Montag, 6. Mai 2019

Mythos Rapid – Die Ursprünge des SK Rapid



Mythos Rapid – Die Ursprünge des SK Rapid
7. Mai – 30. August 2019
Sonderausstellung des Rapideum

Eröffnung am 6. Mai 2019


Eine Sonderausstellung des Rapideum beleuchtet im 120-jährigen Jubiläumsjahr des SK Rapid die Entstehung des Mythos Rapid und einige der frühesten Erinnerungsorte.


Rapideum-Koordinator Laurin Rosenberg und Rapideum-Kurator Thorsten Leitgeb stellten bei der Eröffnungsveranstaltung in der Aula des Weststadions die Sonderausstellung vor.


Rapideum-Team


Geschäftsführer Christoph Peschek, Moderator Andy Marek, Präsident Michael Krammer


Nach der Eröffnungsveranstaltung in der Aula konnte die Ausstellung im Rapideum besichtigt werden.


Neue Vitrinen mit der Kennzeichnung Mythos Rapid beinhalten die Sonderausstellung.


Der 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club war der Vorgängerverein Rapids und begründete durch seine Wurzeln ein wesentliches Erkennungsmerkmal: Der Arbeiterverein. „Trotz des kurzen Bestehens des 1. Wiener Arbeiter Fußball-Clubs existiert der Mythos des SK Rapid als Arbeiterverein bis heute. Ein Mythos, der für viele Rapid-Fans ein wichtiger Anknüpfungspunkt ist und für Außenstehende zur Abgrenzung von den ‚Proleten‘ herangezogen wird.“ erklärt der Ausstellungstext.


Ein Highlight der Ausstellung sind zwei originale Hüte der Hutfabrik Böhm, von deren Arbeitern der 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club gegründet wurde.


Die proletarische Identität dient sowohl als identitätsstiftend für die Fans, wie hier an einer Choreographie bei einem Heimspiel gegen den Dosenkonzern zu sehen, als auch als Marketing- und Merchandisingmöglichkeit für den Verein. Das eröffnet auch Kritikmöglichkeit, wie der Ausstellungtext vermerkt.


Aus dem Jahr 1897 kennen wir die erste schriftliche Erwähnung des 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club. Sie wurde erst im Zuge der Forschungen vor der Eröffnung des Rapideums 2011 entdeckt. Berühmt ist eine Pressemeldung aus dem Neuen Wiener Abendblatt vom 5. Mai 1898, in dem der Verein um Mitglieder warb. Am 8. Jänner 1899 wurde auf Vorschlag von Klubsekretär Wilhelm Goldschmidt beschlossen, den 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club in Sportclub „Rapid“ umzubenennen.


Dionys Schönecker, „Mister Rapid“ genannt, trat 1906 Rapid bei und spielte 1907 bis 1910 in der Kampfmannschaft. In einer existenzbedrohenden sportlichen und finanziellen Krise wechselte er als Sektionsleiter in die Vereinsführung, wo er bis zu seinem Tod 1938 Rapid nachhaltig prägte. Die Pfarrwiese wurde gebaut und Rapid als einer der bestgeführten und erfolgreichsten österreichischen Fußballvereine 1912 bis 1938 zwölfmal Meister, dreimal Cupsieger und 1930 Mitropacup-Sieger, der wichtigste internationale Vereinswettbewerb. Zu Lebzeiten wurde er hochverehrt, die Ausstellung zeigt aber auch seine Wiederentdeckung durch Fankultur des Block West und Verein in den letzten Jahren. Markantes Kennzeichen ist hierfür die vor dem Stadion aufgestellte Statue. Das Rapideum ist nicht um kritische Themen verlegen und thematisiert auch sein Verhältnis zum Nazi-Terrorregime, das Fragen offen lässt: Schönecker starb schon im Herbst 1938 krankheitsbedingt und war nicht Parteimitglied, ein Zeitungsbericht zeigt aber sein Wohlwollen.


Das Wappen Rapids wird in drei Schritten schlüssig erklärt: „Gemeinsam: Der Rapid-Schriftzug symbolisiert Zusammenhalt und Gemeinsamkeitsgefühl. Die Farb-Kombination Blau-Rot erinnert zusätzlich an die Gründung als 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club.
Kämpfen: Das Schild – in den Farben Grün-Weiß gehalten – verleiht dem Wappen Stärke und steht für die Kampfkraft des SK Rapid.
Siegen: 1968, im Jahr des 25. Meistertitels, wird der bis dahin übliche goldene Ring durch den goldenen Lorbeerkranz ersetzt. Dieser steht seit der Antike für Erfolg und damit verbundenen Ruhm. Die drei Sterne werden 1998 hinzugefügt und symbolisieren jeweils 10 Meistertitel.“



Spurensuche zum ersten Wappen


„Prinzipientreue?“ fragt das Rapideum kritisch. 1905 spielt Rapid noch in den Gründungsfarben Blau-Rot, 1907 dann schon in Grün-Weiß. Ein Bild zeigt auch der Läufer der Leichtathletiksektion in rein Weiß. Aus dem 1. Wiener Arbeiter-Fußballclub wurde 1899 der SK Rapid.


Ein Prunkstück aus dem Jahr 1903.


Anstecknadel aus dem Jahr 1920 anlässlich des Meistertitels 1919/29, erstmals mit dem Wappen mit Lorbeerkranz.


Einer der größten Mythen der Rapidgeschichte ist die Rapid-Viertelstunde. Schießt Rapid hier tatsächlich mehr Tore als andere Vereine? Und war die Rapid-Viertelstunde immer die letzte Viertelstunde des Spiels? Das Rapideum beantwortet die Fragen nüchtern und ernüchternd.


Die Spielstätte des 1. Wiener Arbeiter Fußball-Club und erste Heimat der jungen Rapid war das große Schmelzer Exerzierfeld des Militärs, neben der Graf-Radetzky-Kaserne. Was Stefan Kulovits damit zu tun hat? „Stefan Kulovits besuchte selbst das GRG 15 Auf der Schmelz. Seine ‚Pausenkickerl‘ absolviert der stets als Inbegriff des Rapid-Geists angesehene Spieler damit genau dort, wo auch die Geschichte seines Herzensklubs beginnt.“


Zu den Leistungstests am Universitäts-Sportinstitut kehrt Rapid regelmäßig auf die Schmelz zurück.


Um zu verstehen, wie es damals auf der Schmelz und in den Vorstädten Wiens zuging, wird die Lektüre der sozialkritischen Reportagen von Max Winter empfohlen.


1911/12 gewann Rapid die vom Niederösterreichischen Fußballverband ausgeschriebene erste vom ÖFB anerkannte offizielle Meisterschaft, an der zwölf Wiener Vereine teilnahmen. (Wien war bis 1920 Teil Niederösterreichs). Seit 1912 ist Rapid Rekordmeister. Alle Tabellen dieser Saisonen sind in der Sonderausstellung zu sehen.


Ausstellungsraum


Der älteste erhaltene Meisterpokal aus dem Jahr 1913.


Meistermedaillen


Durch Wegstreichen der Jahre, in denen sie weniger gewannen, versuchte ein anderer Verein sich Glanz und Ruhm zuzuschanzen und nannte sich faktenwidrig auch Rekordmeister. Eine Studie renommierter Wissenschaftler belegt den unzweifelhaften Anspruch Rapids (Expertise zum Download [PDF]).


„Erfolg ist uns Erbe und Gebot zugleich. Daher ist es unser Anspruch, immer ganz oben zu stehen.“ heißt es im Leitbild. Im Rapideum sind jetzt auch einige der gewonnenen Pokale ausgestellt. Platz für weitere Titel und Trophäen wäre vorhanden.

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