Dienstag, 17. April 2018

Ballesterer 131




Rezension


Ballesterer
Nr. 131, Mai 2018
84 S.








„Frauen sind am Fußballplatz eine Minderheit, aber keine Besonderheit. Weibliche Fans fühlen sich im Stadion zu Hause, der Verein ist ihre Familie und der Spieltag ein Fixpunkt der Woche. Allen Klischees zum Trotz.“ schreibt Nicole Selmer in ihrer Titelgeschichte über Frauen in Fankurven. Sie erzählt etwa von der 75-Jährigen Melanie, die seit den 1960er Jahren die Spiele der Wiener Austria besuchte und analysiert: „Wohl niemand würde Melanie das Fansein absprechen. Der Fußball ist selbstverständlicher Teil ihres Lebens, doch als Frau ist sie kein selbstverständlicher Teil des Fußballs. Denn Fußball ist nach wie vor eine Männerwelt.“ Die Wege in die Kurve sind für Frauen verschlungener als für Männer, so Selmer. Doch die Gefühle im Stadion sind dieselben: „Wenn ich schreie ,Rapid, ich liebe dich‘, dann meine ich das so,“ sagt Block-West-Besucherin Clara. Trotz der gemeinsamen Erfahrung des Stadionerlebnisses als Befreiung und Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen, welche die Frauen mit den Männern teilen, gibt es unterschiedliche Möglichkeiten und einschränkende Erfahrungen. Mit Sexismus in Stadion und Kurve gingen Frauen unterschiedlich um und fast jede habe dazu ihre eigene Strategie gegenüber Herabwürdigungen entwickelt, berichtet Selmer. Vienna-Fan Ines: „Wir sollten darüber reden, was Sexismus eigentlich ist. Das wird ja schnell mit sexueller Belästigung zusammengeworfen.“

Vor zehn Jahren wurde Rapid zuletzt Meister. Ümit Korkmaz war ein prägender Spieler der Meistersaison 2007/08. Benjamin Schacherl hat mit ihm über seine Karriere und seine gegenwärtige Station, das obskure Karabakh Wien gesprochen. Den Wurzeln des Vereinsnamens von Rapid spürte Laurin Rosenberg vom Rapideum in Berlin nach und schreibt über den sein 125-jähriges Bestehen feiernden SV Nord Wedding. Der Verein wurde im Laufe der Zeit aus sechs verschiedenen Vereinen zusammenfusioniert. Einer der Bestandteile, der BFC Rapide Niederschönhausen bzw. kurz Rapide Berlin, soll 1899 die Funktionäre im Westen Wiens inspiriert haben.

Weiters im Heft: 50+1-Debatte in Deutschland, WM in Katar, die unendliche Geschichte der Ligareform in Österreich, problematischer Wechsel von Real Sociedad zum Athletic Club nach Bilbao und der letzte Schalker Meistertrainer, der Wiener Edmund Frühwirth. Mit Domenico Mungo gibt es einen vielversprechenden neuen Kolumnisten.

In der Serie Nebenschauplätze beschließe ich mit Folge 18 den zweiten Durchgang durch alle neun österreichischen Bundesländer mit dem FC Stadlau − die Rose aus Stadlau.

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