Samstag, 6. Dezember 2025

Rapid – Ried 1:2 (1:1)

Bundesliga, 16. Runde, 6.12.2025
Weststadion, 13.537

Geschichte wird geschrieben: Historisch erste Meisterschaftsniederlage in Hütteldorf gegen Ried. Dreißig Jahre ist die erste Rieder Bundesligasaison 1995/96 her und in diesen drei Jahrzehnten haben sie uns mit dem ersten Aufeinandertreffen in Ried beginnend dort einige Male geschlagen, aber in Hütteldorf hatte Rapid nur ein Cupspiel im Jahr 2011 gegen sie verloren und das auch erst in der Verlängerung. Man musste kein Prophet sein, um ein Reißen dieser 43 Spiele währenden Serie zu erwarten. Die Ansammlung von Spielern, aus denen in fünf Monaten seit Vorbereitungsbeginn keine Mannschaft gewachsen war, erspielte sich Chancen und Schaub traf ins Kreuzeck zur Führung, aber die Rieder gewannen das Spiel.
Zu Spielbeginn wurde im Block West der hundertste Geburtstag von Ernst Happel begangen, mit schönem Abbild bei einem typischen Fallrückzieher. Die Tornados widmeten Happel auch ein Spruchband und einen Doppelhalter als Grantler. „Auf geht's Rapid, kämpfen und siegen!“ und „Immer vorwärts, Rapid Wien!“ erschallte anfangs. Aber schon bald machte sich die Enttäuschung breit. Der Geduldsfaden ist sehr lang, wird aber jedes Jahr mit jeder erneuten Frustration kürzer. „Und ihr wollt unsere Mannschaft sein?“ hieß es bald. „Wir wollen Rapid sehen!“ und „Ihr spielt unser Stadion leer.“ Es gab minutenlange Pfiffe. Der Block drehte sich um und wandte dem Geschehen den Rücken zu. Schließlich verlautete „Wir haben die Schnauze voll“ und „Ihr habt unsere Farben verraten“.
Die Lords nahmen mit „Und? Hattet ihr eine coole Woche?“ eine mehr als unglückliche Freudensbekundung von Interimstrainer Kulovits in einem Fernsehinterview aufs Korn. Mit „Faites enfin preuve de cœur pour le Rapid de Vienne!“ appellierten die Ultras in für diese verständlicher französischer Sprache direkt an die Spieler: „Zeigt endlich Herz für Rapid Wien!“ Diese Forderung wurde auf deutsch auch laut gesungen. Zehn Minuten nach Wiederbeginn, mittlerweile hatte sich das 1:0 auch bereits in das 1:2 verkehrt, kamen direkt an die Geschäftsführung bzw. sportliche Leitung gerichtete Spruchbänder. UR und LR prangerten Egoismus an, durch den das von der Vereinsführung als Leitlinie der Vereinspolitik propagierte Konzept „Alles für den Sport“ absurd geworden sei (UR) und Selbstreflektion und Hinterfragen angebracht sei (LR). TR und LR sprachen auch direkt das Bewahren des Legendenstatus (LR) an. „Ihr werdet immer Legenden sein, aber wenn ihr diesen Verein liebt und versteht, ist es Zeit, dass ihr geht!“ (TR)
Im Rieder Gästeblock, der mit Überrollfahne, Fahnen und Blinker in das Spiel startete, äußerten Spruchbänder von Glory Boys und Supras Anteilnahme für einen kürzlich tragisch verstorbenen Rapidler. Dafür gab es Applaus aus dem Block West. Nach erstem Gedenken beim Auswärtsspiel vorige Woche wurde nun auch beim Heimspiel ein Spruchband für ihn gezeigt: „Ruhe in Frieden Schurli – Vatos Locos für immer Homes“. Die Schweigeminute dazu hielt auch der Gästesektor mit ein. Das ist würdig und ehrenhaft.
Der Auswärtssieg in Ried im Oktober war eines von nur fünf Pflichtspielen, die Rapid in den vergangenen drei Monaten gewonnen hat (bei zwei Remis und zehn Niederlagen). In den letzten vier Wochen von 6.11. bis 6.12. hat Rapid in sechs Pflichtspielen fünfmal verloren und einmal remisiert. Ein Tiefpunkt folgt auf den nächsten.

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