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Sonntag, 2. Mai 2021

11 Freunde, 234




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 234, Mai 2021
116 S.









„Bereits in anderthalb Jahren, am 21. November 2022 um 13 Uhr Ortszeit, soll die Weltmeisterschaft in Katar beginnen. Seit der WM 1978 im Folterstaat Argentinien war kein Turnier so umstritten wie dieses.“ leitet das Editorial das Titelthema des Hefts ein. Beschrieben wird, warum sich Katar einen Platz in der Sportwelt kauft (politisch-geostrategische Absicherung der Herrschaftsdynastie zur weiteren Selbständigkeit des Emirats), wie die FIFA dank großangelegter Korruption die WM dorthin vergab und wie das tausende migrantische Arbeiter mit ihrem Leben und ihrer Gesundheit auf den Baustellen des Landes bezahlen (6.500 tote Arbeiter in den letzten Jahren!). Mit der Hoffnung, sich für ihr Zuhause Geld zu verdienen, werden sie von Agenturen nach Katar verkauft und dort ausgebeutet.
Anschaulich beschreibt das ein 25-jähriger Nepalese in der Reportage, der 730 Euro dafür zahlen musste, um 2015 bis 2020 fünf Jahre im Baugewerbe in Katar zu arbeiten: „Ich konnte das Geld kaum zurückzahlen, denn ich bekam nur den Mindestlohn von 1000 katarischen Riyals, und das Leben in Katar ist sehr teuer. Wir bekamen zwar zehn Kilo Reis pro Monat, aber wenn wir was anderes essen wollten, mussten wir es uns selbst kaufen. Wir waren zu viert in einem Raum untergebracht, in Hochbetten. Weil die Matratzen durchgelegen waren und stanken, mussten wir neue kaufen. Wenn ich morgens duschen wollte, musste ich um 4 Uhr aufstehen, weil dann die Gemeinschaftsbadezimmer noch frei waren. Auf der Baustelle mussten wir acht Stunden durcharbeiten – ohne Pause, ohne Schatten. Wenn wir krank wurden, mussten wir uns selbst pflegen. Krankenhäuser lehnen Migranten aus Drittweltländern ab, sie untersuchten uns nicht und gaben uns keine Medikamente. Wenn wir mal einen Tag fehlten, wurden uns direkt zwei Tage abgezogen. Das wollte kaum jemand riskieren, also schufteten die meisten immer weiter, auch wenn sie krank oder erschöpft waren. Das ist auch der Grund, warum viele der Gastarbeiter in Katar sterben. Es ist die Angst.“

Weitere Themen im Heft sind u.a. Türkgücü München, ein zu den Geisterspielen auswärtsfahrender und dort vor den Toren stehender 1860 München-Allesfahrer, die Bilder des Münchner Fotografen Hans Rauchensteiner oder ein Nachruf auf den Münchner Fußballer Peter Grosser, der „1969 zu Austria Salzburg wechselte, um seine Karriere in der, Pardon, österreichischen Operettenliga ausklingen zu lassen.“

In der als Humor missverstandenen Namenswitze-Rubrik wird diesmal ein Rapid-Spieler, der U18-/Rapid II-Spieler Felix Holzhacker, mit Foto ausgestellt.

Freitag, 2. April 2021

11 Freunde, 233




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 233, April 2021
116 S.









„Alle Witze über den FC Schalke sind gemacht, alle Grabreden gehalten.“ Mit dem Absturz von Schalke 04 vom Champions-League-Verein zum abgeschlagenen Tabellenschlusslicht und Absteiger beschäftigt sich 11 Freunde in der Titelgeschichte. Im Ballesterer war dazu zuletzt ein weiter ausholenderes größeres Bild zu lesen. Hier im Heft widmet man sich der jüngeren Vergangenheit und Hintergründen für „den größten Absturz, den es im deutschen Fußball je gegeben hat“. Das hat viel mit dem System Tönnies und strategischen Fehlannahmen zu tun, wird analysiert. Die wechselnden sportlich Verantwortlichen „trafen in den letzten Jahren eine unglaubliche Zahl schlechter sportlicher Entscheidungen. Aber sie alle scheiterten auch deshalb, weil sie in einem System arbeiteten, in dem letztlich nur Scheitern möglich war.“

Zum Ende der Zeitschrift Der tödliche Pass und dessen „Spagat zwischen Fußball-Fanzine und akademischer Vierteljahresschrift“ als Herangehensweise in einem Vierteljahrhundert Bestehen erzählt Stefan Erhardt im Interview. „Ich erinnere mich auch an eine Lesung, auf der wir gefragt wurden, warum wir über Fußball schreiben, wenn wir ihn doch nur kritisieren. Muss man das alles aufschreiben? Muss man nicht, haben wir gesagt, aber es macht uns halt Spaß.“

Weitere Themen im Heft sind u.a. nicht funktionierende Ausbildungsentschädigungszahlungen für Amateurvereine, Lothar Matthäus' Gladbacher Jahre 1979 bis 1984, 30 Jahre Fanladen St. Pauli, die in Argentinien lebende Tochter von Bernd Schuster oder Olaf Marschall. Zum Thema der Ausgabe 231 über vergessene Helden und Beinahe-Stars merkt ein Leserbrief von Christian W. aus Linz noch Rainer Rauffmann an, der als deutscher Zweitligafußballer zum LASK kam und von dort nach Zypern weiterwechselte, wo er heimisch und unter neuem Namen Markos Rauffmann zum zypriotischen Nationalteamspieler wurde.

Freitag, 12. März 2021

11 Freunde, 232




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 232, März 2021
116 S.








Unter der Devise „Ihr könnt auf uns zählen“ erstellte die Redaktion eine Erklärung zu homosexuellen Fußballern, die von zahlreichen Profis aus dem deutschen Fußball unterstützt wird. U.a. heißt es darin: „Niemand soll zu einem Coming-out gedrängt werden. Das ist die freie Entscheidung jedes Einzelnen. Aber wir wollen, dass sich jeder, der sich dafür entscheidet, unserer vollen Unterstützung und Solidarität sicher sein kann. [...] Wir werden euch unterstützen und ermutigen und, falls notwendig, auch gegen Anfeindungen verteidigen.“
Nicht zum ersten Mal kann sich 11 Freunde nicht für ein Cover entscheiden oder es gefällt ihnen, dieselbe Ausgabe mit verschiedenen Titelblättern zu versehen. Ich halte das für eine Verwirrung stiftende Verirrung, die den Wiedererkennungswert verwässert. Für dieses Titelthema gibt es dasselbe Titelmotiv mit verschiedenen Spielern deutscher Vereine. Als Abonnent in Wien bekam ich eine Ausgabe mit den oben zu sehenden Spielern von Hertha BSC. Wenn schon, dann wäre mir aus naheliegenden Gründen das ebenfalls erhältliche Motiv mit einem nicht unbekannten Spieler eines anderen Berliner Vereins lieber gewesen.

Sympathisch ist eine Reportage über den Unruhestand des 69-jährigen Horst Hrubesch. Fragezeichen und Kopfschütteln löst ein Bericht über Selbstinszenierung von Amateurfußballern auf Youtube aus, die manchen eine Profikarriere einbringen soll. Christoph Biermann analysiert anhand von Zahlen, dass der Fußball in der deutschen Bundesliga weniger intensiv geworden sei, pressures wäre das hier zu lernende Fachvokabel, und macht das fehlende Publikum im Stadion als mögliche Ursache aus. Beachtlich schön sind abgedruckte Bilder aus dem Buch British Football's Greatest Grounds. Spannend ist ein Artikel über die Brasilianerin Léa Campos, die sich in den 1970er Jahren ihr Recht, Schiedsrichterin zu werden, durchsetzte. Lehrreich ist ein Bericht, welche Probleme der Brexit dem britischen Fußballgeschäft bereitet.

Samstag, 20. Februar 2021

11 Freunde, 231




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 231, Februar 2021
116 S.








Wie Steven Gerrard den Rangers FC wieder erfolgreich gemacht habe, verspricht die Titelgeschichte zu erklären. Man erhält zwar ein gut zu lesendes Stimmungsbild aus Glasgow, erfährt man aber nicht recht viel mehr als dass Geld eine Rolle gespielt hat.

Lehrreicher ist da eine Sammlung von Kurzbiographien von „unbesungenen Helden und Beinahe-Stars der Fußballgeschichte“. Da steckt sichtlich Rechercheaufwand dahinter und es macht Spaß, das zu lesen. Ab Abwege begiebt man sich hier in einem Geschichterl über einen Ex-Austrianer: „Ein einziges Mal lief Liendl für Österreich auf. Weil er aber für den ruhmreichen Kapfenberger SV einst ganz passabel spielte, nennt ihn die Presse noch immer ,Alpen-Maradona‘ – ein Titel, den er sich mit Andreas Herzog teilt.“ Dass dies ein angeblich gebräuchlicher Spitzname des Betreffenden wäre, geht wohl auf falsche Interpretation einer Spöttelei der deutschen Bild-„Zeitung“ zurück und ist ebenso fern der Realität wie die Behauptung, dass jener mit diesem fragwürdigen Begriff einen selben Status wie Andi Herzog habe.

Weitere Themen im Heft sind der KFC Uerdingen, wo der Verkauf durch den Investor ansteht und diverse Fanstellungnahmen sich in ihrem Ausgeliefertsein als Spielball ergeben („Anders geht es im modernen Fußball eben nicht mehr.“), Erzählungen von Fans von Unterhausvereinen über ihr Leben in der Corona-Pause oder der Umstand, dass der Ex-Dosenkicker Jantscher bei Graz einen Obstgarten betreibt.

Zum vom Vereinspräsidenten gewünschten Abriss des Stadio Artemio Franchi spricht 11 Freunde mit dem Architekten Massimiliano Fuksas, der meint, dass man das Stadion mit maßvollen Eingriffen modernisieren könnte, und die Bedeutung des Stadionbaus hervorhebt: „Man kann eine Ikone nicht einfach abreißen. Dies ist ein unglaublich einflussreicher früher Bau des Ingenieurs und Architekten Pier Luigi Nervi. Ein Stadion mit vielen ikonischen Elementen: die Helix-Treppenaufgänge, das freitragende Dach, der Marathonturm, die mutige und expressive Verwendung von Beton. All das waren Meilensteine in der Geschichte der Stadionarchitektur.“

Mittwoch, 6. Januar 2021

11 Freunde, 230




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 230, Januar 2021
116 S.








Dem verstorbenen Diego Maradona widmet Philipp Köster einen Nachruf-Essay über einen Menschen „auf der Suche nach Glück“.

Während ich im Normalfall dem Fußballbetrieb abseits der Spiele, die ich besuche, wenig Aufmerksamkeit schenke, fiel dieses Niveau aufgrund der Unattraktivität der Corona-Geisterspiele zuletzt praktisch auf null. Dem Heft entnahm ich mit Erstaunen, dass in Slowenien der NK Celje und in Norwegen ein mir bis dato unbekannter Verein namens FK Bodø/Glimt jeweils zum historisch ersten Mal Meister ihres Landes wurden.

Weiters gibt es im Heft einen Rückblick auf das abgelaufene Jahr 2020, eine amüsante Geschichte über geplatzte Transfers späterer Weltstars in jungen Jahren nach Deutschland, Erinnerungen von Sportreporterinnen und Sportreportern über ihre Leidenschaft des Schreibens über Fußball und eine Reportage über die Rückkehr von Wimbledon an die Plough Lane. In einem Leserbrief erfährt man wissenswerte Anmerkungen zu Antwerpener Stadiongeschichte und Alkoholmischgetränken.

Der beiliegende Kalender für das Jahr 2021 zeigt teils beachtliche Bilder von deutschen Drittligastadien.

Samstag, 19. Dezember 2020

11 Freunde, 229




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 229, Dezember 2020
116 S.








Leeds United portraitiert die Titelgeschichte als tief gefallenen großen Verein, der in die englische Premier League zurückgekehrt ist. Dazu gibt es ein Interview mit einem deutschen Spieler, der dort tätig ist.

Weitere Themen sind die Insolvenz des 1. FC Kaiserslautern„Seit Jahrzehnten war die Insolvenz das Schreckensszenario, mit dem Mitglieder und Fans zum Stillhalten gedrängt wurden: Beim Stadionverkauf 2003, bei der Veräußerung wichtiger Spieler, bei der Auslagerung der Profiabteilung 2018 – und am Ende ist die KGaA doch insolvent.“ – oder eine Plauderrunde über Carl Zeiss Jena.
Erstaunen löst der Artikel über die Brutalitäten zwischen den Spielern bis hin zu Brüchen und fließendem Blut bei Weltpokalspielen der 1960er Jahre aus.

Mittwoch, 4. November 2020

11 Freunde, 228




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 228, November 2020
116 S.








Allesfahrer, denen durch die Corona-Beschränkungen und Geisterspiele jahrzehntelange Spielbesuchs-Serien gerissen sind, werden im Heft vorgestellt. „Mein letztes versäumtes Spiel war auswärts beim FC St. Pauli. Das Datum war der 27. März 1995.“ erzählt Andreas von Fortuna Düsseldorf. Der aus Medienberichten bekannte Fritz von 1860 München: „Ich bin seit 1963 Fan des TSV 1860, die Dauerkarte habe ich mit wenige Jahre später gekauft. Bis auf ein Spiel in der Bayernliga habe ich seitdem keine Partie mehr verpasst. Das war in der Saison 1983/84, da musste ich arbeitsbedingt auf eine Messe. Ansonsten bin ich überall hin mitgereist: China, Abu Dhabi, Kanada, Korea. Auch zu Freundschaftsspielen, Trainingslagern und Hallenturnieren bin ich gereist.“
Organisationstalent ist Voraussetzung des Allesfahrens. Auch Kreativität und mancher lässliche Sünde sind notwendig. Detlev vom HSV erzählt: „Ab 1977 war ich bei jedem Spiel dabei. Für das Finale im Europacup gegen Anderlecht im selben Jahr musste ich die Schule schwänzen, das ging nicht anders, obwohl ich die Schule immer sehr ernst genommen habe.“ Die Herangehensweisen, wie man diesen Lebensinhalt betreibt, sind unterschiedlich. So sagt Martin vom 1. FC Nürnberg etwa: „Ich habe keine Groundhopper-App oder führe Buch über meine Spiele, es waren aber bestimmt 1000 Stück.“
Verschieden sind auch die Ansätze zum Umgang mit der Situation. „Für mich gehört zum Fußball ein volles Stadion, und das passiert wohl erst, wenn es einen Impfstoff gibt. Vorher gehe ich nicht ins Stadion. Ganz oder gar nicht.“ sagt Bruno von Borussia Dortmund. Einen gegenteiligen Weg in dieser schwierigen Lage ging Carsten von Hannover 96: „Mein Team nur im Fernsehen zu verfolgen, kann ich nicht ab. Am vorletzten Spieltag bin ich sogar bis nach Aue gefahren, weil ich es nicht mehr aushielt. Ich kannte das Stadion und wusste, dass ich durch den Gästeeingang beide Tore sehen kann. Ich habe nicht viel vom Spiel mitbekommen, aber konnte immerhin ein bisschen Stadionluft schnuppern. Zurück im Stadion war ich am ersten Spieltag der neuen Saison. Es war ein Schock, dass nur 500 Zuschauer und auch nur VIP-Gäste erlaubt wurden. Laut 96-Homepage kostete das günstigste VIP-Ticket 3000 Euro, denn die gibt es nur für alle Heimspiele. Um im Stadion zu sein, habe ich sie gekauft.“

Ein langes Interview mit Arsène Wenger über seine Zeit beim Arsenal FC und die für 11 Freunde typischen, einfühlsam geschriebenen Portraits und Interviews mit diversen Akteuren des deutschen Fußballbetriebs (ein Sportdirektor, ein Spieler) gibt es im Heft. Dazu u.a. eine Chronik zum deutschen Frauenfußball seit der Aufhebung des Frauenfußball-Verbots durch den DFB 1970 oder eine Galerie alter Fanzine-Titelblätter.

Dienstag, 6. Oktober 2020

11 Freunde, 226 und 227




Rezension

11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 226, September 2020 und Nr. 227, Oktober 2020
196 S. und 116 S.



Mit Artikeln und Interviews zum Fußballbetrieb der Bundesligen und der 3. Liga in Deutschland bietet das Saisonbeginn-Sonderheft der 11 Freunde traditionell die dickste Ausgabe des Jahres. Mangels allzu viel Vorwissen über die interviewten Personen und bemerkenswerter Aussagen leider auch wieder ein Heft, dass sehr schnell und ohne Gehaltvolles zu entdecken ausgelesen wurde. Wie immer gibt es hier auch recht viel Humor, den ich überwiegend nicht verstehe – sei es wie es sei, entweder weil mir die Namen und Gesichter der handelnden Personen mangels Verfolgen der deutschen Bundesliga nichts sagen oder weil die Humorversuche eher im Versuch steckenbleiben.
Schade ist, dass in der Riege der Vereinsvorstellungen die Leipziger Dosenfiliale behandelt wird, als wäre sie ein Fußballverein. Wenn man etwas über Hansi Flick in München, Torsten Frings in Meppen, eine Neuaufstellung des HSV oder drei Jahrzehnte als VfB Stuttgart-Physiotherapeut wissen möchte, mag man hier richtig sein.

In Ausgabe 227 beschäftigt sich die Titelgeschichte mit dem Fußballgeschäft am Abgrund. In der Juni-Ausgabe hatte man im Heft noch von einer Neubesinnung des Fußballs angesichts der Coronaviruskrise lesen können. Nun erfolgt wie damals ein großer Essay zur Lage, in dem man feststellt:„Anstatt sich der Krise zu stellen, macht der Spitzenfußball heiter weiter, jongliert mit abstrusen Ablösesummen und drückt sich um all das, was mit dem Schlagwort ‚Gesellschaftliche Verantwortung‘ umschrieben ist.“ Das kommt nun aber eigentlich nicht unerwartet.
Ein interessanter Ariktel im Heft beschreibt die Momente der letzten deutsch-deutschen internationalen Begegnung im Europacup, als sich einander am 2. Oktober 1990 der Chemnitzer FC und Borussia Dortmund sechs Stunden vor der Wiedervereinigung der beiden Staaten im UEFA-Cup im noch Ernst-Thälmann-Stadion heißenden Stadion der bereits nicht mehr Karl-Marx-Stadt heißenden ostdeutschen Stadt trafen. Weitere Themen im Heft sind Adi Hütter, der Kampf des deutschen Frauenfußballs um Anerkennung oder der Einwurftrainer Thomas Grönnemark – der weltweit einzige Spezialist für dieses Training.

Freitag, 31. Juli 2020

11 Freunde, 225




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 225, August 2020
116 S.








Eine der jüngsten Absurditäten des modernen Fußballs war, Fanatmosphäre in den Stadien für das Fernsehpublikum in der Übertragung der stimmungslosen Geisterspielen durch eingespielte Fangesänge zu ersetzen. 11 Freunde befragt dazu den Verantwortlichen beim deutschen Sky, warum er das so gut kann − „Alessandro Reitano, fast alle Ligen und Sender haben beim Restart de Idee mit der künstlichen Stadionatmosphäre kopiert. Warum klingt sie bei Ihnen viel authentischer als bei den Kollegen?“ − und erhält etwas mit den Worten „geloopt“ und „Sampler“ als Antwort.

Amüsant sind eine Reportage vom im Juni per Elfmeterschießen-Abfolge von neun Mannschaften beendeten Bezirkspokal von Weser/Ems im deutschen Niedersachsen und ein erneuter Essay von Philipp Köster über die Hingabe zu seinem Verein Arminia Bielefeld, in dem er das Leiden des Fußballfans betont.

Lehrreich sind Beiträge von acht Spielern über Rassismuserfahrungen im Fußball und im Alltagsleben in Deutschland. Der in Hamburg aufgewachsene Ex-Bundesligaspieler Otto Addo erzählt etwa von anlassloser Polizeikontrolle seiner Familie und schließt mit „Als weiße Familie wäre uns das so nie passiert. Unser Alltag sieht anders auch. Auch heute noch.“

Weiters gibt es im Heft u.a. schöne Fotos aus Island und einen eher wenig tiefgehenden Artikel über den LASK.

Mittwoch, 8. Juli 2020

11 Freunde, 224




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 224, Juli 2020
116 S.








„Niemand wird Fußballfan wegen des Fußballs. Man wird Fußballfans wegen der Fans. Vielleicht gehen kleine Jungs und Mädchen deshalb zum ersten Mal in ein Stadion, weil sie selber Fußball spielen und davon fasziniert sind, was man alles anstellen kann mit einem Ball an den Füßen. Oder sie haben fasziniert vor dem Fernseher gesessen, die großen Stars bestaunt und hoffen nun, im Stadion etwas ähnlich Aufregendes zu sehen. Aber für den Big Bang der meisten Fanleben sorgen die Menschen auf den Rängen. Fast alle haben wir uns schockartig verliebt, weil uns nichts auf diese Erfahrung vorbereiten konnte.“ schreibt Christoph Biermann in einem Essay über das Fehlen der Fans im Geisterspielfußball.

Die spannendste Geschichte im Heft stammt von Uli Hesse, der bekannten Fußballerzitaten auf den Grund geht und feststellt, dass auch berühmte Zitate falsch bis erfunden sind wie etwa das Andreas Möller zugeschriebene „Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“. Hesse schreibt, dass in keinem Medienbericht der fraglichen Zeit 1992 der Spruch vorkomme. Erstmals tauche er 1999 in einem Zitatebuch auf, in dem auch ein anderes Fußballerzitat steht, das so wohl nie gefallen ist. Im Artikel kommt auch der Wiener Falschzitateforscher Gerald Krieghofer (falschzitate.blogspot.com) vor.

Der von der letzten Zeitspiel-Ausgabe aufgespielte Ball der historischen Bedeutung der 1920er Jahre für die Fußballgeschichte wird im Heft aufgenommen und mit schön kolorierten stimmungsvollen Bildern und einem ohne Nennung auf Zeitspiel Bezug nehmenden Artikel weitergespielt.

Weitere Themen im Heft sind u.a. Schalke 04, Hertha BSC, Altona 93, Rot-Weiss Essen und ein schöner Artikel über einen Liverpool-Fan.

Sonntag, 31. Mai 2020

11 Freunde, 223




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 223, Juni 2020
116 S.








„Fußball ist eine Droge und gerade läuft ein Massenentzug, bei dem Geisterspiele wie lausiges Methadon daherkommen. Um die Menschen nicht gänzlich zu verlieren, muss die Wende jetzt eingeleitet werden.“ meinen die Chefredakteure Christoph Biermann und Philipp Köster und hoffen, dass aus der Krise eine Neubesinnung des Fußballs zu gesellschaftlicher Verantwortung und dem Stadionerlebnis im Mittelpunkt erwachsen möge. Die Notwendigkeit streite ich nicht ab, aber Anzeichen sehe ich keine.

Themen im Heft sind Anekdoten zum deutschen WM-Sieg vor dreißig Jahren 1990 und dem ersten Meistertitelgewinn der Borussia Mönchengladbach vor fünfzig Jahren 1969/70 sowie eine interessante Reportage aus der Stadt Sialkot im Nordosten Pakistans, wo 60% aller in der Welt produzierten Fußbälle hergestellt werden.

Eine recht ausführliche „Deutschlandreise“ führt zu 150 bekannten und unbekannten Orten mit Fußballgeschichte in Deutschland, aus der man durchaus lernen kann. Eine Station ist dabei der Engländerplatz in Karlsruhe. Zur Illustration dient ein von mir auf Nachfrage zur Verfügung gestelltes Bild.

Donnerstag, 7. Mai 2020

11 Freunde, 222




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 222, Mai 2020
116 S.








„Nun aber ist die Fußballblase nicht mit lautem Knall geplatzt, sondern ihr ist einfach und unspektakulär die Luft ausgegangen.“ resumiert Chefredakteur Philipp Köster zum Stillstand des Fußballs nach den immer weiter auf die Spitze getriebenen Finanzexzessen des Profifußballs. Er erwartet eine Läuterung: „Wer jetzt nur auf sein eigenes Konto starrt und Solidarität für einen sozialistischen Kampfbegriff hält, wird am Ende dafür teuer bezahlen. Auch weil die Anhänger anders auf den Fußball und seine Akteure blicken werden. Es werden jene gestärkt aus der Krise hervorgehen, die gezeigt haben, dass die Beziehung zu den Fans nicht nur aus hohlen PR-Phrasen und Instagram-Postings besteht.“ Eine mutige Hoffnung.

Das Heft besteht hauptsächlich aus versammelten Erzählungen von Spielern und Trainern über besondere Momente des Fußballs. Mit manchen kann man sich identifizieren, wenn etwa Christian Streich vom Besuch des Europacupfinales zwischen dem FC Barcelona und Fortuna Düsseldorf als 13-jähriger an der Seite seines Vaters im nahen Basel 1979 erzählt und wie ihm ein Barça-Fan in der Straßenbahn Kappe, Schal und Anstecker schenkte. Andere sind eher fragwürdig, wie Selbstmitleid eines Heribert Bruchhagen darüber, dass er einst 1999 zur Spielerbeobachtung zu einem U21-Länderspiel in eine Kleinstadt im schwedischen Nirgendwo eine Dienstreise unternahm. Dazu gibt es viele und großteils sehr schöne Fotos, welche den Hauptwert des Hefts ausmachen.

Stadionposter gab es in dieser Ausgabe nicht.

Mittwoch, 8. April 2020

11 Freunde, 221




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 221, April 2020
116 S.









Ein Artikel beleuchtet den Protest bei West Ham United gegen die Eigentümer und spricht auch die Immobilienspekulation als Grundlage für den Verlust des angestammten Boleyn Ground an, weswegen der Verein jetzt in einer stimmungslosen Schüssel spielt: „In den Jahren vor dem Umzug nannte man den Fans alle möglichen Gründe dafür, warum der Upton Park nicht umgebaut oder erweitert werden könne. Wegen des nahen Busdepots, hieß es, sei man sehr eingeschränkt. Und eine Aufstockung der Osttribüne, sagte man, hätte zur Folge, dass die umliegenden Gebäude nicht mehr genug Licht bekämen. Inzwischen ist das Busdepot nicht mehr da, und die neuen Apartmenthäuser werden höher, als es die Osttribüne je hätte sein können. Boleyn Phoenix, die Gesellschaft, die gegründet wurde, um den Upton Park von West Ham zu erwerben, bezahlte 40 Millionen Pfund für das Gelände, verkaufte es sogleich wieder für 60 Millionen und zahlte seinen Direktoren Prämien von 16 Millionen aus.“

Spannende Informationen bringt ein Text von Florian Haupt über die Spaltung im spanischen Salamanca, wo zwei Vereine sich als Nachfolgevereine der 2013 pleitegegangenen UD Salamanca sehen und parallel in Nachbarstadien in derselben Liga (Segunda División B) spielen: Der demokratisch organisierte Fanverein Unionistas de Salamanca CF und der einem mexikanischen Unternehmer gehörende und von den rechten Ultras unterstützte Investorenverein Salamanca CF UDS.

Die Interviews mit diversen Akteuren des Fußballbetriebs gehören stets zum Belanglosesten in den Heften, zu oft wird von großen Plänen und Strategien gesprochen und wenige Wochen später ist alles anders. Das Interview mit dem zwischen Bayern München und Borussia Dortmund hin und her pendelnden Spieler Mats Himmels hebt sich davon nur geringfügig ab. Bemerkenswert ist dann aber doch eine Passage zu seinem erwachten politischen Bewusstein:
Sie folgen auf Twitter sehr wenigen Leuten, aber der österreichischen Politkwissenschafterin Natascha Strobl, die vor allem über Rechtsradikalismus publiziert. Drückt sich darain ein politisches Interesse aus?
„Ich folge ihr seit einigen Monaten, weil sie meiner Ansicht nach viele richtige Sachen geschrieben hat. Und es ist wirklich so, dass bei mit ein Interesse an Politik entflammt ist. Das war nicht immer so, aber seit einigen Monaten haben sich bei mir einige Sorgen aufgetan.“


Zum zwanzigjährigen Jubiläum der im April 2000 erstmals erschienenen Zeitschrift werden Anekdoten aus zwei Jahrzehnten abgedruckt, die einen durchaus das eine oder andere Mal zum Schmunzeln brachten. Das Leben ist dann doch meist amüsanter als die im Heft als Satire gemeinten Seiten.

Mittwoch, 11. März 2020

11 Freunde, 220




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 220, März 2020
116 S.









1981 reiste das Frauenteam der SSG 09 Bergisch Gladbach zu einem Turnier in Taiwan, zu dem der DFB eingeladen worden war. Der DFB, der erst seit 1970 Frauen das Fußballspielen erlaubte, hatte damals aber − bis 1989 − keine Frauen-Nationalmannschaft. Anlässlich eines Dokumentarfilms über die Reise und das Turnier, beschreibt auch ein Artikel das Ereignis. Sie gewannen das Turnier und „kehrten tatsächlich als ‚Weltmeisterinnen‘ nach Hause zurück. Das zum Teil bizarre Turniergeschehen wie auch die Vor- und Emanzipationsgeschichte der Kickerinnen aus Bergisch-Gladbach sind das Thema des Films von Regisseur John David Seidler, der Ende Februar in die Kinos kommt.“

Weiters im Heft: Legale Pyroshow im Hamburger Volksparkstadion und schöne Bilder des Fotografen Olaf Tamm vor dem Abriss des Leipziger Zentralstadions vor zwanzig Jahren.

Mittwoch, 19. Februar 2020

11 Freunde, 219




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 219, Februar 2020
116 S.









„Wie Jürgen Klinsmann Hertha BSC mit Investorengeld zur großen Nummer machen will.“ Die Titelgeschichte hat sich mittlerweile erübrigt, ist aber zumindest von historischem Interesse. Bleibender ist eine Reportage über die Gegenwart nach dem rechtsextremen Terrorattentat im ostdeutschen Halle vom Oktober 2019 und Unterschiede im Gedenken. Die einen benennen die Absicht des Rechtsextremen, Jüdinnen und Juden zu töten und das Motiv Rassismus und Antisemitismus. Die anderen blenden dies hingegen dies aus, um ja unpolitisch zu bleiben, und sprechen von „feigem Mord“, da der Nazi an einer Tür gescheitert war und stattdessen eine Passantin und den Gast einer Dönerbude ermordet hatte. Letzterer war ein aktiver Fan des HFC. Ex-Rapidspieler Terrence Boyd, der in der Nähe war, kommt im Text mit seinen Eindrücken vor.

Weiters im Heft sind diverse Interviews und Reportagen (u.a. über Hallenfußball in Dortmund). Andy Marek ist zu seinem Abschied ein Artikel gewidmet, verfasst von einem 11-Freunde-Autor und ehemaligen Sportredakteur eines österreichischen Boulevardblatts. Er portraitiert Marek als „heimlichen Chef“ Rapids und Workaholic.

Mittwoch, 22. Januar 2020

11 Freunde, 218




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 218, Januar 2020
116 S.









Die Titelgeschichte bringt einen Jahresrückblick auf 2019, von der Universitätsmannschaft der Cardiff Metropolitan University, die es in die Europa-League-Qualifikation geschafft hatte, über die eine Woche und 14 Stunden dauernde Auswärtsfahrt von vier Bussen an Fans von River Plate zum Finale der Copa Libertadores in Lima oder die absurdesten VAR-Entscheidungen bis zur Kuriosität eines durch einen aufwärmenden Ersatzspieler verursachten Elfmeters.

In einem Autobiographie-Buchauszug erzählt Elton John amüsant von seiner Zeit als Präsident des Watford FC („An große Teile der Achtziger kann ich mich nicht mehr erinnern. Aber jedes einzelne Watford-Spiel, das ich jemals gesehen habe, ist dauerhaft fest in meiner Erinnerung verankert.“). Ein Artikel handelt vom Bart des Davide Moscardelli (zuletzt beim Pisa-Aufstiegsspiel in Triest bewundert) und eine Reportage berichtet aus Mariupol.

Samstag, 4. Januar 2020

11 Freunde, 217




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 217, Dezember 2019
120 S.









Eine ans Herz gehende Geschichte erzählt vom Leben zweier bettelarmer nordenglischer Buben, die Brian Clough über den Weg liefen. Er unterstützte sie und verhalf ihnen zu einem neuen Leben.

Weiters gibt es im Heft eine Titelgeschichte darüber, warum acht Autoren trotz den Widrigkeiten des modernen Fußballs nicht von dieser Leidenschaft ablassen, sowie Artikel über den undurchsichtigen KFC Uerdingen, die Ablehnung, die einer migrantisch geprägten Mannschaft in Ostdeutschland entgegenschlägt, eine traurige Reportage zur Spielbetriebseinstellung in Wattenscheid oder etwas über den spanischen Flat Earth FC, einem ernstgemeinten Verschwörungstheoretiker-Fußballprojekt.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

11 Freunde, 216




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 216, November 2019
120 S.









„Schöner Wohnen“ betitelt 11 Freunde eine Fotoserie über in Vereinsfarben gestrichene Häuser von Fußballfans. Neben sechs deutschen Beispielen ist darunter auch das „Rapid-Haus“ in Markt Neuhodis.

Im Juli 1989 flüchteten drei Spieler von Wismut Aue bei einem Intertotocupspiel gegen Örgryte in Göteborg als letzte einer langen Reihe von DDR-Fußballern. Dass es wenige Monate später mit der DDR zu Ende ging, ahnte niemand. Uli Hesse erzählt ihre Geschichte.

Weiters gibt es im Heft die üblichen diversen Interviews mit Akteuren des Fußballbetriebs, einen Bericht von der Wahl des neuen DFB-Präsidenten und eine Reportage über das Aufleben in Palermo nach der finanziellen Pleite, welche die Serie D anstelle dem Aufstieg in die Serie A brachte.

Dienstag, 8. Oktober 2019

11 Freunde, 215




Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 215, Oktober 2019
120 S.









„Es ist nämlich ein Missverständnis, dass Fans vor allem nach Titeln, Pokalen, Aufstiegen gieren. Stattdessen suchen sie nach Gemeinschaft, nach Zusammenhalt, nach Familie.“ Warum entgegen dem Dogma des modernen Fußballs, dass für Erfolg alles und jedes zu opfern und zu zerstören ist, Leute immer noch und ihr Leben lang zu gefallenen Traditionsvereinen ins Stadion gehen, ergründet die Titelgeschichte an den Beispielen Kaiserslautern, Alemannia Aachen, Waldhof Mannheim und 1860 München. Die Conclusio: „Traditionsvereine überleben alles.“

Weiters im Heft u.a.: Eine schöne Bilderstrecke von der Nordamerika-Tournee des Meidericher SV (später MSV Duisburg) 1964, Daniele De Rossi bei den Boca Juniors, das zerüttete Verhältnis von Bill Shankly zu Liverpool nach seinem Rücktritt und eine Reportage von den dramatischen Tagen dieses Sommers, in dem die englischen Traditionsvereine Bury FC und Bolton Wanderers aufgrund ihrer Investoren und Eigentümer (da wären wir wieder beim modernen Fußball ...) am Abgrund standen und schließlich zwar die Bolton Wanderers gerade noch gerettet wurden, der 1885 gegründete Bury FC aber mit 27. August 2019 aus der Football League ausgeschlossen wurde und zumindet diese Saison nicht mehr Fußball spielt.

Das Layout des Hefts wurde ein wenig verändert und dazu auch die Perspektive der Stadionposter geändert. Wurden die Stadien bislang v.a. aus einer Ecke oder von einer Längsseite aus großformatig portraitiert, soll ab nun die Fankurve im Zentrum stehen. Den Beginn macht ein Poster vom 1. FC Köln.

Donnerstag, 19. September 2019

11 Freunde, 214



Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr. 214, September 2019
120 S.









In der Saison 1983/84 gab es der Serie VIII der rumänischen Divizia C eine faszinierend ausgeglichene Abschlusstabelle, in der den Zweitplatzierten und den Tabellenletzten an der 16. Stelle nur drei Punkte trennten. Emanuel Roşu klärt über die Hintergründe auf: In der Bergbauregion hatte es wenige Jahre zuvor 1977 große Streiks gegen die elenden Arbeits- und Lebensbedingungen gegeben. Die kommunistische Staatsführung machte Zugeständnisse wie die Einführung des freien Sonntags anstelle der Sieben-Tage-Arbeitswoche und ließ die Wortführer der Proteste in Gefängnisse und Zwansgarbeitslager einsperren. Ein weiteres Mittel zur Befriedung der wirtschaftlich wichtigen Region war aber auch der Fußball. Heimsiege wurden gefördert, aufgrund der rauen Atmosphäre bevorteiliten die Schiedsrichter die Heimmannschaften und nicht zuletzt gab es oftmals Spielabsprachen. Die Spieler waren Angestellte der Werksmannschaften der überwiegend aus Bergbauvereinen gebildeten Liga. Wenn sie durch Niederlagen Unzufriedenheit auslösten, wurden sie von der Werksführung zur Arbeit unter Tage im Bergbau geschickt. Diese war gefährlich. Verletzte und Tote waren im rumänischen Bergbau nichts Ungewöhnliches.

Weitere Themen im Heft sind die üblichen Interviews mit diversen Akteuren des Fußballbetriebs, ein Fotoessay zu Fußball in Jamaika, Frauenfußball in Somalia und ein Interview mit dem langjährigen persönlichen Fitnesstrainer von Diego Maradona, Haupterzähler im kürzlich erschienen Film Diego Maradona – Rebell. Held. Gott. In der Fankurven-Nostalgiereihe wird von der Entwicklung von Fankultur beim MSV Duisburg erzählt.

Der beiliegende Stadionposter zeigt diesmal das Parken in Kopenhagen. Dazu gibt es einige Informationen zur Stadiongeschichte.

Für Freundinnen und Freunde des Nationalismuswettstreit-Fußballs gibt es ein eigenes Beilagenheft zur U21-EM-Qualifikation. Solche Extrahefte hatte es bislang nur bei den Kampfmannschafts-Turnieren gegeben. Wie immer sind Informationen und Hintergründe zu lesen sowie manch Humor zu überstehen. Ein Gag ist der Abdruck von Jugendspieler-Fotos von jeweils eine, später berühmten Fußballer des Landes bei der Vorstellung der aktuellen Teams.