Sonntag, 29. Mai 2016

Lost Ground Hardturm, Grasshopper Club Zürich

Zürich, 29.5.2016

Das Hardturm-Stadion in Zürich war das traditionsreiche Stadion des Grasshopper Club Zürich. Es wurde 1929 mit einer Kapazität von 27.500 Plätzen eröffnet. Nach einem Tribünenband 1934 wurden Haupt- und Westtribüne neu errichtet. 1968 brannte die Haupttribüne erneut. Zum 100-Jahr-Jubiläum des Vereins 1986 wurden die Gegentribüne (Süd) und die Osttribüne errichtet. 1998 wurde die Westtribüne neu errichtet. Es war die letzte bauliche Veränderung. Zuletzt war das Stadion für 17.666 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen. Das letzte Spiel fand am 1. September 2007 statt, die Grasshoppers verloren gegen Neuchâtel Xamax 1:2, wobei der GCZ-Spieler Raúl Bobadilla mit dem 1:2 in der 91. Spielminute das letzte Tor in der Geschichte des Stadions erzielte. Ein Jahr später, ab Dezember 2008, wurde das Stadion abgerissen.
Aufgrund von Anrainerbeschwerden hatte der für die EM 2008 geplante Neubau des Hardturm-Stadions nicht stattfinden können und die Züricher Europameisterschaftsspiele wurden im Letzigrund ausgetragen. Auch weitere Neubaupläne waren nicht erfolgreich. Zuletzt wurde ein Neubau 2013 in einer Volksabstimmung mit 50,8% knapp abgelehnt. Die Grasshoppers spielen seit dem Stadionabriss zum Ärger ihres Anhangs im Letzigrund. Am 5. September 2015 organisierte die GCZ-Fanszene auf dem Areal des ehemaligen Hardturm-Stadions ein Spiel auf einem eigens verlegten Kunstrasen, um an den Hardturm als Heimstätte zu erinnern und für ein neues Stadion zu werben. Auf eigens aufgebauten Tribünen erlebten 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauer ein Legenden-Spiel zwischen ehemaligen Spielern der Grasshoppers und Neuchâtel Xamax an alter Stätte.
Der Grasshopper Club Zürich wurde 1886 gegründet. Der GCZ gewann 27 Schweizer Meistertitel (zuerst 1898, zuletzt 2003) und 19-mal den Schweizer Cup (zuerst 1926, zuletzt 2013).
Der Wiener Karl Rappan (als Spieler mit Rapid 1930 Meister sowie Mitropacup-Sieger wurde und als Rapid-Trainer 1969 Cupsieger) war von 1935 bis 1948 GCZ-Trainer und gewann hier fünf Meistertitel und sieben Cupsiege. Zwischen 1937 und 1963 war Rappan auch viermal Schweizer Teamchef, u.a. bei der WM 1954. Weiterer Wiener Trainer war 1955–1958 Wilhelm Hahnemann (sechsmal Meister als Spieler mit Admira und Wacker), er gewann 1956 mit GCZ das Double. Der Tiroler Kurt Jara spielte hier 1981–1985 (dreimal Meister, einmal Cupsieger) und war dann 1986–1988 Trainer (Cupsieg 1988).
Im Hardturm fanden bei der WM 1954 fünf Vorrundenspiele und das Spiel um Platz drei statt. In diesem Spiel um den dritten Platz gewann Österreich vor 30.000 Zuschauerinnen und Zuschauern gegen den Weltmeister von 1950 Uruguay 3:1 und erreichte den größten Erfolg der österreichischen Länderspielgeschichte.
1957 fand im Hardturm-Stadion ein bitteres Europacupspiel Rapids statt. Nachdem Rapid in der ersten Runde des Meistercups gegen AC Milan in San Siro 1:4 untergegangen war, schaffte man im Rückspiel im Wiener Praterstadion ein sensationelles 5:2. Damit war nach damaligem Reglement ein Wiederholungsspiel auf neutralem Boden notwendig, dass hier ausgetragen wurde. Leider verlor Rapid 4:2. Bei einem Zusammenstoß zwischen Rapid-Goalie Gartner und Verteidiger Lenzinger hatte sich letzterer ein Bein gebrochen. Da Wechsel noch nicht erlaubt waren, musste Rapid zu zehnt spielen.
Heute sind als Reste der Tribünen noch alte Betonstufen einer Hintertor- und einer Längsseite erhalten. Zwei alte Stadionsitze wurden mit neuer Halterung frisch angebracht. Das Gelände ist großteils asphaltiert und wird für diverse Zwecke verwendet. Seit 2011 wird das Areal von einem Verein Stadionbrache Hardturm verwaltet und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.




Historische Ansichten

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