Freitag, 21. Mai 2010

11 Freunde, 102


Rezension


11 Freunde
Magazin für Fußballkultur
Nr.102, Mai 2010
146 S.






Zwei sehr spannende Artikel zur Frage von Fans, Gewalt und "Sicherheit" bietet die Ausgabe.
Pascal Claude berichtet aus der Schweiz, wo die Debatte "laut und verfahren" ist. Es wird aneinander vorbeikommuniziert: "Die einen verteidigen, unverstanden von der Öffentlichkeit, ihr Verständnis von Fantum, die anderen haben genau diesem Fantum den Kampf angesagt, auf Biegen und Brechen."
Das kommt auch aus Österreich bekannt vor, wo Ultras sich vorzugsweise per Kommunique öffentlich äußern (und die Wiedergabe nur eines Zitats daraus in den Massenmedien anstatt einer vollständigen Wiedergabe als Beweis der Feindlichkeit derselben sehen) sowie die staatliche Seite mit Schikanen und Strafen vorgeht und das dann auch noch Dialog- und Deeskalationsstrategie nennt. Dennoch klingt die geschilderte Schweizer Situation hart.
Blanke Repression ist falsch. Veränderungen können nur durch Veränderung der öffentlichen Meinung herbeigeführt werden. Dafür muß man öffentlich argumentieren. Claude vermißt eine Stimme der Fans im öffentlichen Diskurs. "Gerade in ihrer Sprachlosigkeit" seien Fußballfans "ein dankbares Exerzierfeld für neue repressive Instrumente", denn "Verweigerung ist eine schlechte Taktik in einer Debatte, die wie kaum eine zweite über die Medien ausgetragen wird." Dem ist zuzustimmen. Die zu späte, aber dennoch einige Aufmerksamkeit erregende, weil professionell aufgezogene Kampagne Pyrotechnik ist kein Verbrechen ist hierzulande ein Beispiel, was und wie's ginge.

Ganz gegenteilig ist die Situation im nordirischen Derry, wo beim katholischen Derry City am Spieltag keine Polizei zu sehen ist, sich im Stadion nur Ordner des Vereins befinden. Das hängt natürlich mit dem Nordirlandkonflikt zusammen, aufgrund dessen die lange protestantisch dominierten Sicherheitskräfte hier kein Leiberl hatten und eskalierend wirken mußten. Doch auch heute funktioniert das Modell und läßt laut John Flack selbst hartgesottene Auswärtsmobs von ZSKA Sofia oder Paris Saint-Germain mangels Gegner hier friedliche Fußballfeste veranstalten.

Dazu gibt es im Heft noch Interessantes über die Trainerausbildung in den Niederlanden. Über Rot-Weiß Essen, Traditionsverein aus dem deutschen Ruhrgebiet abseits der großen Fußballwelt, mit zwar großer Vergangenheit, aber trister Gegenwart erzählen Tim Jürgens und Benjamin Kuhlhoff eine traurige Geschichte des Verfalls, manifestiert im halb abgerissenen Stadion und dem scheiterenden Neubau.

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