Donnerstag, 12. September 2013

Transparent 6


Rezension


Transparent
Magazin für Fußball & Fankultur
Nr. 6 (2013)
66 S.







Es gibt hier einen interessanten kleinen Schwerpunkt über Fußballfans in der DDR und die Fankultur in den 80er Jahren. Die Staatsgewalt scheiterte mit ihrem Versuch, die Fankultur mit einer Doppelstrategie aus Vereinnahmung und Repression zu kontrollieren. Die grassierende Gewalt wurde ausgeblendet. Als größtmögliche Provokation für den kommunistischen Staat galt offener Neonazismus und so wurde dieser von der jugendlichen Fankultur weidlich gepflogen (die Dynamik entwickelte sich nach der Wende fatal fort). Die polizeistaatlichen Aktivitäten ließen ihnen hier einen Freiraum und konzentrierten sich lieber auf grenzüberschreitende Beziehungen wie etwa Vorlieben für oder Kontakte zu westdeutschen Vereinen: Allein 2.500 Fans von Union Berlin, wo eine Freundschaft mit Hertha BSC gepflegt wurde, wurden von der Stasi erfaßt.
Eine bezeichnende Geschichte erzählt Carl-Zeiss-Jena-Fan Matthias Stein im Interview: „Was mir in Erinnerung geblieben ist, dass der Stadionsprecher im Zusammenhang mit den Ereignissen in Kambodscha und dem daraus resultierenden Grenzkonflikt zwischen China und Vietnam vor dem Spiel eine Protestresolution ,Gegen die chinesische Aggression wider unseren vietnamesischen Freunden verlas. Was passierte? Der gesamte Fanblock skandierte sofort ,China, China! Vermutlich wußten die meisten gar nicht, worum es ging. Da hat man sich dann einfach auf die andere Seite geschlagen, nur weil man sich nicht indoktrinieren lassen wollte.“

Hervorzuheben sind an Transparent im übrigen die wirklich guten und informativen Groundhopping-Berichte. Genau so soll es sein.

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