Sonntag, 7. Juni 2026

Gladiator – Taranto 0:0

Italien, Eccellenza Spareggi Nazionali, secondo turno, andata, 7.6.2026
Stadio Augusto Bisceglia, ca. 2.000

Hochspannung in den italienischen Play-offs um den Aufstieg in die Serie D. In acht Finalrunden werden nun nach wochenlangen Play-offs erst auf regionaler und dann nationaler Ebene vier Aufsteiger ermittelt. Chancen gab es auf beiden Seiten in diesem Match kaum. Taranto Calcio hatte eher Vorteile. Der Torerfolg blieb aber hüben wie drüben aus. Somit wird hier im Rückspiel nächsten Sonntag die Entscheidung fallen. In Massafra, wohin Taranto aufgrund des Stadionumbaus ausweicht.
Gladiator spielt schon seit einiger Zeit nicht mehr zuhause in Santa Maria Capua Vetere sondern wie auch andere Vereine hier im renovierten Stadion in Aversa. Der Vereinsname Gladiator begründet sich in der Gladiatorenschule, die in der römischen Antike in Capua angesiedelt war. Versklavte Menschen wurden dort zum Töten und getötet werden in Arena-Kämpfen zum Gaudium anderer Menschen gezwungen. Im Jahr 73 v.u.Z. revoltierten sie und brachen aus. Unter der Führung des Spartacus wurde ihr in den Jahren 73 bis 71 v.u.Z. geführter Kriegszug durch Italien als Spartakusaufstand legendär. Da die römische Gesellschaft auf Versklavung und Sklavenarbeit basierte, war der Aufstand der Unterdrückten eine existentielle Bedrohung Roms, die ihn unter Schwierigkeiten aber schließlich mit aller Militärmacht niederschlug und die Überlebenden öffentlich hinrichtete. Es war der dritte, größte und letzte Sklavenaufstand jener Zeit gegen die römische Herrschaft. Die heutige moderne Stadt Santa Maria Capua Vetere (32.000 Einwohnerinnen und Einwohner) steht an der Stelle des antiken Capua. Darauf bezieht sich auch der Name der Ultras als Brigata Spartaco.
„Forza ragazzi. Noi ci crediamo.“ („Auf geht's, Burschen. Wir glauben daran“) stand als Spruchband in der Choreographie der Brigata Spartaca. Bereits zuvor waren Zettel in den Vereinsfarben Schwarz und Blau mit dem Aufdruck „Pazzi Di Te“ („Verrückt nach dir“) und Datum 7.6.2026 in die Höhe gegangen, wobei das D für die ersehnte Serie D farblich hervorgehoben war. Die Ultràbewegung bei Gladiator begann erst vor etwas mehr als einem Vierteljahrhundert in der Saison 1999/2000 mit den Boys SMCV, gefolgt von den Teste Matte. Es entstanden im Lauf der Zeit weitere kleine Gruppen. 2011 fasste man das ganze als Brigata Spartaco zusammen. Heute gibt es auch noch Black Blue Inside. Befreundet ist man seit 2012/13 mit der Battipagliese. Die große Rivalität besteht zur benachbarten Casertana.
Offiziell 830 Tarantini drängten sich auf der Tribüne gegenüber. Nachdem Taranto Auswärtsfahrten regelmäßig verboten werden, so auch in der Play-off-Runde zuvor, herrschte diesmal nach Bekanntgabe der Möglichkeit des Spielbesuchs Euphorie. Die Karten für den Auswärtssektor auf der Gegentribüne waren in drei Stunden ausverkauft. Aufgehängt wurde wie derzeit immer „Diffidati Taranto Ultras“. Dahinter gab es zahlreiche Doppelhalter, die oft und lange gezeigt wurden. Ein mit 78 (Ultrapaz) versehenes Spruchband grüßte einen zurückgekehrten Stadionverbotler, wozu auch „Diffidati con noi“ angestimmt wurden. Zu Beginn, über weite Strecken des Spiels und am Ende war der gesangliche Tifo exzellent.
Die ASD Gladiator 1924 wurde 1924 als Sporting Club Gladiator in Santa Maria Capua Vetere gegründet, wobei dieser Verein verschiedene Sportarten ausübte und Fußball anfangs nur zeitweise darunter war. Ab 1927/28 spielte man regulär Meisterschaft, fusionierte 1930 mit der Sammaritana zur US Gladiator und spielte bei der kriegsbedingten Einstellung des Spielbetriebs 1941 in der Prima Divisione Campania. Nach der Befreiung und Wiederaufnahme des Spielbetriebs spielte man 1945/46 im Girone D der Lega Nazionale Centro-Sud di Serie C und gewann die Liga auch, verzichtete aber auf einen Aufstieg. 1967 fusionierte Gladiator mit Juve Sammaritana zur US Juve Gladiator, hieß ab 1970 aber schon wieder nur mehr US Gladiator. 1998 fusionierte man mit der Polisportiva Pietramelara und konnte dadurch aus der Promozione in die Eccellenza aufsteigen. Es ging 2001 hinauf in die Serie D und 2002 hinauf in die Serie C2. Aufgrund finanzieller Probleme wurde man dort aber nach der Saison 2003/04 ausgeschlossen und stellte den Spielbetrieb ein. In Nachfolge benannte sich die in der Promozione spielende AS Giovani Recale ihren Vereinsnamen in ASD Real Gladiator 1924, wenngleich der Vereinssitz in Recale blieb. Nach dem Aufstieg in die Eccellenza 2006 benannte sich der Verein in US Gladiator 1924 um und zog auch nach Santa Maria Capua Vetere um. 2010 änderte man den Namen in ASD FC Gladiator 1924. 2012 scheiterte man zwar in den Play-offs der Eccellenza am Aufstieg in die Serie D, kam aber durch Kauf der Spielberechtigung von Nuvla San Felice dennoch hinauf, wobei man sich nun San Felice Gladiator 1912 ASD nannte und Vereinssitz in San Felice a Cancello hatte. Nach dem Abstieg aus der Serie D 2014 wurde der Verein zu Gladiator 1924 ASD mit Sitz in Maddaloni und konnte 2016 durch Kauf der Spielberechtigung der Marcianise wieder in die Serie D aufsteigen. 2017 war die Zeit dort auch wieder zu Ende, der Verein meldete sich nicht mehr an. Stattdessen wurde die Spielberechtigung der ASD Santa Maria La Fossa erworben und damit in der Promozione gespielt. 2018 übersiedelte der Verein Maddalonese formal nach Santa Maria Capua Vetere und benannte sich in ASD Gladiator 1924 um. 2019 kam man als Semifinalist der Play-offs der Eccellenza wieder hinauf in die Serie D, in der man bis 2023/24 spielte. Nach zwei Saisonen in der Eccellenza arbeitet man nun an der Rückkehr in die Serie D.
Die letzten dutzend Restkarten für den Heimbereich auf der Haupttribüne waren am Vormittag des Spieltags auch alle weg. Die erlaubte Kapazität des Stadions war somit vorab voll. Austragungsort des Spiels war nicht das heimische, 1927 eröffnete Stadio Mario Piccirillo in Santa Maria Capua Vetere sondern das modernisierte Stadion in Aversa. Das Stadio Augusto Bisceglia wurde 1960 eröffnet und hieß erst Stadio Comunale und dann Stadio Rinascita nach dem ehemaligen Flüchtlingslager, auf dessen Gelände man in Aversa in den Nachkriegsjahren gespielt hatte, bis es 2009 nach dem 1980 verstorbenen Bürgermeister Augusto Bisceglia benannt wurde. 2014 hat man das Stadion renoviert. Auf den beiden Tribünen gibt es insgesamt 3.042 Plätze. Es ist die Heimstätte des als Aversa bekannten Vereins, der 1925 als US Aversana gegründet worden ist und nach wechselhafter Geschichte mit Auflösung 1929, Wiedergründung 1932, Auflösung 1934, Wiedergründung 1935, Übernahme der Spielberechtigung der Acerrana durch Fusion 2005, Auflösung und Wiedergründung 2019, Übernahme der Spielberechtigung eines anderen Vereins 2020, Auflösung 2023 und Wiedergründung mit Übernahme der Spielberechtigung der Puteolana 2024 mit entsprechend häufigen Namenswechseln derzeit als Real Normanna in der Serie D spielt. Das Normannische gründet sich in der Tradition der Stadt Aversa, die im Jahr 1030 im Zuge der normannischen Eroberungskriege in Süditalien von normannischen Herrschern als Stützpunkt gegründet wurde. Die größten sportlichen Erfolge sind eine Drittligasaison in der Lega Pro 2014/15 und bislang insgesamt 13 Viertligasaisonen in Lega Pro Seconda Divisione und Serie D 2008/09 bis 2025/26. Seit den 1980ern gibt es Ultras in Aversa, mit ebenso wie im Verein wechselhafter Geschichte.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Aversa besichtigt.

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