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Freitag, 20. März 2026

Tornados Spezial, 54




Rezension


Tornados Spezial
Ausgabe 54
108 S.









„Dieses halbe Jahr hat uns nicht nur wesentlich älter gemacht, sondern auch Jahre näher an den Tod gebracht.“ leiten die Tornados im Vorwort ihr Heft mit dem Rückblick auf die Rapid-Herbstsaison 2025 zutreffend ein. Als Rapidfan altert man aufgrund der emotionalen Hochschaubahnen mit rasanten Abstürzen nach kurzen Höhenflügen generell schnell. Die Saison 2025/26 sticht dabei aber nocheinmal aus dem langjährigen Schnitt heraus.

Einer der zahlreichen Punkte dieses Alterungsprozesses war die in sieben Jahrzehnten Europacupgeschichte erstmalige Entscheidung einer Begegnung Rapids im Elfmeterschießen im Sommer bei Dundee United, wobei nach 2:0-Pausenrückstand das jähe frühe Ende der Europacupsaison auch schon davor nahe war. Unter dem Titel „Auf den Punkt gebracht“ beschäftigen sich die Tornados in ihrer stets lehrreichen Geschichtsbetrachtung diesmal mit den Elfmetern in der Rapid-Geschichte und versuchten dazu auch soweit möglich die Daten und Zahlen zusammenzutragen. Man lernt wieder einige Fakten der Rapid-Geschichte dazu.

„Oida. Puh.“ und ähnliche Gedanken kommen einen zu den aufsteigenden Grausbirnen beim Lesen der Spielberichte des Herbsts 2025. Da waren Tiefpunkte wie die Heimniederlage gegen den Tabellenletzten GAK dabei, die ich gern verdrängt gehabt hätte. Aber an die guten Momente wird man hier zumindest auch erinnert. Auch wenn der Europacupherbst katastrophal zu bilanzieren ist, konnte man immerhin doch wieder einmal mit der Rapid kreuz und quer durch Europa reisen. Ein Schmunzeln entlockte die Bildunterschrift „Statue eines fassungslosen Rapidfans im Herbst 2025“ zur abgebildeten Statue des Jan Kiepura in Sosnowiec, wo Rapid sich von Raków Częstochowa an die Wand spielen ließ.

Im Text über das Freundschaftsspiel von VeneziaMestre in Hütteldorf gehen die Tornados auch auf die besondere Situation aufgrund ihrer Freundschaft zu deren Rivalen Parma und den Umgang damit ein. Im großen Interview gibt es diesmal ein Gespräch mit Chris und Moriz, die mit den Lords die Fanszene Rapids lange mitgeprägt haben und heute in anderer Rolle in von den Vereinsmitgliedern gewählten ehrenamtlichen Funktionen des SK Rapid tätig sind. Sie reflektieren Vergangenheit und Gegenwart. Weiters liest man im Heft wieder von Veranstaltungen und von Besuchen bei Ferencváros und Parma sowie Nürnberg. Im Rezensionsteil fällt den Tornados im Film der Union '99 Ultrà Salzburg eine Vorliebe für Ottakringer Bier aus Wien auf. Ein Reisebericht entführt einen gedanklich in Text und Bild nach Kolumbien.


A4-Format / 5 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Dienstag, 7. Oktober 2025

Tornados Spezial, 53




Rezension


Tornados Spezial
Ausgabe 53
96 S.









Um die am Titelblatt zu sehende goldene Ananas spielte Rapid am Saisonende 2024/25 nur mehr, was sarkastisch mit „Mission 33, Versuch 17“ beschrieben wird. Trainer war bis zum Rauswurf im Frühjahr Robert Klauß. Da er dennoch eine gute Nachrede hat, führten die TR ein Interview mit ihm, in dem er über Red Bull, den Block West und Rapid spricht. Seine Analyse zum Ende beinhaltet den Fokus der Spieler auf den Europacup, wonach die Mannschaft nach dem Ausscheiden „komplett tot“ war, und der besseren Anpassung der nationalen Gegner auf das Rapid-Spiel im Herbst. Warum man nach dem Eintrainieren neuer Ansätze in der Winterpause dann in der Meisterschaft dennoch alles verloren hatte, fragt er sich selbst: „Wo ich mir heute denke, wie kann das gehen.“ Da liegt wohl der Schlüssel. Das alles und noch viel mehr in einem lesenswerten Gespräch.

Im Unterschied zum Bildschrim-Scrollen vergeht beim Lesen von Heften nicht nur die Zeit, sondern man ist nachher meist klüger. Das trifft dies auch wieder einmal auf dieses Heft zu, in dem sich die Tornados mit Sektionen in Ultrà-Gruppen und besonders in der Geschichte des Block West beschäftigen. Da sind doch viele Details und Umstände beschrieben, die ich zumindest vorher nicht so kannte. Einen Blick zum Thema Sektionen und der dortigen Handhabung machen die TR auch zu Ferencváros und Parma sowie Nürnberg.
Unfassbare zehn Jahre (!) ist die instruktive Aufarbeitung des Themas Sektionen in der Vereinsgeschichte des Sportklub Rapid in Ausgabe 36 des Tornados Spezial bereits her. In einem Update und Nachfolgeartikel geht es hier nun um die zwischenzeitliche Etablierung der Frauen sowie die Umstände von Möglichkeiten zur Etablierung von Handball und Basketball. Der Artikel plädiert erneut für die Ausweitung des Sportklubs auf andere Sportarten wie z.B. Darts und verweist auf die vorhandenen Ansätze im Boxsport durch den aus dem Block West entstandenen Boxclub Rapid Wien.

Von den und über die oben erwähnten Freundschaften liest man im Heft wieder sowie von diversen Aktivitäten des Block West und bei Rapid. Erwähnt werden auch die Beweggründe, warum neben den Printprodukten im Onlinebereich zu Homepage tornadosrapid.at und Youtube fichtl96 nunmehr auch Instagram fichtl96 getreten ist. Im Rezensionsteil gibt es Beiträge über den Film Aura einer Legende zu 125 Jahren 1. FC Nürnberg sowie gleich zu zwei Fanzines von Sturm Graz, nämlich dem Clockwork Jewels Nr. 7 der Jewels Sturm und Fuori di Testa Nr. 1 der Grazer Sturmflut.

Das Frühjahr 2025 brachte für Rapid eine emotionale Hochschaubahn, wobei dabei wohl im Nachgang die Talfahrt nachhaltiger in Erinnerung bleibt. In den Berichten zu den Rapid-Spielen kann man die Ereignisse und Umstände nochmal nachlesen und die zahlreichen Bilder dazu betrachten, um sich das alles noch einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die großen Momente gab es im Europacup mit zwei Duellen in Achtelfinale und Viertelfinale. Die Erinnerung an die Nerven, die man bei dem Rückspiel gegen Borac Banja Luka und dem Rückspiel gegen Djurgårdens IF liegen gelassen hat, kommt wieder hoch. Aber auch schöne Erinnerungen an jene Zeiten.

Wie sehr ich Globetrotter bin, obwohl ich Europa nicht verlasse, machten einem die Tornados in ihren Text über die Kosten der Rapid-Saison 2024/25 für das Allesfahrer-Börserl klar. „Mit den gesammelten Kilometern könnte man den Globus zu 73% umrunden.“


A4-Format / 4 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Mittwoch, 23. April 2025

Tornados spezial, 52




Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 52
96 S.









Trikots, Sturmhauben, Ausschreitungen und Aufregungen. Darüber und noch über viel mehr gibt es im wieder 96 Seiten starken Fanzine der Tornados Rapid zu lesen. Anlässlich des negativ beurteilten Rapid-Trikots, „das fast von jedermann als unfertig angesehen wird“, beschäftigt man sich mit dem Rapid-Dress im Lauf der Geschichte und stützt sich dabei auf das hervorragende Buch „Grün-Weiß sind unsere Farben“ von Julian Schneps. Um Bekleidung geht es auch in einem weiteren Artikel, der sich Vermummung und Sturmhauben in der Rapid-Geschichte widmet und warum diese genutzt, aber nicht exzessiv damit posiert wird. „Irgendwas is' immer“ ist der wahrste Satz zu Rapid. Auch im Herbst 2024 passierte wieder einiges, wozu die Tornados hier auch ihre Meinung kundtun. Im Sinne eines lebendigen Mitgliedervereins berichtet das Heft wieder über die vergangene Rapid-Hauptversammlung und beurteilt manche Vorgänge kritisch.

Weiters liest man im Heft erneut von den und über die Freundschaften Ferencváros und Parma sowie auch von Besuchen bei Nürnberg.
Groundhoppingberichte finden sich im Heft diesmal leider keine, dafür hat man den Rezensions-Teil ausgebaut. Einige Seiten füllen Bilder der zahlreichen Graffiti.

Rapid ist und bleibt im Zentrum und so umfassen 56 der 96 Seiten Berichte von Rapid-Spielen bzw. deren Drumherum im Herbst 2024. Beginnend im Sommer mit dem Jubiläumsspiel gegen den AC Milan und endend mit dem Europacup-Highlight gegen den FC Kopenhagen erzählen verschiedene Autorinnen und Autoren der Tornados wie üblich getrennt zwischen nationalem und internationalen Bewerb von den Ereignissen und Begebenheiten während der und rund um die Spiele. Stets eine interessante Chronik, wenn man dies zurückschauend und sich erinnernd liest. Dabei liest man auch von diversen Hintergründen wie etwa dem Zusammenhang der Auswärtschoreographie bei Blau-Weiß Linz im Sommer mit dem Thema Nachhaltigkeit, Müllvermeidung und Kostenersparnis.
Einen besonderen Stellenwert nehmen die Europacup-Auswärtsreisen ein, von denen es 2024/25 mehr als jemals zuvor gab. „Der Europapokal verschlägt den reisewilligen Rapidler neben Weltmetropolen ab und an auch an Orte, die man ohne Rapid wohl nie in seinem Leben gesehen hätte.“ heißt es über Trabzon. Das trifft für mich nicht zu, da ich bereits ein halbes Jahr zuvor im Jänner 2024 drei Tage dort verbrachte, um mir einige Fußballspiele anzusehen. Somit konnte mein kleiner Blog auch als Quelle zur Veränderung der Fansituation in der Zwischenzeit im Bericht über das Rapid-Spiel bei Trabzonspor dienen. So etwas freut und ehrt mich immer.


A4-Format / 5 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Freitag, 18. Oktober 2024

Tornados spezial, 51




Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 51
84 S.









„Alles über den Sport“ heißt es im neuen Heft der Tornados Rapid. Frei nach der Leitlinie des Präsidiums „Alles für den Sport“ betrachten die Tornados in ihrem Fanzine hier sportliche Belange intensiver als sonst, denn „schlussendlich ist auch dieses Ultrà-Heft doch nur eine Zeitschrift von Fans für Fans.“ Das Thema des Körner-Trainingszentrums wird mit positiven und negativen Aspekten beleuchtet. Die Funktion von Rapid als Karrieresprungbrett anhand erfolgreicher und gescheiterter früher und schneller Transfers behandelt. Das zeigt das systemische Problem auf, dass oft länger bei einem Verein bleiben und Stabilität gewinnen sinnvoller als ein Sprung ins nur scheinbar verlockende Ungewisse ist. Das Trainerkarussell Rapids ist ebenfalls Thema: „Wir sind heuer in die achte Saison im Weststadion gestartet. Mit Robert Klauß haben wir den siebenten Cheftrainer seit dem Umzug.“ Letztendlich werden auch Entscheidungsgremien der Liga, an welcher Rapid teilnimmt, hinterfragt und die Willkürlichkeit und fehlende konsistente Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen des Strafsenats und der Linzenzvergaben durchleuchtet.

Fünf Jahre nach seinem Abschied beschäftigt sich das Heft nocheinmal mit der Rolle und Funktion Andy Mareks. Auf die vielen verschiedenen Ereignisse, Veranmstaltungen und Termine im ersten Halbjahr 2014 blickt man zurück. Zu lesen ist wieder von den und über die Freundschaften Ferencváros und Parma und auch Nürnberg ist hier erneut Thema.

Schon beim vorherigen Heft hatte ich mich über Groundhopping-Berichte aus Lateinamerika gefreut. In dieser Ausgabe gibt es davon (von anderen) nocheinmal mehr. Ich schätze zwei Arten von Groundhopping-Berichten: Jene über Destinationen, die auch in meiner Reichweite sind, und woraus ich daher etwas für mich Praktisches lernen kann, sowie jene über Destinationen, in die ich nie kommen werde, und die daher einen exotischen Reiz beim Lesen vermitteln. Da ich selbst eher viel als weit und kurz als lang reise, den Besuch eines Spiels der italienischen Serie D dem Erkunden eines neuen Landes tendenziell eher vorziehe und in diesem Leben wahrscheinlich eher keine Fernreise unternehmen werden, reizt mich die Lektüre solcher Berichte wie hier von einer neunwöchigen (!) Reise nach Lateinamerika (Florida zähle ich da mal grosso mode dazu). Persönlich gehaltene, unterhaltsame und spannende Reiseerzählungen gibt es rund um Spielberichte aus Florida, Mexiko, Peru und Bolivien. „Von den meisten Orten, an denen wir unterwegs waren, bekommt man hier in Österreich selten etwas mit.“

Ein Hauptteil des Hefts umfasst den Rückblick auf die Pflichtspiele des SK Rapid von Februar bis Mai 2024. Unterschiedliche Leute schreiben wie gewohnt über die Ereignisse sowie Erlebnisse des Spieltags. Dazu gibt es prägnante Fotos zu sehen. Das beste kommt aber zum Schluss. Auch ich fühle mich bei der satirischen Schreibanleitung für Spielberichte in Fanzines am Heftende wie „Verfasst den Text unbedingt im Passiv!“ ertappt. Wie es sich für eine gute Satire gehört, steckt hier viel Wahrheit drin.


A4-Format / 4 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Donnerstag, 7. März 2024

Tornados spezial, 50




Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 50
112 S.









Das Jubiläumsheft der 50. Ausgabe des Fanzines der Tornados Rapid. Ein Grund zum Feiern dieses wahrlich lesenswerten Hefts. Ein Artikel blickt auf Begebenheiten, amüsante Anekdoten seit der ersten Ausgabe im Jahr 1997 zurück und beschreibt die Entwicklung des Hefts, die auch Hand in Hand mit der Entwicklung der Gruppe ging. „Wir haben viel Freude mit unserem Heft und hoffen, dass ihr euch auch daran erfreut und etwas lernen könnt.“ schreiben die Tornados. Ich kann das nur bejahen und tue das auch in meinem Grußwort im Heft: „Ich lerne in jeder Ausgabe etwas Neues dazu.“ schreibe ich darin. Es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit den Kalibern Josef Gruber, dem langjährigen und einzigen Abonnenten Stefan und Ya Basta! zu einem Grußwort von den Tornados eingeladen worden zu sein.

Eine der verdienstvollsten Organisationen des Block West ist die Rechtshilfe Rapid. Pia und Matej sprechen im Interview über ihre Arbeit. Zur juristischen Bildung drucken die Tornados dazu gleich auch die dabei erwähnten Paragraphen und Gesetzesstellen ab. Thematisch passend haben sie sich auch eine besondere Gesprächsführung überlegt.

Zum Nachdenken soll ein Meinungskommentar anregen, der mehrere Entwicklungen gegenwärtiger Ultraskultur kritisiert und „Gespür und Mentalität“ vermisst. Ein Nachruf erinnert an den am 8.1.2024 verstorbenen Platinum. Weitere Berichte behandeln diverse Festivitäten des Block West oder die Geschehnisse der ordentlichen Hauptversammlung des SK Rapid vom November 2023. Laurin Rosenberg widmet sich in seiner Geschichts-Serie dem Thema Feiern bei Rapid. Es gibt wieder von den Freunden Ferencváros und Parma zu lesen sowie auch erneut von Besuchen in Nürnberg. Ein besonderer Teil dieser Ausgabe ist das Doppelhalter-Ranking. Dazu hatten die Tornados zu Einsendungen aufgerufen und präsentieren und beschreiben hier die Top-10. Auch das Gästesektor-Ranking wird fortgeführt.

Standbein des Hefts sind auch in Nummer 50 wie in den 49 Ausgaben davor Spielberichte der vergangenen Rapid-Spiele, hier der Herbstsaison 2023, mit pointierten Einschätzungen und Meinungen zu verschiedenen Aspekten. Auch Humor und Lebenslust kommt dabei nicht zu kurz, etwa im Bericht von der bereits Höhe St. Pölten zu Ende gegangenen Auswärtsfahrt zum schneebedingt abgesagten Spiel gegen Wattens und dessen Nachgang. Das erste Spiel im Berichtsteil Europapokal war eigentlich gar kein Europacupspiel, nämlich das Rapid-Gastspiel bei Union Berlin. Der schöne Tag fühlte sich aber auch für mich fast so an.

Standbein des Hefts in früheren Zeiten war einmal ein umfangreicher Groundhopping-Teil. Das hat sich verflüchtigt, wie auch im eingangs genannten Artikel zur Heftgeschichte beschrieben wird. Mit Berichten aus einer Reise nach Argentinien und Brasilien feiert diese Rubrik hier aber ein begrüßenswertes Comeback. Rezensionen interessanter anderer Publikationen, Graffitifotos und die beliebte Rubrik sinnlos machen den Abschluss.

Ich schließe mich der Devise am Titelblatt an: „Noch lange nicht genug“


A4-Format / 6 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Mittwoch, 30. August 2023

Tornados spezial, 49





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 49
96 S.









„Mit Schlusspfiff öffnete sich unter dem Rapidsektor ein metertiefes Loch.“ Das Spiel des Jahres, die so schmerzhafte Cupfinal-Niederlage, hat ihren Platz im Rahmen der Rapid-Spielberichte der Frühjahrssaison. Die Fotos lassen Emotionen wieder hochkommen und der Text bilanziert den Tag ebenso ausgewogen wie zutreffend.

Das Ernst-Happel-Stadion ist aktuell wieder einmal Gegenstand einer Neubau-Debatte. Im zeitlichen Gleichklang mit der Ballesterer-Titelgeschichte widmet sich auch das Tornados spezial Geschichte, Gegenwart und Zukunft des größten Stadions der Stadt Wiens und des Landes. Denn auch Rapid verbindet mit dem Stadion einige Geschichte, wie im Text deutlich gemacht wird. Die Notwendigkeit eines millionenteuren Neubaus für die Nationalmannschaft wird angezweifelt und betont, dass es eben noch ein Stadion mit unverkennbarem eigenen Charakter ist. Zum jüngsten Versuch von Seiten des ÖFB, sich über öffentlichen Druck Länderspiele im Weststadion zu erpressen, gibt es eine klare Meinung: „Das Nationalteam hat in Wien-Hütteldorf nichts verloren.“ Das ist auch richtig so.

Weitere Themen sind der ÖFB-Cup („Der Cup nervt“), die Geldverschwendung SKBs, fünf Jahre Grüne Szene Weinviertel, ein Wochenende in Gedenken an den verstorbenen Bernd, die Feier zu 35 Jahren Ultras Rapid, das Mitgliedertreffen des SK Rapid und ein Artikel von Laurin Rosenberg zum Thema „Die Rapid und die Marie“ mit historischer Perspektive und klarer Position für die Gegenwart. Einen „Blick von außen“ u.a. auch zu dieser Thematik und zur generellen Lage Rapids bietet dazu ein Text eines Freundes, der eher einen „Blick aus der Ferne“ (660 km) einbringt als einen von außen. Dazu ist er selbst zu sehr Rapidler, weiß worüber er schreibt und trifft den Punkt.
Mit Grinsen gehen die Tornados auf den Abschied dieses „lachhaften, selbstüberschätzenden Haufen“ namens Fanatics des FAK ein.

In der schönen Serie der Artikel zur Rapid-Geschichte blickt man in dieser Ausgabe auf die „goldenen“ 1950er Jahre. Zum zwanzigjährigen Jubiläum der UR-Jugendsektion Gioventù gibt es ein Interview mit drei prägenden Vertretern ihrer ersten Generation, wobei sie mit dem Attribut der „goldenen Generation“ für sich weniger anfangen können. Im Gespräch wird von Action in der Hochphase der zweiten Hälfte der 2000er Jahre erzählt und wie man das auch zeitlich und generell einordnen kann und soll. „Es wird alles verklärt, was früher war. Alles was früher war, wird zu sehr glorifziert,“ sagt Seba mit Bezug dazu und weiß zur Thematik der Generationen einen großen historischen Bogen zu spannen: „Die Alten haben schon vor über 2.000 Jahren auf der Akropolis gerätselt, was sie mit der Jugend machen sollen. Und jeder über 30 sagt heute, die Jugend sei ein Wahnsinn. Wurscht ob 700 vor Christus, im Mittelalter oder 2003.“


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Mittwoch, 22. Februar 2023

Tornados spezial, 48





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 48
96 S.










„SCR. Wie WIR.“ am Titelblatt ist ein unverkennbarer Anklang auf die ORF-Imagekampagne „ORF. Wie WIR.“ Die Führungsebene des SK Rapid wurde nach dramatischem sportlichen Misserfolg erneuert und an der Spitze steht nun als Präsident mit Alexander Wrabetz ein ehemaliger ORF-Generaldirektor. Die Vorgänge und die handelnden Personen werden im Heft bewertet und dies wird in deutlich kritischen Worten v.a. einer Person gegenüber getan. In Analysen am Heftbeginn und im Zuge des Berichts von der Vaduz-Katastrophe im Spielberichtsteil. Die wichtigste Rolle im Verein hat jetzt Steffen Hofmann, als Wahllistenorganisator, als Präsidiumsmitglied und nunmehr auch als Geschäftsführer. „Die Gefahr, dass Steffen Hofmann an seiner Legende kratzt, ist bei offiziellen Vereinsposten – wie es eben auch das Präsidium ist – immer gegeben. Dementsprechend waren wir anfangs nicht sehr begeistert, als wir von der ,Liste Hofmann‘ hörten. Auf der anderen Seite: Wenn es jemanden gibt, der die Rapidfamilie einen kann und bei allen Interessenvertretungen hoch angesehen ist, dann ist es Steffen Hofmann.“
Stichwort Legende: Zum in der Satzung verankerten und definierten Legendenstatus gibt es einen spannenden Text, der eine zeitgemäße Reform des Paragraphen andenkt. „Gedanken aus der Gruppe“ (eine als Kommentar zu wertende Textform) gibt es auch wieder und der Text beschäftigt sich mit dem Umgang mit Red Bull. Auch die WM 2022 ist Thema und der erste Artikel zur Problematik aus dem Tornados spezial 29 aus dem Jahr 2011 ist zur Nachlese abgedruckt.

Aktivitäten im Block West und der Tornados wie der berühmte Punschstand werden rekapituliert. Es gibt wieder einen Halbsaison-Rückblick der Green Monsters von Ferencváros sowie TR-Besuchsberichte zu lesen, wobei in der Herbstsaison 2022 jedenfalls das Auswärtsspiel von Ferencváros bei Qarabağ in Baku herausragt. Aufgrund des am nächsten Tag ebenfalls in Baku stattfindenden Rapidspiels bei Neftçi und der besonderen Reiseumstände mit abseits des stark platzbeschränkten Rapid-Flugangebots unleistbarer Flugkosten im vierstelligen €-Bereich bildete hauptsächlich der Rapidanhang den Fradi-Auswärtsmob. Die Kuriosität kann man hier nochmal im GM-Bericht, im TR-Besuchsbericht und im Bericht von der Rapid-Auswärtsreise Revue passieren lassen. Auch im Rückblick ist und bleibt das eine unglaubliche Geschichte und ich bin dankbar Teil dieser „elitären Allesfahrerrunde“, wie sie hier bezeichnet wird, gewesen zu sein.
Berichte zu Parma gibt es ebenso wieder und diesmal auch zu Nürnberg, wo von der 20-Jahres-Feier der UR-UN-Freundschaft und der Einladung zum Derby gegen Fürth im Sommer 2022 berichtet wird.

Mit 38 Seiten nimmt der Hauptteil des Hefts die Berichterstattung über die Rapid-Spiele in Cup, Meisterschaft und Europacup im Herbst 2022 ein. Die sportliche Bilanz war ja durchwachsen. Hier kann man nochmals nachlesen, was damals auf dem Feld und abseits davon an Wichtigem geschah und wie das erlebt wurde bzw. wie es die Autorin oder die Autoren der Berichte erlebten. Die Bebilderung ist wieder herausragend, etwa das Corteobild aus Vaduz mit der Burg im Hintergrund. Lebendig nachvollziehbar, was für Zwängen man im modernen Fußball ausgesetzt ist, macht das „Drama in drei Akten“ über die wahrlich aufgrund der Europacupauslosungs-, Spieltags- und Reisemöglichkeiten-Unklarheiten verrückten Tage Ende Juli 2022.

Eine sehr gute Sache im Heft ist das abschließende Gästesektorranking. Nach den Kriterien Einlasskontrollen, Polizei, Biersorte, Essen, Sicht, Zaun sowie Bauliches und Infrastruktur werden die Gästesektoren der Bundesliga sowie diejenigen der im Herbst 2022 im Europacup besuchten Stadien beschrieben und bewerten. Wer dabei am besten abschnitt und wer am schlechtesten, sei hier nicht verraten – die Lektüre des Hefts wird dringend empfohlen. Klar ist aber auch, dass wir auf die Bedingungen, mit denen wir in unserem Weststadion Gäste empfangen nicht stolz sein brauchen. „Es schmerzt, dass dieser Sektor dermaßen schlecht abschneidet. Wir sind froh, dass wir ihn nicht regelmäßig nutzen müssen, aber gleichzeitig empfinden wir auch eine gewisse Scham.“

Der Tod ist das Ende des Lebens, aber nicht das Ende der Erinnerung an das Leben. In der letzten Ausgabe mussten die Tornados vom Abschied ihres Mitglieds Bernd schreiben. Kurz vor Redaktionsschluss verstarb Luksus von den Ultras Rapid. Ihm wird im Vorwort gedacht.
Rezensionen, Streetart-Bilder und die beliebten amüsanten Schnappschüsse am Heftende schließen das Fanzine ab. Vereinspolitisches, Fußballkulturelles, Freundschaften, Rapid, Fanszene, Rezensionen, Humor – das ORF-Radio Ö1 hat den Slogan „Ö1 gehört gehört“, das Tornados spezial gehört gelesen.


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel blickfang-ultra.de und nofb-shop.de.

Dienstag, 30. August 2022

Tornados spezial, 47





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 47
96 S.










„Es muss sich jedenfalls was ändern und das rasch, bevor die Fans wieder auf die Barrikaden steigen.“ schreiben die Tornados – notabene lange vor der jüngsten Explosion zum Status quo Rapids. 2022 ist der Verein in der Krise. Die Tornados hatten ein gutes Gespür und widmen sich in einem Rückblick und einer Analyse Rapid braucht Veränderung von 2013, bei der sie auch die Sichtweise des damals in der heftigen Kritik stehenden Werner Kuhn einholen ohne sie zu teilen.

Am Titelblatt ist die Gedenkchoreographie für das verstorbene Tornados-Mitglied Bernd nach dessen Tod beim Spiel bei den Dosen im April zu sehen. Auf den ersten Seiten des Hefts findet sich nicht nur der Nachruf sondern auch ein Auszug ergeifender Worte, die Rata in seiner Rede für ihn („a guada Lodsch und a groda Michl“) bei seinem Begräbnis fand. Illustriert mit Gedenkspruchbändern von mit Rapid befreundeten und rivalisierenden Kurven.

Angesichts des Falls Stojković rekapituliert Laurin Rosenberg in seiner Geschichts-Serie Fälle des Freipressens von Spielern in der Rapid-Geschichte und erzählt neben den bekannten und gegensätzlich gelagerten Fällen von Jelavić und Hanappi auch von einem spannenden, weithin unbekannten großen Konflikt aus den Jahren 1923 und 1924.

Interessantes ist aus dem Interview mit der SAF zu erfahren, die heuer ihr zehnjähriges Jubiläum begeht. Die TR berichten von der Buchpräsentation ihrer Festschrift und von der Rapid-Hauptversammlung im Juni 2022 (auch selbstkritisch). Die Schals der Tornados waren ein zentrales Element der 25-Jahre-Jubiläumschoreographie und werden im Heft genauer beleuchtet.

Die Green Monsters von Ferencváros blick auf ihre Frühjahrssaison zurück und die Tornados erzählen dazu von zwei ihrer Matchbesuche, bei Újpest – Ferencváros im Jänner und dem Cupfinale Ferencváros – Paks im Mai. Zwei Besuchsberichte gibt es auch bei Parma, einem Auswärtsspiel in Vicenza und einem Heimspiel gegen Ascoli. Samt schöner Anekdoten wie der Busfahrtatmosphäre mit den Boys Parma („wild und voller Enthusiamus“) und neben der Spur befindlichen italienischen Polizisten. Aber auch mit Eindrücken, wie die in Italien verhängten extremen, jahrelangen Stadionverbote eine Gruppe schwächen aber nicht brechen. „Beeindruckt von der Tatsache, wie die Boys und auch andere italienische Szenen mit den Repressionen umgehen, sich nicht unterkriegen lassen und weiter für die Ultrà-Bewegung kämpfen.“

Der Hauptteil des Hefts sind in guter Gewohnheit Spielberichte von den Rapid-Spielen von Februar bis Mai 2022. Gute und leider auch angesichts der sportlichen Bilanz weniger gute Erinnerungen kommen beim Lesen wieder hoch. Zur Februar-Europacupdestination Vitesse gibt es nicht nur die Spielberichte von Heimspiel und Auswärtsspiel sondern in ebenfalls guter Gewohnheit auch etwas über die Stadt und das Reiseerlebnis zu lesen. Im nächsten Heft über die Frühjahrssaison wird das leider fehlen.


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel nofb-shop.de.

Freitag, 13. Mai 2022

Tornados Rapid Festschrift 1996 – 2021



Rezension


Tornados Rapid
Festschrift
1996 – 2021
Wien 2022
352 S.








„Für all das, was wir gemacht haben, und was passiert ist, ist eigentlich verdammt wenig Zeit vergangen.“ Hansi sagt diesen Satz im Buch im Kapitel über die 2007 bis 2011 bestehenden Tifosi, die dann in den Tornados aufgingen. Der Satz kann aber auch für das ganze Buch stehen. Man staunt beim Lesen oft, was in diesen 25 Jahren alles passiert ist und gemacht wurde. Ihr Jubiläum feierte die im November 1996 gegründete Gruppe bereits mit einem beachtlichen Fest im Sommer 2021, einem abendfüllenden Film und einer aus mehreren Teilen bestehenden großen Choreographie. Zum Abschluss der Jubiläumssaison brachten sie nun auch noch ein hunderte Seiten starkes, 1,4kg schweres und auch inhaltlich gewichtiges Buch über ihre Geschichte heraus.

Wer die Hefte Tornados spezial liest, ihre Aktivitäten verfolgt und ihre Choreographien betrachtet, dem wird bald klar, dass sich die TR seit vielen Jahren eingehend mit der Rapid-Geschichte beschäftigen. Festschriften erscheinen zu Jubiläen von Institutionen, Personen oder auch Vereinen. Für ein Ultras-Buch ist das eine ungewöhnliche Bezeichnung. Dies liegt in der Rapid-Geschichte als Inspirationsquelle begründet, wie im Vorwort erklärt wird: „Die alten Festschriften des SK Rapid haben uns in den Bann gezogen. Sie waren und sind eine gute Quelle, um sich intensiv mit dem SCR zu beschäftigen. In ihnen fanden wir Inspiration für unseren Tifo. Sie zu lesen, half uns, Rapid besser zu verstehen.“ Gleich auf den ersten Seiten erfährt man so eine Hintergrundinfo zur Gruppe. Auch wenn mir durchaus einiges geläufig war: Es gibt kaum eine Textseite im Buch, aus der ich nicht neues lernte.

25 Kapitel hat das 25-Jahres-Buch. In fünf Kapiteln wird in Fünfjahres-Blöcken die Geschichte der Tornados und damit auch des Block West und des SK Rapid in jener Zeit erzählt. Die anderen Kapitel beschäftigen sich mit Themen, welche die TR seit 1996 begleitet haben. Manche Kapitel sind abgeschlossene historische Betrachtungen wie über den Amateure-Support 2001 bis 2003 und den Nationalteam-Support 2004 bis 2007, andere erklären viel über die Funktionsweise der Gruppe (TR-Jugend, Tifosi) und wieder andere sind Fragen gewidmet, welche aus der Geschichte auch die Gegenwart besser verstehen lassen, wie z.B. über Medien, Kampagnen, Schlagabtausch oder die Freunde von Ferencváros und Parma. Die Geschichte der Freundschaften aus eigener TR-Sicht ist so umfangreich bisher noch nicht nachzulesen gewesen. Es geht aber auch um Themen wie Rausch oder Graffiti. Es gibt genauso ein Kapitel über Spaß wie ein Totengedenken.

Die Texte sind gut und flüssig zu lesen. Es gibt auch Interviews, aber die überwiegenden Kapitel bestehen aus auf Gesprächen basierenden Texten mit eingebauten Zitaten. Man wird beim Lesen in eine historische Zeitreise zurück mitgenommen und macht die schrittweise Entwicklung von einem kleinen Fanclub zu einer großen Ultraguppe mit. Vieles wird detailliert und offen berichtet. Spannend ist dabei, dass Brüche und Konflikte genauso wie Misserfolge angesprochen werden und nicht alles als eine glatte Erfolgsgeschichte in direkter Linie von 1996 bis 2021 dargestellt wird. Illustriert mit zahlreichen Fotos aus der Gruppengeschichte. Die ruhige Optik der Buchseiten lässt dabei Text und Bild gut zur Geltung kommen.

Abgebildet sind alle 47 Schals, welche die Tornados 1996 bis 2021 Jahren produziert haben. 68 Choreographien haben sie in diesen 25 Jahren gestaltet. Das Choreo-Kapitel ist dementsprechend mit 48 Seiten auch das umfangreichste im Buch. Neben vielen Fotos prächtiger Bilder aus den Stadien geben die TR auch Produktionsdetails preis wie die Verwendung eines eigens programmierten Computerprogramms, um Entwürfe 3D-animiert betrachten zu können. „Ich wünsche mir, dass wir den Weg mit historischen Choreos weitergehen,“ wird Fischer zitiert. Er meint damit aber nicht das bloße Abfeiern vergangener Erfolge. „Es gibt noch viele Aspekte unserer Vereinsgeschichte, die noch nicht ausreichend beleuchtet wurden.“ Da kam mir sogleich die herrliche „Hut ab vor den Gründern“-Choreographie in den Sinn. Nicht breit bekannte historische Details, wie hier die Herkunft der Gründer des 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club aus der Hufabrik Böhm, in Form einer als Bildungsprogramm funktionierenden, aber auch für sich selbst stehenden Choreographie umzusetzen, ist große Kunst.

„Unser Verein ist der geilste Klub der Welt. Ohne den SK Rapid würde es uns nicht geben. Er ist unser Antrieb und Stolz. Egal ob Unentschieden, Niederlage oder Sieg.“ heißt es einleitend zu einem Kapitel, in dem wahre Gänsehautmomente beschrieben werden. Es gilt, was auf der Rückseite des Buchs geschrieben steht: „Lang lebe Rapid!“


25 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel nofb-shop.de und blickfang-ultra.de.

Dienstag, 22. Februar 2022

Tornados spezial, 46





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 46
96 S.










„Das Tornados Spezial ist zurück und schließt nahtlos an die letzte Ausgabe an.“ Der erste Satz des Hefts im Vorwort ist zugleich auch schon der beste erste Satz einer Rezension desselben.

Im engeren Sinn schließt das Heft an die Aufarbeitung der Geschichte der Rapid-Präsidenten der Vorgängerausgabe an, und zwar mit einem Interview zu vereinspolitischen Fragen mit dem aktuellen Präsidenten Bruckner und seinem Vorgänger Krammer sowie einen Nachruf auf den verstorbenen langjährigen und prägenden Präsidenten der Jahre 2001 bis 2013, Rudolf Edlinger. Mit Vereinspolitik beschäftigt sich auch ein weiterer Artikel, der die kontroversen Anträge eines ehemaligen Funktionärs zum Umsturz des Mitgliedervereins in Richtung eines Investorenspielzeugs und damit dem inhaltlichen Ende des Wesens des Sportklubs Rapid kritisiert.

Im weiteren Sinn schließt das Heft mit seinem gewohnt guten Standardprogramm an die Vorgängerhefte an und macht einfach Lust am Lesen. So berichten die Green Monsters von Ferencváros über jüngste Ereignisse und die Tornados über ihre FTC-Matchbesuche. Zu Parma gibt es einen Nachruf auf einen verstorbenen Ultra der Boys Parma („Er war es, der unseren Fetzen damals über den der Boys hängte.“) Einen großen Teil des Hefts nehmen die Berichte von den Rapid-Spielen in Cup, Meisterschaft und Europacup ein. Vorausgeschickt wird dabei ein Text zu „Der Block West und Covid“, in dem das eigene Handeln reflektiert wird. Mit Blick auf Kritik schreiben die TR, dass man sich mit dem Südstadt-Spruchband nicht gegen die Impfung ausgesprochen habe – „Immerhin kann das G'impfte nur aufgehen, wenn es sich bereits im Arm befindet.“ Lesenswert ist etwa der Reisebericht nach Saporischschja, samt amüsanten Geschichten von alkoholisierter Hotelrezeptionistin und wundersam erhaltenem Augenlicht sowie Gesprächen mit lokalen Hooligans. Das sage ich nicht, weil meine Person in einer Anekdote vorkommt (oder vielleicht doch?).

Lesenswert ist auch die diesmal wieder umfangreichere Rezensionssammlung an verschiedenen Fanzines und Büchern, in denen sowohl gelobt als auch Kritik geübt wird.
Zum 25-jährigen Jubiläumsjahr sind für die Gruppe mit Erinnerungen verbundene Gruppenfotos der Jahre 1997 bis 2021 zu sehen sowie Berichte von einem feucht-fröhlichen „Jubiläumsurlaub“ (den Begriff kannte ich nicht, lesen heißt lernen), dem Kickoff-Day und der Premiere des 25-Jahres-Films und der 25-Jahres-Feier zu lesen sowie von v.a. letzterer auch zahlreiche Bilder zu sehen. „Wer sich mehr Inhalt zu unserem 25er erwartet hat, muss an dieser Stelle enttäuscht werden.“ heißt es. Man verweist aber die Hoffenden kryptisch auf Zukünftiges. Auch die Jubiläumschoreo steht pandemiebedingt noch aus. Wer die Tornados-Choreos kennt, weiß dass man sich ungeschaut auf sie freuen kann. Ebenso wie über dieses Heft.


A4-Format / 4,50 € / erhältlich bei den TR bei Rapid-Spielen oder über den deutschen Fachhandel nofb-shop.de und blickfang-ultra.de.

Freitag, 20. August 2021

25 Jahre Tornados Rapid



Rezension


25 Jahre Tornados Rapid
1996 – 2021
Ein Vierteljahrhundert aus Sicht seiner Protagonisten
Wien 2021
96+25 Min. Film und 21 Min. Extras

Premiere: Lugner-Kino Wien, 20.8.2021





1996 war mit Europacupfinale, Meistertitel und Champions League ein besonderes Jahr für Rapid und es war das Jahr, in dem sich mit den Tornados Rapid eine Gruppe gegründet hat, die sich im Lauf von 25 Jahren zu einer bedeutenden Gruppe des Block West etabliert hat. Ihren Weg in diesem Vierteljahrhundert zeigt ein Dokumentarfilm, der in Wien Premiere hatte.


In zwei Sälen im Lugnerkino mit insgesamt rund 350 Plätzen wurde der Film gleichzeitig gezeigt. Von Dominik und David gab es zunächst einleitende Worte zur Entstehungsgeschichte.


„Wir führen einfach das leiwandste Leben.“ ist ein zentraler Satz des Films. Er fällt gleich am Anfang und bringt sehr viel auf den Punkt, was in den 121 Minuten Thema ist. Gezeigt werden Tifo-Szenen zwar, aber weniger präsent als vermutet denn als Teil der Darstellung vielfältigen Gruppenlebens, das sich rund um Rapid abspielt. Es ist kein Best-of der bekannten Tornados-Videos auf Youtube oder vergangener Filmproduktionen sondern ein eigener Film, der das Selbstverständnis der Gruppe in verschiedenen Kapiteln zu verschiedenen Themen darstellt.


Thema sind etwa die Choreographien, angefangen von der ersten TR-Choreographie, einer Papierschnipsel-Aktion 2003 auswärts in Bregenz. Vermittelt wird in den Filmszenen von Erstellung und Proben sowie in Interviews eine Ahnung, wie viel Arbeit in den Aktionen steckt, was man als gelungen und was als weniger gelungen betrachtet.


Weitere Kapitel behandeln Pyrotechnik als Stilmittel, United We Stand 2011, Kollektivstrafen und Stadionverbote als nichts bringende Maßnahmen, die „zeigen, wie unbeholfen die Gegenseite ist“, Europacup als „eines der schönsten Dinge, die es im Ultrasein bei Rapid gibt“, die als Winter- oder Sommerpausenveranstaltungen organisierte Fußballturniere (TurnieR) oder den Abschied vom Hanappi-Stadion („Es war eben wirklich ein Zuhause.“). Einblicke erhält man in die Freundschaften zu Ferencváros und Parma und ihre Entwicklung – mit einem mit Augenzwinkern geführten Interview mit dem Bräutigam in spe vor der Hochzeit, die im Rahmen der SCR/FTC-Kontakte entstanden ist, sowie einer Beschreibung der immerwährenden Faszination Italien. „Jedes mal, wenn ich dort bin, versuche ich alles aufzusaugen und mitzunehmen.“


Immer größere Dimensionen nahm in den letzten Jahren das karitative Projekt des alljährlichen TR-Punschstands an. Hier wird gezeigt, wie viel Spaß und Freude neben vieler Arbeit drin steckt. Immer größer wurde auch das Thema Streetart, wo es neben Graffiti sonst nicht zu sehende Szenen ihrer nächtlich-heimlichen Entstehung zu sehen gibt.


Die Freude am eigenen Tun ist ein sich durch den Film durchziehendes Grundthema. Man sieht einerseits Ernsthaftigkeit und Perfektionswillen, aber dennoch Spaß an der Sache. Ein spezieller Ausdruck dessen ist die mit Schmunzeln zu betrachtende „Sinnlos“-Rubrik im Fanzine Tornados spezial. Diese schöne Gewohnheit wird im Film im Form von Outtakes aufrechterhalten, die das Lachen nicht vermeiden lassen.

Zusätzlich zum 96-minütigen Film enthält die Blue Ray Disc sehenswerte Extras im Umfang von 25 Minuten. So erzählen Mitglieder von der Geschichte der 2007 gegründeten Tifosi Rapid, die 2011 zum Großteil den TR beigetreten sind. Ein gelungenes Beispiel der Integration einer kleinen Gruppe in eine große Hauptgruppe, stellt Dominik dazu fest. „Am Anfang von Tifosi waren wir wirklich nur eine Spaßpartie, die sich gut verstanden hat, die zusammen zu den Matches gefahren ist. Irgendwann gab es dann die Überlegung, ob wir Material machen. Was ich mich erinnern kann, war ich der einzige, der dagegen war.“ erzählt mit Schmunzeln ein Protagonist. Allein die zu den Interviews gezeigten Jugendfotos der Beteiligten und heute wichtigen Mitglieder der TR sind herrlich.
Ein weiteres Extra berichtet über die Räumlichkeiten. Vorteile und Nachteile des alten und des geräumigen neuen Kellers und ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Gruppe werden präsentiert. Wobei das alte Quartier nachtragend war: „Einmal habe ich ihn beschimpft und daraufhin ist mir sofort ein Ziegelstein auf den Kopf gefallen. Also Kritik hat er nicht so gut vertragen, der alte Keller.“ Auch auf das Thema Corona und dem Umgang mit dem Fehlen des Fußball-Alltags als Gruppe wird in einem Extra eingegangen. Besondere Sequenzen zeigen ein Danke an Steffen Hofmann und Andy Marek als Persönlichkeiten, die unschätzbar wichtig für Rapid waren.


Mit Interviewszenen mit unterschiedlichen Gruppenmitgliedern, Videoszenen aus eineinhalb Jahrzehnten aus dem Stadion aber vor allem auch von Festen, aus dem Keller, von Busfahrten etc. erhält man einen Eindruck nicht nur von der Außendarstellung sondern vor allem von der Motivation dahinter. Man erfährt, was die Tornados 25 Jahre beisammen hielt und wohl auch noch die nächsten Jahrzehnte zusammenschweißt.

Montag, 25. Januar 2021

Grantler Sonderausgabe 5



Rezension


Grantler
Kurvenflyer der Tornados Rapid
Sonderausgabe 5
22.1.2021

12 S.








„Eines gleich vorweg: Falls ihr erfreuliche Nachrichten lesen möchtet, seid ihr auch in diesem Grantler falsch.“ In Deutschland wurde vor Jahren einmal ein Literaturpreis Der schönste erste Satz vergeben. Die Tornados hätten ihn mit dieser Einleitung wohl nicht gewonnen, denn schön ist das wahrlich nicht. Aber leider umso mehr wahr. Die Pandemie hält uns weiter in ihrem Bann.

Wie vor dem letzten Rapid-Heimspiel des Jahres 2020 legten die Tornados auch zum ersten Meisterschaftsspiel im Jahr 2021 wieder eine Online-Sonderausgabe ihres Spieltagshefts Grantler vor. Sehr unmissverständlich äußern sie sich zu einem in letzter Zeit verhaltensauffälligen Spieler, höflicherweise ohne Namensnennung. Ein Nachruf erinnert an den verstorbenen Rapid-Erfolgstrainer Otto Barić: „Der unvergleichliche ,Otto Maximale‘ ist nicht mehr. Dahingerafft von diesem Drecksvirus, das seit nunmehr fast einem Jahr unser Leben mitbestimmt.“ Er gewann auch bei mehreren weiteren Vereinen Titel. „So wundert es auch nicht, dass es nach seinem Ableben zahlreiche Bandln aus verschiedenen Fanszenen gab. In unseren Köpfen bleibt er jedenfalls immer als einer der besten Trainer des SK Rapid und in unseren Herzen als der liebenswerte ,Jugo‘ präsent.“ Ein weiterer Nachruf gilt einem mit erst 37 Jahren durch Mord auf einer Reise aus dem Leben gerissenen Rapidler aus dem Block West „Flo, deine Herzlichkeit und Offenheit, sowie dein Mut und positiver Wahnsinn fehlen dem Block West. Gute letzte Reise, Compañero.“

„Abwarten und Punsch trinken“ war das Motto der Tornados-Spendenaktion 2020. Das Geld kommt wie schon im Jahr 2018 der Organisation „‘s Häferl“ zugute. In einem Interview mit Willi, dem Geschäftsführer der Stadtdiakonie Wien, wird diese Initiative eines Armenwirtshauses vorgestellt. „Wir verstehen uns als Wirtshaus, das am Ende keine Rechnung stellt.“ Neben einem warmen Mittagessen erhalten die Gäste hier darüber hinaus notwendige Güter und Alltagsgegenstände sowie Sozialberatung. Die Corona-Pandemie hat alles auf den Kopf gestellt und die Leistungen mussten umorganisiert werden (Take-away). „Die größte Herausforderung für uns ist, dass es zurzeit einfach nicht möglich ist, das zu tun, was das Häferl ausmacht: Einen geschützten Raum zu bieten und mit einem offenen Ohr für Gespräche da zu sein.“

Weitere Themen sind Speziale libero – die 2021 erfolgte Haftentlassung des 2007 als 17-jährigen als Sündenbock für Ausschreitungen und den Tod eines Polizeibeamten in Catania verhafteten und 2010 verurteilten Antonino Speziale (die Zeugenaussage eines Polizisten, dass hingegen er seinen Kollegen mit dem Auto angefahren habe, was wohl Auslöser für dessen tödliche Verletzung war, wurde so lange unter den Teppich gekehrt, bis sie dieser zurückzog) – sowie das 25-Jahre-Buch der Green Monsters. „An der deutschen Übersetzung der zugehörigen Texte haben wir tatkräftig mitgeholfen, damit alle Rapidler einen einmaligen Einblick in die Fanszene von Ferencváros bekommen können.“

Dienstag, 15. Dezember 2020

Grantler Sonderausgabe 4



Rezension


Grantler
Kurvenflyer der Tornados Rapid
Sonderausgabe 4
13.12.2020










Zum letzten Heimspiel am 13.12. brachten die Tornados wieder eine Online-Sonderausgabe ihres Grantler heraus. Als „Katastrophenjahr“ wird 2020 gleich eingangs bezeichnet und dem kann man nicht widersprechen.

Spannend ist ein Interview mit dem von den Rapid M@ilers bekannten Wolfgang Hagen. Als Oberarzt in einem Wiener Spital berichtet er aus erster Hand über die Gesundheitssituation. Wichtige und gute Fragen und lehrreiche Antworten. „Dieses Virus ist aufgrund der Menge an Schwerkranken, verzweifelt nach Luft ringenden Menschen schlimmer als alles, was wir bisher im Spital erlebt haben.“
Mit den für die Öffentlichkeit gesperrten Stadien tut sich Hagen als Fan selbst schwer, sieht aber die Problematik: „Ich persönlich bin seit dem Frühling indoor in fast keinem Lokal mehr gewesen. Bei drei Spielen war ich aber im Stadion. Das habe ich mir nicht ganz nehmen lassen. Aber alles, was den Block West oder die Ultras-Kultur ausmacht, ist leider mit diesem Virus selbst im Freien ein Riesenproblem. (...) Wenn man mit Maske und Abstand dort sitzt, wären wahrscheinlich im Weststadion sicher auch deutlich mehr als 3.000 Personen möglich. Das Problem, das ich aber schon gesehen habe, ist das Davor und Danach, was wir halt auch so lieben. Wenn ich dann rausgekommen bin und nur zum Schlurf geschaut habe, wo ich normalerweise nach dem Spiel meistens stehe. Das hat eher etwas von einem Superspreading-Event. Alles was Spaß macht, ist in dieser Pandemie ein Problem.“ Interessant ist ein FAQ-Teil, in dem Hagen auf gängige Fehleinschätzungen eingeht.
Als Perspektive für Normalität nennt Wolfgang Hagen optimistisch die nächste Saison. Sein Twitter-Account ist seit Anbeginn eine meiner Hauptinformationsquellen zur Coronavirus-Lage, da er zuverlässig zum Durchblick in einer komplexen Lage beiträgt. Ich wünsche mir, dass er hier recht hat. Erwarten kann ich dies derzeit aber nicht.

Weitere Themen sind die Frage, ob leere Tribünen der Mannschaft helfen oder sie hemmen – letztlich eine „Charaktersache“ der Spieler, meinen die Tornados – oder die Sponsorfinanzierung des neuen Trainingszentrums, für die ein Milliardär nun als Sponsor und nicht, wie es von anderer Seite auch schon einmal vorgeschlagen wurde, als Investor Geld bereitstellen soll.

Fußballsport im Stadion zu sehen ist derzeit der Öffentlichkeit evrwehrt, aber de Tornados sorgen zumindest für Gehirnakrobatik zuhause und erstellten ein Quiz zum verstorbenen Diego Maradona. Damit einem dabei warm ums Herz bleibt, gibt es Tipps zur Gestaltung des „TR-Punschstand daheim“. Der beliebte Punschstand in Hütteldorf muss heuer ja aus naheliegenden Gründen ausfallen. Spenden gesammelt haben die TR dennoch und fast 10.000 € für den guten Zweck zusammengebracht (Spendenkonto: AT26 2011 1297 4440 2803). Die Spenderinnen und Spender erhalten zum Dank ein Überraschungspaket. Wie bei vielen Dingen, liegt auch beim Punsch der Erfolg im Mischungsverhältnis: „Je später die Stunde, desto mehr Rum und weniger von allem anderen.“

Mittwoch, 11. November 2020

Grantler Sonderausgabe 3



Rezension


Grantler
Kurvenflyer der Tornados Rapid
Sonderausgabe 3
Lockdown 2.0
8.11.2020









„Es war ein Anschlag auf unsere Art zu leben. Unsere Antwort kann nur noch mehr Lebensfreude, Zusammenhalt und Solidarität sein. Wien lässt sich auch durch eine solch barbarische Tat nicht in Angst und Schrecken versetzen – wir Rapidler erst recht nicht.“ Zum Rapid-Spieltag am Sonntag veröffentlichten die Tornados Rapid online die dritte Sonderausgabe ihres Spieltagshefts Grantler. Titelthema ist das Wien erschütternde Terrorattentat vom 2. November. Das Titelblatt zeigt das von den Tornados nahe des Tatorts aufgehängte Spruchband „Für die Freiheit und das Leben – Gegen Oaschlecha!“ Berichtet wird auch über die Gedenkaktion des Block West an Ort und Stelle.
Daneben stellen die TR klar, dass sich an der eigenen Position gegenüber der Polizei trotz höhnischer Kommentare nichts geändert habe. Dass Einzelne in einer Ausnahmesituation richtig gehandelt haben, heiße nicht, dass man die Organisation als solche nie wieder kritisieren dürfe. „Auch wenn wir den Einsatz während dieses Terrorakts respektieren, gibt es an unserer Haltung gegenüber der Institution Polizei nichts zu überdenken.“ Handeln des Block West wird aber kritisch reflektiert: Auch wenn man zur Medienkritik weiter steht – diese wurde im übrigen im Tornados spezial 40 in einem größeren Zusammenhang analysiert und beschrieben – und auf Medien verweist, die in der Tatnacht durch Verbreitung von Videos und Angst der Terrorpropaganda geholfen haben, schreibt man, dass das Durchziehen der Journalisten-Terroristen-Choreographie 2017 zum damaligen Zeitpunkt zwei Tage nach einem großen Attentat in Barcelona „rückblickend als pietätlos bezeichnet werden kann.“

Ein Artikel beschäftigt sich grundsätzlich mit der Lage. „Was wäre das nur für eine Europacupsaison geworden?“ denkt man wehrmütig an die Europacupziele des Herbsts 2020 und kritisiert das Durchpeitschen der Liga mit der Sonderrolle, die dem Fußball auch im Lockdown gewährt wird: „War das Erlebnis Fußball die ganze Saison über in den durch Beschränkungen größtenteils leeren Stadien bereits ein trauriges, wird mittlerweile nur noch für den einzelnen Pay-TV-Konsumenten zu Hause gekickt.“ Hinterfragt wird zurecht die enge Spielplangestaltung, die trotz der Pandemie keine Ersatzspieltermine eingeplant hat. Das Gruppenleben habe man in den vergangenen Monaten aufrechterhalten können, das Stadionerlebnis fehle aber allen. Eine Rückkehr im Frühjahr wird als unwahrscheinlich bewertet. „Wir üben uns in Geduld und versuchen vernünftig und an die Situation angepasst mit der zähen Zeit umzugehen.“

Die Devise lautet aber nicht „Abwarten und Tee trinken“ sondern „Abwarten und Punsch trinken“. Auch wenn es heuer keinen Punschstand geben kann, sammeln die Tornados dennoch für einen karitativen Zweck, nämlich für das „s‘Häferl“ und bitte um Überweisung von Spenden für diese Organisation an AT26 2011 1297 4440 2803 auf den Namen Raphael Haas. „Es ist seit 1988 ein Zufluchtsort für Menschen in Not. Ein Ort zum Aufwärmen, der neben warmen Mahlzeiten auch einen Treffpunkt für Menschen am Rande der Gesellschaft bietet.“

Freitag, 18. September 2020

Tornados spezial, 45





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 45
116 S.










Lesenswert sind die Ergänzung eines Rückblicks auf den vergangenen turbulenten Präsidentschaftswahlkampf bei Rapid mit einer Geschichte der Rapid-Präsidenten sowie Laurin Rosenbergs Artikel über die Pokale im Rapideum. Die schöne Fachvokabel „Pokalschwund“ ist außerhalb der Museums- und Sammlungswelt selten anzutreffen („Im Laufe der Jahrzehnte gab es unterschiedliche Formen von Pokalschwund.“) Weiters gibt es im Heft einen Nachruf auf den verstorbenen Alfred Körner, Abschiedsworte für Andy Marek, diverse Berichte von Aktivitäten sowie Rezensionen.

Lehrreich und auch amüsant zu lesen ist der Ferencváros-Abschnitt, in dem einerseits die Green Monsters auf die vergangene Saison zurückblicken und andererseits die Tornados über ihre FTC-Matchbesuche berichten. Man lernt hier etwa die Begründung, warum die Fradi-Version des Lieds Freed from desire im B-Közép doch recht beachtlich dargeboten wird, was mir ebenfalls bereits aufgefallen war: „Die Übersetzung sollte auch erklären, warum die gesamte Kurve so dermaßen abgeht: This is how kaputt Fradipeople make party!“ Dazu kommt auch das Schmunzeln nicht zu kurz, wenn man etwa von der Kultur-Tour im bulgarischen Rasgrad im Zuge der Europacupfahrten mit Ferencváros liest „Nachdem mehr als genug Zeit war, entschieden wir uns noch, die etwas außerhalb gelegenen römischen Ruinen zu Fuß zu besuchen. So wanderten wir durch die Außenbezirke, die wirklich genau so ausschauen, wie man sich eine unbedeutende bulgarische Kleinstadt vorstellt – die Ruinen konnten allerdings nicht gefunden werden.“ Überhaupt sind Europacupgeschichten immer die beste Lektüre, einmal sogar mit einer Erzählung mit laufendem Perspektivenwechsel an verschiedenen Schauplätzen wie in einem Film. Auch von Parma gibt es wieder einige Besuchsberichte, wobei die Fahrt nach Cagliari nicht zuletzt aufgrund des Reisewegs hervorsticht.

Beim Lesen des Rückblicks auf die Rapidspiele der Saison 2019/20, beginnend mit dem Nürnberg-Freundschaftsspiel bis zum letzten Spiel vor der Zäsur in Wolfsberg im März, wird einem wieder stark bewusst, was einem derzeit fehlt. Es ist gesundheitlich notwendig, aber es ist jedenfalls ein großer Verlust. Ein Kommentar zur Lage der Nation schließt mit den Worten „Football without fans is nothing.“

Samstag, 6. Juni 2020

Grantler Sonderausgabe 2



Rezension


Grantler
Kurvenflyer der Tornados Rapid
Sonderausgabe 2
Corona-Geisterspiel 1
3.6.2020









„Es ist eine absurde Situation. Rapid spielt wieder und wir sind nicht im Stadion. Viele Vereine werden aus finanzieller Sicht aufatmen, schließlich wird die Fortsetzung der Liga von manchen mit der Luft zum Atmen verglichen. Bei uns bleibt ein fahler Beigeschmack. Fußball ohne Fans ist nichts, Geisterspiele sind völlig für‘n Oasch.“ Zum Corona-Geisterspiel 1 erschien online die zweite Sonderausgabe des Spieltagshefts der Tornados Rapid nach der Premierenausgabe von April. Absurd ist ein Schlüsselwort für die Situation, mit welcher sich der Leitartikel beschäftigt. „Die meisten von uns haben mehr oder weniger mit dieser absurden Saison abgeschlossen. So schmerzhaft das auch ist: Wir werden den Spielorten unserer Rapid als Gruppe fernbleiben, solange kein normaler Stadionbesuch möglich ist.“

Weitere Themen sind der LASK-Skandal und ein Interview mit Richard Strebinger. Er erzählt darin neben Wissenswertem und Interessantem auch einen Witz – nachdem er sich in der Coronavirus-Lockdownphase mit Witzeerzählen auf Rapid-TV einen gewissen Ruf verschafft hat. Dazu gibt es auch wieder ein Kreuzworträtsel zur Überbrückung der rapidlosen Stunden.

Den Abschluss macht eine Liebeserlärung an die beste Stadt der Welt. „In letzter Zeit wurde vermehrt deppad über die Hauptstadt geredet. Diese Dreistigkeit entbehrt jeglicher Grundlage. Wenn jemand schlecht über Wien reden darf, dann sind das höchstens wir Wiener.“

Samstag, 11. April 2020

Go West Corona-Spezial – Grantler Sonderausgabe





Rezension

Go West
Fanzine der Ultras Rapid #3/2020
9.4.2020
Corona Spezial #1

Grantler
Kurvenflyer der Tornados Rapid
Sonderausgabe 1 – Ausgangsbeschränkung Tag 25
10.4.2020



„Leider ist zur Zeit nichts mehr normal und wir befinden uns seit fast vier Wochen in einem Ausnahmezustand.“ schreiben die Ultras Rapid und veröffentlichten daher eine digitale Sonderausgabe ihres Matchtagshefts Go West als PDF auf ultrasrapid.at. Die ersten Ausgaben des Go West! der Ultras Rapid erschienen 1994/95, weiß die Hütteldorfer Fanzine-Geschichte in Unterwegs 11. Nach Zwischenstationen von Infoflyern unter anderen Namen erscheint das Go West seit 2003 wieder unter diesem Namen regelmäßig zu jedem Heimspiel.
Wie gewohnt gibt es auf den vier Seiten zunächst einen Rückblick auf die Geschehnisse der letzten Rapidspiele: Das Heimspiel gegen Mattersburg mit dem Gedenken an Alfred Körner und das WAC-Auswärtsspiel, welches das letzte Rapidspiel werden sollte. Ob und wie es diese Saison oder dieses Jahr mit einer Meisterschaft weitergeht und wann und ob es einen Europacup gibt, ist offen. „In Anbetracht der aktuellen Situation samt aller möglichen Szenarien gewinnt übrigens dieses Last-Minute-Tor immer mehr an Bedeutung.“ heißt es zu Max Hofmanns Treffer in der Nachspielzeit.
„Wir werden zwar früher oder später wieder im Stadion stehen und für unsere Rapid singen, allerdings würde wohl jeder von uns das gschissnste oder zachste Match gegen die jetzige Abstinenz eintauschen.“ heißt es in einem Kommentar zur gegenwärtigen Lage, in welcher der Fußball in der Coronavirus-Gesundheitskrise und ihren sozialen und wirtschaftlichen Folgen nebensächlich wurde. Aber: „Die Situation in unserem Land mag herausfordernd sein, jedoch zerreißen einem die Bilder aus Italien oder Spanien das Herz. Solidarität ist unsere stärkste Waffe. Dies gilt jetzt gerade mehr denn je. Zu guter Letzt wollen wir allen Rapidlern Mut spenden, um auch die nächsten Wochen durchzuhalten.“ Ein Stück des grün-weißen Alltags zurückzugeben, wurde eingangs im Heft als Zielsetzung formuliert. Dies ist mit der Online-Ausgabe gelungen.

Am 25. Tag der Ausgangsbeschränkung stellten auch die Tornados Rapid eine Sonderausgabe ihres seit der Weststadioneröffnung in unregelmäßigen Abständen bei Rapid-Heimspielen erscheinenden Spieltagsflyers Grantler auf tornadosrapid.at online (PDF) – „wir durchleben gerade eine surreale Zeit, die für uns alle vor ein paar Wochen noch unvorstellbar gewesen wäre.“ Auf gleich zwölf Seiten wird einiges geboten, doch zunächst die nüchterne Realität angesprochen: „Nach aktuellem Stand ist es jedenfalls unrealistisch, dass wir in den nächsten Monaten wie gewohnt ins Stadion gehen können. Die Gesundheit ist und bleibt das höchste Gut und demnach ist es enorm wichtig, weiterhin unseren Teil zum Kampf gegen das Virus beizutragen.“
Aus Anlass dieser Sonderausgabe stellten die Tornados das Archiv der bisherigen Grantler-Ausgaben online (tornadosrapid.at/grantler.php) und kündigen an, dies auch mit den künftigen Ausgaben in Zukunft so zu handhaben. „Wir wollen gar nicht leugnen, dass uns die derzeitige Situation dazu zwingt, uns kritisch mit unserem Standpunkt hinsichtlich Internet und sozialen Netzwerken auseinanderzusetzen. Ohne digitale Kommunikation und soziale Medien wäre unser derzeitiges Leben nämlich ziemlich asozial. Jetzt, wo auch Andy Marek einen Instagram-Account hat, Papst Franziskus über Twitter kommuniziert und sogar die SPÖ das Internet entdeckt, ist es zumindest an der Zeit, darüber nachzudenken, wie die Rapid-Fanszene in Zukunft mit diesem Thema umgehen soll. Vorerst bleibt aber abgesehen vom online stellen unserer Postille definitiv alles beim Alten.“
Der Inhalt des Grantler dreht sich naturgemäß ganz um die aktuelle Coronavirus-Ausnahmesituation. Es wird geschrieben, wie jede und jeder einen kleinen Beitrag leisten könne, um die Situation gemeinsam zu meistern. Es wird die Situation Rapids beleuchtet (und dabei auch auf augenzwinkernden Humor nicht verzichtet). Gerade angesichts der jetzt unabdingbaren digitalen Kommunkation wird dazu aufgerufen, sichere Dienste zu nutzen und sich darüber schlau zu machen. Interessant ist ein Blick zu den TR-Freunden, wo es gegenwärtig in Parma und Budapest recht unterschiedliche Lagen gibt.
Ein besonderes Angebot haben sich die Tornados für die Überbrückung der fußballlosen Zeit einfallen lassen. So gibt es in einer Leseecke Lektüreempfehlungen an Fanzines und Magazinen samt Unterstützung der Kampagne Ballesterer brennt für den Weiterbestand des Ballesterer: „Den Ballesterer muss es geben, solange es möglich ist, Papier zu bedrucken.“ Für Rätselfreundinnen und -freunde gibt es ein Block-West-Quiz und ein Sudoku. Ein fideles Schmankerl ist die Rubrik (Schlechte) Witze. Ob die Klammern hier berechtigt sind, bleibt dem eigenen Geschmack überlassen. Daher kommt man um Download und Lektüre des Hefts nicht herum, um dies herauszufinden. Ein kulinarisches Schmankerl bietet die Kochkunst-Abteilung mit einem Tafelspitz-Rezept, um nicht vom Fleisch zu fallen. Für die Kinder – „und Junggebliebene“ – finden sich zwei Ausmalbilder samt Aufforderung, das Ergebnis einzusenden. Während Rapidfans sonst also bei Spielen von Seiten der Tornados ihre Kreativität in Choreos und Tifo zu sehen bekommen, ist hier nun der Spieß umgedreht und es wird an das kreative Potential im Fannachwuchs appelliert. Da darf man auf die Resultate gespannt sein. Den Abschluss bildet eine Palette an Musikempfehlungen für die Zeit der Ausgangsbeschränkung.

In beiden Heften lautet die Devise: „Egal wos kummt im Lebn ... Rapid wird's immer gebn.“

Donnerstag, 28. November 2019

Tornados spezial, 44





Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 44
100 S.











Ein ausführlicher Artikel beschäftigt sich hier noch einmal mit den Ereignissen um das Dezember-Auswärtsderby 2018 und v.a. Prozess um den stundenlangen Polizeikessel von über 1.300 Rapidfans. Dabei wird auch auf die Polizeiausbildung geblickt, welche die Grundlage für das grundsätzlich aggressive Auftreten legt: „Schon in der Polizeischule wird ein Bild von Fußballfans (und anderen unerwünschten Randgruppen) vermittelt, welches zum einen Hass, zum anderen aber große Angst schürt. Diese Angst ist dann auch die Grundlage dieser unguten Behandlung, weil kein Polizist unbefangen in einen Einsatz mit uns geht.“ Das Agieren der Polizeibehörde und der Justiz am Verwaltungsgericht, das über die Maßnahmenbeschwerde der Rapidfans urteilte, wird ebenso ebenso behandelt wie das Urteil analysiert.

Die Rapid-Spiele der Frühjahrssaison werden im Heft wie gewohnt einzeln beleuchtet, wobei die Meisterschaft vom Absturz in das Untere Play-off und dem Verpassen der Europacupqualifikation im Europa-League-Play-off geprägt war, aber es mit dem dramatischen LASK-Semifinale und Erreichen des ÖFB-Cup-Finales auf nationaler Ebene zumindest im Cup die Möglichkeit eines Erfolgs gab. Es blieb bei einer vergebenen Möglichkeit. Wenig zu Holen gab es für Rapid auch im internationalen Höhepunkt des Frühjahrs 2019, den Spielen gegen Inter in Hütteldorf und im legendären San Siro. Dennoch waren es unvergessliche Tage und Abende und werden daher auch im Heft entsprechend gewürdigt. Ein text schildert auch das Mailänder Stadionerlebnis der am Stadion verhafteten elf Rapidler („Milano undici“).

Internationale Spiele gehören zu den Höhepunkten des Fanlebens. Im historischen Teil des Hefts wird die Geschichte der internationalen Spiele Rapids beschrieben und dabei werden auch die Tourneen und Turnierteilnahmen (zuletzt beim Atlantic Cup 2012 und 2013) hervorgehoben. Vor zehn Jahren gab es in der Sommervorbreitung 2009 mit dem sogenannten Thermenland-Cup in der Südsteiermark ein in der Fanszene gut im Gedächtnis gebliebenes Turnier mit Rapid, Sturm Graz, dem FC Kopenhagen und Baník Ostrava. Während eine Begegung mit Sturm von den Veranstaltern kurzfristig dann doch noch abgesetzt wurde, krachte es mit den Schlesiern. Das Jubiläum des Rapid-Turniersiegs 2009 wurde heuer mit einer Tornados-Choreographie beim Cupspiel in Allerheiligen thematisiert und im Heft wird hier darauf zurückgeblickt und die damaligen Matchberichte werden wiederabgedruckt.

Weiters im Heft: Rapideum-Koordinator Laurin Rosenberg portraitiert das „grün-weiße Universalgenie“ Gerhard Hanappi. Die Green Monsters von Ferencváros blicken auf ihre vergangene Saison zurück und die Tornados berichten von ihren Besuchen bei Spielen bei ihnen sowie in Parma. Dazu gibt es einen informativen Text über die FTC-Legende Tibor Simon, die Umstände seines gewaltsamen Todes durch Securities 2002 und was das auch mit der heutigen Situation zu tun hat. („Ein wichtiger Punkt bei der Rückkehr des B-Közép ins Stadion war neben der Abschaffung des Venenscanners auch strenge Regeln für Securities.“)

Im Rezensionsteil werden u.a. Der (Pf)lästerstein mit seinem 370-seitigen Österreich-Schwerpunkt („Alles in allem ist dieses Heft wohl der umfangreichste Informationsgeber, den es über den österreichischen Fußball und dessen Fanszene gibt.“) und die Rapid-Fußballfibel von Tomasso („ein perfekter Autor“) besprochen, deren Bewertung man nur zustimmen kann: „Das Buch ist jedenfalls absolute Pflichtlektüre für jeden Rapidfan.“ Rezensiert wird auch der Rapid-Podcast 1899fm und dazu auch dessen Herausgeber Heinz Deutsch interviewt. In seinem Gespräch sagt er über das Tornados spezial Worte, die auch hier mit Fug und Recht als Schlusswort stehen können: „Mir taugt euer Heft, das einen ganz wichtigen Beitrag für unsere Fankultur darstellt.“