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Dienstag, 21. Juli 2026

Pochi ma buoni



Rezension


Josef Gruber
Pochi ma buoni
Ultras in Molise & Basilicata
Unterwegs Fanzine Verlag 2026
220 S.








Pochi ma buoni, also „wenige, aber gut“ im Sinne von „Klasse statt Masse“ betitelt Josef Gruber mit einem geflügelten Wort aus der italienischen Sprache sein Lexikonbuch über Ultras in den Regionen Molise und Basilicata. Er stellt eingangs fest, dass er hier mit 13 Kurven der Region Molise von Agnonese bis Vastogirardi fast doppelt so viele nunmehr vorstellt als in seiner Regionsvorstellung im Fanzine Unterwegs 19 im Jahr 2018. 25 Kurven aus der Basilicata von Avigliano bis Venosa haben es in das Buch geschafft. Für zwei Regionen, die eher nur Italien-Spezialisten etwas sagen, ist das eine mehr als stolze Anzahl.

Zu den großen Szenen der Region berichtet Josef Gruber nicht nur aus der gut recherchierten Zusammenstellung von Quellen sondern auch mittels eigenem Augenschein und Interviews mit den Kurven. Historische Bilder und aktuelle Fotos, Einblick in die Geschichte von Stadt, Verein, Stadion und Fanszene. O-Töne der Ultras über sich, ihr Selbstverständnis und ihre Ansichten. Stets beachtlich. Wie bei den vorangegangenen Büchern über Ultras in Kampanien, auf Sizilien und Sardinien und in Apulien kannte ich auch als Italien-affiner Mensch den Großteil der kleinen Kurven nicht. Über sie hier zu lesen war daher spannend. Genauso, wie über die bekannten und teils ja auch schon selbst bereisten Städte, Vereine und Kurven zu lesen und dabei Wissen aufzufrischen, zu vertiefen und auszuweiten.

Erneut konnte ich selbst mit Bildern aus meinen Reisen in den beiden Regionen beitragen und Josef Gruber stützte sich in Beiträgen auch auf meine Ausführungen in diesem Blog. Ich war im Molise bisher nur in Campopasso (wenngleich das damals kein Vergleich zur jüngsten Zeit war) und Termoli, wo ich mit Isernia zumindest auch gleich eine weitere Szene aus der Region gesehen habe. Isernia ist auch eine Tifoseria, über die ich hier aus Text und Interview viel gelernt habe. In der größeren der beiden Regionen, der Basilicata, habe ich immerhin Matera, Picerno und Potenza schon besucht und Vultur Rionero zumindest schon einmal gesehen. Melfi und Rionero hier einmal in guten Heimspielen zu besuchen, bleibt ein Ziel.

Daneben sind dank dieses Buchs auch Orte wie das alte Stadion in Larino oder die Stufen des ehemaligen Stadio Comunale in Melfi jetzt mit Rufzeichen vermerkt im Hirn abgespeichert. Diese Bücher sind eine hervorragende Fundgrube und Quelle. So wie bei Reisen in die bereits behandelten Regionen die Bücher stets zur Vorbereitung herangezogen worden sind, kann ich das jetzt hier auch tun. Denn die Bilder und Geschichten erzeugen wieder große Reiselust.


A4 Format / 29,90 € / Unterwegs Fanzine Seit 1996

Dienstag, 21. Oktober 2025

Unterwegs 26



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 26, Oktober 2025
96 S.









Schon das Titelblatt des Hefts lässt gleich Vorfreude auf Italien-Berichte aufkommen und man wird dabei hier nicht enttäuscht. Ascoli, Bari, Lecce, Manfredonia, Florenz, Latina, Rom und Giulianova sind die Stationen von Spielbesuchen 2024/25. Wie immer erzählt Josef Gruber hier nicht nur vom Gesehenen sondern bietet eine Reihe zusätzlicher Informationen, die den Wert des Fanzines ausmachen. Mit den Ultras 1924 von Giualianova führte er ein absolut rares Interview. Bei den Spielen Manfredonia gegen Martina und Giulianova gegen Barletta war ich auch anwesend und habe die Ehre, in einem der Spielberichte im Heft hier direkt zitiert zu werden und im anderen indirekt vorzukommen.

Diese beiden genannten Matches in Italien waren richtige Highlights, Höhepunkt im Heft ist aber das Römer Derby. Hier gibt es nicht nur den Bericht in Text und Bild sondern auch eine Hintergrunderklärung zur damaligen Lazio-Choreographie und als Besonderheit Auflistung, Übersetzung und Erklärung zu den bei diesem Derby üblichen dutzenden Spruchbändern. „Der Zeitaufwand, den alle Beteiligten damit hatten, war wirklich enorm. Da gingen etliche Stunden und Tage drauf. Teilweise mussten erst Zusammenhänge erfragt und erklärt werden, was halt auch nicht immer möglich ist.“ Josef Gruber zählte und dokumentierte 35 Stück bei der Roma und 19 bei Lazio. Er schätzt aber selbst, dass dies nur 90% der Gesamtmenge ist, weil eine 100%-Quote beim Fotografieren aufgrund der Vielzahl nicht zu schaffen ist. 54 Spruchbänder in 90 Minuten! „Absolut beeindruckende Zahlen, was die Wichtigkeit dieser Tradition ganz dick unterstreicht.“

Neben den bekannten Rurbiken gibt es diesmal auch einiges in der Reihe Anno dazumal aus den 1990er Jahren. Fotos und Erzählungen zeigen deutlich, wie sehr sich die Welt seither verändert hat.


A5 Format / 5 € / Kontakt facebook.com/UnterwegsFanzineSeit1996 gruberjosef.jg @ gmail.com

Mittwoch, 26. Februar 2025

Il tacco d'Italia



Rezension


Josef Gruber
Il tacco d'Italia
Ultras in Apulien
Unterwegs Fanzine Verlag 2024
356 S.








74 (!) Fanszenen aus der italienischen Region Apulien stellt Josef Gruber hier in einem 356 Seiten dicken Buch vor. Gleich nochmal 90 Seiten stärker ist das Buch über Ultras in Apulien damit als sein Buch Lo stile di vita über Ultras in Kampanien mit 266 Seiten und das zweite Lexikon Le isole mit 264 Seiten über Sardinien und Sizilien. Man kann auch hier Seite um Seite nur staunen, was dabei sowohl über die bekannten großen Szenen als auch viele kleine Szenen an Informationen, Bildern und Texten zusammengetragen wurde. Das eine oder andere Mal war ich ja doch auch schon selbst in der Region und das eine oder andere habe ich darüber doch auch schon gelesen. Dennoch hört man hier im Buch nicht auf, Neues zu erfahren und Ultrasszenen präsentiert zu bekommen, von denen man noch nie gehört hat. Dass ich ein paar wenige Fotos zu diesem umfangreichen Werk beisteuern durfte und mein kleiner Blog als Quelle für ein paar Beschreibungen dienen konnte, erfüllt mich mit Freude.

Von Süden nach Norden, beginnend also mit der Provinz Lecce, geht es diesmal geographisch durch die Region Puglia (Apulien) am Absatz des italienischen Stiefels (il tacco d'Italia). Die ersten Ultrasszenen, die Gruber hier vorstellt, sind aber nicht große und bekannte, sondern mit Aradeo, Bagnolo del Salento, Copertino und Cursi durchaus etwas für Feinspitze. Auch hier gibt es aber Wissenswertes zu Stadt, Vereinsgeschichte und Szene sowie ältere und aktuellere Fotos. Casarano ist dann der erste größere Name, der gleich mit zahlreichen Fotos, Geschichte und einem übersetzten historischen Interview aus dem Supertifo sieben Seiten einnimmt. Die besten Kapitel sind wie in den vorherigen Büchern auch hier jene, bei denen Gruber aus seinem Wissen von fast drei Jahrzehnten als Fanzineautor und Italienreisender und seinem eigenen Erfahrungsschatz von Besuchen vor Ort schöpfen kann. Vergangene Interviews, die er mit dortigen Protagonisten geführt hat, wie bei Gallipoli, Tricase, Monopoli oder mit dem Salzburger Salva über Barletta, druckt er hier nicht nur dankenswerterweise erneut ab, sondern versieht sie auch mit einem Update aus dem Jahr 2024. Interviews mit Foggia, Cerignola und Manfredonia haben einen hohen Wert.

Der große Brocken des Buchs ist eindeutig Lecce mit 47 Seiten und u.a. ein eigener Artikel zum „striscione merlato“ (Zinnenbanner) und zu seinem Youtube-Hit Lecce-Parma 2003/04. Aber auch über Bari (27 Seiten), Barletta (21 Seiten), Taranto mit einem Fokus auf die 70er/80er Jahre (19 Seiten), Foggia (17 Seiten) und Monopoli (13 Seiten) gibt es jeweils sehr viel an Stoff mit historischen Fotos und alten Texten, aber auch lebhaft geschilderten Eindrücken von Besuchen Josef Grubers dort im Lauf der letzten Jahrzehnte oder von ihm selbst geführten Interviews wie mit dem Capo der Seguaci della Nord von Bari.

Noch faszinierender als die ausgeleuchteten großen Kurven ist die Vielfalt an präsentierten kleinen Kurven. Etwa vom Derby von Poggiardo zu erfahren. Am interessantesten war für mich der Beitrag über Trani, da ich in diesem Riesenstadion gern einmal ein gutes Spiel sehen möchte und nie verstanden habe, wie die Situation ist. Allerdings lässt die Lektüre hier keine Hoffnung aufkeimen.

Die Kapitel sind manchmal länger und manchmal kürzer, nicht weil die jeweiligen Kurven interessanter oder uninteressanter wären, sondern weil sich Gruber an die Devise hält „dankbar sein für das sein, was man erhält“, was die mal größere und mal kleinere Freigiebigkeit von Informationen aus den Kurven betrifft. Basis einiger Kapitel sind zwar seine Erfahrungen und Eindrücke, gerade hinsichtlich der Geschichte und vieler Details hält sich Gruber an Quellen und Leute vor Ort. Das ist ein Qualitätsmerkmal.


A4 Format / ausverkauft / Unterwegs Fanzine Seit 1996

Donnerstag, 20. Juni 2024

Unterwegs 25



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 25, Mai 2024
92 S.









Jubiläumsausgabe 25 des „etwas anderen Fanzines aus Österreich“. Autor Josef Gruber bilanziert mit den 25 Ausgaben sowie einem halben Dutzend Büchern und Sonderheften nach 28 Jahren „durchaus zufrieden“. Das kann er auch sein.

Zum historischen Cupspiel der Austria Salzburg gegen Red Bull holt Gruber aus und beginnt seinen Bericht beim letzten Spiel mit Anwesenheit der violetten Kurve und ihrem Auszug aus dem gekaperten und umgewandelten Klub am 18. September 2005, von dem er ein Video angefertigt hatte. „Was vor Spielbeginn begann und sich bis weit in die erste Halbzeit hineinzog, war brachial und manifestierte ohne Bedenken den Platz in den Top 3 Kurven Österreichs,“ schreibt Gruber zum Geschehen auf der Tribüne im Jahr 2023. Unter den zahlreichen Aktivitäten, um die Pyrostrafe von 34.000 € zu berappen, gehörte auch ein Film namens David vs. Goliath, den Gruber rezensiert. Im Heft gibt es auch eine Rezension des On the terraces-Fanzines der Udinese.

Weitere Themen sind das Atalanta-Europacupgastspiel bei Sturm Graz, das sich auch am Titelblatt findet. Zu einem Spielbesuch von Genoa gegen Empoli hat Gruber Interessantes zur Kurvengeschichte der Gäste zu berichten. Ebenso gibt es hier viel zur Geschichte der Kurve von Treviso, dem Konnex zum Basketball und dem dortigen Rechtsextremismus zu lesen.

„Nachhilfeunterricht“ erteilt Gruber zur Beziehung von Újpest und der Fiorentina, indem er einen Veteranen ausführlich über die Anfänge zu Beginn der 1990er Jahre erzählen lässt. Wenn man eine Ahnung von ungarischem Chaos hat, schmunzelt man, wenn er zur Begegnung beim Fiorentina-Spiel bei Ferencváros 2023 erzählt, sie wären in Budapest beim Treffen „mit dem hohen Organisationsgrad und der Präzision der Südländer konfrontiert worden“.

Stichwort 1990er Jahre: Dorthin lässt einen Gruber gedanklich in der Wiederaufnahme der anno dazumal-Serie schweifen und erzählt von Spielbesuchen der 1990er Jahre. Wie anders die Umstände waren, erklärt er gleich zu Beginn zum Spiel Milan-Lazio vom 18.5.1997: „Da Filme damals wirklich teuer waren, ging man sehr sparsam mit seiner ,Munition‘ um. So kam es, dass ich von der abgebildeten Milan-Kurve nur sage und schreibe zwei Fotos machte.“ Rapid kommt in der Reihe mit einem Bericht mit Bildern vom Match gegen Boby Brno 1997 vor.


A5 Format / 5 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at

Donnerstag, 21. März 2024

Unterwegs Reloaded, 3



Rezension


Unterwegs Reloaded
Das fehlende Jahrzehnt
Nr. 3
2023
92 S.









Das Jahr 2002 hat dieses Heft im Fokus. Josef Gruber berichtet in der zum Jahresende 2023 erschienen Ausgabe nach Nummer 1 über das Jahr 2000 und Nummer 2 über das Jahr 2001 hier nun über 20 internationale Spiele, die er im Jahr 2002 besuchte und in Bildern festhielt. Ein Augenmerk liegt hier diesmal auch besonders auf letzteren: „Da in diesem Jahr meiner Einschätzung nach viele großartige Fotos entstanden sind, lasse ich an manchen Stellen diese großformatig für sich sprechen.“ schreibt er dazu. Angesichts der zahlreichen Fotos von allerlei Aktivitäten abseits des Spielfelds kann er etwa beim Bericht zu Ruch Chorzów gegen GKS Katowice schreiben „Nicht in die Auswahl schafften es die Bilder der ganzen Bengalen, Überrollfahnen und sonstigem Schnickschnack.“ Gruber verweist dazu auch auf den Zeitenwandel in zwei Jahrzehnten. Während man damalige Tifo-Aktionen heute mit „ok, haben sie gut gemacht“ bewerten würde, sah man sie 2002 als „ein Derby der Superlative“. Sich die Unterschiede der Zeiten zu vergegenwärtigen, ist bei der Lektüre wichtig. Gruber verweist auch an anderen Stellen im Heft darauf.

2002 ging es für Gruber nach Italien, Polen und Ungarn, aber auch auf den Balkan mit Derbys in Belgrad, Zagreb und Maribor. Am spannendsten ist dann doch immer wieder Italien. Wenn er von einem Wochenende berichtet, an dem er Juventus gegen Fiorentina, Milan gegen Atalanta und Pisa gegen Livorno gesehen hat, muss man beim Lesen und der gedanklichen Reise in eine andere Zeit einmal kurz innehalten und sich vergegenwärtigen, wie leiwand diese Tour aus drei Spitzenspielen der alten Zeit gewesen sein muss. Da Josef Gruber feststellt, dass damals niemand in den Reiseberichten die Spruchbänder übersetzte, bietet er hier besser spät als nie nicht nur eine Übersetzung sondern auch die dazugehörige Erklärung der Exemplare beim seinerzeitigen Derby Pisa-Livorno.


A5 / 5 € / Kontakt www.unterwegsfanzineverlag.at

Freitag, 5. Januar 2024

Das Fußballstadion, Band 2



Rezension

Josef Gruber
Das Fußballstadion
Lost Grounds und Stadien abseits der Moderne
Band 2
Unterwegs Fanzine Verlag 2023
260 S.







Schon ein Jahr nach dem hochgelobten Buch Das Fußballstadion legt Josef Gruber einen zweiten Band über „Lost Grounds und Stadien abseits der Moderne“ vor. Die Bücher zeigen Grubers Fotografien, zu denen er eigene Erlebnisse schildert und eine ausführlich recherchierte Geschichte der Stadien hinzufügt.

Der Hauptteil der Stadien kommt wie im ersten Buch weiter aus Deutschland, Italien, Österreich, Polen, der Slowakei, Tschechien und Ungarn. Der Rahmen ist im zweiten Band etwas weiter gesteckt. So geht es weit hinunter in den österreichischen Ligen etwa nach Niederrußbach und geographisch geht es über die aus dem ersten Buch bekannten Länder im Umkreis Österreichs weiter hinaus nach Südosteuropa – nach Albanien, Bosnien und Herzegovina, Bulgarien, Kroatien und Nordmazedonien – sowie zu einem Sprung auf die Insel nach London. Die Außenansichten der drei Stadien aus London sind eine besondere Zeitreise, da sie aus dem Jänner 1998 stammen, somit über 25 Jahre her sind und weder Highbury noch Boleyn Ground oder das alte Wembley mit seinen markanten Türmen mehr existiert. Ein Beispiel, wie sich Ansichten verschieben, nennt Josef Gruber hier mit seiner damaligen Ablehnung einer umgerechnet 400 Schilling – also damals viel Geld – kostenden Wembley-Stadionführung. Heute hätte er „für diese Führung wohl jeden Preis bezahlt“.

Manche Berichte haben große Aktualität wie die Erinnerungen und Fotos an das CSKA-Stadion in Sofia, wo jüngst erst vor wenigen Wochen das Abschiedsspiel vor dem Abriss stattfand, wie ich Bildberichten von im Unterschied zu mir gut informierten Fußballreisenden entnehmen musste. Dort hätte ich gern einmal ein Spiel gesehen gehabt und es betrübt mich, dass ich von Abschied und Abriss nichts wusste.

Andere Berichte sind zeitlos und man kann staunend die Bilder von noch existierenden oder bereits abgerissenen Stadien betrachten, die Josef Gruber im Lauf seiner jahrzehntelangen Reisen besucht hat. Es sind Stadien aus nah und fern. Nah wie das abgerissene MÁV Előre stadion in Székesfehérvár und das verfallene Stadion in Esztergom. In der Ferne beeindrucken diesmal einige Stadionbilder aus Sizilien. Highlight ist dabei Giarre, wo Gruber das Stadio di Polo e Atletica mit Bildern und seiner Geschichte vorstellt. Das Stadion ist eigentlich kein Lost Ground, weil die Stadionruine nie fertiggestellt und eröffnet wurde und kein Fußballspiel darin bekannt ist. „Jedoch berichten meine Quellen, Augenzeugen der lokalen Ultras-Gruppen, dass man hier sehr wohl ab und zu Nachwuchsspiele ausgetragen hat und zumindest ein paar Trainingseinheiten der Kampfmannschaft über die Bühne gingen. Jedoch liegt das schon ein paar Jährchen zurück. Mit Dokumenten belegen lässt sich das nicht.“ schreibt Gruber.

Die Gründlichkeit, mit der die Geschichte der Stadien erforscht wird, ist jedesmal beachtlich. Dass mein Blog genutzt und an der einen oder anderen Stelle im Text zitiert wird, freut mich sehr. Man lernt auch bei Stadien, die man zu kennen glaubt, wie dem SVSE Sporttelep in Sopron, von dem Gruber berichtet, dass die Steintribüne einst doppelt so groß und mit einem Holzdach versehen war. Die bekannte Geschichte des Transports der alten Holztribüne vom Union-Stadion in Wels nach Pichl bei Wels hat Gruber mit Archivdokumenten rekonstruiert. Er hat sich mit Akribie drei ehemaligen Sportplätzen in seinem Wohnort gewidmet und die Geschichte des St. Pöltner Rennbahnstadions aus der Vergessenheit hervorgeholt. Wo es keine abdruckbaren Fotos gibt, vermitteln im Buch Skizzen einen visuellen Eindruck aus vergangenen Zeiten.


A4 Format / 34,90 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at

Freitag, 15. Dezember 2023

Unterwegs 24



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 24, November 2023
92 S.









In einem dicken und inhaltsreichen Packerl gemeinsam mit einem neuen Heft von Unterwegs Reloaded und einem Fortsetzungs-Band von Das Fußballstadion (davon später mehr) erschien auch wieder ein neues Heft des Unterwegs-Fanzines von Josef Gruber. Aus dem Sommer 2022 betrachtet und analysiert er die Begegnungen von Ferencváros und Slovan Bratislava mitsamt Rückblicken zur Vorgeschichte, Fotos sowie Meinung und Einschätzung zum Gebotenen. Meine eigenen Texrtpassagen in meinen Blog-Beiträgen zur historischen Einordnung in den Kontext der nationalen Konfliktgeschichte zitiert Josef Gruber ausführlich – „immerhin muss er sich sein Gratisheft auch verdienen“. Ich hoffe, ich habe das damit redlich getan.

Rapid ist gleich mit fünf Spielberichten vertreten. Josef Gruber berichtet von Rapid gegen Lechia Gdańsk 2022 sowie aus dem Jahr 2023 von den beiden Begegnungen gegen Debrecen daheim und auswärts und auch gegen die Fiorentina daheim und auswärts, wobei hier ein interessanter Gastbericht den Hauptteil ausmacht. Aus Debrecen gibt es im Text eine amüsante Anekdote zu einem nicht unbekannten Pfandbecher-Sammler. Sehr amüsant ist auch eine Zeitungsausschnitte-Sammlung über Randale von Rapid-Fans im Burgenland in den 1980ern.

Auch in diesem Unterwegs fehlt ein schöner Italien-Teil nicht. Herausstechend dabei unter mehreren Spielbesuchen sind zwei in sehr guter Übersetzung abgedruckte Texte: Ein Interview mit Porto Pesaro 1982 von Vis Pesaro und ein spannender Artikel zur Kurvengeschichte von Matera von den 1970er Jahren bis 2023/24. Zwei mit allerhand Informationen vollgepackte Texte, aus denen man viel lernen kann.

Weitere Spielberichten im Heft kommen von Sturm Graz gegen Austria Salzburg und aus Deutschland, wohin Josef Gruber auch zu Buchvorstellungen von Le isole reiste. Einen Gastbericht gibt es zum Spiel Zalaegerszeg-Osjiek. Eine Rezension von Die Stimme der Kurve schließt das Heft ab.


A5 Format / 5 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at

Freitag, 28. April 2023

Le isole



Rezension


Josef Gruber
Le isole
Ultras auf Sardinien & Sizilien
Unterwegs Fanzine Verlag 2023
264 S.









Nach dem Buch Lo stile di vita über Ultras in Kampanien legte Josef Gruber ein in gleicher Form gehaltenes Buch über Ultras auf Sardinien und Sizilien vor. 20 Fanszenen Sardiniens und 52 (!) auf Sizilien werden mit Berichten, Eindrücken Grubers, eigenen Texten und Interviews sowie zahlreichen Fotos vorgestellt. Mit kleinen Beiträgen zur Einführung zur Kultur und Geschichte der Provinzen auf den Inseln sowie dem einen oder anderen Foto durfte auch ich wieder ein klein wenig mithelfen.

Im Vergleich zum Vorgängerbuch gab es durch Feedback ausgelöste kleinere Anpassungen, auf die Gruber im Interview zu Beginn eingeht. Interessant ist hier auch der Einblick in die aufwendige Arbeit an dem Buch – ein Jahr nennt Gruber als Zeitraum und geht auch auf Unterschiede der beiden Inseln ein. Wie gewohnt basiert das Werk auf Informationen aus erster Hand anstatt Hörensagen. Während Gruber dabei in Sizilien auf Kontakte bauen konnte und es hier einige Interviews gibt, war man auf Sardinien eher verschlossen und er erhielt Informationen auf inoffiziellem Weg ohne Namensnennung der Gruppen. „Wenn's einfach wäre, würden wir nicht über Italien reden.“ Ein schöner Satz.

Cagliari oder Torres? Das ist die strukurierende Frage auf Sardinien, dessen Szenen sich in eines der beiden Lager gruppieren. Mit 75% Cagliari und 25% Torres beziffert Gruber die Kräfteverhältnisse. Ragte im Kampanien-Buch das Kapitel über Neapel samt unglaublicher Bildstrecke an Graffiti hervor, so ist das hier mit 47 Seiten Cagliari. Auf Basis eines Stadtrundgangs, der auch in (in!) die Ruine des Stadio Sant'Elia führte (siehe dazu auch Grubers Stadionbuch), sieht man einige Graffiti, liest umfangreich die Geschichte der Curva Nord, bekommt alte Supertifo-Interviews in Übersetzung geboten und erfährt ausführlich von den Rivalitäten.
Von Arzachena bis Monastir sind größere und kleinere Fanszenen vorgestellt. Die angesprochene Informationslage ist dabei unterschiedlich. Herausragend interessant ist daher der Abschnitt über Tempio, wo Gruber aus dem Vollen schöpfen kann und auch ein Interview zu lesen ist. Zurückgegriffen wird sonst immer wieder auch auf Fanzines aus Italien und Fotos, die Gruber auch gekonnt analysiert. „Ins Auge gestochen ist mir auf alten Fotos auch die Gruppe Ultrá Olbia Metropolitan, die wohl dem Thrash Metal verfallen sind. Sowohl der Zusatz Thrash als auch die Schriftart der Fahne lassen darauf schließen.“ stellt er so bei Olbia fest. Das Buch schließt mit der Saison 2021/22, daher steht hier auch diesbezüglich korrekt „Die Zeiten mit Gästefans sind jedoch schon lange vorbei, das letzte mir bekannte Derby fand am 29. Mai 2016 statt.“ zur heißen Begegnung von Torres und Olbia (campanilismo-Lokalderby und Rivalität entlang der eingangs angesprochenen Konfliktlinie, da Olbia im Lager von Cagliari steht). 2022/23 gab es das Derby sogar gleich dreimal, einmal in der Coppa und zweimal in der Serie C, wobei ich Gelegenheit hatte, im Oktober das Spiel Torres-Olbia besuchen zu können. Mit Gästen.

Vom Festland aus betritt man nach der Überfahrt in Messina sizilianischen Boden. Hier beginnt Gruber auch seine Rundreise durch Sizilien. Die Masse und Dichte an Fanszenen auf der Insel beeindruckt beim Lesen. Die großen Szenen sind ein Begriff, aber von der vorhandenen Vielfalt erhält man hier einen umfassenden Blick. Über die Platzhirsche Palermo (eher weniger), Catania (eher mehr) und Messina ist hier natürlich viel zu lesen und es ist spannend, eigenes Wissen auszubauen und neu einzuordnen. Wie oben beschrieben, bieten etwa übersetzte Supertifo-Interviews viel Stoff. Großartig ist es aber erneut, hier Seite um Seite von Szenen zu lesen, von denen ich schlicht noch nicht gehört hatte. Im Unterwegs 20 hatte Gruber 2018 in der damaligen Lexikon-Reihe im Fanzine schon einmal Sizilien durchgenommen. Hier im Buch gibt es vom Umfang her um ein Vielfaches mehr an Material und es kamem auch neue Szenen dazu, die 2018 noch keine zehn Jahre Bestand hatten. Das hatte er sich damals als Leitlinien genommen. So gibt es hier etwa im Buch nunmehr ein Interview Grubers mit dem Settore Casual 2020 von Comiso zu lesen. Aus der Masse Höhepunkte herauszugreifen ist schwierig. Canicatti wäre etwa zu nennen, das mir zuvor nichts sagte.

Mit den aus dem Kampanien-Buch eingearbeiteten Erfahrungen wurde das Buch sichtlich besser. Ein guter Schritt. Zusammenfassend kann man sagen, dass dieses Lexikon wieder mit der Fülle seiner Informationen beeindruckt. Am liebsten würde man jetzt jeweils ein Jahr auf die Inseln ziehen.


A4 Format / 29,90 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at

Donnerstag, 23. März 2023

Unterwegs 23



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 23, Februar 2023
92 S.









„3 Jahre habe ich es also ausgehalten.“ schreibt Josef Gruber einleitend. 2019 hatte er mit Ausgabe 22 sein Heft eingestellt und sich verabschiedet. Das sieht er heute kritisch und würde er nicht nocheinmal so machen, schreibt er. Stattdessen nimmt er jetzt das Unterwegs wieder auf und schließt an die Vorgängerhefte an. Das seit Heft 15 geführte Italien-Lexikon wird darin nicht fortgesetzt, ist mittlerweile aber in größerem Umfang in Bücher ausgelagert.

Die Spielberichte im Heft reichen vom Frühjahr 2020, kurz vor der Pandemie, bis zum Saisonende 2021/22. Der geographische Fokus ist beibehalten und so gibt es wieder viel von Spielen in Italien und in Südost- und Osteuropa zu lesen. Österreich ist mit dem Kaffeederby einem Begriff, den wohl nur ein kleinerer Teil der Leserinnen und Leser des Hefts kannte, sowie dem 25-Jahre-Jubiläum der Tornados Rapid vertreten.

Zu den Eindrücken von den Spielen gibt es als Extra, wie man es im Unterwegs schätzt, Texte zu Hintergründen. So erfährt man zu einem Spielbericht aus Ferrara die Geschichte von Vecchio Irish 1992. Es gibt zum Spielbericht aus Obermais ein Spezial zu 15 Jahren Curva Sud Obermais. Man liest von der Entstehung der Verbindung von Ruch Chorzów und Borussia Dortmund, ein Interview mit der Jugendgruppe der Via Armenia 5r von Genoa, Giovanni 5r und ein übersetztes Interview mit den The Warriors von Ancona aus dem Fanzine der Curva Nord Ancona und einen lehrreichen Text über die Geschichte der Curva Sud Chioggia.

Neben dem Fußball gibt es auch Ausflüge zum Basketball (!), wo Gruber 2020 das Choreographiefestival zum 50-jährigen Jubiläums der Fossa dei Leoni von Fortitudo Bologna besuchte und die Gruppe auch gleich interviewte. Ein Eishockey-Ausflug begeisterte nicht so sehr.

Bei manchen Fahrten war ich selbst mit an Bord und Auszüge meiner Berichte hier in diesem Blog davon werden im Heft zitiert. Neu sind im Unterwegs abgedruckte QR-Codes, mit denen zusätzliches Material zu den Texten verlinkt wird. Es ist ein Werkzeug, dass man meiner Meinung nach gut einsetzen kann. Das Wichtigste sollte weitherhin im Heft enthalten sein, in Text- und Bild-Form. Aber Weiterführendes, Ergänzendes, etc. kann man so durchaus sinnvoll unterbringen. Zum Derby Hertha BSC gegen Union Berlin vom 9.4.2022 ist mein Blog-Bericht verlinkt.

„Niemals aufgeben, egal wie alt man ist.“ beschreibt Josef Gruber in der Einleitung als Motto und Botschaft des Titelblatt-Bilds.


A5 Format / 4 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at gruberjosef.jg@gmail.com

Freitag, 13. Januar 2023

Das Fußballstadion



Rezension


Josef Gruber
Das Fußballstadion
Lost Grounds und Stadien abseits der Moderne
Unterwegs Fanzine Verlag 2022
230 S.









„Nostalgie pur und immer abseits der Moderne!“ lautet ein Satz des Vorworts, in dem Josef Gruber den Inhalt seines Buchs über Fußballstadien beschreibt. Als Fanzineautor (Unterwegs Fanzine) und Buchautor (zuletzt Lo stile di vita) zu Ultras und Fankultur ist er bekannt. Hier zeigt er erstmals gesammelt eine zweite Leidenschaft: „Vor 25 Jahren habe ich (Jahrgang 1975) begonnen, leere Grounds zu fotografieren.“ In bewährter Manier erklärt Gruber in einem Interview im Buch die Beweggründe zur Entstehung dieses Werks und die Kriterien der Auswahl. Zu sehen sind Bilder leerer Stadien aus Österreich und seinen Nachbarländern sowie Polen, die Gruber selbst besucht und fotografiert hat. Nicht jedes in Frage kommende Stadion passte „dem eigenen Ordnungswahn geschuldet“ in dieses Konzept. Die auf den 230 Seiten versammelten Bilder aus einem Vierteljahrhundert Stadionfotografie sind aber mehr als genug, um so richtig ins Staunen zu kommen.

Da ist etwa gleich das Format des Buchs voll ausnützend auf den Seiten 10/11 über zwei ganze Seiten die Tribüne des Stadio della Vittoria in Macerata abgebildet und man kann nicht anders als sie mit großen Augen zu bewundern. Seite um Seite beinhaltet das Buch hunderte Fotos herrlicher alter Stadien aus Deutschland, Italien, Österreich, Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn. Die Liste reicht von der Adolf-Jäger-Kampfbahn in Hamburg-Altona bis zum Várkői Ferenc Diáksport Központ in Pécs.

Es ist aber keineswegs ein reines Fotobuch. Josef Gruber hat zu jedem Stadion einen Text verfasst, in dem er seine Eindrücke und die Zeitumstände des Besuchs und der Besichtigung ebenso verarbeitet wie eine penibel recherchierte Stadiongeschichte. Die abgedruckte Quellensammlung zeigt, dass er dabei umsichtig vorging und auch schon mal offene Fragen im direktem Kontakt klärte. So holte er bei der Adolf-Jäger-Kampfbahn eine schriftliche Auskunft des Denkmalamts zum Denkmalschutzstatus ein. Der kolportierte Denkmalschutz des älter aussehenden, aber nach 1945 errichteten Eingangstors „geht auf einen falschen Eintrag bei Wikipedia zurück“ schrieb man ihm dort. Es geht eben doch nichts über gewissenhaftes Vorgehen und auf fundierten Quellen anstelle Copy/Paste basierendem, überlegten Schreiben. Bei eigenen Stadionbesuchen interessiert mich die Geschichte auch immer sehr, wie Leserinnen und Leser meines Blogs wohl nicht entgangen sein wird. Obwohl ich durchaus mit Know How ausgestattet bin und versuche, das ordentlich zu machen, kann ich dabei letztlich aus Zeitgründen viel zu oft nur an der Oberfläche kratzen. So ein Buch ist da schon ein ganz anderes Kaliber. Ein wenig durfte ich bei der Entstehung helfen und werde an der einen oder anderen Stelle im Text sogar zitiert. Die viele Arbeit, die Josef Gruber hineingesteckt hat, merkt man dem Buch an und macht es sehr wertvoll. Es reiht sich in die Reihe großer Stadionbücher ein.


A4 Format / 28,90 € / Kontakt unterwegsfanzineverlag.at

Dienstag, 4. Oktober 2022

Unterwegs Reloaded 2



Rezension


Unterwegs Reloaded
Das fehlende Jahrzehnt
Nr. 2
2022
92 S.









„Werte Nostalgiker,“ beginnt das Vorwort des Hefts in der Anrede und das trifft es genau. Neunzig Seiten Nostalgie bietet die zweite Ausgabe des Unterwegs Reloaded und führt den mit der Erstausgabe eingeschlagenen Weg fort. Zwei Jahrzehnte danach erinnert sich Josef Gruber an seine Spielbesuche im Jahr 2001 und lässt das Publikum in Text und Bild an seinen Eindrücken und Erlebnissen bei 32 Fußballspielen und zwei Eishockeyspielen teilhaben. Schwerpunkt wie gehabt Italien (Pisa-Livorno!) und Polen.

Oft bleibt man beim Aufblättern länger beim Betrachten der Fotos hängen, bevor man erst mit dem Lesen des Texts beginnt. Gerade, was etwa Italien betrifft, sind das sehr oft sehr interessante Bilder, wenn man das gegenwärtige Kurvenbild im Kopf hat. Dazu gibt es auch wahre Kuriositäten, wie gleich vom 3. März 2001 eine Ansicht eines 50-köpfigen Bologna-Auswärtsblocks in Reggio di Calabria auf allen Seiten umringt von ebensovielen Polizisten im Gästesektor.

Die eigenen Erzählungen ergänzt Gruber durch Übersetzungen der damaligen Spruchbänder, was ein großes Maß an Zeitreise im Kopf bringt, sowie teils durch weitere Informationen wie Interviews und Zitate aus zeitgenössischen Fanzines zu den jeweiligen Spielen. Aber nicht nur von Kurvenhintergründen kann man lesen, sondern auch vom Reisealltag vor zwanzig Jahren. 2001 ist ja eigentlich noch gar nicht so lange her, aber dennoch lief manches anders ab. Zum Beispiel die Quartiersuche: „Booking.com war 2001 noch nicht erfunden. Das bedeutete unzählige Meter Stadtrundgang und zigmal dieselbe Fragerei nach einem freien Zimmer. Was da früher Zeit und Nerven draufgingen, das könnt ihr euch heute gar nicht mehr vorstellen.“

Rapid findet Berücksichtigung in Berichten von den Europacup-Heimspielen gegen Partizan und PSG. „Das Sahnehäubchen an Provokation war eine riesige Commando Ultras Marseille Schwenkfahne und am Zaun eine kleine CU84-Fahne.“ berichtet Gruber vom Block West bei letzterem Spiel und hat ein Gruppenfoto der Lutece Falco am Michaelerplatz in der Wiener Innenstadt im Heft (!), denen er am Nachmittag des Spieltags begegnet war.
Das Partizan-Gastspiel war gemeinsam mit dem im ersten Heft geschilderten Ausweichspiel von Roter Stern im Hanappi auslösender Moment für Gruber, im November 2001 zum Belgrader Derby zu fahren. Die Umstände waren in jener Zeit noch andere. So brauchte es einen freien Tag, um vor Ort in der jugoslawischen Botschaft in Wien das Visum zu beantragen, wofür er von einem Tauschkollegen ein Einladungsschreiben aus Belgrad vorlegen konnte, und – „ein kleines Vermögen damals“ – 420 Schilling zu bezahlen hatte.
„Damals war es bei weitem noch nicht so, dass ganz Europa an einem Derby-Tag in Belgrad auflief. Soweit mir bekannt, waren aus dem deutschsprachigen Raum bis zu jenem 3. November nur die zwei alten Hopper-Legenden Mardo und Teamchef bei dem Derby.“ Allein das verdeutlicht, von welch anderer Zeit hier im Heft zu lesen ist.


A5 / 4,50 € / limitierte Auflage über Vorbestellung / Kontakt gruberjosef.jg @ gmail.com

Dienstag, 22. Juni 2021

Unterwegs Reloaded 1



Rezension


Unterwegs Reloaded
Das fehlende Jahrzehnt
Nr. 1
2021
92 S.








„Es ist an der Zeit für ein Heft, das sich dem Nostalgischen widmet.“ Nach dem Ende des Unterwegs Fanzine mit Ausgabe 22 bringt Josef Gruber nun im neuen Heft Unterwegs Reloaded unveröffentlichte Berichte aus der Erscheinungspause des Hefts zwischen Nr. 6 (Jänner 2000) und Nr. 7 (November 2012). Aus Erinnerungen entsteht mitsamt alten Fotos und neuen Informationen eine interessante Zeitreise. Zwei Jahrzehnte nach den Spielen, über die Gruber hier berichtet, ist die Betrachtungsweise teilweise anders geworden. Sei es, dass in allen Fanzines damals nur „an der Oberfläche gekratzt“ und keine Fakten geschrieben wurden, wie Gruber im Blick zurück feststellt, oder dass „sich 20 Jahre später der eigene Blick auf die alten Fotos verändert, was man so an neuen Details entdeckt und welche Infos man dank einem dichten Netzwerk an Kontakten erhält. Spruchbänder wurden im Jahr 2000 sowieso nur bestaunt, aber übersetzt hat sie kaum jemand.“ Somit bietet das Heft einen Mehrwert mit heutigem Wissensstand.

Es ist eine Zeitreise, wenn man sich beim Lesen die damaligen Umstände vergegenwärtigt. „Man hat die Supertifo bei den stundenlangen Zugfahrten studiert und die Bilder auswendig gelernt. [...] In der Vor-Internet-Zeit hatte ein Foto sowieso eine ganz andere Bedeutung. Du bist oft minutenlang vor einem Bild gesessen und hast die Informationen förmlich aufgesaugt.“ erzählt Gruber etwa, wie man sich über das Auftreten der italienischen Kurven informierte. So steuerte Gruber etwa im Februar 2000 mit Vis Pesaro gegen Rimini ein Spiel der viertklassigen Serie C2 als Hauptspiel des Wochenendes an, was damals eher unüblich gewesen sei. „Auch wenn es kein Derby innerhalb einer Region ist, wusste ich aus dem Supertifo, dass es sich hier um eine ausgeprägte Rivalität handelt.“

Im Mai 2000 ging es für Gruber erstmals nach Polen. „So um 1996 herum habe ich langsam angefangen, mit Polen Bilder zu tauschen. Das waren richtig arge Fotos, wie wir sie hierzulande nicht kannten.“ Wie manches sich doch verbessert hat, sieht man daran, dass er auf der Nachtzugfahrt von Wien nach Warschau durch die Grenzkontrollen insgesamt viermal geweckt wurde. Ich selbst fahre gerne mit Nachtzügen und schlafe gerne durch – daher also eine unangenehme Vorstellung.

Ein „Schmankerl in Hütteldorf“ kommt auch vor. Allerdings nicht von Rapid sondern das von der UEFA aus Sicherheitsgründen von Belgrad nach Wien verlegte Europacupspiel von Roter Stern gegen Leicester City. Daneben sind hier Spielberichte aus dem Jahrvon Februar bis November 2000 aus Italien, Polen, Frankreich (!) und Ungarn versammelt.

Nummer 2 wird Spiele des Jahres 2001 beinhalten. Man kann sich freuen.

Freitag, 22. Januar 2021

Lo stile di vita



Rezension


Josef Gruber
Lo stile di vita
Ultras in Kampanien
Eigenverlag 2021
266 S.









„Salernitana, Cavese, Napoli, Avellino und Savoia sind Namen, die jeder kennt, wo jeder schon einmal war oder zumindest daran vorbeigefahren ist. Aber Kampanien ist auch Albanova, Marcianise, Grottaminarda, Scafatese, Mariglianese oder Ischia.“ bringt Josef Gruber die Devise des Buchs auf den Punkt und beschreibt damit seinen Wert. 42 Kurven (!) werden mit ihrer Geschichte im Rahmen einer Rundreise durch die kampanischen Provinzen Caserta, Benevento, Avellino, Salerno und Neapel vorgestellt. Neun Jahre nach dem Buch Ultras Italien über die Jahre 1998 bis 2006 ist es das zweite Buch von Josef Gruber: Ein Portrait und Lexikon der Ultras in Kampanien, der hierfür wohl faszinierendsten Region Italiens. Nicht nur hier, aber hier besonders, ist Ultrà eine Lebenseinstellung, ein stile di vita.

Wenn man das Buch zur Hand nimmt, fällt das A4-Format als erstes auf. Es sorgt dafür, dass die zahlreichen Fotos sehr gut zur Geltung kommen. Was einen hier aber mehr in den Bann zieht – die Bilder oder die Fülle an Wissenswertem in den Texten – ist schwer zu sagen. Die Vorgangsweise Josef Grubers ist aus den Folgen seines Italien-Lexikons in seinem Fanzine Unterwegs bekannt. Der vermehrte Platz in einem Buch bringt nicht nur beeindruckende Fotos sondern auch nicht weniger beachtliche Informationssammlungen zur jeweiligen Kurvengeschichte. „Ein Beispiel war Cavese, eine Kurve, die ihre eigene Geschichte noch nie irgendwo zu Papier gebracht hat. Eigentlich unglaublich. Das hat das ganze Unterfangen schon sehr herausfordernd gestaltet. Zum Glück ist mein Youtube-Video von Cavese-Vibonese auch dem Trommler der Curva Sud bekannt gewesen, sodass ich über diesen Weg weitere wertvolle Informationen erhalten habe.“ bietet Gruber in der Einleitung einen Blick hinter die Kulissen. Dazu gibt auch ein Interview von Mitarbeiter und Übersetzer Dominik (von dem auch ein Abschnitt über Calcio popolare stammt) mit Autor Gruber und Layouter Benny (Nürnberg) einige Einblicke in die Hintergründe der Entstehung des Buchs. Spannend: In einem Buch das Making-of gleich derart dazu serviert zu bekommen, kannte ich in dieser Form noch nicht.

Eine kleinen Einstieg zur Kulturgeschichte durfte ich beisteuern. Wer sich also für Königsschlösser, Principato Ultra oder das Ei des Vergil interessiert, kann darüber hier lesen. Als Höhepunkt der Rundreise steht Neapel an. Hierauf entfällt natürlich der größte Anteil, denn Napoli ist in jeder Hinsicht eine Wucht. Wer vom Interesse des Autors dafür weiß, konnte sich hier auf einen Schatz freuen und wird nicht enttäuscht. Er geht auf die Curva A und die Curva B sowie Freundschaften ein und bietet dann eine fotografische Rundfahrt durch die Stadtviertel. Hier werden die Napoli-Graffiti gezeigt und Josef Gruber erzählt dazu von den dort verankerten Gruppen. Das lässt in die neapolitanische Welt eintauchen.

Zuvor beeindruckt vor allem die Fülle an kleinen Vereinen und kleinen Kurven, die hier portraitiert werden. Von vielen hatte ich vielleicht irgendwann einmal den Namen aufgeschnappt, aber im Wortsinn kein Bild vor Augen. Das ändert sich hier und man liest über Auf und Ab und Wechsel der Gruppen in diesen Szenen im Laufe von Jahrzehnten. Dazu kommen die größeren Namen, von denen man schon viel gehört und etwas gesehen hat, aber hier nochmal bedeutend Tiefgehenderes erfährt. Man liest vom Auseinanderbrechen jahrzehntelanger Freundschaften wie jener von Benevento und Savoia („Es ist ein bisschen so, als ob ein Freund zu dir nach Hause kommt und ohne Erlaubnis die verschiedenen Wohnräume in Besitz nimmt.“). Die bemerkenswert häufigen Freundschaften deutscher Fanszenen zu kampanischen Kurven fehlen in der Darstellung jeweils auch nicht. Die Entstehung der Beziehungen von Savoia und Arminia Bielefeld sowie Lippstadt und Cavese, die hier beschrieben wird, sind darunter die wohl ungewöhnlichsten. Dazu all die Bilder aus den Stadien, von Graffiti, von den großen Choreographien der Salernitana, ...

Mit leuchtenden Augen klappt man am Ende das Buch zu. Für die Zukunft bleibt ein eingangs im Buch skizzierter Traum: „Wer weiß, vielleicht entsteht beginnend mit diesem Werk einmal eine kleine Bücherreihe, die eines Tages, mit einem schmucken Sammelkarton eingefasst, in eurem Regal steht.“

Freitag, 20. Dezember 2019

Unterwegs 22



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 22, Dezember 2019
60 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine








Mit Nummer 22 beendet Josef Gruber das Unterwegs Fanzine. Die letzte Ausgabe spielt dafür noch einmal alle Stückerln. Spielberichte gibt es, wie man es hier stets gewohnt war, aus dem nahen Osten Europas (zwar hier nicht aus Polen, aber doch aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Kroatien und Slowenien) und vor allem aus Italien. Das zusammengetragene Wissen und der Detailreichtum ist hier die Stärke. So erfährt man über die Anzahlen der anwesenden Freundschaften beim großartigen Play-off-Spiel Triestina-Pisa und die anwesenden Interessierten verschiedener österreichischer Vereine.
Interessant ist die Einschätzung des Derbys Livorno-Pisa vom Oktober 2019, da Gruber es in Relation mit seiner Erfahrungen aus alter Zeit bringt.

Aus Ungarn wird ein besonderes Schmankerl an Informationen aus erster Hand geboten, denn Gruber gibt dem Gründer der Ultra Viola Bulldogs 1992 und langjährigen Kurvenfotografen von Újpest Réti Zsolt Raum, über den Verein, Ultrà in Ungarn und insbesondere die Entwicklung der Újpest-Kurve zu schreiben.

Rapid ist wieder mit einem Gastbericht vertreten. Dieses Mal berichtet der Stuttgarter Timo (timo0711.blogspot.com) seine Eindrücke vom Sommertestspiel Rapid-Nürnberg.

Wie bei der Rückkehr aus der zwölfjährigen Pause in Nummer 7 ist das Heft „Oldschool“ gestaltet: „So richtig mit Schere, Uhu und dem ganzen Bastelkram.“ Seit Heft Nummer 9 durfte ich den einen oder anderen Beitrag leisten. Josef Gruber bedankt sich im Vorwort, aber auch ich muss Danke sagen. Denn ich habe aus der Fülle an Informationen, die hier zu finden waren, sehr viel gelernt.

Freitag, 10. Mai 2019

Unterwegs 21



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 21, Mai 2019
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine








Italien und Rapid machen im großen und ganzen den Inhalt der 21. Ausgabe des Unterwegs aus. Wie könnte es anders sein natürlich mit Schwerpunkt auf Italien. Seine Reisen führten Josef Gruber jenseits der Halbinsel auf die Insel Sizilien, wo er die Spiele Palermo-Benevento, Noto-Mazzarone, Modica-Ragusa und Siracusa gegen Sicula Leonizo besuchte und die geneigten Leserinnen und Leser dazu mit allerhand Eindrücken und Hintergrundinformationen zu den Kurven versorgt. Aus dem Norden gibt es diesmal einen Bericht vom Turiner Derby und dem 50-Jahres-Fest der Curva Sud des AC Milan. Dazu gibt es eine Text von mir über die Geschichte des Austragungsorts von Feier und Jubiläumsspiel, der Mailänder Arena Civica. Die Autorenzeile ist durch ein Versehen zum nächsten historischen Text, über Berlusconis große Inszenierung 1986, verrutscht. Interessant ist ein weiterer Text über die Freundschaft von Milan und Brescia. Zur 50-Jahr-Feier der Curva Sud selbst zieht Josef eine kritische Bilanz.

Zu Rapid gibt es diesmal einen besonderen Gastbericht, von einem Wien-Urlauber aus der Kurve von Genoa über das Spiel Rapid gegen Sturm Graz im Dezember 2018. Er notiert dabei interessante Eindrücke. Einschätzungen des eigenen Geschehens von außen sind immer spannend. Apropos Sturm: Zur Entstehung von deren Freundschaften zu Pisa und Carrara ist ein Text aus dem schwarzen Graz abgedruckt. Besondere Berücksichtigung finden im Heft natürlich die beiden Europacupspiele Rapid-Inter und Inter-Rapid vom Februar diesen Jahres, auf die auf acht Seiten zurückgeblickt wird. Dazu hat Josef einen lehrreichen, ausführlichen Überblick über bisherige Auftritte italienischer Fankurven in Österreich erstellt.

Turin wurde schon erwähnt und die neunte Folge des Italien-Lexikons beschäftigt sich hier auch mit der Region Piemont. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Torino und der Curva Maratona, samt Besuch des nur wärmstens zu empfehlenden Museo del Grande Torino e della Leggenda Granata. Die Meinung über Juventus ist auch am Titelblatt abzulesen, das ein diesbezügliches Transparent am Rest der alten Tribüne des Stadio Filadelfia zeigt (im Hintergrund ist die moderne Tribüne des Stadionneubaus schemenhaft zu erkennen). Den Abschnitt über die Geschichte von Region Piemont und Hauptstadt Turin durfte erneut meine Wenigkeit verfassen. In den Kurvenportraits über die einzelnen Vereine wurden die Angaben zur Halbzeit des Lexikons etwas verändert: „Der Punkt Politik wurde gestrichen, denn der Wandel der italienischen Gesellschaft macht 2019 auch vor den Kurven nicht halt, so ist es kaum mehr möglich hier eine genaue und zu 100% auf die entsprechende Kurve passende politische Aussage zu machen. Neu dazu gekommen ist dafür der Punkt ‚persönlicher Eindruck‘, eine heikle aber spannende Sache.“

Samstag, 15. Dezember 2018

Unterwegs 20



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 20, Dezember 2018
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine







Die zwanzigste Ausgabe des Unterwegs: Im Sommer rückten wieder diverse Europacupspiele in den Fokus, wo Josef Gruber mit FK Sarajevo gegen Atalanta eine sichtlich gute Partie erwischte. „Es stand zur Wahl: TrenčínGórnik Zabrze am Sportplatz in Myjava und nur 350 Karten für Górnik oder Sarajevo mit annähernd gleich vielen Gästen. Ich habe dann doch die unbequeme Variante gewählt. :) Hier gleich mal ein interessanter Vergleich: Atalanta durfte aufgrund der UEFA-Auflagen wieder nicht in Bergamo spielen, der Dorfplatz in Myjava mit knapp 2.700 Kapazität war schon geeignet. Ok, wir wissen eh alle, dass die Herren im UEFA-Hauptquartier einen großen Vogel haben. Man muss es aber doch regelmäßig erwähnen.“ Sehr richtig!
Rapid ist diesmal wieder stärker im Heft vertreten, mit gleich vier Berichten: Einem Gastbericht vom Südstadt-Auswärtsspiel im Juli, natürlich mit den beiden Duellen mit Slovan Bratislava und noch selbstverständlicher mit dem Heimspiel gegen Wacker Innsbruck mit Ultras-Rapid-Jubiläumschoreographie. Zur beeindruckenden „Endstation Hütteldorf“-Choreographie der Tornados beim Heimspiel gegen Slovan Bratislava gibt es auch noch ein Interview zur Entstehungsgeschichte.

Der Schwerpunkt der letzten Hefte lag auf Italien. Langjährigen Unterwegs-Leserinnen und -Lesern fiel da wohl auch die Abwesenheit eines zuvor ebenfalls stark im Fokus liegenden Landes auf. Diesmal ging es wieder dorthin. „2,5 Jahre war ich nicht in Polen, eine kleine Ewigkeit wenn man bedenkt, dass ich seit 1999 so ziemlich jede Saison einige Spiele gemacht habe. Eines der letzten Spiele war das Riotgame Ruch-Wisła, wo es gut zur Sache ging. Kurz darauf erklärten sich beide Seiten zu Freunden. Das war mir dann etwas zuviel, ich habe die Szene in Polen nicht mehr so aufmerksam verfolgt wie früher, einfach weil mir das zu blöd wurde.“ Hier im Heft gibt es Besuchsberichte von vier polnischen Matches, ein Interview zur Freundschaft von GKS Bełchatów und Hutnik Kraków sowie der Hinweis auf das nicht gerade weithin bekannte, aber schöne Stadion Korona Kraków. Dazu gibt es auch einen Bericht vom Budapester Derby mit ungewöhnlicher polnischer Beteiligung.

Das Großprojekt Italien-Lexikon präsentiert in seiner achten Folge hier die Fanszenen Siziliens. Der größte und spannendste Teil ist hier ein ausführliches Interview mit Genna Vito von den Fossa dei Giganti von Akragas (siehe dazu auch Blickfang Ultrà 35).

Freitag, 14. September 2018

Unterwegs 19



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 19, September 2018
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine







Nach dem großen Bari-Schwerpunkt zum Derby Bari-Foggia vom Herbst 2017 in Unterwegs 17 bietet Josef Gruber diesmal hier zum Rückspiel im April in Foggia auf 16 Seiten Seiten ein Portrait der Fanszene von Foggia (bzw. der Curva Nord) mit spannenden Einblicken: Spielbericht, Fotos, Kommentar, Besuche der Gruppenräumlichkeiten und Interview. Dazu gibt es einige weitere Berichte und Informationen aus Italien wie Spielbericht und Hintergrundinformationen zu Portici gegen Arcireale (Video am Youtub-Kanal), Casertana gegen Juve Stabia, Südtirol gegen Viterbese und Südtirol gegen Cosenza. Ein besonderes Erlebnis muss der Empfang der vom Auswärtssieg bei Juventus siegreich zurückkehrenden Napoli-Mannschaft durch stundenlang am Flughafen von Neapel feiernde Tifosi gewesen sein, die den Scudetto in Griffweite sahen (es wurde dann wie üblich nichts). „Die Zeit bis zur Ankunft vertrieb sich der auf mehrere tausend Wahnsinnige angewachsene Mob mit Fackeln, Pogos und Gesängen. Bis auf die Fedayn waren alle Gruppen mit ihren großen Schwenkfahnen (also quasi offiziell) präsent!“

Das Italien-Lexikon präsentiert in seiner siebten Folge die nicht übermäßig bekannte Region Molise, in der v.a. Campobasso erwähnenswert ist. Auf 24 Seiten wird die Region vorgestellt und sich der Kurvengeschichte Campobassos gewidmet. Über das alte Stadion gibt es einen Text von mir.

Das Heft steht also wieder fast ganz im Zeichen Italiens. Daneben gibt es noch einen Spielbericht von Videoton gegen Ferencváros in Felcsút, ein aktueller Zustandsbericht des historischen WAC-Platz in Wien, ein Gastbericht vom Spiel Rapid-Altach und Eindrücke von der 30-Jahr-Feier der Ultras Rapid. Ich selbst beschäftige mich angesichts aktueller Ereignisse in einem Kommentar mit der Frage von Rapid und Religion bzw. dem neuen Naheverhältnis zur katholischen Kirche.

Ein Hammer ist das Kunstwerk von Josef Grubers Frau Sabine, welche diesmal die Unterwegs-Redaktionsmannschaft karikiert hat. Darunter auch die erste Karikatur meiner Person. Wie sie aussieht? Ihr findet sie im Heft.

Dienstag, 8. Mai 2018

Unterwegs 18



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 18, Mai 2018
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine






Die Folgen 4 und 6 des Lexikons der zwanzig italienischen Regionen beleuchten hier das Aosta-Tal sowie Trentino/Südtirol. Im Valle d'Aosta gibt es seit zehn Jahren keine aktive Ultràgruppe mehr und in Südtirol hat sich die Ultràkultur eher im Eishockey als im Fußball breitgemacht. So wird das Aosta-Tal auf vier Seiten verhältnismäßig kurz, aber wohl doch umfassend, dargestellt und im Südtiroler Fall ausführlich auf die Eishockeyszene geblickt. Nur mehr im historischen Teil kommen die ehemalige Kleinfeldfußballszene von Bubi Merano und die ebenfalls ehemaligen Ultras Trento vor. Dazwischen gibt es aber mit Folge 5 ein weiteres Highlight des Lexikons: Ligurien. Es ist ein Interview mit einem Choreographieverantwortlichen der Fossa dei Grifoni von Genoa zu lesen, der seit dem Gruppengründungsjahr 1973 dabei ist, dementsprechend bereits ein gutes Alter hat und aus der Schule plaudern kann. La Spezia ist mir aber abgegangen.

Weiters gibt es die gewohnten Spielbesuchsberichte, diesmal aus Italien, Deutschland und Ungarn sowie vom Europacupspiel von Atalanta BC bei Borussia Dortmund. Verdienstvollerweise klärt Heftautor Gruber bei einem Besuch bei SPAL vor Ort in Ferrara, was es mit dem dort am Zaun hängenden „Wien weissblau − immer wieder S.P.A.L.“ auf sich hat. Wer es wissen möchte: Die Antwort ist im Heft auf Seite 21 zu finden. Als Special neben dem Bericht vom jüngsten Budapester Derby bei Újpest gibt es einen Rückblick auf das Derby vom November 1998. Die Mischung aus aktuellen Berichten und historischen Rückblicken ist ein Markenzeichen des Hefts.

Dienstag, 13. Februar 2018

Unterwegs 17



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 17, Februar 2018
96 S.
facebook.com/Unterwegs-Fanzine






Neben einigen anderen Spielberichten (u.a. vom Wiener Derby im Cup im Herbst) ist der Tour-Teil diesmal von einer Italienreise des Heftautors im November 2017 geprägt. Über Portogruaro, wo derzeit Mestre spielt, führt sie über Empoli, Avellino und Caserta zum großen Höhepunkt, dem Derby zwischen Bari und Foggia. Hier gibt es neben schönen Bildern auch detailreichen Lesestoff über Ablauf und Eindrücke mitsamt Interview mit dem Capo der Seguaci della Nord von Bari. Den Film dazu gab es schon vorab im Youtube-Kanal. Zum Drüberstreuen ging es für die Herrschaften dann noch nach Fasano sowie Teramo am Rückweg. Das alles in vier (!) Tagen, was viele Kilometer und hohe Zeitdisziplin bedeutet. Wer wissen möchte, warum sich in Fasano am Stiefelabsatz der italienischen Halbinsel ein Doppelhalter mit der deutschsprachigen Aufschrift „Ich liebe Kartoffel“ findet, muss im Heft nachlesen.

Sowohl bei den Tourberichten als auch im nachfolgenden Lexikonteil stammen einige interessante historische Beiträge von Sandro Solinas, der soeben eine Neuauflage seines Buchs Stadi d'Italia im Eigenverlag herausgebracht hat.

Die dritte Folge des Italien-Lexikons beschäftigt sich diesmal auf fünfzig Seiten mit der Region Lazio. Ihre Geschichte (diesen Part durfte ich beisteuern), historische Stadien, historische Ultragruppen, Berichte von Römer Derbies 1992 und 1993, Kurzvorstellung von 24 Kurven, Interviews mit zwei Gruppen sowie Buchempfehlungen. Die Fülle an Information ist beeindruckend und ruft Vorfreude nicht nur auf die nächsten Folgen sondern auch auf das geplante zusammenfassende Buch hervor.

Freitag, 17. November 2017

Unterwegs 16



Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 16, November 2017
96 S.







Teil 2 des in der vorigen Ausgabe begonnenen Projekts eines Lexikons der Ultràkurven der zwanzig italienischen Regionen führt diesmal nach Apulien (italienisch Puglia) an den Stiefelabsatz. Die Region ist für Josef Gruber die „Königsklasse“. 34 Vereine und Kurven werden von ihm mit Daten, Gruppennamen, Freund- und Feindschaften, einem Foto etc. aufgelistet. Dazu gibt es vertiefende Interviews mit den Ultras Tricase, den Bad Boys von Monopoli und zur Salzburger Freundschaft mit Barletta mit deren Vorsänger Salva. Interessant ist dabei auch wieder einmal der Rückblick auf historische aufgelöste Ultràgruppen. Einen Einblick in die Werkstatt gibt es dazu in der Einleitung des Lexikon-Teils des Hefts: „Besonders schwer war es, Infos aus Taranto ranzuholen. Über 2 Ecken (das übliche Spiel also) klappte aber auch das. Mitten im Hochsommer wurden einem Original aus der Kurve tatsächlich ein paar Sätze über die Auflösung der ersten Ultra-Gruppe in Taranto entlockt. Diese 4 kurzen Rückblicke auf Lecce, Bari, Foggia und Taranto haben gesamt über 1 Woche Recherche in Anspruch genommen. Nur damit ihr ein Gefühl bekommt, wie lang sowas dauert.“ Film- und Büchertipps schließen den 66-seitigen Schwerpunkt ab.

Weitere Berichte behandeln im Heft den Film Großer Bruder sowie einige besuchte Spiele im Sommer 2017. Anläßlich eines Testspiels des Vereins in Altach führt er dort auch ein Interview mit dem Schweizer Atalanta-Fan Remo Z., u.a. Autor des Blogs viaggiare partire (und Teil des Unterwegs-Übersetzungsteams).