Sonntag, 12. April 2015

Parma - Juventus 1:0 (0:0)

Italien, Serie A, 30a giornata, 11.4.2015
Stadio Ennio Tardini, 15.544

Mit einem Goldtor in der 60. Minute schaffte der insolvente Stockletzte Parma, vor dem Spiel 13 Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz, einen überraschenden Sieg gegen das mit 14 Punkten Vorsprung auf den Zweiten die Tabelle anführende Juventus. Für Juve ist es die erst zweite Meisterschaftsniederlage. Bei meinem letzten Augenschein vor drei Monaten in Neapel trat Juve anders auf, spielte aber auch in stärkerer Besetzung. Für Parma war es der zweite Sieg in einer Woche, da am Mittwoch eines der nach der Insolvenzerklärung ausgefallenen Spiele nachgetragen wurde.
Die 1977 gegründeten Ultras der Boys Parma gedachten vor dem Spiel mit Corteo und kleiner Versammlung mit Gedenkspruchband vor dem Stadion ihrem 2008 auf einer Auswärtsfahrt nach Turin ums Leben gekommenen Mitglied Matteo Bagnaresi („Bagna“), nach dem seither die Curva Nord benannt ist. Auf seinen Tod und den Umgang damit bezog sich auch ein großes Spruchband zum Wiederbeginn nach der Pause „Dall'Heysel a Scirea, i vostri morti abbiamo sempre rispettato, voi il Bagna avete infangato.“ Es kritisierte, dass die Toten von Juventus wie die toten Fans von Heysel oder der bei einem Autounfall gestorbene ehemalige Spieler Gaetano Scirea immer geehrt werden, aber sie Bagna umgebracht hätten. Er war an einer Autobahnraststation von einem Bus mit Juventus-Fans überrollt worden.
Der aktuelle Parma FC geht auf den im Juli 1913 gegründeten Verdi Foot Ball Club zurück, aus dem noch im Dezember 2013 der Parma Foot Ball Club (Parma FBC) wurde. 1930 wurde der fremdsprachige Vereinsname aufgrund der im faschistischen Regime notwendigen Italianisierung des Namens in Parma Associazione Sportiva (Parma AS) geändert. Von 1929 bis 1932 spielte Parma erstmals in der Serie B, wo man in der Nachkriegszeit bis zum Abstieg 1965 ebenfalls meist spielte. 1968 wurde die Parma AS, mittlerweile in der Serie D angelangt, aufgelöst und als Parma Football Club (Parma FC) wiedergegründet. Doch auch dieser Verein musste 1969 schon wieder aufgeben. Die Tradition ging auf den erst 1968 gegründeten Verein AC Parmense über. Dieser nannte sich ab 1970 dann Parma Associazione Calcio (Parma AC). Nach Jahren in der Serie C konnten man sich erst in den 1980er Jahren wieder dauerhaft in der Serie B etablieren. Der Durchbruch kam dann 1989 mit dem erstmaligen Aufstieg in die Serie A. Es begann ein Höhenflug: 1992 Cupsieg, 1993 Europacupsieg im Cup der Cupsieger, 1994 erneute Finalteilnahme im Europacup der Cupsieger, 1995 Europacupsieg im UEFA-Cup, 1997 Gruppenphase der Champions League, 1999 italienischer Cupsieg und erneuter Europacupsieg im UEFA-Cup, 2002 italienischer Cupsieg. Dazu regelmäßige Meisterschaftsplatzierungen unter den fünf besten Vereinen. Der Bankrott des Parmalat-Konzerns riss 2004 aber auch den Fußballverein Parma AC mit sich in den Abgrund. Der heutige Parma Football Club wurde neugegründet. Seither hielt sich Parma mit einem Jahr Ausnahme in der Serie A, hatte aber finanzielle Probleme. 2014 hatten sie zwar einen Europacupstartplatz erreicht, wurden aufgrund ihrer Finanzlage aber von der UEFA ausgeschlossen. Im März 2015 musste der Parma FC dann seine Insolvenz erklären. Der Spielbetrieb wurde kurzzeitig unterbrochen und kann nur durch Finanzhilfe der Liga bis Saisonende fortgeführt werden.
1922/23 wurde Parma vom Wiener Adolf Riebe trainiert, der als Spieler mit Fürth 1914 deutscher Meister gewesen war. Parma warf 1999 Sturm Graz, 2003 die Austria Salzburg und 2005 dankenswerterweise die
Wiener Austria aus dem Europacup.
Das mitten in der Stadt gelegene Stadio Ennio Tardini wurde von 1922 bis 1924 als Oval errichtet. Die ursprüngliche Radrennbahn wurde 1935 in eine Leichtathletikbahn umgebaut. Nach seinem Tod 1923 wurde das Stadion nach dem Vereinspräsidenten Ennio Tardini benannt. Die Haupttribüne wurde zwischen 1985 und 1990 neu gebaut. Von 1990 bis 1993 wurde dann das ganze Stadion zum reinen Fußballstadion umgebaut und die Kapazität von 13.500 auf 29.050 erhöht. Heute umfasst das Stadion 27.906 Sitzplätze, wobei nur 21.473 zugelassen sind. Der obere Rang der Gegentribüne ist ein Stahlrohrgerüst. Blickfang ist das schöne Eingangstor aus den zwanziger Jahren.
Zuvor wurde die Stadt Parma besichtigt.


































































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