Dienstag, 18. August 2015

Ballesterer 104



Rezension


Ballesterer
Nr. 104, September 2015
82 S.






Im Sommer 2015 klopft Rapid an die Türen der Champions League an, nachdem man als Meisterschaftszweiter an den Qualifikationsspielen teilnehmen kann. Vor 60 Jahren nahm Rapid als erster österreichischer Verein an der ersten Saison des auf Initiative der französischen Zeitschrift L'Equipe gegründeten Europacups der Meister teil, obwohl man auch 1955 nicht Meister geworden war: „In der ersten Saison lag die Auswahl der 16 Teilnehmer nämlich bei L'Equipe, die sich am potenziell größten Zuschauerinteresse orientierte und in einigen Ländern nicht an den Meister, sondern an den populärsten Klub wandte. Deshalb durfte 1955 auch der SK Rapid mitspielen, der die Meisterschaft hinter der Vienna und dem Sport-Club nur auf dem dritten Platz beendet hatte.“ erklärt Nino Duit in seinem Artikel. Er schreibt über Rapids Europacup-Premierensaison und die Folgejahre bis zum Erreichen des Meistercup-Semifinales 1961 und sprach dazu auch mit dem Ex-Rapidler Josef Höltl, einem von drei noch lebenden Spielern der Mannschaft von 1955/56. Die Möglichkeiten der Vorbereitung auf ein Europacupspiel waren damals andere als heute, wie Höltl erzählt: „Wir sind da halt hingefahren und haben gespielt. Vom Gegner haben wir eigentlich nichts gewusst.“

In der Titelgeschichte beschreibt Nicole Selmer den Einfluss des Volkswagen-Konzerns im deutschen Fußball, wo er einen Bundesligisten als Werksverein führt, Anteile an zwei weiteren besitzt sowie die halbe Liga, den Pokal und viele Medien sponsert. Über den Audi-Verein Ingolstadt gibt es dazu einen ergänzende Reportage.
Christoph Heshmatpour beginnt eine Serie über die EM-Stadien Frankreichs vielversprechend mit einer Kolumne über Lens, wo die Fantribüne des Stadions nach dem Wiener Legionär Tony Marek benannt ist. Als bei Lens unvermeidlichem Topos baut er eine Analogie zum Film Willkommen bei den Sch'tis ein. Interessantes über die Entstehung der Fußballfankultur in der ehemaligen Sowjetunion erzählt in einem Interview der Historiker Manfred Zeller, der darüber ein Buch geschrieben hat.

Wunderliches aus den USA berichten Alexander Nebel und Isabella Kubicek von den Portland Timbers, wo die Fangruppe der Timbers Army für Support sorgt: „Vor der Fankurve liegt ein Baumstamm, der vor Anpfiff von den Fans mit Schals geschmückt wird.“ Nach jedem Tor schneidet davon ein Holzfäller mit einer Motorsäge ein Stück ab. „Stolz hält er das Stück Holz in die Luft und reicht es an den Fanblock weiter − unter tosendem Applaus wird die Scheibe geküsst und geherzt.“

Hinweis in eigener Sache: Von mir selbst stammt ein Bericht von der Wiederbelebung des Brünner Stadion za Lužánkami. Wie immer gibt es im Printartikel anderes von mir zu lesen als im Eintrag über dieses Spiel hier im Blog. Ich empfehle submissest also sowohl die Lektüre meines Blogs als auch des Ballesterer.

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