Mittwoch, 18. September 2019

Gerhard Hanappi – Fußballer und Architekt


Rezension


Christoph Lechner / Katalin Hanappi / Roman Horak / Matthias Marschik (Hg.)
Gerhard Hanappi
Fußballer und Architekt
Zürich 2019 (Park Books)
264 S.








„Das Doppeltalent Gerhard Hanappi durchlief im Nachkriegs-Österreich eine Karriere sowohl als Fußballer wie – bis zu seinem frühen Tod – als Architekt.“ Das Buch beleuchtet in Beiträgen verschiedener Autorinnen und Autoren beide Kapitel seines Lebens und stellt dazu auch die Person Gerhard Hanappi vor.

Katalin Hanappi hat einen wunderbaren Film über ihren Großvater gedreht, Gerhard Hanappi − Ballkünstler und Architekt. Sie beschreibt hier das Filmprojekt sowie die Familiengeschichte und Biographie des Gerhard Hanappi mit vielen Details. Michael Hanappi widmet sich seinem Vater als Fußballer und Hardy Hanappi schreibt zu seinem Vater über dem Thema Fußball und Musik. Kulturwissenschaftler Roman Horak trägt einen Essay aus seiner persönlichen Perspektive über den „Gestalter – auf dem Rasen und in der Welt“ bei.

Die im Buch versammelten Texte bringen viel zum Umfeld und zur Einordnung des Lebens Hanappis in seine Zeit. So schreibt Stadthistoriker Andreas Weigl über den Wiener Bezirk Meidling in jener Zeit, in der Hanappi dort aufwuchs. Fußballhistoriker Matthias Marschik betrachtet die Wiener Fußballwelt der 1940er bis 1960er Jahre, die sich während dieser Zeit der Karriere Hanappis stark veränderte. Rapidhistoriker Domenico Jacono portraitiert Hanappi als den „totalen Rapidler“, wie er mit seiner Lebensgeschichte geradezu das Idealbild eines Rapidlers verkörperte und auch wie er sich am Schluss gegen Öffnung des Vereins in Richtung Kommerzialisierung stemmte und deswegen mit ihm brach. Stadionhistoriker Bernhard Hachleitner kontextualisiert Hanappis Stadionarchitektur in einem spannenden Text in der Stadionbaugeschichte der 1970er Jahre und Architekt Christoph Lechner resumiert über Hanappis Bauten aus architektonischer Sicht. Fotografien von Wolfgang Thaler erinnern wehmütig an das Hanappi-Stadion, begleitet von einem Text von Lina Morawetz. Bei den Bildern wird einem richtig schwer ums Herz.

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