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Donnerstag, 17. Januar 2013

Spiel der Götter


Rezension


Spiel der Götter
Als Buddha den Fußball entdeckte
(Phörpa)
Bhutan/Australien 1999
Regie: Khyentse Norbu
u.a. mit Orgyen Tobgyal, Neten Chokling, Jamyang Lodro




Auch an einem abgeschiedenen tibetischen Exilkloster in Indien geht im Sommer 1998 die Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich nicht vorbei. Besonders gepackt hat die Fußball-Begeisterung zwei Novizen im Teenageralter, vor allem den kleinen Orgyen mit brasiliengelbem Ronaldo-Leiberl unter der roten Mönchskutte und mit ausgeschnittenen Zeitungsfotos an der Wand seiner Zelle. Sie stehlen sich in der Nacht in Zivilkleidung aus dem Kloster, um in einem Dorf WM-Matches zu sehen. Die Fußballbegeisterung kontrastiert dieser Film mit den traditionellen religiösen Ritualen des buddhistischen Klosterlebens, in das die Fußball-WM wie ein Lichtschein der Moderne einbricht.

„Gibt es in deinem Leben noch etwas außer Fußball?“
„Aber es geht um's Endspiel!“


Schließlich gelingt es ihnen, die Erlaubnis vom Abt zu bekommen, sich das WM-Finale zusammen im Kloster anzusehen. Dafür wird Geld zusammengeklaubt, werden Fernsehgerät und Satellitenschüssel gemietet und per Traktor ins Kloster transportiert.

Ein sehr schöner Film über die emotionale Kraft, die der Fußball in aller Welt entfaltet. Mitsamt Moral: Ist ein Fußballspiel es wirklich wert, ohne Rücksicht auf andere alles dafür zu versetzen?
Basierend auf einer wahren Geschichte.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Offside


Rezension

Offside
(Frauen im Abseits)
Iran 2006
Regie: Jafar Panahi
u.a. mit: Shima Mobarak-Shahi, Safar Samandar, Shayesteh Irani, Ayda Sadeqi, Golnaz Farmani





Knisternde Spannung vor dem entscheidenden WM-Qualifikationsspiel des Iran. Die Massen wälzen sich zum Stadion. Doch Frauen sind darin im Iran verboten. Ein Umstand, den fußballbegeisterte junge Frauen mittels allerlei Verkleidung, Tricks und Maskerade zu umgehen versuchen. In einer liebevollen Komödie zeigt der Film die Absurdität der Situation. Vor dem Stadion werden die dabei entdeckten Frauen zunächst in einem Gatter festgehalten. Sie versuchen mittels eines wesentlich fußball-ahnungsloseren Polizisten Eindrücke vom Spiel zu erhaschen und ihren Wachen die Absurdität ihrer Inhaftierung und des Frauenverbots im Stadion zu vermitteln. Hier erreicht der Film zugleich das komische Niveau einer Groteske (Toilettengang mit einem vorgespannten Spielerposter vorm Gesicht) und einer scharfen politischen Anklage gegen die Unterdrückung der Frauen im religiös-patriarchalisch-fundamentalistischen Regime des Iran.

Die Fahrt im Gefangenenbus durch die nach dem Sieg feiernde Stadt gerät schließlich immer mehr außer Kontrolle (die Wunderkerzen!), sodaß die Frauen entkommen können. Ein teilweises Happy End im Film, das im realen Leben von der Wirklichkeit des Lebens im Iran überschattet wird. In der Repressionswelle nach der Niederschlagung der Massenproteste gegen die gefälschten Präsidentenwahlen 2009 wurde 2010 u.a. auch der mit internationalen Filmpreisen hochdekorierte Regisseur Jafar Panahi verhaftet und wegen seiner Regimekritik zu sechs Jahren Gefängnis sowie zwanzig Jahren Berufsverbot verurteilt.

Donnerstag, 7. April 2011

Aus der Tiefe des Raumes... mitten ins Netz!


Rezension

Aus der Tiefe des Raumes... mitten ins Netz!
Deutschland 2004
Regie: Gil Mehmert
u.a. mit: Arndt Schwering-Sohnrey, Eckhard Preuß, Mira Bartuschek
DVD: 11 Freunde Edition Nr.11




Eine Groteske, die etwas sperrig beginnt, schlußendlich aber dann doch Charme entwickelt. Der Inhalt ist genauso einfach erzählt wie schwierig nachzuvollziehen: Westdeutschland, 1960er Jahre, im Milieu professioneller Tipp-Kick-Spieler. Eine Spielzeugfußballfigur wird in einem Gewitter zum Mensch, dann zum echten Fußballer und schließlich als Günther Netzer zum Fußballsuperstar.
Darauf muß man auch einmal kommen. Die Realität ist in diesem filmischen Märchen nur ein Zitat, die reale Welt des Fußballs findet aber ihren Platz − Berti Vogts! − und fügt sich ins Bild.
Kein Fußballfilm, den man gesehen haben muß, aber doch eine originelle Idee, die einiges an grotesker Komik bietet und gefällig umgesetzt wurde. Ein Fußballmärchenfilm.

Dienstag, 28. September 2010

WAGs


Rezension

WAGs − wives and girlfriends
(SpielerFrauen'09)
Deutschland 2009
Regie: Evi Goldbrunner, Joachim Dollhopf
u.a. mit: Vesela Kazakova, Sonja Gerhardt





Ein Kurzfilm über eine menschliche Schattenseite des Fußballgeschäfts. Im Blickfeld steht die Einsamkeit der Freundinnen und Frauen von Profifußballern in ständig wechselnden Städten, in denen sie kaum Wurzeln schlagen können. Ein Leben in Luxus. Gleichwohl ein trauriges Luxusleben weit weg von der Familie und lange allein, während der Gespons Zeit mit Fußball verbringt.

Die beiden Protagonistinnen des Films sind eine bulgarische und eine deutsche Spielerfrau, die der Zufall des runden Balls in der Sommer-Transferzeit für kurze Zeit zusammenbringt und die nach Anfangsschwierigkeiten Freundschaft schließen − bis der Freund der einen kurz darauf zu einem anderen Verein in eine andere Stadt wechselt.

Das große Thema ist aber noch mehr als die Einsamkeit die Frage nach der eigenen Person und der eigenen Selbstverwirklichung. Bist du eine WAG, deren Leben darin besteht, kleine Kicker mit den Genen des Superstarvaters zu gebären und hübsch auszusehen? Ist das ein Leben? Ein Anhängsel, das mal dahin und mal dorthin mitgeht, wo immer der Freund oder Mann gerade spielt? Oder willst du doch eine eigene Person mit eigenen Interessen, gar Berufsperspektive sein?

Eine Frage, die der Film in sehr nüchternen, aber trotzdem emotionalen Bildern anreißt.

Dienstag, 27. Juli 2010

More Than Just A Game


Rezension

More Than Just A Game
Südafrika 2007
Regie: Junaid Ahmed
u.a. mit: Presley Chweneyagae, Wright Ngubeni, Tshepo Maseko






Nach dem Ende der WM ist das Scheinwerferlicht wieder ausgeschaltet und man kann sich wieder abseits des Hypes mit Südafrika befassen. Der Film More Than Just A Game erzählt, wie eine Gruppe politischer Häftlinge auf Robben Island, im düstersten Gefängnis des Apartheid-Südafrika, in den 1960er Jahren das Recht erkämpfte, Fußball zu spielen.

Vier Jahre dauerte es, bis die Gefängnisleitung den wiederholten Anträgen der Gefangenen stattgab, am Wochenende, wenn sie nicht im Steinbruch harte Zwangsarbeit leisten mußten, kicken zu dürfen. Ein Stein kam ins Rollen. Erst improvisiert, entstand schließlich im Lauf der Zeit ein professionell organisierter Spielbetrieb mit über 200 Spielern in drei Klassen, die Makana Football Association. Die Hartnäckigkeit, mit der die Erlaubnis ertrotzt wurde und die Akribie, mit der diszipliniert das Spiel abgewickelt wurde, war ein Akt des Widerstands gegen die rassistische Politik des "weißen" Regimes, das auf die "schwarzen" Afrikaner herabschaute. 1969 gab es schließlich sogar ein den FIFA-Regeln entsprechendes Spielfeld. Es gab Fans, umstrittene Schiedsrichterentscheidungen, Skandale und Protestkomitees − eine komplette Fußballwelt.

In semidokumentarischer Erzählweise, halb Spielfilm und halb durch Interviews mit den historischen Personen, bringt einem der Film nahe, wie bahnbrechend die Selbstorganisation als Widerstandshandlung im Gefängnissystem war und wie sehr sie zugleich als Rettung in den langen Jahren der Haft diente. Schließlich konnten die Häftlinge die Zellen nur für die Arbeit im Steinbruch oder eben zum Fußballspielen verlassen. Auch wenn es die filmische Umsetzung nicht ist, so ist doch diese Geschichte beeindruckend.

Donnerstag, 27. Mai 2010

Schicksalsspiel

Rezension

Schicksalsspiel
Deutschland 1993
Regie: Bernd Schadewald
u.a. mit: Niels Bruno Schmidt, Nicolette Krebitz, Benno Fürmann




Im Rahmen eines Schwerpunkts zu den Aufstiegsfeierlichkeiten des FC St. Pauli lief im Programm des NDR ein Fernsehfilm, der ein wahres Kleinod des Fußballfilms darstellt.
Obwohl eigentlich mehr Liebesgeschichte als Fußballfilm, denn es ist eine Variation des Themas von Romeo und Julia.

1993 entstanden, spielt der Film im kurz zuvor (1991) entbrannten und bis heute haßerfüllten Konflikt zwischen − linken − St.Pauli-Fans und − rechten − Fans von Hansa Rostock. Eingewoben werden daher auch zeitgenössische dokumentarische Szenen und Aussagen involvierter Fans.

Vor diesem Hintergrund, im Kulturkonflikt von Ost und West im frisch wiedervereinigten Deutschland, zwischen linker und rechter Jugendsubkultur, im Milieu jugendlicher halbstarker Provokationslust und Hooliganismus erleben zwei Menschen aus so verschiedenen Ecken ihre tragische Liebe.

Die Geschichte ist sehr plakativ gezeichnet. Die Rostocker sind dumpfe Nazis und gemeingefährliche Gewalttäter. Die St.Pauli-Fans Mittelschicht-Punks im zerstörerischen Selbstmitleid. Aber dennoch packt der Film einen und ist geradezu, ja, rührend. Dazu wird das Fußballfangefühl auf Auswärtsfahrten gut vermittelt − und die bedrückende Gewalttätigkeit der Zeit. Leider wenig zeitgenössische Eindrücke gibt es aus dem alten Rostocker Ostseestadion und vom Hamburger Millerntorstadion vor Um- und Ausbau.

Mittwoch, 12. Mai 2010

Kick off


Rezension

Kick off
Österreich 2009
Regie: Hüseyin Tabak
u.a. mit Serkan Yavuz, Orhan Yıldırım, Hansi Kovac, Gilbert Prilasnig






Ein Film, der nur so vor Lebensfreude und Lebensmut sprüht. Hüseyin Tabak begeleitet in seiner Dokumentation das österreichische Team bei seinen Vorbereitungen für den Homeless World Cup im Straßenfußball und beim Turnier in Melbourne 2008.

Durchaus bedrückend die harten Lebensgeschichten der Akteure − Alkohol, Drogen, Obdachlosigkeit und Kriminal sowie deren Nachwirkungen. Das ganze immer respektvoll den Personen gegenüber, wodurch ohne voyeuristischen Blick Menschen und Lebensumstände nähergebracht werden. Unheimlich sympathisch der vertraut heimische Zugang an den Turnierverlauf zwischen himmelhoch-jauchzend ("Vielleicht werden wir ja doch Weltmeister" nach dem Auftaktsieg gegen die Gastgeber) und zu Tode betrübt.

Ein großartig erzählter Film. Auf jeden Fall Werbung für ein tolles Sozialprojekt, das Menschen Perspektiven bietet.

Fußball als Schlüssel zum Leben. Wie schön.

Mittwoch, 7. Januar 2009

The Football Factory


Rezension

The Football Factory
Großbritannien 2004
Regie: Nick Love
u.a. mit: Danny Dyer, Frank Harper
DVD: 11 Freunde Edition Nr.2






Die vor ein paar Jahren gehypte britische "Hooligan-Literatur" mit ihrer Heroisierung von Gewalt war für mich schon immer eher uninteressant. Auch wenn ich das außerordentlich gelungene I Furiosi schätze, das ja aber hier weder vom Stil noch vom - italienischen - Hintergrund in diese Reihe paßt.

Das Buch The Football Factory von John King habe ich daher nicht gelesen und auch die Verfilmung bis jetzt nicht angeschaut. Der Film erzählt in seinen guten Momenten vom Gruppenleben und Lebensgefühl des Hooligans. Ein ästhetischer Film, der in seinem dokumentarischen Aspekt das "normale" bürgerliche Leben unter der Woche bzw. zwischen den Wochenenden einfängt. Trotz guter schauspielerischer Darbietungen, "schöner" Bilder und passender Musik habe ich mich aber dennoch weitgehend fadisiert. Die Ästhetisierung der Bilder war mir eigentlich sogar zu viel, zu positiv - auch wenn die Konsequenzen der Gewalt hart gezeigt werden und in Form der Frau mit Kinderwagen zu Beginn und des alten Opas sogar gleich zwei Kassandren mit der Frage, ob die Gewalt das denn alles wert sei, auftreten.

P.S.: Wenn schon ästhetisierte Gewalt, dann spreche ich mich nachdrücklich für gute Italowestern und Mafia-Filme aus. ;-)

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Nordkurve


Rezension

Nordkurve
Deutschland 1992
Regie: Adolf Winkelmann
u.a. mit: Renate Krößner, Daniel Berger, Hermann Lause, Stefan Jürgens
DVD: 11 Freunde Edition Nr.6





Der Film bietet Impressionen aus verschiedenen Welten des Fußballs - Fans, Gewalttäter, Spieler, Spielervater, Vorstandsetage, Polizei... Verwoben und unabhängig voneinander werden verschiedene Geschichten ihres Erlebens eines Spieltages - sehr lebensnah - erzählt. Ein Spieltag eines fiktiven Vereins namens "Union 86", der unschwer anhand Stadt, Farben und Stadion als Borussia Dortmund auszumachen ist. Im Audiokommentar der DVD sagt Regisseur Winkelmann: "Die Hauptfigur ist nicht dieser oder jener, sondern der Samstag. Der Samstag, an dem dieses Fußballspiel stattfindet."

Auffällig ist der Ton, bei dem die authentische Geräuschkulisse offenbar wichtiger war als das Verständnis jedes Wortfetzens der Dialoge. Optisch besonders beeindruckend sind die Bilder vom Dortmunder Westfalenstadion Anfang der 90er Jahre, vor dem Ausbau. Selbst wenn eine ganz und gar verrückte Geschichte gesponnen wird - wie die eines psychisch angeknacksten Spielers, der sich aus dem Stadion in die Innenstadt verläuft und dort Opfer der Gewaltlust eigener Anhänger wird - wirkt alles ob der derart gut eingefangenen und gezeichneten Welt des Fußballs "wahr".

Frauen kommen in dieser Welt zwar vor, aber fast nur als (tatsächliches oder perspektivisches) Betthupferl oder als Beiwagerl. Der Vereinspräsident erklärt der mikrophonhaltenden Jungjournalistin seine Sicht der Dinge, der Fan erklärt seiner Begleiterin zum Match seine Gewaltphilosophie: "Wenn der Kaukoreit den Elfer nicht so lässig geschossen hätte, dann wären die Klos jetzt noch ganz. So mußt du das sehen. Wenn der Elfer richtig gesessen hätte, dann wären wir nie auf solche Gedanken gekommen, dann wären wir jetzt glücklich gewesen."

Der 1992 entstandene Film ist Teil einer Ruhrgebiets-Trilogie von Adolf Winkelmann. So ist der Ort Dortmund auch nur beispielhaft für das Leben in dieser westdeutschen Region, der Titel Nordkurve stammt aus zugrundeliegenden Geschichten des Drehbuchautors über den Rivalen Schalke 04 (dessen Fanblock im Norden ist, während jener der Dortmunder sich im Süden befindet).