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Donnerstag, 12. März 2026

Wir sind der Verein


Rezension

Wir sind der Verein
10 Jahre Gate 2 Admira
120 Jahre Admira Wacker
30 Jahre Südstadt Fanatics
Eine Produktion von Gate 2 Admira
2026
125 Min.

Premiere: Cinema Paradiso Baden 12.3.2026




Einen zweistündigen Film produzierte die Gate 2 Admira anlässlich des dreifachen Jubiläumsjahrs 2025 von 120 Jahren Admira Wacker, 30 Jahren Südstadt Fanatics und zehn Jahren Gate 2 Admira, das sie in der Saison 2025/26 begehen. Premieren-Ort war ein 99 Jahre altes Kino in Baden bei Wien. 1927 wurde es hier in der Beethovengasse als Beethovenkino eröffnet. Nach der Schließung 2013 übernahm das St. Pöltner Cinema Paradiso den traditionellen Kino-Standort und führt ihn als Cinema Paradiso Baden weiter. Die 170 Kinosaalplätze waren ausverkauft. Vor dem Filmabend hatte sich die Fanszene von Admira Wacker am Badener Hauptplatz getroffen und eingestimmt.

Von Kurvenszenen und Tifobildern unterbrochen beinhaltet den Film die in Interviews und Gesprächsrunden verschiedener Personen erzählte Geschichte von Gruppe, Fanszene und Verein. Im ersten Teil geht es um die Gate 2 Admira. Man hört über ihre Gründung, die Namensfindung und ihr Logo. Die drei Gründer erzählen über steinige Anfänge, ihr jugendlichen Alter zur Beginnzeit und die Entwicklung der Gruppe. Auch andere aus der Gruppe kommen zu Wort.
Im zweiten Teil des Films sind die Südstadt Fanatics dran, wo zwei Protagonisten über sie erzählen und auch die Vorgeschichte mit dem 1991 gegründeten Black & White Supporters Club zur Sprache kommt. Auch die Initiative Gebt 8 auf die Admira und der Blog Kurvenlage kommen vor.
Im dritten Teil des Films erzählen Spieler- und Trainer-Legende über ihre Zeit mit Admira Wacker. Am prägnantesten sind hier wohl die Aussagen von Ernst Baumeister über den vom Investor installierten Felix Magath, dem er attestiert „sehr weit weg vom aktuellen Fußball“ gewesen zu sein, mit Ansichten aus der Vergangenheit, wie wenn er „die letzten zehn oder 15 Jahre in einer Höhle gelebt“ hätte. Auch Didi Kühbauer erzählt aus seinen Admira-Jahren und aus den 1960er und 1980er Jahren erzählen jeweils Vierer-Runden an Legenden. Einige der Legenden waren auch am Premierenabend zu Gast wie Josef Wahl, Double-Sieger mit der Admira 1965/66.

Der Film bietet eine seltene Mischung aus Gruppen-, Fanszene- und Vereinsgeschichte.

Freitag, 9. Januar 2026

Aura einer Legende





Rezension


Aura einer Legende
125 Jahre Erster Fußball-Club Nürnberg
Regie: Christian Mössner, Bernd Siegler, Alexander Diezinger und Matthias Hunger
Deutschland 2025
127 Min.



Breitenseer Lichtspiele, 9.1.2026





Der FCN-Jubiläumsfilm in einer Sondervorstellung in Wien. Die Ultras Rapid veranstalteten die Filmvorführung im Zeichen der Freundschaft im ältesten noch bestehenden Kino der Stadt, den seit 1909 bestehenden Breitenseer Lichtspielen in Wien XIV. Ein geschichtsträchtiger Ort, an dem es zuletzt auch A guardia di una fede zu sehen gab und der einen würdigen Rahmen bot.
Der als No-Budget-Film von ausgewiesenen Experten auf eigene Kosten in der Qualität eines High-Budget-Films zum 125-jährigen Jubiläum des 1900 gegründeten 1. FC Nürnberg gestaltete Film erzählt über den Club und seine Historie nicht chronologisch, sondern anhand von 25 exemplarischen Geschichten. Diese tragen die Handlung und werden mit nachgespielten Szenen, literarischen Vorträgen von Gedichten, Liedern, historischen Filmszenen und Fernsehbildern sowie vor allem in 26 Interviews mit Spielerlegenden, Fans und Funktionären dargestellt. In der Kraft des Wortes ihrer Erzählungen liegt die Kraft des Films.
Die Episoden sind sehr unterschiedlich. Einen guten Einblick in vergangene Zeiten geben nicht nur die Interviews sondern etwa auch private Filmaufnahmen von großen Reisen in den 1950er und 1960er Jahren. Gleich der Einstieg des Films ist hart, mit der Geschichte des Tormanns Georg Köhl, der als verwundeter Soldat im Zweiten Weltkrieg die notwendige Amputation des Arms verweigerte, weil er später wieder für den FCN spielen wollte, und daran daher kurz darauf starb. Es sind schöne Geschichten aus weiter zurückliegender Vergangenheit und jüngerer Zeit. Es wäre aber nicht der Club, wenn nicht auch Abstiege Thema wären. Der große DFB-Pokal-Sieg 2007 ist auch schon bald zwei Jahrzehnte her, man kann sich aber noch gut an ihn erinnern und er kommt im Film wie die anderen Titelgewinne natürlich vor.
Filmemacher Christian Mössner, bekannt nicht nur von zuletzt Großer Bruder und Generationen 25, sprach mit Oliver von den Ultras Rapid einleitende Worte vor dem Film und danach gab es noch einmal eine Reflexions-Runde. Einprägsam sind seine Worte über die „zwei 1. FC Nürnberg“, nämlich den dominanten, Titel gewinnenden Verein bis 1968 und den uns danach bis heute bekannten Verein mit viel Auf und Ab, der oft stolperte, aber auch jedesmal wieder aufstand. Beide gehören zur Identität des Clubs.
„Aura. *altgriechisch: αὔρα aura ‚Lufthauch‘. Die Aura, die den 1. FC Nürnberg umweht ist immer spürbar, aber kaum greifbar.“ wird zu Beginn des Films der Titel erklärt. Der Film macht die Aura einer Legende greifbarer.

Mittwoch, 28. Mai 2025

Herz der Kurve





Rezension

Herz der Kurve
25 Jahre Union '99 Ultrà Salzburg
Ultras Salzburg Dokumentation 2025
59 Min.



„Die ganze Welt kennt Mozart.“ lautet der erste Satz des Films. Der vermummte Mozartkopf ist ist das unverkennbare Symbol der Union '99 Ultrà Salzburg. In diesem einstündigen Film erzählen sie im Nachgang des vorjährigen 25-jährigen Jubiläums von sich. Mitglieder der älteren Generation und auch Jüngere sprechen über die Gruppe, ihre Geschichte und ihre Bedeutung für sie sowie über das Leben als Ultras. Dazu gibt es sowohl alte Filmaufnahmen aus den 2000er Jahren wie aktuellere Bilder. Im Film kommt man schnell auf den Bruch 2005 mit Red Bull sowie die Wiedergründung des Vereins und den Neubeginn zu sprechen. Thema ist u.a. der Einsatz für den Stadionneubau, der dann in Wals-Siezenheim umgesetzt wurde und der Fanszene im Unterschied zum Stadion Lehen eine eigene Kurve brachte. Zu sehen ist etwa die 5-Jahres-Choreographie der UU dort im Jahr 2004.

„Die Idee der Gründung 1999 war, alle ultraorientierten Leute in Salzburg zu bündeln. Die Kräfte zu bündeln.“ sagt Salva im Interview. Es gab Hochs und Tiefs. Der Film ist keine Gesamtdarstellung der Geschichte der Gruppe oder gar des Vereins, sondern vermittelt Themen und Grundsätze. Der Schmerz um den Tod des Mitglieds Gerli 2006 wird sehr deutlich, als das Thema angesprochen wird. Gut erkennbar wird die tiefe Freundschaft mit Udinese und Barletta in den Filmsequenzen und Interviews. Interessant sind auch die Passagen zur 20-Jahres-Jubiläums-Choreographie zum 20-Jahre-Jubiläum 2019. Die abschließenden Bilder des Films kommen von der 25-Jahres-Choreographie 2024.


Der Film hatte im April 2025 im Salzburger Mozartkino an einem passenden Ort Premiere und ist auf USB-Stick bei der UU erhältlich.

Dienstag, 10. Dezember 2024

A guardia di una fede



Rezension


A guardia di una fede
Ein Film von Andrea Zambelli.
Mit Claudio „Bocia“ Galimberti.
Italien 2023
102 Min.



Breitenseer Lichtspiele, 8.12.2024



Ein mit Spannung erwarteter Film über den mit den meisten staatlichen Repressionen belegten Mann in der Welt der italienischen Ultras: Claudio „Bocia“ Galimberti, legendäre Führungspersönlichkeit der Ultras von Atalanta Bergamasca Calcio.

Die Ultras Rapid organisierten die Filmvorführung in den schönen Breitenseer Lichtspielen in Wien XIV, dem ältesten Kino der Stadt, am 8. Dezember 2024. Dazu gestalteten sie eine sehr informative Ausstellung über die Ultras von Atalanta in ihren Räumlichkeiten. Lehrreich und gut gemacht. Darüber wird man auch im nächsten Block West Echo 46 lesen können und darf sich schon darauf freuen.


Der Filmverleih Rotzfrech Cinema und Erlebnis Fußball präsentieren derzeit eine Tournee des Films im Originalton mit deutschen Untertiteln, bei der es neben internen Veranstaltungen wie hier auch öffentliche Vorführungen gibt. Deren Termine sind auf rotzfrech-cinema.com einzusehen. Der Tag in den Breitenseer Lichtspielen war eine exklusive Veranstaltung der Ultras Rapid.


Zum Film gab es einleitende und abschließende Worte von Seiten der Ultras Rapid selbst. Oliver sprach etwa über die Eindrücke, als man 2002 auf Besuch in Venedig den Atalanta-Gästemob gegenüber erlebte. Dazu zeigten die UR drei Videobotschaften, einerseits von Persönlichkeiten von Veneziamestre und Sampdoria, die italienischen Hintergrund beisteuerten und den Film einordneten, und andererseits als Höhepunkt eine Nachricht von Bocia selbst. Seine Worte an Rapid sind die erste und einzige Videobotschaft, die er bislang an das Publikum einer Filmvorführung im deutschsprachigen Raum richtete.


Guly (Ventisei Giugno 1987) hob den wichtigen Schritt der Ultras von Atalanta mit der Bildung der Dell’Atalanta Supporters (1998) hervor, da sie eine neue Idee des Tifo mit der Umsetzung des für die Ultraskultur so bedeutenden Wortinhalts von aggregazione in einem gemeinsamen Bergamo-Banner entwickelt haben. Auch wenn man seit Mitte der 1990er Jahre feindlich gegenüber stehe, tue man dies mit vollem Respekt.


Nadir (Ultras Tito Cucchiaroni) sprach von den Eindrücken aus der Vorführung des Films in Genua und bezeichnete Claudio als einen Freund, der die Sprache der Ultras spricht, im old fashioned way, wodurch man sich untereinander versteht. Was ihm zugestoßen sei, müsse erzählt werden und soll nicht vergessen werden. Im Film höre und lerne man Worte und Sätze, die man innerlich spüre, wenn man Ultras in sich hat.


Bocia bedankte sich in persönlichen Worten für die Aufmerksamkeit, welche die Ultras von Rapid ihm schenkten. Er betonte Leidenschaft und Würde und die Ideale der Ultras sowie die Bedeutung von Freundschaft und Respekt. Seinen Gruß „Lunga vita! Grazie!“ kann man an ihn nur zurückgeben.


Die Masse an Justizverfahren mit Hausarrest und sogenannter Sonderüberwachung, was zu seinem gerichtlichen Aufenthaltsverbot in Bergamo führte, wird im Film nur gestriffen. Das im Detail nachzuerzählen, hätte wohl den Rahmen gesprengt. Man kann aber erahnen, welch Belastung das darstellen musste. Bocias Augen leuchten, wenn er von Atalanta spricht, auch wenn er nun als Fischer am Meer weit weg in Senigallia leben muss und in einem Pferdegestüt arbeitet. Diese notgedrungenen Lebensumstände werden im Film gezeigt und kontrastierten deutlich zu den historischen Filmsequenzen, die Bocia im Kreise seiner Ultras zeigen. Diese Passagen sind ein beeindruckendes Zeitdokument. Wenn man ihn hier reden hört, etwa zu seinen Leuten auf einer Zugfahrt zum großen Rivalen Brescia 2006, um sich auf einer Demonstration mit ihnen gegen Polizeigewalt zu solidarisieren, oder ihn etwa auf der Bühne der Festa della Dea agieren sieht, hört und sieht man eine charismatische Person. Man spürt, was mit A guardia di una fede („Wächter eines Glaubens“) in Bergamo gemeint ist. Davon hätte man noch stundenlang mehr sehen können.
Bocia bei der Arbeit als Fischer und im Pferdestall zu sehen und ihn dabei hören zu müssen, wie er weiter über Atalanta, die Kurve und Ultrasmentalität als Lebensinhalt spricht, ist tragisch. Es ist ein Film über einen Mann, der sich trotz aller Repression nicht brechen lassen will. Allein am Meer im Exilort Senigallia, 350 Kilometer von Bergamo, stehend, sagt er: „L'ultimo mio campionato con l'abbonamento io feci nel 2001. Sono 30 anni diffida quest'anno. 30 anni di DASPO.“ („Meine letzte Meisterschaft mit einem Abo war 2001. Man hat mich für dreißig Jahre ausgeschlossen. Dreißig Jahre Stadionverbot.“) Mit der Bekräftigung nicht aufzugeben, auch wenn er auch jetzt ständig unter Verdacht stehe.