Freitag, 7. Dezember 2018

Tornados spezial, 42



Rezension


Tornados spezial
Ausgabe 42
84 S.










„Ihn kennt ein jeder – Charly Brauneder!“ hieß es früher einmal. Einer, den heute jede und jeder kennt, die oder der in den letzten Jahrzehnten im Block West war oder sich auf Wiener Unterhausplätzen herumgetrieben hat, ist Christian Strommer (Pumuckl on Tour). In einem menschlich nahegehenden Portrait wird hier seine Lebensgeschichte erzählt und erstmals in größerem Rahmen seine Rapid-Leidenschaft gewürdigt. Seit 1994 geht er regelmäßig zu Rapid und ist nicht mehr wegzudenken. Seit vielen Jahren findet praktisch kein Spiel von Kampfmannschaft und Amateuren und fast keine größere Rapid-Veranstaltung ohne ihn statt. Als Verkäufer von Aufnähern ist er noch in Erinnerung. Man erfährt hier aber auch über seine Sammelleidenschaft: „Seine Sammlung besteht inzwischen aus einer vierstelligen Zahl an Schals, Aufnähern, Aufklebern, Fotos, T-Shirts, Pullis, Westen, usw. Er besitzt dabei fast alles, was in den letzten Jahrzehnten von den aktiven Gruppen angeboten wurde, aber auch vieles vom offiziellen SK Rapid.“ Es ist nicht nur ein würdiger und wertschätzender Artikel über Christian Strommer sondern einer der besten Artikel, die jemals über einen Rapidfan geschrieben wurden.

„Schmelzer Buam“ – das waren die Rapidler einmal vor dem Umzug nach Hütteldorf 1912 und seit kurzer Zeit haben sich die Tornados in einem Keller in der Gegend eingerichtet. Dazu veranstalteten sie einen historischen Rundgang auf der Schmelz und informieren hier nochmals über Situation und Umstände der Schmelz in den Gründungsjahren Rapids, auf dem einstigen Schmelzer Exerzierfeld und dem Rudolfsheimer Sportplatz, wo die Rapidviertelstunde mit der Kirchturmuhr der Rudolfsheimer Pfarrkirche als damals einziger Zeitanzeiger auf einem Wiener Sportplatz ihren Ausgangspunkt hatte. Laurin Rosenberg vom Rapideum erzählt von „Mr. Rapid“ Dionys Schönecker, der die Übersiedlung nach Hütteldorf organisierte und Rapid in jahrzehntelanger Vereinstätigkeit bis zu seinem frühen Tod 1938 zu ungeahnten Erfolgen führte. Er beschreibt einen Mensch mit seinem Widerspruch. Diese kenntnisreich und gut geschriebenen historischen Einführungsartikel sind in jeder Ausgabe erneut eine große Freude.

„Einen fundierteren Einblick in die Szenen von Ferencváros und Parma bekommt ihr wohl in keinem anderen deutschsprachigen Fanzine und schon gar nicht im Internet.“ heißt es im Vorwort und das stimmt voll und ganz. Im Heft gibt es wieder Besuchsberichte bei Spielen der Freunde, Beiträge zur Lage (GM) oder dem Weg zurück in die Serie A (Boys Parma). Dazu kommt auch der Bildungsauftrag des Tornados spezial nicht zu kurz, einerseits durch einen kurzen Text über Matteo Bagnaresi und seine Bedeutung und andererseits wird man über die Turul-Vogelstatue informiert, die bei Tatabánya über der Autobahn nach Budapest thront: „Sie gilt als die wahrscheinlich größte Vogelstatue Europas. Warum wahrscheinlich, fragen sich womöglich manche Leser. Die Antwort ist sehr leicht: Kennt irgendjemand eine größere?“

Die Rapid-Spiele des Frühjahrs werden wie gewohnt in einem Rückblick Revue passieren gelassen. Das große Thema des Frühjahrs 2018 war wohl der Abschied von Steffen Hofmann Fußballgott als Spieler. In einem Interview erzählt er hier noch einmal von seiner Karriere, seinen Erlebnissen und Ansichten. Man erfährt beispielsweise, mit welchem Spieler er in seiner Zeit nicht klarkam: „Den hat es überhaupt nicht interessiert, der war einfach da, weil er sonst nichts gefunden hat und ist mir schon schwer auf die Nerven gegangen.“ Auflösung im Heft.

Keine Kommentare:

Kommentar posten