Sonntag, 14. Juni 2026

Avola – Kamarat 1:1 (1:1)

Italien, Eccellenza Spareggi Nazionali, secondo turno, ritorno, 14.6.2026
Stadio Meno Di Pasquale, 1.750
30°C

Avola schaffte gegen Kamarat nach 53 Jahren die Rückkehr in die Serie D. In einem Play-off-Finale um die Serie D zweier sizilianischer Vereine ging es in einer ausgeglichenen Partie für Avola um den größten Erfolg seit einem halben Jahrhundert, seit dem Abstieg aus der Serie D 1973, und für die Gäste der SSD Kamarat 1972 aus der in der Provinz von Agrigento liegenden Stadt Cammarata, überhaupt um den erstmaligen Aufstieg in die Serie D in ihrer Vereinsgeschichte. Sie waren erst 2025 über Play-offs wieder aus der sechstklassigen Promozione in die Eccellenza aufgestiegen und hier gleich in die nationale Phase der Play-offs gekommen. Nach einem knappen 0:1 im Hinspiel dank eines Tors in Minute 99 war Avola mit Vorteil in das Rückspiel gegangen. Nach einer halben Stunde erzielte jedoch die Gäste ein Tor und glichen somit aus. Noch vor der Pause konnte aber auch Avola treffen und somit in der Gesamtrechnung auf 2:1 stellen. In der Nachspielzeit hätte Kamarat mit einem Kopfball um Haaresbreite das Spiel in die Verlängerung gebracht, es blieb aber beim 1:1. Damit hat Avola den Aufstieg geschafft. 1.350 Avola-Fans feierten. Schließlich ging auch das Tor zum Spielfeld auf und die Leute jubelten im Innenraum mit der Mannschaft. Für Kamarat bleibt ein Rest Hoffnung über den Sommer. Falls ein Verein in den kommenden Wochen und Monaten aus der Serie D durch Rückzug oder Pleite ausfällt, was vorkommt, könnten sie als bestplatziertes Team der Play-offs der Eccellenza nachrücken.
„A 90 dalla storia“ stand vor dem Sektor der Ultras von Avola als Spruchband zu Spielbeginn. 90 Minuten waren sie vom Schreiben von Geschichte entfernt. Mit einer zu diesem Spiel neu aufgebauten Stahlrohrtribüne mit 150 Plätzen neben der Haupttribüne bekamen sie hier ihren eigenen Bereich. Rund 25 Minuten vor Beginn zogen sie in einem stimmungsvollen Corteo ins Stadion ein und betraten ihre Tribüne. Aktiv ist hier neben den Alten der seit 1993 bestehenden Alterati der 2024 gebildete Zusammenschluss der Avola Ultras. Auffällig ist ihre Symbolik mit drei Gorillas in Bienen-Kostüm, was sich auf die Abbildung von drei Bienen im Stadtwappen von Avola bezieht. „allo spirito di sacrificio e laboriosità che questo fantastico insetto ha nei confronti della propria collettività, del proprio gruppo, l'idea di rappresentare tre gorilla trasvestiti da api sta a significare il salto generazionale per omaggiare metaforicamente anche i giovanissimi che come le api anche sé più piccole hanno una forma mentis onorabile e dedita al gruppo, come Gorilla generalmente pacifici ma se minacciati mostrano la loro temibile forza battendosi i pugni sul petto, comportamento che intimidisce rivali e aggressori; in sintesi LABORIOSI COME API & FORTI COME GORILLA, da qui i Gorilla mascherati da Api“ („Dem Geist der Aufopferung und des Fleißes, den dieses fantastische Insekt gegenüber seiner Gemeinschaft, seiner Gruppe, an den Tag legt, entspricht die Idee, drei Gorillas als Bienen darzustellen. Sie ist eine metaphorische Hommage an die Jüngsten, die – wie Bienen, wenn auch kleiner – eine ehrenhafte und gemeinschaftsorientierte Denkweise besitzen. Wie Gorillas sind sie im Allgemeinen friedlich, doch wenn sie sich bedroht fühlen, zeigen sie ihre beeindruckende Stärke, indem sie sich mit den Fäusten auf die Brust schlagen – ein Verhalten, das Rivalen und Angreifer einschüchtert. Kurz gesagt: Fleißig wie Bienen und stark wie Gorillas – daher die Gorillas in Bienengestalt.“) schrieben sie in ihrem im Juli 2024 veröffentlichten Comunicato. Ein prägender Mann der Tifoseria von Avola war der 2017 mit nur 27 Jahren schwer krank verstorbene ehemaligen Capo der 2008 gegründete Seguaci Avola, Sebastiano Parentignoti. Genannt wurde er auf sizilianisch „prufissuri“ (Lehrer, italienisch professore). Am Sektor hängt ein Fetzen „professore vive“, an der Stadionaußenwand ist er überlebensgroß gemalt mit dem Spruch „eternamente ultras“ („Ultras für immer“) zu sehen und zu Spielbeginn skandierten die Ultras von Avola in seinem Andenken „Professore, capo dell'ultrà“. Am Folgetag hätte er Geburtstag gehabt. Mit dabei waren in Avola an diesem großen Tag auch die Freunde von den Ultras Cassibile.
Auf der Haupttribüne waren rote und blaue Fahnen in den Vereinsfarben verteilt, die zu Beginn und Spielende geschwenkt wurden. Auf der offenen Gegenseite gab es rote und blaue Zettel, die zu Spielbeginn hochgehalten wurden. Die Ränge waren richtig voll. Abseits des Abstands zwischen Gästesektor und Heimbereich auf der offenen Längsseite gab es auch keinen Pufferblock oder gesperrte Bereiche.
Ein 400-köpfiger Gästeanhang von Kamarat war nach Avola gekommen. Um die Ultras der Muntanari (sizilianisch für „Leute aus den Bergen“, italienisch wäre montanari) war der Supportkern. Blaue Fahnen wurden zu Spielbeginn geschwenkt. Die Muntanari hatten auch große Schwenkfahnen und leiteten mit Trommel und Vorsängern den Tifo. In Heimspielen hatten sie zuletzt mit spektakulären Choreographien im regionalen Play-off gegen San Giorgio Piana und im Hinspiel gegen Avola beeindruckt.
Die ASD Calcio Avola 1949 wurde 1949 aus katholisch-kirchlichem Umfeld unter dem Namen Stella Maris in Avola (Àvula auf sizilianisch) gegründet. Aus dieser Entstehungsgeschichte stammten auch die Gründungsfarben Blau-Weiß, die man als Farben der Maria bis 1974/75 trug. Erst danach stellte man auf das heutige Blau-Rot um. 1949/50 begann man in der Terza Categoria, der untersten Spielklasse. Als Meister der Prima Categoria Sicilia, Girone B 1969/70 erreichte der Verein den bis dato größten Erfolg mit dem Aufstieg in die Serie D und benannte sich in US Avola um. Drei Saisonen hielt sich Avola 1970/71 bis 1972/73 in der Serie D, die sie bislang nie wieder erreichte. Am knappsten war man 2010/11 dran gewesen, als Avola in den Play-offs der Eccellenza ins regionale Finale kam, dieses aber verlor. 2025/26 schaffte man es darüber hinaus in die landesweiten Play-offs und auch hier ins Finale. Auffällig ist in der Geschichtsbetrachtung die Instabilität: Man stieg sehr häufig und schnell ab und auf. Nur dreimal in acht Jahrzehnten Vereinsgeschichte blieb man über fünf Saisonen in einer Liga: 1949/50 bis 1953/54 in der Terza Categoria zu Beginn, 1954/55 bis 1958/59 in der Seconda Categoria nach dem ersten Aufstieg und 1979/80 bis 1983/84 in der Promozione.
Auffällig ist das Vereinswappen. Die sechseckige Form erinnert an den Grundriss als Sechseck der neugebauten Stadt nach der Zerstörung des an anderer Stelle in den Bergen gelegenen alten Avola beim Erdbeben von 1693. Die darin abgebildeten Bienen stehen für den sprichwörtlichen Bienenfleiß der Bevölkerung Avolas sowie die seit der Antike hier in den Bergen betriebene Honigproduktion.
Das Stadio Meno Di Pasquale wurde 1970 eröffnet. Die 2011 fertiggestellte überdachte Tribüne und die unüberdachten alten Ränge gegenüber bieten jeweils rund 900 Plätze. Am Spielfeld ist seit 2019 ein Kunstrasen verlegt. Der Stadionvorplatz ist in Gedenken an die Kämpfe um Avola im Juli 1943 im Zuge der Befreiung Siziliens im Zweiten Weltkrieg benannt.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Avola besichtigt.

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