Mittwoch, 28. März 2018

Blickfang Ultrà, 43



Rezension


Blickfang Ultrà
Nr. 43
2018
116 S.








Mit zwei bereits einige Jahre alten, aber dennoch umso mehr interessanten Interviews wartet das Heft auf: Ein voller Geschichten aus einer anderen Zeit und Welt steckendes Gespräch mit Leuten von Polonia Bytom aus dem Jahr 2011, das auch bereits im Spezialinteresse-Heft Polska Kibolska abgedruckt war („Ob wir jetzt in der Kreisliga spielen oder sonstwo. Für welchen normalen Chuligan oder Fanatiker ist das denn wichtig? Du fährst und schlägst dich. Egal in welcher Liga.“), sowie ein ebenfalls älteres Ulmer Interview mit dem Gründungsmitglied und langjährigen Protagonisten der Verrückten Köpfe von Wacker Innsbruck Tommy Gassler, der von den Anfängen in den 1990er Jahren und v.a. von der Herstellung der ersten Fetzen samt Besorgung des Materials erzählt − in verschriftlichtem Tiroler Dialekt. Man hört ihn beim Lesen förmlich im Kopf reden.

Kurvenberichte erzählen von Europacupspielen deutscher Vereine und von DFB-Pokal-Begegnungen. Zusätzlich zum Kölner Bericht von ihrer Borisov-Reise gibt es ergänzendes, informatives A-Z zur Fankultur in Weißrussland. Einblicke in Ägypten geben ein Reisebericht und ein Text der Ultras White Knights des Kairoer Zamalek SC: „Seit 2014 haben die White Knights 20 Tote zu beklagen und 2 Gruppenanführer wurden als Verantwortliche für die Ausschreitungen am 8. Februar 2015 zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt. Von der Schuld am Tod der 20 Fans wurden sie frei gesprochen. Andere Fans sitzen wegen Beleidigung von Mortada (der Vereinspräsident, Anm.) im Gefängnis. Und schließlich wechselten sich allein in den letzten 2 Jahren mehr als 2.000 UWK-Mitglieder und Zamalek-Fans in ägyptischen Gefängnissen ab. 236 von ihnen waren 6 Monate lang inhaftiert, nachdem sie wegen ein paar zerbrochener Sitzschalen und Einsatz von Pyro bei einem CAF CL-Spiel am 9. Juli 2017 im Armee-Stadion − für Fans die einzige Möglichkeit ein Spiel zu schauen (nur bei internationalen Fußballspielen werden in Ägypten Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen, Anm.) − vor einem Militärgericht standen.“

Weiters erfährt man im Heft mit Reisebericht und Interview über Mexiko. Über das mir noch unbekannte Rumänien erzählt ein interessanter Derbybericht von der Begegung zwischen den neugegründeten und jeweils von Teilen der Ultras unterstützten Bukarester Vereine Rapid und Steaua in der vierten Liga. Da gibt es einiges an Hintergrund, doch offenbar noch viel mehr in der Hinterhand. Es wird ein zukünftiger Schwerpunkt über dieses Land angekündigt, in dem der Erstligafußball kaputt ist, wo es aber einmal eine florierende Ultrabewegung gab.

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