Mittwoch, 7. Dezember 2016

Der tödliche Pass, 82


Rezension


Der tödliche Pass
Magazin zur näheren Betrachtung des Fußballspiels
Heft 82, Oktober 2016
87 S.






Über einen brasilianischen und einen deutschen Dokumentarfilm über arbeitslose Profi-Fußballer berichtet Jan Tilman Schwab. Die brasilianischen Verhältnisse im Unterbau schildert er folgendermaßen: „Das brasilianische Ligasystem hat zur Folge, dass die Vereine in den unteren Ligen nur wenige Spiele bestreiten: Scheiden sie früh aus der Meisterschaft aus, kann die Saison schon nach zwei Monaten beendet sein. Für die bei Vereinen der Série C etwa angestellten Spieler hat dies dann fatale Konsequenzen. Denn ihre ohnehin befristeten Arbeitsverträge enden mit dem Ausscheiden − den Rest des Jahres sind sie arbeitslos. Zudem bleiben viele Vereine mit den Gehaltszahlungen regelmäßig in Rückstand oder setzen diese ganz aus. Manche Spieler bezahlen sogar, um spielen zu können. Schließlich schielen alle darauf, entdeckt zu werden, und in den höheren Ligen dann schnell viel Geld zu verdienen.“ Nach einem gesunden System klingt das nicht.

Mit organisierten Fans kann man in dieser Zeitschrift gemeinhin wenig anfangen und steht ihnen distanziert gegenüber. Im Bestreben der Kritik an der Fußballindustrie beginnt man hier nun, als „Nebengeschichte zur laufenden Fußball-Geschichtsschreibung“ Kurzmeldungen zu einer „Chronik der aktuellen Fanproteste“ zu sammeln. Im wie immer spannenden Rezensionsteil sticht das positiv rezensierte Werk Als der Krieg den Fußball fraß von Andreas Ebner über die Geschichte der Gauliga Baden von 1933 bis 1945 hervor.

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