Mittwoch, 23. September 2026

Kladno – Baník Ostrava 1:2 n.V. (1:1, 0:1)

Tschechien, Pohár FAČR, 3. kolo, 23.9.2026
Stadion Františka Kloze, 3.550

Die schlesische Stahlstadt gewann gegen die mittelböhmische Stahlstadt. Allerdings konnte sich der Erstligist FC Baník Ostrava mit einigen Wechseln gegenüber der Stammformation beim Zweitliga-Aufsteiger SK Kladno erst in der Verlängerung durchsetzen. Die Heimmannschaft zeigte von Beginn weg, dass mit ihr im Spiel zu rechnen war. Auch wenn die Gäste am Ende der ersten Hälfte in Führung gehen konnten, glich Kladno das am Anfang der zweiten Hälfte aus. Die ausgeglichene Partie ging in die Verlängerung, in der sich zunächst auch keine Entscheidung abzeichnete bis dann doch noch in der Schlussminute der 120 Minuten das 1:2 fiel und es nicht zum Elfmeterschießen kam.
Die Ultras Kladno wurden im Laufe des Nachmittags im Sektor mehr Leute, was offensichtlich am frühen Spieltermin lag, aber vielleicht auch mit dem guten Spielverlauf zu tun hatte. Sie waren engagiert. Während der Augenblicke an Pausen im Gästeblock konnten sie sich jeweils kurz akustisch gut bemerkbar machen. Eine Überzieher-Präsentation mit Abbildung von Vereinslegende František Kloz thematisierte den jüngsten Aufstieg von der Drittklassigkeit in die zweite Liga und den Wunsch nach Erstligarückkehr.
King Baník hatten die Chachaři am Gästeblock aufgehängt und auch wenn die Darbietung ihrer Mannschaft am Spielfeld wohl nicht königlich war, so bot der Anhang doch bis zum Schluss einen gewohnt martialischen Support im polnischen Stil, mit mehrmaligem Besingen der Freunde von GKS Katowice, aber auch einmaliger Nennung von Spartak Trnava und ROW Rybnik. Das rot-weiße Transparent „Anti Tvrdík“ galt dem Präsidenten von Slavia Prag.
Der SK Kladno wurde 1903 als Sportovní kroužek Kladno gegründet. 1904 benannte man sich Sportovní klub Kladno um, das Kürzel SK Kladno blieb. Die besten Zeiten hatte man mit Erstligasaisonen in der jeweiligen höchsten Spielklasse der Tschechoslowakei Středočeská 1. liga 1925/26 bis 1928/29, 1. asociační liga 1929/30 bis 1933/24, Státní liga 1934/35 bis 1938/39, unter deutscher Besatzung 1939/40 bis 1944/45 in der tschechischen Liga, nach der Befreiung wieder in der tschechoslowakischen Státní liga 1945/46 und 1946/47, nach Abstieg wieder in den Jahresmeisterschaften 1949, 1951 bis 1956 und den Saisonen der 1. liga 1957/58, 1960/61 bis 1964/65 und 1969/79 sowie in der ersten Liga Tschechiens 2006/07 bis 2009/10. Im tschechischen Cup erreichte der Kladno 1975/76 einmal das Finale, wo man aber in Hin- und Rückspiel zweimal Sparta Prag unterlag, die anschließend auch den tschechoslowakischen Cup gegen den slowakischen Cupsieger Slovan Bratislava gewannen. In der kommunistischen System wurde der Verein vom Stahlwerk in Kladno, der Poldi-Hütte (Huť Poldi), getragen. 1948 wurde aus dem Verein erst ZK Ocelárny Kladno, dann im Zuge der Unterstellung des Sportsystems in der Tschechoslowakei unter die Sokol-Organisation Sokol Ocelárny Kladno und schließlich fusionierte der Verein mit weiteren Vereinen in der Stadt Sparta Kladno und STAK Letná zu ZSJ SONP Kladno. Daraus wurde 1949 Sokol SONP Kladno, 1953 DSO Baník Kladno, 1958 TJ SONP Kladno, 1960 TJ Baník Kladno, 1961 wieder TJ SONP Kladno, 1977 TJ Poldi SONP Kladno, 1989 TJ Poldi Kladno und 1992 SK Poldi Kladno. Nach der Wende stürzte der nunmehrige SK Kladno (1994 bis 1996 nannte man sich mit Sponsornamen kurzzeitig 1. FC Kladno) ohne Finanzkraft bis in die viertklassige Divize ab 1997/98 bis 1999/2000 und 2002/03 ab. 2003 kaufte man dann die Spielberechtigung des Zweitligisten FK Neratovice und spielte statt im in der zweiten Liga, aus der man 2006 wieder in die erste Liga aufsteigen konnte. Nach dem Wiederabstieg 2010 ging es weiter hinunter und 2013/14 bis 2023/24 spielte der SK Kladno erneut nur mehr in der Divize. Nach zwei Saisonen Drittklassigkeit in der ČFL stieg man als Meister 2025/26 wieder in die zweite Liga auf und spielt hier 2026/27 in der 2. česká fotbalová Liga.
Der SK Rapid empfing den SK Kladno 1928 auf der Hütteldorfer Pfarrwiese zu einem Freundschaftsspiel (4:1 vor 3.500 Zuschauerinnen und Zuschauern) und man begegnete sich 1947 noch einmal beim seinerzeit beliebten Pfingstturnier im Wiener Praterstadion (5:0 vor 28.000). Kladno schloss dieses Vierer-Turnier 1947 mit zwei Niederlagen als Letzer hinter Turniersieger Rapid, dem Wiener Sport-Club und MTK aus Budapest ab. Internationale Meriten gewann der SK Kladno als tschechoslowakischer Vertreter im hochrangigen Mitropa-Cup der Zwischenkriegszeit, in dem man 1934 Inter aus Mailand schlug und dann im Viertelfinale Ferencváros unterlag sowie 1938 erst HAŠK Zagreb schlug und dann ebenfalls im Viertelfinale Juventus aus Turin unterlag.
Das Stadion Františka Kloze wurde 1914 eröffnet und war damals für ein Fassungsvermögen von 25.000 Leuten konzipiert. Nach Modernisierungen und Umbauten 1988 waren es immer noch 10.000 Plätze, heute sind es 4.000 Plätze. Der ursprüngliche Schlackenboden am Spielfeld wurde 1951 durch einen Rasen ersetzt. Die Flutlichtmasten hat man 1975 errichtet, allerdings sind sie nicht mehr in Betrieb. Auch die Tribünenüberdachung der Gegentribüne ist wieder abgebaut. Seit 1969 heißt das Stadion nach dem Fußballer František Kloz. 1928 bis 1930, 1932 und 1934 bis 1940 spielte er für den SK Kladno und dazwischen 1931 für Slavia Prag und 1933 für Sparta Prag. In der tschechoslowakischen Nationalmannschaft brachte er es auf zehn Länderspiele. Am Ende des Zweiten Weltkriegs beteiligte er sich im Frühjahr 1945 an den Befreiungskämpfen gegen den deutschen Besatzer und wurde dabei so schwer verwundet, dass er nach der Befreiung daran verstarb.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt Kladno besichtigt.

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