Mittwoch, 26. Februar 2025

Il tacco d'Italia



Rezension


Josef Gruber
Le isole
Ultras in Apulien
Unterwegs Fanzine Verlag 2024
356 S.








74 (!) Fanszenen aus der italienischen Region Apulien stellt Josef Gruber hier in einem 356 Seiten dicken Buch vor. Gleich nochmal 90 Seiten stärker ist das Buch über Ultras in Apulien damit als sein Buch Lo stile di vita über Ultras in Kampanien mit 266 Seiten und das zweite Lexikon Le isole mit 264 Seiten über Sardinien und Sizilien. Man kann auch hier Seite um Seite nur staunen, was dabei sowohl über die bekannten großen Szenen als auch viele kleine Szenen an Informationen, Bildern und Texten zusammengetragen wurde. Das eine oder andere Mal war ich ja doch auch schon selbst in der Region und das eine oder andere habe ich darüber doch auch schon gelesen. Dennoch hört man hier im Buch nicht auf, Neues zu erfahren und Ultrasszenen präsentiert zu bekommen, von denen man noch nie gehört hat. Dass ich ein paar wenige Fotos zu diesem umfangreichen Werk beisteuern durfte und mein kleiner Blog als Quelle für ein paar Beschreibungen dienen konnte, erfüllt mich mit Freude.

Von Süden nach Norden, beginnend also mit der Provinz Lecce, geht es diesmal geographisch durch die Region Puglia (Apulien) am Absatz des italienischen Stiefels (il tacco d'Italia). Die ersten Ultrasszenen, die Gruber hier vorstellt, sind aber nicht große und bekannte, sondern mit Aradeo, Bagnolo del Salento, Copertino und Cursi durchaus etwas für Feinspitze. Auch hier gibt es aber Wissenswertes zu Stadt, Vereinsgeschichte und Szene sowie ältere und aktuellere Fotos. Casarano ist dann der erste größere Name, der gleich mit zahlreichen Fotos, Geschichte und einem übersetzten historischen Interview aus dem Supertifo sieben Seiten einnimmt. Die besten Kapitel sind wie in den vorherigen Büchern auch hier jene, bei denen Gruber aus seinem Wissen von fast drei Jahrzehnten als Fanzineautor und Italienreisender und seinem eigenen Erfahrungsschatz von Besuchen vor Ort schöpfen kann. Vergangene Interviews, die er mit dortigen Protagonisten geführt hat, wie bei Gallipoli, Tricase, Monopoli oder mit dem Salzburger Salva über Barletta, druckt er hier nicht nur dankenswerterweise erneut ab, sondern versieht sie auch mit einem Update aus dem Jahr 2024. Interviews mit Foggia, Cerignola und Manfredonia haben einen hohen Wert.

Der große Brocken des Buchs ist eindeutig Lecce mit 47 Seiten und u.a. ein eigener Artikel zum „striscione merlato“ (Zinnenbanner) und zu seinem Youtube-Hit Lecce-Parma 2003/04. Aber auch über Bari (27 Seiten), Barletta (21 Seiten), Taranto mit einem Fokus auf die 70er/80er Jahre (19 Seiten), Foggia (17 Seiten) und Monopoli (13 Seiten) gibt es jeweils sehr viel an Stoff mit historischen Fotos und alten Texten, aber auch lebhaft geschilderten Eindrücken von Besuchen Josef Grubers dort im Lauf der letzten Jahrzehnte oder von ihm selbst geführten Interviews wie mit dem Capo der Seguaci della Nord von Bari.

Noch faszinierender als die ausgeleuchteten großen Kurven ist die Vielfalt an präsentierten kleinen Kurven. Etwa vom Derby von Poggiardo zu erfahren. Am interessantesten war für mich der Beitrag über Trani, da ich in diesem Riesenstadion gern einmal ein gutes Spiel sehen möchte und nie verstanden habe, wie die Situation ist. Allerdings lässt die Lektüre hier keine Hoffnung aufkeimen.

Die Kapitel sind manchmal länger und manchmal kürzer, nicht weil die jeweiligen Kurven interessanter oder uninteressanter wären, sondern weil sich Gruber an die Devise hält „dankbar sein für das sein, was man erhält“, was die mal größere und mal kleinere Freigiebigkeit von Informationen aus den Kurven betrifft. Basis einiger Kapitel sind zwar seine Erfahrungen und Eindrücke, gerade hinsichtlich der Geschichte und vieler Details hält sich Gruber an Quellen und Leute vor Ort. Das ist ein Qualitätsmerkmal.


A4 Format / ausverkauft / Unterwegs Fanzine Seit 1996

1 Kommentar:

  1. Danke Brucki, cool zusammengefasst! Ausverkauft stimmt, ein paar bücher in der notreserve (retouren, reklamationen etc) liegen noch da. kontakt: gruberjosef.jg@gmail.com

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