Dienstag, 17. Mai 2022

Ballesterer 170




Rezension


ballesterer
Nr. 170, Mai 2022
84 S.










„Es ist schon ein steiniger Weg zum großen Ziel. Aber wenn man es schafft, hat es sich auch ausgezahlt.“ sagt Steffen Hofmann in der Titelgeschichte von Armin Grasberger. Sie beschäftigt sich mit dem Weg von Fußballern zum Profi und den österreichische Ausbildungsstätten dazu. 14 Akademien gibt es derzeit im Land, die teils von Vereinen und teils von Landesverbänden betrieben werden. Anhand der Beispiele von Rapid und der vom Niederösterreichischen Landesverband betriebenen Akademie St. Pölten wird geschildert, was dort passiert. Interessant sind dazu auch einerseits die zwei Interviews mit Eltern, die wenn man die Sichtweise aus dem Fußballgeschäft auch aus anderen Gelegenheiten und Medien kennt, doch auch einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen schildern, sowie andererseits der Artikel über die „Nebenwege“ privater Fußballschulen.

Über seinen Weg ist ein Interview mit Rapid-Trainer Ferdinand Feldhofer im Heft zu lesen. Im Gespräch mit Jakob Rosenberg und Benjamin Schacherl erhält der dabei eine der besten Fragen: „Es ist auffällig, dass Sie in Ihren Interviews kaum jammern.“ Gute Beobachtung. Weitere Beiträge handeln u.a. von der ersten Trainerin im deutschen Männerfußball Imke Wübbenhorst, Linzer Frauenfußball oder einer Ausstellung über rechte Gewalt im HSV-Museum.

Spannend ist ein Interview mit dem hierzulande von seiner Zeit als GAK-Trainer bekannten Ulli Thomale, der davor aber in den 1980er Jahren immerhin mit dem 1. FC Lokomotive Leipzig jahrelang im Europacup war und ihn 1987 auch ins Europacupfinale geführt hatte. Dabei warf er 1986/87 im Achtelfinale auch Rapid aus dem Bewerb. Das hätte nicht sein müssen. Rückblickend sagt er über den DDR-Fußball: „Die Fußballer im Osten waren hervorragend ausgebildet. Dort hat es Fußballschulen gegeben, als man im Westen noch nicht einmal daran gedacht hat. Der größte Fehler im DDR-Fußball war, dass Spieler nicht regulär wechseln durften. Ich bin mit einer Mannschaft im Europacupfinale gestanden, deren Spieler aus Leipzig und Umgebung gekommen sind. Mann muss den sächsischen Eltern noch heute dankbar sein, dass sie einen so guten Jahrgang in die Welt gesetzt haben. Irgendwann reicht es aber nicht mehr, nur Spieler aus der Region zu holen.“

Hubert Herzog hat mit Johannes Demantke wieder einen interessanten Gesprächspartner aus der österreichischen Fußballgeschichte gefunden. Domenico Mungo widmet sich in seiner Kolumne Pier Paolo Pasolini und dessen Sicht des Fußballs und Herr Dr. Pennwieser in seiner Kolumne dem Ekel.

Von mir liest man im Heft in meiner Amateurfußballreihe Nebenschauplätze, warum man im steirischen Seiersberg am Sportplatz gut behütet ist.


A4 / 6,50 € / erhältlich im Zeitschriftenhandel

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