Donnerstag, 14. Juli 2016

Rapideum

Weststadion, 14.7.2016

Nachdem das alte Rapideum mitsamt dem Hanappi-Stadion abgerissen worden war, wurde im neuen Weststadion nun auch ein neues, größeres Rapid-Museum eröffnet. Mit 165 m² ist das neue Museum doppelt so groß wie sein Vorgänger.



Wie zuvor wacht die Statue des Dionys Schönecker, „Mister Rapid“ und Begründer des Rapidgeists, über seinen Verein.


Nachdem zuvor der Gerhard-Hanappi-Platz eröffnet worden war, wurde die Eröffnungsfeier mit der Rapideum-Eröffnung fortgesetzt. Hier mit Geschäftsführer Christoph Peschek, Rapideum-Architekt Eric Phillipp, Rapideum-Kurator Thorsten Leitgeb, Moderator Andy Marek und Rapideum-Koordinator Laurin Rosenberg.


Feierliche Eröffnung des neuen Rapideums. Es hat keinen eigenen Eingang, sondern befindet sich hinter dem Fanshop.


Erster Blickfang nach Betreten: Der Schriftzug des Gerhard-Hanappi-Stadions, der von 1977 bis 2014 an der Südtribüne prangte.


Neu gibt es nun auch ein Modell des Hanappi-Stadion. Es entspricht dem baulichen Zustand vor dem Abriss 2014. Die am Schluss schon verblasste Farbe der Sitze ist hingegen noch genauso frisch und kräftig wie bei der Eröffnung 1977.


Der große Rapidler Gerhard Hanappi, als Fußballer und später Architekt „Gestalter von Spiel und Raum“, wie ihn das Fußballmagazin Ballesterer in einer ihm gewidmeten Ausgabe treffend bezeichnete.


Erinnerungsstücke an Bau und Eröffnung des alten Weststadions, ab 1981 Hanappi-Stadion, im Jahr 1977.


Ultràkultur im Hanappi-Stadion.


Betonstück der West und konserviertes Rasenstück des Hanappi-Stadions. Von den Ultras Rapid gestaltete Erinnerungsstücke, Entstehungsgeschichte nachzulesen in ihrem Block West Echo 36.


Teile der originalen Einreichpläne des Hanappi-Stadions sind im neuen Rapideum jetzt zu sehen.


Kontroversen werden im Rapideum nicht übertüncht und glattgebügelt sondern sollen thematisiert, wie hier die Debatte um die Namensgebung des neuen Weststadions. Das Museum soll nicht eine nostalgische Werbeveranstaltung sein, sondern ein Ort des Lernens und der Diskussion.


Nostalgie gibt es hier aber natürlich dennoch zur Genüge, etwa Erinnerungen an den großen Antonín Panenka und ein unfassbares Gemälde des jungen Heribert Weber.


Steffen Hofmann ist noch ein aktiver Spieler, dennoch wird ihm im Rapideum mit einem eigene Bereich bereits die Ehre zuteil, die ihm gebührt. Hier sein Kasten aus der Kabine im Hanappi-Stadion, gefüllt mit Dressen, dem Pokal als Torschützenkönig der Saison 2009/10 in der österreichischen Bundesliga (als erster Mittelfeldspieler), einem Zeitschriftentitelbild und vielem mehr.


Eine Lade ist einem Thema gewidmet, das die ultraorientierte Fankultur stark beschäftigt: Der Konflikt mit der Staatsmacht. Auch hier verschweigt das Rapideum nicht ein umstrittenes Thema, sondern stellt es zur Diskussion: „Liebe und Leidenschaft, die Ultras ihrem Klub entgegenbringen, bergen ein unglaublich kreatives Potential, das vor allem in Choreografien vor Spielen zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig verlangen Ultras aber auch Freiräume und Selbstbestimmung, wie es für zahlreiche Jugendbewegungen typisch ist. Dabei wird auch das Gewaltmonopol des Staates infrage gestellt. Werden die eigenen Freiräume eingeschränkt, lehnen sich Ultras häufig gegen die Obrigkeit auf und loten ihre Grenzen aus.“


Eine innovative Idee aus dem alten Rapideum war im Themenbereich der NS-Vergangenheit die Lade, die sich nicht schließen lässt, um auf die immer aktuelle Präsenz des Themas in der Gegenwart hinzuweisen. In der neuen Ausstellung gibt es in Umkehrung dieses Ansatzes eine Lade, die stets zugesperrt ist und von interessierten Besucherinnen und Besuchern erst aufgesperrt werden muss. Hier geht es ebenfalls um den Themenbereich des Konflikts mit dem Gesetz und Repressionshandlungen von Polizei und Justiz gegenüber Fans. „Bisweilen geht die Leidenschaft der Fans für ihren Klub sehr weit. Sie sind bereit, für die Farben ihres Klubs Gesetze zu übertreten, Geldstrafen oder Stadionverbote zu riskieren und manchmal sogar ins Gefängnis zu gehen.“ Dargestellt u.a. anhand eines schriftlichen Urteils oder des Bilds einer Fußfessel.


Dunkle Momente der Rapid-Geschichte werden auch in der neuen Ausstellung nicht ausgespart: Hugo Maradona, die Rapid-Aktie etc.


Ein sportlich dunkler Moment der jüngeren Vergangenheit war das Europacup-Ausscheiden gegen HJK aus Helsinki 2014. Bei den Finnen spielte damals Ex-Rapidler Markus Heikkinnen, der vom Rapid-Anhang bereits beim Hinspiel in Helsinki gefeiert wurde. „Trikot des siegreichen, aber nach dem Spiel geknickten, ehemaligen Rapidspielers, Markus Heikkinnen.“


Eine dunkle Stunde für den ganzen Verein, eine Wende zum Schlechten, die noch lange Konsequenzen hatte, war der Platzsturm beim Derby 2011. Da gab es noch ganz andere Zeitungsschlagzeilen.


Hanappi-Sessel als Sitzgelegenheit gibt es zwar nicht, doch die alte Sitzbank aus der Pfarrwiese gibt es hier ebenso wieder zu bewundern wie das schöne Stadionmodell der längstdienenden Heimstätte Rapids (von 1912 bis 1978).


Wir träumen von Titeln ...



... und großen Momenten ...


Die bereits beim Vorgänger bewährte Architektur wurde auch im neuen Museum beibehalten. Nicht alles ist sofort sichtbar, sondern durch herausziehbare Laden und zu öffnende Kästen ist der Museumsbesuch eine Entdeckungstour.


721 Spiele im Hanappi-Stadion in visualisierten Statistiken und Zahlen.


Fankultur und Pyrotechnik als weiteres Diskussionsthema, das aufgeworfen wird: Stimmungsvolle Pyro-Bilder und eine Strafverfügung der Landespolizeidirektion über eine vierstellige Summe an Geldstrafe oder ersatzweise Haftstrafe für einen bei dieser verbotenen Handlung Ertappten.


Das in Buchform veröffentlichte Leitbild des SK Rapid.


Rapid auf großer Fahrt.


Rapid als Vorbild für andere Vereine: „Nicht immer ist verifizierbar, ob tatsächlich Rapid Wien das Vorbild für die Namensgebung war. Jedenfalls kann Rapid als Namensbestandteil von Fußballklubs in Australien, Belgien, Deutschland, Moldawien, den Niederlanden, Polen, Rumänien, Slowenien, der Slowakei und Spanien gefunden werden. Der bulgarische Erstligist Botew Plowdiw übernimmt zwar nicht den Namen, dafür das Wappen Rapids.“


Rapid ist eine Religion.


Vorbildlich war bereits in der Vorgängerausstellung die Präsentation zur Rapid in der Nazizeit. Sportliche Erfolge werden gezeigt, aber ebenso die Rahmenbedingungen von Terror und Gewalt thematisiert. Es gab Rapidler, die Opfer der Nazis wurden, es gab aber auch Täter, die Verbrechen begingen. Die Lade mit Dokumenten zu Opfern und Tätern lässt sich nicht schließen, um nach der Devise „niemals vergessen“ an sie zu erinnern. Damit man daraus für heute lernen kann.


Das Videoangebot mit einer Vielzahl an Kurzfilmen wurde noch einmal erweitert.


Blödsinn kann man hier auch machen. So gibt es eine „Jubelkabine“, die Dezibel misst. An Entertainment im Rapideum muss man sich wohl erst noch gewöhnen. Ähnliches gibt es allerdings auch in anderen Fußballmuseen. Ich denke etwa Goalmine in Genk.


Das Rapideum ist ein gelungenes Vereinsmuseum des SK Rapid, das noch viele weitere Male besucht werden will.

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