Montag, 15. August 2016

Union Berlin - Dynamo Dresden 2:2 (0:1)

Deutschland, 2. Bundesliga, 2. Runde, 15.8.2016
Stadion An der Alten Försterei, 22.012

In einem unterhaltsamen Montagabendspiel trennten sich Union Berlin und Dynamo Dresden 2:2 unentschieden. Nach dem Tor der Gäste nach acht Minuten hatte der Aufsteiger aus Dresden zunächst mehr vom Spiel. Richtig dramatisch wurde es dann in der zweiten Halbzeit, als in zehn Minuten der Ausgleich und dann der Führungstreffer für Union sowie das zweite Tor für Dynamo zum 2:2 fielen. Beide hatten Chancen auf weitere Treffer, doch es blieb dabei.
Bei der Verlesung der Aufstellung wurde vom Heimanhang jeder Spieler sowie der Trainer mit dem Nachsatz „Fußballgott!“ bejubelt. Das galt diesmal auch dem Gästetrainer, ist Uwe Neuhaus doch der längstdienende Trainer der Vereinsgeschichte von Union Berlin (2007 bis 2014). Einen bewegenden Moment gab es vor Spielbeginn, als mit Applaus in allen Sektoren im ganzen Stadion (auch im Gästeblock) einer verstorbenen Union-Anhängerin gedacht wurde, die als engagierter Fan viel für eigene und Auswärtsfans im Rollstuhl im Stadion getan und verändert hatte.
Ansonsten gab es wenig Nettigkeiten zwischen Heim- und Auswärtsanhang, dafür eine sehr gute Stimmung. Das war durchaus eine würdige Atmosphäre. Auf der heimischen Fantribüne um die Ultras des Wuhlesyndikat wurden per Spruchband nicht nur eigene Stadionverbotler willkommen geheißen, sondern ironisch auch der von der FIFA für ein Jahr gesperrte ehemalige DFB-Präsident Niersbach. Die pathetische Vereinshymne „Eisern Union!“ hat ja schon etwas. Der immer lauter werdende „Eisern!“„Union!“ - Wechselgesang zwischen Fankurve und Gegengerade ist auch beachtlich. Die Dresdner zeigten mit einer Choreo auf: Eine nachgebildete Berliner Mauer mit Graffiti-Spruch „Sachsenpower an der Mauer“ vor einem in die sächsischen Landesfarben Weiß-Grün gehüllten Auswärtsblock.
Der 1. FC Union Berlin wurde 1966 gegründet. Seine Tradition reicht aber auf den 1906 entstandenen FC Olympia Oberschöneweide zurück, der ab 1909 Union Oberschöneweide hieß und 1923 das Finale um die deutsche Meisterschaft erreichte. In der DDR wurde der Verein in den 1950er Jahren in die Betriebssportgemeinschaft (BSG) des VEB Transformatorenwerk Karl Liebknecht eingegliedert und hieß nun BSG Motor Oberschöneweide. Damit einher ging ein Farbenwechsel vom bisherigen traditionellen Blau-Weiß zum heute charakteristischen Rot-Weiß. Es folgten häufige Namens- und Strukturwechsel des Vereins, wie damals üblich, welche die Vereinsidentität verwischten und verlöschen ließen. Man kam von diesem Weg wieder ab und 1966 wurde der 1. FC Union Berlin neu gegründet. Bis 1989 spielte man mit wenigen Ausnahmen in der Oberliga, der höchsten Spielklasse. Nach 1990 spielte man zumeist drittklassig. Von 2001 bis 2004 spielte Union Berlin erstmals in der 2. Bundesliga, in der man seit 2009 nun durchgehend spielt. Die größten Erfolge von Union Berlin waren der Cupsieg im FDGB-Pokal der DDR 1969 und das Erreichden des DFB-Pokal-Finales 2001.
Mit Christopher Trimmel spielt seit 2014 hier ein Rapidler. Er spielte durch. Dazu gibt es hier seit Jänner 2016 den Grazer Pogatetz (Bank) und seit diesem Sommer mit Michael Gspurning einen weiteren Steirer sowie einen Ex-Austrianer in der Mannschaft (beide nicht im Kader). Sportchef ist derzeit der ehemalige Rapid-Sportdirektor des Jahres 2013 Helmut Schulte.
Der Anfeuerungsruf „Eisern Union!“ soll in den 1902er Jahren erstmals bei einem Spiel der Union Oberschöneweide gegen Hertha BSC erklungen sein, als ein Unentschieden gegen den überlegenen Gegner noch zu Gunsten der Hertha zu kippen drohte. Der Ursprung dieses Ausrufs geht auch auf die Bezeichnung „Schlosserjungs“ zurück, denn so wurden die Spieler aufgrund ihrer damals blauen Spielkleidung und ihrer überwiegenden Herkunft aus der Arbeiterklasse genannt.
Das Das Stadion An der Alten Försterei wurde 1920 als Sportplatz Sadowa von Union Oberschöneweide mit einem Freundschaftsspiel gegen den amtierenden deutschen Meister Nürnberg vor 7.000 Zuschauerinnen und Zuschauern eröffnet. Der nahe Bahnhof Wuhlheide hieß bis 1929 Sadowa, benannt nach der Schlacht von Königgrätz 1866. Es etablierte sich aber schließlich der heute offizielle Name aufgrund des neben dem Platz gelegenen Forsthauses, das den Namen Alte Försterei trug. Mehrmals wurde das Stadion in den 1950er, 1960er und 1970er Jahren renoviert und auf eine Kapazität von etwa 22.000 Zuschauerinnen und Zuschauern, fast alles Stehplätze, erweitert. Das alte Stadion wurde ab 2008 schrittweise abgerissen und neu gebaut. 2008/09 wurden die drei Tribünenseiten abseits der alten Haupttribüne neu errichtet, wobei rund 2.000 freiwillige Helferinnen und Helfer fast 140.000 unentgeltliche Arbeitsstunden leisteten. Hier haben sich die Fans ihr Stadion zu einem guten Teil tatsächlich selbst gebaut. Die Haupttribüne wurde 2012/13 neu errichtet. Das Stadion bietet heute 22.012 Plätze (heute ausverkauft), davon 18.395 Stehplätze und nur 3.617 Sitzplätze. Dieser Überhang an Stehplätzen sorgt für eine dichte Atmosphäre. Wenn man eine Dreiviertelstunde vor Matchbeginn die Haupttribüne betritt, bietet sich einem auf den anderen drei Trbünenseiten bereits der Anblick eines vollen Stadions.
Vor dem Spiel wurde Berlin besichtigt.

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