Freitag, 5. Juni 2026
Gmünd – Melk 2:0 (0:0)
Niederösterreich, 2. Landesliga West, 29. Runde, 5.6.2026
SC Gmünd Stadion, 180
Wichtiger Sieg im Abstiegskampf in Gmünd. In einem engen Match gingen die Gmünder nach einer Stunde gegen den SC Melk in Führung und konnten die drei Punkte mit dem 2:0 in der Nachspielzeit fixieren. Der Klassenerhalt ist hingegen noch nicht fixiert, zumal auch noch Unsicherheit über die Anzahl der absteigenden Vereine besteht. Mit guter Platzierung als Tabellenelfter können die Gmünder aber nun mit gutem Gefühl in der letzten Runde zu Oed/Zeillern fahren.
Bereits vorige Woche wollte Gmünd im Auswärtsspiel in Absdorf drei Punkte erreichen, musste sich aber mit einem erneuten Remis zufrieden geben. Die zahlreich angereisten Fans hatten ihre Mannschaft auch mit Pyro gefeiert . Da dies vom Verband unter Strafe steht, gab es vom Gmünder Fanblock diesmal nur mehrmals „Pyrotechnik ist doch kein Verbrechen“ zu hören. Das ganze Spiel über stimmte man hier trommelunterstützt Fangesänge an. Mit gutem Rapid-Einschlag wie z.B. bei „SC Gmünd Lebenssinn“. Sehr beliebt waren auch Gesänge gegen den Rivalen ASV Schrems. Denn da diese aus der Landesliga absteigen, kommt es bei Gmünder Klassenerhalt nächste Saison wieder zu den großen Derbys. Früher gab es in Gmünd die Eagles und ihnen folgte die Gruppe Unity. Beeindruckend war hier die Choreographie zum 20-jährigen Jubiläum des SC Gmünd 2021, bei der eine 60 Meter lange Überrollfahne mit abgebildeten Wappen der Vorgängervereine die Tribüne zum Spruchband „Viel zu lang war Gmünd geteilt – seit 20 Jahr als SC Gmünd vereint“ schmückte.
Der SC Gmünd wurde 2001 aus der Fusion des seit 1923 bestehenden und damals in der Gebietsliga spielenden, proletarisch geprägten und auch Gmünd II genannten Neustadt kommenden EPSV Gmünd und der seit 1919 bestehenden und damals in der 2. Landesliga spielenden, bürgerlichen und aus der Altstadt kommenden 1. SVg Gmünd gegründet. Nachdem in der 2. Landesliga in der ersten gemeinsamen Saison noch knapp der Klassenerhalt geschafft wurde, folgte in der zweiten Saison der Abstieg in die Gebietsliga. 2007 stieg der Fusionsverein wieder in die 2. Landesliga West auf, in der man 2007/08 bis 2017/18 spielte und in der man nach Wiederaufstieg 2022 seit 2022/23 nun wiederum spielt.
Der EPSV Gmünd war 1923 als Arbeiter Sport Klub Gmünd von Eisenbahnern des Gmünder Bahnhofs und Mitgliedern des Turn-und Sportverein Gmünd gegründet worden. Nach dem Verbot aller sozialdemokratischen Arbeitervereine durch den Austrofaschismus im Februar 1934 wurde der Verein von ehemaligen Mitgliedern 1935 als Sportvereinigung Gmünd/Neustadt im Gewerkschaftsbund wieder ins Leben gerufen und wurde auf Anhieb gleich Meister der Gruppe Waldviertel im damaligen Gewerkschaftsbund-Spielbetrieb. Die Nazis lösten den Verein 1938 auf. Nach der Befreiung 1945 gründete man den Verein 1946 als ASK Vorwärts Gmünd wieder. 1948 wurde der Eisenbahnerverein durch Fusion mit dem Post-Sportverein Gmünd 1947 zum Eisenbahn-Postsportverein (E.P.S.V.) Gmünd. Die große Zeit waren die 1990er Jahre, als der EPSV Gmünd 1990/91 bis 1996/97 in der Regionalliga Ost in der dritthöchsten österreichischen Spielklasse spielte. 1988 bis 1992 spielte hier mit dem Tschechen Ladislav Vízek am Ende seiner Karriere ein 55-facher tschechoslowakischer Teamspieler, der mit Dukla Praha dreimal tschechoslowakischer Meister und zweimal Cupsieger geworden war und vor dem Wechsel nach Gmünd zwei Saisonen bei Le Havre in der ersten französischen Liga gespielt hatte. Nachdem er zuvor ab 1985 beim Lokalrivalen gewesen war, spielte 1991 bis zu seinem Karriereende mit 47 Jahren 1997 im Tor des EPSV Gmünd mit dem Tschechien Josef Hron der Rekordspieler von Zbrojovka Brno, der mit ihnen 1977/78 tschechoslowakischer Meister geworden war. Mit der Schach-Sektion besteht der EPSV Gmünd auch nach der Fusionierung der Fußballsektion als Verein weiter.
Die 1. SVg Gmünd war 1919 als Deutsche Sportvereinigung Gmünd gegründet worden. Bereits 1920 trat der DSV Gmünd dem Niederösterreichischen Fußballverband bei, gründete aber auch zahlreiche weitere Sportsektionen und war im bürgerlichen, deutschnationalen Milieu der Stadt Gmünd verwurzelt. Nach der Spielbetriebseinstellung im Zweiten Weltkrieg wurde nach der Befreiung 1945 auch die Sportvereinigung 1946 wiedergegründet und nannte sich nun ohne „deutsch“ 1. SVg Gmünd. In den 1970er Jahren spielte die Sportvereinigung in der Oberliga und in den 1980er und 1990er Jahren in der 2. Landesliga West. Auch hier besteht der Verein nach Fusionierung der Fußballsektion weiter, Tennis ist hier heute die Hauptsportart. 1969 feierte man das 50-jährige Vereinsjubiläum mit Errichtung einer Flutlichtanlage und deren Eröffnung mit einem Gastspiel des LASK. Fußball wird am Sportplatz der 1. SVg. Gmünd nicht mehr gespielt
Der ehemalige EPSV-Sportplatz ist seit der Fusion die Spielstätte des neuen SC Gmünd. Birkenstadion nannte man die Anlage lange, allerdings mussten die Birken gefällt werden. Blickfang ist hier nun jedenfalls die Verbindung von Eisenbahnromantik und Fußball in Gmünd. Als Kantine nutzt man hier einen in den 1990er Jahren ausrangierten Eisenbahn-Waggon, auf den die Eisenbahnersportler seinerzeit Zugriff hatten. Der SC Gmünd hat auf der Anlage 2009 bis 2011 das neue große Kabinengebäude auf der Längsseite errichtet.
Der Sportplatz liegt an der Lagerstraße. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs richtete die Habsburgermonarchie hier das Flüchtlingslager Gmünd ein. Auf dem Rückzug vor der russischen Armee verbrannte und zerstörte die k.u.k. Armee nach ihren Niederlagen 1914 systematisch die Dörfer und Siedlungen und vertrieb die Bevölkerung – Untertanen der Monarchie in den Kronländern Galizien und Bukowina – daraus, wenn sie diese nicht wie tausende andere Staatsbürgerinnen und Staatsbürger dort in der Paranoia vor angeblich überall steckenden Spionen mit Bajonett und am Galgen ermordete. Rund 30.000 Menschen (Höchstbelegung von 31.000 im Jahr 1917) brachte man in Holzbaracken zu je 200 bis 250 Betten in einem 550.000m² großen Areal großen Areal außerhalb des Gmünder Stadtzentrums hier unter. Im Mai 1915 kamen von der Armee aus Istrien vor dem neuen Kriegsschauplatz Italien Vertriebene hinzu. Nach Ende des Krieges 1918 und dem Ende der militärischen Bewachung des Lagers brachen die Flüchtlinge auf den Heimweg auf. Aus dem großen leeren Lager entstand ein neuer Stadtteil Gmünds, Gmünd II oder Gmünd-Neustadt genannt.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Gmünd besichtigt und das erkundet.
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