast-Folge vor dem Jahreswechsel zu Gast. In der zweistündigen Folge 44 erzählt er gleich zu Beginn mit dem ihm eigenen trockenen Humor von seinem Erlebnis bei seinem ersten Rapid-Training als 12-/13-jähriger, um 1980 noch auf der Pfarrwiese: „Dort haben sie mein Talent mehr oder weniger erkannt. Also: Ich bin als Stürmer gekommen. Dort haben sie mich einmal ins Tor gestellt, dann bin ich ein halbes Jahr nicht hingegangen. Nach einem halben Jahr habe ich es wieder probiert und dann bin ich geblieben.“ So startet eine Rekordspielerkarriere. Über zwei Jahrzehnte spielte Schöttel von da an für Rapid. Gemeinsam mit Andi Herzog, Andi Heraf und mit Bernie Brunner, der dann verletzungsbedingt nicht mehr lange Fußball gespielt habe (das Rapidarchiv nennt für ihn einen Pflichtspieleinsatz), wurde er 1985 von den Junioren in die Kampfmannschaft übernommen, erzählt Schöttel. Eine große Ehre, wie er betont, zumal es sich damals um ein Europacupfinalteam, eine große Mannschaft, gehandelt habe. 1986 hatte er dann in einem Heimspiel gegen die Vienna seinen ersten Kampfmannschaftseinsatz: „Einerseits war es erfolgreich, weil wir gewonnen haben. Andererseits ist es mir deswegen in Erinnerung geblieben, weil ein gewisser Mario Kempes damals dem Funki Feurer einen Freistoß reingeschossen hat, während er die Mauer eingeteilt hat. Ich bin in der Mauer gestanden. Das sind so Momente, die einem bleiben.“ Nach einem bis zwei Jahren habe er regelmäßig gespielt und 1988 sein erstes Länderspiel bestritten.

In seiner Jugend habe Rapid so trainiert, wie auch 30, 40 oder 50 Jahre zuvor: Für das Training gab es das Hauptfeld der Pfarrwiese und den Rote-Erde-Platz daneben. Mehrere Mannschaften haben zeitgleich trainiert. Im Winter war man kaum auf dem Platz. „Unvorstellbar, wenn man sieht, was heute für ein Aufwand betrieben wird, was Infrastruktur betrifft.“
Zum Vergleich der beiden Rapid-Rekordspieler (Hofmann Rekordspieler im gesamten, Schöttel Bundesliga-Rekordspieler) argumentiert Schöttel wiederum mit seinem verschmitzten Augenzwinkern mit trockenen Humor: „Für mich müssen ja alle Spiele gelten. Die Nachwuchsspiele genauso, die U21-Spiele, ... Ich habe in der Zeit über 60 Länderspiele... In irgendeiner Form hätte ich mir schon einen Modus überlegt, dass ich trotzdem noch vorne geblieben wäre.“ Schöttel schafft es, immer ernst zu bleiben. Man kann das Schmunzeln beim Zuhören aber nicht vermeiden.
Thema des Gesprächs sind die frühen 1990er Jahre mit u.a. den drei verlorenen Cup-Finali 1990, 1991 und 1993 und der Umgang damit. Das gewonnene Cupfinale 1995 war dann ein Punkt, ab dem Rapid wieder im Aufschwung war. Für das Selbstvertrauen extrem wichtig nennt Schöttel die Europacupspiele 1995/96 und erzählt davon sowie über 1996 als „das größte Jahr meiner Generation.“ Das Einlaufen in Old Trafford in der Champions League neben den damaligen Kapazundern sei einer der Momente, die hängen bleiben.

Interessant sind Schöttels Ausführungen über seine Defensivqualitäten und die Offensivaktionen. Hinten habe er auch das Risiko nicht gescheut, habe nicht nachgedacht: Es sei sein Job gewesen, Tore zu verhindern. Vorne hätte er etwa auch bei Standardsituationen irgendwo Angst gehabt, wenn er seinen Kopf hin halten musste.
Zur Endphase seiner Karriere und ihrer Beendigung durch Lothar Matthäus erzählt Schöttel, dass die Trainingsintensität durch „richtig langes, richtig häufiges Training“ immens gesteigert wurde und er gesagt habe, dass er am Wochenende helfen könne, wenn er die Intensität in der Woche reduziere. Doch Matthäus habe damit nichts anfangen können. Schöttel hatte daneben schon seine Trainerausbildung begonnen und war neben seiner aktiven Karriere bereits Nachwuchsleiter von Rapid. Der Abschied vom Fußballspielen sei ihm nicht schwer gefallen, da er dann sogleich Trainer der Rapid-Amateure wurde. 2003 wurde er Sportdirektor. Im Herbst 2006 sei bei ihm ein Nachdenkprozess passiert und er habe gespürt, dass er nach dreißig Jahren im Verein auf etwas anderes neugierig sei. Er habe gemerkt, dass es brodelt, aber hatte mit Edlinger schon vorher ein Gespräch gehabt, im Winter aufhören zu wollen. Die Beschmimpfungen haben das dann beschleunigt.

Auf die Frage „Hast du damals überlegt?“ wie ihn als damaligen Wiener Neustädter Trainer Rapid holen wollte, antwortet Schöttel wie aus der Pistole geschossen: „Nein. Also das war schon das Ziel.“ Wie er gesehen habe, dass es mit Wiener Neustadt als Trainer funktioniert (er brachte sie ins Cupfinale), habe er gewusst, jetzt würde es auch als Rapid-Trainer passen. Im weiteren Verlauf werden seine beiden Trainer-Saisonen durchgenommen. Schöttel reflektiert gewohnt sachlich und nüchtern. Am Schluss des Gesprächs geht es um Schöttels aktuelle ÖFB-Tätigkeit.

Wolfgang Hagen von den Rapid M@ilers stand als Oberarzt eines Wiener Gemeindespitals und Rapidfan im Block West zuletzt schon im Grantler Rede und Antwort. In der ersten 1899fm-Ausgabe 2021 erzählt er in Folge 45 über seine Fankarriere und seine Erfahrungen in der aktuellen Pandemie. Stationen seiner Fangeschichte sind das Aufwachsen in Vorarlberg, Beschäftigung mit Rapid im Auslandssemester, West-Abonnent seit 1996/97 und Mitglied in dem aus einer Mailingliste, offiziell 1998 entstandenen Fanklub M@ilers. Er erzählt, dass die 1994 gründete Rapid-Mailingliste eine der ersten ihrer Art von Fußballfans im deutschsprachigen Raum im noch jungen Internetz war. Später wurde diese Form der Kommunikation über E-Mail dann von Internet-Foren als Diskussionsplattform abgelöst. Der Kern des Fanklubs von damals sei geblieben, um Nachwuchs habe man sich nicht gekümmert.

Auf seinem Twitteraccount ist Hagen sehr aktiv: „Da sind mir früher die Leute früher vor allem wegen Rapid gefolgt, jetzt vor allem wegen dem Corona-Virus.“ Als Arzt in der Grippe-Station in Krankenhaus habe er auf die Corona-Entwicklung geschaut, bewusst wurde ihm die Dimension des Kommenden aber erst mit Bergamo. Er schildert in abgeklärten, ruhigen aber nichtsdestoweniger deutlichen Worten die Lage. Wie schon im angesprochenen TR-Interview führt er aus, dass er es sich nehmen ließ, ins Stadion zu gehen, als es ihm im Herbst dreimal möglich war. Das Sicherheitskonzept bewertet er als gut. Nur, dass man anfangs die Masken am Sitzplatz abnehmen durfte, fand er nicht gut. Die Menschenansammlungen vor den Lokalen draußen nach dem Spielen hielt er allerdings für problematisch.

Zur Belastung durch die vielen Schwerkranken im Spital sagt Hagen: „Der Unterschied ist auch gewesen, dass wir alle eigentlich in der ersten Welle das Gefühl gehabt haben, da passiert etwas, es ist ein Lockdown gewesen, die Politik reagiert. Im zweiten Lockdown, in der zweiten Welle, sind wir eigentlich vom Gefühl her ... ich habe das Gefühl gehabt, wir werden von der Politik ziemlich allein gelassen. Ich möchte betonen, das ist nicht vom Spital. Der Gesundheitsverbund, also der Konzern von den Gemeindespitälern: Wir haben im August schon einen Plan gehabt, wie das läuft. Wir haben auch immer die Schutzkleidung gehabt. Nicht immer gleich gut, aber wir haben die Schutzkleidung gehabt. Das hat funktioniert. In den Spitälern ist allen, die damit zu tun gehabt haben, bewusst gewesen, was das bedeutet. Aber in der Politik hat es bis in den Oktober gedauert, bis man überhaupt begonnen hat, sich Gedanken zu machen. Zumindest ist es das, was nach außen kommuniziert worden ist. Das war eigentlich das Zermürbende. Und eben wie viele Patienten es insgesamt waren. Deutlich mehr als in der ersten Welle. Weil eben die Maßnahmen gefehlt haben. Deswegen haben wir soviel mehr gehabt.“

Von Heinz Deutsch auf einen der gängigen Irrglauben angesprochen – der viel zur Verbreitung der Seuche beiträgt – dass man ohne Symptome nicht ansteckend sei, erklärt Hagen recht unmissverständlich, dass dies schlicht falsch ist. Gerade die Ansteckung anderer Menschen, während man selbst noch nichts von der Infektion merkt, mache das Gefährliche des Virus aus.
Vor dem Hintergrund der Erwartung, dass nach Anrollen der Impfungen „in absoluten Zahlen sicher weniger, aber doch sehr viele jüngere Leute, 40-, 60-jährige, die gesunden Erwachsenen sozusagen, in die Spitäler und auf die Intensivstation kommen, wenn die Leute sich wieder mehr treffen, weil die Lokale auch irgendwann wieder aufsperren werden,“ meint Hagen zum Ausblick auf den Sommer und die neue Saison, dass die Stadien wohl wieder aufsperren werden. Aber ob es dann wieder so sein kann, wie wir uns das wünschen, ist ungewiss. „Im Laufe der nächsten Saison, das glaube ich schon. Ob es mit Sommer/Frühherbst soweit sein kann, bin ich mir nicht so sicher.“ Auch hier verweist er aber wieder darauf, dass nicht das Stadion selbst, sondern das Danach das Problem darstelle. „Es ist grauenhaft, dass uns das weggenommen wird durch das Virus. Aber das Problem ist halt: Es hat keinen Sinn, dass man das Virus negiert.“ Das bedauere er als leidenschaftlicher Gasthausgeher. Er vermisse es wahnsinnig.

Freitag, 27. November 2020

1899fm – Folgen 42 und 43




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
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Christopher Dibon spricht in Folge 42 mit Heinz Deutsch über seinen Karriereweg und die aktuelle Lage. Als Profifußballer habe man derzeit ein Privileg, seinen Beruf ausüben zu können. Die Stmmung im Stadion fehle stark, gerade für junge Spieler wäre es aber ohne Druck leichter („die Jungs machen einen geilen Job“). Es fehle so aber auch für junge Spieler oder Neuzugänge die Anerkennung, denn „die kann einen Spieler auch wachsen lassen“
Themen des Gesprächs sind die Systemfrage („Ohne dass wir einen Wechsel brauchen, können wir das System wechseln, und das ist schon sehr, sehr cool für eine Mannschaft und tut uns auch in sehr vielen Spielen gut.“) und der Wochenablauf eines Rapidprofis in normalen Zeiten. Heinz Deutsch fragt hier nach Doppelbelastung, Gegnervorbereitung etc. und Dibon erzählt über den Ablauf in Wochen mit einem Spiel und in englischen Wochen.
„Der Weg stimmt,“ meint Dibon zu seiner Rekonvaleszenz. Gefragt nach seinen Gedanken für die Zeit nach seiner Karriere, erzählt er, dass er gerade die Berufsreifeprüfung mache. Die Trainerausbildung möchte er machen, aber sonst sei das noch offen. Im Hinterkopf habe er die eine oder andere Idee, aber der Fokus liege derzeit auf dem Spiel selbst.

Rapid-Präsident Martin Bruckner ist in Folge 43 aus Anlass des einjährigen Jubiläums seiner Wahl zu Gast. Zum bereits dritten Mal nach den Folgen Folge 11 und Folge 17. „Es hat extrem viel verändert,“ bilanziert er die Zäsur der Corona-Krise. Trotz der Schwierigkeiten habe man aber in wirtschaftlicher Hinsicht die Hausaufgaben gemacht, daher werde es den SK Rapid auch in dieser Form weiter geben „Da braucht sich keiner große Sorgen machen.“ Unter der Voraussetzung, dass es einen normalen weiteren Verlauf geben werde. „Wenn wir jetzt zwei Jahre ohne Zuschauer spielen müssten, dann müssten viele Themen neu diskutiert werden.“ Man gehe von einer Normalisierung im Jahr 2021 aus. Geplant werde mit verschiedenen Szenarien. Die Unsicherheit sei dennoch groß, aber so gehe es eben jedem. Man fahre auf Sicht.
Für die Solidarität des Rapidanhangs in der Krise bedankt sich Bruckner. Das sei nicht selbstverständlich und freue daher umso mehr.

Freitag, 30. Oktober 2020

1899fm – Folgen 40 und 41




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
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Helmut Mitter ist in Folge 40 zum zweiten Mal zu Gast, nach Folge 13, wo er als Vorstandsmitglied der Rechtshilfe Rapid, als aktives Mitglied des Block West und als von der Rapid-Mitgliederversammlung gewähltes Mitglied des Wahlkomitees für die Rapid-Präsidentenwahl sprach. Nunmehr kam er nach Rollenwechsel als Fanbeauftragter des SK Rapid zu Wort. Er definiert die neue Aufgabe, „ein Bindeglied“ zu sein, etwa die über zweihundert Fanklubs zu unterstützen und Ansprechpartner zu sein. Interessant ist sein Ansatz, Anreize zu bieten, dass sich neue Fanklubs gründen. Man arbeite da derzeit an Ideen. Großes Thema ist natürlich die schwierige Situation mit der Eintrittskartenvergabe in den gegenwärtigen Beschränkungen. Er verstehe Unverständnis und Unmut, aber man versuche mit einer unmöglichen Situation umzugehen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs ging es noch um die mittlerweile ohnehin weiter reduzierte Zahl von 3.000 Plätzen. Wenn man es im Nachhinein hört, wird einem wieder klar, wieviel Arbeit und Konzeption für einen längeren Zeitraum hinter den Vergabemodellen steckte, die dann aber aufgrund geänderter Regeln kurzzeitig wieder gekübelt werden mussten und somit ihren Zweck nicht erfüllen konnten. Drittes Thema ist das Spruchband beim Hartberg-Geisterspiel.

Fast schon ein Stammgast ist Laurin Rosenberg vom Rapideum, der zuvor in Folge 18 als regulärer Podcast-Gast sowie Folge 32 im Rahmen einer Reportage aus der Geschichte Rapids erzählen durfte. In Folge 41 ist das Thema das 90-jährige Jubiläum des Mitropa-Cup-Siegs Rapids 1930. Nachdem Rapid schon 1927 und 1928 im Finale gestanden war, konnte vor neunzig Jahren der wichtigste internationale Vereins-Wettbewerb jener Zeit gewonnen werden, der vom zeitgenössischen Prestige auf gleicher Ebene wie der erst zweieinhalb Jahrzehnte später begründete Europacup einzuordnen ist. Im Finale gegen Sparta Prag gewann Rapid im Hinspiel am 2. November 1930 im Stadion Letná vor 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauern 0:2 und verlor zwar das Rückspiel auf der Hohen Warte vor 40.000 Zuschauerinnen und Zuschauern am 12. November 1930 in einem dramatischen Spiel 2:3 (1:0, 1:1, 1:2, 2:2, 2:3), gewann aber dadurch den Mitropacup. Rosenberg erzählt über die Vorläufer und Entstehung des Bewerbs, sieht in ihm einen ideengeschichtlichen Vorläufer des europäischen Gedankens und berichtet über die beiden Finalspiele. Eine Sonderausstellung des Rapideums war ursprünglich beabsichtigt. Allerdings gäbe es Probleme mit zu wenig Objekten, wie Rosenberg sagte, und andererseits eben Corona. Stattdessen wird es jetzt erstmals eine vom Rapideum produzierte Festschrift zum Mitropacup-Sieg Rapid 1930 geben. Ich bin gespannt.
Kürzeres zweites Thema der Sendung ist der 6:1-Sieg Rapids über Arsenal 1953, im „fußballerisch stärksten Jahrzehnt“ der Rapidgeschichte, wie es Rosenberg nennt und darüber geradezu ins Schwärmen kommt. Sein Schlusswort an die Hörerinnen und Hörer: „G'sund bleiben! Schaut's auf euch, dass wir den Schaß da auch einmal bewältigen können.“

Donnerstag, 15. Oktober 2020

1899fm – Folgen 38 und 39




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
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In Folge 38 ist Fanlegende Roland Kresa zu Gast. Im September 1971 war er bei einem Länderspiel mit seinem Vater zum ersten Mal in einem Fußballstadion. Eine Woche später war er, Jahrgang 1963, bei einem Rapid-Nationalligaspiel gegen Simmering im Praterstadion. Im April 1972 habe er dann auf der Pfarrwiese sein erstes Rapidspiel in Hütteldorf gesehen. So erzählt er eingangs auf Heinz Deutschs Frage zu seinem Werdegang als Fan.
„Wir sind dort verloren gewesen.“ sagt er zu den Eindrücken nach der Übersiedlung von der Pfarrwiese in das damals neue alte Weststadion (später Hanappi-Stadion) 1977. Da man mit 200 bis 300 Leuten in einem Sektor mit 2.000 Plätzen gestanden ist: „Ein jeder ist irgendwo herumgeirrt.“ Das änderte sich mit der Zeit. Weitere Themen im Gespräch sind die Gründung der Löwen als Floridsdorfer jugendlicher Rapid-Fanklub 1979 sowie auch politische Verwerfungen und schlechter Ruf Rapids. Einen merkbaren Unterschied im Verhältnis des Vereins zu seinen Fans in den 1980er Jahren hält Kresa fest: „Es wurde eigentlich nie ein Dialog gesucht.“ Einen Dialog mit dem Verein habe es erst später unter Andy Marek gegeben.
Zur Gründungsphase der Ultras Rapid merkt er die tatsächlich erstaunliche Diskrepanz zwischen dem sportlichem Erfolg und dem Zerfall der damaligen Fanszene an, die „am auflösen“ gewesen war. Immer wieder amüsant ist das schon oft nacherzählte Gespräch zwischen ihm und Gerhard König über die Idee der Gründung von Ultras bei Rapid und die darauffolgenden ersten Fahrten nach Italien und den ausschlaggebenden Besuch eines Derbys in Genua. „Ich sage immer, wir waren eine Zwei-Mann-Show“ sagt Kresa mit Blick auf die ersten Jahre der UR und die Arbeit von Gerhard König und ihm selbst und spricht im weiteren Verlauf des Podcasts über die Anfangsjahre, „das richtige Durchstarten“ mit der ersten Choreographie 1992, die Generations-Übergabe 2003 oder die schwierige Frage des Umgangs mit den Spielen in der aktuellen Situation. „Solange ich gehen kann, möchte ich im Westsektor sein.“

Michi Hatz, langjähriger Spieler in den 1990er Jahren, erzählt in Folge 39 über seine Laufbahn. Als ihn Heinz Deutsch fragt, wer denn seinerzeit die Position von Trifon Ivanov besetzt habe, wenn dieser seine Ausflüge nach vorne gemacht habe, antwortet Hatz: „Eigentlich niemand. Wir waren da immer ein bisserl unterbesetzt.“ Wie sehr die österreichische Fußballwelt vor einem Vierteljahrhundert eine andere als heute war, erschließt sich auch aus Hatz' Schilderungen zum Wechsel in die Serie A zu Reggiana und Lecce. Er hatte hier die Umstellung von Rapid, wo noch mit Libero gespielt wurde, auf die Viererkette in Italien: „Das musste ich komplett lernen.“ In Italien lernte er auch das Taktiktraining kennen: „Es wurden da Spielzüge studiert. Wir sind manchmal nur am Platz herumgestanden und der Trainer ist mit dem Ball herumspaziert. Wenn der Ball jetzt da ist, wie verhältst du dich. Im Fernsehen und in den Medien ist das alles zerlegt worden bis in das kleinste Detail. Ich kannte das nicht aus Österreich. Das war sehr interessant und sehr spannend.“
Eine Neuigkeit war hier im Podcast auch zu erfahren: Hatz verriet, dass er an einem Buch über seine Zeit bei Rapid schreibt, das im Frühjahr erscheinen soll – 25 Jahre nach Meistertitel und Finale 1996. Ihn würden immer noch so viele Leute darauf ansprechen, was eine Motivation dafür gewesen sei. Er habe auch für das Buch viele Spiele von damals zum ersten Mal wieder angeschaut.

Freitag, 11. September 2020

1899fm – Folgen 36 und 37




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
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rapidarchiv.at ist womöglich die unscheinbarste und zugleich großartigste Seite in diesem Internetz. Einer der Masterminds, Gerald Pichler, ist in Folge 36 des Podcasts von Heinz Deutsch zu Gast. Er erzählt von seinem ersten Rapid-Stadionbesuch 1977: „Mich hat die Atmosphäre gleich beeindruckt. Auch wenn nicht so viele Leute da waren.“ 1980 habe er begonnen, Zeitungsberichte über Rapid bzw. den ganzen Sportteil der Zeitungen aufzuheben und das tue er bis heute. Die Rapidspieldaten erfasste er erst mit Schreibmaschine und dann per Computer, mit dem er dann auch Auswertungen machte. Für den historischen Rückblick habe er die über Rapid erschienenen Bücher gelesen und dabei festgestellt, dass sich die Schilderungen wiederholen. Ihn habe aber auch interessiert, was nicht drinnen stand. So habe er Recherche begonnen, um aus alten Zeitungen die Daten zu erfassen. Denn die Angaben in den Büchern waren nicht genug. „Ich bin dann draufgekommen, dass vieles falsch ist und auch manches fehlt.“ Es gäbe aber auch heute noch genügend Rapidspiele, von denen weder Torschützen noch Aufstellungen bekannt seien, weil auch Zeitungen damals darüber nicht berichteten.
Herbert Pawlek hatte er Anfang der 1990er Jahre beruflich kennengelernt und Pawlek organisiert die technische Umsetzung der Website, während Pichler die Daten liefert. Seit März 1998 ist das Rapidarchiv online, seit 2002 mit eigener Domain.
Die Freundschaftsspiele würde er gerne noch vervollständigen. Ein anderes Projekt sind die Jahreschroniken in Tagebucheintragsform. Ein Wunsch sei auch die Erfassung der U21 bzw. Amateure. Er selbst, so Pichler, verwende das Archiv täglich. „Ursprünglich habe ich das Archiv ja für mich gemacht, weil ich mir nicht alles merken kann, was passiert.“

Zoran Barišić ist in Folge 37 zum zweiten Mal nach Folge 9 zu Gast. Er analysiert das wichtige Europacupspiel bei Lokomotiva Zagreb und den damit verbundenen Druck. Themen waren auch der Kader, verschiedene Spieler und der Abschied von Stefan Schwab oder die Rapid II in der zweiten Liga. Gefragt nach dem Einsatz von Statistiken, wie es von Barnsley bekannt sei (zu nennen wäre auch Midtjylland), antwortet Barišić, Rapid arbeite auch mit Datenanalyse. Dies sei aber nur ein Hilfsmittel. Livebeobachtung eines Spielers im Spiel und beim Training sei wesentlich zur Einschätzung auch des Charakters.
„Jeder Tag ist eine neue Herausforderung.“ sagt er zu seinem Aufgabengebiet und Barišić hält auch fest, dass Rapid „auf Notbetrieb“ ist und vorsichtig agieren müsse. Wie immer, wenn man ihm zuhört, merkt man, dass das Hand und Fuß hat, was er sagt und tut.

Donnerstag, 20. August 2020

1899fm – Folgen 34 und 35




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
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In einer wieder etwas längeren Folge unternimmt Heinz Deutsch in Folge 34 seines 1899fm-Podcasts eine Zeitreise von den 1970er in die frühen 1990er Jahre mit Franz Binder jr., dem Manager des Vereins in dieser Zeit. Eingangs erzählt Binder vom Aufwachsen als Sohn des berühmten Franz „Bimbo“ Binder, wodurch er schon als Kind viel herumgekommen ist. 1979 bis 1985 und 1987 bis 1994 war Binder jun. Klubmanager („Leiter der Geschäftsstelle“) beim SK Rapid. Das Sekretariat übersiedelte er vom alten Büro am Urban-Loritz-Platz ins Weststadion (später Hanappi-Stadion). Im Stadion führte er die Sektorentrennung ein, wodurch es nicht mehr möglich war, sich billigere Hintertorkarten auf West und Ost zu kaufen und dann auf teurere Längsseitenplätze zu setzen. „Der Karten-Durchschnittspreis ist natürlich sprunghaft angestiegen und so konnte man eigentlich nach Jahren das erste Mal wieder sagen: Die Zuschauer tragen etwas zum Budget bei. Das war ja vorher derartig gering.“
Als Beispiel der Verhältnisse erzählt Binder von einem Heimspiel gegen Austria Salzburg: „Da waren dreieinhalbtausend Zuschauer. Dann macht unser 75-jähriger Kartenabrechner mit einer mechanischen Rechenmaschine die Kartenabrechnung, legt sie mir vor für meine ersten Unterschriften und ich sehe: Von 3.500 1.700 Freikarten. Da habe ich gesagt: Was ist denn das, wer kriegt denn die? Na, der hat 50 und der kriegt immer 20 und der ... Da habe ich gesagt: Wer muss was kriegen? Polizei, Rettung, ÖFB für die Ausweise etc. Das sind 350. Alle anderen sind gestrichen. So habe ich mit einer Unterschrift 1.200 Feinde gehabt. Es hat keine Freikarten mehr gegeben. Aber es war natürlich auch das Argument: Ihr wollt eine gute Mannschaft sehen? Eine gute Mannschaft kostet Geld und Geld bringen auch die Zuschauer.“ Er habe als einer der ersten Vereine auch einen professionellen Ordnerdienst mit einer Firma bestellt. „Denn was bei den Kartenabreißern passiert ist, war ja auch sensationell. Ich habe manchmal stichprobenartig die Sackerln einsammeln lassen, bevor die Drehkreuze geschlossen haben. Was man da alles drin gefunden hat, was als Karte abgerissen worden ist ... das hätte man ja ins Heimatmuseum geben können.“ Obwohl man für die Ordnerdienst-Firma zahlen haben müsse, habe Rapid am Spieltag mehr Nettoeinnahmen gehabt als vorher.
Ins Schwärmen kommt Binder verständlicherweise über die große Mannschaft der 1980er Jahre. Faszinierend, wie Binder sich detailliert bis in Einzelheiten an das berühmt-berüchtigte Celtic-Spiel 1984 oder an die Nebelschlacht von Lüttich 1989 erinnert und davon erzählt. Man hört gespannt zu. „Das Geheimnis der achtziger Jahre war, dass sieben oder acht Stammspieler alle vier Meisterschaften und alle vier Cupsiege mitgemacht haben.“ so Binder.

Während die letzten Ausgaben des Podcasts sich mehr mit der Vergangenheit beschäftigten, so Heinz Deutsch in der Einleitung, widmet sich Folge 35 mehr der Zukunft. Willi Schuldes, sportlicher Leiter von Nachwuchsakademie und Rapid II ist zu Gast. Schuldes erklärt zunächst den Aufbau der Nachwuchsstruktur bei Rapid. Zur Perspektive der Amas in der 2. Liga meint Schuldes, dass man genügend junge Spieler habe, für die es Sinn habe, in der zweiten Liga zum Einsatz zu kommen. Wichtiger sei aber, dass intern abgestimmt ist, dass der Übergang von der zweiten in die erste Mannschaft funktioniert als in welcher Liga sie spielen. Es habe aber mehr Sinn, wenn der Sprung nicht so groß sei. Nachwuchsligen-Tabellen schaue er sich unter dem Jahr nicht an, sagt Schuldes. Man versuche die Spiele zu gewinnen, aber nicht um des Gewinnens wegen, sondern weil man sein Konzept durchziehen wolle. In der Entwicklung und Ausbildung gehe es um individuelle Spieler und ihren Charakter. „Du brauchst einen Plan, Strategie, und Leute, die fähig sind, das umzusetzen. Und du brauchst im Nachwuchs Geduld, Zeit und Vertrauen. Vertrauen in deine Leute, aber auch das Vertrauen der handelnden Personen in dich.“ so Schuldes.

Freitag, 10. Juli 2020

1899fm – Folgen 32 und 33




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
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Eine Reportage von einer Führung im Rapideum bietet der 1899fm-Podcasts von Heinz Deutsch in Folge 32. Das Rapideum bietet seit 15. Juni wieder Führungen für angemeldete Gruppen an und Einzelpersonen können das Museum normal zu den Öffnungszeiten besuchen, berichtet Laurin Rosenberg, der schon Folge 18 zu Gast gewesen war. In der Sendung nimmt Heinz Deutsch an der Führung teil und berichtet von Rosenbergs Führungsschwerpunkten. Dazu interviewt Deutsch Teilnehmer aus der Gruppe, die über Rapid und das Rapideum sprechen. Für die meisten war es vor allem ein willkommenes Ereignis, nach den langen Monaten wieder zum Weststadion zu kommen, sich mit Rapid zu beschäftigen und Freunde zu treffen. „Es kommt immer wieder etwas Neues raus, es ändert sich immer wieder.“ bilanziert Führungsteilnehmer W., nachdem er schon mehrere Besuche und Führungen im Rapideum erlebt hatte. Er entdeckte wieder neue Aspekte: „Ich habe mir jetzt ein paar Exponate angeschaut, die ich mir vorher nicht angeschaut habe. Zum Beispiel das mit den Eintrittskarten. Ich habe nicht gewusst, dass die im August 1945 schon wieder gespiel haben. Da gibt es eine Kartenabrechnung. Das ist mir vorher nie aufgefallen.“ Zu glauben, nach einem Besuch oder einer Führung habe man alles gesehen, ist aufgrund der lebendigen Entwicklung des Museums ein Irrglauben. In den zutreffenden Worten von W.: „Es ist jedesmal wieder eine neue Erfahrung.“

„Rapid ist eine Leidenschaft, die wird man nicht los.“ Nurten Yılmaz, langjähriger Fan im Block West, Sprecherin des Ethikrats des SK Rapid und außerhalb der Hütteldorfer Welt Nationalratsabgeordnete für die SPÖ ist in Folge 33 zu Gast. Als erste Frau. Aus einer fußballbegeisterten Familie stammend gibt es, nur wenige Rapid-Heimspiele, die sie seit sie zwölf Jahre alt war nicht besucht hat, erzählt sie einleitend aus ihrer Biographie. Sie habe in den 1970er Jahren damals zuhause erzählt, sie wäre bei ihrer Freundin Regina, und ging stattdessen ins Stadion.
„Ich war schockiert. Nicht nur als Frau eigentlich sondern als Rapidlerin. Als jemand, der mit Herzblut in der Kurve ist und die Kurvenkultur immer und überall verteidigt. Dazu stehe ich und ich glaube an diese Kultur. Diese Kultur darf weder untergehen noch darf sie zerissen werden, weil sie etwas repräsentiert, das für mich sehr sehr wichtig ist. [...] Das war wie so ein Vertrauensbruch mir gegenüber. Dieses Vertrauen, dieses Grundvertrauen, das ich in die Kurve habe, dass man aufeinander schaut und das Leitbild, das wir gemacht haben [...]. Dieses Spruchband hat auch mit den leeren Rängen eigentlich überhaupt nichts zu tun. Die Verbindung kann ich nicht herstellen. Und ich habe viele Spruchbänder schon gesehen, gelesen, gehalten. Die waren intelligent und kreativ. Das hat mich nicht nur schockiert sondern auch stark getroffen. Ich bin echt gekränkt als Rapidlerin.“ sagt Yılmaz zum Spruchband beim Hartberg-Spiel. Im Ethikrat habe man dazu von Mitgliedern und Fans viele Beschwerden bekommen und es wird eine Stellungnahme an das Präsidium abgegeben.
Weiters erzählt Nurten Yılmaz von den Aufgaben und der Tätigkeit des Ethikrats, ihren Artikel im Standard zum Nürnberg-Prozess. Seither nutze sie jede öffentlich Aussprache mit einem Innenminister dazu, zu fragen, warum er gegen Kennzeichungspflicht für die Polizistinnen und Polizisten ist. Dafür nutze sie ihr politisches Mandat. Gefragt nach ihrem Umgang mit der Männerdominanz im Block West, verweist sie darauf, dass sie in der Fachschule für Elektrotechnik jahrelang als Schülerin das einzige Mädchen unter 800 Burschen gewesen sei. Sie habe sich das wegen der Sache angetan: „Ich wollte Elektrotechnikerin werden.“ Im Hanappi-Stadion wäre sie lange auf der Seite gewesen und dort habe sie nie singen können, wie sie singen wollte. Ihr Herz beginne zu pumpern, wenn sie in Ottakring in die S45 nach Hütteldorf einsteige. Ressentiments ihr gegenüber als Migrantin habe sie bei Rapid nie erlebt, als Frau schon.

Freitag, 12. Juni 2020

1899fm – Folgen 30 und 31




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Roman Horak, Kulturwissenschaftler, erzählt in Folge 30 des 1899fm-Podcasts von Heinz Deutsch, wie er aus der Forschung wieder zum Fußball und zu Rapid zurückgefunden hat. Aufgewachsen ist er in einem Dorf am Land, wo zeitgebunden anfangs der 1960er Jahren die Kinder entweder Sportclub- oder Austriaanhänger waren. Er wurde Rapidler, nachdem Rapid in einem Nachbardorf zu einem Spiel zu Gast gewesen war. Der wiedergewonnenen Zugang zu Rapid kam dann als junger Wissenschaftler aus der Forschungspraxis, nicht nur aus der Distanz über Fans zu schreiben, sondern mit ihnen mitzufahren. So war er in den frühe 1980er Jahren dadurch bei Auswärtsfahrten und im Stadion dabei. In seiner Wissenschaftlerbiographie ging er dann weiter zur Fußballgeschichte über und war für wesentliche Beiträge über Wien in der Zwischenkriegszeit mitverantwortlich. Seit circa 1984 geht er jetzt auch privat regelmäßig zu Rapid ins Stadion, in einer gewachsenen Freundesrunde von mittlerweile 15 Abonnenten.
Im Fanverhalten „geht ja nicht um den Fußball an sich“, hält Horak fest, „es geht um etwas Besonderes: Eine eigenartige, kaum erklärbare, aber doch da seiende Bindung an einen bestimmten Verein.“ Zum Fußball gehörten nicht nur Spieler sondern es gehören dazu auch die Zuschauerinnen und Zuschauer dazu. Sich ein Geisterspiel im Fernsehen ansehen zu müssen ist ein ganz anderes Erlebnis als im Stadion dabei zu sein: „Ich sehe nicht nur einen beschränkten Ausschnitt in diesem komischen Fernsehkastl, sondern ich bin Teil desselben. Das ist der wesentliche Unterschied: Ich bin als Zuseher im Stadion Teil des Geschehens.“
Horak geht auch auf die Abgrenzung zu Rivalen ein. „Die Zurückweisung und die Verachtung von Red Bull ist vor allem auch eine Verachtung dieses Nicht-Fußballvereins. Das sind eigentlich keine Gegner, weil das ist kein wirklicher Verein.“ Die Austria wäre hingegen ein jahrzehntelanger Gegner, „auf den man so bös sein kann, der einem so viel Leid zugefügt hat und manchmal auch Freude gewährt hat. Das ist eine ganz andere Qualität.“ Denn: „Ein Sieg gegen Red Bull ist ein Sieg des Fußballs per se, wie wir ihn seit über hundert Jahren verstehen. Ein Sieg über die Austria ist ein Sieg gegen jemand, der auch zu unserer Kultur gehört, aber das andere ist. Aber innerhalb einer Struktur. Red Bull ist eine andere Welt. Das ist die Antithese zu dem, was Fußball immer war.“
Gegenüber der gegenwärtigen Rapid der letzten Jahre ist Horak kritisch. So habe er „seit Jahren keine gescheite Partie mehr gesehen, wo ich mich gefreut habe vom Anfang bis zum Schluss.“ Es wären keine schlechten Fußballer, aber es passe nicht zu den Erwartungshaltungen, die man mit einem Rapidler verbinde. „Das Besondere geht mir irgendwie ab.“ erklärt er zum Stadiongefühl im neuen Weststadion. „Das Hanappi-Stadion war als Stadion etwas Besonderes.“
Spannend war Horaks deutlich artikulierte negative Bewertung der Gestaltung des FAK-Museums („völlig überladen“, „völlig angeramscht“, „ästhetisch letztklassig“, „ganz missglückt“). Das weckte erstmals den Gedanken, sich dieses vielleicht doch einmal anzuschauen.

Alexander Huber, langjähriger Rapid-Experte der Tageszeitung Kurier, bietet im Gespräch in Folge 31 seinen analytischen Blick von außen auf den Verein. Zu seiner persönlichen Geschichte erzählt er eingangs, dass er zweimal mit Herzogenburg in Testspielen gegen Rapid gespielt hat, seit 20 Jahren im Journalismus ist, seit 16 Jahren fix im Kurier ist und seit 2006 für den Kurier über Rapid berichtet.
Zur Bewertung der Geisterspiele verweist Huber auf die körperlichen Voraussetzungen: „Man darf nicht vergessen: Es war die längste Pause, die Profifußballer bisher in ihrem Leben hatten.“ Spielerisch seien die Spiele natürlich ausbaufähig, aber die Spieler sind eben keine Maschinen. Die Spiele würden über die Körperlichkeit entschieden werden. Im Gespräch mit Heinz Deutsch wird auch der Einfluss des Publikums auf ein Spiel diskutiert und Huber gibt dazu die Einschätzung, dass nach den Geisterspielen der Hunger der Fußballöffentlichkeit auf Stimmung in Stadien größer sein werde als er davor gewesen ist.
Rapid leide am meisten in der Krise, weil der größte Brocken in der Finanzierung jetzt weggefallen ist. Der nächste Kader werde nach der Krise billiger, jünger und „rapid-authentischer“ sein, meint Huber. Eine Hilfe werde dabei die gemeinsame Herangehensweise von Kühbauer und Barišić mit der Vorliebe für sinnvolles und gegen nicht sinnvolles Geldausgeben sein. Themen sind darüber hinaus die Verletzungsanfälligkeit, das LASK-Skandal, negative Energien im Verein, Fans und Medien, Transfers und einiges andere.

Samstag, 16. Mai 2020

1899fm – Folgen 28 und 29




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Peter Klinglmüller ist mit Unterbrechung seit zwei Jahrzehnten Medienverantwortlicher bei Rapid und erzählt in Folge 28 von seiner Tätigkeit. Zur Funktionsbeschreibung als – wie es offiziell heißt – Direktor Kommunikation, Medien & PR, sagt er: „Mir ist lieber ,Pressesprecher‘. Bei ,Direktor‘ denke ich immer an die Schulzeit und die hat mir nicht so getaugt.“ Er unterstütze den Podcast, wie er das bei anderen kreativen Projekten von Fans wie Forza Rapid auch tue. Dass dies keine Selbstverständlichkeit sei, hält Heinz Deutsch mit Verweis auf die Erfahrung deutscher Podcast-Kollegen mit ihren jeweiligen Vereinen fest. Die Schilderung seiner Fanbiographie, die Heinz Deutsch traditionell zu Beginn erfragt, geht bei Klinglmüller in die Erzählung über, wie er über einen Studentenjob in Berührung mit dem Verein kam, Verbesserungsvorschläge einreichte und von Andy Marek ins neugegründete Klubservice aufgenommen wurde. Mit 27 Jahren schrieb er eine Job Desciption für einen Pressesprecher und wurde von Werner Kuhn im Jahr 2000 angestellt. Von 1.7.2006 bis 31.1.2012 arbeitete er zwischendurch beim ÖFB und nennt für diese Zeit als Höhepunkte die drei Turniere U19-EM in Oberösterreich, die EM 2008 und die U20-WM in Kolumbien.
Von den Aufgaben her habe sich die Medienarbeit in zwanzig Jahren stark verändert. Als er in der ersten Woche als Rapid-Pressesprecher die Aussendungen von Fax auf E-Mail umgestellt habe, habe es einen Aufschrei gegeben. Die massivste Veränderung sei, dass alles schneller geworden ist. Rund um das Spiel sei heute im Ablauf alles viel reglementierter als zu Beginn der 2000er Jahre. Mit ersten richtig professionellen Bedingungen habe man 2005 in der Champions League zu tun gehabt − mittlerweile seien die Vorgaben der Europa League strenger als damals dort. Als Kuriosität berichtet er von einer Begebenheit bei der Champions-League-Pressekonferenz des FC Bayern München 2005, als sich in den Mauern des Happel-Stadions eine Fledermaus in den Raum verirrte und herumsauste.

Um die Lords Rapid geht es in Folge 29, in der Chris und Moriz zu Gast sind. Zu den „Frühzeiten“ ihres Fanlebens gefragt, erzählt Moriz wie er als Kind fasziniert wurde und wie er 2010 sein letztes Rapidpiel verpasst hatte, weil er von der Sprachreise mit der Schule wegen Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull und der damaligen Einstellung des Flugverkehrs nicht heim konnte. Auch Chris erzählt, wie er „immer mehr hineingewachsen“ ist und 2004 auf die Ost ging. Zur virulenten Thematik der Geisterspiele wird festgehalten, dass man die aktuelle Situation natürlich sehe, aber es nicht so sein dürfe, dass „die Saison mit Geisterspielen durchgedrückt wird und das Produkt Geisterspiele dadurch salonfähig wird“. Da liege eine Gefahr.
„Ich bin von Sekunde 1, wo ich bei Lord Rapid war, auch Vorsänger,“ berichtet Chris aus der Fanklubgeschichte und seinem persönlichen Werdegang. Von Ultrà sei man am Anfang noch weit weg gewesen, das sei gewachsen. Die ersten Saisonen wären „rein von Spaß und Liebe zu Rapid geprägt“ gewesen. Nach zwei Saisonen habe man ernsthafter gearbeitet. Moriz verweist auch darauf, dass die Gruppe zu Beginn extrem jung war. Größter Sprung bei den Choreos wäre 2010 gewesen. Die Nachricht vom Stadionabriss und damit dem Ende der gewohnten Ostkurve kam plötzlich: „Das war 2014, wo wir mitten in den Vorbereitungen für das zehnjährige Jubiläum gesteckt sind und gerade eigentlich für die Saison 2014/15 auf das Hanappi ausgemessen an unserer Zehnjahres-Choreo gemalt haben,“ erinnert sich Moriz, „und auf einmal kommt die Meldung: Das Hanappi wird dann nicht mehr stehen, wo ihr die Choreo machen wollt's.“ In Tag- und Nachtarbeit sei dann binnen drei Wochen die Choreo fertiggestellt worden, damit sie beim Abschiedsspiel gezeigt werden konnte. Der Stadionabriss wäre der denkbar schlechteste Zeitpunkt für sie gewesen, da die Ostkurve damals am Höhepunkt gewesen sei. Im neuen Weststadion sei es für sie „ein ganz anderes Stadionerlebnis.“ Als Einsergruppe in der Ostkurve habe man einen ganz anderen Zugang gehabt. Der Verein bemüht, das neue Weststadion in Zusammenarbeit mit der Szene bestmöglich zu gestalten. Besonders leiwand könne er es aber nicht finden, so Chris, „weil ich ganz einfach nicht vom Hanappi-Stadion abgenabelt bin, weil ich ganz einfach kein modernes Stadion haben will.“
„Es ist ein Projekt, was wir leider eingestellt haben.“ tut Chris zum Fanzine Ostbote kund. Es habe Spaß gemacht, daran zu arbeiten. Aber das Interesse an Fanzines gehe generell in der Kurve zurück. So sei es zwar schade darum, „aber auf Muss durchpeitschen macht keinen Sinn.“

Freitag, 17. April 2020

1899fm – Folgen 26 und 27




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Zum Thema des Umgangs Rapids mit der Coronakrise spricht Heinz Deutsch in Folge 26 des Podcasts mit Geschäftsführer Christoph Peschek. Dieser ist damit zum zweiten Mal zu Gast. Peschek berichtet, dass bei Rapid alle gesund sind und er hoffe, dass dies auch so bleiben möge. Er schätzt den finanziellen Schaden im Worst Case im laufenden Geschäftsjahr (bis 30.6.) auf sechs Mio. €. Man habe daher verschiedene Maßnahmen ergriffen. Auf die Dauer werde es Rapid aber nicht bewältigen können, Fixkosten ohne Erlöse zu haben. Für alles, was Kosten betreffe, habe man „derzeit die Pausetaste gedrückt.“ Ein Meisterschaftabbruch würde viele rechtliche Fragen aufwerfen, daher sei es das Ziel, die Meisterschaft sportlich zu beenden. Er verweist aber auch darauf, dass „wenn es jetzt zu einem Abbruch käme, wir die fairste Tabelle in Europa hätten,“ da ja jeder gegen jeden einmal daheim und auswärts gespielt hat. Er kommuniziere mit Sponsoren, Fans, Funktionären und Mitarbeitern und stellt fest, dass man merke, dass alle Rapid gut durch diese Phase der Ausnahmesituation führen wollen.

Für eine Spezialausgabe unter dem Titel „Mein erstes Mal“ hatte Heinz Deutsch einen Aufruf an seine Hörerinnen und Hörer gestartet, sich mit der Erzählung ihres ersten Rapidspielerlebnisses zu beteiligen. Einleitend erzählt Deutsch hier in Folge 27 von seinem ersten Besuch eines Rapidspiels im April 1977 (siehe dazu auch Folge 1). Es bietet sich dann ein vielfältiger Querschnitt verschiedener Generationen und Erfahrungen, beginnend mit der Zwölfjährigen Rosi Bachinger, deren erstes Rapidspiel mit dem Abschiedsspiel des Hanappi-Stadions 2014 gleich ein ganz besonderes war. Die Choreo und das Singen von „Rapid Wien Lebenssinn“ hat sie fasziniert. Peter Klinglmüller erzählt vom Rapidspiel bei der Union Wels 1983, einem 2:2 nach 0:2 in Unterzahl mit den Rapidtoren in der Rapidviertelstunde. Renata vom Fanklub Die Klempner stieg bei einem Derby im Praterstadion 1990 ein und „Masseneuphorie, Hexenkessel, Gänsehaut, Enthusiamus“ waren ihre Eindrücke vom 3:0-Sieg. Fredi vom Xindl erzählt, wie er gleich bei seinem ersten Spielbesuch im Herbst 1977 am Sportclubplatz Teil eines vom verstorbenen Koby veranlassten Corteo wurde, „ohne dass wir damals gewusst haben, dass das überhaupt so heißt.“

Donnerstag, 2. April 2020

1899fm – Folgen 24 und 25




Rezension


Heinz Deutsch
1899fm
Rapidfunk
1899fm.net







Stefan Singer von den Flo Town Boys, Mitglied des neugewählten Rapid-Präsidiums, ist in Folge 24 des Podcasts von Heinz Deutsch zu Gast. Eingangs erzählt er wie alle Gäste seine persönliche Fangeschichte, vom ersten Spielbesuch 1976 bei einem Derby im Praterstadion und dem darauffolgenden zweiten Spiel bereits auf der Pfarrwiese. Dabei hatte er, wie er erzählt, bereits eine selbstgemachte Fahne mit, da ihm beim ersten Spiel die damaligen „Fahnenschwenker“ (die am Beginn der Fanszene bei Rapid standen) faszinierten. 1980 war er Gründungsmitglied des Fanklubs Löwen, aus dem die heutigen Flo Town Boys hervorgingen. Ende der 80er Jahre wurde er Vereinsmitglied und Ende der 90er Jahre hatte er erste Funktionen im Verein, wurde Mitgliederreferent, Mitglied des Vorstands, des Kuratoriums sowie jetzt des Präsidiums. Heinz Deutsch fragt ihn nach der Doppelrolle als Fan und Funktionär, da ja Fans oft sehr kritisch sind. Singer hält es „sogar für wichtig, dass Funktionäre nicht seelenlose Apparatschiks sind, denen nur Zahlen wichtig sind“. Es unterscheide den Fußball vom normalem Wirtschaftsbetrieb, dass das Herz dabei ist. Zum Spannungsfeld zwischen den unterschiedlichen Tribünen (Block West, VIP, Osttribüne), meint er, dass die Rapidfans „ein vielfältiges Völkchen“ seien und die Liebe zum Verein unterschiedlich ausgelebt werde. Das sehe er auch im eigenen Fanklub: „Wir sind ein bißchen aktive Fanszene, aber doch nicht so richtig.“ und so gebe es auch verschiedene Herangehensweisen. Die Vielfalt bringe vielleicht manchmal Konflikte, mache die Sache auch schön. Weitere Themen im Gespräch sind die Hopp-Debatte in Deutschland und das Rapid-Nachwuchszentrum.

Ballesterer brennt! ist das Thema der Folge 25. Die erste Ausgabe des 1899fm-Podcasts, die sich aus aktuellem Anlass nicht spezifisch um Rapid dreht. Ballesterer-Chefredakteur Jakob Rosenberg spricht mit Heinz Deutsch zunächst über seine Fanbiographie und wie er zum Ballesterer kam und erklärt dann die Situation, die durch die allgemeine Unsicherheit in der Coronaviruskrise noch an Brisanz gewonnen hat: Niemand weiß wann und wie es mit dem Fußball und der Wirtschaft weitergeht, Firmen haben Inserate storniert und die wie alle Schwerpunktausgaben zu Nationenwettkampfturnieren sich besonders gut verkaufende EM-Ausgabe wird ausfallen. Generell erklärt er, dass die finanzielle Situation seit zwanzig Jahren immer schwierig war und jetzt dramatisch war. Die ersten Reaktionen auf den Hilferuf waren aber sehr positiv. Es laufe eine „Solidaritätswelle,“ die ihnen auch sehr nahe gehe. Für die Zukunft zeige dies auch, dass das Potential noch nicht ausgeschöpft sei. In der Vergangenheit sei das Hauptaugenmerk auf der inhaltlichen Professionalisierung gelegen und dabei wären die wirtschaftlichen Strukturen vernachlässigt worden. Als „Kernstück der Kampagne“ nennt er den Supporters Club, wofür man rund 400 Leute gewinnen möchte, die dem Ballesterer auf einer regelmäßigen Basis Geld spenden und dadurch langfristig finanzielle Planungssicherheit geben. Der Medienwandel treffe ein Magazin wie den Ballesterer insofern weniger als die Zeit, die für Tagesaktualität fehle, dafür da sei, mehr in die Tiefe zu gehen.
Weiters erzählt Jakob Rosenberg aus der Geschichte des Hefts, von den Anfängen von Gründer Reinhard Krennhuber und diversen Meilensteinen in zwei Jahrzehnten. Vereinsübergreifend zu sein, sei für den Ballesterer immer wichtig und wesentlich gewesen, so Rosenberg. Red-Bull-Fan gäbe es keinen, aber sonst gebe es aus allen großen Vereinen Österreichs Leute in der Redaktion. Gerade beim emotionalisierten Thema des eigenen Fantums schaue man sehr genau drauf, gleichzeitig wäre das aber auch ein Thema, wo man es nie allen recht machen könne. „Was bei uns anders ist als bei anderen Medien, ist, dass wir Ultras oder Fans zu Wort kommen lassen.“ Damit, journalistisch sauber zu arbeiten, fair und transparent, habe man sich gegenseitigen Respekt erarbeitet.
Zur aktuellen Situation des Fußballs tut sich auch Jakob Rosenberg schwer, Prognosen zu machen. Fußball vor leeren Rängen hält er nicht für ein taugliches Modell. Der Fußball wisse auch, woher das Geld herkomme – dass sie nicht nur eine sportliche Leistung sondern auch eine Stimmung verkaufen und dafür auch die Fans brauchen.