Mittwoch, 22. Mai 2019

SK Rapid Wien – Fußballfibel



Rezension


Thomas Lanz
SK Rapid Wien
Fußballfibel
Bibliothek des Österreichischen Fußballs: Bd. 2
Herausgegeben von Thomas Pöltl und Frank Willmann
Berlin 2019 (Culturcon Medien)
180 S.






„Fans schreiben für Fans“ ist das Motto einer seit vier Jahren als Bibliothek des Deutschen Fußballs geführten Buchreihe (z.B. über den 1. FC Nürnberg), die jetzt auch um weitere Bücher einer Reihe Bibliothek des Österreichischen Fußballs erweitert wurde. Der Herausgeber der deutschen Reihe Frank Willmann hat sich dafür mit Thomas Pöltl (Erste Österreichische Fußballbibliothek der Büchereien Wien) mit einem kompetenten Kompagnon zusammengeschlossen. Die Bücher der deutschen Reihe zeichnen sich durch die teils völlig unterschiedlichen Zugänge der Autoren aus. So ist es auch in den ersten vier Bänden der österreichischen Fußballfibeln.

Die Fußballfibel über Rapid hat ein besonderer Fan geschrieben. Wer in den letzten eineinhalb Jahrzehnten des Hanappi-Stadions Rapid-Spiele besuchte, hat recht viel von seiner Rapid-Leidenschaft im Wortsinn bildlich vor Augen geführt bekommen – durch die u.a. von ihm erstellten Choreographien der Ultras Rapid. Thomas Lanz hat hier kein Rapid-Geschichtsbuch geschrieben, in dem die ruhmreiche Historie samt Höhen und Tiefen nacherzählt wird, sondern ein persönliches Matchtagebuch zur Rapid-Saison 2017/18. Die Spieltage nimmt er jeweils zum Anlass, um Geschichten rund um den Verein sowie aus der Fangeschichte Rapids und hier insbesondere auch aus dem persönlichen Erleben zu erzählen.

Zur ersten Meisterschaftsrunde Rapid-Mattersburg liest man so hier die Geschichte des damals vor 120 Jahren gegründeten 1. Wiener Arbeiter Fußball Club, des Vorgängervereins des SK Rapid, sowie über die ersten Rapid-Jahre. Zur zweiten Runde, einem Rapid-Auswärtsspiel in St. Pölten, geht es um den aus St. Pölten stammenden großen Rapidler Bimbo Binder. Zum ersten Wiener Derby in Hütteldorf der Saison schreibt Lanz dann über die Entstehung des großen Wiener Derbys und die großen Spielerpersönlichkeiten der Zwischenkriegszeit Uridil auf Rapid-Seite und Sindelar auf der anderen. Er notiert aber auch die aktuellen Vorkommnisse dieses Spiels. Weitere große Rapidler, denen Lanz Einträge in seinem Tagebuch widmet sind Gerhard Hanappi, Rudolf Edlinger (Interview), Ernst Happel, natürlich Hans Krankl, aber auch Josef Hickersberger, Heribert Weber etc.

Im Verlauf der Spieltage der Saison verlegen sich die dazu erzählten Geschichten immer mehr auf den Fokus Block West. Schon zur siebten Runde, einem Auswärtsspiel bei den Salzburger Dosen, wendet sich Lanz' Blick auf die langjährige und intensive Ultrà-Rivalität zur von Red Bull in einer feindlichen Übernahme vernichteten (und als neuer Verein wiederauferstandenen) Austria Salzburg. Hier kann er auf sein eigenes Miterleben und Mitgestalten dieser Rivalität zurückgreifen und so lebendig ist daher auch seine Schilderung. Auch wenn es etwa um das „Didulica-Derby“ 2005 geht, berichtet Lanz die Geschehnisse aus der Innensicht, „Wir sammelten uns mit rund vierzig Leuten im Einheitslook (schwarze Schuhe, Jeans und gleiche Jacke) bei unserem Stammlokal Palme, danach ging es öffentlich zum Verteilerkreis.“

Seine persönliche Sicht auf viele Geschehnisse gibt dem Buch seinen besonderen Mehrwert. Er benennt auch aktuelle Fehlentwicklungen: „Mit dem neuen Stadion ist auch Rapid endgültig im sogenannten modernen Fußball angekommen. Arbeiter-Fußballclub lässt sich natürlich gut vermarkten, wie das auch in Deutschland einige Klubs mit ähnlichem Background tun. Problematisch wird es, wenn die beiden Welten zu weit auseinanderliegen, und das passiert zwangsläufig. Das teuerste Bier und die teuersten Tages-Stehplatzkarten zu verkaufen, passt nicht zum Vereinsimage. Bei Rapid kommt dann noch die Erfolglosigkeit dazu.“ Ein Epilog schildet, wie es nach der Saison 2017/18 weiterging, bis zum Abstieg in das Untere Play-off 2019.

In der Winterpause geht Lanz ausführlich auf die Geschichte des Block West ein und liefert hier eine gut zu lesende Zusammenfassung zur Fangeschichte Rapids vor und nach der Gründung der Ultras Rapid. Weitere längere Einlassungen behandeln etwa „30 Jahre Bürotechnik in Hütteldorf“ (ja, genauso so geschrieben) und die aktuellen politischen Ereignisse dazu oder das Verhältnis zur Nationalmannschaft. Gewalt als Thema wird nicht umschifft und an einige große Spiele wird auch erinnert. Lanz schreibt auch hier aus der Perspektive des Fans, der nicht nur den Blick auf den Rasen sondern auch auf das Fanerleben drumherum und das Geschehen auf den Rängen hat.

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