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Dienstag, 12. Mai 2026

Athleticker 11



Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Ausgabe 11 – Frühjahr 2026
172 S.









„Während des Heimboykotts sahen viele nur das Schlechte, jetzt wird plötzlich alles perfekt geredet.“ Der LASK wandelte sich im Lauf der Saison 2025/26 vom Abstiegskandidat zum Titelgewinner. Kurvenboykott und Konflikt mit der Vereinsführung, die der Fanszene ein breit getragenes Grundsatzpapier (dokumentiert im letzten Heft) zurückwarf und ihr „mafiöse Strukturen“ unterstellte, stehen als Themen am Anfang des Halbjahresrückblicks auf den LASK im Herbst 2025. Ohne besuchte Heimspiele gibt hier zunächst nur die Auswärtsspiele, beginnend mit dem Cupspiel gegen den Wiener Sport-Club auf der Hohen Warte. Mit der Klärung der Vereinsfarben-Frage, womit der LASK nun wieder in eigenen schwarz-weißen Farben oder roter Farbe der Stadt Linz antritt und nicht mehr in Sponsorfarben, wurde der Heimsupport nach einer Länderspielpause wieder aufgenommen.

Cupsieger sind sie heuer bereits. Meister werden sie vielleicht auch noch. Da das nicht der Normalfall ist, und es über die Jahre und Jahrzehnte Hinauf und Hinunter ging, widmet sich eine neue Rubrik dem Thema „Warum gehst du eigentlich noch zum LASK?“. In der ersten Folge beschreibt jemand (wie alle Texte anonym) hier dazu seine Motivlage. Weitere Themen im Heft sind karitative Spendensammlung, Feste und Feiern, eine Fanklubvorstellung von Semper Fidelis oder ein Interview mit Erika, die den LASK als Fan seit den 1960er Jahren begleitet. Zu Kosten und Arbeitsaufwand ausgewählter Choreographien gibt es wieder Zahlen und Daten im Heft. Neben klassischen Fotos ist hier auch erneut eine Analogkamera-Bilderstrecke dabei, die aktuellem Geschehen die Optik der 1990er Jahre verleiht. Etwas aus dem Rahmen des Hefts fällt eine Abhandlung in wissenschaftlicher Sprache, die mit empirischer Datenanalyse ergibt, dass im Gegensatz zum LASK Blau-Weiß Linz kein Traditionsverein wäre und näher an einem „temporären Projektverein“ wie Pasching, das in der Studie als „Referenzpunkt für strukturelle Marginalität“ dient. Ah ja.

Protest und Unzufriedenheit waren in den letzten Jahren große Themen im LASK. Ein Text im Heft beschäftigt sich mit Fanprotesten in Deutschland, Ägypten und Frankreich. Über das Thema „Sudern“ philosophiert ein Kommentar. Reiselust machende Groundhoppingberichte liest man von einer Tour auf Zypern und Fanzine-Rezensionen bietet das Heft auch wiederum.

Einen Einblick in seine Arbeit an einem Vereinsgeschichtsbuch bietet LASK-Chronist Günther Waldhör mit einem Auszug über die Europacupbegegnung mit Dundee United 1984/85. In jüngere Geschichte der Regionalligazeit blickt ein anderer Text „mit einer Mischung aus Nostalgie, Freude und Scham“ auf das „vermutlich asozialste Auswärtsspiel, das die LASK-Fanszene im 21. Jahrhundert – oder jemals – erleben durfte“, dem Meisterschaftsspiel in Vöcklamarkt im Jahr 2012. Diese historische Ausnahmestellung war mir bei meinem Besuch dieses Spiels vor bald eineinhalb Jahrzehnten nicht bewusst. Höflich zurückhaltend schrieb ich in meinem obengenannten Bericht davon nur, dass die LASK-Fanszene „am schlechten Ruf gearbeitet“ habe.


A5 / gegen Spende / erhältlich bei den Landstrasslern

Mittwoch, 5. November 2025

Athleticker 10



Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Ausgabe 10 – Herbst 2025
204 S.









„Eine Never Ending Story von Kritik, Protesten und Boykotten“ nennt der Artikel über den LASK und seine Fans deren Verhältnis in den letzten Jahrzehnten. Das Fanzine der Landstrassler kommt in seiner zehnten regulären Ausgabe (zwei Sonderausgaben erschienen dazwischen auch) nicht ohne die Beschreibung von Problemen aus. Vereinspolitisch analysiert man, dass „durch das Nichtvorhandensein eines Mitgliedersystems beim LASK das Problem“ entstand, „dass viele Fans, die sich nicht der aktiven Fanszene zurechnen oder mit ihr sympathisieren, keinen Anreiz haben, sich kritisch mit Vereinspolitik auseinanderzusetzen, da sie keinen direkten Einfluss darauf haben und sich damit auch abgefunden haben.“

Zum 30-jährigen Jubiläum der Viking Linz enthält das Heft nicht ein erneutes Interview wie zu ihrem Vierteljahrhundert in der Spezialausgabe von Februar 2021 sondern ein in andere Textform gegossenes Gespräch mit u.a. Informationen zum Trommeln-„Taktgefühl“ und einer Einteilung von Fans mit einer „Zitronen-Theorie“, deren Lektüre einen etwas unschlüssig zurücklässt.

In einem summarischen Rückblick geht es um die LASK-Spiele im Frühjahr, wobei die Saison 2024/25 als „eine Saison zum vergessen“ bewertet wird. Witzig ist das Foto eines am Auswärtssektor vorgefundenen zurückgelassenen Gürtels als Überbleibsel der Hartberger Ereignisse im Rapid-Gastspiel zuvor. Ästhetische Bilder in 1990er-Jahre-Optik gibt es wieder in der „analog unterwegs“-Foto-Serie sowie Erinnerungen aus der Vergangenheit an ein Spiel bei Vorwärts Steyr 2013 oder an die Reise nach Lillestrøm 2018. Diese erste europäische Auswärtsfahrt in zwei Jahrzehnten wird aus verschiedener Perspektive und Reisevariante teils sehr amüsant geschildert. Durchaus bemerkenswert sind im Heft die offenen Worte eines Ex-Nachwuchstrainers in einem kritischen Interview über Zustände im Verein.

Ein wichtiges Thema behandelt der Artikel „Warum sollten wir mehr lesen?“, wobei nicht nur der größere Informationsgewinn durch Lesen von Fanzines gegenüber Online-Scrollen unterstrichen wird, sondern auch die mentalen Vorteile von Lesen generell. Ein weiterer Grundsatzartikel enthält einige zutreffende Feststellungen unter dem programmatischen Titel „Ultrà – mehr als nur Social Media und weiße Schuhe“.


A5 / gegen Spende / erhältlich bei den Landstrasslern

Mittwoch, 19. März 2025

Athleticker 9



Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Ausgabe 9 – Frühjahr 2025
172 S.









„Euphorie, Frust, Irrsinn, Wut, Manie.“ So beschreibt das Vorwort des Fanzine der Landstrassler des LASK den Herbst 2024. Highlights wären gewesen die Auswärtsfahrten nach Ljubljana (mit langem Fußmarsch aus dem Zentrum zum Stadion), Banja Luka (mit einem als Protagonisten eines Horrorfilms erkannten Grenzpolizisten), Florenz (das erste LASK-Spiel in Italien seit 1985) und Bukarest (mit selbstlosem Test eines Polizisten, ob das mitgeführte Pulver tatsächlich weißer Schnupftabak oder nicht etwas anderes ist) oder auch „neue Dimensionen bei Choreos“. Nicht nur, aber vor allem betrifft dies das Jubiläum der Linz City Group. Mit diesen gibt es im Heft ein ausführliches Interview, das wie schon in den vorherigen Ausgaben den inhaltlich spannendsten Teil des Hefts darstellt. Hier erfährt man viel. „Wir haben LCG immer als ,Hooltra‘ definiert. 100% auf der Straße und 100% auf der Tribüne. Beides. Englisch & Italienisch.“

Weiters gibt es im Heft Zahlen zu Arbeitsaufwand und Kosten von Choreographien, einen Artikel zum lange die Fanszene des LASK prägenden großen Stellenwert des Alkoholismus in den 1990er/2000er Jahren, was auch wieder in einer weiteren Folge der Serie an kuriosen Geschichten aus Auswärtsfahrten vergangener Jahre (Voithplatz 2012) illustriert wird, oder einen Bericht samt Interview aus Japan. Im Rückblick auf eine vergangene Europacupreise wird erzählt, warum Alkmaar 2020 osteuropäisch vorkam. Im Stadtviertelbericht geht es diesmal über die Stadtgrenzen von Linz hinaus nach Traun. Der Satz „Ohne Zweifel ist Traun nicht die schönste Stadt Oberösterreichs.“ ist nicht bestreitbar. Auch das Trauner Stadion kommt darin als zeitweise LASK-Heimspielstätte 2004 und 2011 vor. Neben anderen Texten gibt es auch Rezensionen, wobei man den Berichtsstil der Ultras Rapid im BFU-Jahresrückblick nicht goutiert. Ein optisch spannender Teil ist „Analog unterwegs“, der Fotos von Auswärtsspielen im Herbst 2024 in der Optik der Analogfotografie der 1990er Jahre bringt.


A5 / gegen Spende / erhältlich bei den Landstrasslern

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Athleticker 8



Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Ausgabe 8 – Herbst 2024
212 S.









Jubiläumsausgabe des Fanzines zu zehn Jahren Landstrassler des LASK. In einem langen Interview mit Protagonisten besprechen diese die Entwicklung und den unbestritten große Sprung, den die LASK-Fanszene in diesen Jahren gemacht hat. Chaos und Unorganisiertheit in den Jahren davor werden hier recht deutlich angesprochen, wie sie das drehten – „Wir sind schon ein ordentliches Regiment gefahren“ – und diese Phase im Rückblick auch als vielleicht zu streng und strikt bewerten. Spannend ist von außen betrachtet vor allem die Ausführungen zu Zusammenwirken und Unterschied zwischen Gruppen und dem Dachverband, aber auch das Wiederaufleben der Freundschaft mit YB unter den Landstrasslern und das baldige Ende der Freundschaft mit Schwarz-Weiß Bregenz.

Auf die LASK-Spiele des Frühjahrs 2024 blickt das Heft in einem Artikel summarisch zurück. Großes Thema des Frühjahrs war die Affaire um „Waschtabs, Waschmaschinen und Hausverbote“, wie der entsprechende Artikel darüber hier heißt. Einer der Betroffenen der willkürlichen Hausverbote, welche die Klubführung nach einer kreativen Protestform vergab (und dann schließlich zurücknehmen musste), schildert aus persönlicher Sicht sein Erleben der Geschichte und gibt auch ein wenig Einblick in Diskussionsprozesse zum Umgang mit der Situation.

Einer der jeweiligen Höhepunkte der vergangenen Hefte waren immer die Schilderungen lange zurückliegender Auswärtsfahrt-Abenteuer im Europacup. Auch hier gibt es wieder ein besonders Schmankerl daraus, eine v.a. von hohem Alkokolkonsum geprägte Reise zum UI-Cup-Spiel des LASK in Příbram im Sommer 2000. Da gibt es jede zweite Zeile einen Satz, der einen gut schmunzeln lässt. Mit dem Höhepunkt der Mehlwurf-Choreo (!). Interessant ist dabei auch der zur Hintergrundinformation abgedruckte seinerzeitige Spielbericht in der Kronen Zeitung, wo vom seinerzeitigen und auch noch heutigen LASK-Berichterstatter dieses Blatts durchgängig von Dukla Prag als LASK-Gegner geschrieben wird. Der Klub spielte damals nach Kauf der Prager Lizenz zunächst als FC Dukla Příbram und 2000 hier bereits ohne den Namen Dukla und mit einem Sponsorennamen als FC Marila Příbram, was der Korrespondent übersah oder ihn nicht interessierte. Als Vereinsfusionen kaschierte Spiellizenzverkäufe mit Standortwechsel waren in Tschechien schon früher üblich, aber in Österreich noch sichtlich unbekannt. Diese Mode des modernen Fußballs kam erst Ende der 2000er auch in Österreich an (Pasching nach Klagenfurt 2007 und Schwanenstadt nach Wiener Neustadt 2008).
Eine andere alte Geschichte auch chaotischer LASK-Zeit erzählt von einer auch abenteuerlichen Auswärtsfahrt nach Altach 2008, u.a. mit LASK-Stadionverbotlern in der Altacher Heimkurve, die dort Teile der Choreo abrissen.

Den Fangesang „Wir sind die Jungs vom ASK!“ nimmt das Heft in einem „Wir sind die Mädls vom ASK!“ betitelten Interview mit in der Kurve aktiven Frauen auf. Hier werden doch einige andere Perspektiven vermittelt. Eine interessante Sache ist wie in der letzten Ausgabe ein Einblick in Arbeitsprozesse, sei es zur optischen Gestaltung der Wand beim Gästesektor oder von Choreographien, mitsamt Arbeitsstunden und Kostenaufwand. Einblicke gibt es auch in den Fanartikel-Verkauf. Nicht wenig Schmunzeln darf man bei einer Satire zum Thema Cola-Weiß samt fiktivem Gespräch mit einem Winzer, der zum Thema forsche und auf seinem Weingut Cola-Weiß-Verkostungen anbieten würde. Grandiose Vorstellung, auch wenn ich selbst auch jetzt eher nicht zu diesem Getränk greifen würden.


A5 / gegen Spende / erhältlich bei den Landstrasslern

Freitag, 1. März 2024

Athleticker 7



Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Ausgabe 7 – Frühjahr 2024
140 S.









Eine neue Ausgabe des Fanzines der Landstrassler des LASK. Vor der Spezialausgabe von April 2022 war das letzte reguläre Heft im Juli 2021 erschienen. Während dieses wie die Vorgänger noch nicht nummeriert war, trägt die jetzige Ausgabe die Seriennummer 7.
Jedenfalls ist das Heft das erste, das in die Zeit des neuen Stadions auf der Gugl fällt. So blickt man in einem Text auch auf die „Zeit im Exil“ in Pasching 2016 bis 2023 zurück. „Auch wenn sich im Lauf der Zeit zweifelsfrei gewisse Routinen und Automatismen einspielen sollten – wirklich warm wurde man hier nie.“ Die Unzufriedenheit mit der Stadionsituation außerhalb Linzs kontrastierte mit dem sportlichen Erfolg, der sich in jenen Jahren einstellte. „In gewisser Hinsicht scheint es auch geradezu bezeichnend, dass die denkwürdigsten aller Spiele innerhalb dieses siebenjährigen Zeitraums nicht in Pasching stattfanden.“ Europacupspiele wie u.a. gegen Lillestrøm 2018, gegen Club Brugge und Rosenborg 2019 sowie gegen AZ 2020, aber auch das ÖFB-Cup-Viertelfinalspiel gegen Sturm Graz 2020. Nunmehr seit einem Jahr, seit Februar 2023, ist der LASK zurück auf dem Linzer Froschberg, „zurück auf dem Olymp“.

Nicht nur die Heftnummerierung ist neu sondern auch ein Rückblick auf die vergangenen LASK-Spiele, hier in der Saison 2022/23 und im Herbst 2023. In einem zusammenfassenden Text werden zu Tifo- und Graffiti-Fotos Ereignisse sowie Höhe- als auch Tiefpunkte referiert. Man liest von Hochgefühlen zum Derbysieg über Blau-Weiß Linz, neuen Erfahrungen im Europacup bei Zrinjski Mostar mit einem „Gästeblock, der für viele LASKla, die bisher nur die westliche Fußballwelt kannten, einen Kulturschock parat hielt“ oder der Betrachtung der Jubiläumschoreographie der Green Lions in Hütteldorf: „Die mehrteilige Choreo war beeindruckend und zog sich schon vor dem Spiel über fast eine halbe Stunde“. Wenig glücklich war man mit der LASK-Niederlage im Derby bei Blau-Weiß und Vorkommnissen rundum.

Das Heft bietet noch eine kurze Vorstellung des 2014 gebildeten Zusammenschlusses Landstrassler, einen Rückblick auf die karitativen Aktivitäten der LASK-Fanszene seit 2013 und einen Blick samt Kostenaufstellung auf die Choreographie beim Auswärtsderby (Titelblatt), ein Interview zum fünfjährigen Jubiläum der Südachse und eine Beschreibung des Ist-Zustands der Initiative Schwarz-Weiß. Praktisch jeder Satz stimmt in einem Meinungskommentar zum Thema Ultras und Internet.

Aus der Geschichtsecke gibt es einen Rückblick auf die „Schande von Linz 2.0“ genannten Platzsturm-Ereignisse gegen die Red Bull II namens FC Liefering 2013 mit amüsanten Aspekten. Noch mehr Amusement bringt eine Geschichte über das erste LASK-Auswärtsspiel im damals neueröffneten Neubau des Liebenauer Stadion 1997. Die Aufforderung an der Kassa „Ihr müssts wieder hamfoahn“ an die angereisten LASK-Fans, da Sturm Graz den Sektor an Sturm-Fans verkauft hatte, kam nicht so gut an und sie wurden dann unter Geschosshagel der umgebenden Sturm-Fans während des Spiels in die Rettungseinfahrt gestellt. Interessant ist ein Auszug aus der entstehenden LASK-Chronik von Günther Waldhör über Europacupspiele gegen Östers IF aus dem schwedischen Växjö 1984, wo nur 518 Leute das LASK-Gastspiel im Stadion sehen wollten.


A5 / gegen Spende / erhältlich bei den Landstrasslern

Dienstag, 10. Mai 2022

Athleticker Spezial April 2022





Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Spezial April 2022
104 S.









Eine weitere großformatige A4-Spezialausgabe des Athleticker der LASK-Landstrassler beschäftigt sich nach dem reguärem Heft aus dem Juli 2021 wieder mit einem großen Thema. Waren es im Sonderheft 2021 Erinnerungen zum Abriss des Gugl-Stadion sind es diesmal die Farben Schwarz und Weiß. Es gibt Essays über ihre Bedeutung für den LASK, Grundsätzliches zu den beiden Farben und ein Interview mit einem mit Schwarz-Weiß-Kontrasten arbeitenden Künstler. Man liest von der Geschichte des LASK, illustriert mit Mannschaftsfotos und Grafiken von schwarz-weißen Dressen in verschiedenen Epochen. Aus der LASK-Geschichte gibt es auch Interviews mit zwei Vereinslegenden, einem jahrzehntelangen Masseur und einem langjährigen Spieler.

Interessant sind wieder die in sehr guter Qualität abgedruckten historischen Zeitungsartikel. Dabei darf man auch wieder von Rapid lesen, wenngleich sich der „Athletikschreibklub“ wenig überraschend dazu eine Rapid-Niederlage (4:0 am 22.10.1966 vor 25.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in Linz) hergenommen hat. Das Eintauchen in historische Texte ist immer spannend.

Spannend ist auch das Interviw mit Hans von den Black Lyons, einem in den 1980er Jahren aktiven Fanclub. Er erzählt recht viel Anschauliches über das Fanleben jener Zeit und berichtet u.a. davon, wie er als einer von nur fünf LASKlern 1980 auswärts zum Europacupspiel gegen Radnički Niš nach Jugoslawien fuhr. Man muss es zweimal lesen und durchdenken: „Einer von denen war Abstinenzler und hat die Strecke durchgezogen, wir anderen haben uns halt angesoffen.“ 20 Stunden Hinfahrt, eine Stunde vor dem Match in Niš angekommen, danach gleich wieder 20 Stunden zurück. Wild.

Weitere Texte zum Schwarz-Weiß-Thema drehen sich u.a. darum, wie eine Symbiose von Marketing und Tradition eines Fußballvereins gelingen kann. Dem LASK attestiert man dabei etwa bei Fanartikeln „gute Ansätze – schlechte Umsetzung“ und nimmt sich Sturm Graz als Beispiel her, wo es eine Kampagne gegen einen Sponsor im Vereinsnamen gab. Mit der Initiative Schwarz-Weiss, unter derem Dach Aktivitäten gegen die Verwendung einer Sponsorenfarbe durch den LASK stattfinden, gibt es ein Interview zu ihrer Tätigkeit.

Zum Abschluss fordert ein Kommentar die Umwandlung des LASK in einen Fußballverein, in dem eine breite Basis von Vereinsmitgliedern die Richtung bestimmt: „Auch wenn momentan eine Utopie, kann das finale Ziel der Fans nur ein Mitgliederverein sein. Die absolute Konzentration von Macht auf einzelne Personen und fehlende Kontrollorgane hätten dem Verein in der Vergangenheit mehrmals fast seine Existenz gekostet.“ Ein anderer Kommentar tritt u.a. angesichts des LASK-Frauenteams dafür ein, Sexismus im Stadion entgegenzutreten.

Satirische Beiträge gibt es im Heft in Text und Bild. Eine Anstandsverletzungs-Anekdote aus dem Jahr 2004, bei der die Polizei das Geschehen in der Anzeige ein klein wenig umformulierte, lässt schmunzeln.

A4 / 5,50€ / erhältlich bei den Landstrasslern

Freitag, 10. September 2021

Athleticker, Juli 2021





Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Juli 2021
68 S.









Nach dem letzten Sonderheft in A4 erschien im Juli wieder eine reguläre Ausgabe im A5-Format. „Demut ist das Wort der Stunde. Was auch immer uns bevorstehen mag; der chaotische Weg der hinter uns liegt, ist kein unbedingt neuer für das LASK.“ Mit so einer bemerkenswerten Aufforderung an die LASK-Fangemeinde lässt das Heft gleich zu Beginn aufhorchen. Man verweist auf die noch nicht lange zurückliegenden Zweitligazeiten. Auch im Text über ein Gespräch mit dem Trainer Thalhammer über die sportliche Situation heißt es einleitend über den Anhang: „Fakt ist jedoch, dass wohl einige Leute ein zu schwach ausgeprägtes Bewusstsein für die aktuelle Situation besitzen und wenig Demut ihr gegenüber zeigen.“

Über „leiwande Jugend“ sinnieren zum zehnjährigen Jubiläum die Linzer Jungs, erzählen von Episoden und Anekdoten der ersten Jahre seit 2011 und haben dabei im Rückblick auch manch kritisches Wort über jene Zeit: „Es war wohl das, was rauskommt, wenn man zusammenschmeißt, was man für den damals gängigen Mainstream in den deutschsprachigen Kurven hielt und die Scheiße kräftig verrührt.“ Der Zehnjahrestext endet bereits mit der Saison 2013/14, was an der Kurvenentwicklung liegt: „Betreffend der jüngeren Vergangenheit wäre es anmaßend, die Erlebnisse und Ereignisse als die allein unseren zu verlaufen. Wie alle Gruppen haben wir zuletzt viel Zeit in die Strukturbildung rund um den gemeinsamen Namen Landstrassler investiert.“

Neben u.a. Texten zu Philosophie und Grammatik oder dem neuen Frauen-Team sind im Heft Betrachtungen über den „vergessenen Titel“ der österreichischen Amateurstaatsmeisterschaft 1931 interessant. Deren Gewinn jährt sich 2021 zum 90. Mal und stellt den nach dem Double 1964/65 für den LASK immer noch den drittwichtigsten Titel der Vereinsgeschichte dar. Ein Highlight sind im Heft stets die Erinnerungen an Europacup-Auswärtsfahrten vergangener Zeiten, so wie diesmal über die Fahrt der zwanzig LASKler zum UI-Cup-Spiel in Metz 1995 mit dem bezeichnenden und schon literarische Qualität habenden Titel „Viel Regen und noch mehr Alkohol.“

Donnerstag, 18. Februar 2021

Athleticker Spezial Februar 2021




Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Spezial Februar 2021
140 S.









„Eine würdige Verabschiedung bleibt der alten Gugl wohl verwehrt. Wir hoffen aber, mit diesem Heft unserem hassgeliebten Oval zumindest schriftlich ein kleines Denkmal gesetzt zu haben.“ Mit einem doppelten so großen (A4 statt A5) und dreimal so dicken Heft wie zuvor melden sich die Landstrassler mit einem Fanzine, das dem Stadion-Abschied gewidmet ist.

Die Stadiongeschichte wird ausführlich und mit zahlreichen historischen Fotos – aus dem Archiv der Stadt Linz – beschrieben. So erfährt man von der Geschichte des ehemaligen Ziegelei-Fabriksgeländes und wie es zur Namensgebung des Froschbergs kam: „Neben den einhundert Angestellten tummelten sich Erzählungen zufoge mindestens ebenso viele Frösche auf dem Anwesen. In den Ziegelteichen fanden sie hier den perfekten Lebensraum vor. Weithin hörbare Gesangsdarbietungen verliehen dem Froschberg zu jener Zeit seinen Namen.“ Später sollten hier einmal Fangesänge zu hören sein. In den Nachkriegsjahren wurde das Stadion der Stadt Linz errichtet und 1952 eröffnet.
„Millionengräber und Ostblockcharme – Distanz und Heimat“ ist der Artikel zur Baugeschichte des über die Jahrzehnte schrittweise aus- und umgebauten Stadion betitelt und fasst damit auch die beständige Ambivalenz in Worte, die das Linzer Stadion mit sich brachte: „Die Gugl war nie Wohlfühloase, sie war kein architektonisches Meisterwerk und auch kein Stadion, das aus objektiver Sicht erhalten bleiben müsste, sie war aber stets emotionale Heimat, für viele schon Kinderzimmer gewesen, Wohnzimmer geblieben und für manche Arbeitszimmer geworden.“

Ein besonderes Schmankerl sind alte Zeitungsberichte, die hier abgedruckt werden und von einem Spiel des LASK gegen Rapid am 14.5.1960 auf der Gugl berichten: Man kann sich in die Zeitumstände gut hieinfühlen und kommt um das Schmunzeln nicht herum. „Aus 20.000 Kehlen ertönte gegen Spielende in einem Peitschenhiebe-Rhythmus im gewaltigen Sprechchor das ,Schiebung, Schiebung!‘ So ist wohl noch niemals einem Schiedsrichter zu verstehen gegeben worden, wie sehr er abgelehnt wurde.“ Das Spiel ging 1:1 aus. Die LASKler hätten gerne gewonnen und die Artikel triefen vor Unverständnis darüber, dass dem nicht so war.
1959/60 schloss der LASK im Mittelfeld ab, doch 1964/65 wurde er österreichischer Meister, zu seinem ersten und einzigen Mal und zum ersten Mal wurde dies damit ein Verein außerhalb Wiens. Über jene Zeiten und andere Erinnerungen spricht in einem Interview Dolfi Blutsch. Aber im Heft finden sich nicht nur die Erinnerungen des Spielers und Trainers Blutsch sondern auch jene eines 1969 geborenen Anhängers über sein Fanleben als stadionbesuchendes Kind in den 1970er Jahren sowie ein Text über die LASK-Fanszene der 1980er Jahre.

Die LASK-Fangeschichte steht im Zentrum eines 16-seitigen Interviews mit Gerald Gross über ein Vierteljahrhundert Kurvengeschichte mit den 1995 gegründeten Viking Linz. Erzählungen aus den 1990er Jahren sind fast immer legendär, so hier z.B. jene Geschichte, wie Gross bei einem Fanszenen-Treffen im Innenministerium durch ihre Vorführung die Genehmigung von Teleskopstangen bewirkte. Aber auch andere Eindrücke und Erinnerungen über die LASK-Fanzene und die österreichischen Fanlandschaft jener Jahre sind lesenswert. Interessant ist auch das Raisonnieren über Fanklubentwicklung und das Wegbrechen vieler Leuten und Gruppen über die Jahrzehnte sowie über vergangene Freundschaften.
„Nie kamen mit einem Zuschauerschnitt von 1169 weniger Menschen für den LASK auf die Gugl als in der Saison 02/03 in der 2. Division. Negativrekord: Gerade einmal 200 Schwarz-Weiße gegen Untersiebenbrunn.“ Schon im Gross-Interview wurde jene Zeit in den 2000er Jahren angeschnitten, wo teils nur wenige hundert Leute ins Stadion kamen und der LASK im Niemandsland der 2. Liga versumperte. In einem Artikel über die LASK-Fanszene dieses Jahrzehnts erfährt man Details. Fankulturell schuf man sich Wege, mit der Lage umzugehen: „Hoher Alkoholkonsum war generell das gewählte Mittel, um die sportliche Tristesse erträglicher zu machen. So wurden die sogenannten ,Mistkübelpartys‘ eingeführt – Sauf-Exzesse bei den Mülltonnen hinter dem heutigen Auswärtssektor.“ Man lernt nie aus. Nachdem ich im Zuge der Medienberichterstattung über die Corona-Pandemie erfahren habe, dass es in Oberösterreich etwas namens „Garagenparty“ gibt, lerne ich nun mit „Mistkübelparty“ einen weiteren neuen Begriff aus oberösterreichischem Zusammenhang.
Unter dem Titel „Wahnwitz, Chaos, Happy End“ werden im Heft die 2010er Jahre zusammengefasst. 2012 wird der 32 Mio. € verschlingende letzte Umbau der Gugl abgeschlossen. Der Lizenzentzug bringt dem LASK zwei Regionalliga-Jahre. Nach drei Zweitligajahren kommt die Rückkehr in die Bundesliga. Seit 2016 spielt man nicht mehr in Linz sondern in Pasching. Dazwischen fand sich die Fanszene 2014 unter dem Dach Landstrassler neu zusammen und begründete „die vielleicht beste Phase, in der sich die aktive Fanszene des LASK je befand.“ Den Stadionschwerpunkt schließen Texte zu Kuriosa rund um das Gugl-Stadion, zu den Sektoren im Laufe der Stadiongeschichte, dem alten LASK-Platz, Erinnerungen und Zahlen ab.

Weiters gibt es im Heft Texte zum aktuellen Thema der Dressenfarbe (der LASK trat in Heimspielen statt in Schwarz-Weiß in der Sponsorfarbe Rosa an), Bilder aus dem Froschberg-Viertel, einen gesellschaftspolitischen Kommentar und einen Comic. Interessant ist eine ausklappbare kleine Beilage zu den Rechten von Fußballfans gegenüber der Polizei. In der Rubrik „Mein Block“ findet sich eine Stellungnahme zur Priorität von Werten und Identität und dass es keine „Nestbeschmutzung“ sei, wie einem vorgeworfen wurde, wenn man als LASK-Fan das Verhalten der Vereinsführung beim Brechen der gesetzlichen Vorschriften und Bundesliga-Regeln bei der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs im Frühjahr 2020 kritisiert habe. Das Schlusswort beschreibt neue Stadien zwar als Ausdruck der Entwicklung des modernen Fußballs, es liege aber an den Fans, aus dem neuen LASK-Stadion etwas zu machen. „Dazu braucht es weder Trachtenkapelle noch Schiachperchten.“

Sonntag, 26. April 2020

Athleticker, April 2020




Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
April 2020
46 S.









Ein halbes Jahr nach dem letzten Heft erschien die fünfte Ausgabe des Fanzines der Landstrassler des LASK, doch diesmal aufgrund der Umstände des Wegfalls des Fußballs in der Coronaviruskrise nur online. „In Zeiten von Corona-induzierter (in der restlichen Ausgabe wird dieser unsägliche Virus in keinem Wort mehr erwähnt, versprochen) Quarantäne, Selbstisolation und Einsamkeit vertreiben die folgenden Berichte vielleicht zumindest für einige Momente die Langeweile.“ heißt es im Vorwort.

Ein besonderes Schmankerl bietet erneut der Geschichtsrückblick in die Europacup-Vergangenheit von einem Zeitzeugen. Er erzählt von der Auswährtsfahrt zu Baník Ostrava 1985. Zwölf Fans wagten es, die Reise in den Ostblock anzutreten und im Bus der Mannschaft mitzufahren. Der Verein übernahm die Abwicklung der Einreiseformalitäten und Visa. Der Autor betätigte sich auch als Schmuggler, indem er der Oma einer Freundin Lebens- und Genussmittel über die Grenze mitbrachte und dafür im Gegenzug Porzellan für die Rückreise nach Linz erhielt. Von der Stadt Ostrava gewann man einen positiven Eindruck, „hatten wir doch stets das Bild der grauen, tristen sozialistischen Stadt vermittelt bekommen. Stattdessen standen wir auf einem wunderschönen, lebendigen Stadtplatz, der sich in seiner Form bis heute kaum veränderte. Außerdem waren in der ganzen Stadt verteilt Ankündigungsplakate zu sehen, die der Bevölkerung das Spiel gegen ‚LASK Linec‘ anpriesen.“ Die Aufnahme der Gäste im Stadion Bazaly war freundlich, trotz des LASK-Siegs und Weiterkommens im UEFA-Cup: „Nach dem Spiel belagerten viele junge Burschen unseren Bus um Nettigkeiten auszutauschen, allerdings im wörtlichen Sinne: Sie wollten Schals tauschen und sich von den Spielern Autogramme holen. Andere Zeiten, andere Sitten.“

Im Fanzene-internen Interview ist diesmal nach einer Gruppe im letzten Heft der Athletik-Sprühklub zu Gast, also die Sprayer. Gefragt zur Präsenz ihrer Graffiti auch außerhalb der Stadtgrenzen von Linz sagen sie etwa: „Eine einfache Frage, welche sich sehr gut mit der allgemeinen Anhängerstruktur des LASK erklären lässt. Wie die breite Masse an LASK-Fans, sind auch die Leute unserer Gruppe nicht nur in Linz wohnhaft, sondern auf den gesamten Zentralraum verteilt.“ Erschreckend ist die Erzählung, dass vor der Polizei flüchtenden Sprayern einmal tatsächlich „Stehenbleiben, oder ich schieße!“ nachgerufen und Warnschüsse abgefeuert wurden. Schusswaffengebrauch wegen Farbe an der Wand!

In einem interessanten Rückblick wird das vergangene Jahrzehnt reflektiert. Beginnend mit LASK-Rapid am 12.2.2010 mit Halbzeit-Stimmungsboykott über das erste Linzer Derby nach dem LASK-Abstieg 2011, anlässlich dessen man zu den Linzer Verhältnissen feststellt: „Dass die Machtverschiebungen im Laufe des Jahrzehnts immer mehr zu einem Gewaltmonopol des Glorreichen bis hin zum allgemeinen Selbstverständnis einer schwarz-weißen Hegemonialmacht führen sollten, ist aus heutiger Sicht unstrittig.“ In der Regionalliga angekommen trat der LASK 2012 in Vöcklamarkt an.
„Da bereits im Vorfeld absehbar war, dass man sich auf Seiten des Heimpublikums mit fremden Federn schmücken würde, ergriff man die Möglichkeit, die beschauliche Marktgemeinde der geballten Stahlstädter Asozialität auszusetzen. ‚Fans des LASK verbreiteten in Vöcklamarkt Angst und Schrecken‘ titelte eine renommierte österreichische Tageszeitung darauf. Pflicht erfüllt.“
An die Kuriosität des Austragungsort des Spiels Austria Salzburg gegen den LASK in Wien-Floridsdorf 2015 wird erinnert und dies als „Highlight der etwas anderen Art und Weise des abgelaufenen Jahrzehnts“ bilanziert (in der Rückrunde wurde diese Begegnung 2016 in St. Pölten ausgetragen, was hier aber nicht vorkommt). Gebührenden Platz nehmen in der Aufzählung markanter Spiele des Jahrzehnts natürlich auch das fest in Erinnerung gebliebende Cup-Semifinale in Hütteldorf 2017 ein oder die erste Europacupauswärtsreise in zwei Jahrzehnten nach dem Hinspielsieg gegen Lillestrøm 2018 sowie das Auswärtsspiel in Basel 2019.

Eine schöne Sache in Fanzines ist es, sich mit eigenen Fangesängen näher auseinanderzusetzen. Dieser heute oft verschüttete Gedanke, dazu ein wenig Hintergründe zu bieten, wird hier mit einem 2010 erfundenen und seither oft zu hörenden Gesang umgesetzt. Weiters gibt es im Heft einen Comic und im Rahmen einer Mediensatire verpackt einen Aufruf zur Unterstützung der Rettungskampagne für den Ballesterer rettet.den.ballesterer.at.

Grundsätzliche Worte zum Verhalten im Fanblock finden sich auch im Athleticker − hier zum Becherwerfen. Als „wichtigster aller Gründe“ (nach mehreren anderen durchdiskutierten Punkten) wird genannt: „Man schüttet ganz einfach kein Bier weg.“ Wie es sich mit Fischen verhält, wird leider nicht geklärt.

Dienstag, 12. November 2019

Athleticker




Rezension


Athleticker
So tickt die Kurve
Oktober 2019
36 S.









Im nicht nummerierten vierten Heft des Fanzines der Landstrassler des LASK gibt es u.a. ein Interview mit der Linz City Group anlässlich ihres fünfjährigen Bestehens. Im Gespräch blicken sie zurück auf das Jahr 2014 („Wir sprechen hier von einer Zeit, in der sich unsere Kurve im wahrsten Sinne des Wortes im ‚Stillstand‘ befand.“) und erzählen über ihr Logo, Höhe- und Tiefpunkte sowie Ziele für die Zukunft („In fünf Jahren sehen wir uns zumindest noch auf freiem Fuß, alles weitere wird sich weisen.“)

Ebenfalls fünf Jahre alt wurden die Landstrassler selbst. Sie geben ebenfalls einen Einblick in die Umstände in der Fanszene des LASK zur Gründungszeit der Plattform. Diese werden als „anarcho-hedonistisches Modell“ definiert, in anderen Worten vielleicht einfacher gesagt „dauernder Ballermann“. Um mehr auf die Beine zu stellen, „schlossen sich Linzer Jungs, Linz City Group und zahlreiche Gruppenlose zusammen und gaben sich gemeinsame Strukturen.“

Weiters werden im Heft Eindrücke des Linzer Stadtteils Dornach in Schwarz-Weiß-Fotos (wie auch sonst) präsentiert, es gibt einen philosophischen Essay, Humoriges und ebenfalls mehr oder weniger ernste Modetipps für den LASK-Block.

Apropos Mode und Modestadt: Eine schöne Sache sind die Erinnerungen eines Zeitzeugen an das UEFA-Cup-Spiel des LASK bei Inter in Mailand 1985. Er erzählt in lockerem Plauderton und zeichnet dazu ein farbenprächtiges Bild einer anderen Fußballzeit, als man von anderen Ländern noch wenig wusste. „Während in Linz gerade andere Subkulturen (vor allem in der Musik) am aufsteigenden Ast waren, kannte jene der italienischen Fußballfans wohl kaum jemand: die Ultras [...] eine völlig andere Welt für uns, da wir damals organisierte Fans kaum kannten. Freileich gab es auch beim LASK schon damals Fanklubs, jedoch waren wir verteilt im ganzen Stadion untergebracht, von den Interisti wurden wir aber wahlweise freundlich oder gleichgültig behandelt. Kein Vergleich zu den Vorkommnissen beim Spiel der Austria 1983.“ Europacupspiele mit dem eigenen Verein sind nicht nur Abenteuer sondern bringen oft ein Leben lang im Gedächtnis bleibende Momente. „Diese beiden Spiele gegen einen der weltgrößten Klubs, in diesem Stadion und eine fanatische und vor Mentalität strotzende Kurve bleiben mir − und vermutlich auch allen anderen Linzern − auf ewig unvergessen.“