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Sonntag, 17. Januar 2016

Virtus Lanciano - Pro Vercelli 1:0 (0:0)

Italien, Serie B, 22a giornata, 16.1.2016
Stadio Guido Biondi, 2.147

Es wäre ein klassisches 0:0 gewesen, bei dem beide Mannschaften an sich selbst scheiterten. Auch wenn Virtus Lanciano die ganze zweite Hälte um einen Mann mehr war: Seit einer für Pro Vercelli wohl vermaledeiten 45. Minute, als ein Stangentreffer von einem mit Gelb-Rot geahndeten Foul begleitet wurde. Als es nicht mehr zu erwarten war, fiel dann doch noch das Siegestor. Während in anderen Breitengraden Jubel eines Torschützen vor der Fankurve mit der gelben Karte bestraft wird, feierten hier nicht nur alle Feldspieler bei ihren Fans (soweit das durch die Radrennbahn getrennt möglich ist) sondern auch die komplette Ersatzbank, die quer über das Feld gesprintet kam. Keinerlei Reaktion des Schiedsrichters. Schön.
In der Kurve wurde um ein Mitglied getrauert. Die Mannschaft legte vor Spielbeginn Blumen nieder.
Die Società Sportiva Virtus Lanciano wurde ursprünglich 1919 als Polisportiva Virtus Lanciano gegründet. 1959 nach Konkurs aufgelöst und durch Fusion mit einem anderen Verein als Pro Lanciano weitergeführt. 1976 wurde daraus die US Lanciano und nach erneutem Konkurs und Neugründung 1992 AC Lanciano 90 und dann 2001 SS Lanciano. Seit der vorläufig letzten Pleite und Vereinsauflösung 2008 heißt man in Wiederaufnahme des alten Namens Virtus (lateinisch „Kraft“) Virtus Lanciano und nennt als Gründungsjahr 1924 − das Jahr, in dem die ersten Vereinsstatuten formuliert wurden. 2001 kehrte Lanciano mit dem Aufstieg in die Serie C1 nach einem halben Jahrhundert (Abstieg 1948) in die Drittklassigkeit zurück. Größter Erfolg der Vereinsgeschichte war 2012 der Aufstieg in die Serie B, in der man seither spielt.
Das Stadio Guido Biondi wurde 1961 eröffnet. Zunächst hatte es keinen eigenen Namen, wurde aber nach markanten Bäumen allgemein Cinque Pini („fünf Pinien“) genannt. 2001 wurde das Stadion nach dem in Lanciano geborenen und 1999 verstorbenen Fußballer Guido Biondi benannt. Die Radrennbahn ist nach einem Radfahrer Velodromo Alessandro Fantini benannt. Die mangels Bedarf nicht aufgesperrte Tribünen auf der gegenüberliegenden Längsseite wurden 2015 aufgestellt und ersetzten dort 1986/87 errichtete Stahlrohrtribünen. Die Curva Nord (Gäste) kam 2001/02 hinzu und die Curva Sud (Heimkurve) 2002/03. Seit 2015 beträgt die Stadionkapazität 5.700 Plätze.
Vor dem Spiel wurde die Stadt Lanciano besichtigt.

Dienstag, 26. März 2013

Livorno - Virtus Lanciano 2:0 (1:0)

Italien, Serie B, 33a giornata, 24.3.2013
Stadio Armando Picchi, 4.723

Ein klarer und verdienter Heimsieg von Livorno der Marke schnörkellos. Die Mannschaft bleibt weiter auf Aufstiegskurs.
Ein Begriff ist AS Livorno vor allem aufgrund der Fanszene der 90er und frühen 2000er Jahre. Sie waren für ihre Militanz sowohl in linksextrem-politischer als auch gewalttätiger Hinsicht berühmt-berüchtigt. Vor allem letzteres konnte nicht gut gehen, hunderte Stadionverbote leerten die Kurve und brachten sie zum Verstummen. Ihr betont kommunistisches Auftreten sicherte ihnen aber auch bereits vor 2007 genügend staatliche Aufmerksamkeit. Seit einem Jahr wächst der Support wieder. Die Anzahl der Mitmachenden ist wohl in Summe gering, aber es gibt Schlechteres und es gefiel. Das Spruchband, in dem der mit einem Hitlergruß aufgefallene Grieche Giorgos Katidis als „Sohn von Troja“ verunglimpft wurde, zeugte von guter Bildung und Gewandtheit in der Kunst des Untergriffs. ;-) (figlio di troia heißt aber auch einfach „Hurensohn“)
Der Auswärtsmob aus Lanciano war verhältnismäßig zahlreich und supportete aktiv. Ins Auge stochen zwei Los Gauchos (?), einer davon mit Sombrero und überdimensionaler Plastikbanane.
Die Associazione Sportiva Livorno Calcio wurde 1915 gegründet, und zwar aus einer Fusion der Vereine SPES und Virtus als US Livorno. Die größten Erfolge waren bislang zwei italienische Vizemeisterschaften 1920 (Finalniederlage gegen Inter) und 1943 (zweiter Tabellenplatz hinter Torino). US Livorno war 1929 Gründungsmitglied der Serie A, wo man bis 1949 spielte. Nach dem Erstligaabstieg ging es bald weiter in die Serie C hinunter, nur 1955/56 und 1964 bis 1972 durch Zweitligasaisonen unterbrochen. Nach Lizenzentzug 1991 begann man in der sechsten Liga neu. 2001 kehrte man in die Serie B zurück und 2003 folgte eine umjubelte Rückkehr in die Serie A nach mehr als einem halben Jahrhundert. Fünf Jahre dauerte es, dann folgte ein Auf und Ab: 2008 ging es hinunter, 2009 hinauf, 2010 wieder runter. Heuer ist der Aufstieg wieder drin.
2006/07 gelangte Livorno durch die Zwangsabstiege und Punkteabzüge infolge des Calciopoli-Skandals in den UEFA-Cup und spielte dabei u.a. gegen und in Pasching.
Mit Jürgen Prutsch stand hier bis zum Winter ein Österreicher im Kader (seit 2010), jetzt ist er zu Barletta verliehen. 1934 und 1935 arbeiteten hier Franz Hansl (italianisiert als Francesco Hansel) und Karl Stürmer als Trainer. Stürmer wurde 1943 von deutschen Soldaten erschossen.
Das Stadio Armando Picchi wurde 1935 fertiggstellt. Bereits 1933 fand auf der Baustelle mit bereits fertiggestellter Tribüne (ohne Kurven) vor 10.000 Zuschauerinnen und Zuschauern das erste Spiel statt. Das Stadion wurde Stadio Edda Ciano Mussolini nach der Tochter des Diktators benannt. Als erstes Spiel nach der Fertigstellung wurde hier ein Länderspiel des B-Teams Italiens gegen das B-Team Österreichs ausgetragen (0:0). Nach 1945 hieß das Stadion dann Yankee Stadium, weil die US-Soldaten hier American Football spielten, sowie Stadio di Ardenza. 1990 wurde es nach dem in Livorno geborenen Armando Picchi benannt, der in den 1960er Jahren mit Inter dreimal italienischer Meister geworden war und zweimal den Europacup der Meister gewonnen hatte. Die Kapazität des Stadions beträgt 19.238 Plätze. Abseits des Innenraums ist die Baufälligkeit an vielen Stellen bemerkenswert, vor allem die aus dem Beton heraustretenden, freiliegend vor sich hin rostenden Stahlstäbe. Möglicherweise ist das der Grund, weswegen die Ordner Bauhelme tragen.
Die Hafenstadt Livorno wurde im Zuge des Aufenthalts erkundet. Nach dem Match ging es gleich weiter zum Abendspiel ins nahe Empoli.