Dienstag, 1. September 2026

Ballesterer 208



Rezension


ballesterer
Nr. 208
September 2026
84 S.








Aktive Teilhabe am Vereinsgeschehen durch Fans, die Funktionen im Verein übernehmen, ist am Beispiel Deutschland Schwerpunktthema des Hefts. FCN-Aufsichtsrätin Sandra Hummel erzählt in der Titelgeschichte „Ich sehe es als meine Aufgabe, in die Kurve zu tragen, was bestimmte Dinge für den Verein bedeuten, aber vor allem in den Verein hinein zu erklären, warum etwas in der Kurve passiert.“ und nennt dabei etwa die Proteste gegen die DFL-Investorenpläne 2024 als Beispiel. Artikelautorin Nicole Selmer bezeichnet diese Tätigkeit als „Übersetzerin“.

Qualitätsjournalismus prangt deutlich sichtbar unter dem ballesterer-Schriftzug am Titelblatt, wo zuvor das Wort Fußballmagazin als Inhaltsbeschreibung stand. Im Heft geht man darauf ein, dass dem Magazin die aufwändig beantragte Qualitätsjournalismusförderung nicht genehmigt worden war, was Wut auslöste. In den Redaktionsinterna versteckt sich der Hinweis „Übrigens: Seit einigen Ausgaben verwenden wir mehr diakritische Zeichen.“ und ich finde das auch ganz hervorragend, weil einfach richtig und wichtig, korrekt zu schreiben. Das angemerkte Problem mit den nicht in allen Schriftarten darstellbaren Zeichen kann in Kauf genommen werden.

Im Nachruf auf Antonio Rattín zeigt ihn das Bild dazu im Argentinien-Dress vor leeren Rängen im Wiener Praterstadion. Es handelt sich offensichtlich um ein Foto des Testspiels der argentinischen Nationalmannschaft, die sich auf Trainingslager in der niederösterreichischen Wachau auf die WM vorbereitete, gegen die Wiener Austria dort 1966, die damals wie heute wenig Interesse hervorrief. Nur 4.000 Leute verloren sich damals zu dieser Veranstaltung im großen Oval des heutigen Ernst-Happel-Stadions.

Themen im Heft sind u.a. Debatten um fankulturelle Veränderungen beim Wiener Sport-Club, der Fall des in Algerien seit über zwei Jahren eingesperrten Christophe Gleizes, eine Onlineplattform für Spielervermittlung und eine herzerfrische Reportage vom nördlichsten im Meisterschaftsbetrieb bespielten Rasenfußballfeld Schwedens, dem Palovallen in Parkalompolo.

Vom schönen Rapideum-Buch Dein Name in Europa ist famos ist eine Rezension von mir im Heft zu lesen. in meiner Folge der Amateurfußball-Serie „Nebenschauplätze“ geht es im Heft auf den Kalvari zum FC Fliess im Tiroler Oberland.


A4 / 9€ / erhältlich im Zeitschriftenhandel