Sonntag, 3. Mai 2026

Austria Lustenau – Schwarz-Weiß Bregenz 2:0 (1:0)

2. Liga, 28. Runde, 3.5.2026
Reichshofstadion, 5.076

Derby am Sonntagvormittag in Vorarlberg. Die Voraussetzungen waren sehr ungleich. Gemeinsam war beiden der Bedarf an Punkten. Austria Lustenau vor dem Spiel knapp mit einem Punkt vorne liegend als Tabellenführer, der in die Bundesliga zurückkehren will. Schwarz-Weiß Bregenz am Tabellenende, das aber noch nicht abgestiegen ist und sich gegen den Abstieg wehrt. Die Bregenzer begannen auch gut, vor der Pause erzielten die grün-weiße Austria aber das 1:0. Wiederum hatten nach der Pause aber die Bregenzer einen guten Beginn und Ausgleichschancen. Mit dem 2:0 schaffte die Austria Lustenau aber die Entscheidung zum Derbysieg, der sie in der Spitzenposition für Zweitliga-Meistertitel und Bundesligaaufstieg hält. Sie haben es in den kommenden beiden Runden in der eigenen Hand.
Die Nordtribüne Lustenau mit den gemeinsam auftretenden Gruppen Union Nord und Nordfront Lustenau hatten die Tribüne zu Spielbeginn mit Bändern in grün, weiß und gelb geschmückt samt Spruch Forza Austria Luschnou! und nach einem entsprechend südamerikanisch-inspirierten Wurfrollen-Intro stieg auch Rauch in diesen Farben auf. In der Minute 65 gab es eine weitere, grün-weiße Rauch-Show.
Im Schwarz-Weiß-Bregenz-Sektor um die Bianco e Nero Supporters Bregenz '05 fuhr in der Choreographie zu Spielbeginn das bekannte Bodensee-Schiff Vorarlberg mit Vereins-Fahne am Heck über den mit blauen Zetteln dargestellten, für Bregenz charakteristischen See. Nach Ankunft drehten die Zetteln auf schwarz-weiß und zeigten ein schwarz-weißes Bild. Das in der Landeshauptstadt Bregenz stationierte Schiff Vorarlberg ist ja ein besonderes Schiff, da seine Namensgebung nach dem Land 1964 Gegenstand eines veritablen Volksaufstands mit teils gewaltsamen Massendemonstrationen bei der Fussacher Werft war (Fußbach-Affäre). Auffällig war die FCB-Schwenkfahne mit Bregenzer Martinsturm, die sich auf den Vorläufer der Vereinsgeschichte FC Bregenz bezieht. Eine kleine Pyroshow hatten sie auch dabei. Das Spruchband 10:30 Derby Laolaarsch offen? protestierte gegen die Ansetzung zur frühen Uhrzeit. Insgesamt war mehr Bregenzer Anhang im Stadion als im Auswärtssektor vertreten, einige Leuten waren auch außerhalb auf den Tribünen.
Vor eineinhalb Jahren sorgte der Raub des Fetzens der Ultras Bregenz durch Austria Lustenau für Aufsehen – „bei einem mehr als fragwürdigen Angriff durch eine Überzahl weit abseits des Stadions, auf dem Nachhauseweg“, wie die Ultras Bregenz damals in ihrem folgenden Auflösungs-Statement bekanntgaben. Es war zu erwarten, dass im wohl für unbestimmte Zeit letzten Derby hierzu etwas folgen wird. Tatsächlich präsentierte Austria Lustenau den Fetzen gegen Spielende und zerriss ihn. Schwarz-Weiß Bregenz hatte aufgrund der als ehrenlos bewerteten Vorgangsweise samt ihres danach ebenso folgenden Vorgehens einen ebenfalls aufsehenerregenden Konter, indem sie das Autokennzeichen der Angreifer auf einem Spruchband zeigten.
Dies spiegelt die Brisanz der Begegnung wider. Austria Lustenau hat mit dem Lokalderby gegen den FC Lustenau, der Begegnung mit dem FC Dornbirn aus der Nachbarstadt und dem im letzten Jahrzehnt mit der starken Entwicklung der Fanszenen groß und hitzig gewordenen Derby mit dem SCR Altach auch andere Derbys, die Begegnungen mit Schwarz-Weiß Bregenz haben aber eine in den 1990er Jahre zurückreichende Geschichte, als sich 1999/2000 beide Vereine in der Bundesliga begegneten. Nach einer Begegnung im ÖFB-Cup 2011 hatte es dann bis zur Saison 2024/25 gedauert, bis sich Austria Lustenau und Schwarz-Weiß Bregenz wieder in der 2. Liga in Meisterschaftsspielen begegneten. Aufgrund des Stadionumbaus hier spielte aber vorige Saison Austria Lustenau im Bregenzer Bodenseestadion, also ausgerechnet in der Heimstätte von Schwarz-Weiß Bregenz. Damit war dies hier das erste Derby mit ihnen im Reichshofstadion seit 26 Jahren, seit dem 29. April 2000. Schwarz-Weiß Bregenz hatte das Spiel damals vor 10.500 Zuschauerinnen und Zuschauern glatt mit 4:0 gewonnen und hatte damit den Klassenerhalt fixiert, während die Niederlage für die Austria Lustenau den Abstieg bedeutete. Diesmal waren die Verhältnisse umgekehrt. Mit für sie günstigem Meisterschaftsausgang in der Regionalliga Ost, der dort keinen Aufsteiger bringen könnte, könnte Schwarz-Weiß Bregenz aufgrund der zwei Pleiten von Zweitligisten und der dadurch verringerten Abstiegsplätze auch als Tabellenletzter noch die Klasse halten. Groß ist jedenfalls die Wahrscheinlichkeit, dass es im im 2025 mit einem Spiel gegen den FC Augsburg neueröffneten umgebauten Reichshofstadion nächste Saison Bundesligafußball zu sehen geben wird.

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