Schweiz, Promotion League, 8. Runde, 20.9.2026
Sportplatz Hafenareal, 568
Ausgleich in Unterzahl im
Klein-Venedig von Kreuzlingen. Nach einer torlosen ersten Hälfte mit etwas besserer Heimmannschaft ging der FC Kreuzlingen – gesprochen hier
Chrüzlinge – nach der Pause in Führung und konnten nachdem die U-21 des
FC Zürich mit roter Karte einen Mann weniger waren auch noch auf 2:0 erhöhen. 2:0-Vorsprung, ein Mann mehr und nur mehr wenig Zeit zu spielen. Was nach unspannender Restspielzeit klingt, war dann eine dramatische Schlussphase. In Minute 78 konnten die zu zehnt spielenden Gäste auf 2:1 herankommen und in den letzten Minuten tatsächlich auf 2:2 ausgleichen. Auch Überzahl mit Zweitorevorsprung garantiert keinen drei Punkte. Dabei hätte diese der FC Kreuzlingen gebraucht. Mit nur sieben Punkten aus sieben Spielen lag Kreuzlingen vor der Runde am drittletzten Platz.
Hafetschutter nennen sie sich hier.
„Tschutten“ (vom englischen
to shoot) ist das schweizerdeutsche Wort für Fußball spielen (entspricht dem hiesigen
kicken, das vom englischen
to kick kommt). Der Sportplatz liegt auch schön am Hafen, dessen 1945/46 in den See ausgeschüttetes Areal
Klein-Venedig heißt.
Seit den 1990er Jahren gibt es seit nunmehr fast drei Jahrzehnten eine Fanszene, die aus lokaler Punk-und Skinhead-Bewegung entstand und sich 1997 als Fanclub namens
Whiskykurve etablierte. 2013 kam mit
Porteños eine zweite Gruppe dazu. Zu besten Zeiten in den 1990er/2000er Jahren waren das hier 30 bis 40 Leute, mit Oldschool-spielbezogenem Support und ausgeprägter Fanzinekultur. Gleich mehrere Hefte gab es hier mit
Grenzstadtkurier (ab 1999, zuletzt No. 15 im Frühjahr 2024) und der
Hafenschlampe (ab 2001, bis 2012). Bekanntheit erklangte auch der einstige Blog
hafetschutter.ch. Auf Pickerln sieht man das Motiv der Möwe, das sich von der Lage am See ableitet. So viel los wie früher ist hier heute nicht mehr, aber dennoch hing hier der charakteristische Fetzen der
Whiskykurve sowie
Pöbel Kreuzlingen und es war etwas nach Toren
„FCK!“ oder
„Chrüzlinge!“ zu hören.
Der FC Kreuzlingen wurde 1905 gegründet. Die erfolgreichste Zeit hatte man 1932/33 bis 1936/37 und 1938/39 in der
1. Liga, die damals die zweithöchste Schweizer Spielklasse war. 1933/34 gewann man diese sogar, verzichtete aber aus finanziellen Gründen auf den Aufstieg in die erstklassige Nationalliga. Mit Norman Smith hatte man in den 30er Jahren einen englischen Trainer. Seither spielte man im Lauf der Jahrzehnte dritt- bis fünftklassig, wobei man 2003/04 knapp dran an einem zweiten Zweitligaaufstieg war, aber in den Aufstiegsspielen um die Challenge League dem FC Baulmes erst in der Verlängerung des Rückspiels unterlag. Zuletzt schaffte man es 2022 aus der fünftklassigen
2. Liga Interregional wieder in die viertklassige
1. Liga Classic und daraus 2025 nach dramatischem Sieg über die
Grasshoppers-U21 vor stolzen 1.559 Zuschauerinnen und Zuschauern hier im Hafenareal in die drittklassige Promotion League.
Das
Hafenareal ist seit 1962 die Heimstätte des FC Kreuzlingen. Der Sportplatz liegt wie der Name nahelegt nahe am Bodensee, nur wenige hundert Meter neben der deutschen Stadt Konstanz. 2011 hat man die Sitzplatztribüne erbaut und 2023 die Stehplätze erweitert, wodurch hier heute 2.000 Leute Platz haben. Das Klubhaus ist aus dem Jahr 2007. Überragt wird der Sportplatz von der nebenanstehenden Eishalle
Bodensee-Arena. Während der Bauarbeiten 2022/23 spielte man wie schon 1997 bis 2006 für einige Jahre im Leichtathletikstadion
Burgerfeld, kehrte dann aber wieder zurück.
Legendär ist das einstige, 1931 bis 1959 bespielte
Grenzland-Stadion, wo man in den 1930er Jahren schon eine frühe Flutlichtanlage installiert hatte und so einige der ersten Abendspiele auf dem europäischen Festland gegen internationale Vereine
AS Roma,
Everton,
West Ham United, Racing Club de Paris,
Honvéd,
Waldhof Mannheim und
1860 München austrug oder sogar gegen die mexikanische Nationalmannschaft spielte, die sich auf die WM 1934 in
Italien vorbereitete. Aus Wien war hier 1932 der
FAC, 1934 die
Vienna und 1937
Wacker im Grenzland-Stadion zu Gast gewesen. Allein in der Saison 1933/34 kamen insgesamt 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauern zu diesen internationalen Spielen.
Vor dem Spiel habe ich die Stadt
Kreuzlingen besichtigt.