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Freitag, 20. März 2026

Tornados Spezial, 54




Rezension


Tornados Spezial
Ausgabe 54
108 S.









„Dieses halbe Jahr hat uns nicht nur wesentlich älter gemacht, sondern auch Jahre näher an den Tod gebracht.“ leiten die Tornados im Vorwort ihr Heft mit dem Rückblick auf die Rapid-Herbstsaison 2025 zutreffend ein. Als Rapidfan altert man aufgrund der emotionalen Hochschaubahnen mit rasanten Abstürzen nach kurzen Höhenflügen generell schnell. Die Saison 2025/26 sticht dabei aber nocheinmal aus dem langjährigen Schnitt heraus.

Einer der zahlreichen Punkte dieses Alterungsprozesses war die in sieben Jahrzehnten Europacupgeschichte erstmalige Entscheidung einer Begegnung Rapids im Elfmeterschießen im Sommer bei Dundee United, wobei nach 2:0-Pausenrückstand das jähe frühe Ende der Europacupsaison auch schon davor nahe war. Unter dem Titel „Auf den Punkt gebracht“ beschäftigen sich die Tornados in ihrer stets lehrreichen Geschichtsbetrachtung diesmal mit den Elfmetern in der Rapid-Geschichte und versuchten dazu auch soweit möglich die Daten und Zahlen zusammenzutragen. Man lernt wieder einige Fakten der Rapid-Geschichte dazu.

„Oida. Puh.“ und ähnliche Gedanken kommen einen zu den aufsteigenden Grausbirnen beim Lesen der Spielberichte des Herbsts 2025. Da waren Tiefpunkte wie die Heimniederlage gegen den Tabellenletzten GAK dabei, die ich gern verdrängt gehabt hätte. Aber an die guten Momente wird man hier zumindest auch erinnert. Auch wenn der Europacupherbst katastrophal zu bilanzieren ist, konnte man immerhin doch wieder einmal mit der Rapid kreuz und quer durch Europa reisen. Ein Schmunzeln entlockte die Bildunterschrift „Statue eines fassungslosen Rapidfans im Herbst 2025“ zur abgebildeten Statue des Jan Kiepura in Sosnowiec, wo Rapid sich von Raków Częstochowa an die Wand spielen ließ.

Im Text über das Freundschaftsspiel von VeneziaMestre in Hütteldorf gehen die Tornados auch auf die besondere Situation aufgrund ihrer Freundschaft zu deren Rivalen Parma und den Umgang damit ein. Im großen Interview gibt es diesmal ein Gespräch mit Chris und Moriz, die mit den Lords die Fanszene Rapids lange mitgeprägt haben und heute in anderer Rolle in von den Vereinsmitgliedern gewählten ehrenamtlichen Funktionen des SK Rapid tätig sind. Sie reflektieren Vergangenheit und Gegenwart. Weiters liest man im Heft wieder von Veranstaltungen und von Besuchen bei Ferencváros und Parma sowie Nürnberg. Im Rezensionsteil fällt den Tornados im Film der Union '99 Ultrà Salzburg eine Vorliebe für Ottakringer Bier aus Wien auf. Ein Reisebericht entführt einen gedanklich in Text und Bild nach Kolumbien.


A4-Format / 5 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Dienstag, 7. Oktober 2025

Tornados Spezial, 53




Rezension


Tornados Spezial
Ausgabe 53
96 S.









Um die am Titelblatt zu sehende goldene Ananas spielte Rapid am Saisonende 2024/25 nur mehr, was sarkastisch mit „Mission 33, Versuch 17“ beschrieben wird. Trainer war bis zum Rauswurf im Frühjahr Robert Klauß. Da er dennoch eine gute Nachrede hat, führten die TR ein Interview mit ihm, in dem er über Red Bull, den Block West und Rapid spricht. Seine Analyse zum Ende beinhaltet den Fokus der Spieler auf den Europacup, wonach die Mannschaft nach dem Ausscheiden „komplett tot“ war, und der besseren Anpassung der nationalen Gegner auf das Rapid-Spiel im Herbst. Warum man nach dem Eintrainieren neuer Ansätze in der Winterpause dann in der Meisterschaft dennoch alles verloren hatte, fragt er sich selbst: „Wo ich mir heute denke, wie kann das gehen.“ Da liegt wohl der Schlüssel. Das alles und noch viel mehr in einem lesenswerten Gespräch.

Im Unterschied zum Bildschrim-Scrollen vergeht beim Lesen von Heften nicht nur die Zeit, sondern man ist nachher meist klüger. Das trifft dies auch wieder einmal auf dieses Heft zu, in dem sich die Tornados mit Sektionen in Ultrà-Gruppen und besonders in der Geschichte des Block West beschäftigen. Da sind doch viele Details und Umstände beschrieben, die ich zumindest vorher nicht so kannte. Einen Blick zum Thema Sektionen und der dortigen Handhabung machen die TR auch zu Ferencváros und Parma sowie Nürnberg.
Unfassbare zehn Jahre (!) ist die instruktive Aufarbeitung des Themas Sektionen in der Vereinsgeschichte des Sportklub Rapid in Ausgabe 36 des Tornados Spezial bereits her. In einem Update und Nachfolgeartikel geht es hier nun um die zwischenzeitliche Etablierung der Frauen sowie die Umstände von Möglichkeiten zur Etablierung von Handball und Basketball. Der Artikel plädiert erneut für die Ausweitung des Sportklubs auf andere Sportarten wie z.B. Darts und verweist auf die vorhandenen Ansätze im Boxsport durch den aus dem Block West entstandenen Boxclub Rapid Wien.

Von den und über die oben erwähnten Freundschaften liest man im Heft wieder sowie von diversen Aktivitäten des Block West und bei Rapid. Erwähnt werden auch die Beweggründe, warum neben den Printprodukten im Onlinebereich zu Homepage tornadosrapid.at und Youtube fichtl96 nunmehr auch Instagram fichtl96 getreten ist. Im Rezensionsteil gibt es Beiträge über den Film Aura einer Legende zu 125 Jahren 1. FC Nürnberg sowie gleich zu zwei Fanzines von Sturm Graz, nämlich dem Clockwork Jewels Nr. 7 der Jewels Sturm und Fuori di Testa Nr. 1 der Grazer Sturmflut.

Das Frühjahr 2025 brachte für Rapid eine emotionale Hochschaubahn, wobei dabei wohl im Nachgang die Talfahrt nachhaltiger in Erinnerung bleibt. In den Berichten zu den Rapid-Spielen kann man die Ereignisse und Umstände nochmal nachlesen und die zahlreichen Bilder dazu betrachten, um sich das alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die großen Momente gab es im Europacup mit zwei Duellen in Achtelfinale und Viertelfinale. Die Erinnerung an die Nerven, die man bei dem Rückspiel gegen Borac Banja Luka und dem Rückspiel gegen Djurgårdens IF liegen gelassen hat, kommt wieder hoch. Aber auch schöne Erinnerungen an jene Zeiten.

Wie sehr ich Globetrotter bin, obwohl ich Europa nicht verlasse, machten einem die Tornados in ihren Text über die Kosten der Rapid-Saison 2024/25 für das Allesfahrer-Börserl klar. „Mit den gesammelten Kilometern könnte man den Globus zu 73% umrunden.“


A4-Format / 4 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Mittwoch, 23. April 2025

Tornados spezial, 52




Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 52
96 S.









Trikots, Sturmhauben, Ausschreitungen und Aufregungen. Darüber und noch über viel mehr gibt es im wieder 96 Seiten starken Fanzine der Tornados Rapid zu lesen. Anlässlich des negativ beurteilten Rapid-Trikots, „das fast von jedermann als unfertig angesehen wird“, beschäftigt man sich mit dem Rapid-Dress im Lauf der Geschichte und stützt sich dabei auf das hervorragende Buch „Grün-Weiß sind unsere Farben“ von Julian Schneps. Um Bekleidung geht es auch in einem weiteren Artikel, der sich Vermummung und Sturmhauben in der Rapid-Geschichte widmet und warum diese genutzt, aber nicht exzessiv damit posiert wird. „Irgendwas is' immer“ ist der wahrste Satz zu Rapid. Auch im Herbst 2024 passierte wieder einiges, wozu die Tornados hier auch ihre Meinung kundtun. Im Sinne eines lebendigen Mitgliedervereins berichtet das Heft wieder über die vergangene Rapid-Hauptversammlung und beurteilt manche Vorgänge kritisch.

Weiters liest man im Heft erneut von den und über die Freundschaften Ferencváros und Parma sowie auch von Besuchen bei Nürnberg.
Groundhoppingberichte finden sich im Heft diesmal leider keine, dafür hat man den Rezensions-Teil ausgebaut. Einige Seiten füllen Bilder der zahlreichen Graffiti.

Rapid ist und bleibt im Zentrum und so umfassen 56 der 96 Seiten Berichte von Rapid-Spielen bzw. deren Drumherum im Herbst 2024. Beginnend im Sommer mit dem Jubiläumsspiel gegen den AC Milan und endend mit dem Europacup-Highlight gegen den FC Kopenhagen erzählen verschiedene Autorinnen und Autoren der Tornados wie üblich getrennt zwischen nationalem und internationalen Bewerb von den Ereignissen und Begebenheiten während der und rund um die Spiele. Stets eine interessante Chronik, wenn man dies zurückschauend und sich erinnernd liest. Dabei liest man auch von diversen Hintergründen wie etwa dem Zusammenhang der Auswärtschoreographie bei Blau-Weiß Linz im Sommer mit dem Thema Nachhaltigkeit, Müllvermeidung und Kostenersparnis.
Einen besonderen Stellenwert nehmen die Europacup-Auswärtsreisen ein, von denen es 2024/25 mehr als jemals zuvor gab. „Der Europapokal verschlägt den reisewilligen Rapidler neben Weltmetropolen ab und an auch an Orte, die man ohne Rapid wohl nie in seinem Leben gesehen hätte.“ heißt es über Trabzon. Das trifft für mich nicht zu, da ich bereits ein halbes Jahr zuvor im Jänner 2024 drei Tage dort verbrachte, um mir einige Fußballspiele anzusehen. Somit konnte mein kleiner Blog auch als Quelle zur Veränderung der Fansituation in der Zwischenzeit im Bericht über das Rapid-Spiel bei Trabzonspor dienen. So etwas freut und ehrt mich immer.


A4-Format / 5 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Freitag, 18. Oktober 2024

Tornados spezial, 51




Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 51
84 S.









„Alles über den Sport“ heißt es im neuen Heft der Tornados Rapid. Frei nach der Leitlinie des Präsidiums „Alles für den Sport“ betrachten die Tornados in ihrem Fanzine hier sportliche Belange intensiver als sonst, denn „schlussendlich ist auch dieses Ultrà-Heft doch nur eine Zeitschrift von Fans für Fans.“ Das Thema des Körner-Trainingszentrums wird mit positiven und negativen Aspekten beleuchtet. Die Funktion von Rapid als Karrieresprungbrett anhand erfolgreicher und gescheiterter früher und schneller Transfers behandelt. Das zeigt das systemische Problem auf, dass oft länger bei einem Verein bleiben und Stabilität gewinnen sinnvoller als ein Sprung ins nur scheinbar verlockende Ungewisse ist. Das Trainerkarussell Rapids ist ebenfalls Thema: „Wir sind heuer in die achte Saison im Weststadion gestartet. Mit Robert Klauß haben wir den siebenten Cheftrainer seit dem Umzug.“ Letztendlich werden auch Entscheidungsgremien der Liga, an welcher Rapid teilnimmt, hinterfragt und die Willkürlichkeit und fehlende konsistente Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen des Strafsenats und der Linzenzvergaben durchleuchtet.

Fünf Jahre nach seinem Abschied beschäftigt sich das Heft nocheinmal mit der Rolle und Funktion Andy Mareks. Auf die vielen verschiedenen Ereignisse, Veranmstaltungen und Termine im ersten Halbjahr 2014 blickt man zurück. Zu lesen ist wieder von den und über die Freundschaften Ferencváros und Parma und auch Nürnberg ist hier erneut Thema.

Schon beim vorherigen Heft hatte ich mich über Groundhopping-Berichte aus Lateinamerika gefreut. In dieser Ausgabe gibt es davon (von anderen) nocheinmal mehr. Ich schätze zwei Arten von Groundhopping-Berichten: Jene über Destinationen, die auch in meiner Reichweite sind, und woraus ich daher etwas für mich Praktisches lernen kann, sowie jene über Destinationen, in die ich nie kommen werde, und die daher einen exotischen Reiz beim Lesen vermitteln. Da ich selbst eher viel als weit und kurz als lang reise, den Besuch eines Spiels der italienischen Serie D dem Erkunden eines neuen Landes tendenziell eher vorziehe und in diesem Leben wahrscheinlich eher keine Fernreise unternehmen werden, reizt mich die Lektüre solcher Berichte wie hier von einer neunwöchigen (!) Reise nach Lateinamerika (Florida zähle ich da mal grosso mode dazu). Persönlich gehaltene, unterhaltsame und spannende Reiseerzählungen gibt es rund um Spielberichte aus Florida, Mexiko, Peru und Bolivien. „Von den meisten Orten, an denen wir unterwegs waren, bekommt man hier in Österreich selten etwas mit.“

Ein Hauptteil des Hefts umfasst den Rückblick auf die Pflichtspiele des SK Rapid von Februar bis Mai 2024. Unterschiedliche Leute schreiben wie gewohnt über die Ereignisse sowie Erlebnisse des Spieltags. Dazu gibt es prägnante Fotos zu sehen. Das beste kommt aber zum Schluss. Auch ich fühle mich bei der satirischen Schreibanleitung für Spielberichte in Fanzines am Heftende wie „Verfasst den Text unbedingt im Passiv!“ ertappt. Wie es sich für eine gute Satire gehört, steckt hier viel Wahrheit drin.


A4-Format / 4 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Donnerstag, 7. März 2024

Tornados spezial, 50




Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 50
112 S.









Das Jubiläumsheft der 50. Ausgabe des Fanzines der Tornados Rapid. Ein Grund zum Feiern dieses wahrlich lesenswerten Hefts. Ein Artikel blickt auf Begebenheiten, amüsante Anekdoten seit der ersten Ausgabe im Jahr 1997 zurück und beschreibt die Entwicklung des Hefts, die auch Hand in Hand mit der Entwicklung der Gruppe ging. „Wir haben viel Freude mit unserem Heft und hoffen, dass ihr euch auch daran erfreut und etwas lernen könnt.“ schreiben die Tornados. Ich kann das nur bejahen und tue das auch in meinem Grußwort im Heft: „Ich lerne in jeder Ausgabe etwas Neues dazu.“ schreibe ich darin. Es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit den Kalibern Josef Gruber, dem langjährigen und einzigen Abonnenten Stefan und Ya Basta! zu einem Grußwort von den Tornados eingeladen worden zu sein.

Eine der verdienstvollsten Organisationen des Block West ist die Rechtshilfe Rapid. Pia und Matej sprechen im Interview über ihre Arbeit. Zur juristischen Bildung drucken die Tornados dazu gleich auch die dabei erwähnten Paragraphen und Gesetzesstellen ab. Thematisch passend haben sie sich auch eine besondere Gesprächsführung überlegt.

Zum Nachdenken soll ein Meinungskommentar anregen, der mehrere Entwicklungen gegenwärtiger Ultraskultur kritisiert und „Gespür und Mentalität“ vermisst. Ein Nachruf erinnert an den am 8.1.2024 verstorbenen Platinum. Weitere Berichte behandeln diverse Festivitäten des Block West oder die Geschehnisse der ordentlichen Hauptversammlung des SK Rapid vom November 2023. Laurin Rosenberg widmet sich in seiner Geschichts-Serie dem Thema Feiern bei Rapid. Es gibt wieder von den Freunden Ferencváros und Parma zu lesen sowie auch erneut von Besuchen in Nürnberg. Ein besonderer Teil dieser Ausgabe ist das Doppelhalter-Ranking. Dazu hatten die Tornados zu Einsendungen aufgerufen und präsentieren und beschreiben hier die Top-10. Auch das Gästesektor-Ranking wird fortgeführt.

Standbein des Hefts sind auch in Nummer 50 wie in den 49 Ausgaben davor Spielberichte der vergangenen Rapid-Spiele, hier der Herbstsaison 2023, mit pointierten Einschätzungen und Meinungen zu verschiedenen Aspekten. Auch Humor und Lebenslust kommt dabei nicht zu kurz, etwa im Bericht von der bereits Höhe St. Pölten zu Ende gegangenen Auswärtsfahrt zum schneebedingt abgesagten Spiel gegen Wattens und dessen Nachgang. Das erste Spiel im Berichtsteil Europapokal war eigentlich gar kein Europacupspiel, nämlich das Rapid-Gastspiel bei Union Berlin. Der schöne Tag fühlte sich aber auch für mich fast so an.

Standbein des Hefts in früheren Zeiten war einmal ein umfangreicher Groundhopping-Teil. Das hat sich verflüchtigt, wie auch im eingangs genannten Artikel zur Heftgeschichte beschrieben wird. Mit Berichten aus einer Reise nach Argentinien und Brasilien feiert diese Rubrik hier aber ein begrüßenswertes Comeback. Rezensionen interessanter anderer Publikationen, Graffitifotos und die beliebte Rubrik sinnlos machen den Abschluss.

Ich schließe mich der Devise am Titelblatt an: „Noch lange nicht genug“


A4-Format / 6 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Mittwoch, 30. August 2023

Tornados spezial, 49





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 49
96 S.









„Mit Schlusspfiff öffnete sich unter dem Rapidsektor ein metertiefes Loch.“ Das Spiel des Jahres, die so schmerzhafte Cupfinal-Niederlage, hat ihren Platz im Rahmen der Rapid-Spielberichte der Frühjahrssaison. Die Fotos lassen Emotionen wieder hochkommen und der Text bilanziert den Tag ebenso ausgewogen wie zutreffend.

Das Ernst-Happel-Stadion ist aktuell wieder einmal Gegenstand einer Neubau-Debatte. Im zeitlichen Gleichklang mit der Ballesterer-Titelgeschichte widmet sich auch das Tornados spezial Geschichte, Gegenwart und Zukunft des größten Stadions der Stadt Wiens und des Landes. Denn auch Rapid verbindet mit dem Stadion einige Geschichte, wie im Text deutlich gemacht wird. Die Notwendigkeit eines millionenteuren Neubaus für die Nationalmannschaft wird angezweifelt und betont, dass es eben noch ein Stadion mit unverkennbarem eigenen Charakter ist. Zum jüngsten Versuch von Seiten des ÖFB, sich über öffentlichen Druck Länderspiele im Weststadion zu erpressen, gibt es eine klare Meinung: „Das Nationalteam hat in Wien-Hütteldorf nichts verloren.“ Das ist auch richtig so.

Weitere Themen sind der ÖFB-Cup („Der Cup nervt“), die Geldverschwendung SKBs, fünf Jahre Grüne Szene Weinviertel, ein Wochenende in Gedenken an den verstorbenen Bernd, die Feier zu 35 Jahren Ultras Rapid, das Mitgliedertreffen des SK Rapid und ein Artikel von Laurin Rosenberg zum Thema „Die Rapid und die Marie“ mit historischer Perspektive und klarer Position für die Gegenwart. Einen „Blick von außen“ u.a. auch zu dieser Thematik und zur generellen Lage Rapids bietet dazu ein Text eines Freundes, der eher einen „Blick aus der Ferne“ (660 km) einbringt als einen von außen. Dazu ist er selbst zu sehr Rapidler, weiß worüber er schreibt und trifft den Punkt.
Mit Grinsen gehen die Tornados auf den Abschied dieses „lachhaften, selbstüberschätzenden Haufen“ namens Fanatics des FAK ein.

In der schönen Serie der Artikel zur Rapid-Geschichte blickt man in dieser Ausgabe auf die „goldenen“ 1950er Jahre. Zum zwanzigjährigen Jubiläum der UR-Jugendsektion Gioventù gibt es ein Interview mit drei prägenden Vertretern ihrer ersten Generation, wobei sie mit dem Attribut der „goldenen Generation“ für sich weniger anfangen können. Im Gespräch wird von Action in der Hochphase der zweiten Hälfte der 2000er Jahre erzählt und wie man das auch zeitlich und generell einordnen kann und soll. „Es wird alles verklärt, was früher war. Alles was früher war, wird zu sehr glorifziert,“ sagt Seba mit Bezug dazu und weiß zur Thematik der Generationen einen großen historischen Bogen zu spannen: „Die Alten haben schon vor über 2.000 Jahren auf der Akropolis gerätselt, was sie mit der Jugend machen sollen. Und jeder über 30 sagt heute, die Jugend sei ein Wahnsinn. Wurscht ob 700 vor Christus, im Mittelalter oder 2003.“


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Mittwoch, 22. Februar 2023

Tornados spezial, 48





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 48
96 S.










„SCR. Wie WIR.“ am Titelblatt ist ein unverkennbarer Anklang auf die ORF-Imagekampagne „ORF. Wie WIR.“ Die Führungsebene des SK Rapid wurde nach dramatischem sportlichen Misserfolg erneuert und an der Spitze steht nun als Präsident mit Alexander Wrabetz ein ehemaliger ORF-Generaldirektor. Die Vorgänge und die handelnden Personen werden im Heft bewertet und dies wird in deutlich kritischen Worten v.a. einer Person gegenüber getan. In Analysen am Heftbeginn und im Zuge des Berichts von der Vaduz-Katastrophe im Spielberichtsteil. Die wichtigste Rolle im Verein hat jetzt Steffen Hofmann, als Wahllistenorganisator, als Präsidiumsmitglied und nunmehr auch als Geschäftsführer. „Die Gefahr, dass Steffen Hofmann an seiner Legende kratzt, ist bei offiziellen Vereinsposten – wie es eben auch das Präsidium ist – immer gegeben. Dementsprechend waren wir anfangs nicht sehr begeistert, als wir von der ,Liste Hofmann‘ hörten. Auf der anderen Seite: Wenn es jemanden gibt, der die Rapidfamilie einen kann und bei allen Interessenvertretungen hoch angesehen ist, dann ist es Steffen Hofmann.“
Stichwort Legende: Zum in der Satzung verankerten und definierten Legendenstatus gibt es einen spannenden Text, der eine zeitgemäße Reform des Paragraphen andenkt. „Gedanken aus der Gruppe“ (eine als Kommentar zu wertende Textform) gibt es auch wieder und der Text beschäftigt sich mit dem Umgang mit Red Bull. Auch die WM 2022 ist Thema und der erste Artikel zur Problematik aus dem Tornados spezial 29 aus dem Jahr 2011 ist zur Nachlese abgedruckt.

Aktivitäten im Block West und der Tornados wie der berühmte Punschstand werden rekapituliert. Es gibt wieder einen Halbsaison-Rückblick der Green Monsters von Ferencváros sowie TR-Besuchsberichte zu lesen, wobei in der Herbstsaison 2022 jedenfalls das Auswärtsspiel von Ferencváros bei Qarabağ in Baku herausragt. Aufgrund des am nächsten Tag ebenfalls in Baku stattfindenden Rapidspiels bei Neftçi und der besonderen Reiseumstände mit abseits des stark platzbeschränkten Rapid-Flugangebots unleistbarer Flugkosten im vierstelligen €-Bereich bildete hauptsächlich der Rapidanhang den Fradi-Auswärtsmob. Die Kuriosität kann man hier nochmal im GM-Bericht, im TR-Besuchsbericht und im Bericht von der Rapid-Auswärtsreise Revue passieren lassen. Auch im Rückblick ist und bleibt das eine unglaubliche Geschichte und ich bin dankbar Teil dieser „elitären Allesfahrerrunde“, wie sie hier bezeichnet wird, gewesen zu sein.
Berichte zu Parma gibt es ebenso wieder und diesmal auch zu Nürnberg, wo von der 20-Jahres-Feier der UR-UN-Freundschaft und der Einladung zum Derby gegen Fürth im Sommer 2022 berichtet wird.

Mit 38 Seiten nimmt der Hauptteil des Hefts die Berichterstattung über die Rapid-Spiele in Cup, Meisterschaft und Europacup im Herbst 2022 ein. Die sportliche Bilanz war ja durchwachsen. Hier kann man nochmals nachlesen, was damals auf dem Feld und abseits davon an Wichtigem geschah und wie das erlebt wurde bzw. wie es die Autorin oder die Autoren der Berichte erlebten. Die Bebilderung ist wieder herausragend, etwa das Corteobild aus Vaduz mit der Burg im Hintergrund. Lebendig nachvollziehbar, was für Zwängen man im modernen Fußball ausgesetzt ist, macht das „Drama in drei Akten“ über die wahrlich aufgrund der Europacupauslosungs-, Spieltags- und Reisemöglichkeiten-Unklarheiten verrückten Tage Ende Juli 2022.

Eine sehr gute Sache im Heft ist das abschließende Gästesektorranking. Nach den Kriterien Einlasskontrollen, Polizei, Biersorte, Essen, Sicht, Zaun sowie Bauliches und Infrastruktur werden die Gästesektoren der Bundesliga sowie diejenigen der im Herbst 2022 im Europacup besuchten Stadien beschrieben und bewerten. Wer dabei am besten abschnitt und wer am schlechtesten, sei hier nicht verraten – die Lektüre des Hefts wird dringend empfohlen. Klar ist aber auch, dass wir auf die Bedingungen, mit denen wir in unserem Weststadion Gäste empfangen nicht stolz sein brauchen. „Es schmerzt, dass dieser Sektor dermaßen schlecht abschneidet. Wir sind froh, dass wir ihn nicht regelmäßig nutzen müssen, aber gleichzeitig empfinden wir auch eine gewisse Scham.“

Der Tod ist das Ende des Lebens, aber nicht das Ende der Erinnerung an das Leben. In der letzten Ausgabe mussten die Tornados vom Abschied ihres Mitglieds Bernd schreiben. Kurz vor Redaktionsschluss verstarb Luksus von den Ultras Rapid. Ihm wird im Vorwort gedacht.
Rezensionen, Streetart-Bilder und die beliebten amüsanten Schnappschüsse am Heftende schließen das Fanzine ab. Vereinspolitisches, Fußballkulturelles, Freundschaften, Rapid, Fanszene, Rezensionen, Humor – das ORF-Radio Ö1 hat den Slogan „Ö1 gehört gehört“, das Tornados spezial gehört gelesen.


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Dienstag, 30. August 2022

Tornados spezial, 47





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 47
96 S.










„Es muss sich jedenfalls was ändern und das rasch, bevor die Fans wieder auf die Barrikaden steigen.“ schreiben die Tornados – notabene lange vor der jüngsten Explosion zum Status quo Rapids. 2022 ist der Verein in der Krise. Die Tornados hatten ein gutes Gespür und widmen sich in einem Rückblick und einer Analyse Rapid braucht Veränderung von 2013, bei der sie auch die Sichtweise des damals in der heftigen Kritik stehenden Werner Kuhn einholen ohne sie zu teilen.

Am Titelblatt ist die Gedenkchoreographie für das verstorbene Tornados-Mitglied Bernd nach dessen Tod beim Spiel bei den Dosen im April zu sehen. Auf den ersten Seiten des Hefts findet sich nicht nur der Nachruf sondern auch ein Auszug ergeifender Worte, die Rata in seiner Rede für ihn („a guada Lodsch und a groda Michl“) bei seinem Begräbnis fand. Illustriert mit Gedenkspruchbändern von mit Rapid befreundeten und rivalisierenden Kurven.

Angesichts des Falls Stojković rekapituliert Laurin Rosenberg in seiner Geschichts-Serie Fälle des Freipressens von Spielern in der Rapid-Geschichte und erzählt neben den bekannten und gegensätzlich gelagerten Fällen von Jelavić und Hanappi auch von einem spannenden, weithin unbekannten großen Konflikt aus den Jahren 1923 und 1924.

Interessantes ist aus dem Interview mit der SAF zu erfahren, die heuer ihr zehnjähriges Jubiläum begeht. Die TR berichten von der Buchpräsentation ihrer Festschrift und von der Rapid-Hauptversammlung im Juni 2022 (auch selbstkritisch). Die Schals der Tornados waren ein zentrales Element der 25-Jahre-Jubiläumschoreographie und werden im Heft genauer beleuchtet.

Die Green Monsters von Ferencváros blick auf ihre Frühjahrssaison zurück und die Tornados erzählen dazu von zwei ihrer Matchbesuche, bei Újpest – Ferencváros im Jänner und dem Cupfinale Ferencváros – Paks im Mai. Zwei Besuchsberichte gibt es auch bei Parma, einem Auswärtsspiel in Vicenza und einem Heimspiel gegen Ascoli. Samt schöner Anekdoten wie der Busfahrtatmosphäre mit den Boys Parma („wild und voller Enthusiamus“) und neben der Spur befindlichen italienischen Polizisten. Aber auch mit Eindrücken, wie die in Italien verhängten extremen, jahrelangen Stadionverbote eine Gruppe schwächen aber nicht brechen. „Beeindruckt von der Tatsache, wie die Boys und auch andere italienische Szenen mit den Repressionen umgehen, sich nicht unterkriegen lassen und weiter für die Ultrà-Bewegung kämpfen.“

Der Hauptteil des Hefts sind in guter Gewohnheit Spielberichte von den Rapid-Spielen von Februar bis Mai 2022. Gute und leider auch angesichts der sportlichen Bilanz weniger gute Erinnerungen kommen beim Lesen wieder hoch. Zur Februar-Europacupdestination Vitesse gibt es nicht nur die Spielberichte von Heimspiel und Auswärtsspiel sondern in ebenfalls guter Gewohnheit auch etwas über die Stadt und das Reiseerlebnis zu lesen. Im nächsten Heft über die Frühjahrssaison wird das leider fehlen.


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel nofb-shop.de.

Dienstag, 22. Februar 2022

Tornados spezial, 46





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 46
96 S.










„Das Tornados Spezial ist zurück und schließt nahtlos an die letzte Ausgabe an.“ Der erste Satz des Hefts im Vorwort ist zugleich auch schon der beste erste Satz einer Rezension desselben.

Im engeren Sinn schließt das Heft an die Aufarbeitung der Geschichte der Rapid-Präsidenten der Vorgängerausgabe an, und zwar mit einem Interview zu vereinspolitischen Fragen mit dem aktuellen Präsidenten Bruckner und seinem Vorgänger Krammer sowie einen Nachruf auf den verstorbenen langjährigen und prägenden Präsidenten der Jahre 2001 bis 2013, Rudolf Edlinger. Mit Vereinspolitik beschäftigt sich auch ein weiterer Artikel, der die kontroversen Anträge eines ehemaligen Funktionärs zum Umsturz des Mitgliedervereins in Richtung eines Investorenspielzeugs und damit dem inhaltlichen Ende des Wesens des Sportklubs Rapid kritisiert.

Im weiteren Sinn schließt das Heft mit seinem gewohnt guten Standardprogramm an die Vorgängerhefte an und macht einfach Lust am Lesen. So berichten die Green Monsters von Ferencváros über jüngste Ereignisse und die Tornados über ihre FTC-Matchbesuche. Zu Parma gibt es einen Nachruf auf einen verstorbenen Ultra der Boys Parma („Er war es, der unseren Fetzen damals über den der Boys hängte.“) Einen großen Teil des Hefts nehmen die Berichte von den Rapid-Spielen in Cup, Meisterschaft und Europacup ein. Vorausgeschickt wird dabei ein Text zu „Der Block West und Covid“, in dem das eigene Handeln reflektiert wird. Mit Blick auf Kritik schreiben die TR, dass man sich mit dem Südstadt-Spruchband nicht gegen die Impfung ausgesprochen habe – „Immerhin kann das G'impfte nur aufgehen, wenn es sich bereits im Arm befindet.“ Lesenswert ist etwa der Reisebericht nach Saporischschja, samt amüsanten Geschichten von alkoholisierter Hotelrezeptionistin und wundersam erhaltenem Augenlicht sowie Gesprächen mit lokalen Hooligans. Das sage ich nicht, weil meine Person in einer Anekdote vorkommt (oder vielleicht doch?).

Lesenswert ist auch die diesmal wieder umfangreichere Rezensionssammlung an verschiedenen Fanzines und Büchern, in denen sowohl gelobt als auch Kritik geübt wird.
Zum 25-jährigen Jubiläumsjahr sind für die Gruppe mit Erinnerungen verbundene Gruppenfotos der Jahre 1997 bis 2021 zu sehen sowie Berichte von einem feucht-fröhlichen „Jubiläumsurlaub“ (den Begriff kannte ich nicht, lesen heißt lernen), dem Kickoff-Day und der Premiere des 25-Jahres-Films und der 25-Jahres-Feier zu lesen sowie von v.a. letzterer auch zahlreiche Bilder zu sehen. „Wer sich mehr Inhalt zu unserem 25er erwartet hat, muss an dieser Stelle enttäuscht werden.“ heißt es. Man verweist aber die Hoffenden kryptisch auf Zukünftiges. Auch die Jubiläumschoreo steht pandemiebedingt noch aus. Wer die Tornados-Choreos kennt, weiß dass man sich ungeschaut auf sie freuen kann. Ebenso wie über dieses Heft.


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel nofb-shop.de und blickfang-ultra.de.

Freitag, 18. September 2020

Tornados spezial, 45





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 45
116 S.










Lesenswert sind die Ergänzung eines Rückblicks auf den vergangenen turbulenten Präsidentschaftswahlkampf bei Rapid mit einer Geschichte der Rapid-Präsidenten sowie Laurin Rosenbergs Artikel über die Pokale im Rapideum. Die schöne Fachvokabel „Pokalschwund“ ist außerhalb der Museums- und Sammlungswelt selten anzutreffen („Im Laufe der Jahrzehnte gab es unterschiedliche Formen von Pokalschwund.“) Weiters gibt es im Heft einen Nachruf auf den verstorbenen Alfred Körner, Abschiedsworte für Andy Marek, diverse Berichte von Aktivitäten sowie Rezensionen.

Lehrreich und auch amüsant zu lesen ist der Ferencváros-Abschnitt, in dem einerseits die Green Monsters auf die vergangene Saison zurückblicken und andererseits die Tornados über ihre FTC-Matchbesuche berichten. Man lernt hier etwa die Begründung, warum die Fradi-Version des Lieds Freed from desire im B-Közép doch recht beachtlich dargeboten wird, was mir ebenfalls bereits aufgefallen war: „Die Übersetzung sollte auch erklären, warum die gesamte Kurve so dermaßen abgeht: This is how kaputt Fradipeople make party!“ Dazu kommt auch das Schmunzeln nicht zu kurz, wenn man etwa von der Kultur-Tour im bulgarischen Rasgrad im Zuge der Europacupfahrten mit Ferencváros liest „Nachdem mehr als genug Zeit war, entschieden wir uns noch, die etwas außerhalb gelegenen römischen Ruinen zu Fuß zu besuchen. So wanderten wir durch die Außenbezirke, die wirklich genau so ausschauen, wie man sich eine unbedeutende bulgarische Kleinstadt vorstellt – die Ruinen konnten allerdings nicht gefunden werden.“ Überhaupt sind Europacupgeschichten immer die beste Lektüre, einmal sogar mit einer Erzählung mit laufendem Perspektivenwechsel an verschiedenen Schauplätzen wie in einem Film. Auch von Parma gibt es wieder einige Besuchsberichte, wobei die Fahrt nach Cagliari nicht zuletzt aufgrund des Reisewegs hervorsticht.

Beim Lesen des Rückblicks auf die Rapidspiele der Saison 2019/20, beginnend mit dem Nürnberg-Freundschaftsspiel bis zum letzten Spiel vor der Zäsur in Wolfsberg im März, wird einem wieder stark bewusst, was einem derzeit fehlt. Es ist gesundheitlich notwendig, aber es ist jedenfalls ein großer Verlust. Ein Kommentar zur Lage der Nation schließt mit den Worten „Football without fans is nothing.“

Donnerstag, 28. November 2019

Tornados spezial, 44





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 44
100 S.











Ein ausführlicher Artikel beschäftigt sich hier noch einmal mit den Ereignissen um das Dezember-Auswärtsderby 2018 und v.a. Prozess um den stundenlangen Polizeikessel von über 1.300 Rapidfans. Dabei wird auch auf die Polizeiausbildung geblickt, welche die Grundlage für das grundsätzlich aggressive Auftreten legt: „Schon in der Polizeischule wird ein Bild von Fußballfans (und anderen unerwünschten Randgruppen) vermittelt, welches zum einen Hass, zum anderen aber große Angst schürt. Diese Angst ist dann auch die Grundlage dieser unguten Behandlung, weil kein Polizist unbefangen in einen Einsatz mit uns geht.“ Das Agieren der Polizeibehörde und der Justiz am Verwaltungsgericht, das über die Maßnahmenbeschwerde der Rapidfans urteilte, wird ebenso ebenso behandelt wie das Urteil analysiert.

Die Rapid-Spiele der Frühjahrssaison werden im Heft wie gewohnt einzeln beleuchtet, wobei die Meisterschaft vom Absturz in das Untere Play-off und dem Verpassen der Europacupqualifikation im Europa-League-Play-off geprägt war, aber es mit dem dramatischen LASK-Semifinale und Erreichen des ÖFB-Cup-Finales auf nationaler Ebene zumindest im Cup die Möglichkeit eines Erfolgs gab. Es blieb bei einer vergebenen Möglichkeit. Wenig zu Holen gab es für Rapid auch im internationalen Höhepunkt des Frühjahrs 2019, den Spielen gegen Inter in Hütteldorf und im legendären San Siro. Dennoch waren es unvergessliche Tage und Abende und werden daher auch im Heft entsprechend gewürdigt. Ein text schildert auch das Mailänder Stadionerlebnis der am Stadion verhafteten elf Rapidler („Milano undici“).

Internationale Spiele gehören zu den Höhepunkten des Fanlebens. Im historischen Teil des Hefts wird die Geschichte der internationalen Spiele Rapids beschrieben und dabei werden auch die Tourneen und Turnierteilnahmen (zuletzt beim Atlantic Cup 2012 und 2013) hervorgehoben. Vor zehn Jahren gab es in der Sommervorbreitung 2009 mit dem sogenannten Thermenland-Cup in der Südsteiermark ein in der Fanszene gut im Gedächtnis gebliebenes Turnier mit Rapid, Sturm Graz, dem FC Kopenhagen und Baník Ostrava. Während eine Begegung mit Sturm von den Veranstaltern kurzfristig dann doch noch abgesetzt wurde, krachte es mit den Schlesiern. Das Jubiläum des Rapid-Turniersiegs 2009 wurde heuer mit einer Tornados-Choreographie beim Cupspiel in Allerheiligen thematisiert und im Heft wird hier darauf zurückgeblickt und die damaligen Matchberichte werden wiederabgedruckt.

Weiters im Heft: Rapideum-Koordinator Laurin Rosenberg portraitiert das „grün-weiße Universalgenie“ Gerhard Hanappi. Die Green Monsters von Ferencváros blicken auf ihre vergangene Saison zurück und die Tornados berichten von ihren Besuchen bei Spielen bei ihnen sowie in Parma. Dazu gibt es einen informativen Text über die FTC-Legende Tibor Simon, die Umstände seines gewaltsamen Todes durch Securities 2002 und was das auch mit der heutigen Situation zu tun hat. („Ein wichtiger Punkt bei der Rückkehr des B-Közép ins Stadion war neben der Abschaffung des Venenscanners auch strenge Regeln für Securities.“)

Im Rezensionsteil werden u.a. Der (Pf)lästerstein mit seinem 370-seitigen Österreich-Schwerpunkt („Alles in allem ist dieses Heft wohl der umfangreichste Informationsgeber, den es über den österreichischen Fußball und dessen Fanszene gibt.“) und die Rapid-Fußballfibel von Tomasso („ein perfekter Autor“) besprochen, deren Bewertung man nur zustimmen kann: „Das Buch ist jedenfalls absolute Pflichtlektüre für jeden Rapidfan.“ Rezensiert wird auch der Rapid-Podcast 1899fm und dazu auch dessen Herausgeber Heinz Deutsch interviewt. In seinem Gespräch sagt er über das Tornados spezial Worte, die auch hier mit Fug und Recht als Schlusswort stehen können: „Mir taugt euer Heft, das einen ganz wichtigen Beitrag für unsere Fankultur darstellt.“

Freitag, 24. Mai 2019

Tornados spezial, 43



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 43
100 S.










Anlässlich der Polizeischikane des Rapidkessels nach dem Marsch zum Dezember-Auswärtsderby wurden Fanmärsche medial skandalisiert. Die Tornados beschäftigen sich in den schon traditionell hervorragenden historischen Betrachtungen ihres Fanzines mit der Geschichte von Fanmärschen (seit Aufkommen der Ultràbewegung Corteo genannt) bei Rapid und ihrem Wandel von den siebziger Jahren bis in die Gegenwart. In einem weiteren interessanten historischen Artikel geht es um die Geschichte der gesperrten Rückennummern bei Rapid. Laurin Rosenberg vom Rapideum erzählt in seinem mittlerweile ebenso schon traditionellem Beitrag im Heft über seinen persönlichen Zugang zum Rapid-Museum sowie dem Sinn und Zweck dieser Arbeit.

In den Besuchsberichten bei den Freunden von Ferencváros ist der Abenteuerbericht von David herauszustreichen, der nach dem Nachtdienst volley zu eim Cupspiel in einem ostungarischen Dorf werktags 12:00 Uhr vor erwartungsgemäß sonst schütterem Besuch fuhr. „Ein absolut sinnloses Spiel in der tiefsten ostungarischen Pampa – genau meins!“ freute er sich und kam schließlich mit neuem Wissen zurück: „Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass es tatsächlich unattraktivere Bewerbe als den österreichischen Cup gibt.“ Den Informationsmehrwert, den nur Fanzines liefern, bietet das TR spezial mit einem Hintergrund zum Fankurvenboykott nach Sponsorumbenennung von Videoton in Székesfehérvár. Weiters im Heft gibt es Berichte von diversen Aktivitäten und der Hauptversammlung des SK Rapid sowie die wieder in epischer Breite in je einem Foto abgebildeten „Nebendarsteller“ der Rapidspiele: Gegnerische Fankurven.

Auf die Rapid-Pflichtspiele in der Herbstsaison 2018 wird in gewohnter Manier mit einigen Bilder aus dem großen Fotoschatz der Gruppe und Texten zum jeweiligen Spiel und dem Drumherum eingegangen. Im Moment strudelt sich Rapid ab, um über hinterfragenswerte Play-off-Spiele einen Platz für die hochsommerlichen Qualifikationsrunden der Europa League zu ergattern. Europacupspiele sind immer Höhepunkte im Fanleben und das wird auch beim Lesen dieses Hefts wieder klar. Vor allem die Auswärtsfahrten sind etwas Besonderes. Neben den Spielen werden die Reisen selbst und die jeweiligen Zielorte hier einer ausführlichen Betrachtung gewürdigt. Die Städte, zu denen die Europacupreisen hinführten, werden im Heft näher vorgestellt. „Es ist uns einfach wichtig, uns mit den Reisedestinationen auseinanderzusetzen und wir möchten dieses Wissen auch mit euch teilen.“ heißt es im Vorwort. Genauso halte ich es ja auch und daher ehrt und freut es mich, wenn ich dafür Anlass gab: „Inspiriert hat uns hierbei natürlich das Sammelsurium unseres Freundes Brucki, welcher in seinem Blog noch ausführlicher über die einzelnen Städte berichtet. Brucki hat uns in dieser Ausgabe auch wieder mit einigen Fotos ausgeholfen – danke hierfür!“ Sehr gerne geschehen!

Freitag, 7. Dezember 2018

Tornados spezial, 42



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 42
84 S.










„Ihn kennt ein jeder – Charly Brauneder!“ hieß es früher einmal. Einer, den heute jede und jeder kennt, die oder der in den letzten Jahrzehnten im Block West war oder sich auf Wiener Unterhausplätzen herumgetrieben hat, ist Christian Strommer (Pumuckl on Tour). In einem menschlich nahegehenden Portrait wird hier seine Lebensgeschichte erzählt und erstmals in größerem Rahmen seine Rapid-Leidenschaft gewürdigt. Seit 1994 geht er regelmäßig zu Rapid und ist nicht mehr wegzudenken. Seit vielen Jahren findet praktisch kein Spiel von Kampfmannschaft und Amateuren und fast keine größere Rapid-Veranstaltung ohne ihn statt. Als Verkäufer von Aufnähern ist er noch in Erinnerung. Man erfährt hier aber auch über seine Sammelleidenschaft: „Seine Sammlung besteht inzwischen aus einer vierstelligen Zahl an Schals, Aufnähern, Aufklebern, Fotos, T-Shirts, Pullis, Westen, usw. Er besitzt dabei fast alles, was in den letzten Jahrzehnten von den aktiven Gruppen angeboten wurde, aber auch vieles vom offiziellen SK Rapid.“ Es ist nicht nur ein würdiger und wertschätzender Artikel über Christian Strommer sondern einer der besten Artikel, die jemals über einen Rapidfan geschrieben wurden.

„Schmelzer Buam“ – das waren die Rapidler einmal vor dem Umzug nach Hütteldorf 1912 und seit kurzer Zeit haben sich die Tornados in einem Keller in der Gegend eingerichtet. Dazu veranstalteten sie einen historischen Rundgang auf der Schmelz und informieren hier nochmals über Situation und Umstände der Schmelz in den Gründungsjahren Rapids, auf dem einstigen Schmelzer Exerzierfeld und dem Rudolfsheimer Sportplatz, wo die Rapidviertelstunde mit der Kirchturmuhr der Rudolfsheimer Pfarrkirche als damals einziger Zeitanzeiger auf einem Wiener Sportplatz ihren Ausgangspunkt hatte. Laurin Rosenberg vom Rapideum erzählt von „Mr. Rapid“ Dionys Schönecker, der die Übersiedlung nach Hütteldorf organisierte und Rapid in jahrzehntelanger Vereinstätigkeit bis zu seinem frühen Tod 1938 zu ungeahnten Erfolgen führte. Er beschreibt einen Mensch mit seinem Widerspruch. Diese kenntnisreich und gut geschriebenen historischen Einführungsartikel sind in jeder Ausgabe erneut eine große Freude.

„Einen fundierteren Einblick in die Szenen von Ferencváros und Parma bekommt ihr wohl in keinem anderen deutschsprachigen Fanzine und schon gar nicht im Internet.“ heißt es im Vorwort und das stimmt voll und ganz. Im Heft gibt es wieder Besuchsberichte bei Spielen der Freunde, Beiträge zur Lage (GM) oder dem Weg zurück in die Serie A (Boys Parma). Dazu kommt auch der Bildungsauftrag des Tornados spezial nicht zu kurz, einerseits durch einen kurzen Text über Matteo Bagnaresi und seine Bedeutung und andererseits wird man über die Turul-Vogelstatue informiert, die bei Tatabánya über der Autobahn nach Budapest thront: „Sie gilt als die wahrscheinlich größte Vogelstatue Europas. Warum wahrscheinlich, fragen sich womöglich manche Leser. Die Antwort ist sehr leicht: Kennt irgendjemand eine größere?“

Die Rapid-Spiele des Frühjahrs werden wie gewohnt in einem Rückblick Revue passieren gelassen. Das große Thema des Frühjahrs 2018 war wohl der Abschied von Steffen Hofmann Fußballgott als Spieler. In einem Interview erzählt er hier noch einmal von seiner Karriere, seinen Erlebnissen und Ansichten. Man erfährt beispielsweise, mit welchem Spieler er in seiner Zeit nicht klarkam: „Den hat es überhaupt nicht interessiert, der war einfach da, weil er sonst nichts gefunden hat und ist mir schon schwer auf die Nerven gegangen.“ Auflösung im Heft.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Tornados spezial, 41



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 41
92 S.









„Immer noch da!“ Die wichtigsten drei Worte finden sich gleich am Titelblatt. In der letzten Ausgabe hatte man noch über das Weiterbestehen des Hefts nachgedacht. Dass sich die Tornados zur Fortführung entschlossen haben, ist äußerst erfreulich.

Warum das Tornados spezial für die Hütteldorfer Fankultur wichtig ist, zeigen sie gleich im ersten Artikel, der sich mit der verschütteten Geschichte der Ära von Rapid unter Wienerberger beschäftigt. Dass der SK Rapid 1974 bis 1978 seinen Vereinsnamen verkaufte, sich Rapid Wienerberger nannte und dies damals von den Fans problemlos gesehen wurde − „Rapid Wienerberger Ziegelwerke olé“ oder „Rapid Wienerberger, gwinna wer'ma, olé!“ wurde gerufen − ist anekdotisch übeliefert. Weitergehend hat sich aber bislang noch niemand mit dieser Thematik beschäftigt, sodass die Tornados hier Recherche-Pionierarbeit unternahmen und erstaunliche Details zu Tage brachten.

Wie in der letzten Ausgabe steuert Laurin Rosenberg vom Rapideum wieder einen historischen Beitrag aus der Rapid-Geschichte bei und erläutert, wie sich Rapid bei Nazi-Machtübernahme vor achtzig Jahren verhielt und welche Folgen es hatte, als Sport im neuen Machtsystem als Teil der NS-Propaganda durchgeführt wurde und Rapid ein Teil dessen war während jüdische Rapidler verfolgt und ermordet wurden.

Interviews lassen einen Aspekte wissen, die man im Stadion sonst so nicht mitbekommt. Hier gibt es ein Gespräch mit den heuer ihr 15-jähriges Jubiläum feiernden Lions, die u.a. auch zu Fragen ihres Wappen, Fetzen und Gruppennamen sprechen und von einigen anderen Besonderheiten erzählen, die sie ausmachen − etwa ihre besondere Abneigung zum LASK, auf die hier auch eingegangen wird.

Breiten Raum nehmen im Heft wieder die Freundschaften ein. Es wird auf die Feiern zum zehnjährigen Freundschaftsjubiläum mit Ferencváros 2017 zurückgeblickt und von zehn Jahren gemeinsamer Geschichte von Tornados Rapid und Green Monsters erzählt. „Unser Schreibstil wird von anderen oftmals als etwas zu sachlich beschrieben,“ heißt es im Vorwort. Als Neigungsgruppe nüchterner Sachlichkeit und sachlicher Nüchternheit ist das einer der Hauptgründe, warum mir das Heft so gut gefällt. In einer Rubrik „Momente, die man nie vergisst“ wird ein Einblick in den amüsanten Anekdotenschatz von Erlebnissen aus den letzten zehn Jahren an Besuchen und Fahrten mit FTC geboten, der doch einiges an Schmunzeln hervorruft. Es gibt dann aber doch auch wieder ganz sachliche Lebenshilfe: „Trinke niemals aus einer bereits offenen Eisteeflasche in einem ungarischen Bus und spiele dich nicht mit Schrauben auf der Toilette!“ Die Begründungen dafür, werden recht anschaulich geschildet.
Mit Parma fuhren die Tornados nach Palermo auf Sizilien und zu Ternana.

Weiters findet man im Heft Berichte von diversen Aktivitäten der Gruppe, der Szene und des Vereins. Ausführlich werden auf 29 Seiten die Rapid-Spiele des Herbsts 2017 aus Kurvensicht Revue passieren gelassen und dabei manch Erinnerung aufgefrischt. Sehr gut und erfreulich sind die Heftteile, die sich Rezensionen von Fanzines und Zeitschriften widmen, sowie von Groundhoppingreisen erzählen. Ihre Fahrten führten Tornados-Mitglieder nach Marokko (zur Erfüllung eines „langjährigen Traums“, nämlich „Weihnachten an einem Ort zu verbringen, an dem es kein Weihnachten gibt“), Luzern und zu 1860 München, die ja ein Paradebeispiel dafür sind, warum das Fuhrwerken von Investoren in Fußballvereinen verhindert werden muss.

Mittwoch, 29. November 2017

Tornados spezial, 40



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 40
94 S.









Nachdem voriges Jahr das zwanzigjährige Bestehen der Tornados gefeiert worden war, gibt es mit Ausgabe 40 ihres Fanzines ein weiteres Jubiläum: Seit zwanzig Jahren erschienen jährlich zwei Hefte des Tornados spezial und sind damit eine bedeutende Referenz der Hütteldorfer Fankultur geworden. Doch man stellt sich mittlerweile leider die Sinnfrage, denn es „stagniert die Anzahl der Rapidler, die sich für unser Werk interessieren, obwohl die Stadion- und Kurvengeher mehr geworden sind.“

Die Titelgeschichte des Hefts beschäftigt sich mit einem spannenden Thema, dem Verhältnis von Hütteldorfer Fanszene und Medien. Vom aktuellen Anlass der Aufregung um die Journalisten-Terroristen-Choreographie der Ultras, die auch das Titelblatt ziert, blickt man in die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. „Schon 1923 finden sich mehrere Berichte über den ‚Terror der Rapid-Fans‘ in den Zeitungen. Fanatische Anhänger wurden zu jeder Epoche der österreichischen Fußballgeschichte problematisiert. Der Ton war stets scharf und abwertend. Auch die fehlende Bereitschaft zur inhaltlichen Auseinandersetzung ist bis heute geblieben.“ Einige Ausschnitte aus Zeitungen illustrieren das und auch medienkritische Spruchbänder des Block West aus den letzten Jahren werden abgebildet. Es gab aber auch andere Zeiten, so erzählen hier Domenico und Koby, wie in den 1980er Jahren ORF und Kronen Zeitung über Fans berichteten und es zu Kooperationen und Zusammenarbeit kam. Als historischer Seitenblick wird auch kurz auf den in der österreichischen Fußballgeschichte bedeutenden Publizisten und Rapid-Anhänger Leo Schidrowitz geblickt.

Zur gegenwärtigen Situation werden einige konkrete Punkte genannt: Polizeiberichte werden unkritisch weiterverbeitet („Die Sicht der Exekutive ungeprüft, ohne eigene Rechercheleistung, weiterzuverbreiten, verdient sich jedenfalls nicht die Bezeichnung Journalismus − genau das passiert jedoch ständig.“), der mediale Standard, in der Berichterstattung über das Geschehen im Fußball die Perspektive der Fans nicht zu berücksichtigen sowie das Thema der persönlichen Vorlieben. Auch wenn Medien nicht differenzierten, wird aber dazu aufgerufen, selbst nicht ins andere Extrem hineinzukippen: „Es ist daher definitiv der falsche Ansatz, pauschal von einer ‚Lügenpresse‘ zu schwadronieren.“ Man solle nicht alles glauben ohne es zu hinterfragen, es gebe aber eben auch guten Journalismus. Doch ohne Blick auf das eigene Verhalten funktioniere die Sache eben nicht: „Sich über die schlechte Qualität aufzuregen und dabei aber jeden Tag Gratiszeitungen zu lesen und am Abend Doku-Soaps auf ATV zu schauen, passt halt nicht zusammen. Gute Medien funktionieren nämlich mitunter genau deshalb nicht, weil sie nur ganz Wenige konsumieren.“ Explizit als Medium, mit dem die Hütteldorfer Fanszene auch regelmäßig spricht, da es seriös recherchiert, und wird der Ballesterer genannt.

Die Zukunft einer medialen Gegenöffentlichkeit durch Fanzines ist angesichts der oben angesprochenen geringen Resonanz ungewiss. „Der immense Aufwand, den wir mit diesem Fanzine betreiben, steht mittlerweile in völligem Widerspruch zur Reichweite.“ stellen die Tornados fest und eine mögliche Verlagerung ihrer Inhalte in eine Onlineversion in den Raum. Die Nachricht ist hart und betrüblich: „Diese Ausgabe 40 könnte womöglich die letzte Ausgabe in dieser Form sein.“

In der vorigen Ausgabe hatte es einen wunderbaren Schwerpunkt über die vielen tschechischen Spuren in der Rapid-Geschichte gegeben. Als Fortsetzung gibt es hier ein Interview mit dem legendären Antonín Panenka über sein Wohlfühlen in Wien und bei Rapid, das er sein zweites Zuhause nennt: „Wir waren nach jedem Spiel im Gasthaus. In der Tschechoslowakei und auch hier. Hier in Wien war ich meist mit meinem Freund, dem Josef Kadraba (der Vizeweltmeister von 1962 war nach erlaubtem fünfjährigem Aufenthalt von 1967 bis 1972 als Flüchtling in Wien geblieben, weswegen er in der Tschechoslowakei in Abwesenheit zu einer Haftstrafe verurteilt wurde), im Gasthaus − beim Abdullah. Nach jedem Spiel waren wir dort und da waren viele Rapid-Fans. Wir haben ein bissl getrunken, bissl geplaudert. Es war immer sehr angenehm.“ Weiters ist im Heft ein Portrait von Ernst Happel von Rapideum-Koordinator Laurin Rosenberg zu lesen. Interessante Einblicke bietet ein Interview mit den Kooperationsanwälten der Rechtshilfe Rapid.

Standardgemäß wird ausführlich auf die Rapidspiele im Frühjahr 2017 zurückgeblickt. Über Aktuelles bei den befreundeten Kurven von Ferencváros und Parma gibt es auch wieder etwas. Besonders schön ist diesmal wieder der Groundhoppingteil, in dem für diese Leidenschaft bekannte Gruppenmitglieder über ereignisreiche Reisen im Kosovo und in Mazedonien einerseits und den USA (Hawaii!) und Kanada andererseits erzählen. Über Spielverschiebungen dort und unfähige Hotelrezeptionen dort.

Für einiges an Schmunzeln und Zeitreise in andere Zeiten sorgt der Faksimile-Rückblick auf die vergangenen zwanzig Jahre des Hefts. „Im Tornados Spezial spiegelt sich die Entwicklung von TR wieder: Begonnen als Hetz und Gaudium, steigerte sich sowohl die Qualität der Gruppe als auch die unseres Fanzines.“ Es wird fehlen, wenn es das als Heft nicht mehr geben sollte. Die Ankündigung, sich auch in möglicher anderer medialer Umsetzung nicht zu verbiegen, lässt einen aber doch dennoch auch zuversichtlich für die Zukunft hoffen.

Mittwoch, 24. Mai 2017

Tornados spezial, 39



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 39
94 S.








„Společně − bojovat − zvítězit“ prangt am Titelblatt, Dionys Schöneckers Rapid-Leitspruch „gemeinsam − kämpfen − siegen“ auf tschechisch. Seit einiger Zeit glänzt das Heft der Tornados Rapid mit umfangreich recherchierten Artikeln zu teils bisher sehr wenig bekannten und beleuchteten Kapiteln der Rapid-Geschichte. Die Aufarbeitung der verschiedenen Sportsektionen, die es früher gab, in Ausgabe 36 ist hier u.a. in sehr guter Erinnerung. Diesmal wird das Thema „Böhmen, Mähren und Rapid“ bzw. kurz die „Behm bei Rapid“ behandelt. Viele Tschechen haben bei Rapid ihre Spuren hinterlassen und einige der besten und beliebtesten Rapidspieler waren Tschechen. Es waren Wiener Tschechen wie Pepi Bican in den 1930er und Walter Zeman in den 1950er Jahren (mit aus wirtschaftlichen Gründen hierhergekommenen bis zu 300.000 tschechischen Einwohnerinnen und Einwohnern war Wien vor hundert Jahren nach Prag die zweitgrößte tschechische Stadt) sowie Legionäre aus Böhmen wie Antonín Panenka in den 1980er Jahren oder aus Mähren wie René Wagner 1996 bis 2004. Hier erfährt man dazu einiges Fundiertes und Wissenswertes über die tschechische Geschichte Wiens und Rapids.

Ein weiterer spannender historischer Beitrag beschäftigt sich mit dem Rapidwappen im Wandel der Zeit und den doch recht vielen Veränderungen, die es hier gab. Man merkt bei diesen Artikeln, wie hier einiges an Wissen zusammengetragen, gelesen und mit kundigen Leuten geredet wurde, um so gute Texte hervorzubringen. Das erfreut einen beim Lesen jeder Zeile, jedes Absatzes und jeder Seite.

Der Standardteil ist der Rückblick auf die Rapid-Spiele des Herbsts 2016 in Meisterschaft, Cup und Europacup inklusive dem Weststadion-Eröffnungsspiel. „Wieder einmal bestätigten wir unseren Ruf als Schlechtwetterkurve.“ heißt es etwa zum Spiel in Altach im Juli 2016, bei dem in der zweiten Halbzeit ein Wolkenbruch niederging und den Auswärtsblock waschelnass machte. „Ohne Aufforderung der Vorsänger zog sich der Großteil des Blocks automatisch das T-Shirt aus und die Party konnte starten. Lautstark und von Fackeln unterstützt sangen wir uns plötzlich in einen Rausch.“ Dazu gibt es wieder diverse Berichte aus dem Gruppenleben und dem Block West sowie von Ferencváros und den hier erstmals präsentierten neuen Freunden aus Parma.

Das Papier wurde verändert und ist jetzt nicht mehr glänzend sondern griffiger, was dem langen Lesen vom Gefühl her etwas entgegenkommt.

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Tornados spezial, 38



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 38
96 S.








Das zwanzigjährige Jubiläum der Tornados Rapid ist hier natürlich ein wichtiges Thema im Heft. Es gibt dazu einen Abriss der Geschichte der Gruppe, ein sehr kurzweiliges Interview mit drei langjährigen Gruppenmitgliedern und eine ausführliche Choreorückschau auf diesbezügliche Aktivitäten bei Kampfmannschaftsspielen seit 2003 samt Daten zum dabei verwendeten Material.

Im Weststadion hängt ein Fetzen 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club in den rot-blauen Gründungsfarben Rapids am Vorsängerpodest der Tornados. In einem tiefgehenden Artikel begründet man dieses symbolische Zeichen auch als Kritik am modernen Fußball: „Wir unterstreichen unsere Ursprünge in der Arbeiterbewegung und stellen das Thema ,Arbeiterverein‘ in Zeiten einer überdimensionierten Business-Tribüne in den Fokus.“ Die Gründungsgeschichte Rapids eben als 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club wird näher beleuchtet. Noch einmal betont wird das weithin unbekannte Faktum, dass dieser Vorgängerverein bereits 1897 gegründet wurde, wie Domenico Jacono im Zuge der Rapideums-Vorarbeiten herausfand, und nicht wie bis dahin angenommen 1898, als das erste Spiel stattfand. Nächstes Jahr jährt sich dies zum 120. Mal. Gegründet und getragen wurde der Verein von Arbeitern, die in der Zeit des heute verklärten Pomps und Traras des Kaiserstaats in elendiglicher Armut in der Vorstadt lebten und zum überwiegenden Teil Migranten waren. Dies führt zur Kritik an der gegenwärtigen Situation: „Waren Arbeiter und Migranten des Wiener Westens ehemals die Träger des Vereins, so werden diese Gesellschaftsschichten heute immer weniger. Rapid schafft es in den letzten Jahrzehnten nur sehr bedingt, für Menschen − ausgenommen jenen aus dem ehemaligen Jugoslawien und Polen − mit Migrationsgeschichte Identität zu stiften.“

Weitere Artikel behandeln den Eingewöhnungsprozess im Weststadion samt positiven und negativen Komponenten und die Freundschaft mit Ferencváros. Großen Raum nehmen traditionell die Rapid-Spielberichte ein, in denen sich auch manch kritisches Wort findet. Beim Lesen und Revue passieren lassen der Frühjahrssaison ist man froh, dass das Happel-Stadion als Heimspielstätte Geschichte ist. Das Reisen ist ja ein wichtiger Bestandteil des Fußball(er)lebens. Daher erfreuen die Berichte über unterschiedliche Reisewege zu Europacupspielen genauso wie die diesmal in ihrer Vielfalt und vom Distanz-Level besonders interessanten Groundhopping-Berichte aus Marokko, China und Kolumbien.

Mittwoch, 20. April 2016

Tornados spezial, 37



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 37
94 S.








In drei Monaten wird Rapid mit Fertigstellung des neuen Weststadions nach zwei Jahren nach Hütteldorf zurückkehren. Denn, wie heißt es es so gut und schön im auch hier zitierten Leitbild des SK Rapid: „Die Heimat des SK Rapid ist Hütteldorf. Hier sind wir groß geworden. Hier schlägt das Herz unserer Vereinskultur.“ Zur Einstimmung gibt es einen Schwerpunkt über Hütteldorf zu lesen − seine Geschichte und seine Veränderung im Lauf der Zeit, seine Umrisse und Ausmaße und seine Bedeutung für Rapid. Ein wichtiger Text, um sich diese Bedeutung wieder einmal vor Augen zu führen. Wir sind 1912 hierher zugewandert und haben Wurzeln geschlagen. Den Appell, „das Vereinsgeschehen in Zukunft ausschließlich auf den Westen Wiens zu konzentrieren,“ kann man nur teilen. Ergänzt wird der Artikel durch ein Interview mit dem Hütteldorfer Kind Erich Fak, der hier aufwuchs, zur Schule ging, bei Rapid in Jugend und Kampfmannschaft spielte und auch heute noch wohnt.

Immer wieder interessant sind die offenen Worte, die unter dem Titel Gedanken aus der Gruppe ausgesprochen werden. Nachdenklich stimmt ein aufrüttelnder Text gegen aus Gewohnheit gewachsenes gleichgültiges Abfinden mit Ausformungen der Kommerzialisierung, wie sie nicht nur, aber besonders in Red Bull ihren Ausdruck finden. Ja, hier war die Emotion vor zehn Jahren noch eine andere. Trotz aller weiter gepflegten Ablehnung fühlt man sich auch selbst hier ein wenig ertappt.

Der gewohnt ausführliche Rückblick auf die Rapid-Spiele des Herbsts 2015 lässt Erinnerungen an eine schöne Zeit im Sommer wach werden, als die dann im Frühjahr in allen Bewerben enttäuschten Hoffnungen noch stark waren und wir im Europacup fast die Welt aus den Angeln zu heben schienen. Danke an David für das schöne Bild „Rapid und der Cup − der tragischste Liebesroman, der je geschrieben wurde“ in seinem Bericht vom Amstetten-Spiel. Bei Europacupreisen ist ja auch der Weg ein Teil des Ziels. Dies wird hier durch Reiseerlebnisschilderungen von Leuten verdeutlicht, die abseits der Masse zu den Auswärtsspielen in Amsterdam und Weißrussland unterwegs waren.

Die Tornados haben diesen kleinen Blog für interessant genug befunden, um ihn ihren Leserinnen und Lesern vorzustellen und mit mir ein Interview darüber zu führen. Auf drei Seiten im Heft nachzulesen.

Dienstag, 8. Dezember 2015

Tornados spezial, 36



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 36
75 S.







Ein weithin unbekanntes Thema rückt das Tornados spezial in den Vordergrund: Die Vielfalt anderer Sportarten, die unter dem Dach des Sportklub Rapid in vergangenen Jahrzehnten betrieben wurden. Die zweite Sektion, die nach dem Fußball gegründet wurde, war 1914 die Leichtathletik. Sie wurde bis in die fünfziger Jahre betrieben. „In ihrer Blütezeit hatte die Leichtathletiksektion bis zu 200 aktive Mitglieder und übertrumpfte die Fußballsektion somit um Längen.“ Daneben hatte auch Boxen, Handball und Radsport Bedeutung. Es gab zumindest in der Hochphase verschiedener Rapid-Sektionen in den 1920er Jahren aber auch Wintersport (Langlaufen und Alpinschifahren), Schwimmen, Turnen, Touristik (Bergsteigen), Tennis und Motorradfahren, wie der von den Tornados mit Unterstützung von Domenico Jacono erstellte Artikel aufzählt. Interessant ist, dass die Radsektion die einzige Sportsektion Rapids war, in der auch Frauen aktiv Sport betreiben konnten.
Alle Sportarten hatten ihre Erfolge. Sie blieben in ihrer Bedeutung aber hinter den Fußballern zurück. Am ehesten mit dem Fußball vergleichbar waren die 1956 von einem Anhänger gegründeten und später vom Verein übernommenen Handballer, die zunächst wie damals üblich Feldhandball im Freien spielten (regulär am Platz der ASV 13 in Speising, selten als Vor- oder Nachspiel der Fußballer auf der Pfarrwiese) und dann später in der Wiener Stadthalle antraten. Mit einem Interview mit einem ehemaligen Rapid-Handballer beschäftigt man sich im Heft näher mit dieser Sportsektion, die 1970 an den Werksverein der Zentralsparkasse verkauft wurde. Während die Spiele in Speising vor wenigen Zuschauerinnen und Zuschauern ausgetragen wurden, waren die Hallenspiele dann gut besucht, wie Hubert Poppe im Interview erzählt: „Die B-Halle in der Stadthalle war mit 2.000 Zuschauern oft ausverkauft. Wenn's eine heiße Partie war, dann haben die Rapid-Handball- und Fußballanhänger für uns geschrien.“
Mit der hier erstmals in dieser Ausführlichkeit zu lesenden Aufarbeitung dieses Teils der Geschichte Rapids wurde wertvolle Arbeit geleistet. Die Tornados verknüpfen ihren historischen Rückblick mit einem Vorschlag für die Zukunft, die verschüttete Traditon der Sportsektionen wieder aufleben zu lassen: „Ein breit aufgestellter SK Rapid, der vielen Menschen die Möglichkeit zu sportlicher Betätigung bietet, würde die Bedeutung des SCR als Institution jedenfalls stärken. Frühere Sektionen wieder zu beleben sowie die Gründung eines Frauenfußballteams wären mutige Schritte zur Vergrößerung des Vereins.“

Der Neubau des Weststadions wird kritisch begeleitet und es gibt offene Worte zum neuen Wind, der mit neuem Präsidium in ungeahnter Stärke durch den Verein weht: „Es ist nicht einmal drei Jahre her, dass wir vehement Veränderung für Rapid gefordert haben. Die Kurve wollte den sportlichen und wirtschaftlichen Niedergang des SCR nicht länger tatenlos mit ansehen. Der Aufstand gegen den ,Vorstand‘ setzte viel Energie frei − es tat sich etwas. Viele Bereiche wurden professionalisiert und damit war auch der sogenannte ,moderne Fußball‘, gegen den der Block West jahrelang angekämpft hatte, mit voller Wucht bei uns angekommen. Richtig überraschen kann uns das nicht, denn wir sind mitverantwortlich.“
Der Professionalisierungsschub war notwendig und der auf Einnahmensteigerung fokussierte Weg ist wirtschaftlich wohl auch erfolgversprechend. Sportlicher Erfolg war und ist Ziel und Anspruch des Vereins. Doch „Rapid sollte nicht nur erfolgreich sein, sondern auch leiwand.“ Mit dem Satz „Das Vereinsleben wirkt gescriptet.“ fasst man zusammen, dass Emotionen gezielt gesteuert und konstruiert werden, um sie ökonomisch zu verwerten. Dazu gibt es in diesem programmatischen Artikel auch Standpunkte zur Veränderung des Block West und notwendigen neuen Wegen der Fankurve.

Weiters gibt es hier u.a. einen szeneorientierten Rückblick auf die Rapidspiele des Frühjahrs 2015 oder erneut die nette Foto-Rubrik Nebendarsteller über die Fankurven anderer Vereine bei Rapidspielen. Das Groundhopping-Gemüt wird diesmal durch sehr schöne Fotos von Amateurfußballplätzen in Europa und Amerika leider nur halb befriedigt. Positiv ist der Blick auf den kleinen Fußball abseits der großen Spiele. Es sind Bilder mit Fernwehpotential (Slovenská Ľupča im Regen ...), doch man liest halt auch sehr gern über die dazugehörigen Abenteuer. Aber sonst wäre es ja auch schon fast zu viel des Lobes, das über das Heft ausgesprochen und verbreitet werden muss.

Dienstag, 16. Juni 2015

Tornados spezial, 35



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 35
91 S.







Ein großes Thema der vergangenen Rapid-Saison war wieder einmal die Pyrotechnik, mit dem Höhe- bzw. Tiefpunkt der Fansektorschließung durch die Bundesliga. Ein Artikel blickt im Heft auf deren Verwendung bei Rapid im Wandel der Zeit seit den 1990er Jahren zurück: „Erlaubt war es zwar offiziell nie, aber in Österreich hat es zur Zeit unserer Gründung 1996 niemanden wirklich interessiert. Strafen gab es nur ganz vereinzelt und dann waren diese so lapidar, dass es niemanden groß tangierte. Vergleichbar ist das Raketenverbot in ganz Wien zu Silvester, welches zwar bekannt ist, aber von Behörden, Schaulustigen und Wirtschaft mehr als nur ignoriert wird.“ Bis zum großen Bruch blieb das im großen und ganzen so: „Zum Beispiel zündeten die Tornados Rapid alleine im Meisterjahr 2008 hunderte Bengalen. Die anderen Gruppen werden vermutlich auch nicht viel weniger gezündet haben. Negative Schlagzeilen gab es aber keine. Jeder lobte nur die tolle Stimmung und die unnachahmliche Atmosphäre im Hanappi-Stadion. Obwohl sich damals fast keiner vermummte, gab es kaum Strafen. Pyro war allgegenwärtig und wurde selbst von der Bundesliga und Polizei mehr oder weniger akzeptiert, in Einzelfällen kam es zu Verwaltungsstrafen.“
Nach dem Pyrotechnikgesetz 2010 war dann alles anders. Die Nutzung von Ausnahmeregelungen erwies sich als nicht praktikabel, weil als verantwortlich genannte Personen trotz Bemühens um Einhaltung der Auflagen immer wieder Strafen wegen angeblicher Übertretungen bekamen. Ein Teil der Problematik der Gesetzeslage ist die Abhängigkeit von Lust und Laune der lokalen Polizeidienststellen: „Später haftete bei ein paar Spielen der Verein als Verantwortlicher, was zumeist auch einigermaßen funktionierte und womit sich eine erhoffte österreichische Lösung abzeichnete. Aber das galt ausschließlich für den 14. Bezirk. Im 2. Wiener Gemeindebezirk, wo wir mittlerweile gezwwungen sind, zu spielen, gibt es andere Beamte, denen Pyrotechnik offenbar komplett gegen den Strich geht. Deshalb gibt es aktuell, auch wenn das immer wieder behauptet wird, keine realistische Möglichkeit, legal zu zünden.“
Der Pyro-Text erwähnt im großen Bogen auch interne Diskussionen und Trotzreaktionen innerhalb der Rapid-Fanszene. Zwei Kommentare illustrieren das Meinungsspektrum innerhalb der Gruppe mit der gleichen Grundeinstellung, dass Pyro zur Fankultur gehört, aber verschiedenen Ansätzen zur Pyro-Debatte.

Ein lesenswerter Artikel blickt auf die verschiedenen Fetzen zurück, mit denen sich die Tornados in ihrer bislang 19-jährigen Geschichte an den Zäunen der Stadien dieser Welt präsentierten. Die Erinnerungen und Anekdoten, die dazu erzählt werden, verdeutlichen einerseits die Hingabe, mit der dies geschieht, und sind andererseits auch ein Stück Rapid-Fangeschichte. Neben Gruppenaktivitäten wie Fanclubturniere, Choreos und der amüsanten Sinnlos-Bilderstrecke wird hier auch auf das Vereinsleben des Mitgliedervereins Rapid eingegangen. Die Kritik an der Inszenierung der Hauptversammlung ist wohl zutreffend („Pomp, Trara, Melodie und Tschinbum“). Da haben eben jede Zeit und jeder Präsident ihren Stil. So wie Rudi Edlinger Versammlungen in Anlehnung an politische Versammlungen rhetorisch gekonnt mit Rede und Gegenrede abhielt, gibt es nun eben die moderne Produktpräsentation. Ein Kommentar widmet sich u.a. der „stillen und heimlichen Entwurzelung“ Rapids durch Konzentration der Trainingsaktivitäten des Großteils der Mannschaften auf den Trainingsplätzen des Happel-Stadions. Es ist korrekt, dass es hier gilt, aufzupassen, damit Hütteldorf die Heimat bleibt. Ich hoffe, dass sich irgendwann ein Platz im Wiener Westen auftut, auf dem Rapid ein Trainingszentrum errichten kann und der Prater damit auch hier nur einen Übergangslösung ist. Ganz so eindeutig wie hier genannt ist eine mehrheitliche soziale Zuordnung der Leopoldstadt als bürgerlich allerdings nicht, ebensowenig wie die im Westen als proletarisch und migrantisch. Dass sich „Bewohner der Leopoldstadt grundlegend vom gemeinen, grantigen, arbeitenden Ungustl der Arbeiterbezirke“ unterscheiden, kann ich aus der Erfahrung von drei Jahren, die ich dort einmal (wiewohl an der Grenze zum 20.) gewohnt habe, nicht unterschreiben.

Weiters gibt es im Heft auch über die Fansituation bei Ferencváros zu erfahren sowie Fanzinerezensionen. Geäußerter Respekt für Produkte anderer wie hier über die Grazer Schwarzmalerei ist ja, wenn auch zutreffend, so doch nicht selbstverständlich.

Den Rückblick auf die Spiele des Herbsts 2014 eröffnet das Abschiedsspiel des Hanappi-Stadions. Am schönsten aus den Erinnerungen an diesen Tag sind die damals bereits zeitnah niedergeschriebenen Zeilen von Rata. Sie bringen die Magie des Tages aus individueller Sichtweise auf den Punkt. Der Text sollte einen Platz im neuen Rapideum finden.