Donnerstag, 15. Dezember 2011

Rapideum


Rapideum
Das Museum des SK Rapid
Gerhard-Hanappi-Stadion
Südtribüne





Lange, lange war es erwartet und nun wurde das Vereinsmuseum des SK Rapid am 15. Dezember 2011 tatsächlich eröffnet. Kurz gesagt: Das Warten hat sich gelohnt. Die von Domenico Jacono und Thorsten Leitgeb eingerichtete Ausstellung ist großartig. Rapid als Verein, der seine Tradition hochhält, präsentiert seine Geschichte in einem würdigen Rahmen.
Mehr als 300 Stücke der über 2.000 Stücke zählenden Sammlung, die seit 2009 aufgebaut wurde, haben ihren Platz im Museum gefunden.
Der Weg führt durch die Jahrzehnte. Schöne Ausstellungsstücke erzählen von Höhepunkten der Geschichte Rapids wie dem 6:1 Rapids gegen Arsenal im Jahr 1953 oder stellen wahre Schmuckstücke der Leidenschaft dar wie ein nur mit einem Altarbild vergleichbares Kunstwerk eines Fans. Aber auch „schwarze Stunden“ finden ihren Platz − hohe Niederlagen und ein Bild von Lothar Matthäus befinden sich in dieser Schublade.

Beim Museumseingang, vor der Südtribüne des Hanappi-Stadions, steht nun eine Statue von Dionys Schönecker, dem Mann, der Rapid von 1910 bis zu seinem Tod 1938 (bis 1926 auch als Trainer) führte und prägte wie kein anderer. Ohne ihn wäre Rapid nicht das, was es heute ist. Im Museum ist u.a. seine goldene Taschenuhr zu sehen.


Das Fenster läßt bereits von außen einen kleinen Blick zu und präsentiert eine Auswahl der − erhaltenen − Trophäen und Pokale, die Rapid seit 1899 errungen hat.


Als Ausstellungsraum dienen die knapp über hundert Quadratmeter des ehemaligen Fanshops.


Hinter Laden und Türen verbergen sich viele weitere Schätze. Es entsteht das Gefühl des freudigen Geschenkeauspackens, wenn man eine Lade herauszieht oder eine Türe öffnet und die dahinterliegenden Schätze zum Vorschein kommen.


Ein Prachtstück, das zu Recht in der Mitte des Raumes steht, ist das maßstabsgetreue Modell der Pfarrwiese. Das Giebeldach mit Rapid-Schriftzug der Sitzplatztribüne (rechts) und die beeindruckende Terrace der Stehplatztribüne (links) − sehr schön. Von 1912 bis 1978 spielte Rapid hier, unweit des heutigen Stadions. Daneben, als Sitzgelegenheit wie auch als Ausstellungsstück, steht eine originale Sitzbank des alten Rapidplatzes.


Dressen aus jüngerer Zeit sind im Original ausgestellt. Darüber hinaus sind einige schöne alte Trikots als Replik zu sehen.


Herausragende Europacup-Erfolge der letzten Jahrzehnte werden gebührend gewürdigt. U.a. gibt es die Tormannhandschuhe von Funki Feurer beim Duell gegen Celtic 1984, von Helge Payer beim Spiel bei Aston Villa 2009 und Raimund Hedl bei Aston Villa 2010 zu sehen.


Erinnerungsstücke zu den sportlichen Erfolgen und Titeln Rapids während der Nazizeit. Eine vom Deutschen Fußballbund genehmigte Replik der damaligen Meistertrophäe, der Victoria, erinnert an den deutschen Meistertitel 1941. Eine immer offene, nicht zu schließende Schublade bietet mit herausnehmbaren Dokumenten einen kritischen Einblick in die NS-Zeit und die Rolle Rapids.


Wenige Gegenstände, die den genialen Trainer Ernst Happel sehr gut symbolisieren: Ein Blatt mit Notizen und Spielzügen für das Training, sein Ausweis von der WM 1978 in Argentinien, wo der Wödmasta beinahe wirklich Weltmeister geworden wäre, sowie seine nie fehlenden Zigaretten. Herrlich!


Ein besonderes Schmuckstück ist der Pokal, der dem ÖFB-Cup-Sieger von 1919 bis 1985 überreicht wurde. Seither werden für das Stiefkind Cup wechselnde Sponsorenpokale überreicht. Die historische Trophäe aus dem ÖFB-Besitz, die Rapid zuletzt dreimal hintereinander (1983, 1984, 1985) gewonnen hatte, hat nun einen würdigen Platz gefunden.


Der Platz für den Meisterteller ist bereits ausgespart: „Der Teller gehört nach Hütteldorf!“


Auch die Fankultur Rapids findet im Museum ihren Platz. Es gibt wunderschöne Stücke wie Fanschal, Fahne oder Kutte aus vergangener Zeit oder einen Videozusammenschnitt von Szenen emotionalen Supports aus den letzten Jahren zu sehen, der herzerwärmende Erinnerungen an die jeweiligen Momente und Orte weckt. Aber auch die Kehrseite: An den zum Spielabbruch führenden Platzsturm beim Europacupspiel gegen Benfica 1961 erinnert ein historischer Zeitungsausschnitt, an gefährliche Wurfgeschoße aufs Spielfeld ein tatsächlich dort gelandeter Nothammer aus den Verkehrsbetrieben.
Die berühmt-berüchtigte Hütteldorfer Terrorszene aus den 1980er Jahren fehlt daneben natürlich auch nicht und wird des weiteren in einem zu sehenden zeitgenössischen Fernsehbeitrag gewürdigt.


Ein eigenes Kapitel für sich sind die wunderbaren Filmbeiträge mit Spielszenen und Fernsehsendungen aus dem Lauf der Jahrzehnte. Auf drei Bildschirmen kann man sich per Touchscreen durch die Jahrzehnte klicken, Pepi Uridil in den 1920er Jahren sehen, private Super-8-Filme der Rapidspieler auf Südamerikatournee in den 1950er Jahren betrachten, Hans Krankl beim Toreschießen zusehen oder deutschen und englischen TV-Kommentatoren bei legendären Spielen in jüngerer Vergangenheit (HSV 2009 und Aston Villa 2010) beim Erblassen zuhören.


Diese persönlichen Highlights sind lange nicht alles, was im Rapid-Museum zu sehen ist. Man kann zwei Stunden darin zubringen ohne das Leuchten in den Augen zu verlieren.

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