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Mittwoch, 26. November 2025
Wir sind schon auf dem Brenner, 5
Rezension
Wir sind schon auf dem Brenner
Ausgabe 5
Juli 2025
244 S.
Ganz und gar um Italien geht es in diesem Fanzine aus den Reihen der Schickeria München wieder. Ein dickes Hoppingheft, eng beschrieben mit viel Text, der von nichts anderem als Reisen nach Italien und Spielbesuchen in Italien erzählt. Wer diesem kleinen Blog hier folgt, wird meine eigene Leidenschaft für Italien-Reisen schon bemerkt haben. Daher ist das ein Fanzine, das ich aufmerksam studiere, da es eine geballte Menge an wertvollen Erfahrungswerten und Informationen bereitstellt. Darüber hinaus sind die Erzählungen gut und schön zu lesen. Die aufmerksamen Beobachter notieren Details und zeigen gute Fotos dazu. Eine geballte Ladung an zahlreichen Spielberichten führt einen hier in das Italien der Jahre 2023 und 2024. Durch die verschiedenen Autoren, die teils gemeinsam als Gruppe und teils selbständig reisen, kommt hier eine ordentliche Menge an Spielbesuchen zusammen. Dabei gibt es mit Europacupspielen italienischer Vereine auch erstmals von Spielen mit nicht-italienischer Beteiligung zu lesen. Rauf und runter bunt gemischt durch die Städte und Ligen liest man sich von Bericht zu Bericht. Anlässlich der Schilderung einer Fahrt nach Sardinien fiel mir auf, wie selten die beiden großen Inseln hierbei vorkommen. Das gilt ja für mich selbst hauptsächlich aus reisepraktischen Gründen auch: Von den aktuell 235 Spielen in 211 Grounds, die ich in Italien gesehen habe, waren nur acht auf Sizilien (sieben Grounds) und nur fünf auf Sardinien. Im Unterschied zu Autoren im Heft, die sich das Ziel von zumindest zwölf Spielen pro Jahr in Italien setzen (hätte ich in den letzten Jahren nur 2020 und 2021 nicht erfüllt), setze ich mir bewusst keinerlei Ziele. Wenn ich das tun wollen würde (Konjunktiv II !), wären mehr Spiele auf den Inseln ein Punkt. Nachdem ich mich in der Rezension der vorigen Ausgabe 4 noch gefragt hatte, ob es aufgrund der zwischenzeitlichen Entwicklung neben der Rubrik Samb e Monaco über Sambenedettese künftig einen eigenen Block über Empoli geben wird, gibt es diesen hier natürlich auch: Empoli e Monaco.
Auch diesmal kommt im Heft wieder das ein und andere Spiel vor, bei dem ich auch zugegen war. Dass aus dem kurzen Gespräch im Oktober 2023 bei einem typischen Sonntagvormittagsspiel aber solch lobende Worte hier folgen, hat mich bei der Lektüre doch arg geflasht und auch sehr erfreut: „Brucki aus der Fanszene von Rapid Wien drehte gerade seine Fotorunde. Ich muss wahrscheinlich nicht sagen, dass meine Sympathien für den SK Rapid gen 0 tendieren, aber genauso steht es außer Frage, dass Brucki nicht nur zusätzlich zu allen Spielen seiner Mannschaft noch eine krasse Anzahl interessanter Spiele sieht, sondern auch einen richtig informativen Blog betreibt, der gerade für italieninteressierte Leser gute Berichte, auch mal mit tiefergehenden Hintergründen bereithält. Für heute sollten sich die Wege nicht mehr kreuzen, für ihn ging es weiter nach Matera, während wir das Spitzenspiel der Serie D Girone H besuchten.“ Ich kann das Lob genauso gespiegelt zurückgeben. Bei vice versa auch wenig überraschend nicht vorhandener Sympathie für den FC Bayern München, erkenne ich gute Arbeit an. Dieses Heft wird von Leuten geschrieben, die wissen was sie tun, das gut machen und mit ihrem Fanzine einen Mehrwert für andere schaffen. A5 / 6 € / erhältlich in der Südkurve München
Dienstag, 23. Mai 2023
Wir sind schon auf dem Brenner, 4
Rezension
Wir sind schon auf dem Brenner
Ausgabe 4
April 2023
196 S.
„Wir sind schon auf dem Brenner“ hieß es zum vierten Mal aus München, wo in den Reihen der Schickeria ein großartiges Italien-Heft produziert wird. Nach der 2020 erschienenen Ausgabe 3 reichen die Spielberichte hier von Februar 2020 bis Dezember 2022. Mit der allseits bekannten Pandemie sind es eigentlich aber zwei Zeiträume, nämlich ein kurzer Februar 2020 und dann eine Strecke von Oktober 2021 bis Dezember 2022. Überwiegend besteht das Heft aus Reiseberichten von verschiedenen Leuten über ihre besuchten Spiele in Italien. Was gibt es Schöneres als über Italien zu lesen? Der persönliche Schreibstil macht das Heft sympathisch. Manchmal mit mehr und manchmal auch mit weniger Details am Rande („Pizza war lecker, aber das ist ja in Italien nicht berichtenswert.“) Ich lese von den Spielen mit Informationsgewinn und tue das mit erhöhter Aufmerksamkeit bei Matches, bei denen ich selbst war, um die Eindrücke zu vergleichen. Das betrifft hier etwa Frosinone-SPAL (der Satz „Am Samstag war die Spielauswahl überschaubar.“ traf da auch auf mich zu) und Avellino-Foggia im Dezember 2021. Eine zweiwöchige Italien-Tour im November/Dezember 2022 unter Ausnutzung der WM-Pause ist natürlich eine großartige Sache. So etwas machte ich aufgrund der Rapid-Freundschaftsspielprogramms zwar nicht, in Italien war ich aber auch ein bisserl. So war ich auch beim beschriebenen Spiel SC Pellegrini – ASD Borbonia Felix (ein Ground, kein Höhepunkt) zugegen. Ich erinnere mich, dass ich dort noch dachte, dass da doch Leute stehen, die mir bekannt vorkommen. Erwartungsgemäß bekommt im Heft auch der Dezembertag 2022 mit erst Vis Pesaro gegen Cesena und danach Rimini gegen Ancona am 10.12.2022 seinen Platz. Das Doppel zog vor Ort ja sichtlich viele Leute aus dem Norden an. Das führt auch zu einer Grundsatzbemerkung von Patti: „Aber ein bisschen Contenance wahren, wäre schon nicht verkehrt. Weil lange wird das halt nicht mehr gut gehen, wenn bei einem Bumsspiel in der dritten Liga 15 Deutsche im Pressebereich sitzen und nicht mal einen Stift, geschweige denn einen Laptop, dabei haben, dafür aber als erste in der Halbzeit in den Presseraum rennen und die Snacks leerfressen. Von den Fotografen im Innenraum hatten manche nicht mal eine Kamera dabei. Die Vereine dort reden ja auch untereinander. Und dann kommt mal wieder ein Spiel, bei dem man kaum an Karten kommen kann und ohne Akkreditierung nur ganz schwer reinkommt. Und vielleicht werden dann halt mal pauschal alle diese halbseidenen Anfragen aus Deutschland einfach in die Ablage rund gepackt und am Ende stehen halt auch Leute, die wirklich zumindest für einen kleinen Kreis Berichte schreiben (fürs EF, BFU, die eigenen Hefte) vor den Stadien. Vielleicht mal nur jedes zweite oder dritte Spiel anfragen, vielleicht zumindest etwas den Anschein machen, ein ernsthafter Berichterstatter zu sein.“ Auch wenn ich davon betroffen bin, fühle ich mich hier mal nicht betroffen, da ich ja durchaus mit Kamera (hier) und/oder Laptop (sonst oft) „arbeitete“ und nicht nur so tue als ob. Die Bemerkung ist aber natürlich völlig richtig und wahr. Der Einschnitt wird angesichts der Entwicklung jedenfalls irgendwann kommen. Ich versuche bei solchen Gelegenheiten ohnehin, mich vom deutschen Mob ein wenig abseits zu halten (nicht meine primäre Bezugsgruppe) und war an besagtem Abend in Rimini daher bewusst auch nicht in der Stadionbar, in der wenig italienisch und viel deutsch gesprochen worden sein soll, wie man schon vor Ort mitbekam.
Eigene Kapitel beschäftigen sich mit Spezialthemen. So gibt es hier etwa im Abschnitt Ultras & Alkohol eine Liste an Ultrasgruppen mit Alkohol-Bezug im Namen. Mit schönen Details wie z.B. über die Sempre Al Bar von Monza: „Diese hingen ihre Fahne bei Auswärtsspielen stets falsch rum auf, wenn die Bar bzw. der Ausschank von Alkohol nicht erlaubt war.“ Weiters gibt es eine Geschichtsstunde zur Geschichte der italienischen Ultras in den 2000er Jahren, eine Fotostrecke aus Neapel zu Maradona-Streetart und eine weitere zu den Stadiongraffiti in Torre Annunziata. Berichtet wird natürlich auch wieder von Samb e Monaco über Bayern und Sambenedettese. Beim nächsten Mal dann auch Empoli?
Jedenfalls wieder eine sehr gute Lektüre. Man kann nicht genug über Italien lesen.
A5 / 7 € / erhältlich in der Südkurve München
Freitag, 13. November 2020
Wir sind schon auf dem Brenner, 3
Rezension
Wir sind schon auf dem Brenner
Ausgabe 3
Mai 2020
176 S.
Ganz und gar Italien gewidmet ist das Heft aus den Reihen der Münchner Schickeria. Der Titel „Wir sind schon auf dem Brenner“ dürfte sich von einem gleichnamigen Lied, das zur WM 1990 von dem Schlagersänger Udo Jürgens mit der deutschen Nationalmannschaft veröffentlicht wurde, sowie naheliegenderweise vom Weg über den Brennerpass, den man von München nach Italien nimmt, ableiten.
Die dritte Ausgabe vom Mai 2020 (das erste Heft war im März 2018 erschienen) bringt Berichte aus dem Jahr 2019 und der ersten Woche des Jahres 2020. Den Hauptteil des Hefts machen klassische Reiseberichte von Spielbesuchen aus, vom 19.1.2019 in Lecce bis zum 6.1.2020 in Bologna. Mehrere Autoren schreiben unterhaltsam von ihren Fahrten, Erlebnissen und dem in den Stadien Gesehenen. Zusammen mit den abgedruckten Fotos geht einem das Herz auf und man kommt beim Lesen und Betrachten unweigerlich ins Schwärmen. Wie leiwand Italien doch ist. Vor allem die Berichte aus Apulien sind spannend und ließen die Gedanken schweifen, wohin man selbst dorthin einmal wieder fahren will. Dazu denkt man bei Berichten unweigerlich an die eigenen Matchbesuche in manchen Orten zurück, wo es beim eigenen Spielbesuch dort manchmal besser und manchmal schlechter als hier beschrieben gewesen ist. Viele Sätze kann man unterschreiben, etwa zu Juve Stabia „Klar, es ist nicht die größte Szene, es ist nicht die lauteste Kurve, aber man merkt, dass das hier etwas sehr Kostbares und Besonderes ist.“ Nur bei einem im Heft berichteten Spiel war ich ebenfalls gleichzeitig vor Ort, dem großartigen Play-off-Spiel Triestina-Pisa, an das ich hier gerne erinnert wurde.
Ein eigener Abschnitt gehört Samb e Monaco. Es gibt einen Artikel über die Katastrophe im Stadio Ballarin 1981 sowie über die Bayern-Freundschaftsbesuche bei Sambenedettese zu lesen. Hier wird von acht Samb-Besuchen im Jahr 2019 in diesem Rahmen berichtet.
In Pisa machte man Sturm-Bekanntschaft: „Beim Einchecken hörte ich im Flur einen österreichischen Dialekt, was mich etwas stutzig machte, da bei Pisa bekannterweise die Grazer gern und oft zugegen sind. Nun, ich täuschte mich nicht, die Sturmflut hatte es in unser Hostel geschwemmt.“ Zunächst begegnete man sich noch nicht, aber später am Abend dann machte man Bekanntschaft mit österreichischer Anrede. „Als wir gemütlich unser ‚gutenachtott‘ auf der Terrasse rauchten, kamen auch die Grazer vorbei. ‚Heast, wer sads jetzt leicht ihr?‘ war die Frage derer.“ Danach musste dann auch noch das gegenseitige Verhältnis geklärt werden.
Eine Rapid-Nennung gibt es in Zusammenhang mit den aufgrund ausverkaufter Halle verpassten Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Fossa dei Leoni von Fortitudo Bologna per impliziter Erwähnung von Josef Gruber (Unterwegs): „Basketball ist zwar eh nicht unsere bevorzugte Ballsportart aber in so einer Halle kanns ja schon ganz cool werden (und wurde es auch, zumindest wenn man sich das Video eines bekannten Rapidlers dazu anschaut); aber so ist es halt im Leben, man kann nicht alles haben und sehen.“ Eine sehr richtige Lebenseinstellung.
Diverse Nachrichten aus der italienischen Fußball- und Ultrà-Welt aus Frühjahr und Herbst 2019, die im Heft zusammengefasst werde, lassen einen noch einmal manches ins Gedächtnis zurückrufen und anderes neu erfahren. Dazu finden sich hier ein Artikel über die Derbys in der Region Apulien, Teil 3 einer Geschichte der Ultras (auf zwei Seiten ein Einstieg über die 1990er Jahre) und interessante Eindrücke von der Ausstellung zu 50 Jahren Ultras Tito Cucchiaroni, die eine Woche im September 2019 in Genua zu sehen gewesen ist.
Ein ganzes Heft nur über Italien. Das ist genauso gut wie es klingt.
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