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Mittwoch, 17. Dezember 2025

Erlebnis Fußball, 94




Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 94
02/2025
196 S.









Die aufsehenerregendste Artikel in dieser im Mai 2025 erschienenen Ausgabe ist sicher die in Kooperation von EF und ballesterer entstandene investigative Reportage von Moritz Gross auf den Spuren der Schalmafia im Kosovo und in Nordmazedonien, die mit nachgemachten Ultras-Schals diverser Gruppen und Szenen zu deren Schaden Geschäft macht. Indonesien-Experte Andrin Brändle erzählt im Heft wiederum über jenes ferne Land und die Kölner Coloniacs über das Freundschaftsjubiläum mit den Ultimi Rimasti Lebowski. Dazu gibt es einen Einblick in die Situation in Serbien zum Umgang der Fankurven mit der landesweiten Protestbewegung auf den Straßen gegen die Regierung. Nach einem Reisebericht aus Marokko in der vorherigen Ausgabe gibt es hier solche aus Algerien. Spannend, da mir da alles neu ist. Aber offenkundig gibt es dort zahlreiche Schwierigkeiten bei einer Fußballreise. Aus Marokko kann man aber auch in diesem Heft wieder lesen, genauer aus Tanger.

Weiters gibt es Texte der Kurven der deutschen Europacupteilnehmer über ihre Spiele im Herbst 2024, wobei die unterschiedlichen Erwartungshaltungen und Ausgangslagen deutlich hervortreten. Der Bericht von Borussia Dortmund über ihr Spiel gegen Sturm Graz und jenes gegen Bologna ist ergänzt durch jeweils einen Text von der Nordkurve Graz und den bei den Forever Ultras Bologna als Freunde teilnehmenden Ultras Bochum sowie jener des VfB Stuttgart über ihr Spiel gegen die Young Boys mit einem Text der Ostkurve Bern. So etwas ist immer eine gute Sache, da es unterschiedliche Perspektiven bringt.

Der offene Brief von Claudio „Bocia“ Galimberti gegen das Unrecht an ihm ist übersetzt abgedruckt. In der beliebten Italien-Reiseberichtsrubrik gibt auch wieder einiges zu schmökern und bei der Betrachtung des Fotos des Spielberichtsautors beim Mithelfen der Beseitigung der Wassermassen am Spielfeld in Catanzaro auch zu schmunzeln.


A5 Format / 5,95 € / Kontakt erlebnis-fussball.de

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Erlebnis Fußball, 92/93



Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 92/93
01/2025
127 S. + 193 S.



Die Zeit für das Lesen der vor einem Jahr erschienenen, 320 Seiten starken Doppelausgabe des Erlebnis Fußball musste man sich nehmen. Vorteil an Fanzines: Es geht nicht um hektische Tagesaktualität, sondern um Wissen und Verstehen.

Nach dem 96 Seiten umfassenden ersten Teil des Interviews mit den Erfordia Ultras des FC Rot-Weiß Erfurt in Ausgabe 90 folgt hier in Ausgabe 92 auf 85 Seiten der zweite Teil. Spannend für mich insbesondere, da ich kürzlich erstmals Rot-Weiß Erfurt gesehen habe und damit selbsterlebte Eindrücke mit dem Gelesenen verbinden konnte. Da war im Interview wieder sehr viel drin, was ich nicht wusste oder mir in der Art und Weise nicht bewusst war. Solches in Ruhe in einem Fanzine nachlesen zu können, ist eine starke Qualität dieses Mediums. Interessant waren diesbezüglich die spannenden Passagen über einen interne Konflikt und vor allem auch der Umgang und der Stellenwert der verschiedenen Freundschaften. Wie diese hier jeweils unterschiedlich bewertet werden, ist einer jener Punkte, die mir hier neu waren. Daneben lernt man auch noch neue Wörter, die ich mein (langes) Lebtag lang noch nicht gelesen oder gehört habe: „Die Erfurter sind bekannt für's Meckern und Nölen.“ Da mir hier das gute Österreichische Wörterbuch wohlweislich für „nölen“ auch nicht weitergeholfen hätte, habe ich den Duden zu Raten gezogen und dieser erklärt: „1. etwas (ärgerlicherweise) nur sehr langsam tun; (herum)trödeln 2. nörgeln, mit weinerlicher Stimme klagen“ und fügt hinzu „besonders norddeutsch umgangssprachlich abwertend“.
Weiters gibt es in Ausgabe 92 u.a. über Reutlingen und Südamerika zu lesen. Ebenfalls jeweils terra incognita für mich.

Auf bekanntes Terrain führt dagegen Ausgabe 93 zu Beginn, in der es um Cavese geht und am Ende des Hefts die bekannte Serie an Italien-Spielberichten steht. Dazwischen gibt es drei große Pflöcke: Ein Reisebericht aus einem mehrwöchigen Aufenthalt in Marokko. Vieles spannend, praktisch alles darin Beschriebene kenne ich nicht. Ich entnehme daraus erneut: Einfach scheint das nicht zu sein, wenn man dort auch wirklich etwas sehen will. Das ist eher abschreckend. Aus einer mir fernen Region berichtet ein Interview mit Alianza Lima aus Peru in Südamerika. Ein stattlicher Teil behandelt verschiedene interessante Cupfinalspiele 2024 in Europa. Solch große Cupfinal-Spiele anderswo habe ich tatsächlich eigentlich nur zweimal (einmal Polen und einmal Schweiz, beides vor fast einem Jahrzehnt) besucht und in meiner Reisetätigkeit gar nicht am Schirm. Wenn man die Bilder hier sieht und die Berichte liest, könnte ich das vielleicht überdenken. Anregende Lektüre im Wortsinn.


A5 Format / 9,95 € / Kontakt erlebnis-fussball.de

Freitag, 27. Juni 2025

Erlebnis Fußball, 90/91


Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 90/91
02/2024
159 S. + 161 S.



Im Mai 2024 erschien diese Doppelausgabe des Erlebnis Fußball. Mit 320 Seiten wieder ein großer Umfang an Lesestoff.

Hatte es erst unlängst in Ausgabe 85 190 Seiten Interview mit der Blue Generation des 1. FC Magdeburg gegeben, sind es hier 96 Seiten Interview mit den Erfordia Ultras des FC Rot-Weiß Erfurt in Ausgabe 90 – und das ist nur Teil 1. Ein zweiter Teil ist mit „Fortsetzung folgt“ angekündigt. Wie damals auch hier ein großer Brocken an Lektüre für mich, da ich Erfurt genauso wie Magdeburg noch nie gesehen habe und sie daher vom Namen her zwar kenne, aber kaum etwas über sie wusste. Das macht das Lesen zwar spannend, weil man mit jedem Satz und jedem Absatz Neues erfährt, aber auch aufwändig, weil Anknüpfungspunkte zur Verarbeitung der Informationen fehlen. Interessant ist auch hier, wie anders in den 1990er/2000er Jahren alles war und gehandhabt wurde.
Saarbrücken habe ich hingegen schon mal gesehen, darüber hinaus liest man ja viel über sie bei der Fraternité Violette. Somit war die Einordnung der Details beim Lesen des Artikels über ihre DFB-Pokal-Saison 2023/24 einfacher. Gut war hier die jeweilige andere Perspektive auf die Spiele von den Gästeszenen. So etwas ist immer lehrreich. Auch über Nantes habe ich hier gern lesen. Nicht nur, weil ich durch meinen Besuch dort etwas mit dem Text verbinden konnte, sondern auch weil wahr ist, dass „der FC Nantes und seine Fanszene hierzulande ziemlich unter dem Radar laufen“.

Hohes Aufmerksamkeitslevel gibt es stets bei allem über Italien so wie in Ausgabe 90 ein Bericht eines Autors, der im März 2024 drei Wochen in die Gradinata Nord von Genoa eintauchte. in Ausgabe 91 gibt es wiederum eine kurze weitere Folge der Serie an Italien-Reiseberichten und darin kann man sich jedesmal verlieren.

Titelthema von Ausgabe 91 sind Reiseberichte aus der Schweiz aus den Saisonen 2021/22 bis 2023/24. Unter anderem gibt es im Heft von der Rückkehr von Ruch Chorzów nach Chorzów 2024 und den großen Spielen gegen Legia Warszawa und dem Derby gegen Górnik Zabrze zu lesen, bei dem ich wie eine hohe Anzahl deutscher Fußballreisender auch war. Ein weiterer Reisebericht der diesbezüglich starken Ausgabe berichtet von Rapid Bukarest. Das macht alles Lust auf Reisen. Das Lesen macht auch Lust auf noch mehr Lesen. Wann ich den Rückstand im EF-Lesen aufhole, weiß ich aber noch nicht.


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Mittwoch, 11. Dezember 2024

Erlebnis Fußball, 89




Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 89
01/2024
196 S.









Investoren und der Protest dagegen sind das Titelthema des im Februar 2024 erschienenen Hefts. „Man schaue sich nur ein paar Beispiele an und versuche, dabei einen positive Aspekt zu finden. Es sei euch gesagt, das wird nicht gelingen.“ heißt es im Text und es werden die Beispiele Hertha BSC und FSV Zwickau beschrieben. Die Castaways berichten die diesbezügliche Lage beim HSV, Ultras Krefeld über jene beim KFC Uerdingen, The Unity über Borussia Dortmund, Da Brunnenmiller über 1860 München, die Coloniacs über den 1. FC Köln, die Wanderers Bremen über Werder Bremen, Komplett Hannovera über Hannover 96 und der Grazer „Geka“ über die schlamperte 50+1-Lage in Österreich.

Weitere Themen sind u.a. 50 Jahre Ultras der Fiorentina, der Kurvenhit „Richtig gut geschlafen“ von Chemie Leipzig (Danke für das neuerliche Auslösen des Ohrwurms ... „wir gehen unser'n eigenen Weg, die Bullen und Verbände sind zu spät ...“), Frankreich oder Partizan – als nur an der Fußballwelt Interessierter und andere Sportarten nicht Wahrnehmender war mir nicht klar, dass Basketball dort etwas ist, wo was los ist. Vom ÖFB-Cup-Finale 2023 gibt es je einen Bericht darüber von den Ultras Rapid sowie dem Kollektiv 1909, wobei der eine sachlich und respektvoll gehalten ist und der andere nicht ohne Häme und Spott auszukommen müssen glaubt.

Der wieder umfangreiche Abschnitt mit Italien-Reiseberichten erfreute erneut sehr. Ich kann das nur jedesmal unterstreichen und betonen. Es findet sich darunter u.a. vom Kollegen Klemens G. ein Bericht vom Veneziamestre gegen Modena im Mai 2023, wo die Freundschaft choreographisch zelebriert wurde. Ich hatte im Dezember das Spiel in der Hinrunde in Modena betrachtet. Gut war ein ins Deutsche übersetzter Text von Sportpeople, in dem Kollege Simone Meloni in aller italienischen Ausführlichkeit über ein Spiel bei Manfredonia berichtet. Das ist ein für die nächste Zeit ins Auge genommenes Reiseziel. Es gibt auch einen Bericht vom Derby del Tigullio bei Virtus Entella in Chiavari im September 2023. Diese Begegnung bei Sestri Levante im November 2024 stand bei mir zuletzt in der engeren Auswahl als Reiseziel, zumal das Derby diesmal auch wieder in Sestri Levante selbst ausgetragen wurde, zog letztlich aber knapp den kürzeren gegen das schließlich an diesem Tag besuchte Derby del Valdarno. Alles kann nicht gemacht werden.


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Freitag, 6. Dezember 2024

Erlebnis Fußball, 87/88


Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 87/88
01/2023
193 S. + 127 S.



Die Produktionshallen der deutschen Fanzineindustrie brummen und produzieren Lesestoff. Auch und gerade Erlebnis Fußball bringt eine schwergewichtige Ausgabe nach der anderen heraus. Schneller, als zumindest ich mit dem Lesen nachkomme. Während schon weitere Folgeausgaben auf den Stapeln ungelesener Hefte liegen, war nunmehr die im Frühjahr 2023 erschienene Doppelausgabe 87/88 an der Reihe.

Das Titelblatt von Heft 87 zieht einen gleich in seinen Bann. Cavese ist schließlich ein Mythos. Sofort kann man sich in einen Schwerpunkt über sie stürzen. „Das Vertrauen zu den Ultras aus Cavese wurde über Jahre, ich betone Jahre, aufgebaut und die Zusage war am Ende die Frucht harter Arbeit.“ lässt Stefan im Vorwort kurz den Arbeitsaufwand dahinter erkennen. Ein Reisebericht führt ein und dann darf man ein Interview mit der Curva Sud Castello Mario lesen. Gute Fragen und typisch italienisch pathetische Antworten. Stets faszinierend, so etwas zu lesen. Dazu gibt es noch ein Interview mit einem ehemaligen Vorsänger der seinerzeitigen Acid Boys und ein historisches Interview mit der Gruppe. Alte Fotos fehlen auch nicht. Vom Kollegen Simone Meloni ist ein Sportpeople-Artikel über ein Auswärtsspiel von Cavese im Jänner 2023 abgedruckt.
Weitere Themen sind Fanzines in Frankreich, Ultras Düsseldorf und der vermeidbaren Tod von 135 Fußballfans in der Kanjuruhan-Stadionkatastrophe in Indonesien, wozu auch Kollege Andrin Brändle interviewt wird. Dazu gibt es Spielberichte aus Polen und von diversen Cupfinali in Europa 2022.

In Heft 88 liest man über die Europacupabenteuer von Union Berlin, zur Geschichte der historischen Gruppo d'Azione von SPAL, über den HFC Falke in Hamburg sowie einen Reisebericht aus dem Kosovo. Im Sommer 2024 wäre Rapid fast im Europacup dorthin gekommen. Dazu kam es nicht, aber die Lektüre hätte mir geholfen, wenn es so gekommen wäre. Mit großem Interesse wurde hier auch wieder ein Block an Italien-Reiseberichten gelesen. Darunter ist u.a. auch ein Spielbericht von Rimini-Ancona im Dezember 2022, was angesichts der großen Anzahl dort anwesender deutscher Fußballreisender nicht überrascht, sowie ein Text der Fraternité Violette über das besondere Freundschaftsspiel von Barletta und Austria Salzburg.


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Freitag, 8. Dezember 2023

Erlebnis Fußball, 85/86


Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 85/86
03/2022
197 S. + 171 S.



Eine Fanzine-Doppelausgabe, die es in sich hat. Über 190 Seiten Interview mit der Blue Generation des 1. FC Magdeburg. Die ganze Ausgabe 85 besteht daraus. Für mich war es interessant, da ich schlicht keine Meinung über den mir dem Namen nach natürlich schon bekannten Block U hatte. Ich habe sie nämlich noch weder auswärts gesehen noch war ich bislang in Magdeburg. Besonders macht das Interview, dass sich Protagonisten und Interviewer aufgrund der Verbindung von Blue Generation und Diablos Leipzig seit Jahrzehnten kennen. „Auch wenn die Gruppenfreundschaft gemäß dem damaligen Ultra-Sprech schnell zu einem Waffenstillstand herabgestuft wurde, rissen die persönlichen Kontakte nie ab.“ schreibt Stefan dazu im Vorwort. Im Lauf der Lektüre lernt man viel – zumindest ich aufgrund der oben beschriebenen Voraussetzung – über die Entwicklung der Szene in Magdeburg, jene der Blue Generation im besonderen und auch über Ostdeutschland generell. Man liest davon, wie in den 1990er Jahren durch die tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen und den tiefen Fall des Vereins („wo wir 1990 noch im Europacup gegen Girondins Bordeaux gespielt hatten, haben wir dann zehn Monate später gegen SC Gatow und die BSV Spindlersfeld gespielt“) alle Fanstrukturen verschwanden und nach dem vorläufigen Wiederaufstieg in die Drittklassigkeit 1997 sich wieder etwa zu entwickeln begann, woraus im späteren Verlauf die Blue Generation wurde. Allein das Namensfindungs-Preisausschreiben aus dem Jahr 2000 zeigt, wie anders die Zeiten waren.
Sehr viele Themen werden weiters behandelt wie Freundschaften und Kontakte, die Optik im Stadion, der Block U im neuen Stadion und die Strukturen darin mit Gruppen und lokal verankerten Fanklubs, die Pfeile-zum-Tor-Aktion 2012, einem Hype mit hoher Mitmachquote im ganzen Stadion, das Verhältnis zu CES, Fanzine oder die Rivalität zu Halle und die Konsequenzen des Umgangs mit dem Todesfall von Hannes („Halle hat einfach seinen Status als würdige Fanszene uns gegenüber verwirkt“).
Interessant sind die Ausführungen zur Freundschaft mit Hutnik Kraków und die bedeutenden Unterschiede, was es bedeutet, in Deutschland oder eben in Polen zum Fußball zu gehen. Aus der Freundschaft kann man wohl auch Schlüsse zum Support-Stil ziehen. „Wenn man in das Land Kontakte hat, schaut man schon auch eher ins restliche Land, als was beispielsweise Marseille gerade in Frankreich so macht, weil man da überhaupt keine Schnittmenge zu hat. Oder halt sonst wohin nach Italien, wo vielleicht andere Gruppen aus dem Westen mehr Bezug haben. Weil man uns immer diesen polnischen Stil nachsagt, – keine Ahnung, ob es so ist, kann man von außen wohl besser bewerten – aber wenn es so ist, dann wird das wohl unter anderem durch die Freundschaft zu Hutnik so sein.“
Wahrscheinlich sollte ich irgendwann mal nach Magdeburg fahren und mir das anschauen, bevor die Lektürekenntnisse im Kopf verblassen.

So viel Stoff das war, so war das doch erst die Hälfte des Bands. Verkehrt herum bietet die Doppelausgabe nach Wenden gleich auch Heft Numero 86. Dieses ist nicht monothematisch sondern reicht von einem Meinungsbeitrag der Harlekins Berlin zum Thema „Zaunfahnenklau mit allen Mitteln“ über ein Interview mit einem der Herausgeber eines umfangreichen Bildbands zur Fürther Fangeschichte zu dessen Entstehung und dem Thema selbst, Kölner Graffiti, einem Interview und Kommentar zum Thema Erhalt der Eintittskarte, einem Gespräch mit den Ultras Krefeld über das Grotenburg-Stadion, einer weiteren Ausgabe der hochspannenden Serie zu Slogans und ihren Hintergründen diesmal von der Cannstatter Kurve, einem Rückblick auf Cupfinali in Europa 2022 bis hin zu Reiseberichten vom Fest der Ultras Tito von Sampdoria, aus Peru (in beachtlichem, sehr persönlich gehaltenem und auch selbstkritischen Stil) und Montenegro.


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Dienstag, 23. August 2022

Erlebnis Fußball, 84





Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 84
01/2022
196 S.










„La Samp è una fede, gli Ultras i suoi profeti“ – ein Satz mit Wucht. Der bekanne Leitspruch steht im Titel eines 91-seitigen Schwerpunkts über die Ultras Tito Cucchiaroni der Sampdoria. Der Spruch kam als Referenz auch anderswo zu Ehren, auch bei Rapid. In mehreren Etappen seit 2015 (!) arbeitete die Redaktion an diesem auf mehreren Interviews und verschiedenen Texten aufgebauten Beitrag. Spannend ist im Interview mit Enzo Tirotta, Capo von den 1970ern bis Ende der 1990er Jahre u.a., wie er den Bruch 1998/99 und das Aufkommen des Trends verschiedener kleinerer Ultragruppen in den Kontext der Krise der Institutionen in Italien in den 1990er Jahren stellt. In einem Gespräch mit Nadir erzählt dieser u.a. über die zum 50-jährigen Jubiläum der UTC 2019 in Genua gezeigte Ausstellung (ewig schade, dass ein Besuch in der kurzen Dauer der Ausstellung für mich damals zeitlich leider unmöglich war). Leider bereits historisch ist das Interview mit dem 2021 früh verstorbenen Capo der letzten Zeit, Bek.
Der Altvordere Vecchio Marinaio betont im Gespräch über seine Zeit der 70er/80er Jahre die Phantasie als Schlüssel: „Fangen wir bei unseren Farben an, die sind einzigartig, phantasiereich, bunt, viele! Wir hatten immer schon eine gewisse Phantasie, was die Gesänge und die Fahnen usw. angeht. Wir hatten immer schon eine gewisse Phantasie, etwas zu sehen oder einen Rhythmus zu hören und das mit Sampdoria zu verbinden. Nimm das Symbol der Ultras, der Junge mit dem Schal, das ist 50 Jahre alt, aber immer noch modern! Wir waren die ersten, die Alex von Clockwork Orange auf der Zaunfahne verwendeten. Das ist auch 40 Jahre her, aber immer noch modern!“
In der Beschäftigung mit italienischer Ultrageschichte beeindruckt immer wieder, wie lange manches dort oft schon her ist und wann es hier bereits Dinge gab, von denen weithin noch Jahrzehnte nicht einmal geträumt wurde. Nochmal Vecchio Marinaio: „In den 70ern hatten wir dieses 40 Meter lange Banner! In den 70ern! Das war das am meisten beneidete, bekannte und kopierte Banner. ,La Samp è una fede, gli Ultras i suoi profeti‘ – ,Sampdoria ist ein Glaube, die Ultras dessen Propheten‘. Das war 1970! 1970 mussten andere Kurven erst erfunden werden.“

Eine Serie im Heft mit Potential ist Ultras, deine Parolen. In der ersten Folge schreiben die Ultras Nürnberg über Entstehung und Hintergründe ihre Mottos „No surrender“ oder „Unbeugsam bleiben“ und von Sprüchen wie „Ich bereue diese Liebe nicht“ oder „Ultras Nürnberg hat mein Leben zerstört!“

Weitere Themen sind u.a. eine Reportage über das Phänomen Podcasts (ich persönlich verstehe das Medium nicht, selbst wenn mich die Inhalte interessieren tue ich mir schwer damit, habe keinen Modus gefunden, wann und wie ich sowas zuhören kann und habe das daher wieder eingestellt), ein Interview mit dem Autor des Buchs La Doce (liegt seit Erscheinen am Tisch, aber ob es jemals noch zur Lektüre kommt?), ein Artikel von Edgar Lopez über die Aufarbeitung der Polizeigewalt bei den Dresdner Aufstiegsrandalen 2021 oder etwas zur ungelösten Stadionfrage der Austria Salzburg.

Ein Highlight im Heft sind immer wieder die Italien-Reiseberichte. Vieles ist hier diesmal vom St. Galler Espinho, der zwei Monate am Stück in Süditalien war. Die Spielberichte studiere ich gebannt, weil ich entweder an den Orten schon war und vergleiche, oder weil ich zu den Orten noch selbst hinfahren möchte. Die hauptsächliche Freude an Fanzines ist und bleibt das Aufsaugen von Information.


A5 Format / 5,95 € / Kontakt erlebnis-fussball.de

Dienstag, 7. September 2021

Erlebnis Fußball, 83





Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 83
02/2021
180 S.










Die Reihe der ausführlichen Interviews führt EF mit dem übersetzten Abdruck einer Gesprächsrunde mit drei ehemaligen Präsidenten der legendären Supras Auteuil von PSG aus den 1990er/2000er Jahren fort. Sie erzählen von ihren Fanbiographien, der Kurvenentwicklung, der Bedeutung des Gruppenlebens, Auseinandersetzungen mit dem Verein, anderen Gruppen in der Kurve und von Reflexionen zum Konflikt mit der Boulogne, dem Ende 2010 sowie über die Zeit danach. Da ich leider wenig Ahnung von Frankreich habe und dort nur selten war, konnte ich hier einiges über PSG lernen.

Interessanterweise gibt es nach Sturm Graz und LASK als Beiträge aus Österreich in der vorigen Ausgabe 82 auch diesmal Spannendes von hier zu lesen. Vertreter der Fanszene von Austria Salzburg erklären ihre Rahmenbedingungen, in denen sie unter Pandemiebedingungen 2020 supporteten, und sprechen zur Lage des Vereins. Zum zwanzigjährigen Freundschaftsjubiläum zwischen Gate 13 von Panathinaikos und Ultras Rapid hat EF mit Oliver Pohle den passenden Gesprächspartner. Auf 21 Seiten wird im Interview mit ihm und mit zahlreichen Fotos auf die zwei Jahrzehnte zurückgeblickt. Einige Details und Anekdoten sind hier zu lesen.

Weitere Themen im Heft sind u.a. Ultras in Syrien oder die Guerills des FK Partizani in Tirana. In einem Interview mit dem Frankfurter Groundhopping-Fanzine Trespass wird offenbart, dass die Passagen in ihren Heften, die ich nicht verstehe, „Rap- und Filmzitate“ sind, und ich lerne, dass selbst der Name des Hefts einem mir unbekannten Filmtitel entnommen ist.

Ich freue mich immer, wenn ich etwas lerne. Das habe ich mit diesem Heft getan.

Dienstag, 16. Februar 2021

Erlebnis Fußball, 82





Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 82
01/2021
196 S.










Mit Interviews mit der Grazer Sturmflut und den Linzer Landstrasslern bietet das Heft aus österreichischer Sicht spannenden Stoff. Übergroße Interviews haben sich in den letzten Ausgaben (siehe 79, 80 und 81) zu einem Markenzeichen des Hefts entwickelt. Das lässt besonders in einer Zeit, wo es keine Kurven zu bestaunen gibt und Reisen nicht möglich sind, Spannendes erfahren.

Den mit Abstand größten Brocken macht das Sturmflut-Interview aus. 126 Seiten Interview plus drei Seiten Epilog. Das ist schon allein vom Umfang her ein Wahnsinn. Noch beeindruckender ist dann aber, wie weit ausholend und in die Tiefe gehend das Gespräch selbst ist. Man erfährt hier viel darüber, wie die Gruppe tickt und wie sie Dinge sehen. Themen sind u.a. die Entstehungszeit als Fanklub und dessen Wandlung („Zwischen 2000 und 2004 hat das begonnen und man hat versucht, sich als Ultras zu definieren und zu positionieren.“), Innenleben mit Diskussionsthemen und Generationenfrage in der Gruppe, das Auftreten der Kurve („Ich habe schon das Gefühl, wenn man sich andere Kurven so anschaut, dass oft die Gruppe über allem steht. Bei uns ist die Rangfolge: erst Sturm, dann die Kurve, dann die Gruppe. Und das gilt für alle in unserer Szene.“), politische Haltungsfrage, Frauen in der Gruppe, Lokalpatriotismus, die Entwicklung der Kurve, Vereinspolitik, Choreos und Tifostil („Wir sind halt eine Sängerkurve“), Fanzines, das Vorbild Pisa, die Beziehung zu Werder Bremen und allgemein der Umgang mit Freundschaften („Es ist uns als Gruppe nicht so wichtig, ob eine Fahne hängt oder nicht. Wir sind befreundet, weil wir uns eben gut verstehen, fühlen uns wohl, so wie es ist und wir müssen nach außen nicht irgendetwas zeigen, um uns zu profilieren oder sonst was.“) oder die abschätzige Betrachtung der Szene des GAK aufgrund Zusammenarbeit mit der Polizei.
Rapid und Wien kamen erwartungsgemäß an verschiedenen Stellen des Gesprächs als Reibebaum vor. Ein spannender Abschnitt gibt ihre Sichtweise zum Block West wider. „Zum Beispiel, worüber wir viel geredet haben, dass wir sehr selbstkritisch sind und uns selbst hinterfragen und uns manchmal auch bremsen in unserer ständigen Selbstreflexion. Das ist meiner Meinung nach schon einer der größten Unterschiede zu Rapid. [...] Einfach dieses ,Wir sind Rapid!‘ und wenn sie öffentlich angegriffen werden, wirst du – zumindest nach außen hin – nie irgendwie einen kritischen Reflexionsprozess wahrnehmen.“ Als Beispiel dafür wird die Homophobie genannt.
Weitere Themen sind auch noch andere österreichische Fanszenen, Europacupanekdoten, Vereinsgeschichte von Sturm Graz (siehe zuletzt Die Gruabn. Das Herz von Sturm und Mythos Gruabn) oder das Liebenauer Stadion. Ein nachfolgender Text der Sturmflut betrachtet noch die Geschehnisse seit dem Führen des Interviews im Jänner 2020 und dem Oktober jenen Jahres.
Solche Einblicke und Interviews suchen ihresgleichen.

Das Interview mit den Landstrasslern ist mit einem Zehntel der Länge bedeutend kürzer. In normalen Dimensionen erfüllen zwölf Seiten aber auch alle Wünsche nach Ausführlichkeit. Ein Auszug daraus mit anderer Schwerpunktsetzung erschien bereits im Ballesterer 152. Das Gespräch bietet spannende Eindrücke der Fanszene des LASK. Gesprochen wird von den Beweggründen der Bildung des Fanzusammenschlusses unter dem Dach Landstrassler und der Umsetzung der Ambitionen, die den LASK weg von dem früheren Bild bringen soll, dass der Interviewer in einer Frage zutreffend zeichnet: „Früher hat es im Stadion immer einen großen Schwenker mit einem Bierkrug gegeben. Der war zusammen mit rechter Politik und dem Ruf der Umlandfans das klischeehafte Bild, das man als Außenstehender vom LASK hatte. Ihr habt dem Ganzen nun doch einen anderen Stil verpasst.“
Neben einer Kurvenentwicklung weg von Alkoholismus und Rechtsextremismus-Toleranz, der Freundschaft mit YB oder Graffiti geht es im Interview auch um den Stadtrivalen. Die Landstrassler erzählen: „Wenn man vielleicht sogar noch etwas weiter als zehn Jahre zurückgeht, war Blau-Weiß mal die Nummer eins der Stadt. Sie haben seither massiv abgebaut. [...] Wir haben andere Sorgen, Gegner und Ziele.“ In einer spannenden Passage heißt es zur Bedeutung des Konflikts mit den Green Lions für die Entwicklung der LASK-Szene: „Wir hatten einen Gegner, der zu jener Zeit besser war als wir. Und wenn du einen stärkeren Gegner hast, musst du auch besser werden. Hätten wir uns die letzten fünf Jahre mit Blau-Weiß beschäftigt, wären wir nicht weitergekommen.“

Lehrreiche Informationen gibt es im Heft aus den Erzählungen des Autors der Partizan-Fußballfibel samt Kollegen sowie einem Text zum 25. Jahrestag des Massakers von Srebrenica, als nach der Eroberung der Stadt 1995 rund 8.000 muslimische Gefangene ermordet wurden, in der bosnischen Stadionkultur – zwischen „Kein Vergeben. Kein Vergessen.“ zur Aufrechterhaltung der Erinnerung an die Getöteten und „Messer, Stacheldraht, Srebrencia!“-Gesänge zum Feiern der Mörder. Auf eine Bildungsreise führt einen ein Reisebericht samt Interview und Hintergrundinfos über die Fentagin nach Griechenland zu Atromitos nach ... – nein, nicht Athen sondern Peristeri. „No Athens – Peristeri!“ heißt es dort.

Mittwoch, 18. November 2020

Erlebnis Fußball, 81





Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 81
04/2020
196 S.










Interview oder Gespräch ist der technische Begriff dafür und doch sind diese langen Strecken im Heft, in denen sie hier mit Gruppen über verschiedenste Themen sprechen, etwas eigenes. Aufgrund der Qualität, die aus der Quantität entsteht. 73 Seiten umfasst hier ein Interview mit den Ultras Gelsenkirchen, in dem man über sie als Gruppe, aber auch die Stadt und deren Bedeutung für sie einiges erfährt.

Lehrreich ist ein Bericht über Geschichte und Gegenwart (2019) des französischen bis in die 1980er Jahre zurückreichenden Hass-Duells von Olympique de Marseille und Girondins de Bordeaux. „Geografisch gesehen ist die Begegnung zwischen Bordeaux und Marseille bei einer Distanz von 645 Kilometern natürlich kein Derby, es gibt aber eben diesen Hass auf beiden Seiten, der über die Jahre von den verschiedenen Generationen der jeweiligen Gruppen, etwa durch Aufeinandertreffen und Fahnenklau, befeuert und weitergetragen wurde.“

Weitere interessante Themen im Heft sind eine Rundumschau zum Umgang verschiedener Ultragruppen und Länder mit der Coronavirus-Pandemie und ihren Folgen sowie ein Reisebericht von Moritz zu den Umständen einer Groundhopping-Fahrt nach Serbien bei noch geltenden Reisebeschränkungen und vielerlei Ungewissheiten. Auch über Marokko und den Netflix-Film gibt es zu lesen.
Bevor alles anders wurde, gab es noch die Monate Jänner und Februar und aus diesen finden sich hier wieder schöne Italien-Berichte. Da kommt einiges an Fernweh und Hoffen auf die Wiederkehr besserer Zeiten auf.

Donnerstag, 23. April 2020

Erlebnis Fußball, 80





Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 80
April 2020
194 S.










Von Taranto im Süden Italiens hat man viel Gutes gehört. Abgesehen von einem Umstieg am Bahnhof auf der Durchreise (von Foggia nach Crotone), wo ich außer dem Bahnsteig nichts gesehen habe, hat es mich dort allerdings noch nie hinverschlagen. Daher bietet ein Schwerpunkt über Tarantos Ultraszene in Zeiten, wo Reisen auf noch unabsehbare Zeit nicht mehr möglich sein werden, hier das Eintauchen und Informationssammeln in der dortigen Welt. Man liest Interviews mit den Ultrapaz und Gruppo Zuffa und kann durch eine chronologische Anordnung auch das Zustandekommen der Texte nachvollziehen: Von sich mit Saarbrücken entwickelnden Kontakten über Einführung der Leserinnen und Leser mit einem in Übersetzung abgedruckten Interview von sportpeople.net bis hin zu einem Reisetagebuch. Mitsamt sehr guten Fotos sind das über sechzig Seiten, die einen zwischen Staunen und Faszinieren schwanken lassen.

Ähnlich ist das mit einem zweiten spannenden Block, nämlich über das bosnisch-herzegovinische Velež Mostar. Da gibt es einerseits eine Einführung in die Geschichte der Stadt, des Vereins und der mit der Aufteilung der Stadt im gegenseitigen Massenmorden des Bürgerkriegs der 1990er Jahre untrennbar verbundenen Entstehung des Derbys mit dem als kroatischem Stadtverein wieder- bzw. neuentstandenen Zrinjski Mostar. Ohne den geschichtlichen Zusammenhang kann man das Derby nicht verstehen. Weiter hinten im Heft gibt es noch einen aktuellen Derbybesuchsbericht eines Redaktionsmitglieds vom Juli 2019.

Mittlerweile schon von gewohnter Reiselust machender Stärke ist wieder der Italien-Groundhopping-Teil, darunter u.a. mit dem beachtlichen Giro d'Italia von Klemens G. im Oktober 2019. In diesem Heftteil ist für den Vergleich der Eindrücke durchaus interessant, dass hier manche Vereine/Stadien im Verlauf des Berichtszeitraums bei verschiedenen Spielen von unterschiedlichen Fußballreisenden besucht wurden.

Weiters gibt es im Heft u.a. Berichte von einem Streifzug durch Łódź und von Slovan Bratislava gegen PAOK (mit Bildern von mir), eine Buchvorstellung samt Interview zur Übersetzung des Buchs Stadionrebellen sowie einen Bericht vom Erfurter Besuch bei der Hundertjahrfeier von Massese.

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Erlebnis Fußball, 79





Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 79
Oktober 2019
194 S.










Mit 194 Seiten und dabei 112 Seiten Interview mit der Schickeria von Bayern München legt Erlebnis Fußball hier ein gewichtiges Heft vor. Das Schickeria-Interview ist trotz seiner Länge aufgrund des bemerkenswerten Einblicks, der geboten wird, und der offenen Worte zu vielen Themen, alles andere als langweilig. Man erfährt über die Entwicklung der Ultraszene dort und die Chiffre „Würzburg“, als es 2007 fast 100 Stadionverbote und 15 Leute in Untersuchungshaft nach dem bekannten Fall des Augenlichtverlusts der Frau eines Busfahrers durch Flaschenwurf bei einer Auseinandersetzung gab. Man spricht offen über die Folgen im persönlichen Umfeld und innerhalb der Fanszene „egal mit wem du geredet hast, auch Leute mit denen ich heute rede, die mittlerweile wohlgesonnen zur Schickeria sind. Wir waren damals der Abschaum für sie.“ Ein Knackpunkt der Gruppengeschichte. „Wir hatten vorher ja ein offenes Mitgliedersystem und waren 700 Leute und dann sind wir plötzlich mit zwei Neunern auswärts gefahren.“ Auf die Kündigung aller Jahreskarten und die Ansage von Uli Hoeneß „Diese Leute sind kein Teil von Bayern München“ reagierte man u.a. mit dem großen Banner Bayern München, das als Schickeriafetzen bei Heimspielen im Zentrum der Kurve hängt. Ein Stadionverbot ist auch deswegen schwerwiegend, wie sie erzählen, da es immer mit Vereinsausschluss und Entzug der Jahreskarte verbunden ist. Ohne Heim-Jahreskarte gibt es auch keine Auswärtsdauerkarte. Ein Problem bei immer ausverkauften Spielen. Der beständige Kartenmangel wurde schließlich mit einem für Vereinsmitglieder frei zu kaufenden Tageskarten-Kontingent in der Südkurve entschärft.
Ein spannendes Thema im Gespräch ist das Allesfahren, denn mit dem Europacup haben sie ja eine nicht nur große Anzahl von Pflichtspielen sondern auch jedes Jahr zahlreiche große Distanzen und teure Reisen. Man lebe heute die Devise vor „Mach nicht auf Biegen und Brechen alles, sondern fahr lieber 10 Jahre am Stück 90 Prozent als 2 Jahre 100, um dann wegzubrechen.“ Denn: „Also klingt blöd, aber das Thema Schulden ist halt auch sehr verbreitet.“
Auch die Passagen über das Verhältnis zum Verein sind interessant. Man gewinnt doch den Eindruck einer abgeklärten Distanz. Das Verhalten der Spieler gegenüber der Kurve ist auch in deren Verträgen festgeschrieben, wie erzählt wird: „Also die müssen nach dem Spiel bis zu einem bestimmten Punkt vor den Block kommen, dürfen aber nicht darüber hinaus näher herankommen“ und dass „wenn Pyro gezündet wurde, die Spieler nach Abpfiff dann nicht zur Kurve kommen dürfen.“
Weitere Thema sind Freundschaften, Alt und Jung, Stil, die Gruppe, Politik, Pyro, Europacupabenteuer, Rivalen, das Stadion, Fanzines etc.

Über den Weg von Wydad Casablanca in das afrikanische Champions-League-Finale und den großen Fußballskandal dort gibt es Reportagen von den Spielen. Wieder einmal denkt man bei den Bildern und Texten, dass es schon interessant wäre, dort einmal hinzufahren. Aber es ist eben doch sehr fraglich, ob sich das realistisch betrachtet bei mir jemals ausgehen wird.

Wunderbar ist erneut der Italien-Teil des Hefts mit lesenswerten Spielberichten, deren Informationen aufgesogen werden. Bereits im vorigen Heft gab es einen Blick nach Griechenland. Als Fortsetzung gibt es hier ein Interview zu AEK (Original 21) und allgemein der Fanszenenlandschaft dort. Zur Feier der 300. Ausgabe des 30 bis 40 Seiten starken Spieltagshefts Bratwurstdealer der Horda Azzuro von Carl Zeiss Jena gibt es ebenfalls ein Interview, das einige Einblicke gewährt.

Donnerstag, 27. Juni 2019

Erlebnis Fußball, 78





Rezension

Erlebnis Fußball
Ausgabe 78
Mai 2019
132 S.









In unfassbarer Geschwindigkeit erschien wenige Wochen nach der vorherigen Ausgabe bereits das aktuelle Heft. Zu einer „Entdeckungsreise“ in die Fankultur Indonesiens nimmt die geneigten Leserinnen und Leser Marten Becker in einem sechzigseitigen Schwerpunkt des Hefts mit. Er bringt die Faszination und Eigenheiten gelungen auf den Punkt, gerade weil er auch kritische Themen anspricht wie die Lust am Ermorden mutmaßlicher gegnerischer Fans und kritiklose Kopie einer über Social Media und diverse Foto- und Videozusammenklau-Websiten vermittelten und so auch teils verzerrten Vorstellung von europäischer Ultrakultur. Auch wenn ich selbst keine Fernreisen unternehme, waren die hier versammelten Informationen und Eindrücke aus erster Hand spannend.

Der Italien-Teil wurde wieder einmal mit hoher Aufmerksamkeit studiert, da es ein Interview mit den Ultras aus dem vor kurzem besuchten Ravenna beinhaltete und auch Spielberichte zu den von mir ebenfalls besuchten Spielen Potenza-Matera, Savoia-Andria und Cavese-Casertana. Schön, so die eigenen Erinnerungen an die Besuche dort aufzufrischen und sie mit den Schilderungen und ergänzenden Informationen hier im Heft zu vergleichen.

Weiters gibt es im Heft Interessantes zur Situation bei Hannover 96, dem Hardturm-Stadionneubauplan in Zürich und der Haltung beider Fanszenen dazu sowie einen Blick nach Griechenland mit Spielberichten und einem Interview zur Situation bei Panathinaikos.

Donnerstag, 11. April 2019

Erlebnis Fußball, 77





Rezension


Erlebnis Fußball
Ausgabe 77
April 2019
132 S.







Auf fast 60 Seiten erzählt die Virage Est des 1. FC Saarbrücken im Interview über sich, ihre Vereinspolitik, die Entwicklung der Gruppen und Szene und die leidige Stadionfrage, weswegen man jahrelang im Exil spielt, sowie Höhe- und Tiefpunkte, die Freunde aus Nancy und Salzburg etc. Eine bemerkenswerte Öffnung. „Im Endeffekt sind wir in den ersten drei Kurvenjahren (seit 2005, Anm.) dreimal abgestiegen und haben gefühlt die Hälfte unserer Kurvenhistorie im Boykott verbracht. Wir sind und waren immer eine recht junge Kurve, die vom Rest des Stadions auch räumlich ziemlich isoliert war.“ Da es im Exilstadion in Völklingen auch nur einen Eingang für alle Heimfans gibt, wenden sie sich mit ihrem Spieltagsfanzine dort aber jetzt in vervielfachter Auflage an alle Stadiongängerinnen, was von diesen auch gut angenommen werde. Eine interessante Passage des Gesprächs sind generell die Aussagen zum Verhältnis zu Internet und Social Media (komplette Ablehnung) und dem hohen Stellenwert des gedruckten Worts. „Stattdessen öffnen wir uns aber diesem Medium (EF, Anm.) und geben hier Informationen preis, die man anderweitig nicht finden kann. Nicht mal in unserem Spieltagsheft, etwa solche Sachen wie die Gruppenstrukturen. Das kannst du vielleicht mündlich erfragen, wenn du FC'ler bist, aber sicher nirgendwo lesen oder gar googlen.“

Weitere Themen im Heft sind u.a. das Jubiläum des FC Basel, die Dreiteilung bei Partizan in Belgrad und ein aufschlussreicher Schwerpunkt zum calcio popolare, dem Versuch des Neubaufbaus des Fußballs von unten, in Italien, wobei mit den Ultragruppen von Ideale Bari, Quartograd und CS Lebowski Interviews geführt wurden. Groundhoppingspielberichte gibt es natürlich auch wieder.

Zu Fußball und Fankultur im Kriegsgebiet und Unterdrückung der Kurdinnen und Kurden in der Türkei gab es das aufschlussreiche Reiseberichts-Fanzine Direniş – Fußball im Ausnahmezustand. Dazu gibt es auch eine Solidaritäts-Tour und darüber sprechen hier im Heft Protagonisten zum Thema.

Freitag, 4. Januar 2019

Erlebnis Fußball, 76





Rezension


Erlebnis Fußball
Ausgabe 76
Dezember 2018
132 S.







Unter dem Titel „Du bist der Schrecken aller Klassen“ ist der dritte Band der umfangreichen Buchreihe Chemie Leipzig und seine Fans“ von Jens Fuge erschienen, der sich den letzten drei Jahrzehnten widmet. U.a. erzählen darin auf 170 Seiten die Diablos ihre Gruppengeschichte. Im Heft ist ein Auszug aus dem Interview mit ihnen zu lesen, in dem es um anfängliche Naivität, Auseinandersetzungen und gewonnenes Selbstbewusstsein im Verhältnis zum Stadtrivalen geht. Davon später einmal mehr, wenn Zeit und Muße für dieses Buch gefunden sein wird.

Ein Update zu Repressionen und Auswärtsfanverboten in Frankreich wird geboten, u.a. am Beispiel Saint-Étienne und dem Spiel von Racing Club de Strasbourg und Girondins de Bordeaux im Februar 2018: „Auch komplette staatlich verordnete Gästeverbote stehen in Frankreich an der Tagesordnung. Als Bordeaux etwa im Winter zum Gastspiel nach Straßburg eisen sollte, schloss die LFP wegen eines Pyrotechnikeinsatzes bei einem vorherigen Auswärtsspiel den Gästeblock der Bordelais. Die Präfektur und die Polizei hatten Angst vor auswärtigen Fans, die inkognito anreisen könnten, und sprachen ein Verbot für die Fans von Bordeaux aus, nach Straßburg zu reisen. Dieses Vorgehen ist exemplarisch für die Verbotspraxis. Häufig entstehen durch die Strafen Sicherheitsprobleme für die Polizei, welche sich wiederum nur mit weiteren Verboten zu helfen weiß. Als trotz allem eine größere Gruppe der Ultramarines in Straßburg aufschlug, wurde die Hälfte davon bereits in der Innenstadt verhaftet. Der andere Teil schaffte es mit Hilfe der heimischen Ultra Boys ins Stadion, wurde dort aber recht unsanft durch die Polizei entfernt und landete ebenfalls für viele Stunden in Gewahrsam. Jeden Verhafteten erwartet nun ein Gerichtsprozess, der von Geldstrafen über Bewährung bis hin zu Haftstrafen alles mit sich bringen kann.“

Im Italien-Teil ist diesmal ein 29-seitiger Schwerpunkt über die Irriducibili von Lazio zu lesen. Dazu gibt es im Heft wieder diverse Spielberichte aus dem bel paese.

Et cetera.

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Erlebnis Fußball, 75





Rezension


Erlebnis Fußball
Ausgabe 75
Oktober 2018
132 S.







Interviews, in denen man doch einiges erfährt, bietet die neue EF-Ausgabe mit den Münchner Löwen über die 1860-Heimkehr ins Grünwalder Stadion („Einige Szenemitglieder, vor allem älteren Semesters, boykottierten die Arena komplett und fuhren ausschließlich auswärts und besuchten die Heimspiele der Amateure im Grünwalder Stadion. Daraus folgt, dass seit dieser Saison Leute, die während über zehn Jahren nie bei einem ‚Heimspiel‘ in der Arena waren, nun wieder eine Dauerkarte besitzen und voll involviert sind.“), mit den Castaways Ultras des HSV über ihre noch junge Gruppe („haben sicherlich keinen studentischen Ansatz“), mit der Curva Sud von Avellino über ihre Geschichte und Freundschaften außerhalb Italiens („Es ist sehr viel einfacher, mit einer Szene befreundet zu sein, die nicht aus Italien kommt.“ − denn bei Fremden könne man offen sein, bei Landsleuten habe man „bereits vorgefertigte Meinungen bezüglich ihrer Freundschaften und Kontakte, ihrer Mentalität usw.“) sowie den Vienna Wanderers über ihre zehn Jahre im Vienna-Fanblock und ihr Selbstverständnis („Wir haben im Laufe der Zeit sicherlich viele Elemente der Ultrakultur adaptiert [...] Dennoch ist der Supportstil unserer Gruppe und der gesamten Kurve auch weiterhin britisch angehaucht und soll es auch bleiben.“).

Weiters u.a. im Heft: Sandro Solinas erzählt in einem Interview von seinem herrlichen Buch Stadi d’Italia, eine schöne Rundumschau zu ereignisreichen Cupfinalspielen und der auch abseits des Avellino-Interviews wieder einige Spielberichte bietende Italien-Teil.

Mittwoch, 30. Mai 2018

Erlebnis Fußball, 74





Rezension


Erlebnis Fußball
Ausgabe 74
Mai 2018
132 S.






„Wie viele Hopper werden im Schnitt pro Heimspiel zur Kasse gebeten?“ „Alle.“ Interessante Einblicke geben die Red Kaos von Zwickau im Interview nicht nur zu ihrer rigorosen Politik gegen Fußballreisende in ihrem Stadion („Die Kunden sollen merken, dass das in Zwickau einfach nicht geht und hier unerwünscht ist.“) sondern vor allem zur Entwicklung der Gruppe und des Supports in Westsachsenstadion, Sojus und jetzt dem neuen Stadion Zwickau in sich wandelnden Zeiten. Da erzählen sie durchaus auch von einigen Schmankerln aus der Vergangenheit wie etwa einem ins Stadion gebrachten Schwein, dass dann aber während des Spiels nicht wie geplant aufs Feld gelassen werden konnte und unverrichteter Dinge wieder hinausgeschafft und einige Zeit in einer Badewanne gehalten wurde.

Ein Überblicksartikel informiert über in den letzten Jahren gegründeten Fanhilfen in Deutschland und einige von ihnen stellen ihre Arbeit in Interviews vor. Auch die Rechtshilfe Rapid wird in der Auflistung genannt.

Die in der vorigen Ausgabe begonnene Italien-Rubrik bietet wiederum sehr viel Stoff an Informationen mit Interviews, Berichten und Fotos. 60 Seiten Italien! Es gibt hier u.a. ein ausführliches Interview mit einem der Führungsleute der Via Armenia 5r von Genoa, Texte deutscher Ultragruppen über ihre Freundschaften mit italienischen Gruppen und eine hilfreiche Übersichtsliste dazu sowie wieder sehr viele und spannende Spielberichte mit Texten teils von Reisenden und teils von Gruppen. Trotz des Kapiteltitels „Unterwegs“ haben die Berichte aber keinesfalls mit dem Unterwegs von Josef Gruber zu tun. Abschließend gibt es noch eine News-Rubrik. Insgesamt ist dieser Italien-Schwerpunktteil leiwand und wenn das in dieser Regelmäßigkeit beibehalten wird jedenfalls eine sehr gute Sache.

Weiters gibt es im Heft u.a. einen Derbybericht von Carl Zeiss Jena gegen Rot-Weiß Erfurt von beiden Seiten und, ungewöhnlich, ein Interview mit den FreundInnen der Friedhofstribüne über Fankultur und Fanszenenentwicklung beim Wiener Sport-Club.

Freitag, 16. März 2018

Erlebnis Fußball, 73





Rezension


Erlebnis Fußball
Ausgabe 73
Februar 2018
132 S.






Unter dem Titel Ultras − la storia non ti aspetta richtet Erlebnis Fußball mit dieser Nummer eine feste Italien-Rubrik ein. Interviews, Reportagen und Spielberichte aus der Welt des italienischen Tifo gibt es hier nun. 50 Seiten dazu sind mindestens 50 Gründe, dieses Heft außerordentlich zu loben. Die Boys Parma sprechen im Interview über ihre 40-jährige Geschichte, dazu gibt es schöne Spielberichte u.a. von Vultur Rionero gegen AS Melfi, dem Derby in Genua, Potenza-Cavese, Como-Varese und sehr viele mehr.

Weiters sind im Heft Rückblicke deutscher Kurven auf ihre Europacuperlebnisse im Herbst 2017 zu lesen, informative Spielberichte aus Schweden oder Frankreich, ein Rückblick auf die mehrteiligen 30-Jahr-Feiern der Ultramarines Bordeaux und ein Blick nach Marokko. Der im Ballesterer 128 veröffentlichte Artikel zur Lage bei Ferencváros wird hier für die interessierte Öffentlichkeit nachgedruckt.

Samstag, 11. November 2017

Erlebnis Fußball, 72



Rezension


Erlebnis Fußball
Ausgabe 72
Oktober 2017
132 S.






Mit dem Abhörskandal bei Chemie Leipzig beschäftigt sich ein längerer Beitrag im Heft. Hier wurden von 2013 bis 2016 14 Leute aus der Fanszene von der Polizei intensiv abgehört, ihr Internetsurfverhalten und ihre SMS, Mails etc. mitgelesen. Elf von ihnen wurden auch von Beamten observiert. Neben den Beschuldigten waren 240 (!) weitere Personen von den Überwachungsmaßnahmen betroffen, da sie mit ihnen Kontakt hatten. Grundlage war, dass in 16 Fällen „Personen als Nazis beschimpft, verunglimpft und verprügelt“ worden sein sollen, was die jahrelange Polizeiermittlung in Gang setzte. Als Hauptverdächtiger galt den Behörden ein hauptamtlicher Fanprojektmitarbeiter, dem aber keinerlei konkrete Straftaten vorgeworfen werden konnten − „Vielmehr wurde ihm zur Last gelegt, die notwendige Strukturarbeit im Hintergrund geleistet zu haben: Organisation von Busfahrten zu Auswärtsspielen, die Bereitsstellung von Räumlichkeiten für Fantreffen und − kein Witz! − weil er mit den Chemie-Fans zur Exkursion in den Dresdner Landtag gefahren sei.“ berichtet Stefan Schilde. Nach gigantischem Aufwand wurden die Ermittlungen 2016 ohne Ergebnis eingestellt, erst im Frühjahr 2017 erfuhren die Betroffenen von ihrer Bespitzelung. Es gab einige Medienmeldungen, aber wenig Aufregung.

Über den Beginn der Abschaffung der ungeliebten Tessera del Tifoso in Italien schreibt Kai Tippmann. Manches wird besser, doch vieles bleibt gleich, bilanziert er die Maßnahmen. „Als Sieg würde ich die Abschaffung der Tessera aber nur bezeichnen, wenn sich die italienischen Ultragruppen in ihren Protesten nun gemeinsam auf die tatsächlichen und weiter bestehenden Repressionsmaßnahmen konzentrieren würden, anstatt sich in sterilen Kämpfen von ‚Tesserati‘ gegen ‚Non-Tesserati‘ aufzureiben.“

Ein schöner Heftteil widmet sich auf 46 Seiten 14 Cupfinali in verschiedenen europäischen Ländern, darunter auch jenem von Rapid (Beitrag von den Ultras Rapid). In der Übersichtsgrafik werden alle Vereinswappen gezeigt bis auf jenes des Rapid-Gegners. Das ist sinnvoll und richtig so, denn es handelt sich beim Dosenprojekt um keinen Fußballverein.

„Vergleicht man die Bilder der Tivoli Nord von früher und heute, könnten einem die Tränen kommen.“ leitet EF ein Interview mit dem Verrückten Köpfen von Wacker Innsbruck ein, in dem diese über Vergangenheit und Gegenwart sprechen. Weitere Artikel im Heft behandeln Beispiele von Problemen von Fanszenen mit ihren Vereinen in Deutschland, die Rückkehr von 1860 München in das Grünwalder Stadion, präsentieren Velež Mostar, erzählen von Reisen in Westafrika oder dem Chemnitzer Stadion und dem Fanzine Der kleine Zeitvertreib.

Mittwoch, 26. April 2017

Erlebnis Fußball, 71



Rezension


Erlebnis Fußball
Ausgabe 71
März 2017
130 S.






Im zweiten Teil des Interviews mit den Bad Blue Boys von Dinamo Zagreb sprechen sie u.a. über ihre Politik („Die BBB waren traditionell immer schon eine rechts gerichtete, nationalistische Gruppe, aber wir hassen politische Parteien“), Schwierigkeiten des Stadionbesuchs, Bosnien-Herzegovina, die Rivalen aus Split, die Nationalmannschaft und die nationalistische Gewalt: „Wenn wir mit der Torcida kämpfen, dann kämpfen wir mit unseren Rivalen, aber wenn wir nach Sarajevo kommen und uns mit der Horda Zla messen, dann sind sie in allererster Linie Muslime. [...] Das Beispiel Delije und BBB: Es gab drei kleinere Zusammenstöße in den letzten 4-5 Jahren, nur 10 Leute jeweils auf beiden Seiten, da gibt es keinen Kodex und es werden Stöcke, Messer, Äxte verwendet. Für euch mag das verrückt klingen, aber hier sehen die Leute darin nichts Falsches, denn es geht weniger um Ultras sondern mehr um dieses nationalistische Ding.“

Aktuelle Lageberichte von Ortskundigen informieren über die Fansituation in Marokko (samt Auswärtsfahrt-Erlebnisbericht) und der Türkei. Weiters gibt es Matchberichte von dem einen und anderen auf den Rängen besonderen Spiel, „anonyme Zeilen aus Nürnberg“, die gegen die „Selbstzerstörung“ von Ultras durch die Nutzung sozialer Medien polemisieren, einen Text zu ihrem 30-Jahr-Jubiläum von den Fortuna Eagles von Fortuna Köln und einen längeren Schwerpunkten zu Sektionen von anderswo Lebenden in Ultragruppen. Samt Interview mit dem Nürnberger Fiasko.