Mittwoch, 11. Juli 2018

Der (Pf)lästerstein – Sammelband 1



Rezension


Der (Pf)lästerstein
vormals Red News
Sammelband 1
Ausgaben 1 bis 10
Juli 1994 bis März 1998
576 S.








Nach der Veröffentlichung des Bildbands Momentaufnahmen vor zwei Jahren erfreut Gunnar Hielscher heuer mit einem Sammelband-Nachdruck seines Fanzines, Red News (bis 1998) und Der (Pf)lästerstein (ab 1998). In der ersten Lieferung erschienen zwei kiloschwere Bände, welche die Jahre von 1994 bis 2000 beinhalten.

Der erste Band umfasst alle zehn Ausgaben der Red News. Das Heft war vor allem ein Fanzine von Bayern München (anfangs gibt es auch sehr viele Besuche bei deren Amateuren), kreiste aber ebenfalls um die Leidenschaft für den VfL Bochum sowie die bereits damals in guter Zahl vorhandenen weiteren Spielbesuche der Gruppe aus Dachau und von Bochumer Freunden. In der zweiten Ausgabe findet sich der erste Auslands-Groundhoppingbericht, von der Begegnung von Austria Salzburg und Wacker Innsbruck in Lehen im April 1995. Die erste Erwähnung der Rapid erfolgt in Ausgabe 4, im Rahmen eines Groundhoppingberichts von einem Besuch bei Arsenal im August 1995, damals weit weg von Glanz und Gloria: „Während des Spiels traf man ein paar Rapidler, die anscheinend begeisterte Arsenal-Anhänger waren (total ‚Bekloppte‘!).“ Das erste Rapidspiel, von dem berichtet wird, ist das Gastspiel am Innsbrucker Tivoli im März 1997 in der achten Ausgabe. Innsbruck wird gerne besucht und in der neunten Ausgabe gibt es auch einen Text der Verrückten Köpfe, in dem sie sich selbst vorstellen. Ein interessantes Zeitdokument. Der erste Besuch im Hanappi-Stadion erfolgt im Oktober 1997 bei einem Spiel gegen den LASK und ist in der zehnten Ausgabe zu lesen.

In rascher Folge wird von den Erlebnissen und Spielbesuchen der Redaktion erzählt. In v.a. anfangs voll jugendlichem Überschwang wiedergegebenen Spielberichten findet man sich bei der Lektüre der ersten Ausgabe der Red News ein Vierteljahrhundert zurückversetzt im Jahr 1994 wieder, in einer anderen Zeit. Vom ersten Champions-League-Spiel in München gegen Dinamo Kiew am 28.9.1994 etwa heißt es: „Wenn von 10.000 Mann in der Südkurve nur 1.500 Stimmung machen, dann ist das einfach enttäuschend. Doch auch mit diesen Deppen konnten die ersten zwei Punkte vor sage und schreibe 26.000 Zuschauern (einfach lächerlich!) eingefahren werden.“

In der fünften Ausgabe wurde von Gunnar Hielscher im Vorwort ohne weiter viel darauf einzugehen oder auch nur den Gruppennamen zu nennen, die Gründung der Bochumer Fantastic Supporters vermeldet: „Aber nicht nur auf dem Rasen, sondern auch auf den Rängen tut sich in Bochum so einiges. Mit Fantastic-Ralf hat man einen Fanclub ins Leben gerufen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Mannschaft bei allen Spielen mit Choreographien und ähnlichem zu unterstützen. Es war auch bitter nötig, den Versuch zu starten, das Bochumer Fanlager neu zu organisieren, da man auf dem besten Wege dorthin war, wo die Südkurve heute schon ist − in der totalen Versenkung.“ Die ersten ultrakulturellen Bemühungen werden in den Spielberichten der nächsten Ausgaben notiert, wobei auch ungeschminkt von Schwierigkeiten erster Choreographieversuche ebenso wie von Unverständnis gegenüber der Freundschaft Bayern-Bochum erzählt wird.

Unzufriedenheit mit dem FC Bayern schuf das in der sechsten Ausgabe vermeldete Verkaufsverbot für das Heft im Münchner Olympiastadion unter Androhung von Klagen bei Zuwiderhandlung samt Anschiss durch Vereinsoffizielle, da die Red News „a) radikale Berichte verfassen (FCB - St. Pauli), b) den Gebrauch von bengalischen Feuern (Die in diversen Fernsehkanälen unter dem Prädikat südländische Stimmung verkauft werden.), wie auch den Alkoholgenuss beim Fußball verherrlichen würden, sowie c) gegen die Spieler des FC Bayern hetzen würden (Es darf sich ja wohl jeder das Recht nehmen, die Leistung der Spieler, deren Gehalt man schließlich mitfinanziert, zu beurteilen. Von Hetze kann hier keine Rede sein!)“

Die Bochum-Berichte werden im Zeitverlauf immer mehr, bis hin zur ersten Europacupsaison 1997/98. Eine optische und inhaltliche Professionalisierung ist, wie könnte es auch anders sein, mit Fortdauer der Hefte zu bemerken. Vom stark auf den FC Bayern fokussierten Fanzine wurde es ein Heft, das immer mehr Blicke über den Tellerrand hatte.

Rezension von Sammelband 2

Der (Pf)lästerstein hat heute ein neues Leben in der Form des Blogs derpflästersteinfanzine.blogspot.com

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