Freitag, 9. Januar 2026

Aura einer Legende





Rezension


Aura einer Legende
125 Jahre Erster Fußball-Club Nürnberg
Regie: Christian Mössner, Bernd Siegler, Alexander Diezinger und Matthias Hunger
Deutschland 2025
127 Min.



Breitenseer Lichtspiele, 9.1.2026





Der FCN-Jubiläumsfilm in einer Sondervorstellung in Wien. Die Ultras Rapid veranstalteten die Filmvorführung im Zeichen der Freundschaft im ältesten noch bestehenden Kino der Stadt, den seit 1909 bestehenden Breitenseer Lichtspielen in Wien XIV. Ein geschichtsträchtiger Ort, an dem es zuletzt auch A guardia di una fede zu sehen gab und der einen würdigen Rahmen bot.
Der als No-Budget-Film von ausgewiesenen Experten auf eigene Kosten in der Qualität eines High-Budget-Films zum 125-jährigen Jubiläum des 1900 gegründeten 1. FC Nürnberg gestaltete Film erzählt über den Club und seine Historie nicht chronologisch, sondern anhand von 25 exemplarischen Geschichten. Diese tragen die Handlung und werden mit nachgespielten Szenen, literarischen Vorträgen von Gedichten, Liedern, historischen Filmszenen und Fernsehbildern sowie vor allem in 26 Interviews mit Spielerlegenden, Fans und Funktionären dargestellt. In der Kraft des Wortes ihrer Erzählungen liegt die Kraft des Films.
Die Episoden sind sehr unterschiedlich. Einen guten Einblick in vergangene Zeiten geben nicht nur die Interviews sondern etwa auch private Filmaufnahmen von großen Reisen in den 1950er und 1960er Jahren. Gleich der Einstieg des Films ist hart, mit der Geschichte des Tormanns Georg Köhl, der als verwundeter Soldat im Zweiten Weltkrieg die notwendige Amputation des Arms verweigerte, weil er später wieder für den FCN spielen wollte, und daran daher kurz darauf starb. Es sind schöne Geschichten aus weiter zurückliegender Vergangenheit und jüngerer Zeit. Es wäre aber nicht der Club, wenn nicht auch Abstiege Thema wären. Der große DFB-Pokal-Sieg 2007 ist auch schon bald zwei Jahrzehnte her, man kann sich aber noch gut an ihn erinnern und er kommt im Film wie die anderen Titelgewinne natürlich vor.
Filmemacher Christian Mössner, bekannt nicht nur von zuletzt Großer Bruder und Generationen 25, sprach mit Oliver von den Ultras Rapid einleitende Worte vor dem Film und danach gab es noch einmal eine Reflexions-Runde. Einprägsam sind seine Worte über die „zwei 1. FC Nürnberg“, nämlich den dominanten, Titel gewinnenden Verein bis 1968 und den uns danach bis heute bekannten Verein mit viel Auf und Ab, der oft stolperte, aber auch jedesmal wieder aufstand. Beide gehören zur Identität des Clubs.
„Aura. *altgriechisch: αὔρα aura ‚Lufthauch‘. Die Aura, die den 1. FC Nürnberg umweht ist immer spürbar, aber kaum greifbar.“ wird zu Beginn des Films der Titel erklärt. Der Film macht die Aura einer Legende greifbarer.

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