Donnerstag, 27. Mai 2010

Schicksalsspiel

Rezension

Schicksalsspiel
Deutschland 1993
Regie: Bernd Schadewald
u.a. mit: Niels Bruno Schmidt, Nicolette Krebitz, Benno Fürmann




Im Rahmen eines Schwerpunkts zu den Aufstiegsfeierlichkeiten des FC St. Pauli lief im Programm des NDR ein Fernsehfilm, der ein wahres Kleinod des Fußballfilms darstellt.
Obwohl eigentlich mehr Liebesgeschichte als Fußballfilm, denn es ist eine Variation des Themas von Romeo und Julia.

1993 entstanden, spielt der Film im kurz zuvor (1991) entbrannten und bis heute haßerfüllten Konflikt zwischen − linken − St.Pauli-Fans und − rechten − Fans von Hansa Rostock. Eingewoben werden daher auch zeitgenössische dokumentarische Szenen und Aussagen involvierter Fans.

Vor diesem Hintergrund, im Kulturkonflikt von Ost und West im frisch wiedervereinigten Deutschland, zwischen linker und rechter Jugendsubkultur, im Milieu jugendlicher halbstarker Provokationslust und Hooliganismus erleben zwei Menschen aus so verschiedenen Ecken ihre tragische Liebe.

Die Geschichte ist sehr plakativ gezeichnet. Die Rostocker sind dumpfe Nazis und gemeingefährliche Gewalttäter. Die St.Pauli-Fans Mittelschicht-Punks im zerstörerischen Selbstmitleid. Aber dennoch packt der Film einen und ist geradezu, ja, rührend. Dazu wird das Fußballfangefühl auf Auswärtsfahrten gut vermittelt − und die bedrückende Gewalttätigkeit der Zeit. Leider wenig zeitgenössische Eindrücke gibt es aus dem alten Rostocker Ostseestadion und vom Hamburger Millerntorstadion vor Um- und Ausbau.

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