Freitag, 9. Mai 2014

Unterwegs 9


Rezension


Unterwegs
Das etwas andere Fanzine aus Österreich
Nr. 9, April 2014
79 S.







Die unvergleichliche Stärke des Unterwegs sind die Interviews. Diesmal sind die Interviewpartner neben einem Hool von BFC Dynamo aus (Ost-)Berlin und einem langjährigen und weitgereisten deutschen Groundhopper („Teamchef“) auch ein Mitglied der Via Armenia 5r, der führenden Ultragruppe der Gradinata Nord von Genoa. Zuletzt sorgte ja der letztlich zur Spielverschiebung auf Montagabend führende Protest gegen eine Ansetzung des Genua-Derbys zur sonntäglichen Mittagszeit um 12:30 Uhr für einige Aufmerksamkeit. Rund um dieses Interview stellte Josef Gruber einen großen Genoa-Schwerpunkt zusammen, der in acht Teilen den Verein und die Fanszene präsentiert. Die Texte über die Vereinsgeschichte, das Museum (mittlerweile umgezogen), das Denkmal für Vincenzo Spagnolo und die Stadt Genua durfte ich beisteuern.

Erfreulicherweise wird die im letzten Heft begründete Tradition fortgeführt, von jahrzehntealten Rapid-Spielen zu berichten. Gruber erzählt von seinen Besuchen der Europacup-Heimspiele gegen RFC Lüttich 1989 und Inter Mailand 1990, für die er als 15-Jähriger jeweils auch ein Transparent anfertigte und an den Zaun hängte. Eine sehr gute Idee ist es, daß er seine Erinnerungen mit Berichten anderer von den Auswärtsspielen dazu ergänzt und somit einen kompakten Rapid-Geschichtsteil schafft.
Sehr anschaulich sind auch die Erzählungen von seinem Besuch des Meistercup-Finales zwischen AC Milan und Benfica im Wiener Praterstadion 1990, wo er als Teenager in der Milan-Sektor stand: „Zum ersten Mal hörte ich Gesänge in einer anderen Sprache, das war ein gewaltiger Kulturschock. Sicher, wenn auf der West 1990 paar hundert Leute ,Hier regiert der SCR oder ,Rapidler olé olé ... skandierten, war das schon imposant. Aber diese melodischen Gesänge minutenlang getragen von tausenden Tifosi, das war unpackbar und bescherte mir wochenlang einen Ohrwurm. An dem Tag habe ich das erste Mal auch Bengalen in Aktion gesehen, und das nicht zu wenig.“

Weiters erzählt Gruber im Heft von seinen Erfahrungen auf einer Tour durch Italien im Winter 2014 zu Latina, Lazio, Livorno und Fiorentina und kommt dabei zum Fazit „Italien rockt noch immer!“ Interessant ist dabei neben den Eindrücken der Spiele vor allem seine Erzählung vom Lost Ground Campo Testaccio im Rom (Bilder auf unterwegs-derblog.blogspot.com verlinkt), Stadion der AS Roma von 1929 bis 1940. Mitsamt der Beschreibung von Sehenswertem im Stadtteil klingt das vielversprechend und steht für eine allfällige Reise nach Rom nunmehr weit oben auf der Liste.

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