Freitag, 25. April 2014

Körner II – Alfred Körner. Ein Leben für Rapid und den Fußball



Körner II
Alfred Körner
Ein Leben für Rapid und den Fußball

24. April − 28. Juni 2014
Sonderausstellung

Rapideum
Gerhard-Hanappi-Stadion





Eine neue Sonderausstellung des Rapideum widmet sich Alfred Körner. Der Untertitel „Ein Leben für Rapid und den Fußball“ ist nicht zu hoch gegriffen. Der 1926 in Wien geborene Körner ist ein Rapidler mit Leib und Seele. Seit mehr als einem Dreivierteljahrhundert ist Rapid sein Leben. Wenn man ihn bei Veranstaltungen erlebt und ihn von seiner Rapid erzählen hört, dann sprüht der Rapidgeist geradezu aus seinen verschmitzten Augen und seinem Schmäh, in den er seine Anekdoten verpackt. Er ist trotz seines hohen Alters Rapid verbunden wie kaum jemand anderer, besucht seit Jahr und Tag regelmäßig die Heimspiele und organisiert seit einem halben Jahrhundert (!) ein Netzwerk ehemaliger österreichischer Fußballspieler.


Gemeinsam mit seinem Bruder Robert kam Alfred Körner 1938 zu Rapid (im selben Jahrgang wie Ernst Happel). Sie wurden „Körner I“ und „Körner II“ benannt und entwickelten sich zu den besten Fußballern ihrer Generation. Die Ausstellung erzählt anhand der Person Alfred Körners, „Körner II“, die Fußballgeschichte der Nachkriegsjahrzehnte. Bei der Ausstellung über Hans Krankl vor einem Jahr war es eine religiöse Anspielung. Bei Körner ist das Grundthema und Plakatmotiv nun eine Paraphrase der einst berühmten und bekannten ORF-Fernsehserie Österreich II von Hugo Portisch und Sepp Riff über die politische Geschichte der Zweiten Republik. Körner II steht so mit seinem Leben pars pro toto für die Fußballgeschichte der Zweiten Republik.


Das Rapidarchiv listet für den Stürmer Alfred Körner 172 Tore in 309 Pflichtspielen für Rapid auf. Das ist eine sehr stolze Torquote von 0,6 Toren pro Spiel. „Körner II“ spielte von 1942 bis 1959 für Rapid und wurde mit seinem Herzensverein siebenmal österreichischer Meister und einmal Cupsieger. Er debütierte 1943 an seinem 17. Geburtstag in der Kampfmannschaft und schoß dabei auch gleich sein erstes Tor. Es war der Ehrentreffer bei einer 1:7-Niederlage beim FAC. Hier eine Zeichnung von Alfred Körner als Rapidspieler aus den 1950er Jahren.


Nachdem sein Bruder Robert bei Rapid ins Traineramt gewechselt war, ging Alfred Körner 1959 zur Admira, bei der er 1963 seine Karriere beendete. Robert Körner wurde ein langjähriger und erfolgreicher Rapid-Trainer, doch auch Alfred Körner erwarb sich seine Meriten. Als Sektionsleiter gewann er mit der Admira 1965/66 das Double aus Meisterschaft und Cup, war Trainer bei der Vienna und gewann als Trainer der U21 Rapids 1974 die erstmals ausgetragene U21-Meisterschaft mit 18 Punkten Vorsprung. Von 1976 bis 1991 organisierte er mit Karl Decker den Bund österreichischer Fußballehrer und seit 1989 leitet er den Klub der Alt-Internationalen, der sich wöchentlich im Hanappi-Stadion trifft. Beruflich arbeitete als Beamter der Niederösterreichischen Landesregierung, 28 Jahre im Kulturreferat und 10 Jahre in der Sportabteilung. Hier Alfred und Robert Körner Ende der 1970er Jahre.


Die Verbundenheit Alfred Körners mit Rapid zeigt sich auch in seinem Engagement für den Nachwuchs. Sei es früher als Trainer (U21-Meister 1973/74) oder wie am unten zu sehenden Bild als Gratulant der international erfolgreichen U15-Mannschaft 2013.


Mit Rapid bereiste Alfred Körner die ganze Welt. Tourneen in der meisterschaftsfreien Zeit waren damals eine einträgliche und willkommene Geldquelle.


In der Nachkriegszeit bedeuteten die Reisen auch, aus der Not, der Mangelwirtschaft und den Ruinen der zerbombten Stadt zu entkommen. Hier ein Bild vom 8:3-Sieg Rapid gegen Post am 25. August 1946 im kriegsbeschädigten Praterstadion. Vier Tore schoß Alfred Körner in diesem Spiel.


47 Länderspiele spielte Körner (14 Tore), darunter die WM 1954 und 1958. Er gehörte zu dem Team, das mit dem dritten Platz 1954 den größten Erfolg der Nationalmannschaft erreichte. Neben Alfred Körner erzielten sonst nur Hans Krankl und Walter Schachner bei zwei Weltmeisterschaften zumindest ein Tor für Österreich.


Matchprogramm und Eintrittskarte vom WM-Semifinalspiel 1954, das Österreich gegen die BRD verlor. Auch wenn das kleine Finale gegen den amtierenden Weltmeister Uruguay noch gewonnen wurde und der dritte Platz bei einer WM die beste Platzierung der österreichischen Fußballgeschichte darstellt, wurde dieses Abschneiden damals als Niederlage gesehen und die Spieler hatten bei ihrer Rückkehr einen unfreundlichen Empfang. Jedenfalls spielten sportliche Erfolge und hier auch der Fußball aber für die österreichische Nationsbildung eine wichtige Rolle. „Als Spieler der damals wohl besten Vereinsmannschaft Kontinentaleuropas und des Nationalteams repräsentiert und prägt Körner II die nationale Selbstfindung der Zweiten Republik mit und trägt sie in die Welt.“ beschreibt dies der Ausstellungstext nicht ohne Pathos.


Die leidenschaftlichsten und brisantesten Länderspiele waren in den ersten zwei Dritteln des 20. Jahrhunderts die häufigen Spiele Österreichs gegen Ungarn. In den 1950er Jahren waren es Begegnungen von Weltklassemannschaften. Hier eine Erinnerungsmedaille aus dem Jahr 1955 zum 100. Länderspiel zwischen Österreich und Ungarn. Alfred Körner und die anderen Österreicher verloren damals vor 100.000 Zuschauerinnen und Zuschauern im Budapester Népstadion gegen die ungarische Aranycsapat um Ferenc Puskás 6:1.


Das legendärste Länderspiel Alfred Körners war wohl die sogenannte Hitzeschlacht von Lausanne, das torreichste WM-Spiel der Geschichte. Österreich gewann das Viertelfinalspiel gegen die Schweiz bei 40°C im Schatten 7:5. Dieses davor aufgenommene Mannschaftsbild zeigt wie wichtig und notwendig das Rapideum als Institution und Anlaufstelle ist. Es wurde nach Eröffnung der Körner-Ausstellung vom Schwiegersohn von Walter Zeman vorbeigebracht und ergänzt seither die Präsentation.


Neben der Sonderausstellung kommt Alfred Körner natürlich auch in der Dauerausstellung gebührend vor. Mit Pickerln wurde gekennzeichnet, wo etwas über ihn zu finden ist. In der Säule über Ernst Happel gibt es z.B. die Rapidmannschaft von 1951, die mit der Rekordzahl von 133 Toren in nur 24 Spielen zum 17. Mal österreichischer Meister wurde. Von oben links: Robert Körner, Karl Giesser, Robert Dienst, Hans Riegler, Alfred Körner, Leopold Gernhardt, Franz Golobic, Max Merkel, Walter Zeman, Ernst Happel, Erich Müller.


Alfred Körner hatte bei der Gründung des Rapideum Pate gestanden: Er hatte die Hymne Rapid bin ich und will es sein ins Rapid-Gedächtnis zurückgerufen, die sich mit dem Video zur Rapideum-Eröffnung zu einem kleinen Ohrwurm entwickelte. Das Rapid-Museum ist immer wieder einen Besuch wert.



Alfred Körner


Alfred Körner in seinem Büro im Hanappi-Stadion


Alfred Körner und der Rapidgeist

Alfred Körner und die WM 1954

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